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Verlustfreie Bewertung des Zinsbuchs nach IDW und neuem RTF-Leitfaden

Björn Butte, Partner Financial Services, BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Das Institut der Wirtschaftsprüfer („IdW“) hat Ende 2017 (verabschiedet am 16.10.2017) den Rechnungslegungsstandard über die verlustfreie Bewertung von zinsbezogenen Geschäften des Bankbuchs (IDW RS BFA 3 n.F.) aktualisiert. Erstmals ist die neue Fassung auf Jahresabschlüsse nach dem 31.12.2017, d. h. bei kalendergleichem Geschäftsjahr auf den Jahresabschluss zum 31.12.2018 anzuwenden. In 2018 wurde von Bafin und Bundesbank zudem der Leitfaden über die „Aufsichtliche Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte und deren prozessuale Einbindung in die Gesamtbanksteuerung“ (RTF-Leitfaden) grundlegend überarbeitet. Beide Änderungen geben Anlass die vorhandenen Prozesse zur Bewertung des Zinsbuches zu überprüfen.

IDW BFA 3 n.F. – wesentliche Änderungen

Unverändert ist Zweck des BFA 3, Hinweise zu geben, wann aus dem Zinsgeschäft ggf. ein Verlust droht, der nach handelsrechtlichen Grundsätzen zurückzustellen ist. In vielen Fällen enthält BFA 3 n.F. Klarstellungen zu bereits in der Praxis regelmäßig anwendeten Handhabungen, die nun auch formal in BFA 3 aufgenommen wurden. Hierzu zählen z. B. die Themen Berücksichtigung von Risikokosten, von Hybridkapital oder auch „negative“ Zinsen. Des Weiteren wurden erstmals Hinweise zu den bilanziellen Folgen von Umwidmungen von Geschäften in bzw. aus dem Bankbuch aufgenommen.

Materiell bedeutsam dürfte dagegen die Neuregelung der – nicht mehr in den Saldierungsbereich – einzubeziehenden Zinsderivate sein. BFA 3 regelt in Bezug auf Derivategeschäfte nunmehr explizit, dass diese nur dann in das rechnungslegungsrechtlich relevante Zinsbuch (d. h. den Saldierungsbereich) einbezogen werden dürfen, wenn sich diese auch objektiv für eine Sicherungsbeziehung qualifizieren. Die rein gemeinsame Steuerung dieser Geschäfte im Rahmen der Zinsbuchsteuerung ist dagegen kein hinreichendes Kriterium mehr. Zinsderivaten wird die objektive Eignung als Sicherungsgeschäft dann abgesprochen, wenn Ihre Laufzeit deutlich über der des Bestandsgeschäftes liegt (sog. langlaufende Zinsswaps). Deutlich wird, dass es sich um eine relative und nicht eine absolute Schwelle handelt. Zinsswaps die nach BFA 3 n.F. nicht mehr in das rechnungslegungsrechtliche Zinsbuch integriert werden dürfen, sind zukünftig nach denn allg. Regeln für Derivate – d. h. soweit keine sonstigen Bewertungseinheiten gebildet wurden – einzeln und imparitätisch zu bewerten und im Jahresabschluss abzubilden. Institute tun gut daran, Kriterien aufzustellen und Vorkehrungen zu treffen, um potentiell aus dem Zinsbuch entfallende Geschäfte zu identifizieren und die Auswirkungen zu bewerten. Bei der „Einstufung“ als langlaufend kommt es nicht auf den Zeitpunkt der Ersteinstufung an, sondern diese ist regelmäßig neu zu überprüfen und festzusetzen.

Der neue RTF-Leitfaden

Die bisherige Unterscheidung der RTF-Konzepte in „going concern“ und „gone concern“ wird grundsätzlich aufgegeben. Auch wenn bis auf weiteres der Going Concern-Ansatz alter Prägung noch zulässig sein wird, zeigt der Leitfaden deutlich den künftigen Weg auf: Aufsichtlich präferiertes Verfahren ist die sog. ökonomische Perspektive, die – vorbehaltlich von Detailvorgaben – grundsätzlich auf dem Gone Concern-Konzept aufsetzt. Während der Wert des Zinsbuches sowie dessen ungeplante Wertschwankungen in den in Deutschland von vielen Instituten verfolgten Going Concern-Ansätzen keine bis geringe Bedeutung hatten, dürfte sich das bei einem Wechsel auf die ökonomische Perspektive diametral ändern. Die Risikodeckungsmasse ist – vorbehaltlich von Vereinfachungen – grundsätzlich barwertig zu bestimmen, entsprechend groß werden die Bedeutung und der Einfluss des Werts des Zinsbuches sein. Bei den Risikobeträgen gilt entsprechend, dass dann ein unerwarteter Verlust des Zinsbuches zu berücksichtigen ist.

SEMINARTIPPS

Neuausrichtung Risikotragfähigkeit – Fallstricke & Herausforderungen, 26.03.2019, Frankfurt/M.

Verlustfreie Bewertung des Zinsbuchs laut RTF-Leitfaden & IDW-Standard, 27.03.2019, Frankfurt/M.

Herausforderung: Daten-Verzahnung Controlling, Melde- & Rechnungswesen, 16.10.2019, Köln.

Übergang Going Concern-Ansatz auf neue normative RTF-Perspektive, 22.10.2019, Frankfurt/M.

Folgen der neuen aufsichtlichen Zinsszenarien für Zinsrisikosteuerung, 07.11.2019, Hamburg.

Auf Grund der zeitpunktbezogenen (statischen) Ermittlung der Risikodeckungsmasse ohne Neugeschäft erscheint es schwer zu begründen, wenn für Zwecke der Rechnungslegung bzw. der Risikodeckungsmasse abweichende Marktwerte für das Zinsbuch ermittelt werden. Zumindest werden sich Fragen zur Erläuterung und Überleitung stellen. In Fußnote 8 zu Tz. 40 weist auch der RTF-Leitfaden darauf hin, dass das BFA 3-Verfahren regelmäßig auch für die Risikotragfähigkeit herangezogen werden kann. Zu beachten ist allerdings, dass in die RTF-Rechnung sämtliche zinstragenden Geschäfte einzufließen haben, ungeachtet ob sie in der Grundgesamtheit der für die handelsrechtliche verlustfreie Bewertung berücksichtigungsfähig sind oder nicht.

Die ökonomische Perspektive der RTF-Rechnung wird ergänzt um eine sog. normative Perspektive, die im Wesentlichen eine Kapitalplanung darstellt und von den regulatorischen Kennzahlen und deren Berechnungsmethoden ausgeht. Neben einem Basis(plan)-Szenario ist zumindest ein adverses Szenario abzubilden. Bei der Fortschreibung des regulatorischen Kapitals durch geplante Überschüsse ist – je nach bisheriger Höhe der Reserven/Lasten im Zinsbuch und erwarteter Zinsentwicklung z. B. in den adversen Szenarien – auch das Erfordernis einer Berücksichtigung einer Rückstellung nach BFA 3 zu überprüfen.

PRAXISTIPPS

  • Institute sind gut beraten, die Auswirkungen von normativer und ökonomischer Perspektive frühzeitig zu analysieren und ggf. eine Umstellung des RTF-Konzepts in Erwägung zu ziehen.
  • Institute sollten prüfen, ob und inwieweit interne Bewertungsmethoden für handelsrechtliche Zwecke und die Risikotragfähigkeit vereinheitlicht werden können.
  • Soweit abweichende Modelle nicht vermieden werden können, sollten Institute in der Lage sein ggf. unterschiedliche Werte überzuleiten und zu erklären.

 

Beitragsnummer: 54219

Risikoinventur – ein geschätztes Thema[1]

Henning Riediger, Prüfungsleiter im Referat Bankgeschäftliche Prüfung, Deutsche Bundesbank, Hannover, im Interview mitFrank Sator, Geschäftsleiter Finanz Colloquium Heidelberg GmbH

 

 Ich hatte kürzlich die Gelegenheit, mich mit Henning Riediger, Prüfungsleiter im Referat Bankgeschäftliche Prüfung, Deutsche Bundesbank, Hannover, über die Neuausrichtung der Risikoinventur in Kreditinstituten infolge der Vielzahl an regulatorischen Neuregelungen auszutauschen. Bei dem Interview handelt es sich um einen Vorabauszug aus der 2. Aufl. des Praktikerhandbuchs Risikoinventur, das er als Herausgeber betreut und voraussichtlich Mitte 2019 in unserem Verlag erscheinen wird.

Frank Sator: Welchen Stellenwert nimmt heutzutage die Risikoinventur in den Instituten ein?

Henning Riediger: Einen sehr hohen Stellenwert – es ist faktisch das Fundament eines erfolgreichen Risikomanagement. Viele Themen, die mir inzwischen die Risikosteuerungs- und Risikoüberwachungsprozesse erschweren, gehören sauber in der Risikoinventur bearbeitet und dann sieht der ganze Prozess deutlich stringenter aus.

Frank Sator: Welche Themen sind damit vorzugsweise gemeint?

Henning Riediger: Das betrifft zunächst v. a. Risikokonzentrationen. Wer sich bereits in der Risikoinventur damit stärker auseinander setzt, wird später bei der Risikomessung nicht davon überrascht sein, dass er bestimmte Konzentrationsausprägungen nicht in seiner Messung erfasst hat. Er hat dann zumeist vorgesorgt und erkannt, dass er das Thema auch gezielt mit Strukturlimiten angehen kann. Ein weiteres Thema sind Auslagerungen. Wenn die Ergebnisse von Risikoanalysen der Auslagerungsverhältnisse nicht Bestandteil der Risikoinventur sind, dann wird das Gesamtergebnis unvollständig und damit unzureichend sein.

Frank Sator: Wenn die Risikoinventur so bedeutsam ist, gehen die Institute wenigstens angemessen mit den Ergebnissen um?

Henning Riediger: In weiten Teilen ja, es zeigen sich jedoch häufig Bestrebungen bestimmte nicht wesentliche Risikoarten trotzdem irgendwie berichtsprominent steuern zu wollen. Das Ergebnis sind dann Inkonsistenzen in der Handhabung der Risikosteuerungs- und Risikoüberwachungsprozesse.

Frank Sator: Welche Inkonsistenzen sind damit gemeint?

Henning Riediger: Das zeigt sich häufig im Umgang mit bestimmten Risikoarten. Nehmen wir als Beispiel die Provisions- und Vertriebsrisiken. Diese sind als Ergebnis der Risikoinventur unseres Beispielinstituts als „unwesentlich“ eingestuft. Das nehmen wir jetzt mal so unreflektiert hin. Das Ergebnis hat zur Folge, dass bei der Überprüfung der Risikotragfähigkeit diese Risiken nicht einbezogen werden, was gem. AT 4.1 Tz. 1 der MaRisk auch zulässig ist, da hier nur wesentliche Risiken einbezogen werden – so weit so gut. Inkonsistent wird die ganze Sache, wenn ich als Institut im Rahmen der Stresstests anfange, das Thema der Provisions- und Vertriebsrisiken auszuwalzen und hier mit nennenswerten Auswirkungen auf die Ertrags- und Vermögenslage aufzuwarten. Entweder das Thema ist bedeutsam, dann muss ich es mir in der Risikotragfähigkeit auch anschauen oder es bleibt unwesentlich. Das typische Argumentationsmuster lautet häufig vereinfacht: „Wenn wir das Thema nicht in der Risikotragfähigkeit haben, so behandeln wir es doch ausführlich in den Stresstests!“ Der Aufseher würde dann sagen: Die Methodenfreiheit findet ihre Grenze in der Methodenwillkür.

Frank Sator: Also unwesentliche Risiken sollten nicht in die Risikotragfähigkeit und Stresstests einbezogen werden?

Henning Riediger: Als Empfehlung – ausdrücklich als Empfehlung – würde ich sagen: Ja, nicht einbeziehen! Denn sonst offenbare ich ja, dass meine Risikoinventur nicht passt. Wenn ich diese Risiken trotzdem in den Überwachungsprozessen haben will, dann muss ich diese Risiken über qualitative Aspekte bzw. die Überprüfung der Risikoinventur als wesentlich einstufen. Dann müssen aber auch in der Folge die Überwachungsinstrumente in Form der Risikomessverfahren ein Mindestmaß an Validität und die Möglichkeit zur Gewinnung von Steuerungsimpulsen aufzeigen. In der Praxis fällt dann häufig ein Risikobetrag vom Himmel, den schon ein paar Minuten später keiner mehr erklären kann …

Frank Sator: … also die berühmte Expertenschätzung?

Henning Riediger: Naja, den Begriff Expertenschätzung sehe ich nicht negativ – wenn es tatsächlich eine Expertenschätzung ist. Der Unterschied von „wahllos einen Wert genannt“ und Expertenschätzung besteht darin, dass der Experte seinen Weg zum Wert offenlegen und begründen kann – also seine Expertise einbringt. Richtig rund wird die Geschichte dann noch, wenn man es dokumentiert und die Entscheidungsträger es nachvollziehen können. Dies gilt auch für den Aufseher: Er will die Überlegung verstehen und nachvollziehen können, wie die Dimension des Risikobetrags erreicht wird. Es geht in der Diskussion dann nicht um 1.000 oder 10.000 €, sondern tatsächlich um die potenzielle Verlustdimension.

Frank Sator: Wo wir gerade bei Beträgen sind – ab wann ist denn ein Risiko wesentlich?

Henning Riediger: Ich bin ja kein Jurist, aber ich verwende deren Standardantwort: Es kommt darauf an – und das meine ich ernst! Die Relevanz bemisst sich nach Ertrags-, Vermögens- und Liquiditätslage des jeweiligen Instituts. Das sind schon mal drei Ebenen. In der Praxis ist die Thematik häufig allein eindimensional. Da spielt häufig nur die Vermögenslage eine Rolle: also wie viel von meinem Vermögen wird verbraucht, wenn das Risiko schlagend wird? Sicherlich ein richtiger Schritt, aber entscheidend sind die Engpässe. Wenn ich ein Institut mit guter Kapitalausstattung habe, aber sich mittlerweile die Ertragslage eingetrübt hat, muss man sich schon fragen, ob es nicht auch Sinn macht Ertragsgrößen einzubeziehen, z. B. das Betriebsergebnis vor Bewertung, insbesondere vor dem Hintergrund, dass viele Institute handelsrechtlich steuern.

Frank Sator: Also ist der „One fits all“-Ansatz an dieser Stelle in der Praxis schwierig umzusetzen?

Henning Riediger: Faktisch ja! Es gibt ja die Angemessenheits-Klausel der MaRisk – und darüber muss sich das Institut individuell abgrenzen. Da gibt es auch richtige Herangehensweisen in den Instituten. Nehme ich jetzt einfach die Grenze, die mir von Externen wiederholt empfohlen wird oder überlege ich mir selbst, aber welcher potenziellen Schadenshöhe ein intensiveres Risikomanagement – im Sinne der MaRisk – notwendig wird. Teilweise sind die empfohlenen Pauschalgrößen völlig überzogen. Da kommt es dann schon mal vor, dass die empfohlene Wesentlichkeitsgrenze ein Vielfaches der „gefühlten Wesentlichkeitsgrenze“ im Institut beträgt. Und da gilt es dann wie im wahren Leben: Erst Denken, dann Handeln!

Frank Sator: Welche Risikoarten kommen denn momentan bei der Risikoinventur zu kurz?

Henning Riediger: Das ist schon sehr unterschiedlich – je nach Geschäftsmodell und Zugehörigkeit zu einem Verbund. Aber stark vereinfacht gesagt: Die Behandlung der Beteiligungsrisiken sowie der Immobilienrisiken ist in weiten Teilen ausbaufähig!

Frank Sator: Ich danke Ihnen für das Gespräch.

PRAXISTIPPS

  • Stellen Sie sicher, dass alle internen und externen Themen einbezogen sind.
  • Wählen Sie nachvollziehbare Schätzungen von Verlustausprägungen; Begründen und dokumentieren Sie Ihre Entscheidung.
  • Implementieren Sie eine an den Engpässen Ihres Instituts ausgerichtete Wesentlichkeitsschwelle.
  • Achten Sie darauf, dass Risikokonzentrationen angemessen erfasst werden.
  1. Disclaimer: Die nachfolgenden Interpretationen und Meinungen sind ausschließlich persönliche Auffassungen des Verfassers und stellen keine offizielle Meinungsäußerung der Deutschen Bundesbank dar.

 

Beitragsnummer: 54213

Steigende Bedeutung von Planungsaktivitäten

Kapital- und Liquiditätsplanung im Fokus der Aufsicht

Henning Riediger, Prüfungsleiter im Referat Bankgeschäftliche Prüfungen, Deutsche Bundesbank, Hannover

In den letzten Jahren zeichnet sich eine stärkere Fokussierung der Aufsicht auf das Geschäftsmodell von Banken und Sparkassen ab. Zur Beurteilung der Nachhaltigkeit der Geschäftsmodelle ist es für die Aufsicht daher von Bedeutung, Einblick in die prognostizierte Entwicklung zu bekommen bzw. die Institute sind angehalten, frühzeitig sich abzeichnende Problemlagen offen zu legen.

Anforderungen sind nicht neu – nur der Fokus ist neu

Die Themen Kapital- und Liquiditätsplanung hat natürlich nicht die Bankenaufsicht erfunden, denn diese beiden zentralen Komponenten sind seit jeher elementare Bestandteile des Managements von Banken und Sparkassen. Dem Best-Practice-Ansatz folgend hat die Aufsicht bereits ab 2010 bzw. 2012 diese Themen mit in die MaRisk integriert. Weitergehende Bedeutung erlangte die Kapitalplanung aus AT 4.1 Tz. 11 der MaRisk im Hinblick auf die steigende Bedeutung der Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells und als dessen Ausfluss die neuen Anforderungen der Aufsicht im Hinblick auf die Risikotragfähigkeit. Die bisher geforderte aufsichtliche und institutsinterne Sicht der Kapitalplanung wird überführt in die sog. normative Sicht der Risikotragfähigkeit. Mit einem Mindesthorizont von drei Jahren stellt sie faktisch die Nachhaltigkeitskomponente dar. Im Gegensatz dazu ist die ökonomische Sicht auf den Horizont von einem Jahr abgestellt und repräsentiert somit die aktuelle bzw. akute Kapital- bzw. Deckungsmassenanforderung.

Freiheitsgrade in der Planung sinnvoll nutzen

Beim Thema Planung sind die Institute grundsätzlich etwas freier als bei der einjährigen Risikotragfähigkeit. Dies soll nicht heißen, dass blanke Willkür herrscht, sondern dass die Auswirkungen von zeitintensiven Maßnahmen in der Planung angemessen gewürdigt werden können, während diese sonst bei der einjährigen Risikotragfähigkeit nicht ansatzfähig sind.

Dies bedeutet, dass Neuausrichtungen bzw. Schwerpunktbildungen des Geschäftsmodells sowohl in die Ertrags- als auch Risikoaktiva-Ermittlung einfließen sollen. Natürlich geht damit die Erwartung der Aufsicht einher, dass die Planungen angemessen sind und nicht nur wilde Phantasievorstellungen niedergeschrieben werden. Die Planungen müssen demzufolge auch die Personal- und Sachkapazitäten entsprechend berücksichtigen, denn die Ordnungsmäßigkeit der Geschäftsorganisation darf nicht in Frage gestellt werden.

SEMINARTIPPS

Sachgerechte Stresstests & adverse Szenarien in RTF- & Kapitalplanung, 13.05.2019, Köln.

Herausforderung: Verzahnung zwischen Kapital- und Liquiditätsplanung, 14.05.2019, Köln.

Übergang Going Concern-Ansatz auf neue normative RTF-Perspektive, 22.10.2019, Frankfurt/M.

Neues ICAAP- & ILAAP-Reporting, 23.10.2019, Frankfurt/M.

Die Realitätsnähe der Planung gilt selbstverständlich ebenso für den sensiblen Bereich der Liquidität. Plant das Institut gravierende Änderungen in der Refinanzierungsstruktur (z. B. erstmalige oder exzessive Nutzung von Verbriefungen), dann sollte sichergestellt sein, dass durch einen Neue-Produkte-Prozess (AT 8.1) bzw. Change-The-Bank-Prozess (AT 8.2) die erhofften Maßnahmen auch zielführend sind und entsprechend umgesetzt werden.

Planungsdaten lassen sich zum einen durch die Fortschreibung oder Analyse von Trends und zum anderen durch Expertenschätzungen erreichen. Allerdings sollten Expertenschätzungen schriftlich niedergelegt sein, damit zunächst die Geschäftsleitung sowie die Kontrolleinheiten des IKS bzw. die Interne Revision oder andere sachverständige Dritte die Überlegungen nachvollziehen können. Im Rahmen von Sonderprüfungen zum Geschäftsmodell sind wiederholt Planungsansätze aufgefallen, wo eine für das Institut seit Jahren rückläufige bzw. negative Entwicklung plötzlich ins Positive dreht, ohne dass Maßnahmen geplant oder umgesetzt sind (z. B. Vertriebsaktivitäten). Solche ungewöhnlichen Entwicklungen können nicht ausgeschlossen sein, müssen aber nachvollziehbar und plausibel begründet werden.

BUCHTIPP

Liquiditätsrisikomanagement deutscher Regionalbanken unter ganzheitlicher Betrachtung der drei Baseler Säulen, 2017

 

Neben den reinen Planungskomponenten, welche die Erwartung abbilden sollen, sind zusätzlich jeweils adverse Entwicklungen mit abzubilden. Diese adversen Entwicklungen müssen sich auf das Geschäftsmodell des Instituts und dessen Ausprägungen (u. a. Zinsentwicklung, Provisionen, Kreditqualität, Refinanzierungskosten, Personal und Sachaufwand) beziehen. In der Bankpraxis teilweise vorkommende adverse Szenarien sind entweder nicht zielführend (z. B. Einstellung des Geschäftsbetrieb) oder allein methodisch unzureichend (z. B. Wegfall der Verbundprivilegierung, Wegfall der Realkreditprivilegierung, erhöhter SREP-Zuschlag), da kein angemessener Bezug zum Geschäftsmodell besteht.

PRAXISTIPPS

  • Dokumentieren Sie Ihre Planannahmen in einer für sachverständige Dritte nachvollziehbaren Form.
  • Richten Sie die adversen Szenarien am Geschäftsmodell aus und somit auf Themen, die direkt von der Geschäftsleitung beeinflusst werden können.
  • Bewerten Sie Ihre Planungsqualität in den vorangegangenen Perioden.
  • Bleiben Sie realistisch.

Beitragsnummer: 53757

Plausible Stresstests und adverse Szenarien in RTF- und Kapitalplanung

Dr. Daniel Baumgarten, Teamleiter, Risikotragfähigkeit & Kapital, Sparkasse KölnBonn

Gemäß der MaRisk (AT 4.3.3 Tz. 5) sind die Ergebnisse von Stresstests bei der Beurteilung der Risikotragfähigkeit eines Instituts zu berücksichtigen. Unter dem Begriff „Stresstest” wird eine Reihe von Analysetechniken verstanden, anhand derer potenzielle Verwundbarkeiten und Gefährdungspotenziale eines Instituts identifiziert und bewertet werden. Neben einzelrisikoartenbezogenen Betrachtungen und Sensitivitätsanalysen umfasst dies insbesondere die Entwicklung von risikoartenübergreifenden Stressszenarien auf Gesamtbankebene.

Erhöhte Anforderungen an adverse Szenarien durch neue Vorgaben

Am 24.05.2018 wurde ein überarbeitetes aufsichtliches Leitlinienpapier zur Risikotragfähigkeit durch die BaFin und die Deutsche Bundesbank veröffentlicht. Die bisher in Deutschland eingesetzten Fortführungs-(„Going Concern”) und Liquidationsansätze („Gone Concern”) sollen durch die überarbeiteten Leitlinien perspektivisch aufgegeben und durch eine – kumulativ zu erfüllende – normative und ökonomische Perspektive ersetzt werden.

Die normative Perspektive stellt eine deutliche Aufwertung des bisher bereits in MaRisk AT 4.1 Tz. 11 verankerten Kapitalplanungsprozesses und dessen Verknüpfung mit dem ICAAP dar. Mittels der normativen Perspektive ist die Fähigkeit eines Instituts zur Einhaltung der regulatorischen Mindestkapitalanforderungen sowie relevanter Kapitalpufferanforderungen für einen mindestens dreijährigen Zeitraum nachzuweisen. Wie bisher ist, neben der Darstellung des Planszenarios, möglichen negativen Abweichungen vom geplanten zukünftigen Geschäftsverlauf im Rahmen mindestens eines adversen Szenarios Rechnung zu tragen.

 SEMINARTIPPS

Sanierungsplanung in Regionalbanken: Anforderungen & Umsetzungshürden, 25.03.2019, Frankfurt/M.

Neuausrichtung Risikotragfähigkeit – Fallstricke & Herausforderungen, 26.03.2019, Frankfurt/M.

Sachgerechte Stresstests & adverse Szenarien in RTF- & Kapitalplanung, 13.05.2019, Köln.

Übergang Going Concern-Ansatz auf neue normative RTF-Perspektive, 22.10.2019, Frankfurt/M.

Die Anforderungen an die Ableitung und Dokumentation adverser Szenarien haben sich durch die überarbeiteten aufsichtlichen Vorgaben jedoch erhöht. Bei der Ausgestaltung der adversen Szenarien sollen unter anderem auch Risiken der ökonomischen Perspektive berücksichtigt werden, wodurch eine Verbindung der beiden Perspektiven im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung der Risikotragfähigkeit des Instituts geschaffen werden soll.

Dabei müssen die adversen Szenarien nicht unbedingt die Schwere der außerdem in der ökonomischen Perspektive durchzuführenden Stresstests erreichen (s. u.), sondern „widrige Entwicklungen” widerspiegeln, die von den Erwartungen abweichen und zu einer merklichen Belastung der zukünftigen Kapitalausstattung des Instituts führen.

Klassische Stresstests weiterhin in der ökonomischen Perspektive

Die ökonomische Perspektive ergänzt die normative Sicht um eine interne Analyse des in AT 4.1 Tz. 8 Erl. MaRisk geforderten Schutzes der Institutsgläubiger vor ökonomischen Risiken. Sie hat dabei Risikobestandteile zu umfassen, die in der Regulatorik/Rechnungslegung nicht vollständig abgebildet werden und weist somit hohe Parallelen zu bisher eingesetzten Liquidationsansätzen auf.

 BUCHTIPP

Geiersbach/Prasser (Hrsg.): Praktikerhandbuch Stresstesting, 3. Auflage, 2017.

Gemäß Textziffer 64 des neuen Leitfadens sind in der ökonomischen Perspektive weiterhin in angemessenem Umfang Stresstests durchzuführen, die sich von den zugrunde liegenden Prämissen der eingesetzten Risikomessverfahren lösen. Trotz bestehender Erfahrungswerte mit Stresstests in deutschen Banken kann sich ein erhöhter Analyse- und Handlungsbedarf insbesondere für diejenigen Institute ergeben, die Stresstests bisher ausschließlich in einem GuV-orientierten Fortführungsansatz mit vergleichsweise geringem Konfidenzniveau durchführen. Eine frühzeitige Auseinandersetzung mit barwertigen Stresstests im 99,9%-Quantil erscheint in diesem Zusammenhang vor einer geplanten Umstellung auf die neuen Vorgaben sehr sinnvoll.

PRAXISTIPPS

  • Stresstests als Aufwertung der Ergebnisse verteilungsbasierter Risikomodelle durch Risikoanalysen über die Standardparametrisierung hinaus.
  • Nutzung von Stresstestergebnissen bei der Kapitalbedarfsplanung, der Festlegung strategischer Ziele und der Gestaltung operativer Instrumente der Risikosteuerung.
  • Zeitnahe intensive Auseinandersetzung mit den überarbeiteten Vorgaben zur Risikotragfähigkeit inkl. Testrechnungen und Auswirkungsanalysen.

Beitragsnummer: 52251

Fit & Proper Vorstand: Risikomanagement

Dominik Leichinger, Prüfungsleiter, Referat Bankgeschäftliche Prüfungen 2, Deutsche Bundesbank, Hauptverwaltung in NRW, Düsseldorf

Die in diesem Aufsatz vertretenen Auffassungen geben die persönliche Meinung des Autors wieder und sind nicht notwendigerweise Positionen der Deutschen Bundesbank oder einer anderen Bankenaufsichtsbehörde.

Aufsichtliche Verlautbarungen

Eine zentrale Erkenntnis aus der Finanzmarktkrise ist, dass Schwachstellen in der Governance-Struktur von Kreditinstituten in zahlreichen Fällen verantwortlich für eine unverhältnismäßige Risikoaufnahme waren, die in der Folge sowohl zu einer Gefährdung der Solvabilität einzelner Institute als auch der Stabilität des Finanzsystems führte.

Die in Kooperation von EBA und ESMA erarbeiteten und am 30.06.2018 in Kraft getretenen Fit & Proper-Leitlinien (EBA/GL/2017/11) ersetzen die EBA-Leitlinien zur internen Governance (EBA/GL/2011/44) sowie die Leitlinien zur Beurteilung der Eignung von Mitgliedern des Leitungsorgans und Inhabern von Schlüsselpositionen eines Kreditinstituts (EBA/GL/2012/06). Zielsetzung der neuen Leitlinie ist es, ein europaweit einheitliches und wirksames Regime zu schaffen, um ein solides und angemessenes Management innerhalb der Bankenlandschaft sicherzustellen.

In diesem Zusammenhang hat auch die EZB ihren Leitfaden zur Beurteilung der fachlichen Qualifikation und persönlichen Zuverlässigkeit von Mai 2017 im Mai 2018 aktualisiert, sodass dieser im Einklang mit der überarbeiteten EBA-Leitlinie steht.

Unter Einbeziehung der nationalen Aufsichtsbehörden hat die EZB einen Fragebogen („Fit and Proper Questionnaire“) entworfen, über welchen einheitliche Informationen zur aufsichtlichen Beurteilung der Eignung von Geschäftsleitern und Mitgliedern des Verwaltungs- bzw. Aufsichtsorgans erhoben werden sollen. Die hiermit seitens der BaFin verbundene Änderung der Anzeigenverordnung befindet sich seit 07.02.2018 in der Konsultation.

SEMINARTIPPS

FCH Fit & Proper VORSTAND: Risikomanagement, 06.05.2019, Berlin.

FCH Fit & Proper VORSTAND: Aufsichts-Reporting, 07.05.2019, Berlin.

FCH Fit & Proper VORSTAND: Haftung, 08.05.2019, Berlin.

FCH Fit & Proper VORSTAND: Kredit, 13.05.2019, Berlin.

FCH Fit & Proper VORSTAND: IT-Anforderungen, 15.05.2019, Berlin.

 

Die bisher genannten Verlautbarungen der Aufsichtsbehörden betreffen ausschließlich die seitens der EZB direkt beaufsichtigten Institute (significant institutions).

Für die in Deutschland ansässigen, weniger signifikanten Institute (less significant institutions) stellt § 25c KWG die einschlägige Rechtsgrundlage dar, aus welcher die Anforderungen an die fachliche Eignung und Zuverlässigkeit von Geschäftsleitern hervorgehen.

Mit dem seitens der BaFin veröffentlichten Merkblatt zu den Geschäftsleitern gem. KWG, ZAG und KAGB (zuletzt geändert am 12.11.2018) werden die im KWG verankerten Anforderungen an die fachliche und persönliche Eignung von Geschäftsleitern weiter konkretisiert. Insbesondere Berufserfahrungen im Kreditgeschäft und dem Risikomanagement werden in diesem Zusammenhang als „unverzichtbar“ angesehen.

Erfahrungsanforderungen bezüglich Risikomanagement

Die aufsichtlichen Fit & Proper-Regelungen umfassen neben Anforderungen an die fachliche Qualifikation auch die persönliche Zuverlässigkeit der Mitglieder des Leitungsorgans. Bezüglich der seitens der EZB direkt beaufsichtigten Institute werden insgesamt fünf Beurteilungskriterien (Erfahrung, Leumund, Interessenkonflikte und Unvoreingenommenheit, Zeitaufwand und kollektive Eignung) adressiert. Das die Erfahrungsanforderungen betreffende Beurteilungskriterium setzt insbesondere theoretische Erfahrungen im Bereich des Risikomanagements voraus. Gemäß des im KWG (§ 25a Abs. 1) kodifizierten Risikomanagement-Begriffs umfasst dieser neben der Festlegung von Strategien und der Verfahren zur Sicherstellung der Risikotragfähigkeit (inkl. Ermittlung, Bewertung, Überwachung, Kontrolle und Begrenzung der wesentlichen Risiken) insbesondere auch die Einrichtung eines internen wirksamen Kontrollsystems (IKS).

Des Weiteren finden sich in der CRR seit 2014 gültige Anforderungen, die in Teilen die seitens EBA, ESMA und EZB formulierten Risikomanagement-Anforderungen an die Leitungs- und Aufsichtspositionen bei Kreditinstituten aufgreifen und verbindliche Vorgaben für alle CRR-Institute (Art. 4 Abs. 1 Nr. 1 CRR) darstellen.

So folgt aus den Anforderungen von Art. 435 Abs. 1 (e) und (f) CRR, dass „eine vom Leitungsorgan genehmigte Erklärung zur Angemessenheit der Risikomanagement-verfahren des Instituts“ sowie „konzise Risikoerklärung, in der das mit der Geschäftsstrategie verbundene allgemeine Risikoprofil des Instituts beschrieben wird“, regelmäßig vorzunehmen ist.

Damit im Einklang fordern auch die in 2017 novellierten MaRisk gem. AT 4.1 Tz. 8 eine „Festlegung wesentlicher Elemente der Risikotragfähigkeitssteuerung sowie wesentlicher zugrunde liegender Annahmen“ durch die Geschäftsleitung.

PRAXISTIPPS

  • Aufsetzen einer Fit & Proper-Strategie als Ausgangsbasis zur Erfüllung der fachlichen und persönlichen Anforderungen an Inhaber von Geschäftsleiterpositionen.
  • Überprüfung und regelmäßige Erweiterung der fachlichen Kenntnisse, insbesondere im Zusammenhang mit Risikomanagement-Themen. Erstellung eines Fit & Proper-Maßnahmenplans zur zeitnahen Schließung erkannter Wissenslücken.
  • Einbeziehung und Beschluss durch das Leitungsorgan bei wesentlichen Risikomanagement-Vorgaben (u. a. Strategien, RTF-Konzept, Limitsystem, Risikomess-methoden).

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Beitragsnummer: 47933

Beitragsnummer: 47933

Moderne Kosten- und Leistungsrechnung in der Banksteuerung

Stefan Farber, Kalkulation und Kostencontrolling, Sparkasse KölnBonn

Die Anforderungen an die Kosten- und Leistungsrechnung (KLR) in einem Kreditinstitut waren selten so hoch wie in der jetzigen Zeit. Insbesondere vor dem Hintergrund sinkender Erträge auf der einen und steigender Kosten auf der anderen Seite kommt der Kosten- und Leistungsrechnung eine immer höhere Aufmerksamkeit zu. Wo fallen welche Aufwendungen/Kosten für welche Produkte/Prozesse an? Führen die eingesetzten Mittel zu mehr Ertrag oder (perspektivisch) zu geringerem Aufwand? Hier heißt es für die KLR, zunächst Transparenz zu schaffen und entscheidungsrelevante Informationen bereit zu stellen: Transparenz über die Art der Kosten und welche Stelle im Institut sie verursacht.

Hierzu braucht es eine angemessen strukturierte Kostenartenrechnung, die durch eine der Komplexität und Struktur des Instituts entsprechende Kostenstellenrechnung ergänzt wird. Ziel muss sein, ein ausreichend detailliertes aber gleichzeitig flexibles Kostenrechnungssystem zu implementieren, welches den Entscheidungsträgern möglichst genaue Informationen liefert, aber andererseits auf der Grundlage der zur Verfügung stehenden Standardanwendungen mit überschaubaren Aufwand zu betreuen ist. Idealerweise ist dieses System mit den anderen Bereichen des Instituts, wie z B. dem externen Rechnungswesen, so verzahnt, dass Ergebnisse überleitbar und widerspruchsfrei sind. Dies kann beispielsweise durch monatliche Abstimmungen der Daten aus externem und internem Rechnungswesen erreicht werden. Die Datenqualität und Konsistenz sind somit für eine moderne KLR unerlässliche Nebenbedingungen.

 

 SEMINARTIPP

Moderne Kosten- und Leistungsrechnung (KLR) in der Banksteuerung, 28.03.2019, Köln.

 

Eine qualitativ gute KLR im Bereich der Ist-Kostenrechnung kann dann als Ausgangsbasis für die mittelfristige Planung und Budgetierung dienen und ist gleichzeitig ein gutes Instrument, um Fehlentwicklungen zu erkennen und entsprechende Steuerungsmaßnahmen zu ergreifen.

Die Planung auf Basis der bekannten Daten aufzusetzen und dann fortzuentwickeln ist ein bewährter und praktikabler Ansatz. Die Fortschreibung von Kosten der jeweiligen Kostenarten und ggf. auch Kostenstellen lässt erkennen, welche Kosten in Zukunft voraussichtlich anfallen werden, und auch wo die Kosten voraussichtlich anfallen. Eine Betrachtungsdimension bleibt hierbei allerdings unberücksichtigt. Für welche konkrete Maßnahme entstehen die Kosten? Entstehen die Kosten im Rahmen eines Projektes zur Umsetzung neuer aufsichtlicher Anforderungen? Zur Einführung eines neuen Produkts? Zur Abwicklung des Baufinanzierungsgeschäfts? Die Budgetierung auf Ebene von durchzuführenden Maßnahmen schafft eine größere Kostentransparenz und ergänzt die übliche Planung auf Ebene der Kostenarten und -stellen.

Ausgehend von den dann im Rahmen der KLR vorliegenden Informationen und deren Analyse können aus der KLR konkrete Steuerungsimpulse gewonnen werden, die den Entscheidungsträgern zum einen die Entscheidungsfindung vereinfachen und zum anderen die Wirkungen dieser Entscheidung klar aufzeigen.

Nicht zuletzt kann eine KLR, die auf Ebene konkreter Maßnahmen Transparenz über Kosten und Erträge schafft, auch einen positiven Einfluss auf die Kostenkultur und -verantwortlichkeit im gesamten Institut haben.

PRAXISTIPPS

  • Strukturieren Sie die KLR so, dass die Struktur und die Komplexität des Instituts angemessen abgebildet werden.
  • Schaffen sie Transparenz für die Entscheidungsträger, indem Sie die Informationen aus der KLR nutzen.
  • Verzahnen Sie die KLR mit weiteren Steuerungskreisen des Instituts.
  • Die Planung und Budgetierung sollte auf Basis der KLR um die Dimension konkreter Maßnahmen ergänzt werden.

 

Beitragsnummer: 47714

Bedeutung von Meldewesen-Daten und deren Datenqualität im SREP

Einführung einer kennzahlenbasierten Aufsicht

Sonja Olivier, Spezialistenteam Aufsichtsrecht, Genossenschaftsverband – Verband der Regionen e.V. und AWADO Deutsche Audit GmbH

Die EBA hat am 08.02.2018 den „EBA Methodological Guide – Risk Indicators and detailed Risk Analysis Tools V2.0“ veröffentlicht, der die Risk Indicators (RI) als Frühwarnindikatoren im EU-Bankensektor vorstellt. Die Kennzahlen basieren auf den quartalsweise von den Instituten einzureichenden COREP- und FINREP-Meldewesen-Daten, die als sogenannte Anchoring Scores unmittelbaren Einfluss auf den Supervisory Review and Evaluation Process (SREP) der EZB haben (EZB, SSM SREP Methodology Booklet). Bislang ist die Vorgehensweise der EZB nur für Significant Institutions (SI) von Bedeutung. Mit dem Newsletter der EZB vom 16.08.2017 wurde bekanntgegeben, dass diese uneinheitliche Herangehensweise für SIs und Less Significant Institutions (LSIs) aufgehoben wird. Ab 2020 sollen alle LSIs in die einheitliche Aufsicht einbezogen sein. Aktuell finden diesbezüglich Abstimmungen zwischen der EZB und den nationalen Aufsichtsbehörden statt (EZB, A consistent SREP methodology for LSIs, 16.08.2017). Somit ist die Thematik auch für LSIs von hoher Brisanz.

SEMINARTIPPS

Datenrisiken im Meldewesen, 08.04.2019, Frankfurt/M.

FCH Fit & Proper VORSTAND: Aufsichts-Reporting, 07.05.2019, Berlin.

(Neu-)Aufbau Meldewesen-IKS, 08.05.2019, Berlin.

Meldewesen Kompakt: Neuerungen für Praxis & Prüfung, 03.06.2019, Düsseldorf.

Aufsichtsgespräche 2019: Fokus Geschäftsmodell-Analyse & Risikoprofil, 05.06.2019, Köln.

In der Informationsveranstaltung der Deutschen Bundesbank vom 03.04.2017 zum Thema „Meldeprozesse und Datenqualitätssicherung der europäisch harmonisierten Meldungen“ stellte die Aufsicht erstmals einen Datenqualitätsindikator zur Messung der Datenqualität von Meldewesen-Daten vor. Dieser setzt sich aus den fünf Kriterien der Pünktlichkeit, Richtigkeit sowie Konsistenz, Stabilität, Vollständigkeit und Plausibilität von Meldewesen-Daten zusammen. Hinsichtlich der Richtigkeit und Konsistenz wird u. a. auf die Einhaltung der Validierungsregeln sowie der Konsistenz zwischen einzelnen Vordrucken, Modulen und den Institutsstammdaten abgestellt. Das Kriterium der Stabilität bezieht sich auf den Inhalt von Modulen und Vordrucken im Zeitverlauf und damit auf die Schwankungsbreite zu vorherigen Quartalen. Eine Konkretisierung der Ausgestaltung des Datenqualitätsindikators steht noch aus, gleichwohl ist zu erwarten, dass dieser im SREP-Bucket „Governance und internes Kontrollsystem“ seinen Niederschlag findet.

PRAXISTIPPS

  • Einführung eines Meldewesen IKS: Trotz der steigenden Bedeutung von Meldewesen-Daten und deren Datenqualität wird der Prozess zur Meldungserstellung sowie die damit verbundenen Risiken und Kontrollen oftmals nur stiefmütterlich behandelt. Hier empfiehlt es sich, eine Risikoanalyse entlang der institutsspezifischen Meldestrecke durchzuführen, um Risikotreiber für unvollständige, verspätete oder fehlerhafte Meldungen zu identifizieren und mit adäquaten Kontrollen zu adressieren. Ein klassisches Risiko stellen hierbei z. B. manuelle Eingaben dar. Gleichwohl sind auch die automatisch verschlüsselten Daten im Meldewesen-Rechenkern anhand von stichprobenartigen Plausibilisierungen zu würdigen. In diesem Zusammenhang ist zu berücksichtigen, dass die Verantwortung für eine korrekte Meldung und damit auch für eine korrekte Verschlüsselung im Meldewesen-Rechenkern der Bank obliegt und nicht auf einen externen Anbieter der Software für das Meldewesen delegiert werden kann.
  • Verantwortlichkeiten für die Datenqualität von angelieferten Meldewesen-Daten definieren: Eine korrekte automatische sowie manuelle Datenverarbeitung bleibt erfolglos, sofern die angelieferten Daten aus den Originär-Systemen bereits eine geringe Datenqualität aufweisen. Um diesbezüglich die Datenqualität zu erhöhen, müssen klare Vorgaben bestehen, wer für die Pflege der Daten und deren Datenqualität verantwortlich ist. Da für Meldewesen-Daten klassischer Weise separate Eingabefelder oder -masken bestehen, sollten Mitarbeiter hinsichtlich der meldewesenspezifischen Bedeutung der Daten sensibilisiert werden. Gegebenenfalls ist auch die Schaffung einer zentralen Stelle zur Überprüfung der Datenqualität im Institut sinnvoll.
  • Datenquer- und -längskontrollen entlang der Meldestrecke: Zur Überprüfung der Datenqualität von Meldewesen-Daten können Datenquer- und -längskontrollen vorgenommen werden. Im Hinblick auf Datenquerkontrollen finden Verprobungen innerhalb der Meldung (z. B. Abgleich verschiedener Templates) sowie zu anderen Meldungen und anderen Abteilungen statt. Datenlängskontrollen beziehen sich dagegen auf die stichprobenartige Rückverfolgung der Bearbeitung einzelner Meldewesen-Daten entlang der Meldewesenstrecke bis zum Originär-System.
  • Verknüpfung der Meldeinhalte mit dem internen Berichtswesen: Eine Einbindung von Meldewesen-Daten in die Risikosteuerungsprozesse der Bank führt sowohl durch die Verwendung bereits für Meldezwecke ermittelter Kennzahlen zu Effizienzgewinnen im Controlling als auch durch eine intensive Überwachung und Analyse, zu einer Erhöhung der Datenqualität im Meldewesen.

 

Beitragsnummer: 47640

Sanierungsplanung in Regionalbanken: Anforderungen & Umsetzungshürden

Michael Wellershaus, Mitglied des Vorstandes, Stadtsparkasse Remscheid[1]

Für Regionalbanken sind die durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin) nach einem längeren Diskussionsprozess am 09.08.2017 zur Konsultation veröffentlichten und nach kurzer Konsultationsfrist verabschiedeten Mindestanforderungen an Sanierungspläne für Institute und Wertpapierfirmen (MaSanV) eine weitere regulatorische Herausforderung.

Im Kontext der jeweiligen Institutssicherung der Regionalbanken wird die Verantwortung für die Erstellung und Einreichung eines aktuellen Sanierungsplans am Beispiel von Sparkassen aufgegriffen. In diesem Zusammenhang wird auch die Gesamtverantwortung der Geschäftsleitung für die jeweilige Ausgestaltung und krisenfallbedingte Umsetzung des Sanierungsplanes erörtert. Hierbei spielt insbesondere die Abwägung zur Ausgestaltung eines eigenen Sanierungsplans gegenüber dem Anschluss an ein Institutssicherungssystem aus Vorstandssicht eine maßgebliche Rolle. Dabei werden vor allem auch Anforderungen und Umsetzungshürden bei der Umsetzung des Sanierungsplanes eines Institutssicherungssystems beleuchtet.

Welche Fragestellungen greift der Sanierungsplan auf?

  • Eine besondere Bedeutung kommt der Schwachstellenanalyse der Geschäftsaktivitäten und der Unternehmensstruktur zu.
  • Ebenfalls ist die Festlegung von Krisenszenarien zur Prüfung der Wirksamkeit von möglichen Handlungsoptionen von Bedeutung.
  • Ergänzt werden diese Vorgaben um quantitative und qualitative (Früh-)Warnindikatoren.

Der Dokumentation der Prozesse, zugehörigen Verantwortlichkeiten und möglichen Eskalationswegen kommt in den Organisationsrichtlinien – wie immer bei bankaufsichtlichen Fragestellungen – eine große Bedeutung zu. Ohne diese zu vernachlässigen, erscheint die Bewertung der eigenen Sanierungsfähigkeit sowie die Einschätzung von nicht zu bewältigenden Krisensituationen für die Institute deutlich wichtiger, als die rein formale Betrachtung. Der Umgang mit den Anhaltspunkten und Handlungsoptionen erscheint dabei besonders wichtig.

SEMINARTIPPS

Sanierungsplanung in Regionalbanken: Anforderungen & Umsetzungshürden, 25.03.2019, Frankfurt/M.

FCH Fit & Proper VORSTAND: Risikomanagement, 06.05.2019, Berlin.

Sachgerechte Stresstests & adverse Szenarien in RTF- & Kapitalplanung, 13.05.2019, Köln.

RWA-Optimierung bei knapper werdendem Eigenkapital, 21.10.2019, Frankfurt/M.

Neue RTF-Praxis:(un)sachgerechte adverse Szenarien als Herausforderung, 24.10.2019, Frankfurt/M.

Wie alle wesentlichen Inhalte ist auch der Sanierungsplan dem Aufsichtsorgan vorzustellen. Die Art und Weise sowie die Tiefe der Darstellung zur Abstimmung des Sanierungsplans mit dem Aufsichtsorgan rundet das Bild entsprechend ab.

PRAXISTIPPS

  • Analysieren Sie, ob ein eigener Sanierungsplan sinnvoll für Sie ist oder ob es zielführender ist, sich einer Institutssicherung anzuschließen.
  • Halten Sie Ihr Aufsichtsorgan eng informiert.
  • Prüfen Sie, ob Wechselwirkungen zur Geschäftsstrategie und zum SREP vorliegen.
  • Analysieren Sie, ob Sie aus dem Sanierungsplan Impulse für Stresstests generieren können.
  1. Dieser Beitrag stellt die persönliche Meinung des Verfassers dar, die nicht notwendigerweise mit der der Stadtsparkasse Remscheid übereinstimmen muss.

 

Beitragsnummer: 47637

Datenqualität in Revisionsberichten

Claudia Himpel, Innenrevision;
Tobias Ströbele, Leiter Innenrevision, beide Hohenzollerische Landesbank Kreissparkasse Sigmaringen

Aus den MaRisk, BT 2.4, ergibt sich die Berichtspflicht der Internen Revision über jede Prüfung zeitnah einen schriftlichen Bericht anzufertigen und diesen den fachlich zuständigen Mitgliedern der Geschäftsleitung vorzulegen. Des Weiteren stellen die MaRisk grundlegende Anforderungen an dessen Ausgestaltung.

Die Berichte müssen insbesondere eine Darstellung des Prüfungsgegenstandes, der Prüfungsfeststellungen und ggf. vorgesehenen Maßnahmen enthalten. In den weiteren Ausführungen fordern die MaRisk, dass die Prüfungen so durch Arbeitsunterlagen zu dokumentieren bzw. unterlegen sind, dass die durchgeführten Arbeiten sowie die festgestellten Mängel und Schlussfolgerungen für sachkundige Dritte nachvollziehbar hervorgehen (vgl. BT 2.4, Tz. 2 MaRisk).

Ausgehend von diesen grundlegenden und auch darüber hinausgehenden Anforderungen stehen alle Häuser vor der Herausforderung, ein einheitliches Berichtswesen mit gleichbleibend hoher Datenqualität zu schaffen.

SEMINARTIPPS

Datenrisiken im Meldewesen, 08.04.2019, Frankfurt/M.

Prüfung Risikoberichtswesen & Reporting, 09.04.2019, Frankfurt/M.

Prüfung neue interne Governance-Vorgaben, 16.05.2019, Hamburg.

Prüfung Datenqualität, 21.05.2019, Frankfurt/M.

Datenrisiken im Kreditgeschäft, 06.06.2019, Düsseldorf.

 

Wir haben uns darüber Gedanken gemacht, wie dies gelingen kann. Daraus ist folgender Denkansatz entstanden, welcher entsprechende Impulse liefern soll.

Am Anfang unserer Überlegung stand die grundlegende Frage, was wir denn außerhalb der gesetzlichen Anforderungen der Berichtspflicht mit unseren Berichten erreichen wollen, bzw. wem wir berichtspflichtig sind. Letztendlich geht es ja nicht nur darum, über die durchgeführten Prüfungen zu berichten, sondern mit den getroffenen Feststellungen notwendige Veränderungen herbeizuführen.

In erster Linie ist deshalb als Berichtsempfänger der Vorstand zu nennen. Er ist die Instanz, die letztendlich entsprechenden Handlungsbedarf anweisen kann/darf. Erst in zweiter Linie sind der Verwaltungs- oder Aufsichtsrat, die externe Revision oder die Aufsichtsbehörden die Berichtsempfänger. Somit sollte vorab mit dem Vorstand, als primärem Berichtsempfänger, geklärt werden, was dieser will: Wo liegen zum Beispiel seine Prioritäten? Welche Ziele verfolgt er mit den Prüfungen zzgl. zu den gesetzlichen Prüfungsanforderungen (IKS)? … Weitere Prüfungsziele könnten hier evtl. Prüfungen hinsichtlich Wirtschaftlichkeit oder Prüfungen bzgl. hausinterner Themen sein. Weiterhin ist abzuklären, wie der Berichtsempfänger die Berichte liest. Kurz gesagt: Es ist vorab eine Abstimmung mit der Geschäftsleitung erforderlich.

Darauf aufbauend sollten zur Vereinheitlichung der Prüfungsberichte und zur Einhaltung der aufsichtsrechtlichen sowie der mit der Geschäftsleitung abgestimmten Anforderungen einheitliche Berichtsvorlagen eingesetzt werden. Die Berichte sollten so aufgebaut sein, dass die Berichtsempfänger alles Wesentliche in kurzer Zeit erfassen können und eine eindeutige Struktur bzw. ein Orientierungsrahmen für die Berichtserstellung vorgegeben wird.

Wichtige Punkte bzw. Mindestinhalte sind dabei:

  • Prüfungsgegenstand (inkl. Prüfungsziele, -schwerpunkte und -umfang)
  • Berichtszeitraum und Prüfungsstichtag
  • ggf. Management-Summary
  • Prüfungsgrundlagen, ggf. Prüfungsstrategie und -programm
  • Prüfungsfeststellungen inkl. Wertung und ggf. vorgesehene Maßnahmen
  • Beurteilung des Internen Kontrollsystems

Gleichzeitig sollte die Unterlegung der Berichtsinhalte definiert werden.

Hierzu sind:

  • eindeutige Anforderungen an die Unterlagen zu stellen
  • klare Aussagen hinsichtlich der Dokumentation bzw. dahingehend wie die Dokumentation der Prüfungshandlungen in den Unterlagen zu erfolgen hat, zu treffen
  • Vorgaben zu definieren, wie die Aussagen des Berichts mit den Arbeitsunterlagen verknüpft werden sollen.

Bzgl. der Dokumentation der Prüfungshandlungen sollte einheitlich vorgegeben werden, welche Kennzeichnungen zu verwenden sind (z. B. geprüft am, = gesehen i. O., = fehlerhaft usw.).

Für die Verweise bzw. die Aussagen zum Bericht ist eine Art Checkliste hilfreich, in die die Feststellungen aufgenommen und dahingehend gekennzeichnet werden, ob diese berichtsrelevant sind oder nicht. Auf jeden Fall müssen die Unterlagen konsistent zu den Berichtsinhalten sein und diese entsprechend widerspiegeln. Einheitliche Ablagestrukturen ermöglichen eine weitere Erhöhung der Transparenz.

Wenn hier klare Regelungen geschaffen wurden, sind unseres Erachtens die Standards und Grundlagen für eine hohe und durchgängige Datenqualität gelegt. Um dies dauerhaft zu gewährleisten, ist im Anschluss an die Prüfung eine entsprechende Qualitätssicherung unerlässlich.

Auch hier empfiehlt es sich deshalb, entsprechende Regelungen für die Qualitätssicherung zu treffen. Um die Qualität entsprechend nachzuhalten, sollten die Anforderungen klar angewiesen und den Prüfern entsprechend bekannt sein. Dies kann über das Revisionshandbuch erfolgen und daraus abgeleitet in der Revisionssoftware abgebildet werden. Darüber hinaus sollte die jeweilige Führungskraft die notwendige Verbindlichkeit der Einhaltung schaffen.

PRAXISTIPPS

  • Stimmen Sie mit der Geschäftsleitung ab, welche über die aufsichtsrechtlichen Anforderungen hinausgehenden Ansprüche diese an das Prüfungsberichtswesen hat.
  • Geben Sie anhand von Berichtsvorlagen eine Struktur bzw. einen Orientierungsrahmen für die Berichterstellung vor.
  • Schaffen Sie entsprechende Regelungen im Revisionshandbuch, auch hinsichtlich der Unterlegung von Berichtsinhalten.
  • Integrieren Sie die Anforderungen in Ihre Qualitätssicherung.

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Beitragsnummer: 47607

Beitragsnummer: 47607

Verzahnung Meldewesen und Risikocontrolling am Bsp. Liquiditätsrisiko

Tobias Westbrock, Referent Risikocontrolling, Institutssteuerung, abcbank Köln

Die Anforderungen an das periodische Meldewesen und die Risikocontrollingprozesse wachsen durch die aktuelle MaRisk-Novelle immer weiter zusammen. Nicht nur werden Prognosen von steuerungsrelevanten Kennzahlen gefordert, die das Meldewesen oft nicht ohne Hilfe darstellen kann, sondern es werden auch Daten gemeldet, aus denen die Aufsicht sich ein eigenes Bild der Risikostruktur eines Institutes machen kann.

Vor diesem Hintergrund wird es immer wichtiger, Meldewesen und Risikocontrolling datenseitig miteinander zu verbinden, damit offizielle Meldungen und Risikoreporting keine inkonsistenten Aussagen treffen. Dementsprechend können einige Anforderungen der MaRisk auf der Datengrundlage des Meldewesens aufgebaut werden. Gerade am Beispiel des Liquiditätsrisikos, das viele Neuerungen in den MaRisk erfahren hat, lässt sich dies gut verdeutlichen.

BUCHTIPP

 

Liquiditätsrisikomanagement deutscher Regionalbanken unter ganzheitlicher Betrachtung der drei Baseler Säulen, 2017.

 

Chancen bei aktuellen Meldungen und ihren Historien

So sind die kurz-, mittel- und langfristigen Liquiditätsübersichten, die nach BTR 3.1 Tz. 3 für normale Marktphasen zu betrachten sind, gut mit der Liquiditätsablaufbilanz/Maturity Ladder (C66) der Additional Monitoring Metrics for Liquidity Reporting (AMM) darstellbar.

Für die Ableitung der Stressszenarien nach BTR 3.1 Tz. 8 hingegen kann zwar auf den gemeldeten Liquiditätsverlauf unter Normalbedingungen aufgebaut werden, doch sind zweifellos eigene Analysen zur Identifizierung geeigneter Stressparameter notwendig, die ein isoliertes Meldewesen nicht bewerkstelligen kann.

Auch die Anforderungen an die Risikoberichterstattung (BT 3.2 Tz. 2), die Prognosen für die Liquiditätskennziffer (LCR) und die Refinanzierungspositionen fordern, können zwar auf Meldedaten aufgebaut werden, sind aber nicht ohne eine historische Analyse ihrer Bestandteile und deren Schwankungsbandbreiten zu bewerkstelligen.

SEMINARTIPPS

COREP 2019: Verschärfte Vorgaben & Umsetzungsprobleme, 09.04.2019, Frankfurt/M.

Fit für FINREP für HGB-Bilanzierer: Neue Vorgaben & Auslegungsfragen, 10.04.2019, Frankfurt/M.

Update: COREP & Liquiditätsmeldewesen 2020, 14.10.2019, Köln.

Aufbau einer workflowbasierten Meldewesen-Datenbank, 15.10.2019, Köln.

Herausforderungen am Beispiel der NSFR

Gerade die Prognose der NSFR dürfte viele kleinere Institute vor größere Herausforderungen stellen, da sie mit dieser bisher keine oder nur wenige Erfahrungen haben.

Für die Kennzahl, die für sie bisher nicht einzuhalten ist, haben sie keine umfangreiche Historie, auf die sie zurückblicken können. Abgesehen davon, dass die Vorgaben von Seiten der EBA bzgl. der zu verwendenden Gewichtungsfaktoren noch nicht finalisiert wurden.

Dennoch wird die Kennzahl in absehbarer Zeit und voraussichtlich ohne Einführungsfrist vollständig zu erfüllen sein, was ab diesem Stichtag auch ihre Prognose notwendig macht.

Als Vorbereitung sollten hier die Vorgaben des Baseler Ausschusses hinsichtlich der Gewichtungsfaktoren herangezogen werden. Verbindet man diese wiederum mit der Datengrundlage der Maturity Ladder unter Einbeziehung realistischer Neugeschäftsannahmen, so ist es möglich, ein erstes Gefühl für die zukünftige Entwicklung der eigenen NSFR zu erhalten.

PRAXISTIPPS

  • Datengrundlage des Meldewesens für das Risikocontrolling/-reporting nutzen, um Inkonsistenzen zu vermeiden.
  • Zusammenarbeit der Bereiche Meldewesen und Risikocontrolling, um aufsichtsrechtliche Vorgaben zu erfüllen.

Beitragsnummer: 47395