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FCH Innovation Days: Innovationen in Banken – ein ungenutztes Potential

Überwindung von Isolationen, Anpassungen des Arbeitsfeldes sowie Nutzung neuer Technologien zur Optimierung des Arbeitsprozesses

Sascha Sychov, Bereichsleiter Digitalisierung und Chefredakteur DigiPraktiker, FCH Gruppe AG

Innovationen sind ausschlaggebend für den Erfolg bzw. für die Entwicklungen eines Unternehmens ebenso wie neue Technologien. In der heutigen Zeit darf man sich nicht mehr auf ein Thema fokussieren, sondern muss mehrere Brillen aufsetzen, um unterschiedliche Seiten betrachten zu können.

1. Geschehen lassen

Ideen, Faszinationen oder Spekulationen kommen von außen, aber Innovationen werden von innen gelebt. Jeder Mitarbeiter, jeder Chef und jeder Auszubildende hat etwas Besonderes an sich, vor allem sein Denkvermögen. In den meisten Fällen wird das Potential nicht richtig genutzt bzw. nicht ausreichend gefördert. Selbstverständlich kann man Innovation nicht erzwingen, denn diese kommt und geht wann sie will. Man kann den Leuten eine Richtung aufweisen, woraufhin sie sich selbst Gedanken über bestimmte Situationen machen können, um neue Perspektiven einzunehmen. Man muss sich darauf einstellen, dass Fehler gemacht werden. Das ist besonders für die deutsche Bevölkerung sehr schwierig, weil sie in einer Non-Mistake-Kultur aufgewachsen ist, in welcher Qualität und Makellosigkeit an oberster Stelle stehen. Es muss klargemacht werden, dass aus Fehlern auch Lehren gezogen werden, aber man sich trauen muss, diese zuzulassen.

2. Technologische Unterstützung

Blockchain, Cloud Computing, Automatisierung/RPA, Künstliche Intelligenz (KI) und Big Data sind alles Begriffe, welche heutzutage in aller Munde sind. Vor einem Jahr wäre das noch undenkbar gewesen! Die digitale Welt ist schon lange angekommen, nur wird sie nicht genutzt. Blockchain kann den Zahlungsverkehr revolutionieren und Vertrauen im Internet schaffen, weil man die Personen am anderen Ende genau identifizieren kann. Mittels Cloud Computing kann man Teile der eigenen Infrastruktur digital abbilden oder sogar Prozessabläufe dorthin verlagern. Somit können neue Online-Markteinführungen deutlich beschleunigt werden. Immer wiederkehrende Aufgaben bzw. sich immer wiederholende Prozesse können mittels RPAs vollkommen automatisiert werden. Das führt zur Entlastung des Mitarbeiters, welcher sich gezielter auf seine Kernaufgaben konzentrieren kann oder sich sogar neuen, innovativen Herausforderungen widmen kann. Künstliche Intelligenz wird immer bedeutender in der Finanzbranche, nicht nur als Hilfe in der Beratung (z. B. Kreditvergabe) oder der Auswahl der idealen Vermögensstruktur für den Kunden, sondern auch für die Abwehr von Angriffen von außerhalb. Die KI muss nur reichlich mit Daten (Big Data) befüllt werden, um die Bedürfnisse des Menschen optimal zu analysieren bzw. um Angriffe vorherzusehen.

 

 SEMINARTIPPS

Digitalisierung im Konten-/Zahlungsverkehr: Praxis & Prüfung, 08.04.2019 Frankfurt/M.
Blockchain: Formen & Einsatzmöglichkeiten, 10.04.2019, Frankfurt/M.
Digitales Kreditgeschäft, 11.04.2019, Köln.
Neue aufsichtliche Vorgaben für Cloud-Nutzungen, 11.04.2019, Frankfurt/M.
Schlankere Baufi-Prozesse: Digital & Direkt, 13.05.2019, Frankfurt/Offenbach.
Robo-Advisor im Wertpapiergeschäft, 24.06.2019, Köln.
FCH Innovation Days 2019, 24–25.06.2019, Berlin.

 

3. Die Bank als Plattform

Damit ist nicht gemeint, dass jede Bank jetzt ihre eigene Plattform gründet und hofft, dass darauf direkt Geschäfte absolviert werden. So hart es klingt: Da sind die Banken schon zu spät!

Aber betrachtet es man von der anderen Seite. In Prinzip sind ALLE Banken schon kleine Plattformen, auf welchen sich permanent Aktivitäten entwickeln. Kunden nutzen deren App, die Chats und können schon teilweise online Geschäfte abwickeln. Da ist noch sehr viel Luft nach oben, insbesondere da die PSD II die Schnittstellen nach außen öffnet. Banken haben die Möglichkeit, ihre bestehende Plattform weiter auszubauen mit den Bausteinen der Start-Ups oder FinTechs, welche aus technologischer Sicht viel weiter sind als die Institute. In einer Welt, in der sich die Bedürfnisse der Kunden rasant ändern muss man schnell handeln, innovative Lösungen finden und den Trend antizipieren. Man muss sich folgende Fragen stellen: Welche Prozesse können optimiert werden und gibt es schon fertige Lösungen auf dem Markt?

Das FCH bietet die InnovationDays und den Innovation-Award

Auf unserer neuen Tagung am 24–25.06.2019 werden alle diese Themen behandelt: Von der Fachlichkeit bis hin zur praxisnahen Umsetzung.

Sie sind innovativ und haben schon vieles in ihrem Institut umgesetzt, in den Kategorien Business Model, Customer Experience, Innovative Operations und HR, Organisation & Leadership? Dann machen Sie bei dem gemeinsamen Projekt der Allensbach Hochschule und des FCH mit. Die Teilnahme am Award kostet für Banken 2500 €. Inklusive sind 2 Eintrittskarten zur Tagung.

 

 BUCHTIPP

Janßen/Plate/Riediger (Hrsg.): Digitalisierung im Dokumentenmanagement, 2017.

 

Sie sind Anbieter im Bankensektor und interessieren sich für ein Sponsoring der FCH-Innodays? Dann schreiben Sie uns: heidi.bois@fc-heidelberg.de

PRAXISTIPPS

  • Holen Sie externe Leute zu sich, um eine andere Sichtweise zu erlangen.
  • Lassen Sie Ihre Mitarbeiter einfach mal machen (Workshops, Ausflüge etc.).
  • Errichten Sie Innovationslabore und lassen jede Altersgruppe dort einfach mal machen.
  • Lassen Sie jede Idee auf sich wirken, egal wie unwahrscheinlich diese klingt Daraus entstehen meist die richtigen Ideen.
  • Keine Angst vor Veränderungen Man muss den Leuten nur erklären WARUM man bestimmte Sachen tut, um ihnen die Angst zu nehmen.
  • „Probieren geht über Studieren“ – Man muss bestimmte Neuheiten einfach ausprobieren, um Erfahrungen zu sammeln.
  • Jedes Institut ist ein Individuum, und so braucht es auch für sich die richtige Technologie Gehen Sie auf die Suche bzw. schauen Sie sich Ihre Prozesse an.

 

 

Fit & Proper in deutschen Kreditinstituten

Eignungsbeurteilung für Leitungs-/Schlüsselfunktionen ab 2018/2019.

Prof. Dr. Stefan Zeranski, Professur Betriebswirtschaftslehre für Finanzdienstleistungen und Finanzmanagement, Brunswick European Law School (BELS), Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften;
Dr. Jaime Uribe, Geschäftsführer FCH Personal GmbH.

I. Anforderungen der Aufsicht bereits in Kraft

Die Anforderungen der von der EBA und ESMA veröffentlichten Fit & Proper-Leitlinien (EBA/GL/2017/12) sowie die Leitlinien zur internen Governance (EBA/GL/2017/11) der EBA, die bereits seit dem 30.06.2018 anwendbar sind, stellen alle Mitglieder von Leitungsorganen (d. h. Geschäftsleiter, Aufsichtsräte, Verwaltungsräte) und die Inhaber von Schlüsselpositionen (d. h. Leiter der Risikomanagementabteilung, der Compliance-Funktion und der Internen Revision) in allen Instituten vor weitere, nun persönlich adressierte Herausforderungen. Die Anforderungen an die fachliche Qualifikation und persönliche Zuverlässigkeit der Inhaber von Leitungs- und Schlüsselpositionen sind weiter gestiegen und werden sich in den kommenden internen sowie externen Prüfungen intensiver bemerkbar machen.

Die Kriterien für die Beurteilung sind genau festgelegt, u. a.:

  1. Leumund
  2. Erfahrung (!)
  3. Interessenkonflikt und Unvoreingenommenheit
  4. Zeitaufwand
  5. kollektive Eignung

Wobei unter „Erfahrung“ die praktische, berufliche und theoretische Erfahrung vorausgesetzt werden. Insbesondere werden unter Beachtung der Proportionalität theoretische Kenntnisse in den Bereichen Finanzmärkte, Aufsichtsrecht (Regulierung), Geschäftsstrategie, Risikomanagement, Rechnungslegung/ Revision und Unternehmensführung (Beurteilungsfähigkeit und Auswertung) regelmäßig und bei Neueinstellungen bzw. Versetzungen (extern) geprüft.

Thümmel, Schütze & Partner

Dabei ist es das erklärte Ziel der Aufsicht, einzelnen Personen, die ein Risiko für den ordnungsgemäßen Betrieb der Bank darstellen würden, bereits den Eintritt in die Bank zu verwehren oder aber sie bei einem schwerwiegenden Vorfall von der weiteren Ausübung ihrer Funktion abzuhalten. Die Aufsicht erwartet, dass die Institute alle Leitungs- und Schlüsselfunktionen selbst gemäß den Fit & Proper-Anforderungen überprüfen und bei Mängeln handeln.

SEMINARTIPPS

 FCH Fit & Proper VORSTAND: Risikomanagement, 06.05.2019, Berlin.

FCH Fit & Proper VORSTAND: Aufsichts-Reporting 07.05.2019, Berlin.

FCH Fit & Proper VORSTAND: Haftung, 08.05.2019, Berlin.

FCH Fit & Proper VORSTAND: Kredit, 13.05.2019, Berlin.

FCH Fit & Proper VORSTAND: Kreditmeldewesen im Fokus der Aufsicht, 14.05.2019, Berlin.

FCH Fit & Proper VORSTAND: IT-Anforderungen, 15.05.2019, Berlin.

Fit & Proper: Neue Vorgaben und Erwartungen der Aufsicht, 06.06.2019, Frankfurt/M.

Diese Anforderungen betreffen nach jetzigem Stand in Deutschland nur die von der EZB direkt beaufsichtigten Kreditinstitute und Unternehmen. Eine Konkretisierung seitens der BaFin steht noch aus. In Österreich gelten die Fit & Proper-Anforderungen für alle Banken und somit auch für LSIs unter Beachtung der Proportionalität. Daher steht zu erwarten, dass die BaFin bei weniger bedeutenden Instituten (LSIs) auch Anforderungen an die Leitungsorgane unter Wahrung des Proportionalitätsprinzips stellen wird, zumal LSIs in ihrer Gesamtheit auch systemrelevant sind. Wichtig zum Verständnis: Proportionalität impliziert hier eine andere, bankspezifische Gewichtung der Beurteilungskriterien, aber nicht das Ausblenden aller oder einzelner Kriterien im Fit & Proper-Questionnaire.

Das Leitungsorgan muss also handeln, um Fit & Proper im jeweiligen Hause sicherzustellen und nicht fahrlässig zu agieren, was andernfalls mit einer ordnungsgemäßen Geschäftsführung nicht vereinbar wäre. Der Handlungsbedarf bezieht sich nicht nur auf die Vorbereitung für externe Prüfungen oder Aufsichtsgespräche, sondern vielmehr auf die laufende Weiterqualifizierung und laufende Sicherstellung einer angemessenen Fit & Proper-Personalbesetzung für alle Leitungs- und Schlüsselfunktionen. Die Fit & Proper-Strategie in den Instituten muss also gelebt werden und gut dokumentiert sowie überprüfbar sein.to

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II. Unmittelbare Handlungsfelder für die Institute

Wegen der Bedeutung und der Konsequenzen für die Mitglieder der Leitungsorgane und Inhaber von Schlüsselpositionen in den Instituten sollte das Thema in der Praxis strategisch, d. h. langfristig, ganzheitlich behandelt werden, und sich nicht nur auf die Implementierung einzelner Maßnahmen reduzieren. Fit & Proper zu sein und zu bleiben impliziert einen iterativen Prozess, der auch in der gesamten Organisation verankert sein muss. Der Fit & Proper-Zyklus wurde genau mit diesem Anspruch entwickelt. Er ermöglicht durch einzelne Bausteine die kurzfristige Erfüllung und Dokumentation dringender Fit & Proper-Handlungsbedarfe sowie die mittel-/langfristige F&P-Verankerung in der Organisation.

1. Fit & Proper-Assessment

Hier erhalten die Banken eine unabhängige, valide Beurteilung, die mit einer soliden Dokumentation begleitet wird. Soll eine neue Position besetzt werden, erfolgt auf Wunsch die Überprüfung der Kandidaten gemäß den F&P-Anforderungen bereits im Einstellungsprozess.

2. F&P-Policy

In der Fit & Proper-Policy werden das Vorgehen, die Kriterien und die Verantwortlichkeiten festgelegt, die als Leitplanken zur Verankerung der F&P-Strategie in der Organisation dienen. Dazu werden u. a. die Rahmenbedingungen sowie die bankspezifischen Erfolgsfaktoren identifiziert und geeignete Handlungsempfehlungen festgelegt.

3. F&P-Weiterentwicklung

Hier stehen den Mitgliedern der Leitungsorgane und den Inhabern von Schlüsselpositionen Einzelmaßnahmen für ihre laufende, persönliche Weiterentwicklung im Sinne der gestellten F&P-Anforderungen zur Verfügung. Diese werden im Detail geplant und konsequent nach der F&P- sowie der HR-Strategie implementiert und nach ausgewählten KPIs (Key Performance Indicators) evaluiert. Darüber hinaus, wenn das schon vorhanden ist, kann der Gesamtprozess nach F&P auditiert werden.

4. F&P-/HR-Strategie

F&P- und HR-Strategie müssen als wechselseitige Ergänzung implementiert und regelmäßig überprüft werden. Ergeben sich personelle F&P-Maßnahmen im Prozess, müssen diese konsequent und zukunftsorientiert durchgeführt werden. Im Falle von Umsetzungen oder Freisetzungen bietet es sich an, die Betroffenen sowie den Prozess und die Maßnahmen von einem Experten moderieren und begleiten zu lassen.

 

Bei Fragen oder Interesse an einzelnen Bausteinen zu Fit & Proper schreiben Sie mir oder rufen mich an.

Dr. Jaime UribeDr. Jaime Uribe
Tel.: +49 6221 99 89 8 -30
E-Mail: jaime.uribe@FC-Heidelberg.de

 

 

 

 

Die neue Versicherungsvermittlungsverordnung kommt – sind Sie bereit?

Anforderungen an Banken durch die IDD

Beitragsnummer: 47285

Florian Ruppel, Prokurist, Leiter Vertrieb, Raiffeisenbank Erlenbach eG

Die am 23.02.2016 in Kraft getretene europäische Richtlinie für den Versicherungsvertrieb (Insurance Distribution Directive (IDD)) wurde zum 23.02.2018 in nationales Recht umgesetzt. Durch die am 23.11.2018 erfolgte Verabschiedung der Verordnung über die Versicherungsvermittlung und -beratung (VersVermV) besteht mittlerweile auch rechtlich Klarheit darüber, wie die Anforderungen der IDD in der Praxis umzusetzen sind.

Die Anforderungen der IDD lassen sich demnach in nachfolgende Handlungsfelder zusammenfassen.

Gewerbliche Erlaubnis und Registrierungspflicht im Vermittlerregister

Um als Versicherungsvermittler oder -berater tätig sein zu dürfen, bedarf es nach wie vor einer gewerblichen Erlaubnis der zuständigen Industrie- und Handelskammer (IHK). Auch die grundsätzlich bereits vorhandene Pflicht für Versicherungsvermittler zur Eintragung in das bei der IHK geführte Vermittlerregister bleibt bestehen.

Neu hinzugekommen ist, dass gem. §34d Abs. 10 GewO im Vermittlungsregister ggfs. zusätzlich diejenigen Personen einzutragen sind, die für die Vermittlung oder Beratung in leitender Position verantwortlich sind. Darüber hinaus sind der zuständigen IHK gem. §1 Abs. 1 VersVermV unter bestimmten Voraussetzungen die Beteiligungsverhältnisse zu übermitteln.

Sachkunde und Weiterbildungsverpflichtung

In der Versicherungsvermittlung oder -beratung dürfen unmittelbar nur Personen mitwirken, die über die in den §§2 ff. VersVermV näher beschriebene Sachkunde verfügen.

Darüber hinaus wird durch §34d Abs. 9 GewO für vorgenannten Personenkreis eine Weiterbildungsverpflichtung in einem Umfang von 15 Stunden pro Kalenderjahr eingeführt. Die Weiterbildungsverpflichtung schließt den Vorstand mit direkter Aufsicht im Vertrieb bzw. die Mitarbeiter mit ein, denen die Aufsicht gem. § 34d Abs. 5 S.4 GewO übertragen wurde. Der zeitliche Umfang der Weiterbildungsverpflichtung besteht sowohl unabhängig vom Umfang des Produktportfolios, das vom betroffenen Personenkreis abgedeckt wird als auch unabhängig vom zeitlichen Umfang der Beschäftigung des betroffenen Personenkreises.

Gemäß §7 Abs. 1 VersVermV können alle Formen der Weiterbildung genutzt werden. In Anlage 3 der VersVermV werden jedoch grundlegende Anforderungen an die Qualität der Weiterbildung definiert. Gemäß §7 Abs. 2 VersVermV sind Nachweise und Unterlagen über Weiterbildungsmaßnahmen für fünf Jahre in den Geschäftsräumen der Bank aufzubewahren.

FILMTIPP

Video_Logo_Schatten IDD-Schulungen

 

Beratungsprozess

Gemäß §7c Abs. 1 Gesetz über den Versicherungsvertrag (VVG) ist bei der Beratung von Versicherungsanlageprodukten verpflichtend eine Geeignetheits- und Angemessenheitsprüfung durchzuführen.

Dem Kunden ist bei allen Nicht-Leben-Produkten vor Abgabe von dessen Vertragserklärung ein standardisiertes Produktinformationsblatt (Insurance Product Information Document (IPID)) als vorvertragliche Information zu übergeben. Darüber hinaus sind dem Versicherungsnehmer beim ersten Geschäftskontakt die in
§15 VersVermV geregelten Erstinformationen in Textform mitzuteilen.

Interessenkonflikte

Gemäß §48a Abs. 1 Gesetz über die Beaufsichtigung der Versicherungsunternehmen (Versicherungsaufsichtsgesetz – VAG) dürfen Vertriebsvergütungen von Versicherungsvermittlern nicht mit deren Pflicht, im bestmöglichen Interesse der Kunden zu handeln, kollidieren. Durch §18 VersVermV wurden diese Regelungen für Versicherungsanlageprodukte nun nochmals verschärft. Danach muss die Bank angemessene Maßnahmen treffen, um solche Interessenkonflikte zu erkennen und zu vermeiden.

Product oversight and Governance (POG)

Während Produkthersteller gem. §23 Abs. 1 a–d VAG über ein Produktfreigabeverfahren verfügen müssen, in dem u. a. für jedes Produkt ein Zielmarkt festgelegt wird, sind Versicherungsvermittler verpflichtet, Produktvertriebsvorkehrungen zu treffen, die

  • darauf abzielen, eine Benachteiligung des Kunden zu verhindern beziehungsweise zu mindern,
  • einen ordnungsgemäßen Umgang mit Interessenkonflikten unterstützen,
  • sicherstellen, dass den Zielen, Interessen und Merkmalen der Kunden gebührend Rechnung getragen wird.

Diese Produktvertriebsvorkehrungen sind schriftlich festzulegen, den betreffenden Mitarbeitern zur Verfügung zu stellen und jährlich auf Aktualität zu überprüfen.

PRAXISTIPPS

  • Es empfiehlt sich, die Eintragungen im Vermittlerregister zu überprüfen, ggfs. zu ergänzen und zu aktualisieren.
  • Bezüglich der Weiterbildungsverpflichtung sollte dokumentiert werden, welche Mitarbeiter betroffen sind und ein entsprechender Schulungsplan aufgestellt werden. Hierbei kann neben dem Angebot an Präsenzschulungen der Versicherungs-gesellschaften auch auf hausinterne Weiterbildungen und Webinare zurückgegriffen werden.
  • Zu beachten sind jeweils die gesetzlich definierten Qualitätsanforderungen.
  • Aufgrund der für alle betroffenen Mitarbeiter gleichermaßen geltenden, undifferen-zierten Weiterbildungsverpflichtung empfiehlt es sich, außerdem zu prüfen, ob beispielsweise Service- oder Teilzeitkräfte weiterhin in der Versicherungsvermittlung oder -beratung eingesetzt werden sollen.

11. Hamburger Bankenaufsicht-Tage – Interviews

 

Interview mit:
Stefan Hell, Vorstand, Volksbank Ulm-Biberach eG

Hier geht`s zu den 12. Hamburger Bankenaufsicht-Tagen 2019

11. Hamburger Bankenaufsicht-Tage – Interviews

 

Interview mit:
Katrin Burger, Bereichsleiterin, Unternehmenssteuerung, Volksbank Breisgau Nord eG

Hier geht`s zu den 12. Hamburger Bankenaufsicht-Tagen 2019

11. Hamburger Bankenaufsicht-Tage – Interviews

 

Interview mit:
Björn Reher, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Mazars GmbH

Hier geht`s zu den 12. Hamburger Bankenaufsicht-Tagen 2019

Das waren die 11. Hamburger Bankenaufsichts-Tage

Eine Premiumveranstaltung für Geschäftsleitung, Risikomanagement, MaRisk-Compliance, Grundsatzabteilungen und Interne Revision aus der Kreditwirtschaft, die ein kompaktes aufsichtsrechtliches Update suchen.

Heidi Bois, Redaktionsmitglied DigiPraktiker und Leiterin Vertrieb FCH Gruppe

Am 05.-06.11.2018 fanden unsere Hamburger Bankenaufsichts-Tage bereits zum 11. Mal statt. Die Tagung hat sich inzwischen als eine DER Netzwerkveranstaltungen in der Kreditwirtschaft etabliert. Alljährlich findet sich hier eine energiegeladene Gruppe von Führungskräften zusammen. Hier entwickelt sich immer wie von selbst diese ganz eigene Dynamik, die Menschen miteinander gute Gespräche führen lässt.

Topaktuelle Informationen aus erster Hand

Fast 200 Teilnehmer nutzten an anderthalb straffen Tagen die Möglichkeit, sich bei unserer Premium-Tagung für das ungemein dynamische Aufsichtsrecht wieder über aktuelle und zum Teil brisante Themen zu informieren. Henning Riediger, Prüfungsleiter Referat Bankgeschäftliche Prüfungen, Deutsche Bundesbank, machte das Opening und referierte über aktuelle Entwicklungen im aufsichtlichen Umfeld. Es folgte Thorsten Pegelow, Unternehmensbereichsleiter & Direktor Revision, Hamburger Sparkasse, mit seinem Vortrag über „Revision im Kontext von SREP und aufsichtlichen Prüfungen“. Einige Fazits: Die Anforderungen an statistische Datenlieferungen steigen „exorbitant“. Besonders im Fokus: das aufsichtliche Meldewesen. Prof. Dr. Stefan Zeranski und Michael Wellershaus, Vorstand, Stadtsparkasse Remscheid, referierten sehr lebhaft nach einer kurzen Pause, in der angeregt über das zuvor Gehörte diskutiert wurde, über „Neue Fit & Proper-Anforderungen für Geschäftsleiter, Aufsichtsräte und die zweite Führungsebene“.

Dr. Moritz Römer, Fachaufsicht für Governance, Verhalten und Kultur, Niederländische Bank AG, berichtete im Anschluss über den Ansatz der Niederländischen Aufsicht zum Thema Risikokultur. Ulrich Leuker, Bereichsdirektor Controlling, Sparkasse Neuss, schloss an mit seinem Vortrag „Gedanken zur Risikokultur am praktischen Beispiel“. Seine Kernbotschaften waren unter anderem: Kultur ist der entscheidende Unterschied im Wettbewerb.‏ Kultur ist vor allem Kommunikation und wird entscheidend von den Führungskräften getragen. Den Abschluss des ersten Tages machte der „Schwieche“ Eleftherios Hatziioannou, Co-Founder von Smoope mit „Digitale Services aufbauen–Innovationen gestalten: Erfolgsbausteine für eine Kooperation mit Startups und Fintechs“.

 

 SEMINARTIPP

12. Hamburger Bankenaufsicht-Tage, 04.–05.11.2019, Hamburg.

 

 

Mit einem anspruchsvollen Vortrag von Jan Bangert und Dr. Daniel Baumgarten ging es am zweiten Tag los: „Periodische vs. ökonomische Steuerung im neuen RTF-Leitfaden der Aufsicht“. Wegen des weitreichenden Anpassungsbedarfs wird damit gerechnet, dass die neuen Vorgaben auf absehbare Zeit ein komplexes, dynamisches und hochrelevantes Thema bleiben.

„Mehr und weniger EWB?“ war der vorletzte Vortrag von Dominik Leichinger, Prüfungsleiter Referat Bankgeschäftliche Prüfungen 2, Deutsche Bundesbank. Thomas Brockmann, Betriebsprüfer Bankenprüfung, Bundeszentralamt für Steuern (BZST), stieg ein mit „Sie kennen mich noch nicht? Dann werden Sie mich kennenlernen!“ und schloss seinen mitreißenden Vortrag mit Praxistipps zur Vermeidung von Steuerrisiken. Er hat langjährige Erfahrungen mit der Überprüfung sowie Beurteilung der Bildung und Auflösung von Wertberichtigungen (EWB) im Kreditgeschäft und ist Autor zahlreicher Fachpublikationen.

Den Abschluss machten Frau Kutzner, Referat Bankgeschäftliche Prüfungen, Deutsche Bundesbank und Herr Wölfelschneider, Finanz- & Meldewesen, SaarLB, zu „Neuer EZB-Datenqualitätsindikator – Einfluss auf künftige SREP-Beurteilungen, Kapitalzuschläge & eigenes Datenqualitäts-Benchmarking“.

Am 05.11.18 fand parallel auch eine Sitzung des Fachgremiums MaRisk statt, die vor allem der Erörterung der Anfang September an die deutsche Aufsicht adressierten weiteren Auslegungsfragen zur 5. MaRisk-Novelle diente. Hier erörterte die Deutsche Kreditwirtschaft mit der deutschen Aufsicht verschiedene Auslegungsfragen zum neuen Risikotragfähigkeits-Leitfaden. Eine Konsultation der Finanz- und Risikotragfähigkeitsinformationsverordnung ist für das erste Quartal 2019 geplant.

 

 BUCHTIPP

Schiwietz/Janßen (Hrsg.), Risikokultur in Kreditinstituten, 2018.

 

 

Netzwerken in entspannter Atmosphäre

In den Vortragspausen und auch bei unserem tollen Abendprogramm wurden fleißig neue Kontakte geknüpft und geschäftliche Beziehungen gepflegt. Die gute Stimmung war nicht zuletzt zurückzuführen auf die besonderen Rahmenbedingungen – angefangen vom Fünfsternehotel „Empire Riverside“, Mittagessen in der 20up Bar in schwindelerregender Höhe mit traumhaftem Ausblick über den Hafen von Hamburg bis hin zum Besuch des altehrwürdigen Kaffeemuseums Burg mit Kaffee-Verkostung sowie ein gemeinsames Netzwerk-Dinner in der Speicherstadt im Alten Hauptzollamt. Hier konnten sich alle beim genussvollen Schlemmen in entspannter Atmosphäre austauschen und so ihr kulinarisches und geschäftliches Netzwerk erweitern. Unser Filmteam der FCH-Studios war erstmals auch dabei, um ein paar Impressionen und persönliche Eindrücke der Teilnehmer einzuholen.

An dem Sonntag vor unseren Hamburger Bankenaufsichts-Tagen ist übrigens auch immer verkaufsoffen, was das Geschäftliche mit einem verlängerten Wochenende immer ganz hervorragend verbinden lässt. Sichern Sie sich gleich einen der begehrten Plätze!

Ein Dank gilt auch den Sponsoren der 11. Hamburger Bankenaufsichts-Tage, unter denen sich namhafte Anbieter aus dem Bankensektor befanden. Sie sind ebenfalls Bankendienstleister und interessieren sich für ein Sponsoring der Hamburger Bankenaufsichtstage? Dann sichern Sie sich den Frühbucher-Rabatt und schreiben uns: heidi.bois@fc-heidelberg.de

PRAXISTIPPS

  • Nutzen Sie die Tagung, um anschließend wertvolle Impulse in die Bank zu geben, um frühzeitig Prozessschwächen und Prüfungsrisiken auszuloten.
  • Behalten Sie Dank der hochkarätigen Vorträge von Bafin und Bundesbank (aus lfd. Aufsicht und Prüfungsbereich) im Zusammenspiel mit Bankpraktikern den schon nicht einfachen Überblick über wesentliche praxisrelevante Neuerungen.

 

 

EuGH-Urteil: Urlaubsanspruch erlischt nicht automatisch und ist vererbbar

Dr. Jaime Uribe, Geschäftsführer, FCH Personal GmbH

Es ist unerheblich, ob es sich um ein privates oder ein öffentliches Beschäftigungsverhältnis handelt. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) stellte ein seinem Urteil vom 06.11.2018 nun klar, dass a) das Recht auf Jahresurlaub für alle Beschäftigten in der Charta der Grundrechte der EU verankert ist. Dieses Recht gehe zwangsläufig mit der Pflicht des Arbeitgebers einher, diesen Urlaub auch zu gewähren – oder eben eine Vergütung zu zahlen, wenn das Beschäftigungsverhältnis endet. Der Anspruch auf bezahlten Jahresurlaub darf nicht automatisch deshalb verfallen, weil der Arbeitnehmer keinen Urlaub beantragt hat. Und b) Urlaubsanspruch besteht auch über den Tod hinaus. Demnach können Erben eines verstorbenen Arbeitnehmers von dessen ehemaligem Arbeitgeber Geld für den nicht genommenen Jahresurlaub verlangen.

Nach EU-Recht könne das nur dann geschehen, wenn der Arbeitgeber nachweisen könne, dass er seinen Angestellten angemessen aufgeklärt und in die Lage versetzt habe, den Urlaub zu nehmen. Die Beweislast für die Aufklärung trägt daher der Arbeitgeber (Urt. v. 06.11.2018, Az. C-619/16 und C-684/16).

Kann der Arbeitgeber diesen Nachweis erbringen und hatte der Mitarbeiter auch in der Tat die Möglichkeit, Urlaub zu nehmen, sieht die Urteilslage dementsprechend anders aus. Denn dann steht das Unionsrecht einer Regelung nicht entgegen, nach der ein Anspruch auf finanzielle Vergütung auch bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses ausgeschlossen ist.

Bisher galt: Wer seine Urlaubstage bis Jahresende nicht genommen hat, der musste mit ihrem Verlust rechnen – es sei denn, der Arbeitgeber gewährte die vielfach übliche (und bei dringenden Gründen gesetzlich vorgesehene) Verlängerung bis zum 31. März. Der Arbeitnehmer musste also rechtzeitig einen Urlaubsantrag stellen, um seinen Anspruch nicht zu verlieren.

PRAXISTIPPS

  • Als Arbeitgeber müssen Sie auch künftig nicht den Mitarbeitern den Urlaub nahezu aufzwängen, aber doch rechtzeitig, umfassend und dokumentiert informieren. Der Beweislast liegt bei Ihnen. Das sollten Sie auch bereits für 2018 berücksichtigen.
  • Als Arbeitgeber sollten Sie ab jetzt beachten, dass Urlaubsansprüche auch über den Tod hinaus des Mitarbeiters bestehen und von den Erben verlangt werden können.
  • Als Arbeitsnehmer sollten Sie bedenken, dass es keinen Anspruch auf Ausgleichszahlungen gibt, wenn Sie Ihren Urlaub absichtlich verfallen lassen und auf die zusätzliche finanzielle Vergütung setzen. Ihr Arbeitgeber wird nun explizit darauf hinwirken, dass es nicht dazu kommt.