Optimierung der EK-Allokation unter Berücksichtigung der RWA-Bindung

Dominik Leichinger, Prüfungsleiter, Referat Bankgeschäftliche Prüfungen 2, Deutsche Bundesbank, Hauptverwaltung in NRW. Die in diesem Aufsatz vertretenen Auffassungen geben die persönliche Meinung des Autors wieder und sind nicht notwendigerweise Positionen der Deutschen Bundesbank oder einer anderen Bankenaufsichtsbehörde.

Mit der Finalisierung des Basel III-Rahmenwerks[1] wurden die von den Instituten zu erfüllenden Eigenmittelanforderungen sowohl quantitativ als auch qualitativ verschärft. Während mit den bis 2019 ansteigenden Kapitalpufferanforderungen die Eigenmittelvorgaben nach Basel III vollständig umgesetzt wurden, kommen mit dem Regulierungspaket BCBS 424[2] weitere Regulierungen auf die Institute zu, die sich auf die Eigenmittelanforderungen auswirken. Im Wesentlichen handelt es sich um Überarbeitungen der Methoden zur Ermittlung der mit Eigenkapital zu unterlegenden Risiken. Als Stichworte seien die Überarbeitung des Kreditrisikostandardansatzes oder die Überarbeitung der Eigenmittelanforderungen zur Unterlegung des operationellen Risikos genannt.

Darüber hinaus stellt das seit mehr als einer Dekade anhaltende Niedrigzinsumfeld die Ertragskraft der Institute vor große Herausforderungen und erschwert zunehmend eine Stärkung der Eigenkapitalausstattung aus Gewinnthesaurierungen. Vor diesem Hintergrund kommt einer optimalen Allokation der knappen Ressource Kapital – unter Berücksichtigung der Bindungswirkung von risikogewichteten Aktiva (RWA) – nicht nur eine immer größere Bedeutung zu. Vielmehr stellt die Portfoliosteuerung unter Beachtung von RWA-Auswirkungen einen wichtigen Wettbewerbsfaktor in einer von zunehmender Konkurrenz geprägten Bankenlandschaft dar. In diesem Zusammenhang ist ferner zu berücksichtigen, dass mit der Überarbeitung des aufsichtlichen Leitfadens[3] zur Beurteilung von Risikotragfähigkeitskonzepten die normative Perspektive einen Schwerpunkt auf die Erfüllung aufsichtlicher Mindestvorgaben der Säule-I legt.

SEMINARTIPPS

RWA-Optimierung bei knapper werdendem Eigenkapital, 21.10.2019, Frankfurt/M.

Übergang Going Concern-Ansatz auf neue normative RTF-Perspektive, 22.10.2019, Frankfurt/M.

12. Hamburger Bankenaufsicht-Tage 2019, 04.–05.11.2019, Hamburg.

Risikoinventur & Meldung zur Risikotragfähigkeit: Anpassungsdruck 2020, 12.11.2019, Frankfurt/M.

Depot A-Risiken: Wirksame Frühwarnverfahren & Stresstests(-Szenarien), 14.11.2019, Frankfurt/M.

Ausgangsbasis für eine RWA-schonende Ausrichtung der Geschäftsaktivitäten ist eine systematische Analyse der regulatorischen Eigenkapitalanforderungen (insb. die RWA-Bindung von Kreditpositionen). Vor dem Hintergrund eines längeren Investitionshorizonts – vor allem innerhalb des Kreditgeschäfts – sind auch sich ändernde regulatorische Rahmenbedingungen in die Portfoliozusammensetzung und -ausrichtung einzubeziehen. Als Grundlage für derartige Analysen kann in einem ersten Schritt eine sogenannte „RWA-Landkarte“ erstellt werden, anhand derer eine Gegenüberstellung von Risikogewichten verschiedener Risikopositionen vorgenommen wird, um Transparenz über die Eigenkapitalanforderungen der im Portfolio befindlichen Risikopositionen zu erhalten.

Ein weiterer Baustein auf dem Weg zu einer optimierten RWA-Struktur der Geschäftstätigkeit ist die Analyse des Ausnutzungsgrads regulatorisch zulässiger Kapitaleinsparpotenziale. Unter diese fallen u. a. die Inanspruchnahme der Kreditrisikominderungstechniken oder des Abschlagfaktors für Kreditausreichungen an kleine und mittlere Unternehmen (KMU).

Vor allem die Nutzung vorgenannter Einsparpotenziale geht gleichzeitig mit prozessualen und IT-technischen Mehraufwendungen einher. Insofern ist unter Kosten-Nutzen-Aspekten zu untersuchen und abzuwägen, in welchen Konstellationen eine Ausnutzung regulatorischer Einsparpotenziale in einer Nettobetrachtung tatsächlich vorteilhaft ist.

Mit Blick auf die IT-technische Umsetzung des regulatorischen Meldewesens ist darüber hinaus die Datenqualität der melderelevanten Daten zu überprüfen. Eine unzureichende Datenqualität und Fehlverschlüsselungen sind häufig Ursachen, die eine Kalkulation erhöhter RWA zur Folge haben. Etwa wenn keine Zuordnung einer Position zur korrekten Risikopositionsklasse erfolgt, oder notwendige Parameter für die Ausnutzung des KMU-Abschlags nicht richtig verarbeitet werden. Mittels Analysen entlang der gesamten Meldewesenstrecke (Datenverarbeitungsschritte vom bestandsführenden System bis zur für die Meldeerstellung relevanten Anwendung), unter Berücksichtigung aus der Erstellung der RWA-Landkarte erlangter Erkenntnisse als Soll-Wert-Vorgaben, lassen sich RWA-Optimierungspotenziale identifizieren.

Des Weiteren besteht die Möglichkeit anstatt der regulatorisch vorgegebenen Standardansätze zur RWA-Ermittlung, selbst entwickelte Modelle für Zwecke der RWA-Kalkulation einzusetzen. Neben auf internen Ratings basierenden Ansätzen (IRBA) im Kreditgeschäft existieren auch im Bereich der Marktpreisrisiken (MRM) Möglichkeiten – nach aufsichtlicher Genehmigung – interne Modelle einzusetzen. Inwiefern der Einsatz eigener Modelle geeignet ist eine angemessene RWA-Reduzierung zu erreichen, ist institutsindividuell zu untersuchen. Neben den institutsindividuellen Rahmenbedingungen sind darüber hinaus regulatorische Vorgaben in das Kalkül einzubeziehen. An dieser Stelle seien auf die Floor-Regelungen oder die Diskussionen allgemein zum Umgang mit Ratingverfahren für Low-Default Portfolios hingewiesen.

PRAXISTIPPS

  • Implementierung systematischer Datenqualitätsroutinen als Voraussetzung für die Identifizierung und Nutzung von RWA-Einsparpotenzialen.
  • Erstellung einer RWA-Landkarte für Investments, die im Einklang mit der Geschäftsstrategie stehen.
  • Analyse der gesamten Meldewesenstrecke zur vollständigen Ausnutzung regulatorischer Einsparmöglichkeiten bei der Ermittlung risikogewichteter Aktiva.
  • Kosten-Nutzen-Analyse zur Beurteilung der Vorteilhaftigkeit des Einsatzes fortgeschrittener Messansätze zur Kalkulation risikogewichteter Aktiva.
  1. BCBS, The Basel Framework, 2019.
  2. BCBS, Basel III: Finalising post-crisis reforms, December 2017.
  3. BaFin/Bundesbank, Aufsichtliche Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte und deren prozessualer Einbindung in die Gesamtbanksteuerung („ICAAP“) – Neuausrichtung, 2018.

 

Beitragsnummer: 75652

Neue ICAAP-Grundsätze: Herausforderungen für die Banksteuerung

Henning Riediger, Prüfungsleiter im Referat Bankgeschäftliche Prüfungen, Deutsche Bundesbank, Hannover[1]

Quo vadis Risikotragfähigkeit?

Es bleibt spannend! – Diese Aussage hört man mittlerweile relative häufig, wenn über die Umsetzung der Anforderungen aus dem neuen RTF-Leitfaden für LSIs diskutiert wird. Nach meinen bisherigen Erfahrungen hält sich auch der Wille, vom derzeitigen eingeübten Verfahren in die „neue Welt“ zu wechseln, in sehr engen Grenzen. Dies liegt zum einen an einer zumeist erfolgreichen Implementierung der aktuellen Verfahren und zum anderen am Respekt vor der Implementierung eines barwertigen Steuerungskreislaufs. Denn so ehrlich muss man sein: Der barwertige Steuerungskreis wird aus Risikosteuerungs- und -überwachungsgesichtspunkten der entscheidende Einsatz bei einem Wechsel in die neue Welt. Die normative Sicht gibt es heute bereits in wesentlichen Grundzügen in Form der Kapitalplanung gem. AT 4.1 Tz. 11 der MaRisk. Bei dieser Planungssicht in der normativen Perspektive wird erwartungsgemäß quartalsweise nicht mit erheblichen Veränderungen des Zahlengerüstes gerechnet, so dass die operative Risikosteuerung eher an den risikosensitiveren Entwicklungen in der barwertigen Perspektive anzusiedeln wäre.

SEMINARTIPPS

Übergang Going Concern-Ansatz auf neue normative RTF-Perspektive, 22.10.2019, Frankfurt/M.

Neue ICAAP-/ILAAP-Grundsätze: Herausforderungen für die Banksteuerung, 23.10.2019, Frankfurt/M.

Adverse Szenarien & angemessene Stresstests in RTF und Kapitalplanung, 24.10.2019, Frankfurt/M.

Barwert(nahe) Steuerung im neuen RTF-Leitfaden für Praxis & Prüfung, 06.11.2019, Hamburg.

Risikoinventur & Meldung zur Risikotragfähigkeit: Anpassungsdruck 2020, 12.11.2019, Frankfurt/M.

Was heißt dies nun für die relevanten Institute? Die „alte Welt“ zu nutzen, sich aber mit der „Neuen“ vertraut zu machen. Institute, welche sich bisher nicht oder nur sehr rudimentär mit barwertigen Ansätzen zur Steuerung und Überwachung auseinandergesetzt haben, sollten nunmehr verstärkt daran „Interesse finden“. Die Schwierigkeit von barwertigen Steuerungsansätzen liegt nicht unbedingt in der Rechnung selbst begründet, sondern vielmehr in der Ausgestaltung der jeweils relevanten Parameter. Zentrale Fragen sind daher die Wahl und Kalibrierung der zu schätzenden Einflussgrößen, z. B. beim Thema Sach- und Personalaufwand – Wie lang müssen Infrastruktur und Personal und in welchem Umfang vorgehalten werden? Diese Kosten sind damit aufwandsrelevant und stellen verbarwertet einen Abzugsbetrag vom Vermögenswert des Instituts dar. Die zentrale Frage ist somit bei barwertigen Ansätzen zunächst immer nach dem Diskontfaktor. Darüber hinaus besteht die Herausforderung für das Institut, diejenigen Ausprägungen zu identifizieren, die steuerungsrelevant sind. Das Institut sollte bis zu einem final steuerungsrelevanten Einsatz von barwertigen Verfahren schon ausreichend Erfahrung mit barwertigen Steuerungsgrößen gesammelt haben. Dies kann auch dadurch geschehen, dass bereits heute entsprechend barwertige Ansätze informativ zum eigentlich steuerungsrelevanten Ansatz mitlaufen und so dem Institut die Chance geben, Erfahrungen mit der Volatilität und den Ursache-Wirkungsbeziehungen zu sammeln. Von enormer Bedeutung ist daher, dass nicht nur das „rechnende“ Risiko-Controlling, sondern auch die Ebene der Berichtsempfänger mit der Systematik und Wirkungsweise vertraut sein müssen. Die Ebene der Berichtsempfänger umfasst nicht nur die Geschäftsleitung bzw. den Vorstand, sondern vielmehr auch das Aufsichtsorgan in Form des Aufsichts- oder Verwaltungsrates. Ein Mitglied des Aufsichtsorgans muss daher die Berichte verstehen und die Handlungen seiner Geschäftsleitung daran messen können.

Effektive Risikosteuerungs- und -überwachungsinstrumente auf Basis eines transparenten Gesamtrisikoprofils

Nach AT 2.2 Tz. 2 der MaRisk sind durch die Risikoinventur die wesentlichen Risikoarten zu bestimmen. Die Bestimmung der Wesentlichkeit hat sich an den potenziellen Auswirkungen auf die Vermögenslage, die Ertragslage und die Liquiditätslage zu orientieren. Zu beachten ist allerdings, dass ein alleiniges Abstellen auf Rechnungslegungsvorschriften nicht ausreichend ist. Dies zeigt sich besonders deutlich im neuen RTF-Leitfaden, in dem sich die Bedeutung der Rechnungslegungsvorschriften – wenn überhaupt – nur noch sehr eingeschränkt in der normativen Sicht wiederfinden.

Ein besonderes Augenmerk gilt der Berücksichtigung von Risikokonzentrationen bei der Ermittlung des Gesamtrisikoprofils. Risikokonzentrationen resultieren nicht nur aus Geschäften bzw. Positionen gegenüber größeren bzw. großen Einzeladressen, sondern können ebenso durch den Gleichlauf von Risikopositionen innerhalb einer Risikoart (Intra-Risikokonzentrationen) bzw. über verschiedene Risikoarten hinweg (Inter-Risikokonzentrationen) entstehen. Insbesondere sollen die Inter-Risikokonzentrationen durch Szenarioanalysen in der Risikomessung bzw. in den Stresstestbetrachtungen erfasst und abgebildet werden. Das Auftreten von Risikokonzentrationen hat ferner Einfluss auf die Auswahl von angemessenen Risikomessverfahren. So sollte ein Institut, welches feststellt, dass das Kreditportfolio nicht ausreichend granular ist, um mit hinreichender Validität die Gordy-Formel zur Ermittlung der Adressenausfallrisiken zu nutzen, die gewählte Messmethode entsprechend kritisch hinterfragen (vgl. AT 4.1 Tzn. 8 bis 10 der MaRisk).

Wichtig ist es zudem, die für die Steuerung des Instituts maßgeblichen Risikotreiber transparent herauszuarbeiten. Hierzu ein Beispiel aus der Praxis: Viele Institute stellen sich dem aktuell niedrigen Zinsniveau entgegen, indem sie sukzessive das Geschäfts- bzw. das Kreditvolumen ausweiten, um die Zinserträge zu stabilisieren. Man muss kein Physiker sein, um die Wirkungsweise der kommunizierenden Röhren hier zu erkennen: Zwar sind die meisten betroffenen Institute mit der Volumenssteigerung selbst erfolgreich – es zeigt sich aber, dass in diesem Neugeschäft die Neu-Margen deutlich hinter den bisherigen Margen zurückbleiben. Verfolgt nun ein Institut gerade diese Wachstumsstrategie, sollte es die Komponenten Zinsniveau, Volumen und Marge in der Risikosteuerung- und -überwachung permanent im Fokus haben.

PRAXISTIPPS

  • Stellen Sie sicher, dass alle Berichtsempfänger mit der barwertigen Sicht umgehen können.
  • Wählen Sie die Parameter der Verbarwertung angemessen; begründen und dokumentieren Sie Ihre Entscheidung.
  • Implementieren Sie sinnvolle Steuerungsgrößen und richten ein passendes Limitsystem ein.
  • Achten Sie darauf, dass das adverse Szenario die wesentlichen Risiken und Einflussgrößen umfasst.
  • Stellen Sie eine angemessene Transparenz der wesentlichen Risikotreiber in der Risikotragfähigkeit und im Berichtswesen sicher.
  1. Die nachfolgenden Interpretationen und Meinungen sind ausschließlich persönliche Auffassungen des Verfassers und stellen keine offizielle Meinungsäußerung der Deutschen Bundesbank dar.

 

Beitragsnummer: 75610

MREL – Bail-in-fähige Verbindlichkeiten und Banksteuerung



Bilanzstrukturmanagement und Integration in das Funds Transfer Pricing-System

Christian Hasenclever, Leiter Strategic ALM im Treasury, Schwerpunktthemen: strategische Liquiditätssteuerung und Funds Transfer Pricing, Norddeutsche Landesbank (NORD/LB)

       

I. Einleitung und Hintergrund

Ausfallende und leistungsgestörte Kreditforderungen haben während der sog. Finanzmarktkrise der 2007/2008er Jahre zu einer industrieweiten Erosion der Kapitalausstattung der Banken geführt. Der hohe Kapitalverzehr führte vielfach zu einer Gefährdung oder Unterschreitung der seinerzeit geltenden, regulatorischen Mindestkapitalanforderungen bzw. zu einer Überschuldung einzelner Institute. Verstärkend wirkte dabei, dass sich einzelne Kapitalinstrumente als nicht nachhaltig für die Verlustbeteiligung erwiesen. Eine massive Vertrauens- und Liquiditätskrise waren die bekannte Folge, die das gesamte Finanzsystem gefährdete. Der systemische und flächendeckende Charakter der Krise führte zu einem staatlichen Bail-out, d. h. der Staat stellte umfangreich und direkt Kapital zur Verfügung, da die Banken ihre Schieflagen nicht mehr eigenständig beseitigen konnten.

Die staatliche Rekapitalisierung ermöglichte es den Banken, ihre regulatorischen Mindestanforderungen wieder einzuhalten und ihre jeweilige Geschäftstätigkeit fortzuführen. Die gesamtwirtschaftlich eminente Bedeutung eines stabilen Finanzsektors mag die Maßnahmen gerechtfertigt haben, politisch umstritten blieben sie dennoch. Zumal der staatliche Bail-out das Moral Hazard-Problem ...


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Darstellung der neuen RTF-Vorgaben im Meldewesen

Dr. Daniel Baumgarten, Teamleiter Risikotragfähigkeit und Kapital, Sparkasse KölnBonn

Überarbeitete aufsichtliche Vorgaben zur Risikotragfähigkeit und Kapitalplanung

In Annäherung an die Erwartungen der EZB an die Ausgestaltung des ICAAP haben die BaFin und die Deutsche Bundesbank im Mai 2018 ein überarbeitetes Leitlinienpapier zur Risikotragfähigkeit (RTF) veröffentlicht. Der Leitfaden richtet sich an unmittelbar von der BaFin beaufsichtigte „Less Significant Institutions“ und enthält Vorgaben, die von der nationalen Aufsicht zukünftig bei der Beurteilung der bankinternen Risikotragfähigkeitskonzepte zugrunde gelegt werden und teilweise durch einzelne Institute bereits umgesetzt wurden.

Pflicht zur Meldung von Risikotragfähigkeitsinformationen

Mit dem CRD-IV-Umsetzungsgesetz wurde in § 25 KWG die Pflicht der Kreditinstitute und übergeordneten Unternehmen verankert, regelmäßig Risikotragfähigkeitsinformationen einzureichen. Die Einzelheiten der Meldepflicht einschließlich der Meldebögen sind in der am 30.12.2014 in Kraft getretenen Verordnung zur Einreichung von Finanz- und Risikotragfähigkeitsinformationen (FinaRisikoV) geregelt. Das Ziel der Meldung ist es, aufsichtsseitig regelmäßig und in einheitlich strukturierter Form Informationen über die von Instituten zur Steuerung ihrer Risikotragfähigkeit eingesetzten Methoden und Verfahren zu erhalten.

Abbildung der neuen Vorgaben im RTF-Meldewesen

Bereits für den Stichtag 31.12.2018 wurden durch die Deutsche Bundesbank Hinweise publiziert, wie Angaben zu RTF-Konzepten, die bereits den neuen Vorgaben entsprechen, übergangsweise in den bisherigen Vordrucken zu erfassen sind:

SEMINARTIPPS

Update: COREP & Liquiditätsmeldewesen 2020, 14.10.2019, Köln.

Aufbau einer workflowbasierten Meldewesen-Datenbank, 15.10.2019, Köln.

Herausforderung: Daten-Verzahnung Controlling, Melde- & Rechnungswesen, 16.10.2019, Köln.

Risikoinventur & Meldung zur Risikotragfähigkeit: Anpassungsdruck 2020, 12.11.2019, Frankfurt/M.

Aktuelle § 44er Sonderprüfungen im Meldewesen, 02.12.2019, Frankfurt/M.

So sind für die neue normative Perspektive hilfsweise vier Steuerungskriese anzulegen, einer für den aktuellen Stichtag und drei für zukünftige Planjahre. Für diese ist dann der bisherige Vordruck zur Abbildung von aus regulatorischen Vorgaben abgeleiteten Risikodeckungspotenzialen („RDP-R“) für das Basisszenario („Stichtagswert“) und ein adverses Szenario („angepasster Wert“) zu befüllen. Für den Fall mehrerer institutsindividueller adverser Szenarien ist bei der Meldung auf dasjenige adverse Szenario abzustellen, das den größten negativen Einfluss auf die Kapitalplanung hat.

Die Abbildung der neuen ökonomischen Perspektive ist vergleichbar mit der Erfassung der bisherigen Going Concern- und Liquidationsansätze. Es ist ein Steuerungskreis anzulegen und für diesen ein Vordruck zur Erfassung der Risiken und Limite („RSK“) sowie einer der vier Vordrucke zur Erfassung des Risikodeckungspotenzials zu befüllen. Welcher RDP-Vordruck zu wählen ist, ergibt sich daraus, ob ein barwertiger, barwertnaher oder „Säule 1+ Ansatz“ vorliegt.

Perspektivisch soll die oben beschriebene Übergangslösung durch eine Überarbeitung der FinaRisikoV und der damit verbundenen Einführung eines Vordrucks zur Erfassung der Kapitalplanung bzw. normativen Perspektive („KPL“) abgelöst werden. Ob dies vor dem nächsten Meldestichtag am 31.12.2019 möglich ist, ist nach Aussage der Deutschen Bundesbank auf Fachtagungen aktuell ungewiss, so dass ggf. zu diesem Stichtag weiterhin die oben beschriebene Übergangslösung oder ein zwischenzeitlich kommuniziertes alternatives Vorgehen zur Darstellung einer auf die neuen Vorgaben umgestellten RTF-Konzeption erforderlich sein wird. Aufgrund dieses Umstands sowie der zusätzlichen zukünftigen Anforderungen zur Erfassung von ILAAP-Informationen bleibt das Meldewesen nach FinaRisikoV in naher Zukunft ein spannendes Thema.

PRAXISTIPPS

  • Zeitnahe intensive Auseinandersetzung mit den überarbeiteten Vorgaben zur Risikotragfähigkeit und zum RTF-Meldewesen.
  • Frühzeitige Testerfassungen mit Beispieldaten vor dem Einreichungsstichtag.
  • Regelmäßiges Monitoring von aufsichtlichen Veröffentlichungen.

 

Beitragsnummer: 75263

 

Zunehmende Bedeutung der Internen Revision im Auslagerungsprozess



Chancen und Risiken aus Auslagerungen als Ausgangspunkt des Prüfungs- und Beratungsansatzes der Internen Revision.

Gisela Conrads, Bereichsleiterin Interne Revision, Münchener Hypothekenbank eG.

I. Bedeutung der Auslagerung in der Kreditwirtschaft

Die Finanzwirtschaft in Deutschland befindet sich seit Jahren in einer Struktur- und Ertragskrise. In Zeiten der zunehmenden Dynamik im Umfeld der Kreditinstitute, des steigenden Kostendrucks und den Aspekten des „Lean Management“ darf auch das Thema „Outsourcing“ – sprich die Auslagerung von Aktivitäten und Prozessen – nicht fehlen. Dieses Instrument, welches in der Industrie bereits vor über 100 Jahren zur Effizienzsteigerung eingeführt wurde, findet in der Finanzwelt erst seit ca. 20 Jahren verstärkten Einsatz. Neben IT-Aktivitäten wurden dabei auch standardisierte Kreditprozesse auf preiswertere – häufig nicht regulierte – Dienstleister verlagert[1]. Dies hat auch die Bankenaufsicht erkannt, die u. a. 2001 entsprechende Regularien erlassen hat, die seither weiter modifiziert wurden und die Interne Revision des auslagernden Instituts in die Pflicht nehmen. Da die Internen Revisionen in der Kreditwirtschaft darüber hinaus seit Jahren gefordert sind, sich stärker beratend und präventiv insbesondere bei als „wesentlich“ eingestuften Auslagerungen einzusetzen, bietet dieses früher eher stiefmütterlich behandelte Prüfungsgebiet viele (Beratungs-)Ansatzpunkte für die Interne Revision. Der nachfolgende Beitrag soll exemplarisch aufzeigen, ...


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Depot A-Risiken – Methodische und prozessuale Anforderungen

Dominik Leichinger, Prüfungsleiter, Referat Bankgeschäftliche Prüfungen 2, Deutsche Bundesbank, Hauptverwaltung in NRW[1]

Die seit mehr als einer Dekade anhaltende Niedrigzinsphase, aber auch der zunehmende Wettbewerbsdruck innerhalb der Bankenbranche führen zu sinkenden Margen innerhalb des klassischen Kredit- und Einlagengeschäfts von Kreditinstituten und bergen damit Risiken für deren Ertragslage. In solchen Zeiten kommt der Zusammensetzung der von den Instituten gehaltenen Eigenanlagen – das sogenannte Depot A – eine immer größere Bedeutung zu. Während in der Vergangenheit die Hauptaufgabe der Eigenanlagen größtenteils in der Anlage und Steuerung der Liquiditätsposition eines Kreditinstituts bestand, ist heutzutage der mit den Eigenanlagen zu erzielende Ergebnisbeitrag nicht selten von herausgehobener Bedeutung.

So verwundert es nicht, dass neben den traditionellen Assetklassen (u. a. Staatsanleihen, Bankanleihen und Pfandbriefen) immer größere Anteile der Eigenanlagen in riskantere Anlageformen wie Corporates, Emerging-Marktes-Papiere, High-yield-Bonds oder Aktien fließen – um nur einige zu nennen. Darüber hinaus erfreuen sich auch Anlagen in Fonds immer größerer Beliebtheit bei den Kreditinstituten. Diese umfassen nicht nur Anlagen in Publikumsfonds, die in Renten und/oder Aktien investieren. Auch Immobilienfonds finden sich immer häufiger in den Eigenanlagen der Kreditinstitute. Ferner wächst seit einigen Jahren die Bedeutung von Spezialfonds, die bei einigen Instituten einen nicht unerheblichen Anteil der Eigenanlagen ausmachen. Bei diesen Spezialfonds handelt es sich überwiegend um eigens für ein Institut aufgelegtes Investmentvermögen, dessen Anlagestrategie individuell zwischen Kreditinstitut und der jeweiligen Kapitalverwaltungsgesellschaft festgelegt wird.

SEMINARTIPPS

RWA-Optimierung bei knapper werdendem Eigenkapital, 21.10.2019, Frankfurt/M.

Update 2019: BaFin-Rundschreiben zum Zinsänderungsrisiko im Anlagebuch, 07.11.2019, Hamburg.

Prüfung Spezialfonds, 13.11.2019, Frankfurt/M.

Depot A-Risiken: Wirksame Frühwarnverfahren & Stresstests(-Szenarien), 14.11.2019, Frankfurt/M.

Verbunden mit einer Neuausrichtung der Eigenanlagen ist regelmäßig auch eine Überarbeitung der strategischen Vorgaben notwendig. In Einklang mit den MaRisk hat die Geschäftsstrategie die Zielsetzung aller wesentlichen Geschäftsaktivitäten sowie die zu ihrer Erreichung erforderlichen Maßnahmen zu umfassen. In diesem Zusammenhang ist ebenfalls der Umgang mit den aus der Geschäftstätigkeit resultierenden Risiken in einer zur Geschäftsstrategie konsistenten Risikostrategie festzulegen.

Als Ausgangsbasis für die eingehende Analyse der mit der Neuausrichtung des Depot A verbundenen Risiken bietet sich der Prozess der Risikoinventur an. In Abhängigkeit von der konkreten Veränderung der Depot A-Ausrichtung, etwa in Form von Anlagen in neuen Produkten oder Märkten, kann für Zwecke der Risikoinventur auf die Ergebnisse aus zuvor durchlaufenen Neue-Produkte-Prozessen gem. AT 8.1 MaRisk zurückgegriffen werden. Unter Berücksichtigung der überarbeiteten aufsichtsrechtlichen Anforderungen an die Ausgestaltung von Risikotragfähigkeitskonzepten[2] ist zu beachten, dass im Rahmen der Risikoinventur die Risiken sowohl aus normativer als auch aus ökonomischer Perspektive zu betrachten sind, da beide Perspektiven zusammen einen integrierten Steuerungskreis für die Risikotragfähigkeit in Kreditinstituten bilden.

BUCHTIPP

Geiersbach/Prasser (Hrsg.), Praktikerhandbuch Stresstesting, 3. Aufl. 2017.

 

Für die aufsichtliche Beurteilung interner Verfahren zur Sicherstellung der Risikotragfähigkeit spielt die Beachtung von Konsistenzaspekten (vgl. Rd-Nr. 10 des überarbeiteten RTF-Leitfadens) eine wichtige Rolle. Sofern ein Institut nicht nur unwesentliche Volumina in Fondspositionen angelegt hat, folgt aus dem Konsistenzgebot die Anwendung der Transparenzmethode mittels Durchschau. Zum einen bedeutet dies, dass Positionen gegenüber denselben Emittenten innerhalb verschiedener Fondsanlagen und unter Berücksichtigung der Direktanlagen innerhalb des Depot A zusammenzuführen sind. Erst im Zuge einer Aggregation von Positionen gegenüber identischen Schuldnern können Risikokonzentrationen angemessen identifiziert, gemessen und gesteuert werden.

Zum anderen ist unter das Konsistenzgebot auch die Einheitlichkeit der Risikomessmethodik zu subsumieren, die für Zwecke der Risikoermittlung bei den Eigenanlagen herangezogen wird.

Neben den erwähnten methodischen Aspekten sind auch die prozessualen Vorgaben in Einklang mit der Zusammensetzung der Eigenanlagen und unter Berücksichtigung des Risikoprofils auszugestalten. Entsprechend den Anforderungen des BTO 1.1 Tz. 3 der MaRisk erfordert die Einrichtung eines Kontrahenten- oder Emittentenlimits stets eine Votierung aus der Marktfolge. Im Zuge des Durchschauprinzips gilt dies gleichermaßen für bedeutende Positionen innerhalb von Fondsanlagen.

Des Weiteren sind im Sinne eines angemessenen Risikomanagements auch die von einem Institut angewandten Verfahren zur Früherkennung von Risiken auf das Risikoprofil der Eigenanlagen abzustimmen. Zusätzlich zu empirischen Erkenntnissen aus der Vergangenheit bieten sich die Ergebnisse aus Stresstestanalysen oder im Rahmen von Validierungshandlungen durchgeführter Sensitivitätsanalysen zur Identifizierung und Auswahl risikosensitiver Frühwarnindikatoren an.

PRAXISTIPPS

  • Beurteilung der mit den Eigenanlagen verbundenen Risiken sowohl aus normativer als auch ökonomischer Perspektive über die gesamte Prozesskette des Risikomanagements (insb. Risikoinventur, Risikotragfähigkeitsanalyse, Stresstesting).
  • Konsequente Anwendung der Durchschaumethode für materielle Fondspositionen zur sachgerechten Erfassung und Steuerung von Risikokonzentrationen sowie Sicherstellung einer in sich konsistenten Risikomessung für den gesamten Eigenanlagebestand.
  • Festlegung geeigneter Frühwarnindikatoren zur Gewährleistung einer frühzeitigen Identifizierung eines sich abzeichnenden Risikoanstiegs bei den Eigenanlagen. Als Grundlage und Hilfestellung bieten sich Erkenntnisse aus der Risikoinventur, Validierungsergebnisse zur Überprüfung der Angemessenheit der Risikomessmethoden oder auch Stresstestanalysen an.
  1. Die in diesem Beitrag vertretenen Auffassungen geben die persönliche Meinung des Autors wieder und sind nicht notwendigerweise Positionen der Deutschen Bundesbank oder einer anderen Bankenaufsichtsbehörde.
  2. BaFin/Bundesbank, Aufsichtliche Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte und deren prozessualer Einbindung in die Gesamtbanksteuerung („ICAAP“) – Neuausrichtung, 2018.

 

Beitragsnummer: 74989

 

Prüfung von Spezialfonds in Regionalbanken

Rahmenbedingungen und Prüfungsansätze

Thomas Maurer, Leiter Interne Revision, Münchner Bank eG

Spezialfonds haben Kreditinstitute bereits seit vielen Jahren, meist mit Unterstützung von Fondsgesellschaften, aufgelegt. Ziel war dabei meist, sich von Marktschwankungen etwas abzukoppeln und innerhalb des Fonds Korrelationseffekte quasi automatisch zu nutzen und zudem jährlich die Entscheidungsfreiheit zu haben, ob und in welcher Höhe aufgelaufene Erträge ausgeschüttet werden sollen. Damit konnte auch die Entwicklung der Gewinn- und Verlustrechnung geglättet werden. In der aktuellen Situation des sich ausweitenden Eigenanlagengeschäfts vieler Institute hat das Thema Spezialfonds einen wesentlich höheren Stellenwert erreicht. Viele Banken haben mittlerweile einen beachtlichen Teil ihrer Eigenanlagen in einem Spezialfonds untergebracht, der neben klassischen Wertpapieren auch strukturierte Produkte und Derivate enthält. Dies bringt mit sich, dass auch die Interne Revision das Thema im Rahmen ihrer Prüfungstätigkeit umfassend und risikoorientiert zu würdigen hat.

SEMINARTIPPS

Herausforderung: Daten-Verzahnung Controlling, Melde- & Rechnungswesen, 16.10.2019, Köln.

Adverse Szenarien & angemessene Stresstests in RTF und Kapitalplanung, 24.10.2019, Frankfurt/M.

Update 2019: BaFin-Rundschreiben zum Zinsänderungsrisiko im Anlagebuch, 07.11.2019, Hamburg.

Prüfung Spezialfonds, 13.11.2019, Frankfurt/M.

Depot A-Risiken: Wirksame Frühwarnverfahren & Stresstests(-Szenarien), 14.11.2019, Frankfurt/M.

Zum Einstieg in eine solche Prüfung sind zunächst die vertraglichen Grundlagen mit der Fondsgesellschaft zu untersuchen. Dabei sollte besonderen Wert auf die möglichst zweifelsfreie Formulierung der Anlagerichtlinien gelegt werden. Wichtig ist auch die Frage, wer final die Anlage- und Verkaufsentscheidungen für den Fonds trifft (die Bank, ein Gremium aus Bank und Fondsgesellschaft oder der Fondsmanager in eigener Verantwortung im Rahmen der Anlagerichtlinien) und in welcher Form diese zu dokumentieren sind. Unter Renditeaspekten sollten auch die Kosten der Fondsverwaltung und der Transaktionen betrachtet und mit marktgerechten Preisen abgeglichen werden. In diesem Zusammenhang sollte auch die Frage nach den Beratungsaktivitäten der Fondsgesellschaft und deren Kosten gestellt werden. Grundsätzlich ist gegen eine solche Beratungstätigkeit nichts einzuwenden. Es sollte aber sichergestellt sein, dass eventuell hiermit verbundene zusätzliche Kosten in die Gesamtkalkulation einbezogen werden und dass in erster Linie die Interessen des Instituts und nicht der Kapitalanlagegesellschaft im Fokus stehen.

Die Prozesse im Zusammenhang mit dem Eigengeschäft des Kreditinstituts sind bei Auflage eines Spezialfonds auf Aktualität zu prüfen und um die speziellen Anforderungen für einen Spezialfonds zu ergänzen. Wichtig ist, dass die Behandlung des Spezialfonds im Risikocontrolling detailliert geregelt wird. In der Regel wird hier die Durchschaumethode zum Ansatz kommen, d. h. die einzelnen Wertpapiere im Fonds werden so behandelt, als ob sie einzeln im Depot A gehalten würden. Die Tiefe der Durchschau ist insbesondere bei Fonds-in-Fonds-Konstruktionen zu beachten. Es sollte festgelegt werden, wie weit die Durchschau nach unten mit vertretbarem Aufwand noch möglich ist, da bei verschachtelten Konstruktionen durchaus eine nennenswerte Anzahl an Einzeltiteln in Unter-Fonds vorhanden sein kann. In diesem Zusammenhang ist auch der sachgerechte Umgang mit den von der Fondsgesellschaft zur Verfügung gestellten Risikokennzahlen zu prüfen. Diese dürfen nicht einfach unreflektiert von der Bank zur Risikosteuerung herangezogen werden. Es ist seitens der Fondsgesellschaft offenzulegen, mit welchen Parametern diese hergeleitet wurden. In der Folge ist der Ansatz der Fondsgesellschaft mit dem in der Bank praktizierten Ansatz zur Risikoermittlung abzugleichen. Bei Abweichungen sind Umrechnungsmethoden zu definieren, mit denen die Risikokennzahl auf das in der Bank angewandte System übergeleitet werden kann.

Ein weiterer wesentlicher Aspekt bei Spezialfonds ist die Ausgestaltung und der Turnus des Reporting der Fondsgesellschaft an die Bank. Dies muss der Bank ermöglichen, die Entwicklung des Fonds, der Risiken und der Performance laufend zu überwachen, um im Bedarfsfall ein zeitnahes Eingreifen, z. B. durch Anpassung der Anlagerichtlinien, zu ermöglichen. Auch ad-hoc-Informationspflichten für den Fall von ungünstigen oder unerwarteten Entwicklungen sollten geregelt sein.

Die Auflage eines Spezialfonds ist für Kreditinstitute eine komfortable Möglichkeit, das sich ausweitende Eigenanlagegeschäft zielgerichtet zu steuern und somit das Risiko-Rendite-Verhältnis zu optimieren. Die Revision sollte den Spezialfonds aktiv begleiten und, wenn möglich, als beratendes Mitglied in einem Anlageausschuss vertreten sein. Dann kann anhand der laufenden und zeitnahen Informationen auch die erforderliche Prüfung effizient und ressourcenschonend durchgeführt werden.

PRAXISTIPPS

  • Begleiten Sie die Neuauflage eines Spezialfonds in Ihrem Institut von Anfang an aktiv.
  • Versuchen Sie, als beratendes Mitglied, Teil des Anlageausschusses zu werden.
  • Betrachten Sie auch die Kostenseite des Spezialfonds.
  • Achten Sie auf kompatible Steuerungssysteme der Fondsgesellschaft und Ihres Hauses.

 

Beitragsnummer: 74984

 

Mehrwerte schaffen in der Steuerungsrevision

Thomas Maurer, Leiter Interne Revision, Münchner Bank eG

Auch wenn sich in den vergangenen Jahren hinsichtlich des Stellenwerts der Tätigkeit der Internen Revision vieles zum Positiven verändert hat, so ist doch in den Köpfen einiger Geschäftsleiter noch immer latent das Bild vom „notwendigen Übel“ vorhanden. Zu einer guten Revisionsarbeit gehören daher immer auch gewisse Marketingaktionen, um den Mehrwert, der durch diese Tätigkeit für das Unternehmen geschaffen wird, auch nach außen zu tragen. Dies gelingt immer dann am besten, wenn aus den Maßnahmen, die in einem Prüfungsbericht aufgezeigt werden, ein nennenswerter, in Euro und Cent messbarer Vorteil für die Bank entsteht. Dies soll an zwei Praxisbeispielen aus dem Prüfungsuniversum der Steuerungsrevision verdeutlicht werden.

SEMINARTIPPS

Herausforderung: Daten-Verzahnung Controlling, Melde- & Rechnungswesen, 16.10.2019, Köln.

RWA-Optimierung bei knapper werdendem Eigenkapital, 21.10.2019, Frankfurt/M.

Übergang Going Concern-Ansatz auf neue normative RTF-Perspektive, 22.10.2019, Frankfurt/M.

Adverse Szenarien & angemessene Stresstests in RTF und Kapitalplanung, 24.10.2019, Frankfurt/M.

Risikoinventur & Meldung zur Risikotragfähigkeit: Anpassungsdruck 2020, 12.11.2019, Frankfurt/M.

 

Einer der wesentlichen Engpassfaktoren eines Kreditinstituts ist die Risikodeckungsmasse. Je mehr davon nach Abzug der aufsichtsrechtlich zwingend erforderlichen Bestandteile für das Eingehen von Risiken und damit implizit zur Ertragserzielung zur Verfügung steht, desto mehr Ertragschancen hat die Bank. Eine korrekte Verschlüsselung von Immobiliensicherheiten und den zugehörigen Grundpfandrechten ermöglicht durch einen Ausweis von Realkrediten hier eine deutliche Entlastung, da für Realkredite nur ein reduzierter Eigenkapitalbedarf gefordert wird. Im Rahmen einer Prüfung hat sich gezeigt, dass sowohl hinsichtlich der vollständigen Erfassung aller Daten sämtlicher Immobilienbestandteile (im Beispiel Tiefgaragenplätze), als auch der konsequenten Durchführung von Innenbesichtigungen der Beleihungsobjekte noch deutlicher Optimierungsbedarf vorhanden war. Insbesondere bei kleineren Einheiten wurde hierauf in der Vergangenheit nicht ausreichend Wert gelegt. Die Problemstellung bestand darin, dass ein korrekter und damit eigenkapitalentlastender Realkreditausweis im System nur erfolgte, wenn insgesamt 11 Parameter bei den Sicherheiten und den Beleihungsobjekten vollständig und korrekt erfasst waren. Dies war in einer Vielzahl von Fällen nicht gewährleistet. Bei den Tiefgaragenplätzen mit eigenen Grundbüchern, erfolgte beispielsweise deshalb keine Anrechnungen, weil bei diesen kein Verkehrswert im System hinterlegt war. Der gesamte Verkehrswert wurde nur für die Immobilie im System erfasst. Die entsprechende EDV-Auswertung mit den nicht zur Anrechnung kommenden Realkrediten war zudem keinem Bearbeiter zugeordnet und lief daher ins Leere. Letztlich konnte im Nachgang zur Prüfung der IR, allerdings mit hohem Ressourcenaufwand, eine deutliche Eigenkapitalentlastung für die Bank realisiert werden.

Ein weiteres Beispiel betrifft den in der Banksteuerung üblichen, flächendeckenden Einsatz von teilweise komplexen Excel-Tools. Auf Grund der Komplexität und der häufigen Veränderungen sind diese Tools naturgemäß anfällig für Formelfehler. In der Folge werden falsche Ergebnisse ausgewiesen, die die Banksteuerung nennenswert beeinflussen können. Vor diesem Hintergrund sollte die Steuerungsrevision der umfassenden Prüfungen derartiger Tools einen hohen Stellenwert einräumen. Dabei ist insbesondere auf ein korrektes Test- und Freigabeverfahren, ein konsequentes Vieraugenprinzip und Maßnahmen zum Blatt- und Zellschutz zu achten. Aber auch falls alle diese Maßnahmen implementiert und funktionsfähig sind, bleibt ein Restrisiko bestehen. Im konkreten Beispiel waren aufgrund eines Formelfehlers die Schadensfälle, die zur Berechnung des operationellen Risikos herangezogen werden, um das Doppelte zu hoch ausgewiesen. Dies war im Rahmen des Vieraugenprinzips nicht aufgefallen.

Solche Erfolge der Revisionsarbeit können natürlich nicht laufend und auf Wunsch produziert werden. Letztlich sind funktionierende Prozesse und wirksame Kontrollsysteme, die derartige Probleme bereits frühzeitig aufzeigen immer noch besser, als die nachträgliche Feststellung durch die Interne Revision. Aber auch in insgesamt gut funktionierenden Systemen bleiben Restrisiken bestehen. Genau hier sollte die Interne Revision ansetzen, um mit ihren Prüfungshandlungen dazu beizutragen, diese weiter zu reduzieren.

PRAXISTIPPS

  • Stellen Sie das Verbesserungspotenzial der von Ihnen vorgeschlagenen Maßnahmen zur Beseitigung von Prüfungsfeststellungen deutlich heraus.
  • Nachweisliche Mehrerträge oder Kostenreduzierungen in Euro wirken dabei am besten.
  • Bei System- und Prozessprüfungen besteht in der Regel das größte Potenzial für die Schaffung von Mehrwerten.
  • Achten Sie insbesondere auf die korrekte Verschlüsselung der Vorgänge in der IT.
  • Prüfen Sie komplexe Excel-Tools in der Banksteuerung besonders intensiv.

 

Beitragsnummer: 74976

 

Erhöhung des antizyklischen Kapitalpuffers – Folgen für Banksteuerung

Prof. Dr. Svend Reuse, MBA, Mitglied des Vorstandes, Kreissparkasse Düsseldorf. Honorarprofessor an der FOM Hochschule für Oekonomie und Management, Fachbeirat im isf – Institute for Strategic Finance

Prof. Dr. Dr. habil. Dr. h.c. (Uni Banja Luka) Eric Frère, Dekan, FOM Hochschule für Oekonomie und Management, Direktor des isf – Institute for Strategic Finance[1]

Zielsetzung dieses Beitrags

Mit Datum vom 27.05.2019 hat der ASF (Ausschuss für Finanzmarktstabilität) eine Empfehlung veröffentlicht, wonach die BaFin den antizyklischen Kapitalpuffer (auch CCyB = Countercyclical capital buffer) erstmals seit dessen Einführung von 0,00 % auf 0,25 % erhöhen soll. Dieser Beitrag würdigt diese Empfehlung und analysiert Folgen für die Bankpraxis.

Aktueller antizyklischer Puffer und Empfehlung des ASF

Die BaFin hat erst am 01.04.2019 den antizyklischen Puffer überprüft und kam zu folgender Erkenntnis: „Die Hilfsindikatoren zeigen in der Gesamtheit aktuell keine Notwendigkeit zur Abweichung vom Pufferrichtwert an. Entsprechend belässt die BaFin den Wert für den antizyklischen Kapitalpuffer für das zweite Quartal 2019 bei 0% (BaFin (2019.04a).“ Die Systematik der Herleitung auf Basis des BCBS 187 Papiers (vgl. BCBS (2010)) macht die BaFin ebenfalls transparent (vgl. Tente/Stein/Silbermann/Deckers (2015)) und offeriert sogar die Daten hierzu (vgl. BaFin (2019.04b)).

SEMINARTIPPS

Herausforderung: Daten-Verzahnung Controlling, Melde- & Rechnungswesen, 16.10.2019, Köln.

Übergang Going Concern-Ansatz auf neue normative RTF-Perspektive, 22.10.2019, Frankfurt/M.

Neue ICAAP-/ILAAP-Grundsätze: Herausforderungen für die Banksteuerung, 23.10.2019, Frankfurt/M.

Neue RTF-Praxis:(un)sachgerechte adverse Szenarien als Herausforderung, 24.10.2019, Frankfurt/M.

Update 2019: BaFin-Rundschreiben zum Zinsänderungsrisiko im Anlagebuch, 07.11.2019, Hamburg.

Die Empfehlung des ASF ist somit im ersten Schritt überraschend. Entgegen der Analysen der BaFin kommt der ASF zu der Erkenntnis, „dass zyklische systemische Risiken bestehen, welche die Finanzstabilität in Deutschland beeinträchtigen können (ASF (2019), S. 2).“ Dies wird wie folgt begründet:

  • Konjunkturrisiko: Beobachtet wird eine stärkere Kreditvergabe an schwache Unternehmen, was Banken in einer Abschwungphase mit den damit verbundenen höheren Kreditrisiken überproportional belasten könnte.
  • Immobilienrisiko: Es liegt eine Überbewertung des Immobiliensektors vor, eine Preiskorrektur wird als zunehmend wahrscheinlich angesehen. Dies kann das Wohnimmobilienkreditportfolio der Banken belasten.
  • Zinsrisiken: Im aktuellen Niedrigzinsumfeld besteht das Risiko der verstärkten Risikoübernahme durch die Banken bei gleichzeitiger Ausweitung des Kreditportfolios.

Bei Eintritt der obigen Faktoren sieht der ASF die Schockabsorbtionsfähigkeit der Institute nur eingeschränkt als gegeben an, vielmehr kann die Finanzstabilität gefährdet werden. Trotz nicht gegebener quantitativer Indikatoren schlägt der ASF vor, den Kapitalerhaltungspuffer mit einer Implementierungsfrist von 12 Monaten auf 0,25 % zu erhöhen.

Auch wenn es sich im ersten Schritt nur um eine Empfehlung des ASF handelt, welche noch nicht bindend ist, sollten sich Institute schon jetzt mit einer möglichen Anhebung beschäftigen.

Internationaler Vergleich

Interessant ist im ersten Schritt ein internationaler Vergleich. Die nachfolgende Abb. fasst aktuelle und bereits beschlossene Kapitalerhaltungspuffer zusammen.

Abbildung: Antizyklischer Kapitalpuffer im internationalen Vergleich

Es wird deutlich, dass viele Länder bereits einen zum Teil recht hohen Puffer verordnet haben. Zudem ist die Tendenz steigend: Von den 30 aufgeführten Ländern wollen 12 die Puffer bis Anfang 2020 erhöhen. Deutschland läge mit 0,25 % sowohl unter dem aktuellen (0,33 %) als auch zukünftigen Durchschnitt (0,54 %) in Europa.

Implikationen für die Bankpraxis

Im Kontext von SREP, Eigenmittelzielkennziffer und aktueller Doppelbelegung von Eigenkapital im Rahmen des noch aktuellen gültigen Going Concern-Ansatzes dürfte ein Wert von 0,25 % für die meisten Institute verkraftbar sein. Gleichwohl sollten Institute den 01.07.2019 im Blick behalten – hier wird die BaFin den antizyklischen Puffer erneut überprüfen und ggf. der Empfehlung des ASF folgen. Es bietet sich zudem an, schon jetzt zu überprüfen, ob die Risikotragfähigkeit angepasst werden muss. Höhere Kapitalanforderungen dürften zudem ein Anreiz sein, frühzeitig auf die neue Risikotragfähigkeitssystematik mit normativer und ökonomischer Sicht zu wechseln. Zudem sollte im Rahmen der Vorkalkulation geprüft werden, ob die perspektivisch höheren regulatorischen Eigenkapitalkosten verdient werden.

Fazit und Ausblick auf die Zukunft

Dass ein antizyklischer Puffer eingeführt werden könnte, erscheint im internationalen Vergleich wenig überraschend. Der Zeitpunkt erscheint aus Sicht der Autoren jedoch spät gewählt – ein erstes Abkühlen der Konjunktur sowie internationale politische Spannungen und Handelskriege beeinträchtigen die Weltwirtschaft schon jetzt. Somit besteht im schlimmsten Fall die Gefahr der Prozyklizität, welche ja genau durch den Puffer verhindert werden sollte. Gleichwohl kann der Puffer jedoch auch eine Möglichkeit sein, den teilweise ökonomisch nicht mehr zu erklärenden Preiskampf zu entschärfen und so den Zinsmarkt wieder in ein normales Umfeld zu führen.

PRAXISTIPPS

  • Überprüfen Sie die Puffer in Ihrer Risikotragfähigkeit.
  • Bauen Sie die neuen antizyklischen Puffer in die Kapitalplanung ein.
  • Beachten Sie Wechselwirkungen zu Eigenkapitalbildung und Ausschüttung.
  • Verfolgen Sie die Entwicklungen im Rahmen der Quartalsüberprüfung durch die BaFin aufmerksam.
  • Überprüfen Sie Ihre Vorkalkulation im Hinblick auf Eigenkapitalkosten.

LITERATURHINWEISE

ASF/Ausschuss für Finanzmarktstabilität (2019): Empfehlung des Ausschusses für Finanzstabilität vom 27.05.2019 zur Erhöhung des antizyklischen Kapitalpuffers. AFS/2019/1https://www.bafin.de/SharedDocs/Downloads/DE/Aufsichtsrecht/dl_empfehlung_afs_190527.pdf?__blob=publicationFile&v=2, Abfrage vom 30.05.2019.

BaFin (2015): Allgemeinverfügung: Festlegung der Quote für den Antizyklischen Kapitalpuffer, 28.12.2015 | Geschäftszeichen BA 51-AZB 1130-2015/0009, erhältlich auf: https://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Aufsichtsrecht/Verfuegung/vf_151228_allgvfg_antizyklischer_kapitalpuffer_ba.html?nn=7852116, Abfrage vom 30.05.2019.

BaFin (2019.04a): Antizyklischer Kapitalpuffer, erhältlich auf: https://www.bafin.de/DE/Aufsicht/BankenFinanzdienstleister/Eigenmittelanforderungen/Kapitalpuffer/antizyklischer_kapitalpuffer_node.html, Abfrage vom 30.05.2019.

BaFin (2019.04b): Antizyklischer Kapitalpuffer: Indikatoren, Zeitreihen und Erläuterungen der Daten für die Überprüfung des antizyklischen Kapitalpuffers, erhältlich auf: https://www.bafin.de/SharedDocs/Downloads/DE/Bericht/dl_ccb_indikatoren.xlsx?__blob=publicationFile&v=19, Abfrage vom 30.05.2019.

BaFin (2019.05): FAQ zur erstmaligen Erhöhung des antizyklischen Kapitalpuffers, erhältlich auf: https://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/FAQ/faq_afs_sitzung_190527_antizyklischer_puffer.html?nn=9021442, Abfrage vom 30.05.2019.

BCBS (2010): Guidance for national authorities operating the countercyclical capital buffer, erhältlich auf: https://www.bis.org/publ/bcbs187.pdf, Abfrage vom 30.05.2019.

European Systemic Risk Board (2019a): Countercyclical capital buffer, erhältlich auf: https://www.esrb.europa.eu/national_policy/ccb/html/index.en.html, Abfrage vom 30.05.2019.

European Systemic Risk Board (2019b): Data Countercyclical capital buffer, erhältlich auf: https://www.esrb.europa.eu/national_policy/ccb/shared/data/esrb.ccybd_CCyB_data.xlsx, Abfrage vom 30.05.2019.

Tente, N./Stein, I./Silbermann, L./Deckers, T. (2015): Der antizyklische Kapitalpuffer in Deutschland – Analytischer Rahmen zur Bestimmung einer angemessenen inländischen Pufferquote, November 2015, erhältlich auf: https://www.bundesbank.de/resource/blob/598690/e627e8ef7407a27adf5d001bfafb4e92/mL/der-antizyklische-kapitalpuffer-data.pdf, Abfrage vom 30.05.2019.

  1. Der Beitrag stellt die persönliche Meinung der Verfasser dar, die nicht notwendigerweise mit der des jeweiligen Arbeitgebers übereinstimmen muss. Die Inhalte des Beitrages basieren auf dem Stand 31.05.2019.

 

Beitragsnummer: 73358

 

Governance-Anforderungen im ICAAP

Aufsichtsrechtliche Vorgaben zur Einbindung der Geschäftsleiter

Prof. Dr. Dirk Heithecker, Professur für Quantitative Methoden und Corporate Finance, Hochschule Hannover, und Fachreferent, Strategisches Risikomanagement, Volkswagen Bank GmbH[1]

In 2018 veröffentlichten die deutsche Bankenaufsicht und die EZB ihre Leitfäden mit den methodischen Vorgaben zur Umsetzung des ICAAP (Internal Capital Adequacy Prozess), der die Angemessenheit der Kapitalausstattung in Kreditinstituten sicherstellen soll (vgl. BaFin (2018): Aufsichtliche Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte; EZB (2018): Leitfaden der EZB für den ICAAP). Neben der Notwendigkeit der sachgerechten fachlichen Umsetzung der Anforderungen dieser Leitfäden und deren prozessuale Einbindung in die Gesamtbanksteuerung ist auf die ausreichende Implementierung in die Unternehmensführung (interne Governance) des Kreditinstitutes zu achten. In dem folgenden Beitrag werden die europäischen und nationalen Vorgaben hinsichtlich einer adäquaten Einbindung der Geschäftsleiter im Rahmen des ICAAP erörtert.

Möglichkeiten der Einbeziehung der Geschäftsleiter

Die sachgerechte Einbeziehung des Leitungsorgans in die Unternehmensprozesse ist eine der wesentlichen Voraussetzungen für eine solide Unternehmensführung und wird deshalb durch die europäische Bankenaufsicht gefördert (vgl. EBA (2018): Final Report – Guidelines on Internal Governance, S. 5). Das für die Mitwirkung im ICAAP bedeutende Leitungsorgan ist das Leitungsorgan mit Leitungsfunktion (MaRisk: Geschäftsleiter), d. h. der Vorstand oder die Geschäftsführung. Die Leitungsfunktion kann gemeinsam oder durch einzelne Vertreter ausgeübt werden. Im Rahmen des ICAAP wird hier vor allem die Einzelvertretung des Risikovorstands (CRO) von besonderer Bedeutung sein. Eine weitere Möglichkeit ist die Partizipation über Gremien oder Komitees, in denen Mitglieder der Leitungsfunktion vertreten sind – etwa in einem Eigenkapitalgremium oder Stresstestgremium. Die somit notwendige Konkretisierung der Art der Einbindung der Geschäftsleiter wird in den europäischen oder nationalen Anforderungen der Bankenaufsicht oftmals nicht eindeutig geregelt. In diesem Fall bedarf es der internen Auslegung des Kreditinstitutes, unter der Maßgabe der Proportionalität und der vorgesehenen Aufgabenverteilung eine sachgerechte Einbindung vorzusehen.

Aufgaben der Geschäftsleiter im ICAAP

In den deutschen Aufsichtsanforderungen wird der ICAAP als originäre Leitungsaufgabe bezeichnet und wesentliche Elemente und Annahmen sind durch die Geschäftsleiter zu verantworten. Wesentliche Elemente sind die Risikotragfähigkeitsrechnung nach der normativen und ökonomischen Perspektive, die eine Kapitalplanung bereits einschließt, und Stresstests. Zudem ist die Verknüpfung zu der Geschäfts- und Risikostrategie und den Risikosteuerungsprozessen, wie etwa der Limitierung, sicherzustellen (vgl. BaFin (2018), o. a., Tz. 14 und 16). Darüber hinaus gilt die allgemein gültige Gesamtverantwortung der Geschäftsleitung nach AT 3 MaRisk.

SEMINARTIPPS

Prüfung Kapitalplanungsprozess & ICAAP, 09.10.2019, Frankfurt/M.

Übergang Going Concern-Ansatz auf neue normative RTF-Perspektive, 22.10.2019, Frankfurt/M.

Neue ICAAP-/ILAAP-Grundsätze: Herausforderungen für die Banksteuerung, 23.10.2019, Frankfurt/M.

12. Hamburger Bankenaufsicht-Tage 2019, 04.–05.11.2019, Hamburg.

Prozessorientierte Schlüsselkontrollen im Fokus der Aufsicht, 03.12.2019, Frankfurt/M.

Deutlich präziser sind die Vorgaben der EZB, die in Deutschland in erster Linie durch die Geschäftsleiter auszuführen sein dürften und zudem vom ICAAP auf den ILAAP übertragbar sind (vgl. EZB (2018): Leitfaden der EZB für den ILAAP). Demnach müssen die Geschäftsleiter explizit sechs Kernelemente genehmigen: den Governance-Rahmen einschließlich der internen Dokumentation, das Ergebnis der Risikoinventur, die Quantifizierungsmethoden einschließlich der wesentlichen Annahmen und Parameter, den Rahmen für Stresstests und die jährliche Feststellung der Angemessenheit der Kapitalausstattung gegenüber der Aufsicht (vgl. nachfolgende Abb.). In diesem Zusammenhang ist unter der Berücksichtigung der Proportionalität festzulegen, bei welchen Kernelementen eine Delegation an den CRO in Verbindung mit einer Informationspflicht an alle Geschäftsleiter ausreichend ist. Zudem ist zu entscheiden, ob eine explizite Genehmigung gewünscht ist oder eine implizite Bewilligung ausreicht – etwa durch eine Vetomöglichkeit auf Basis ausreichender zeitlicher Disposition vor einer In-Kraft-Setzung. Neben der Genehmigung der Kernelemente sind interne Kontrollen – etwa unter Berücksichtigung eines Three-Lines-of-Defense-Modells (vgl. Ramke (2016): Three-Lines-of-Defense, in: Heithecker/Tschuschke: Geschäftsmodellanalyse) – zu berücksichtigen.

Abbildung: Genehmigungspflicht der Geschäftsleiter im ICAAP/ILAAP
(Quelle: eigene Darstellung nach EZB (2018), a. o., Tz. 15 bis 22)

Fazit

Die Einbindung der Geschäftsleiter in die Elemente des ICAAP ist im deutschen Aufsichtsrecht eher allgemein und grundsätzlich beschrieben. Konkrete Ansatzpunkte liefert hingegen der Leitfaden der EZB, der eine explizite Ausübung der Verantwortung der Geschäftsleiter durch Genehmigung vorsieht, aber auch Handlungsspielräume für die Delegation, etwa an den CRO, lässt. Die Vorgaben der EZB können als Maßstab einer soliden Unternehmensführung herangezogen werden.

PRAXISTIPPS

  • Überprüfen Sie die Einbindung der Geschäftsleiter in den ICAAP hinsichtlich Form (gesamthaft, einzeln, in Gremien) und Art (informativ, durch Genehmigung).
  • Erörtern Sie Vorteile einer Genehmigung der sechs EZB-Kernelemente für die Governance und entscheiden Sie über deren künftigen Umgang im ICAAP.
  • Analysieren Sie, ob Ihr ICAAP ausreichend interne Kontrollen vorsieht.

  1. Der Beitrag gibt ausschließlich persönliche Auffassungen und Einschätzungen des Autors wieder.

 

Beitragsnummer: 73347