Neue Aufsichtsvorgaben zum operationellen Risiko

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Dr. Yvonne Balduf, Wirtschaftsprüferin, Kopenhagen

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) stellte im Dezember im Rahmen der Veröffentlichung „Basel III: Finalising post-crisis reforms“ seine Empfehlungen für einen neuen einheitlichen Standardansatz unter Säule I zur Berechnung der risikogewichteten Aktiva vor, der – auch vor dem Hintergrund der geplanten Abschaffung interner Modelle im operationellen Bereich (sog. AMA-Ansätze) für Zwecke der Säule I – für alle Institute verbindlich werden wird. Dadurch löst der Ansatz künftig sowohl den aktuellen Basisindikatoransatz (BIA) als auch die beiden aktuellen Standardansätze (STA) ab. Mit dem neuen Ansatz sind zudem erhebliche Verschärfungen der qualitativen Anforderungen an die Steuerung verknüpft. Damit setzt der Baseler Ausschuss seinen begonnenen Weg der Flankierung von Säule-I-Maßnahmen durch qualitative, in Säule II umzusetzende Maßnahmen, konsequent fort. Der neue Ansatz soll zum 1. Januar 2022 in der EU umgesetzt sein.

 SEMINARTIPPS

Struktur des neuen Standardansatzes

Der Entwicklung seines überarbeiteten Ansatzes für die Eigenmittelunterlegung des operationellen Risikos hat der BCBS eine Erhebung im Jahr 2008 zu den Verlustdaten im Bereich der operationellen Risiken bei 121 den AMA verwendenden Banken in 17 verschiedenen Staaten, Umfragen sowie eine Auswirkungsstudie im Jahre 2010 zugrunde gelegt. Die Erhebung und Auswertung der Verlustinformationen erfolgte durch die beim BCBS angesiedelte „Operational Risk Subgroup of the Standards Implementation Group (SIGOR)“. Anhand der Untersuchungen erarbeitete der BCBS ein aufsichtliches Capital-at-Risk-Modell, das folgende Aspekte und Vorgaben berücksichtigt:

  • Analyse der Erklärungskraft von zwanzig möglichen Risikofaktoren für das operationelle Risiko wie bspw. Größe, Bruttoertrag, Bilanzsumme, Verwaltungskosten oder Gesamtprovisionszahlungen
  • Tests verschiedener Häufigkeits- und Verlustverteilungen
  • Abbildung des Expected Shortfalls („Fat Tail-Risiken“)
  • 99,9%-Konfidenzniveau
  • Bedingung: UL/EL > 1

Als Ergebnis im Capital-at-Risk-Modell wurde der Geschäftsindikator (Business Indicator, BI) als beste erklärende Variable für das operationelle Risiko ausgemacht. Dieser Geschäftsindikator ersetzt künftig den Bruttoertrag als relevanten Indikator der aktuellen Standardansätze bzw. die Ertrags- und Ergebnisgrößen als Basisindikatoren im BIA. Der Geschäftsindikator ist als Summe aus der „Zinskomponente“ (umfasst definitorisch auch die Leasing- und Beteiligungskomponente), der „Servicekomponente“ und der „Finanzkomponente“ definiert. Mit Hilfe der Einordnung der Institute in drei Größenklassen für den Geschäftsindikator wird schließlich durch Multiplikation mit einem Alpha-Koeffizienten in Abhängigkeit der Größenklasse (Berechnung der Größenfaktoren bis zur nächsten Größenschranke) die Geschäftskomponente ermittelt. Durch Multiplikation der Geschäftskomponente mit dem sog. Internen Verlustmultiplikator (in den zwei höchsten Größenklassen) wird schließlich die Eigenmittelanforderung berechnet.

 BUCHTIPP

Janßen/Riediger (Hrsg.), Praktikerhandbuch Risikoinventur, 2015.

 

Qualitative Anforderungen

Flankiert werden die quantitativen Vorgaben zur Bestimmung der Eigenmittelunterlegung mit weitreichenden qualitativen Vorgaben an die Risikosteuerung, die den aktuellen Mindestanforderungen an das Interne Kontrollsystem der Institute nach Art. 320 CRR für Standardansatz-Anwender ähneln, aber darüber hinausgehen. Bei einer Nichteinhaltung der qualitativen Anforderungen ist die Anwendung von Strafrisikogewichtungen vorgesehen. Verpflichtend ist die Einhaltung der Anforderungen zwar nur für Banken in den zwei höchsten Größenklassen, allerdings zeigen diese neuen qualitativen Anforderungen die aktuellen aufsichtlichen Erwartungen an die Best Practice der operationellen Risikosteuerung deutlich. Dabei sind Verschärfungen gegenüber der aktuellen Regulierung insbesondere in den folgenden Bereichen zu erkennen:

  • Risikoinventur
  • Verlustdatensammlung
  • Unabhängigkeit der Steuerung des operationellen Risikos vom Rechnungswesen
  • Ressourcenanforderungen
  • Internes Berichtswesen

Nicht zuletzt sind die neuen qualitativen Anforderungen teilweise auch bereits Bestandteil der 5. MaRisk-Novelle 2017.

PRAXISTIPPS

  • Machen Sie Ihr Haus fit für die neuen Standardansätze und prüfen Sie die Nutzung des neuen RWA-Ansatzes auch für Ihrer Steuerung.
  • Achten Sie auf eine ausreichende Abgrenzung und Differenzierung der OpR-Teilrisikoarten bei der Schadensfallerfassung sowie auf eine gute Datenqualität.
  • Machen Sie Risiko- bzw. Frühwarnindikatoren für Ihr operationelles Risiko aus und binden Sie diese in Ihr Limitsystem ein.
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