Neue MaRisk 2020

Geplante Neuerungen und (direkte) Übernahme verschiedener EBA-Leitlinien in die nationale Aufsichtspraxis mit teilweise direkten Auswirkungen auf LSI

Die MaRisk-Novelle 2020 ist bereits auf dem Weg

Alexandra Pfeil, Wirtschaftsprüferin/Steuerberaterin, AWADO GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Steuerberatungsgesellschaft

 

 

 

 

 

 

Erstmalig in 2005 in Kraft getreten sind die MaRisk ein vergleichsweise junges Regelwerk, stehen aber dennoch schon kurz vor der 6. Novellierung. Seit Veröffentlichung der letzten MaRisk-Novelle im Jahr 2017 wurden verschiedene EBA-Leitlinien mit MaRisk-Bezug erlassen, sodass die Umsetzung dieser Leitlinien im Zuge einer Neufassung der MaRisk möglich ist.

I. Umsetzung von EU-Verordnungen und EBA-Guidelines – Wie funktioniert das?

EU-Verordnungen sind Rechtsakte mit unmittelbarer Gültigkeit in den Mitgliedstaaten. Sie entfalten eine sogenannte Durchgriffswirkung und bedürfen daher keiner separaten Umsetzung in nationales Recht.

Anders verhält es sich jedoch mit der Umsetzung von (EBA-)Leitlinien:

Der Prozess zur Übernahme von EBA-Guidelines (Leitlinien) in die Verwaltungspraxis der deutschen Bankenaufsicht setzt – ungeachtet der grundsätzlichen Übernahme aller Leitlinien – mit der Festlegung der BaFin gegenüber der EBA ein, ob und in welchem Umfang solche Leitlinien der EBA in deutsches Recht und unsere nationale Verwaltungspraxis übernommen werden.

Im Rahmen des sogenannten “Comply or explain-Verfahrens” erfolgt die Entscheidung zur Übernahme einer Leitlinie durch eine sogenannte “Comply-Erklärung” der BaFin gegenüber der EBA. Dabei gibt die BaFin regelmäßig auch an, ob die Leitlinien unverzüglich oder erst mit der Umsetzung in deutsches Recht oder durch ein nationales Rundschreiben anzuwenden sind.

Für den Fall der Umsetzung durch ein Rundschreiben oder die Novellierung eines (bestehenden) Rundschreibens müssten die LSIs die hieraus resultierenden Anforderungen aus der Guideline erst mit der Veröffentlichung des nationalen Rundschreibens anwenden. Jedoch sind die LSIs auch dann gehalten, sich bereits vorher mit dem Inhalt der betreffenden (und regelmäßig auch in der deutschen Amtssprache vorliegenden) Leitlinien zu befassen und organisatorische Vorkehrungen zu treffen, um die hierin adressierten Anforderungen umzusetzen.

In nachfolgendem Schaubild sind die Möglichkeiten der Übernahme der EBA-Leitlinien dargestellt:

II. EBA-Leitlinien mit MaRisk-Bezug – Wo sind Änderungen zu erwarten?

Seit Veröffentlichung der letzten MaRisk-Novelle im Jahr 2017 wurden nachfolgende EBA-Leitlinien mit MaRisk-Bezug veröffentlicht, für die ein Änderungsbedarf absehbar bzw. offen ist:

Der Bestand an notleidenden Krediten und die angemessene Steuerung derselben ist in den vergangenen Jahren immer mehr in den Fokus der Aufsicht gerückt. Der hohe Bestand an notleidenden Krediten wird weiterhin als Gefahr für die europäische Bankenlandschaft betrachtet. Die EBA wurde daher im Rahmen des Aktionsplans des EU-Rats im Juli 2017 ersucht, geeignete bankaufsichtliche Regelungen zum Abbau notleidender Kredite zu entwickeln und hat am 31.10.2018 in diesem Zusammenhang die Leitlinien für notleidende und gestundete Engagements veröffentlicht. Geltungsbeginn war grundsätzlich der 30.06.2019. Die BaFin hat sich mit den Leitlinien “comply” erklärt. Eine konkretisierende Umsetzung für Banken im deutschen Aufsichtsgebiet durch die BaFin ist daher zu erwarten.1. GL/2018/06 – Leitlinien für notleidende und gestundete Engagements

In welcher Form die EBA-Leitlinien auf nationaler Ebene umgesetzt werden, wurde bislang noch nicht bekannt gegeben. Grundsätzliche Möglichkeiten sind:

  • Eine 1:1-Übernahme bspw. durch direkten Verweis auf die EBA-Leitlinien
  • Die Einarbeitung der neuen Regelungen in ein bestehendes deutsches Regelwerk (z. B. die MaRisk)
  • Verfassen eines neuen deutschen Regelwerks
  • Die EBA-Leitlinien sind vom deutschen Regelwerk bereits vollständig bzw. zum Teil erfasst

Entscheidend für die Banken sind hierbei diejenigen Anforderungen, die über die heute geltenden MaRisk hinausgehen.

Wesentliche Inhalte der Leitlinien sind (ab einer NPL-Quote von fünf Prozent) z. B. die Vorgabe eigener Strategien für NPL und Rettungserwerbe sowie umfangreiche Prozessvorgaben. Aber auch Banken mit einer NPL-Quote unter fünf Prozent müssen ggf. mit Auswirkungen auf ihre Prozesse im Zusammenhang mit NPL rechnen. So fordern die Leitlinien beispielsweise ein Backtesting für die EWB-Bildung und Sicherheitenbewertung. Ebenfalls ist die Wirksamkeit von Stundungsmaßnahmen im Vorfeld und im Nachgang quantitativ zu beurteilen und es sind Prozessvorgaben für die Exit-Kriterien aus NPL gefordert.

Erwähnt sei darüber hinaus ergänzend, dass seit April 2019 die Verordnung 2019/630 (NPL Backstop) in Kraft ist, die bei notleidenden Krediten ggf. zu einem Abzug vom harten Kernkapital führen kann.

2. Leitlinien Outsourcing

Die EBA-Leitlinien zu Auslagerungen wurden am 25.02.2019 veröffentlicht und treten am 30.09.2019 in Kraft. Die deutsche Aufsicht plant nach aktuellem Stand die Umsetzung folgender Regelungen zusätzlich zu den bereits bestehenden Vorgaben in AT 9 MaRisk:

  • Auslagerungsregister, das alle wesentlichen und unwesentlichen Auslagerungen enthält mit umfangreicheren vorgegebenen Mindestinhalten für wesentliche Auslagerungen und der Verpflichtung, das Register auf dem neuesten Stand zu halten,
  • Informationspflicht gegenüber der Aufsicht über geplante wesentliche Auslagerungen und wesentlich gewordene bestehende Auslagerungen sowie über wesentliche Änderungen und/oder schwere Vorfälle im Rahmen von bestehenden Auslagerungsverträgen sowie
  • Vereinfachungen für Gruppen und institutsbezogene Sicherungssysteme.

Aktuell sind keine Änderungen hinsichtlich der Erweiterung der Auslagerungsdefinition auf bankfremde Bereiche sowie der Erweiterung der Risikoanalyse vorgesehen.

Offen ist insbesondere der Umgang mit einer möglichen Erweiterung der Auslagerungssteuerung sowie der Umgang mit einer möglichen Prüfung vor Abschluss eines Auslagerungsvertrages.

Die BaFin und die Bundesbank planen, die Änderungen im Rahmen der teilweisen Umsetzung durch Anpassung der MaRisk sowie ggf. durch Änderungen der Anzeigenverordnung vorzunehmen.

3. Leitlinien zur Kreditvergabe und Überwachung

Am 19.06.2019 hat die EBA die Konsultation der Leitlinien zur Kreditvergabe und Überwachung begonnen. Die Leitlinien enthalten Standards für die Kreditwürdigkeitsprüfung und interne Governance-Regeln für die Gewährung und Überwachung von Krediten für den gesamten Lebenszyklus und sollen ab dem 30.06.2020 gelten.

PRAXISTIPPS

  • Analysieren Sie Ihre Ausgangssituation: Prüfen Sie Ihre Kredit- und Auslagerungsprozesse dahingehend, welche Anforderungen bislang noch nicht erfüllt sind, um für eine zeitnahe Umsetzung der neuen Anforderungen gewappnet zu sein.
  • Ermitteln Sie Ihre aktuelle NPL-Quote. Bei einer Quote nahe fünf Prozent bzw. darüber ist eine Überprüfung Ihrer Kreditprozese und Abgleich der Anforderungen mit den EBA-Leitlinien anzuraten.
  • Prüfen Sie bestehende Auslagerungsverträge, ob es sich um wesentliche oder unwesentliche Auslagerungen handelt und halten Sie die Mindestinformationen dazu vor.

SEMINARTIPPS

Neue MaRisk 2020, 17.03.2020, Frankfurt/M.

https://www.fc-heidelberg.de/produkt/neue-marisk-2020/

Prüfung AT 9 – Auslagerungen, 31.03.2019, Köln.

https://www.fc-heidelberg.de/produkt/pruefung-at-9-auslagerungen/

Neue MaRisk 2020: Fokus Risikomanagement, 06.05.2020, Frankfurt/M.

https://www.fc-heidelberg.de/produkt/neue-marisk-2020-fokus-risikomanagement/

Prüfung MaRisk-Vorgaben Kreditgeschäft, 27.05.2020, Köln.

https://www.fc-heidelberg.de/produkt/pruefung-marisk-vorgaben-kreditgeschaeft-2/

Auslagerungen im Fokus von neuer MaRisk & BAIT, 23.06.2019, Frankfurt/Offenbach.

https://www.fc-heidelberg.de/produkt/auslagerungen-im-fokus-von-neuer-marisk-bait/

BUCHTIPPS

Arbeitsbuch Neue Werthaltigkeits-/PAAR-Prüfungen im Kreditgeschäft, 2019.

https://www.fc-heidelberg.de/produkt/arbeitsbuch-neue-werthaltigkeits-paar-pruefungen-im-kreditgeschaeft/

Beckmann/Daumann/Horn/Thieking: Auslagerung nach MaRisk, 2018.

https://www.fc-heidelberg.de/produkt/auslagerung-nach-marisk/

 

KONTAKTDATEN

Björn Wehling
Geschäftsführer
Bereichsleiter Revision

Finanz Colloquium Heidelberg GmbH
Im Bosseldorn 30, 69126 Heidelberg
www.FC-Heidelberg.deTel.: +49 6221 99 89 8-31
Fax: +49 6221 99 89 8-99
Mobil: +49 152 557 16 232
E-Mail Bjoern.Wehling@FC-Heidelberg.de

 

Beitragsnummer: 84758

 

Prüfung Frühwarnverfahren

Frank Grunau, Direktor Interne Revision, Sparkasse Wilhelmshaven

Kosten senken ist eine schöne Übung, aller Ehren wert. Aber was ist, wenn die Risiken hierdurch plötzlich steigen? Man kann leicht den Überblick verlieren über all die Prozesse im Risikomanagement und Neuerungen im Aufsichtsrecht, aber dennoch ist die fortlaufende Investition in Technik und Qualifikation der Mitarbeiter erforderlich, um auch zukünftig den Anforderungen der Bankenaufsicht zu entsprechen.

Seit der Finanzkrise ist die Intensität regulatorischer Anforderungen im Bereich der Banksteuerung kontinuierlich gestiegen. Die Kreditinstitute müssen deshalb aktuell über die Entwicklungen in der regulatorischen Banksteuerung informiert sein, um sich damit dann intensiv im Gesamthaus auseinandersetzen zu können.

Die durch die MaRisk geforderten Frühwarnverfahren in einem Kreditinstitut müssen systematisch weiterentwickelt und u. a. durch die Interne Revision entsprechend überwacht werden. Hierunter fallen alle Tätigkeiten, die darauf ausgerichtet sind, Risiken frühzeitig und systematisch zu erfassen, zu steuern und zu überwachen.

Gesetzliche Grundlagen zum Risikomanagement findet man seit 1998 im KonTraG und in den §§ 91 und 93 AktG: „Der Vorstand hat geeignete Maßnahmen zu treffen, insbesondere ein Überwachungssystem einzurichten, damit den Fortbestand der Gesellschaft gefährdende Entwicklungen früh erkannt werden.“

Es ist für die Häuser wichtiger denn je, dass die Erreichung der unternehmerischen Ziele mit ausreichender Wahrscheinlichkeit sichergestellt wird. Mögliche, die Organisation beeinflussende Ereignisse müssen frühzeitig erkannt werden, um eine angemessene Reaktion zu ermöglichen.

Insbesondere die Interne Revision muss die Funktionsfähigkeit der Risikomanagementprozesse beurteilen und zu deren Verbesserung beitragen (International Professional Practices Framework)! Die Frühwarnverfahren in einem Kreditinstitut sind deshalb ein wesentlicher systemischer Prüfungsgegenstand in der Mehrjahresplanung.

SEMINARTIPPS

Prüfung Frühwarnverfahren, 08.10.2019, Frankfurt/M.

Vorstands-Berichtswesen: optimiert & aufsichtskonform, 21.10.2019, Frankfurt/M.

Aktuelle § 44er Sonderprüfungen im Meldewesen, 02.12.2019, Frankfurt/M.

Wichtigstes Kriterium für die Beurteilung von Frühwarnverfahren im Allgemeinen ist deren Wirksamkeit. Frühwarnverfahren, die dieses Kriterium nicht bzw. nur sehr eingeschränkt erfüllen, erzeugen ein trügerisches „Sicherheitsgefühl“. Die Notwendigkeit der Wirtschaftlichkeit und Angemessenheit der Frühwarnverfahren und der dazugehörigen Prozesse sind im Hinblick auf die erforderliche Effizienz ebenfalls kritisch zu überprüfen.

Für die Wirksamkeit der Frühwarnverfahren entscheidend sind zunächst die Qualität der Daten, die korrekte Parametrisierung der Systeme und die Nutzung vorhandener Schnittstellen. Falsche Frühwarnverfahren schränken die Aussagekraft ermittelter Risikoprofile stark ein und bergen die Gefahr von Fehlsteuerungen oder Unterschätzung der Risikosituation.

BERATUNGSANGEBOT

Fit für die Sonderprüfung nach § 44 KWG.

 

 

Die dadurch gestiegenen Anforderungen an die Prüfung der Frühwarnsysteme durch die Interne Revision sind deshalb durch eine entsprechende Prüfungsplanung und kompetente Prüfungshandlungen abzubilden. Wichtig ist hier die regelmäßige Prüfung der kontinuierlichen Anpassung der Verfahren und Methoden auf der Grundlage gesetzlicher, aufsichtlicher und risikobasierter Entwicklungen im Zeitablauf.

Die Interne Revision, als zentrale Funktion innerhalb des internen Überwachungssystems, sollte dabei angemessen in die Risikomanagementprozesse eingebettet werden. Dabei ist die Angemessenheit und Wirksamkeit der prozessintegrierten und prozessunabhängigen Überwachungsaktivitäten in der First und Second Line of Defense zu berücksichtigen.

PRAXISTIPPS

  • Die Beschreibung der definierten Indikatoren, Steuerungsmaßnahmen, Kontrollen und Überwachungsmaßnahmen sollte regelmäßig beurteilt werden (Sind diese systematisch und für sachkundige Dritte nachvollziehbar?).
  • Eignen sich die implementierten Risikosteuerungsmaßnahmen überhaupt (Wirken diese tatsächlich wie gewünscht auf das Risiko ein)?
  • Wird die Risikostrategie mit den definierten Maßnahmen insgesamt umgesetzt?
  • Prüfung der Eignung der implementierten Kontrollen (Können diese sicherstellen, dass die vom Management festgelegten Risikosteuerungsmaßnahmen korrekt und zeitgerecht durchgeführt werden?).
  • Vergessen Sie aber auch nicht, die Wirtschaftlichkeit gewählter Maßnahmen und Kontrollen zur Steuerung der identifizierten Risiken in die Beurteilung einzubeziehen!

 

Beitragsnummer: 83493

 

Zunehmende Bedeutung der Internen Revision im Auslagerungsprozess



Chancen und Risiken aus Auslagerungen als Ausgangspunkt des Prüfungs- und Beratungsansatzes der Internen Revision.

Gisela Conrads, Bereichsleiterin Interne Revision, Münchener Hypothekenbank eG.

I. Bedeutung der Auslagerung in der Kreditwirtschaft

Die Finanzwirtschaft in Deutschland befindet sich seit Jahren in einer Struktur- und Ertragskrise. In Zeiten der zunehmenden Dynamik im Umfeld der Kreditinstitute, des steigenden Kostendrucks und den Aspekten des „Lean Management“ darf auch das Thema „Outsourcing“ – sprich die Auslagerung von Aktivitäten und Prozessen – nicht fehlen. Dieses Instrument, welches in der Industrie bereits vor über 100 Jahren zur Effizienzsteigerung eingeführt wurde, findet in der Finanzwelt erst seit ca. 20 Jahren verstärkten Einsatz. Neben IT-Aktivitäten wurden dabei auch standardisierte Kreditprozesse auf preiswertere – häufig nicht regulierte – Dienstleister verlagert[1]. Dies hat auch die Bankenaufsicht erkannt, die u. a. 2001 entsprechende Regularien erlassen hat, die seither weiter modifiziert wurden und die Interne Revision des auslagernden Instituts in die Pflicht nehmen. Da die Internen Revisionen in der Kreditwirtschaft darüber hinaus seit Jahren gefordert sind, sich stärker beratend und präventiv insbesondere bei als „wesentlich“ eingestuften Auslagerungen einzusetzen, bietet dieses früher eher stiefmütterlich behandelte Prüfungsgebiet viele (Beratungs-)Ansatzpunkte für die Interne Revision. Der nachfolgende Beitrag soll exemplarisch aufzeigen, ...


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Depot A-Risiken – Methodische und prozessuale Anforderungen

Dominik Leichinger, Prüfungsleiter, Referat Bankgeschäftliche Prüfungen 2, Deutsche Bundesbank, Hauptverwaltung in NRW[1]

Die seit mehr als einer Dekade anhaltende Niedrigzinsphase, aber auch der zunehmende Wettbewerbsdruck innerhalb der Bankenbranche führen zu sinkenden Margen innerhalb des klassischen Kredit- und Einlagengeschäfts von Kreditinstituten und bergen damit Risiken für deren Ertragslage. In solchen Zeiten kommt der Zusammensetzung der von den Instituten gehaltenen Eigenanlagen – das sogenannte Depot A – eine immer größere Bedeutung zu. Während in der Vergangenheit die Hauptaufgabe der Eigenanlagen größtenteils in der Anlage und Steuerung der Liquiditätsposition eines Kreditinstituts bestand, ist heutzutage der mit den Eigenanlagen zu erzielende Ergebnisbeitrag nicht selten von herausgehobener Bedeutung.

So verwundert es nicht, dass neben den traditionellen Assetklassen (u. a. Staatsanleihen, Bankanleihen und Pfandbriefen) immer größere Anteile der Eigenanlagen in riskantere Anlageformen wie Corporates, Emerging-Marktes-Papiere, High-yield-Bonds oder Aktien fließen – um nur einige zu nennen. Darüber hinaus erfreuen sich auch Anlagen in Fonds immer größerer Beliebtheit bei den Kreditinstituten. Diese umfassen nicht nur Anlagen in Publikumsfonds, die in Renten und/oder Aktien investieren. Auch Immobilienfonds finden sich immer häufiger in den Eigenanlagen der Kreditinstitute. Ferner wächst seit einigen Jahren die Bedeutung von Spezialfonds, die bei einigen Instituten einen nicht unerheblichen Anteil der Eigenanlagen ausmachen. Bei diesen Spezialfonds handelt es sich überwiegend um eigens für ein Institut aufgelegtes Investmentvermögen, dessen Anlagestrategie individuell zwischen Kreditinstitut und der jeweiligen Kapitalverwaltungsgesellschaft festgelegt wird.

SEMINARTIPPS

RWA-Optimierung bei knapper werdendem Eigenkapital, 21.10.2019, Frankfurt/M.

Update 2019: BaFin-Rundschreiben zum Zinsänderungsrisiko im Anlagebuch, 07.11.2019, Hamburg.

Prüfung Spezialfonds, 13.11.2019, Frankfurt/M.

Depot A-Risiken: Wirksame Frühwarnverfahren & Stresstests(-Szenarien), 14.11.2019, Frankfurt/M.

Verbunden mit einer Neuausrichtung der Eigenanlagen ist regelmäßig auch eine Überarbeitung der strategischen Vorgaben notwendig. In Einklang mit den MaRisk hat die Geschäftsstrategie die Zielsetzung aller wesentlichen Geschäftsaktivitäten sowie die zu ihrer Erreichung erforderlichen Maßnahmen zu umfassen. In diesem Zusammenhang ist ebenfalls der Umgang mit den aus der Geschäftstätigkeit resultierenden Risiken in einer zur Geschäftsstrategie konsistenten Risikostrategie festzulegen.

Als Ausgangsbasis für die eingehende Analyse der mit der Neuausrichtung des Depot A verbundenen Risiken bietet sich der Prozess der Risikoinventur an. In Abhängigkeit von der konkreten Veränderung der Depot A-Ausrichtung, etwa in Form von Anlagen in neuen Produkten oder Märkten, kann für Zwecke der Risikoinventur auf die Ergebnisse aus zuvor durchlaufenen Neue-Produkte-Prozessen gem. AT 8.1 MaRisk zurückgegriffen werden. Unter Berücksichtigung der überarbeiteten aufsichtsrechtlichen Anforderungen an die Ausgestaltung von Risikotragfähigkeitskonzepten[2] ist zu beachten, dass im Rahmen der Risikoinventur die Risiken sowohl aus normativer als auch aus ökonomischer Perspektive zu betrachten sind, da beide Perspektiven zusammen einen integrierten Steuerungskreis für die Risikotragfähigkeit in Kreditinstituten bilden.

BUCHTIPP

Geiersbach/Prasser (Hrsg.), Praktikerhandbuch Stresstesting, 3. Aufl. 2017.

 

Für die aufsichtliche Beurteilung interner Verfahren zur Sicherstellung der Risikotragfähigkeit spielt die Beachtung von Konsistenzaspekten (vgl. Rd-Nr. 10 des überarbeiteten RTF-Leitfadens) eine wichtige Rolle. Sofern ein Institut nicht nur unwesentliche Volumina in Fondspositionen angelegt hat, folgt aus dem Konsistenzgebot die Anwendung der Transparenzmethode mittels Durchschau. Zum einen bedeutet dies, dass Positionen gegenüber denselben Emittenten innerhalb verschiedener Fondsanlagen und unter Berücksichtigung der Direktanlagen innerhalb des Depot A zusammenzuführen sind. Erst im Zuge einer Aggregation von Positionen gegenüber identischen Schuldnern können Risikokonzentrationen angemessen identifiziert, gemessen und gesteuert werden.

Zum anderen ist unter das Konsistenzgebot auch die Einheitlichkeit der Risikomessmethodik zu subsumieren, die für Zwecke der Risikoermittlung bei den Eigenanlagen herangezogen wird.

Neben den erwähnten methodischen Aspekten sind auch die prozessualen Vorgaben in Einklang mit der Zusammensetzung der Eigenanlagen und unter Berücksichtigung des Risikoprofils auszugestalten. Entsprechend den Anforderungen des BTO 1.1 Tz. 3 der MaRisk erfordert die Einrichtung eines Kontrahenten- oder Emittentenlimits stets eine Votierung aus der Marktfolge. Im Zuge des Durchschauprinzips gilt dies gleichermaßen für bedeutende Positionen innerhalb von Fondsanlagen.

Des Weiteren sind im Sinne eines angemessenen Risikomanagements auch die von einem Institut angewandten Verfahren zur Früherkennung von Risiken auf das Risikoprofil der Eigenanlagen abzustimmen. Zusätzlich zu empirischen Erkenntnissen aus der Vergangenheit bieten sich die Ergebnisse aus Stresstestanalysen oder im Rahmen von Validierungshandlungen durchgeführter Sensitivitätsanalysen zur Identifizierung und Auswahl risikosensitiver Frühwarnindikatoren an.

PRAXISTIPPS

  • Beurteilung der mit den Eigenanlagen verbundenen Risiken sowohl aus normativer als auch ökonomischer Perspektive über die gesamte Prozesskette des Risikomanagements (insb. Risikoinventur, Risikotragfähigkeitsanalyse, Stresstesting).
  • Konsequente Anwendung der Durchschaumethode für materielle Fondspositionen zur sachgerechten Erfassung und Steuerung von Risikokonzentrationen sowie Sicherstellung einer in sich konsistenten Risikomessung für den gesamten Eigenanlagebestand.
  • Festlegung geeigneter Frühwarnindikatoren zur Gewährleistung einer frühzeitigen Identifizierung eines sich abzeichnenden Risikoanstiegs bei den Eigenanlagen. Als Grundlage und Hilfestellung bieten sich Erkenntnisse aus der Risikoinventur, Validierungsergebnisse zur Überprüfung der Angemessenheit der Risikomessmethoden oder auch Stresstestanalysen an.
  1. Die in diesem Beitrag vertretenen Auffassungen geben die persönliche Meinung des Autors wieder und sind nicht notwendigerweise Positionen der Deutschen Bundesbank oder einer anderen Bankenaufsichtsbehörde.
  2. BaFin/Bundesbank, Aufsichtliche Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte und deren prozessualer Einbindung in die Gesamtbanksteuerung („ICAAP“) – Neuausrichtung, 2018.

 

Beitragsnummer: 74989

 

Governance-Anforderungen im ICAAP

Aufsichtsrechtliche Vorgaben zur Einbindung der Geschäftsleiter

Prof. Dr. Dirk Heithecker, Professur für Quantitative Methoden und Corporate Finance, Hochschule Hannover, und Fachreferent, Strategisches Risikomanagement, Volkswagen Bank GmbH[1]

In 2018 veröffentlichten die deutsche Bankenaufsicht und die EZB ihre Leitfäden mit den methodischen Vorgaben zur Umsetzung des ICAAP (Internal Capital Adequacy Prozess), der die Angemessenheit der Kapitalausstattung in Kreditinstituten sicherstellen soll (vgl. BaFin (2018): Aufsichtliche Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte; EZB (2018): Leitfaden der EZB für den ICAAP). Neben der Notwendigkeit der sachgerechten fachlichen Umsetzung der Anforderungen dieser Leitfäden und deren prozessuale Einbindung in die Gesamtbanksteuerung ist auf die ausreichende Implementierung in die Unternehmensführung (interne Governance) des Kreditinstitutes zu achten. In dem folgenden Beitrag werden die europäischen und nationalen Vorgaben hinsichtlich einer adäquaten Einbindung der Geschäftsleiter im Rahmen des ICAAP erörtert.

Möglichkeiten der Einbeziehung der Geschäftsleiter

Die sachgerechte Einbeziehung des Leitungsorgans in die Unternehmensprozesse ist eine der wesentlichen Voraussetzungen für eine solide Unternehmensführung und wird deshalb durch die europäische Bankenaufsicht gefördert (vgl. EBA (2018): Final Report – Guidelines on Internal Governance, S. 5). Das für die Mitwirkung im ICAAP bedeutende Leitungsorgan ist das Leitungsorgan mit Leitungsfunktion (MaRisk: Geschäftsleiter), d. h. der Vorstand oder die Geschäftsführung. Die Leitungsfunktion kann gemeinsam oder durch einzelne Vertreter ausgeübt werden. Im Rahmen des ICAAP wird hier vor allem die Einzelvertretung des Risikovorstands (CRO) von besonderer Bedeutung sein. Eine weitere Möglichkeit ist die Partizipation über Gremien oder Komitees, in denen Mitglieder der Leitungsfunktion vertreten sind – etwa in einem Eigenkapitalgremium oder Stresstestgremium. Die somit notwendige Konkretisierung der Art der Einbindung der Geschäftsleiter wird in den europäischen oder nationalen Anforderungen der Bankenaufsicht oftmals nicht eindeutig geregelt. In diesem Fall bedarf es der internen Auslegung des Kreditinstitutes, unter der Maßgabe der Proportionalität und der vorgesehenen Aufgabenverteilung eine sachgerechte Einbindung vorzusehen.

Aufgaben der Geschäftsleiter im ICAAP

In den deutschen Aufsichtsanforderungen wird der ICAAP als originäre Leitungsaufgabe bezeichnet und wesentliche Elemente und Annahmen sind durch die Geschäftsleiter zu verantworten. Wesentliche Elemente sind die Risikotragfähigkeitsrechnung nach der normativen und ökonomischen Perspektive, die eine Kapitalplanung bereits einschließt, und Stresstests. Zudem ist die Verknüpfung zu der Geschäfts- und Risikostrategie und den Risikosteuerungsprozessen, wie etwa der Limitierung, sicherzustellen (vgl. BaFin (2018), o. a., Tz. 14 und 16). Darüber hinaus gilt die allgemein gültige Gesamtverantwortung der Geschäftsleitung nach AT 3 MaRisk.

SEMINARTIPPS

Prüfung Kapitalplanungsprozess & ICAAP, 09.10.2019, Frankfurt/M.

Übergang Going Concern-Ansatz auf neue normative RTF-Perspektive, 22.10.2019, Frankfurt/M.

Neue ICAAP-/ILAAP-Grundsätze: Herausforderungen für die Banksteuerung, 23.10.2019, Frankfurt/M.

12. Hamburger Bankenaufsicht-Tage 2019, 04.–05.11.2019, Hamburg.

Prozessorientierte Schlüsselkontrollen im Fokus der Aufsicht, 03.12.2019, Frankfurt/M.

Deutlich präziser sind die Vorgaben der EZB, die in Deutschland in erster Linie durch die Geschäftsleiter auszuführen sein dürften und zudem vom ICAAP auf den ILAAP übertragbar sind (vgl. EZB (2018): Leitfaden der EZB für den ILAAP). Demnach müssen die Geschäftsleiter explizit sechs Kernelemente genehmigen: den Governance-Rahmen einschließlich der internen Dokumentation, das Ergebnis der Risikoinventur, die Quantifizierungsmethoden einschließlich der wesentlichen Annahmen und Parameter, den Rahmen für Stresstests und die jährliche Feststellung der Angemessenheit der Kapitalausstattung gegenüber der Aufsicht (vgl. nachfolgende Abb.). In diesem Zusammenhang ist unter der Berücksichtigung der Proportionalität festzulegen, bei welchen Kernelementen eine Delegation an den CRO in Verbindung mit einer Informationspflicht an alle Geschäftsleiter ausreichend ist. Zudem ist zu entscheiden, ob eine explizite Genehmigung gewünscht ist oder eine implizite Bewilligung ausreicht – etwa durch eine Vetomöglichkeit auf Basis ausreichender zeitlicher Disposition vor einer In-Kraft-Setzung. Neben der Genehmigung der Kernelemente sind interne Kontrollen – etwa unter Berücksichtigung eines Three-Lines-of-Defense-Modells (vgl. Ramke (2016): Three-Lines-of-Defense, in: Heithecker/Tschuschke: Geschäftsmodellanalyse) – zu berücksichtigen.

Abbildung: Genehmigungspflicht der Geschäftsleiter im ICAAP/ILAAP
(Quelle: eigene Darstellung nach EZB (2018), a. o., Tz. 15 bis 22)

Fazit

Die Einbindung der Geschäftsleiter in die Elemente des ICAAP ist im deutschen Aufsichtsrecht eher allgemein und grundsätzlich beschrieben. Konkrete Ansatzpunkte liefert hingegen der Leitfaden der EZB, der eine explizite Ausübung der Verantwortung der Geschäftsleiter durch Genehmigung vorsieht, aber auch Handlungsspielräume für die Delegation, etwa an den CRO, lässt. Die Vorgaben der EZB können als Maßstab einer soliden Unternehmensführung herangezogen werden.

PRAXISTIPPS

  • Überprüfen Sie die Einbindung der Geschäftsleiter in den ICAAP hinsichtlich Form (gesamthaft, einzeln, in Gremien) und Art (informativ, durch Genehmigung).
  • Erörtern Sie Vorteile einer Genehmigung der sechs EZB-Kernelemente für die Governance und entscheiden Sie über deren künftigen Umgang im ICAAP.
  • Analysieren Sie, ob Ihr ICAAP ausreichend interne Kontrollen vorsieht.

  1. Der Beitrag gibt ausschließlich persönliche Auffassungen und Einschätzungen des Autors wieder.

 

Beitragsnummer: 73347

Zielgerichtetes Prozessmanagement in der Risikosteuerung



Integration von Methoden aus Compliance, Risikomanagement und IKS

Prof. Dr. Ralf Kühn

Wirtschaftsprüfer, Geschäftsführer der Finance Audit GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Ettlingen

I. Ausgangslage

Das Prozessmanagement wird in vielen Instituten klassisch als Bestandteil der Ablauforganisation und ihrer Ausgestaltung betrachtet – und allzu oft eher formal im Rahmen von Dokumentationspflichten der schriftlich fixierten Ordnung betrieben. Dennoch setzt sich sukzessive die Erkenntnis durch, dass es wenig sinnvoll und faktisch unmöglich ist, von der „Umsetzung digitalen Wandels“ und von der „Digitalisierung von Prozessen“ zu sprechen, wenn es bereits an Transparenz und betriebswirtschaftlicher Effizienz der aktuellen Prozesse mangelt und kulturell nicht akzeptiert und verstanden wurde, dass Digitalisierung von Prozessen erfordert, dass diese klar, eindeutig und granular modelliert und ausgestaltet sind. Schließlich mag zwar irgendwann künstliche Intelligenz auch in der Lage sein, aus einem „Ablaufchaos“ einen effizienten und tatsächlich durch Menschen-Maschine-Interaktion implementierten Prozess zu „zaubern“: Es bleibt aber zu vermuten, dass diese Entwicklungsstufe noch nicht in den nächsten wenigen Jahren des bankbetrieblichen Managements erreicht sein wird.

Richtig ist damit natürlich: Ziel des Prozessmanagements ist auch die Dokumentation von Abläufen im Sinne einer transparenten Ablauforganisation und schriftlich fixierten Ordnung. Diese sind auch Voraussetzung einer ordnungsmäßigen Geschäftsorganisation im Sinne des § ...


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Verschärfte Anforderungen für notleidende Kredite in Säule 1 und 2



Einführung der Mindestrisikovorsorge („NPL Prudential Backstop“) in Säule 1 sowie Überarbeitung des Managements von notleidenden Krediten in Säule 2

Tim-Oliver Engelke, Referent Gesamtbanksteuerung und Bankenaufsichtsrecht, Verband der Sparda-Banken e.V.[1]

I. Einführung ins Thema

„Die Behandlung notleidender Kredite steht im Rahmen der europäischen Bankenaufsicht ganz weit oben auf der Agenda und wird dort, davon bin ich fest überzeugt, noch eine Weile bleiben.“

So äußerte sich Felix Hufeld, Präsident der BaFin, in einem Redaktionsgespräch Ende 2018 zur Bedeutung von notleidenden Krediten in Europa. Das Thema hinsichtlich der Gefahr von notleidenden Krediten und deren Behandlung ist längst zum europäischen Politikum geworden. Ein Blick in die aktuellen Arbeitsprogramme bzw. aufsichtlichen Prüfungsschwerpunkte der BaFin, Deutschen Bundesbank und EZB zeigt, dass das Thema Kreditrisiko und die Behandlung notleidender Kredite verstärkt im Fokus der Aufsicht liegen.

Gemäß der EBA lag das Volumen an notleidenden Krediten in der Eurozone im Jahr 2014 bei über 1,1 Bio. €. Banken mit großen NPL-Beständen stellen eine erhebliche Gefahr für die Finanzstabilität und den Erfolg der Bankenunion dar. Notleidende Kredite belasten Ressourcen durch die Bindung von Eigenkapital und beeinträchtigen die Vergabe von Krediten zur Unterstützung der Realwirtschaft. Das politische Ziel in ...


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Individuelle Datenverarbeitung mit Excel – Best Practice



Test- und Freigabeverfahren standardisieren und erfolgreich einsetzen[1]

Annika Rüder, M. Sc., Spezialistin Risikocontrolling, comdirect bank AG

Noel Boka, M. Sc., Abteilungsleiter Controlling, VR Bank Niederbayern-Oberpfalz eG[2]

I. Einleitende Worte

Erscheinen die Anforderungen der MaRisk und der BAIT zum Management von IDV-Dateien in der Institutspraxis angekommen zu sein, so stellt sich unmittelbar hierauf aufbauend die Frage der Standardisierung und der Übertragbarkeit eines Best-Practice-Ansatzes. Sei die formale Integration in den Risikomanagement-Kreislauf als abgeschlossen zu beurteilen[3], stellt sich gleichwohl die Frage, ob auch für die Test- und Freigabeverfahren Standards und Qualitätsvorgaben bestehen. Der nachfolgende Beitrag greift diesen Gedanken auf und stellt verschiedene Wege zu Test- und Freigabeverfahren vor. Es soll als Ziel formuliert werden, eine Best Practice-Standardisierung aufzuzeigen und hiermit den Grundstein einer effizienten, betriebswirtschaftlich sinnvollen und ressourcenschonenden Vorgehensweise beizutragen.

II. Regulatorisches

Insbesondere durch die neuste MaRisk- und BAIT-Novelle hat die Bank bei der Anwendungsentwicklung Rahmenbedingungen zu schaffen, die betreffend

  • der Auswahl und Beschaffung,
  • der Entwicklung und Pflege,
  • der Test- und Freigabeverfahren, sowie
  • der Verfahrensdokumentation und Archivierung

geeignete Regelungen enthalten[4]. Dies umschließt auch Mustervorgehen und harmonisierte Antrags- und Zulassungsverfahren. Weitergehend kann eine Unterscheidung ...


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Wie wichtig ist Nachhaltigkeit bei der Start-up-Finanzierung?



Start-up-Unternehmen können sich mit Nachhaltigkeit besser am Markt positionieren. Banken schauen hier vor allem auf ökonomische Nachhaltigkeit.

     

Prof. Dr. Riccardo Wagner, Leiter der Media Faculty am Campus Stuttgart der Macromedia Hochschule, Professor für digitale Markenführung und Kommunikation,

         

Silke Oestreicher, Studentin der Betriebswirtschaftslehre an der Macromedia Hochschule Stuttgart,

         

Anela Rama, Studentin der Betriebswirtschaftslehre an der Macromedia Hochschule Stuttgart,

         

Heiko Reichle, Student der Betriebswirtschaftslehre an der Macromedia Hochschule Stuttgart.

I. Einleitung

Kennen Sie noch ein Unternehmen, das nicht nachhaltig arbeiten will? Richtig, das dürfte schwer zu finden sein. Doch Nachhaltigkeit verkommt nicht selten zum reinen Marketingansatz und bei einem genaueren Blick bleibt nicht viel übrig, außer vielleicht gute Intentionen. Das muss jedoch nicht sein. So ist Nachhaltigkeit mit seinen drei Dimensionen der ökologischen, sozialen und ökonomischen Nachhaltigkeit nicht nur umfassend definiert, sondern zahlreiche Studien haben einen positiven Beitrag von Nachhaltigkeit zum ökonomischen Erfolg, zur Markenbildung und nicht zuletzt zu Kunden- und Mitarbeitergewinnung und ...


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Bachelorwissen Banking: Zielführender Einsatz der Marktzinsmethode

Dr. Björn Grabbe, Spezialist, Gesamtbanksteuerung, Deutsche Apotheker- und Ärztebank, Lehrbeauftragter an der Allensbach Hochschule

Die Marktzinsmethode ist nach wie vor das modernste Verfahren der Zinsergebnisspaltung und wird sowohl von den Kalkulationssystemen des Sparkassen- und Genossenschaftsbankensektors als auch von den Systemen unabhängiger Anbieter angewendet. Der Grund hierfür ist, dass die Marktzinsmethode das einzige Verfahren ist, das eine verursachungsgerechte und objektive Aufspaltung des Zinsüberschusses ermöglicht.

Grundkonzept der Marktzinsmethode

Die Marktzinsmethode dient der Aufspaltung des Zinsüberschusses auf Aktiv- und Passivgeschäfte. Zudem wird derjenige Ergebnisbeitrag isoliert, der ausschließlich aus Fristigkeitsunterschieden zwischen den Bilanzseiten resultiert. So wird eine verursachungsgerechte und grenznutzenorientierte Kalkulation bis auf Einzelgeschäftsebene erreicht. Der Vergleich von Kundengeschäften mit der Zinsstrukturkurve aus Geld- und Kapitalmarktgeschäften führt zudem zu einer Objektivierung der Kalkulationsergebnisse.

SEMINARTIPPS

Übergang Going Concern-Ansatz auf neue normative RTF-Perspektive, 22.10.2019, Frankfurt/M.

Neue ICAAP-/ILAAP-Grundsätze: Herausforderungen für die Banksteuerung, 23.10.2019, Frankfurt/M.

Barwert(nahe) Steuerung im neuen RTF-Leitfaden für Praxis & Prüfung, 06.11.2019, Hamburg.

Update 2019: BaFin-Rundschreiben zum Zinsänderungsrisiko im Anlagebuch, 07.11.2019, Hamburg.

Die Zinsstrukturkurve zeigt, in Abhängigkeit von der Laufzeit, zu welchen Zinssätzen die Bank aktuell Geld aufnehmen oder ausleihen kann. Laufzeiten von bis zu einem Jahr bezeichnet man dabei als Geldmarkt, Laufzeiten darüber hinaus als Kapitalmarkt. Die Zinsstrukturkurve hat üblicherweise eine „normale“ Form, d. h. die Zinssätze steigen in Abhängigkeit von der Laufzeit. Verwendet werden üblicherweise weitestgehend risikolose Zinssätze, beispielsweise Swap-Sätze.

BUCHTIPP

Reuse (Hrsg.), Zinsrisikomanagement 3. Aufl. 2019

 

 

Die Vorteilhaftigkeit von Einzelgeschäften resultiert aus der Differenz zwischen den Kapitalmarktkonditionen und den vereinbarten Kundenkondition und wird daher Konditionsbeitrag genannt. Auf der Aktivseite entspricht der Konditionsbeitrag dem Mehrertrag des Kundengeschäfts gegenüber einem vergleichbaren Geld- und Kapitalmarkt (GKM)-Geschäft, d. h. Konditionsbeitrag Aktiv = Zinsertrag Kunde – GKM-Zins-Aktiv.

Auf der Passivseite ist es genau umgekehrt. Der Konditionsbeitrag ist der Minderaufwand des Kundengeschäfts gegenüber einem vergleichbaren GKM-Geschäft, d. h. Konditionsbeitrag Passiv = GKM-Zins-Passiv – Zinsaufwand Kunde.

Die zwischen dem GKM-Zins-Aktiv und GKM-Zins-Passiv verbleibende Differenz bezeichnet man als Strukturbeitrag, da dieser Ergebnisbeitrag nur aus der Struktur der Zinskurve und damit aus laufzeitabhängigen Zinsunterschieden resultiert.

Abbildung 1: Spaltung des Zinsüberschusses in Konditions- und Strukturbeitrag

Das Herauslösen des Strukturbeitrages aus dem Zinsüberschuss ist aus den folgenden Gründen sinnvoll:

  1. Ein Ergebnisbeitrag aus Fristentransformation ist auch ohne Kundengeschäft erzielbar, indem die Bank kurzfristig Geld am GKM aufnimmt und langfristig ausleiht. Dem entsprechend sollte der Strukturbeitrag auch separat ausgewiesen werden.
  2. Aus Fristentransformation ergeben sich Zinsänderungsrisiken daraus, dass die kurzfristige Refinanzierung früher ersetzt werden muss als die langfristige Geldanlage. Liegt dann das Zinsniveau über dem ursprünglichen Niveau, reduziert sich die Bruttozinsspanne. Dieses Risiko ist nur auf Gesamtbankebene steuerbar, i. d. R. durch den Bereich Treasury. Aus diesem Grund sollten die mit dem Risiko korrespondierenden Ertragspotenziale ebenfalls dem Bereich Treasury zugerechnet werden.
  3. Für einen Kundenberater sollte es unerheblich sein, welche Laufzeit die Produkte haben, die er seinen Kunden verkauft. Er sollte sich hierbei v. a. am Bedarf des Kunden orientieren. Zudem ist er nicht in der Lage und es gehört nicht zu seinen Aufgaben, die Zinsfristentransformation der Bank zu beurteilen oder gar durch gezielten Produktverkauf zu beeinflussen. Von Chancen und Risiken aus Fristentransformation ist er daher freizustellen.

Merksätze

  • Die Marktzinsmethode teilt den Zinsüberschuss verursachungsgerecht in einen Konditions- und einen Strukturbeitrag auf und damit zwischen Vertriebseinheiten und Treasury.
  • Der Konditionsbeitrag stellt den Mehrertrag bzw. Minderaufwand eines Einzelgeschäfts gegenüber einem strukturkongruenten Geld- und Kapitalmarktgeschäft dar.
  • Der Strukturbeitrag ist der Teil der Zinsspanne, der sich nur aus Laufzeitinkongruenzen der Aktiv- und Passivseite der Bilanz ergibt. Bei normal geformter Zinskurve stellt der Strukturbeitrag eine Laufzeitprämie von längeren gegenüber kürzeren Laufzeiten dar.

Infos zum BWL-Bachelor (B.A.) mit Schwerpunkt Banking der Allensbach Hochschule im Online-Studium, das auch berufsbegleitend möglich ist, finden Sie unter: https://www.fc-heidelberg.de/hochschulweiterbildung/bachelor-finance/

 

Beitragsnummer: 61049