Neuerungen zur Groß- und Millionenkreditverordnung

Frank Günther, Senior Consultant und Kreditspezialist, FCH Consult GmbH

Am 27.02.2019 wurde die Aktualisierung der GroMiKV im Bundesgesetzblatt verkündet. Die Änderungen sehen vor, mit Wirkung seit 01.03.2019 die meldetechnischen Vorgaben zur Euro-Evidenz zu streichen, da das gesamte Meldeverfahren zur Euro-Evidenz zwischen den beteiligten Kreditregistern per Ende September 2018 eingestellt wurde. Weiterhin wurde durch die Neueinführung der rechtliche Rahmen für die perspektivische Einführung einer elektronischen Stammdateneinreichung geschaffen und die Stammdatenanzeigen sind bis zur Einführung dieser ab sofort nur noch einfach papierhaft an die Deutsche Bundesbank zu übersenden. Darüber hinaus wurden einige Templates des Millionenkreditmeldewesens aktualisiert.

SEMINARTIPPS

Meldewesen Kompakt: Neuerungen für Praxis & Prüfung, 03.06.2019, Düsseldorf.

Kreditmeldewesen Aktuell: AnaCredit – Groß-/Mio.-Kredite, 24.10.2019, Frankfurt/M.

 

Per 31.03.2019 ist erstmals für den Berichtszeitraum I/2019 die Millionenkreditanzeige auf Basis des aktualisierten Kreditbegriffes und der überarbeiteten Vordrucke abzugeben. Beachten und überprüfen Sie v. a. Folgendes:

  • vollständige und richtige Versorgung der Anzeigevordrucke explizit betreffend der neuen Felder,
  • Erfüllung der erstmaligen Anzeigepflicht v. a. von Beteiligungen und offenen Kreditzusagen,
  • Beachtung der Besonderheiten bei Handelsbuchkrediten,
  • Neuerungen im Abgleich BA 6 und BA 7 zwischen den meldenden Kreditgebern,
  • Beachtung der neuen Plausibilisierungsregelungen,
  • Information über den Neuaufbau und die betraglichen Veränderungen in der Evidenzrückmeldung Ende Juni 2019.

Beitragsnummer: 58439

Prüfung aktivischer Beteiligungsanzeigen gem. § 24 KWG i. V. m. AnzV

Beurteilung der materiellen und formellen Ordnungsmäßigkeit der Anzeigeverpflichtungen durch die Interne Revision.

Katja Ries, fachliche Leitung Spezialistenteam Aufsichtsrecht, Genossenschaftsverband – Verband der Regionen e.V. und AWADO Deutsche Audit GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft.

I. Einleitung

Die BaFin übt in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bundesbank die Aufsicht über einen Großteil der „Less significant institutions“ (LSI) aus. Die bedeutenden CRR-Kreditinstitute (SI) (§ 1 Abs. 3d KWG) stehen seit dem 04.11.2014 unter der direkten Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB). Zielsetzung der Finanzaufsicht ist es hierbei, Missständen im Kredit- und Finanzdienstleistungswesen entgegenzuwirken (§ 6 Abs. 1 und 2 KWG sowie § 7 KWG).Diese Aufgabe kann nur erfüllt werden, wenn den Aufsichtsbehörden laufend dezidierte Kenntnisse über die geschäftlichen Vorgänge und die inneren Strukturen der Institute übermittelt werden. Hierzu dienen neben den Jahresabschlüssen, Prüfungsberichten sowie Sonderprüfungen gem. § 44 KWG v. a. Anzeigen und Meldungen der Institute.

Die Anzeigen nach § 24 KWG geben den Aufsichtsbehörden Auskunft über personelle, finanzielle, organisatorische und rechtliche Gegebenheiten und deren Veränderungen bei den Instituten. Die Details zum Anzeigeverfahren sind in der Anzeigenverordnung (AnzV) geregelt.

Durch die Überarbeitung der AnzV, die am 08.12.2016 in Kraft getreten ist, haben sich u. a. hinsichtlich der Beteiligungsanzeigen Änderungen ...


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Verzahnung von Geschäfts- und Refinanzierungsplanung

Wohin mit der Liquidität?

Michael Endmann, Direktor Gesamtbanksteuerung, Stadtsparkasse München

Seit Mitte des Jahres 2016 befindet sich die deutsche Kreditwirtschaft in einer Situation, wie es sie seit Beginn der Bundesrepublik Deutschland nicht gab. Die Ausleihungen an inländische Privatpersonen, Unternehmen und öffentliche Haushalte (im Bundesbank-Statistik Jargon inländische Nichtbanken genannt) liegen in ihrer Höhe unter den Verbindlichkeiten und Einlagen von inländischen Privatpersonen, Unternehmen und öffentlichen Haushalten. Gegenüber dem Jahr 2000, als das Verhältnis zwischen Ausleihungen und Verbindlichkeiten in der Spitze bei knapp 160 % lag, drehte dieses Verhältnis ab Mitte 2016 unter 100 % und liegt Ende des vergangenen Jahres bei 96 %. (Die Daten hierzu kommen aus der monatlichen Bilanzstatistik, die die Bundesbank freundlicherweise auf aggregierter Ebene der Öffentlichkeit wieder zur Verfügung stellt.) Die deutsche Kreditwirtschaft ist bezogen auf die inländischen Nichtbanken passivlastig geworden.

SEMINARTIPPS

FCH Fit & Proper VORSTAND: Risikomanagement, 06.05.2019, Berlin.

Herausforderung: Verzahnung zwischen Kapital- und Liquiditätsplanung, 14.05.2019, Köln.

Update: COREP & Liquiditätsmeldewesen 2020, 14.10.2019, Köln.

Herausforderung: Daten-Verzahnung Controlling, Melde- & Rechnungswesen, 16.10.2019, Köln.

Neues ICAAP- & ILAAP-Reporting, 23.10.2019, Frankfurt/M.

Gleichzeitig kam es zu einer massiven Veränderung in der Struktur der Einlagen. Während bis zu Anfang des jetzigen Jahrtausends die Sichteinlagen nur gut ein Zehntel der Einlagen betrugen, sind es heute für die gesamte deutsche Kreditwirtschaft mehr als vier Zehntel, bei den Sparkassen und Kreditgenossenschaften sogar mehr als sechs Zehntel. Langfristige Verbindlichkeiten sind täglich fälligen Sichteinlagen gewichen. Aufgrund der Zinssituation gibt es für die inländischen Nichtbanken-Kunden augenscheinlich keinen Vorteil mehr für eine langfristige Bindung ihrer Überschussliquidität, so dass der vermeintliche Vorteil einer täglichen Verfügbarkeit ausschlaggebend ist. In Folge ist das Abrufrisiko in den Bilanzen der deutschen Banken dramatisch gestiegen.

 

 

Die Rolle der Zentralbanken

Mit Beginn der Finanzmarktkrise, als es zu Engpässen in der Kapitalmarkt-Liquidität kam, begannen die Zentralbanken massiv Liquidität in die Märkte zu pumpen. Die EZB bot u. a. sog. Longer-term refinancing operations an, um die Kreditwirtschaft mit Liquidität zu versorgen. Darüber hinaus setzten die Zentralbanken auf außergewöhnliche Maßnahmen, wie z. B. die Asset Purchase Programmes, bei denen die Zentralbanken neben öffentlichen Schuldtiteln und Covered Bonds auch ABS und Corporate-Bonds aufkauften. Dadurch kam es zu einem Überangebot von Liquidität und einer deutlichen Beeinflussung der Preise im Kapitalmarkt.

Im Oktober 2014 beendete die FED das Nettoankaufsprogramm, die EZB zog erst Ende vergangenen Jahres nach. Mit dem Ende der Liquiditätsschwemme durch die Zentralbanken könnte sich die Liquiditätssituation an den Kapitalmärkten normalisieren und den Preis für Liquidität wieder steigen lassen, was zu steigenden (langfristigen) Zinsen führen könnte.

Zu wenig Liquidität ist schnell tödlich, zu viel lässt einen langsam ertrinken!

Die Kreditwirtschaft ist eine Industrie, in der das Zahlungsmittel zugleich der Rohstoff ist. Aus dem Rohstoff Liquidität (oder EURO) lassen sich Baufinanzierungen, Firmenkundenkredite und Projektfinanzierungen herstellen. Der Rohstoff wird den Banken von den Einlagengebern zur Verfügung gestellt. Leider ist es so, dass mit einem Großteil der Einlagenkunden Verträge abgeschlossen wurden, die es diesen ermöglichen, den Banken autonom den Rohstoff in die Bücher zu kippen.

Anstelle zu planen, welche Baufinanzierungen und Firmenkundenkredite die Banken herstellen wollen (und mit ausreichend Eigenkapital unterlegen müssen), besteht das Problem der Banken darin, die überschüssige Liquidität auf der Anlagenseite unterzubringen. Dies kann, solange die derzeitige Zinssituation vorherrscht, erhebliche Kosten verursachen, sollte es nicht gelingen, profitable (Aktiv-)Produkte herzustellen, sondern die Liquidität bei der Zentralbank parken zu müssen. Bei einer Veranlagung auf der Aktivseite könnte sich die Transformationsposition der Banken deutlich erhöhen und das Risiko hieraus steigen lassen.

Im Idealfall plant eine Bank, welche Aktiv-Produkte sie herstellen möchte (in den Worten der Aufsicht im Business Plan oder der Geschäftsplanung). Die Refinanzierung dieser Aktiv-Produkte muss berücksichtigen, dass ein Teil über Eigenkapital finanziert (Kapitalplanung) und der Rest fremdfinanziert wird (Funding Plan oder Refinanzierungsplanung). Zugleich muss geprüft werden, ob die eingegangene Fristentransformationsposition sowie dem Geschäft inhärente Risiken getragen werden können.

Die Renaissance des Privatkunden

Mit dem Ende der expansiven Geldpolitik der Zentralbanken könnten die Zinsen wieder steigen und die Liquidität an den Märkten zurückgehen. Dies könnte die Stunde des Privatkunden werden, oder besser, die Stunde der günstigen Refinanzierung über Einlagen von Privatkunden. In ihrem Report on Funding Plans vom September 2018 schreibt die EBA, dass die Banken in Europa in den nächsten Jahren sich wieder verstärkt über Privatkunden refinanzieren wollen, und es somit zu einem Wettbewerb um Einlagenkunden kommen könnte. Dies könnte insbesondere aufgrund der Struktur der Einlagen sowie der ggf. langfristigen Gegenanlagen zu Verwerfungen in den Bankbilanzen führen und einen Preiskampf entstehen lassen. Hierauf gilt es, sich vorzubereiten.

PRAXISTIPPS

  • Analyse der Herkunft der Einlagengelder – welche Anteile sind Gelder von Neukunden, welche Anteile sind liegengebliebene Gelder, welche Umschichtungen zwischen verschiedenen Einlagenprodukte können identifiziert werden?
  • Überprüfung der Preis- und Produktpolitik der Einlagenseite mit dem Fokus auf Szenarios steigender Zinsen.
  • Stärkung der Refinanzierungsmöglichkeiten über Kapitalmarktprodukte wie Pfandbriefe.

 

Beitragsnummer: 57806

Sicherstellung der Wirtschaftlichkeit als Prüffeld der Innenrevision

Bewertung der Prozessoptimierung im Meldewesen und der RWA-Optimierung.

Tim Rietkötter, Revisor für Gesamtbanksteuerung, Sparkasse Münsterland Ost.

I. Regulierung als zentrale Herausforderung

Die Bedeutung und Komplexität der mit dem Themenfeld Meldewesen in Zusammenhang stehenden Prozesse und Tätigkeiten hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Zurückzuführen ist dies insbesondere auf die Harmonisierung der Bankenaufsicht in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union und dem damit einhergehenden, wachsenden Informationsbedürfnis der europäischen Aufsichtsbehörden (European Banking Authority, EBA, und Europäische Zentralbank, EZB). Mit der Schaffung des Single Rule Book wurde ein einheitlicher Aufsichtsrahmen für die gesamte EU entwickelt und der Grundstein für ein Level Playing Field, also ein regulatorisches Umfeld mit identischen Voraussetzungen für sämtliche Institute in der EU, gelegt. Ergänzt werden die EU-weiten Regelungen durch die zum Teil weiterhin geltenden nationalen Regelungen (u. a. Millionenkreditmeldewesen).

Auch die Anforderungen an die Qualität und Quantität der Eigenmittel sowie die Methoden zur Berechnung der Eigenmittelanforderungen wurden seit der Finanzmarktkrise 2008 grundlegend überarbeitet und weiterentwickelt. Die regulatorische Eigenmittelanforderung an Kreditinstitute ist grundsätzlich definiert als Produkt aus Mindestkapitalanforderung gem. Art. 92 CRR und den risikogewichteten Aktiva (RWA). Die Mindestkapitalanforderung i. H. v. acht Prozent wird ergänzt um etwaige individuelle Kapitalzuschläge, die auf Grundlage der ...


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Kapitalplanung unter Beachtung des neuen RTF-Leitfadens

Den Wandel der Kapitalplanung erfolgreich gestalten.

Noel Boka, M. Sc., Abteilungsleiter Controlling, VR Bank Niederbayern-Oberpfalz eG[1]

Annika Rüder, M. Sc., Spezialistin Risikocontrolling, comdirect bank AG

I. Einleitende Worte

Erst die MaRisk[2], im Mai dieses Jahres das Rundschreiben zu Zinsänderungsrisiken[3] sowie das Rundschreiben zur Aufsichtlichen Gestaltung der Risikotragfähigkeit[4] – die Flut neuer oder erweiterter aufsichtlicher Anforderung zeigt sich nach wie vor in einer engen Taktung und stellt nicht nur zeitlich anspruchsvolle Aufgaben an die Gesamtbanksteuerung. Nicht zuletzt aufgrund dieser Herausforderung sei eine ressourcenschonende und praktikable Umsetzung der aufsichtlichen Anforderungen für viele Institute das Gebot der Stunde.

Erfahren im Zuge des „Level Playing Fields“ die Perspektiven der Risikotragfähigkeit (RTF) eine grundlegende Renaissance, erwächst auch für die Kapitalplanung – als zukunftsgerichtetes, mehrperiodiges Element der RTF – ein Handlungsbedarf zur Umsetzung der aufsichtlichen Anforderungen[5]. In eben diesem Spannungsfeld aus aufsichtlicher Notwendigkeit sowie einer möglichst effizienten Umsetzung bewegt sich auch die institutsinterne Überarbeitung der Kapitalplanung. Der vorliegende Beitrag soll bei der Umstellung unterstützen und Ansätze aufzeigen, wie der Übergang von dem alten in den neuen Kapitalplanungsprozess gelingen kann.

II. Der neue Leitfaden zur Risikotragfähigkeit

1. ...


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Zinsschockberechnung mit und ohne Margen-Cash Flows

Eine kritische Analyse im Kontext des Zinsrisikorundschreibens 9/2018[1]

Prof. Dr. Svend Reuse, Mitglied des Vorstandes, Kreissparkasse Düsseldorf[2]

I. Einleitende Worte

Die Methoden zur Berechnung des Zinsbuchbarwertes und des Zinsschocks sind seit Jahrzehnten bekannt und etabliert[3]. Mit dem Zinsrisikorundschreiben 9/2018 offeriert die Aufsicht nun entgegen der bisher explizit vorgegebenen Berechnung mit Außenzinssätzen[4] – also Verwendung des Kundenzinses – die Möglichkeit, die Margen-Cashflows aus dem Summenzahlungsstrom zu egalisieren[5] und folglich auf die Marktzinssätze anstelle der Kundenzinssätze abzustellen. Dieser Beitrag stellt die rechtlichen Grundlagen hierzu vor und analysiert die Sinnhaftigkeit dieser methodischen Änderung im Kontext der FinaRisikoV und der internen Steuerung.

II. Aufsichtsrechtliche Grundlagen

1. BCBS 368[6] und EBA Guidelines EBA/GL/2018/02[7]

Der Ursprung der Margenegalisierung findet sich in Baseler Papieren bzw. im europäischen Aufsichtsrecht. Allerdings findet sich in den EBA GL 2015/08 außer der Verpflichtung zur Verwendung einer risikolosen Zinskurve[8] noch kein direkter Hinweis auf die Möglichkeit, mit Innenzinssätzen zu rechnen. Erstmals explizit erwähnt wird dies im BCBS 368. Dort heißt es wörtlich: „Banks have the choice of whether to deduct commercial margins and other spread components from ...


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Erweiterte Anforderungen an Prüfung von Stresstests

Dr. Karsten Geiersbach (CIA), Bereichsdirektor Interne Revision/Stefan Prasser (CIA), Dipl.-Math., Referent in der Revision für Gesamtbanksteuerung, beide Kasseler Sparkasse[1]

I. Einleitung

The recent financial crisis and the several negative events in the banking sector have highlighted significant lessons in relation to stress testing practices and have triggered changes in the conduct of stress testing[2].

Neben dem Risikocontrolling und -management muss sich auch die Interne Revision intensiv mit Stresstestverfahren und -methoden beschäftigen: Zum einen helfen Sie bei der Überprüfung von Unzulänglichkeiten in den verwendeten Risikomodellen, zum anderen um Extremsituationen auf die Überlebensfähigkeit bzw. Risikotragfähigkeit und Solidität von Kreditinstituten auszuloten. Die Ergebnisse aus den unterschiedlichen Stresstests können somit Indikatoren für potenzielle Schwachstellen aufzeigen: Bei Risikoberechnungen, bei der Ausstattung mit Risikodeckungsmasse oder hinsichtlich vorhandener Risiken bzw. Risikokonzentrationen und deren Limitauslastung(en).

II. Rahmenbedingungen

Am 19.12.2014 veröffentlichte die European Banking Authority (EBA) die Leitlinien zu gemeinsamen Verfahren und Methoden für den aufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozess (SREP)[3]. Diese EBA-Leitlinien basieren auf Komponenten, die den SREP-Rahmen bilden. Eine Übersicht dieser Komponenten zeigt Abb. 1[4].

Zu der Bewertung der internen Governance und der institutsweiten ...


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Sicherung von Qualitätsstandards im Reporting

Gestaltungsvorgaben für IDV-Anwendungen festlegen und für ein wirksames Berichtswesen nutzen.

Noel Boka, M. Sc., Abteilungsleiter Controlling, VR Bank Niederbayern-Oberpfalz eG[1]

I. Regulatorisches

Sei zu den exakten Vorgaben der MaRisk auf die zitierte Literatur verwiesen, ergeben sich aus diesen dennoch wesentliche Konsequenzen für die technische Gestaltung von Reports[2]:

  • Je schneller und je analytischer die Berichte gestaltet werden müssen, umso weniger Zeit bleibt für die Datenaufbereitung und -verarbeitung sowie eine stetige Anpassung des Berichtswesens;
  • Die Zusammenführung und Berichterstattung von Daten erfolgt stets im Spannungsfeld zwischen technischer Aggregationsfähigkeit und Proportionalität sowie Individualität der Berichterstattung.

Insbesondere der zuletzt genannte Aspekt bedarf einer zusätzlichen Erläuterung. So geht – soweit es sich nicht um Eigenprogrammierungen handelt – mit der automatisierten Berichterstellung über Softwarelösungen eine erhebliche Standardisierung einher[3]. Neben den sich hieraus ergebenden Vorteilen im Sinne automatisierter Daten- und Berichtsflüsse lässt sich jedoch gleichwohl die Frage ableiten, inwieweit diese Standardisierung einer ausreichenden Entscheidungsrelevanz entgegenstehen kann.

II. Im Spannungsfeld zwischen Software und IDV

So setzt die Aufbereitung von Entscheidungsinformationen neben den standardisiert berichteten Daten im Regelfall einige zusätzliche Kennzahlen und Informationen voraus. Auch die Vorausschau und qualitative, zukunftsgerichtete Bewertung ist hierbei ...


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Geschäftsmodellanalyse und Profitabilität

Ist Ihre Bank profitabel?

Michael Endmann, Direktor Gesamtbanksteuerung, Stadtsparkasse München

Im Nachgang der Finanzmarkt- und Staatsschuldenkrise, in deren Sog so manche Bank durch Steuergelder gerettet werden musste, schworen sich die Regierungschefs der G20, dass eine Krise, wie sie in den Jahren 2008/2009 ihren Anfang nahm, nie wieder passieren darf. Eine Lehre aus der Krise war, dass die Aufsicht sich mehr mit den Geschäftsmodellen der von ihnen überwachten Institutionen beschäftigen muss. Daher ist es nur folgerichtig, dass die EZB sowie die BaFin die Themen Profitabilität und Geschäftsmodellanalyse für die letzten Jahre zu einer aufsichtlichen Priorität erklärten.

Zwischenzeitlich sind diese Themen auch auf Ebene der national überwachten Institute angekommen und erste Analysen von Geschäftsmodellen werden im Rahmen von Prüfungen nach § 44 KWG durchgeführt.

Woran erkennt man profitable Banken?

Beantworten Sie mir vier Fragestellungen, und ich sage Ihnen, wie wahrscheinlich es ist, dass Ihre Bank profitabel ist. Zwar nicht im streng mathematisch-statistischen Sinne einer Wahrscheinlichkeit, aber im Sinne einer empirischen Einschätzung.

  • Die erste Fragestellung lautet: Kennen und verstehen Sie detailliert die Treiber für Wachstum bzw. Rückgang des Ertrages in Ihren Geschäftsfeldern? Erstellen Sie hierzu umfangreiche Szenarioanalysen?
  • Zweite Fragestellung: Sind Sie in der Lage, sämtliche Produktions- und Betriebskosten sachgerecht bzw. verursachungsgerecht auf Ihre Geschäftsfelder, Ihre Vertriebskanäle oder Produkte zu verteilen? Ist die Qualität Ihrer Kosteneinsparprogramme hoch?
  • Dritte Fragestellung: Haben Sie ein umfassendes System zur Ermittlung von Preisen, welches konsistent über alle Geschäftsfelder verwendet wird? Umfasst dieses auch eine sog. Preisuntergrenze, die sicherstellt, dass ein Mindestlevel in der Abdeckung sämtlicher Risiken und Kosten erreicht wird? Wird dieses System bei Konditionsentscheidungen angewandt, und werden Ausnahmen überwacht?
  • Vierte Fragestellung: Ist die Risikocontrolling-Funktion in die Formulierung der (Geschäfts-)Strategie eingebunden? Besteht zwischen der (Geschäfts-)Strategie und dem Risikoappetit sowie dem ICAAP eine konsistente Verknüpfung? Decken die strategischen Kennzahlen die (Geschäfts-)strategischen Ziele umfassend und auf geeignet granularer Ebene ab? Werden zu diesen detaillierte Szenarioanalysen und Sensitivitätsanalysen durchgeführt?

Wenn Sie alle vier Fragestellungen sehr klar mit einem JA beantworten können, dann ist es empirisch gesehen wohl sehr wahrscheinlich, dass Ihre Bank profitabel ist.

SEMINARTIPPS

FCH Fit & Proper VORSTAND: Risikomanagement, 06.05.2019, Berlin.

Prüfung & Beurteilung des Geschäftsmodells durch Aufsicht und Revision, 15.05.2019, Hamburg.

9. Kölner Banksteuerung-Tagung, 03.–04.06.2019, Köln.

Aufsichtsgespräche 2019: Fokus Geschäftsmodell-Analyse & Risikoprofil, 05.06.2019, Köln.

RWA-Optimierung bei knapper werdendem Eigenkapital, 21.10.2019, Frankfurt/M.

Das ist zumindest die Erkenntnis einer Studie der EZB, die diese – beginnend in 2016 – bei den Kreditinstituten durchgeführt hat, die direkt von der EZB überwacht werden.

EZB-Studie „SSM thematic review on profitability and business models“

Die EZB entschied sich 2016 aufgrund der anhaltenden Herausforderungen, die sich aus einer niedrigen Profitabilität für die Banken ergeben, bei den SI (Significant Institution, systemrelevante Institute) durch die JST (Joint Supervisory Team) in 2017 eine Analyse zu den Themen Profitabilität und Geschäftsmodelle durchführen zu lassen. Die wesentlichen Erkenntnisse wurden zu Beginn 2018 zwischen den JST und den SI besprochen und im September desselben Jahres die wesentlichen Industrie-übergreifenden Erkenntnisse durch die EZB in o. g. Studie veröffentlicht.

Eines der wesentlichen Erkenntnisse der Studie ist, dass die strategische Steuerungs-Fähigkeit einer Bank maßgeblich für ihren Erfolg ist. Banken, die in den letzten Jahren besser Ergebnisse hatten, wiesen im Mittel auch bessere strategische Steuerungsfähigkeiten auf. Nichtsdestoweniger sieht die Aufsicht Industrie-weit einen Weiterentwicklungsbedarf bei den strategischen Steuerungsfähigkeiten, insbesondere hinsichtlich der oben aufgeworfenen vier Fragestellungen.

Unter strategischer Steuerung werden Management-Fähigkeiten verstanden, langfristige Ziele zu setzen und zu verfolgen. Hierzu gehören auch effiziente Prozesse und eine gute Führung. Fehlen diese Fähigkeiten und besteht keine Verknüpfung zwischen der Risikosicht und der (Geschäfts-)strategischen Sicht, kann dies in den Augen der Aufsicht dazu führen, dass eine Bank nicht das Risiko-Ertrags-Verhältnis ihrer (Geschäfts-)Strategie austariert, sie nicht die Treiber ihres Ertrags erkennt und sie nicht die ihrem Geschäft inhärenten Risiken analysiert und gegebenenfalls absichert.

PRAXISTIPPS

  • Beantworten Sie für sich die oben aufgeworfenen Fragestellungen und identifizieren Sie Ihre Handlungsfelder.
  • Weiterentwicklung der Kostenstellen-Rechnung, um über Best-Practice-Prozesszeiten zu einem Ansatz für Produktkosten zu kommen. Hierbei ist es erforderlich, zwischen den direkt zurechenbaren Zeiten von Markt und Marktfolge und allen weiteren (Produktions-)Kosten zu unterscheiden.
  • Aufnahme sämtlicher Produktions- und Risikokosten in die Produktkalkulation verbunden mit einer Definition der Preisuntergrenze.

Beitragsnummer: 56620

Neue Aktuelle Bundesbankrundschreiben zu AnaCredit

Frank Günther, Seniorberater Kreditregulatorik, FCH Consult GmbH

Die Deutsche Bundesbank hat am 15.02.2019 zwei aktuelle Rundschreiben zur fachlichen Umsetzung von AnaCredit veröffentlicht, welche Banken und EDV-Dienstleister zu weiteren Nacherfassungen und -programmierungen veranlassen werden. Im Rundschreiben 10/2019 wird eindringlich Rundschreiben Nr. 76/2018 bestätigt. Somit gilt, dass ab Meldetermin 28.02.2019 alle falsch gemeldeten bzw. ausgelaufenen Datensätze zu den entsprechenden Meldeterminen nachträglich mit dem Aktionsattribut Löschung gemeldet werden müssen. Eine nochmalige Vollmeldung als Korrektur – und Löschmeldung wird ausgeschlossen. Betreffend der Korrekturmeldungen wurde ein Zeitplan für die Implementierung noch nicht beschlossen (https://www.bundesbank.de/resource/blob/776842/25cacb867ffa02edd7e374724e2bdaf5/mL/2019-02-15-rs-10-data.pdf).

Cover106BERATUNGSANGEBOTE

Quickcheck AnaCredit

Quickcheck: Datenqualität im Kreditgeschäft/Meldewesen

Mit Rundschreiben 11/2019 wird zur Änderungsnotwendigkeit der Instrumenten- und Vertragskennung bei verschieden Fällen in Zusammenhang mit vereinbarten Kreditlimits bei laufenden Konten Stellung genommen. So wird neu eine Erhöhung eines bestehenden Limits ggü. bisher anders lautenden Veröffentlichung als Neugeschäft eingestuft. Somit entfällt hier die Erleichterung für Bestandskredite.

SEMINARTIPPS

AnaCredit: Prüfungsansätze und -Schwerpunkte, 05.06.2019, Düsseldorf.

Kreditmeldewesen Aktuell: AnaCredit – Groß-/Mio.-Kredite, 24.10.2019, Frankfurt/M.

AnaCredit im Flow!? – Aktuelles & Fehleranfälligkeit & Datenkonsistenz, 26.11.2019, Berlin.

Umfangreiche detaillierte Differenzierungen bei den Meldepflichten von laufenden Überziehungskrediten mit und ohne Limit werden neu eingeführt:

  1. Überziehung laufender Konten ohne Kreditlimit
    Auch bei Veränderungen der Überziehung keine Änderung der Vertrags- und Instrumentenkennung.
  2. Wechsel von Überziehung ohne vereinbartem Kreditlimit auf Überziehung mit vereinbartem Kreditlimit
    Löschmeldung der Überziehung ohne vereinbartes Kreditlimit und Neumeldung der Überziehung mit vereinbartem Kreditlimit mit neuer Vertragskennung
  3. Wechsel von Überziehung mit vereinbartem Kreditlimit auf Überziehung ohne vereinbartem KreditlimitLöschmeldung der Überziehung mit vereinbartem Kreditlimit und Neumeldung der Überziehung ohne vereinbartem Kreditlimit mit neuer Vertragskennung (https://www.bundesbank.de/resource/blob/776848/c3cc2be33740d3e398a73791b93d84c6/mL/2019-02-15-rs-11-data.pdf).

Beitragsnummer: 56480