„AnaCredit Aktuell: Nach der Meldung ist vor der Meldung?!“

Frank Günther, FCH Consult GmbH

Am 31.12.2018 war die AnaCredit-Verordnung seit einem Jahr in Kraft. Auch wenn in aktuellen aufsichtlichen Veröffentlichungen die Umsetzung der aktuellen EBA-Guideline im Umgang mit Non-Performing Loans (NPL), das Thema IT-Risiken und der Fortgang der Umsetzung von Basel IV dominieren, ist es Zeit, zum Jahreswechsel ein kurzes Resümee zur Umsetzung von AnaCredit zu ziehen, um die Aufgaben 2019 zu fixieren. Was konnte im Rahmen der Testmeldungen, der Vollmeldung zum 30.09.2018 und der z. Zt. laufenden Regelanzeige erreicht werden und was steht den Banken noch bevor?

I. Daten, Daten, Daten-Qualität der Anzeigen

Mehrfach wies die Deutsche Bundesbank in ihren Rundschreiben 2018 auf die Notwendigkeit der Verbesserung der Qualität der übertragenen Meldedaten durch die Banken hin. Gleichzeitig wurde auf die Verantwortung der Banken lt. Anhang V der AnaCredit-Verordnung fokussiert:

a) Statistische Informationen müssen korrekt sein;

b) Berichtspflichtige müssen in der Lage sein, Informationen zu den in den übermittelten Daten implizierten Entwicklungen zu erteilen;

c) Statistische Informationen müssen komplett sein und dürfen keine kontinuierlichen oder strukturellen Lücken enthalten – Berichtslücken müssen vorübergehend sein und der NZB (und von dieser der EZB) gemeldet, der zuständigen NZB erklärt und gegebenenfalls sobald wie möglich überbrückt werden;

d) Berichtspfliichtige haben die Maßeinheiten, Rundungsverfahren und Dezimalstellen zu beachten, die von der zuständigen NZB für die technische Datenübermittlung festgelegt

wurden. Ein nochmaliger Vollabzug der anzeigepflichtigen Daten per 30.09.2018 führte zu einer Fokussierung der bestehenden technischen, fachlichen und Datenqualitätsproblemen.

Mit dem aktuellsten Rundschreiben 95/2018 vom 19.12.2018 weist die Deutsche Bundesbank z. B. explizit darauf hin, dass Daten von natürlichen Personen auf keinen Fall zu melden sind und dass für die bisherigen „Fehlmeldungen“ ein zentrales gesondertes Löschverfahren eingerichtet wird.

Die Banken werden somit auch im Sinne des Datenschutzes zu einer verstärkten Qualitätssicherung der Meldedaten aufgefordert. Betreffs der notwendigen Datenqualität für eine hochtechnisierte Einzeldatenanzeige zeigt sich immer wieder, dass in den Banken die zwingende Integration der Meldeprozesse als Qualitätssicherung der allgemeinen Bankprozesse von Beratung über Kreditgewährung, Problemkreditbearbeitung bis hin zur Kreditabwicklung noch nicht ausreichend umgesetzt wurde. Somit wird auf Grund der Granularität und Häufigkeit der Anzeige AnaCredit Qualitätsmesser der allgemeinen Prozess- und Datenqualität, als auch Spiegelbild der Qualität diverser statistischer und aufsichtlicher Anzeigen. So bewerteten Teilnehmer einer Veranstaltung der Finanz Colloquium Heidelberg GmbH im Oktober 2018 zu 2/3 den Aufwand für die AnaCredit Anzeige mit den bestehenden Mitarbeiterkapazitäten kaum für leistbar.

Neben der notwendigen technischen Integration des bankeigenen Fehlerhandlings aus Anzeigen in die fehlerverursachenden Bankprozesse und Zuständigkeiten wirkt sich zudem die intransparente Rückmeldung von Validierungsfehlern der Deutschen Bundesbank direkt an die Banken und nicht über den Einreichungsweg negativ auf eine schnellere Qualitätsverbesserung aus. (100 % der in der obig genannten Veranstaltung Befragten, welche die Rückmeldung kannten, hielten die Fehlerrückmeldungen nur mit großem Aufwand für bearbeitungsfähig).

So ist es zwingend erforderlich, dass die Validierungsfehlerrückmeldungen den internen Kunden und Kontennummern direkt zugeordnet und diese dann den zuständigen Mitarbeitern der Bank in den konkreten Bank- prozessen mit konkreten Handlungs-/Überprüfungshinweisen übermittelt werden können.

 

 BERATUNGSTIPPS

Prozess-Check AnaCredit-Umsetzung
Quickcheck: Datenqualität im Kreditgeschäft/ Meldewesen

 

 

II. Anforderungen sind noch im Fluss! – Aktuelle Neuerungen

Vor allem die in 2018 mehrfach angepassten Auslegungserläuterungen, Validierungsregeln und Codelisten zeigen deutlich, dass der Lernprozess hin zu einer stabilen europäischen Meldung noch nicht abgeschlossen ist. Aktuell wurde das Handbuch der Deutschen Bundesbank zu den AnaCredit-Validierungsregeln am 10.12.2018 umfangreich angepasst und somit im Wesentlichen die von der EZB per 05.11.2018 vorgenommenen Korrekturen übernommen. Schwerpunkte waren hierbei:

1. Löschung diverser inkonsistenter Validierungsregeln Beispielsweise entfielen die in der nachfolgenden Tabelle genannten Punkte.

2. Klarstellung von Validierungsregeln v. a. betreffs Eigenbetriebe, Investmentvermögen, rechtlich unselbständige Niederlassungen.

Allein der bisher bei anderen Anzeigen in dieser Detailebene nicht gekannte Umfang von fast 100 S. Validierungsregeln stellte in 2018 die Banken und ihre Dienstleister immer wieder vor neue Herausforderungen und wird nachhaltig die Prozesse der Banken beeinflussen. Entsprechend dem Rundschreiben 76/2018 der Deutschen Bundesbank vom 27.09.2018 sind bis März 2019 die Regelungen zur laufenden Korrektur und Löschanzeigen umzusetzen. Die Aktivierung der entsprechenden Validierungsregeln erfolgt ab Meldestichtag 31.03.2019. Spätestens dann müssen alle in den Vormonaten falsch gemeldeten bzw. ausgelaufenen Datensätze zu den entsprechenden Meldeterminen nachträglich mit dem Aktionsattribut Löschung gemeldet werden. Betreffs der rückwirkenden Korrekturen steht noch die abschließende Klärung des endgültigen Korrekturzeitraums auf europäischer Ebene aus.

 

 SEMINARTIPPS

Datenrisiken Meldewesen, 08.04.2019, Frankfurt/M.
AnaCredit: Prüfungsansätze und -Schwerpunkte, 05.06.2019, Düsseldorf.
Kreditmeldewesen Aktuell: AnaCredit – Groß-/Mio.-Kredite, 24.10.2019, Frankfurt/M.
Prüfung Kreditmeldewesen: KNE/GvK • Millionenkredite •AnaCredit, 25.11.2019, Berlin.
AnaCredit im Flow!? – Aktuelles & Fehleranfälligkeit & Datenkonsistenz, 26.11.2019, Berlin.

 

Die von Validierungsfehlern betroffenen Datensätze sind umgehend nach Erhalt der Rückmeldung zu korrigieren und erneut einzureichen. Des Weiteren werden die konzeptionellen Arbeiten betreffs der Entwicklung automatisierter meldungsübergreifender Validierungen/ Abstimmungen lt. Ankündigung der Deutschen Bundesbank in 2019 priorisiert erfolgen. Aus aktuellen Thematisierungen sind in 2019 noch weitere Konkretisierungen von EZB und Deutscher Bundesbank[1] zu erwarten, z. B.:

  • Präzisierung der Vorgaben zur Weiterverwendung der Instrumenten-ID im Bereich des Kontokorrentkredits auf laufenden Konten (Hinweis: mit Aktualisierung der Validierungsregeln bereits wesentliche Voraussetzungen geschaffen),
  • Regelungen bei uneinheitlichen Anzeigen von Konsortialgeschäften durch die Konsortialpartner,
  • Einführung der deutschen (Unternehmens-) Steuernummer DE TAX CD und der Umsatzsteueridentifkationsnummer DE VAT CD als Pflichtanzeige zusätzlich neben der Nationalen Kennung (seit 09/2018 freiwillig),
  • Regelungen zur Beibehaltung der Kennungen im Zuge von Fusionen oder Migrationen inkl. rückwirkender Korrekturen.

PRAXISTIPPS

  • Analysieren Sie Ihre Fehlermeldungen – Integrieren Sie die Bearbeitung in workflowgesteuerte Bearbeitungsprozesse.
  • Nutzen Sie AnaCredit zur internen Datenqualitätssicherung.
  • Definieren Sie wesentliche auffällige Abweichungen zu Voranzeigen.
  • Sichern Sie/Entwickeln Sie laufende Abstimmungsprozesse bei der Korrektur von Anzeigen i.V.m. anderen Anzeigen.
  • Integrieren Sie AnaCredit in die Prüfungsplanung 2019 – einerseits Prüfung Meldewesenprozess und andererseits Prüfungen Kreditprozesse und Legitimationsprozesse.
  • Definieren Sie die Zuständigkeiten für Datenqualitäten.
  1. Unter Verwendung der Diskussion und der Aussagen„Technisches Diskussionsforum AnaCredit am 27. August 2018“ bei der Deutschen Bundesbank.

 

 

Beitragsnummer: 60186


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