Erneute Untersuchung des Beratungsprozesses

BaFin findet auch 2019 noch großes Verbesserungspotential bei Geeignetheitserklärungen.

Stefan Kortenbusch LL.M. (com.), Financial Services Compliance, Beratung – Projektunterstützung – Interim-Management

Wie aus einem Fachartikel im BaFin-Journal 05/2019 (S. 20 ff.) hervorgeht, findet die BaFin auch nach 18 Monaten MiFID II noch viel Verbesserungsbedarf, insbesondere im Bereich der Geeignetheitserklärungen. Die BaFin hat hierzu die im Jahr 2018 durchgeführte Untersuchung wiederholt und ähnliche Mängel festgestellt. Während die anfänglichen Unklarheiten bei den Themen Sprachaufzeichnung und Kostenausweisen offenbar weitgehend aufgeklärt sind, finden sich bei Geeignetheitserklärungen weiterhin deutliche Lücken. Hier zeigt sich die Schwierigkeit, den Beratungsprozess so zu gestalten und systemseitig zu unterstützen, dass er unter Einhaltung aller Dokumentationsvorgaben dennoch betriebswirtschaftlich vertretbar durchgeführt werden kann. Hier die wesentlichen Kritikpunkte der BaFin:

Unvollständiger Abgleich von Kundenvorgaben und Produkteigenschaften

Der größte in der BaFin-Untersuchung festgestellte Mangel fand sich beim Abgleich der Kundenvorgaben (geplante Anlagedauer, Risikobereitschaft, Kenntnisse und Erfahrungen und Verlusttragefähigkeit) mit den Produkteigenschaften: nur 11,3 % der Geeignetheitserklärungen erfüllten diese Vorgabe vollständig. Seitens der Aufsicht ist jedoch gewollt, dass die Geeignetheitserklärung einen Mehrwert für den Kunden bietet, indem zu jedem der Aspekte seiner Vorgaben durch den Berater eine individuelle Aussage getroffen wird.

Unspezifische Standardformulierungen und Textbausteine

Ein weiterer Mangel in den untersuchten Geeignetheitserklärungen bestand darin, die Geeignetheit mittels unspezifischer Standardformulierungen zu dokumentieren. Hier waren knapp 40 % der untersuchten Exemplare fehlerhaft.

Unspezifische Standardformulierungen entstehen auch durch Textbausteine, insbesondere dort, wo der Abgleich zwischen den Zielmarktkriterien des Produkts und den Kundenvorgaben systemgestützt vorgenommen wird und das Ergebnis in vorgefertigten Textbausteinen dargestellt wird. Textbausteine sollen auch dazu dienen, die Erstellung der Geeignetheitserklärung zu beschleunigen und um eine gewisse Vereinheitlichung zu erreichen. Die BaFin lehnt jedoch die Verwendung von Textbausteinen ab.

Nutzen von Depotumschichtungen nicht ausreichend dokumentiert

Im Jahr 2019 haben lt. BaFin-Untersuchung immerhin 40,6 % der Marktteilnehmer damit begonnen, einen vollständigen Nachweis des Kundennutzens zu erbringen, wenn sie eine Depotumschichtung empfehlen. Hier besteht also weiterhin großer Handlungsbedarf, denn eine plausible und transparente Dokumentation des Kundennutzens ist wichtig, um Kunden vor Gebührenschneiderei zu schützen, insbesondere dort, wo mit einem Wechsel hohe Eintrittskosten entstehen, z. B. bei Investmentfonds.

 

 

 

 

 

 

PRAXISTIPPS

  • Es ist wichtig, den Abgleich zwischen den Kundenvorgaben und den Produkteigenschaften umfassend durchzuführen und nachvollziehbar zu dokumentieren.
  • Auch die Basisdaten zum Kunden, z. B. sein Alter, müssen zu den Aussagen der Geeignetheitserklärung passen. Zum Beispiel erscheint die Aussage „Anlagehorizont >5 Jahre“ bei einer 85-jährigen, gebrechlichen und alleinstehenden Person per se fragwürdig und stellt die Richtigkeit der gesamten Geeignetheitserklärung infrage.
  • Auf Textbausteine sollte komplett verzichtet werden, denn sie führen zu formelhaften Pauschalformulierungen, mit denen das konkrete Beratungsergebnis nicht ausreichend individuell dargestellt werden kann. In diesem Punkt haben sich ESMA und BaFin klar positioniert (vgl. ESMA Q&A 35-43-349, S. 41 f.).

FCH MiFID II Web Based Training

  • FCH MiFID II SACHKUNDE (Erstschulung)
  • FCH MiFID II SACHKUNDE UPDATE (aktuelle Neuerungen)

Infos unter: https://www.fc-heidelberg.de/produkt/mifid/

 

Beitragsnummer: 75904

 

ESMA Q&As als Instrument der Aufsichtskonvergenz



ESMA updates Q&As on MiFID II and MiFIR investor protection and intermediaries – Überlegungen zu den Updates zu ESMA35-43-349 vom 29.05.2019.

Stefan Frisch, Director, WM Compliance Germany, Deutsche Bank AG.

I. ESMA – Aufsichtskonvergenz

Bekanntlich spielt die 2011 gegründete ESMA[1] als Behörde bei der Schaffung einer gemeinsamen Aufsichtskultur in der Union und einer Kohärenz der Aufsichtspraktiken sowie bei der Gewährleistung einheitlicher Verfahren und kohärenter Vorgehensweisen in der gesamten Union eine aktive Rolle[2], was gerade auch an der Vielzahl ihrer Publikationen deutlich wird. Die Behörde kann zur Förderung gemeinsamer Aufsichtskonzepte und -praktiken gegebenenfalls neue praktische Hilfsmittel und Instrumente entwickeln, die die Konvergenz erhöhen[3]. Der „question and answer (Q&A) mechanism” ist ein solches praktisches Hilfsmittel und Instrument, um die Konvergenz zu erhöhen. Die ESMA überprüft die Q&As regelmäßig periodisch, um sie zu aktualisieren, falls erforderlich. Zudem möchte die ESMA identifizieren, ob es nicht Themen gibt, die in ESMA-Richtlinien und Empfehlungen überführt werden müssen. Dann folgt die ESMA allerdings dem üblichen Prozedere, d. h. sie führt offene öffentliche Anhörungen zu den Leitlinien und Empfehlungen durch und analysiert die damit verbundenen potenziellen Kosten und den damit verbundenen potenziellen Nutzen[4]. ...


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Das Tool-Set der WpHG-Compliance-Funktion im Fokus der Internen Revision



Effektive Verzahnung von Risikoanalyse, Überwachungsplan und Überwachungshandlungen.

Ralf Barsch, FCH Consult GmbH, Geschäftsführer, CIA und Prüfer für Interne Revisionssysteme sowie WpHG-Compliance-Beauftragter.

I. Einheitliches Risikoverständnis und Risikobewertung als Basis erfolgreicher Compliance-Arbeit

Ein einheitliches Risikoverständnis – aller Kontrollebenen in einem Institut – erleichtert nicht nur die Arbeit der Betroffenen, sondern ist eine wesentliche Voraussetzung zur Homogenisierung unterschiedlicher Risikoparamenter und damit einher gehender Bewertungen. Umso erstaunlicher ist es, dass dieser Punkt in der Praxis vieler Institute teilweise nicht die Aufmerksamkeit und letztendlich die Umsetzung erfährt, die seitens der Aufsicht immer wieder eingefordert wird.

Fakt ist, dass in der Praxis nach wie vor eine Vielzahl unterschiedlicher Risikoanalysen bestehen, u. a. für die Entscheidungsprozesse nach MaRisk AT 8.1 (Neu-Produkt-Prozess) und AT 8.2 (Änderungen betrieblicher Prozesse und Strukturen), Auslagerungen, Risikomodell Revision, Risikomodell Geldwäsche/sonstige strafbare Handlungen, Risikomodell MaRisk-Compliance, etc.

Die Auswirkungen sind so vielfältig wie fatal: Die Entscheider in den Unternehmen erhalten unterschiedliche Ergebnisse, es existieren unterschiedliche Schwellenwerte. In der Summe findet kein wirkliches Zusammenarbeiten statt und schließlich wird die Steuerung des Instituts durch die entsprechenden Top-Entscheider deutlich erschwert.

Die Anforderungen zur Ausgestaltung der Risikokultur im Allgemeinen Teil 3 der aktuellen MaRisk können hier i. V. ...


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BREXIT – Auswirkungen auf Unternehmen im Feld der Finanzmärkte



Dr. Marc Nathmann, Rechtsanwalt und Syndikusrechtsanwalt, Tätigkeitsschwerpunkte Bankaufsichtsrecht, Zahlungsverkehr und IT-Recht, Regensburg.

I. Hintergrund: Brexit – Allgemeine Wirkungen

1. Einleitung

Großbritannien hat am 29.03.2017 durch schriftliche Mitteilung an den Europäischen Rat rechtlich wirksam seinen Austritt erklärt[1] und wird wohl die EU verlassen[2]. Der ursprünglich vorgesehene Termin am 29.03.2019 wurde immer wieder verschoben, nicht zuletzt, um ein Abkommen mit der EU zu erreichen und damit einen sog. „Hard Brexit“ zu vermeiden. Aktueller Austrittstermin ist der 31.10.2019. Darauf haben sich die Staats- und Regierungschefs der 27 (verbleibenden) EU-Mitgliedsstaaten und die britische Premierministerin, Theresa May, in der Nacht zum 11.04.2019 verständigt[3].

Es ist völlig offen, ob und in welcher Form ein Abkommen zwischen Großbritannien und der EU zustande kommen wird. Im Falle eines Abkommens könnten wesentliche Themen wie z. B. das Passporting geregelt werden. Allerdings erscheint ein Abkommen zwischen der EU und Großbritannien aktuell eher unwahrscheinlich. Erst recht ist es aus heutiger Sicht unabsehbar, welche konkreten Regelungen vereinbart werden könnten.

Sicher ist aber, dass ein „Hard Brexit“ erhebliche Auswirkungen auf deutsche Unternehmen, die im Feld der Finanzmärkte aktiv sind, hinsichtlich ihres Geschäfts mit Großbritannien haben wird. Spiegelbildlich ...


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Empfangsbestätigungen: Wichtig – aber wirksam, bitte!

Dr. Martin Andreas Duncker, Schlatter Rechtsanwälte Heidelberg/Mannheim

Was braucht es für eine wirksame Empfangsbestätigung? Diese Frage beschäftigt immer wieder die Gerichte – so auch den BGH in einer aktuellen Entscheidung vom 10.01.2019 (Az. III ZR 109/17). Der Kunde bestätigte in diesem Fall nicht nur den Empfang des Prospekts. Er bestätigte zusätzlich auch, den Prospekt „vollumfänglich zur Kenntnis genommen zu haben“. Das war zu viel des Guten. Der BGH verwies den Fall zurück an das OLG – verbunden mit dem Arbeitsauftrag, ohne Berücksichtigung dieser Erklärung anhand des sonstigen Parteivortrags zu prüfen, ob der Kläger den Prospekt rechtzeitig erhalten hat, um sich mit dessen Inhalt auseinandersetzen zu können. Damit bestätigt der BGH einmal mehr, dass nach den klaren Vorgaben des AGB-Recht (speziell: § 309 Nr. 12, Halbsatz 1, Buchstabe b BGB) die Verknüpfung von einer Empfangsbestätigung mit einer weiteren Wissenserklärung – wie etwa der Kenntnisnahme von Risiken – unzulässig ist. Die Klausel wird also gerade nicht lediglich auf das gesetzlich zulässige Maß zurechtgestutzt. Die Erklärung ist vielmehr insgesamt unwirksam – und damit auch der Teil der Bestätigung, der bei einer isolierten Betrachtung wirksam wäre.

Das richtige Motto bei Empfangsbestätigungen lautet daher: ‘Keep it simple’. Nur schlichte Empfangsbestätigungen werden ihrer wichtigen Nachweisfunktion gerecht. Dieser Grundsatz gilt innerhalb und außerhalb des Kapitalmarktrechts. Das Urteil gibt allen Verwendern von Empfangsbestätigungen noch einmal einen Anlass, die Wirksamkeit der Klausel zu prüfen. Ist die sorgfältig ausgefüllte Empfangsbestätigung vom Anleger unterschrieben, wird dieser sich im Streitfall schwertun zu behaupten, die Dokumente nicht rechtzeitig bekommen zu haben. Denn wenn eine ordnungsgemäße Produktinformation und Risikobelehrung im Prospekt enthalten sind, der Kunde ausreichend Zeit zur Kenntnisnahme hatte und der Berater davon ausgehen darf, dass der Kunde den Prospekt gelesen und verstanden hat, entfällt die mündliche Aufklärungspflicht des Beraters. Das ist die gute Nachricht des 3. Senats aus dem Urteil vom 10.01.2019.

 

 

PRAXISTIPPS

  • Bei Empfangsbekenntnissen gilt: Weniger ist mehr.
  • Wer sich getreu dem Motto ‘Viel hilft viel’ noch die Kenntnisnahme von Risikohinweisen oder des ganzen Verkaufsprospekts bestätigen lässt, raubt seiner Empfangsbestätigung den entscheidenden rechtlichen Wert.
  • Empfangsbestätigungen sind vom sonstigen Vertragstext räumlich und drucktechnisch abzuheben.
  • Neben Unterschrift, Angaben von Ort und Datum sollte die Empfangsbestätigung nur den schlanken Aussagesatz enthalten: „Ich habe das Dokument/die Dokumente [genau zu bezeichnen] erhalten.“ Dann ist die Klausel sicher wirksam.
  • Perfekte Empfangsbekenntnisse geben aus sich heraus zudem mit ihren Angaben Auskunft über das “Wann” der rechtzeitigen Übergabe der Unterlagen.

SEMINARTIPPS

3. Kölner Wertpapierrevisions-Tage, 14.-15.10.2019, Köln.

WpHG-Compliance Kompakt, 23.10.2019, Frankfurt/M.

 

BUCHTIPPS

Ellenberger/Clouth (Hrsg.): Praktikerhandbuch Wertpapier- und Derivategeschäft, 5. Aufl. 2018.

Beitragsnummer: 70560

InstitutsVergV: Prüfung der neuen Regelungen – Auswahl von Themen



Praktische Hinweise zur Prüfung der neuen Regelungen der InstitutsVergV.

Recep, Bay, Prüfer für Interne RevisionssystemeDIIR, CRMA, Leiter Koordination Regulatorik, Bürgschaftsbank Baden-Württemberg GmbH.

I. Einleitung

1. Institutsvergütungsverordnung

Die am 04.08.2017 in Kraft getretene Institutsvergütungsverordnung beinhaltet bankaufsichtsrechtliche Mindestanforderungen für die Vergütungssysteme von deutschen Finanzinstituten. Am 04.08.2017 ist die zweite Novelle der Institutsvergütungsverordnung (InstitutsVergV) in Kraft getreten, um die überarbeiteten „Guidelines on Sound Renumeration Policies“ (EBA/GL/2015/22 vom 21.12.2015) in nationales Recht umzusetzen. Zur Konkretisierung dieser Verordnung hat die BaFin die dazugehörige Auslegungshilfe am 16.02.2018 veröffentlicht. Die Novellierung stellt verschärfte Anforderungen an die Vergütungssysteme der Institute. Die neuen Regelungen erfordern weitreichende prozessuale Anpassungen in den betroffenen Instituten. Die wesentlichen neuen Regelungen betreffen die aufgewertete Stellung der Kontrolleinheiten, Angemessenheit der Vergütungssysteme (Vermeidung von Interessenskonflikten mit Kunden), Dokumentationsanforderungen, Vergütungselemente (Zuordnung aller Vergütungselemente zu fix und variabel, Grundsätze zur Bemessung und Auszahlung von Abfindungen).

Die Regelungen gelten ab sofort für alle Institute, wobei für bedeutende Institute zusätzliche Anforderungen geregelt wurden. Dabei wird den Bereichen Personal, Unternehmenssteuerung, Compliance und Interne Revision eine hohe Bedeutung beigemessen.

Für die Interne Revision in den Instituten bedeutet es nachzuvollziehen, ob die Institute ihre Vergütungssystematik auf Konformität überprüft und die durchgeführten Anpassungen nachvollziehbar dokumentiert ...


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Zulässigkeit der Speicherung persönlicher Daten von Sparkassenberatern

Prof. Dr. Hervé Edelmann, Rechtsanwalt, Bank- und Kapitalmarktrecht, Thümmel, Schütze & Partner

In seinem Urt. v. 25.07.2018, Az. 6 A 673/15 (ZIP 2018 S. 2.106), hat der VGH Kassel festgehalten, dass die Speicherung persönlicher Daten von Sparkassenberatern durch die BaFin zulässig ist. Gleichzeitig hat der VGH Kassel in diesem Urteil festgehalten, dass die Vorschrift des § 87 WpHG, welche es der BaFin erlaubt, zum Zwecke der Aufsicht personenbezogene Daten zu erheben und in einer internen Datenbank zu speichern, verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden ist.

 

 

 

SEMINARTIPPS

Prüfung Wertpapier- und Depotgeschäft, 14.05.2019, Hamburg.

Hamburger Wertpapier-Tage: Aufsichtsrecht & Verbraucherschutz, 15.–16.05.2019, Hamburg.

3. Kölner Wertpapierrevisions-Tage, 14.–15.10.2019, Köln.

WpHG-Compliance Kompakt, 23.10.2019, Frankfurt/M.

 

Beitragsnummer: 58514

Ausgewählte Kontroll- und Prüfhandlungen nach MiFID II

Lukas Zimpfer, Verbandsprüfer, Mitglied der Facharbeitsgruppe WpHG/Depot, Baden-Württembergischer Genossenschaftsverband e. V.

Die Anforderungen an das Wertpapierdienstleistungsgeschäft haben sich seit Beginn dieses Jahrtausends in Folge geänderter und teils deutlich erweiterter rechtlicher Vorgaben, insbesondere an den Anlegerschutz, stetig und in immer kürzeren zeitlichen Abständen erhöht. Spätestens seit der im Jahr 2007 eingeführten europäischen Richtlinie über Märkte und Finanzinstrumente (Markets in Financial Instruments Directive – MiFID), die zu tiefgreifenden Änderungen des Wertpapierhandelsgesetzes (WpHG) führte, ist im Wertpapiergeschäft ein europäischer Binnenmarkt weitestgehend gegeben. Nach weiteren aufsichtsrechtlichen Neuerungen und Konkretisierungen, wie die im Jahr 2010 veröffentlichten Mindestanforderungen an die Compliance-Funktion (MaComp) und deren regelmäßigen Neufassungen, erfolgte zuletzt in zwei Schritten eine Revision der MiFID. In einem ersten Schritt wurden u. a. die Richtlinie 2014/57/EU (Marktmissbrauchsrichtlinie – MAD) und die Verordnung (EU) Nr. 596/2014 (Marktmissbrauchsverordnung – MAR) in deutschem Recht verankert und sind seit dem 03.07.2016 anzuwenden.

Seit 01. bzw. 03.01.2018 sind die Vorschriften zur EU-Verordnung über Basisinformationsblätter für verpackte Anlageprodukte und Kleinanleger und Versicherungsanlageprodukte (PRIIP-VO – Verordnung (EU) Nr. 1286/2014) sowie die Umsetzung der überarbeiteten Richtlinie über Märkte und Finanzinstrumente (MiFID II – Richtlinie 2014/64/EU) anzuwenden. Im Rahmen der Überführung des europäischen Regelwerkes in nationales Recht wurde das WpHG umfassend überarbeitet und erweist sich seither nahezu komplett paragraphiert. Dabei wurden die bestehenden Verhaltens- und Organisationspflichten erweitert und insbesondere durch höhere Transparenz- und Informationspflichten erweitert.

SEMINARTIPP

Compliance Kontrollen nach MiFID II, 23.05.2019, Frankfurt/M.

Eines der wesentlichen Änderungsinhalte der MiFID II ist die Aufzeichnung von Telefongesprächen und elektronischer Kommunikation. Diese steht stets in einem gewissen Spannungsfeld: Zum einen darf sie nicht zur Überwachung des Mitarbeiters eingesetzt werden, woraus sich ableiten lässt, dass ein Anhören der Audiodatei oder die Einsichtnahme in die Aufzeichnungen der elektronischen Kommunikation für den kontrollierenden/prüfenden Mitarbeiter grundsätzlich nicht möglich ist. Zum anderen besteht ein berechtigtes Interesse, die Einhaltung gesetzlicher und aufsichtsrechtlicher Anforderungen zu prüfen. Dieser Beitrag soll Hilfestellungen und Ideen für mögliche Prüfungs- und Kontrollhandlungen bieten. Beachten Sie bei Ihren Kontrolltätigkeiten aber auch, dass sich die Anforderungen nicht nur auf das Kundengeschäft beziehen, sondern gleichwohl auch im Depot A zu beachten sind.

Seit 03.01.2018 sind Telefongespräche mit Kunden, die zu einem Geschäftsabschluss (insb. Order) führen können, aufzuzeichnen. Gleiches gilt, wenn die Kommunikation nicht telefonisch sondern elektronisch z. B. über einen Messengerdienst (u. a. Chat, WhatsApp) oder per E-Mail erfolgt. Diese Aufzeichnungen sind aufzubewahren und in die Kontroll- und Überwachungstätigkeit der Internen Revision und der Compliance-Funktion einzubeziehen.

Jedoch sollten nach derzeitiger Auffassung der Rechtslage diese Aufzeichnungen nicht angehört oder eingesehen werden, da sie nicht zur Überwachung der Mitarbeiter herangezogen werden dürfen. Eine Ausnahme besteht, wenn ein berechtigtes Interesse an dem Anhören oder der Einsichtnahme der Aufzeichnung besteht. Dieses liegt regelmäßig vor, wenn eine Anfrage der BaFin oder einer Strafverfolgungsbehörde zu einem Geschäft vorliegt oder der Kunde eine Beschwerde zu einem aufgezeichneten Geschäft vorträgt. Inwiefern auch die Prüfung durch die Externe Revision ein berechtigtes Interesse darstellt, ist noch nicht final kommuniziert. Die Kontroll-, Überwachungs- und Prüfungshandlungen durch die Marktfolge, Compliance-Funktion und die Interne Revision stellen hingegen keinesfalls ein berechtigtes Interesse dar. Dennoch sind geeignete Kontroll- und Überwachungshandlungen vorzunehmen. Diese können auch sinnvoll ausgestaltet sein, ohne dass eine Einsichtnahme in die Aufzeichnung oder ein Abspielen des aufgezeichneten Telefonates erfolgt.

Als Prüfungshandlung kommt beispielsweise in Betracht:

  • Liegt für jede Order mit dem Orderschlüssel „telefonischer Abschluss“ eine Audiodatei vor?
  • Entspricht die Anzahl der archivierten Audiodateien der Anzahl der Orders mit Orderschlüssel „telefonischer Abschluss“?
  • Ohne die Audiodatei anzuhören kann über die Eigenschaften der Datei abgerufen werden, welche Länge die Audiodatei hat. Ist die Länge der Datei plausibel? Eine Audiodatei mit einer Dauer von 30 Sekunden kann beispielsweise niemals eine Anlageberatung beinhalten.
  • Sind die Audiodateien und die Aufzeichnungen elektronischer Kommunikation sinnvoll bezeichnet und eindeutig einem Geschäft zuordenbar?
  • Sofern bei einer telefonischen Anlageberatung und Orderentgegennahme ein Telefonleitfaden zum Einsatz kommen kann, kann geprüft werden, ob dieser Leitfaden alle notwendigen Punkte, die aufzuzeichnen sind, enthält.
  • Können die Aufzeichnungen in kurzer Zeit aus dem Archiv verfügbar gemacht werden?
  • Besteht nur für einen kleinen Personenkreis Berechtigung zum Abspielen und Öffnen dieser Aufzeichnungen?
  • Sofern verschlüsselte E-Mails archiviert werden: Wurde auch das Passwort zum Öffnen dieser Nachricht archiviert?
  • Ob die Aufnahmefunktion überhaupt funktioniert und die Aufnahmequalität akzeptabel ist, sollte ebenfalls regelmäßig (z. B. nach Updates) geprüft werden. Hierzu bietet sich ein „Testgespräch“ zweier Mitarbeiter des Wertpapierdienstleistungsunternehmens an, beispielsweise zwischen dem Compliance Beauftragten und einem Anlageberater. Gesprächsinhalt muss nicht zwingend eine Wertpapier(neben)dienstleistung sein, es genügt ein kurzer Smalltalk, der nach erfolgter Aufzeichnung gemeinsam angehört werden kann.

 

Beitragsnummer: 58125

Compliance-Aufgaben im digitalen Wertpapiergeschäft

David Paal, Teamleiter Firmenkundengeschäft, WpHG-Compliance Privat- und Firmenkundengeschäft, Deutsche Bank AG

Die Digitalisierung ist in aller Munde. Nicht nur in der Finanzdienstleistungsbranche versucht man sich für die Zukunft zu rüsten. Insbesondere um im Wettbewerb mithalten zu können, Neukunden zu gewinnen und Bestandskunden zu halten, müssen Finanzdienstleister immer neue Wege gehen. Diese Initiativen reichen von digitalen Postfächern, über die Weiterentwicklung des Online-Brokerage, bis hin zur digitalen Anlageberatung oder Vermögensverwaltung.

Aber nicht nur die Finanzdienstleistungsbranche beschäftigt sich mit diesen Themenkomplexen. Zuletzt hat auch die BaFin dieses Thema in verschiedenen Facetten in diversen Publikationen aufgegriffen. Im Wesentlichen sind hier die Digitalisierungsstrategie der BaFin selbst (veröffentlicht am 26.02.2019), aber auch die BaFin-Perspektiven Ausgabe 1 vom 28.02.2019 zu nennen.

 

 

 

SEMINARTIPPS

Prüfung Wertpapier- und Depotgeschäft, 14.05.2019, Hamburg.

Hamburger-Wertpapier-Tage: Aufsichtsrecht & Verbraucherschutz, 15.–16.05.2019, Hamburg.

Robo-Advisor im Wertpapiergeschäft, 24.06.2019, Köln.

3. Kölner Wertpapierrevisions-Tage, 14.–15.10.2019, Köln.

 

So verwundert es nicht, dass sich neben den Fachbereichen, welche die Digitalisierungsinitiativen vorantreiben, auch 2nd line-/Kontrollfunktionen mit diesem Themengebiet befassen müssen. Gerade Compliance hat in diesem Kontext eine wichtige Rolle und muss auch hier ihre Kernaufgaben Beratung, Unterstützung und Kontrolle wahrnehmen. Allerdings sind die Bedürfnisse der Fachbereiche, die Anforderungen an die IT-Anwendungen und die „User-Experience“, also das Nutzererlebnis bzw. der Umgang der Nutzer mit den Anwendungen, doch anders anzusehen, als es vielleicht im gewohnten stationären oder telefonischen Vertrieb bislang der Fall war. Die wesentlichen Herausforderungen sind, überschaubare Darstellungsmöglichkeiten (Displaygrößen von Mobiltelefonen oder Tablets), Geschwindigkeit von IT-Anwendungen und die Erwartungen von Nutzern, möglichst schnell und einfach zum Ziel ihrer Aktivität mit einer Anwendung (Konto-/Depoteröffnung, Geschäftsabschluss, Suchergebnisse, etc.) zu kommen, mit den umfangreichen aufsichtsrechtlichen Anforderungen – insbesondere im Wertpapiergeschäft – in Einklang zu bringen.

Gerade in der digitalen Anlageberatung, aber auch in der digitalen Vermögensverwaltung, wird bemerkbar, wie komplex es ist, das bestehende Aufsichtsrecht auf die IT-Anwendungen und Nutzerwartungen anzuwenden.

Beispielhaft seien hier die Einholung von Kundeninformationen und die Zurverfügungstellung von Pflichtunterlagen genannt. Insbesondere im Hinblick auf die Kenntnisse und Erfahrungen des Nutzers mit Wertpapierdienstleistungen und Finanzinstrumenten, gerade wenn ein Nutzer wenige oder keine Kenntnisse/Erfahrungen im Wertpapiergeschäft hat, besteht die besondere Herausforderung, ihm diese auf einem digitalen Wege ohne Involvierung von Mitarbeitern zu vermitteln. Die Bandbreite an Möglichkeiten der Kenntnisvermittlung kann hier von erläuternden Texten, bis hin zu Videos, interaktiven Animationen oder Chat-Bots/-programmen reichen, in denen Finanzinstrumente erläutert werden können. Auch die Nutzung von Wissenstests im Nachgang zur Abfrage von Kenntnissen/Erfahrungen oder der Vermittlung von Kenntnissen/Erfahrungen könnten in Frage kommen. Was genau angemessen und wirksam ist, hängt sicherlich auch von der Komplexität der Dienstleistungen und Finanzinstrumente ab.

Die Aufsicht scheint jedenfalls bislang den gleichen Maßstab anzusetzen, als würden sich Kunde und Mitarbeiter persönlich gegenübersitzen.

BUCHTIPP

Ellenberger/Clouth (Hrsg.), Praktikerhandbuch Wertpapier- und Derivategeschäft, 5. Aufl. 2018.

 

 

Folglich ist seitens Compliance neben der aufsichtsrechtlichen Expertise insbesondere ein noch detailliertes Risikoverständnis aber auch eine gewisse Flexibilität gefragt, neue Vorgehensweisen (mit) zu entwickeln. Zudem ist neben der Risikoperspektive ein Kosten-/Nutzen-Blick auf die Implementierung von aufsichtsrechtlichen Anforderungen in Digitalisierungsinitiativen auch durch Compliance notwendig.

Compliance sollte sich, wie auch in vielen anderen Themen, möglichst frühzeitig in die Entwicklung neuer Prozesse und Anwendungen einbringen, um Trends und Bedürfnisse von Fachbereichen und Nutzern wahrzunehmen und angemessen beratend zur Verfügung zu stehen. Neben den prozessualen Fragestellungen muss sich Compliance auch mit der Sachkunde der Mitarbeiter befassen, welche operativ die digitale Anlageberatung oder Vermögensverwaltung betreiben werden. Ein Fachverantwortlicher wird sicherlich unter den Geeignetheitserklärungen als Ergebnis der digitalen Anlageberatung stehen müssen. Diesen gilt es zu identifizieren, dessen Sachkunde her- und die Meldung als Anlageberater bei der BaFin sicherzustellen. Vergleichbares gilt auch für Mitarbeiter in der Finanzportfolioverwaltung gem. WpHGMaAnzV. Auch bei einer digitalen Vermögensverwaltung wird es Mitarbeiter geben, welche in den Anwendungsbereich der Anforderungen aus der WpHGMaAnzV fallen und dementsprechend sachkundig sein müssen, wenngleich keine Meldung an die BaFin notwendig ist. Dies dürften regelmäßig die Mitarbeiter sein, welche das Investmentuniversum bestimmen, in das die digitale Vermögensverwaltung investieren darf.

Schließlich wirkt Compliance auch auf die Etablierung eines Kontrollumfeldes in diesen jeweiligen Fachbereichen hin und führt darauf aufsetzend eigene Kontrollhandlungen durch. Solche Kontrollen können bspw. die Wirksamkeit der Algorithmen zur Ermittlung der Anlagevorschläge bei der digitalen Anlageberatung oder die vorgeschlagenen Investments in der digitalen Vermögensverwaltung, die Geeignetheitserklärungen aber auch die Sachkunde der Mitarbeiter betreffen. Im Hinblick auf die Kontrolle von mathematischen Modellen dürfte es regelmäßig nicht so sein, dass Compliance eine Verpflichtung betrifft, die mathematischen Modelle nachzuvollziehen. Zielführend erscheint es eher Kundenangaben inkl. Anlageziele gegen das Ergebnis der digitalen Anlageberatung/digitalen Vermögensverwaltung abzugleichen und daraus Schlussfolgerungen auf die Algorithmen zu ziehen.

PRAXISTIPPS

  • Anforderungen an IT-Anwendungen und Nutzer verstehen.
  • Risikoverständnis unter dem Blickwinkel der Bedürfnisse der Fachbereiche, IT-Anwendungen und Nutzer schärfen.
  • Frühzeitiges Engagement in Entwicklungsprozessen seitens Compliance und Etablierung von angemessenen Kontrollen.

 

 

Beitragsnummer: 57789

Auswahl von Filialen für die Vor-Ort-Prüfung

Risikoorientierung in der Fläche

Pascal Ritz, Geschäftsführer, Justo Unternehmensberatung GmbH

Prioritäten lenken unser Handeln

„Prioritäten setzen heißt auswählen, was liegen bleiben soll“. Dieses von Helmut Nahr (deutscher Mathematiker) stammende Zitat beschreibt das wesentliche Merkmal einer risikoorientierten Prüfung. Vollkontrollen sind im Regelfall nicht wirtschaftlich. Somit bedarf es einer wohlüberlegten Auswahl, welche Themenstellungen einer Prüfung zugeführt werden sollen. Selbstverständlich bedarf es auch einer Berücksichtigung von Prozessen, die in Zweigniederlassungen, Geschäftsstellen, Filialen und Beratungscentern abgewickelt werden.

Die Berücksichtigung von Filialen in der Prüfungsplanung erfolgt in der Praxis häufig revolvierend. Hierbei wird jedes Jahr eine bestimmte Anzahl von Vor-Ort-Prüfungen durchgeführt. Es drängt sich jedoch der Verdacht auf, dass die Risikoorientierung bei dieser Vorgehensweise unterdurchschnittlich ausgeprägt ist; denn die Ziele einer risikoorientierten Prüfung werden nicht bereits dadurch erreicht, dass nur ein Bruchteil der Grundgesamtheit einer Prüfungshandlung zugeführt wird. Das vorgenannte Verfahren wird daher nur selten als sachgerecht angesehen werden können. Zu Recht stellt sich der geneigte Leser nun die Frage, welche Kriterien denn dann herangezogen werden können.

Wer die Wahl hat, hat die Qual!

Als Auswahlkriterien könnte die Kundenanzahl, die Anzahl der Anlageberater und Vertriebsbeauftragten oder die Höhe der erwirtschaften Deckungsbeiträge genutzt werden. Mit gleicher Berechtigung sind aber auch die gewünschten oder tatsächlich erbrachten Dienstleistungen, die Anzahl von Transaktionen, die Relation der Brutto-/Nettotransaktionsvolumen bei Wertpapieren genau so wie die „Umschlaghäufigkeit“ von Kundenanlagen als Auswahlkriterium denkbar. Auch das Verhältnis von Beratungsgeschäft zu beratungsfreiem Geschäft, die Häufigkeit von Berichtigungen und Stornierungen bieten legitime Auswahlkriterien. Der Möglichkeiten damit jedoch nicht genug. Denn die Art und der Umfang von Kundenbeschwerden, die Häufung und schwere von Mängeln, die Erkenntnisse aus Selbstkontrollen sowie die Geschwindigkeit und Güte der Mängelbeseitigung und der Reifegrad der Risikokultur innerhalb der Filiale haben ebenfalls beachtliche Auswirkungen auf die vorzufindende Risikosituation.

Die vorgenannten Kriterien haben daher alle ihre Berechtigung. Teilweise führen deren bankindividuellen Bewertungen jedoch zu gegensätzlichen Folgen. Beispielsweise kann argumentiert werden, dass eine Geschäftsstelle mit einer hohen Anzahl von Transaktionen tendenziell höhere Risiken aufweist. Doch ist nicht gerade die fehlende Routine ein Indikator für eine höhere Fehlerquote? Somit wird deutlich, dass nicht alle Kriterien zweifelsfrei in nur einer Ausprägung als klares Indiz für eine Risikosituation stehen. Bleibt die Frage, wie eine sachgerechtere Auswahl der unter Risikoaspekten zu berücksichtigenden Filialen erfolgen kann?

Die Lösung liegt in der Kombination von Auswahlkriterien. Hierbei sollten zunächst alle aktuellen Besonderheiten zu einer Filialauswahl führen. Zu derartigen aktuellen Gegebenheiten zählen Beschwerdehäufungen, ausgeprägte Mitarbeiterfluktuation, negative Erkenntnisse durch das Whistleblowing, Mängelhäufungen etc. Folglich jede ersichtliche Abweichung von den bankindividuellen Durchschnitten.

SEMINARTIPPS

Prüfung MaRisk-Umsetzung, 18.03.2019, Frankfurt/M.

Prüfung Risikoberichtswesen & Reporting, 09.04.2019, Frankfurt/M.

WpHG & MaComp AKTUELL!, 22.05.2019, Frankfurt/M.

Prüfung neue interne Governance-Vorgaben, 16.05.2019, Hamburg.

In einem zweiten Schritt sollte die geplante Prüfungskapazität für die Vor-Ort-Kontrollen durch eine Zufallsauswahl von weiteren Filialen „aufgefüllt“ werden. Hierzu bietet es sich an, die Filialen per Zufallsauswahl durch ein statistisches Verfahren zu bestimmen, beispielsweise durch einen sogenannten Stichprobengenerator. Die Zufallsauswahl sorgt für eine zusätzliche, anlassunabhängige Begutachtung von „unauffälligen“ Filialen.

Fazit

Nur durch die kombinierte Berücksichtigung von aktuellen Besonderheiten und statistischer Auswahl kann eine hinreichende Risikoorientierung erreicht werden. Eine Zufallsauswahl verhindert darüber hinaus die Diskussion mit dem Filialverantwortlichen, warum ausgerechnet sein Verantwortungsbereich einer Prüfung bedarf. Darüber hinaus dürfte eine Erklärung, warum aktuelle Auffälligkeiten die Revision auf den Plan rufen, nur selten erforderlich sein.

PRAXISTIPPS

  • Eine fortlaufende Prüffeldbeobachtung sorgt für die notwendige Transparenz über aktuelle Tendenzen in den jeweiligen Prüffeldern/Filialen.
  • Von der „Norm“ abweichende Filialen qualifizieren sich z. B. durch eine hohe Beschwerdeanzahl, außergewöhnliches Verkaufsvolumen oder hohe Stornoquoten für eine Aufnahme in den Prüfplan.
  • Statistischen Verfahren helfen bei der neutralen Bestimmung weiterer Filialen.
  • Sogenannte „Stichprobengeneratoren“ erleichtern die Prüfungsplanung durch ihre statistischen Auswahlverfahren.

Beitragsnummer: 54983