5. MaRisk-Novelle – Altbewährtes in neuem Kleid?

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Die Bedeutung der neuen MaRisk Novelle für den Kreditbereich

Lars Marcel Hansen, Wirtschaftsprüfer, Senior Manager, 

Patrick Hueser, Prüfungsleiter, beide BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Frankfurt/M.

Die Neufassung der MaRisk vom 27.10.2017

Seit dem 27.11.2017 liegt nun die lange erwartete 5. Novelle der MaRisk vor (Rundschreiben BA 09/2017 vom 27.10.2017). Nach dem Anschreiben der BaFin waren im wesentlichen Diskussionen, Aktivitäten und Regulierungen auf internationaler Ebene Haupttreiber der Überarbeitung. Zu nennen sind hier u. a. die „Grundsätze für die effektive Aggregation von Risikodaten und die Risikoberichterstattung (BCBS 239)“, Regularien für Non-Performing Loans und Vertiefungen bei der Definition und Ausgestaltung von Forbearance-Maßnahmen. Darüber hinaus sind nun die Ergebnisse aufsichtsrechtlicher Diskussionen bzgl. einer angemessenen Risikokultur oder die Erweiterungen der Anforderungen zu Auslagerungssachverhalten in der Neufassung der MaRisk verankert.

Zusätzlich wurden Klarstellungen des bisherigen Verständnisses von bereits implementierten Regularien sowie deren Umsetzung in der aufsichtlichen Praxis vorgenommen. Für Bestimmungen, die neu gefasst wurden, ist eine Übergangsfrist bis zum 31.10.2018 vorgesehen. Soweit es sich jedoch um reine Klarstellungen der bisherigen Aufsichtspraxis handelt, bedarf es nach der Auffassung der BaFin keiner Übergangsfrist.

Änderungen im Kreditgeschäft mit Folgewirkungen

Die Regelungen in BTO 1.1. zur Funktionstrennung und Votierung bleiben gegenüber der vorherigen Version der MaRisk im Grundsatz unverändert. Jedoch ergibt sich durch redaktionelle Folgeänderung in BTO 1.2 betreffend der Überprüfung und Wertermittlung von Sicherheiten (insbesondere betreffend Objekt- und Projektfinanzierungen) ggf. Handlungsbedarf für Kreditinstitute. I. d. R. dürfte diese Änderung als redaktionelle Klarstellung zu verstehen sein, für die keine Übergangsfristen gelten. Auswirkungen könnten sich jedoch ergeben, soweit in diesem Kontext (z. B. bei der regelmäßigen Bestands- und Werthaltigkeitsprüfung von Sicherheiten) Auslagerungssachverhalte bestehen, für die die Neufassung des AT 9 von Bedeutung ist. Durch den Einbezug geeigneter Verfahren zur Wertermittlung von Sicherheiten in die Regularien des BTO 1.2 wird zudem deutlich, dass eine stärkere Verzahnung zwischen akzeptierten Sicherheiten und dem in den Instituten vorhandenen Know-how explizit sicherzustellen, zu dokumentieren und zu überwachen ist. Im Ergebnis wird hierdurch ein Einklangerfordernis zur Strategie und zur geschäftlichen Ausrichtung einschließlich Risikoneigung (Risikokultur) hergestellt. Darüber hinaus wird die unmittelbare Folgewirkung zu den Bestimmungen des AT 7 (Ressourcen) stärker verdeutlicht.

Aus der Klarstellung bzw. Aufnahme einer Definition des Begriffs Objekt- und Projetfinanzierung in die Erläuterungen geht weiterhin hervor, dass vermehrt Finanzierungen im aufsichtlichen Fokus stehen, bei welchen nicht auf die Bonität der Kreditnehmer bzw. der Beteiligten oder von Sicherungsgebern, sondern auf die Zahlungsströme der finanzierten Vermögenswerte abgestellt wird. Von besonderem regulatorischen Interesse dürften dabei u. a. die anhaltenden Diskussionen und Entwicklungen im Markt für Schiffs- und Flugzeugfinanzierungen, aber auch in der Finanzierung von Infrastrukturmaßnahmen sein. Auch die Entwicklung an den Immobilienmärkten (insbesondere für Gewerbe und andere Großimmobilien) dürfte die Aufsicht veranlasst haben, hier klarstellende Nachschärfungen den MaRisk-Regularien zu etablieren.

SEMINARTIPPS

Kreditprozesse: Schlanker • Kostengünstiger • Automatisiert, 16.04.2018, Frankfurt/M.

Prüfung MaRisk-Umsetzung, 24.04.2018, Köln

Die Klarstellungen zur Kreditbearbeitung von Immobiliar-Verbraucherdarlehen in BTO 1.2. sind ebenso Ausdruck der erhöhten Sorgen um die Entwicklung auf den Immobilienmärkten. In den Erläuterungen zu BTO 1.2.4 (Intensivbetreuung) findet sich nunmehr ein Verweis auf die EBA-Definitionen, die für eine institutsindividuelle Begriffsbestimmung heranzuziehen sind. Darüber hinaus wird klargestellt, dass institutsindividuelle Kriterien auch für den Übergang in die Intensivbetreuung sowie in die Abwicklung von den Instituten zu bestimmen sind. Durch den Verweis auf die Risikofrüherkennungsmaßnahmen gem. BTO 1.3 sowie auf die Risikoklassifizierungsverfahren und den Prozess der Risikovorsorge (BTO 1.2.6) wird die erforderliche Einbettung dieser Prozesse in das Verfahren der Risikoberichterstattung i. S. d. BT 3 deutlich, in dessen Rahmen u. a. eine zukunftsorientierte Berichterstattung einschl. Handlungsvorschlägen geboten ist.

Zusammenfassung und Ausblick

Aus der Neufassung der MaRisk vom Oktober 2017 lassen sich auf den ersten Blick keine signifikanten Änderungen im Kreditgeschäft ableiten. Aufgrund der nunmehr stärkeren Vernetzung der einzelnen Module untereinander ergeben sich jedoch beachtenswerte Folgewirkungen für interne Kreditprozesse, die sich bis auf die Ebene der strategischen Ausrichtung auswirken können. Einige Bestimmungen – wie z. B. die Berücksichtigung wahrscheinlicher Schwankungen des Einkommens von Kreditnehmern bei Verbraucher-Immobiliarfinanzierungen – werden künftig zu Auslegungs- und Interpretationsschwierigkeiten führen. Weiterhin werden einige Klarstellungen und Neuerungen die Institute vor neue administrative Herausforderungen stellen (z. B. das Erfordernis der Aufbewahrung von Unterlagen über den gesamten Lebenszyklus eines Kredits). Viele Institute haben in der Vergangenheit auch im Rahmen ihrer MaRisk-Regularien auf die Forbearance-Definition der EBA abgestellt. Es bleibt abzuwarten, ob sich zukünftig eine davon abweichende institutsindividuelle Definition der Forbearance-Maßnahmen etablieren kann.

PRAXISTIPPS

  • Analysieren Sie mögliche Querverbindungen und Folgeauswirkungen für das Kreditgeschäft zu den Änderungen in AT 9 und AT 7 der MaRisk als auch im Hinblick auf die Anforderungen an die Risikoberichterstattung i. S. d. BT 3 der MaRisk.
  • Überprüfen Sie die bestehende Konzeption der Unterlagenaufbewahrung im Hinblick auf das Vorhalten von Szenarien für Verbraucher-Immobiliarfinanzierungen.
  • Stellen Sie sicher, dass die Anpassungen und Veränderung von risikorelevanten Detaildaten des Kreditbereichs auch im Rahmen der Risikodatenaggregation und der Risikoberichterstattung berücksichtigt werden.
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