Individuelle Datenverarbeitung mit Excel – Best Practice

Test- und Freigabeverfahren standardisieren und erfolgreich einsetzen[1]

Annika Rüder, M. Sc., Spezialistin Risikocontrolling, comdirect bank AG

Noel Boka, M. Sc., Abteilungsleiter Controlling, VR Bank Niederbayern-Oberpfalz eG[2]

I. Einleitende Worte

Erscheinen die Anforderungen der MaRisk und der BAIT zum Management von IDV-Dateien in der Institutspraxis angekommen zu sein, so stellt sich unmittelbar hierauf aufbauend die Frage der Standardisierung und der Übertragbarkeit eines Best-Practice-Ansatzes. Sei die formale Integration in den Risikomanagement-Kreislauf als abgeschlossen zu beurteilen[3], stellt sich gleichwohl die Frage, ob auch für die Test- und Freigabeverfahren Standards und Qualitätsvorgaben bestehen. Der nachfolgende Beitrag greift diesen Gedanken auf und stellt verschiedene Wege zu Test- und Freigabeverfahren vor. Es soll als Ziel formuliert werden, eine Best Practice-Standardisierung aufzuzeigen und hiermit den Grundstein einer effizienten, betriebswirtschaftlich sinnvollen und ressourcenschonenden Vorgehensweise beizutragen.

II. Regulatorisches

Insbesondere durch die neuste MaRisk- und BAIT-Novelle hat die Bank bei der Anwendungsentwicklung Rahmenbedingungen zu schaffen, die betreffend

  • der Auswahl und Beschaffung,
  • der Entwicklung und Pflege,
  • der Test- und Freigabeverfahren, sowie
  • der Verfahrensdokumentation und Archivierung

geeignete Regelungen enthalten[4]. Dies umschließt auch Mustervorgehen und harmonisierte Antrags- und Zulassungsverfahren. Weitergehend kann eine Unterscheidung ...


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Wie wichtig ist Nachhaltigkeit bei der Start-up-Finanzierung?

Start-up-Unternehmen können sich mit Nachhaltigkeit besser am Markt positionieren. Banken schauen hier vor allem auf ökonomische Nachhaltigkeit.

     

Prof. Dr. Riccardo Wagner, Leiter der Media Faculty am Campus Stuttgart der Macromedia Hochschule, Professor für digitale Markenführung und Kommunikation,

         

Silke Oestreicher, Studentin der Betriebswirtschaftslehre an der Macromedia Hochschule Stuttgart,

         

Anela Rama, Studentin der Betriebswirtschaftslehre an der Macromedia Hochschule Stuttgart,

         

Heiko Reichle, Student der Betriebswirtschaftslehre an der Macromedia Hochschule Stuttgart.

I. Einleitung

Kennen Sie noch ein Unternehmen, das nicht nachhaltig arbeiten will? Richtig, das dürfte schwer zu finden sein. Doch Nachhaltigkeit verkommt nicht selten zum reinen Marketingansatz und bei einem genaueren Blick bleibt nicht viel übrig, außer vielleicht gute Intentionen. Das muss jedoch nicht sein. So ist Nachhaltigkeit mit seinen drei Dimensionen der ökologischen, sozialen und ökonomischen Nachhaltigkeit nicht nur umfassend definiert, sondern zahlreiche Studien haben einen positiven Beitrag von Nachhaltigkeit zum ökonomischen Erfolg, zur Markenbildung und nicht zuletzt zu Kunden- und Mitarbeitergewinnung und ...


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Bachelorwissen Banking: Zielführender Einsatz der Marktzinsmethode

Dr. Björn Grabbe, Spezialist, Gesamtbanksteuerung, Deutsche Apotheker- und Ärztebank, Lehrbeauftragter an der Allensbach Hochschule

Die Marktzinsmethode ist nach wie vor das modernste Verfahren der Zinsergebnisspaltung und wird sowohl von den Kalkulationssystemen des Sparkassen- und Genossenschaftsbankensektors als auch von den Systemen unabhängiger Anbieter angewendet. Der Grund hierfür ist, dass die Marktzinsmethode das einzige Verfahren ist, das eine verursachungsgerechte und objektive Aufspaltung des Zinsüberschusses ermöglicht.

Grundkonzept der Marktzinsmethode

Die Marktzinsmethode dient der Aufspaltung des Zinsüberschusses auf Aktiv- und Passivgeschäfte. Zudem wird derjenige Ergebnisbeitrag isoliert, der ausschließlich aus Fristigkeitsunterschieden zwischen den Bilanzseiten resultiert. So wird eine verursachungsgerechte und grenznutzenorientierte Kalkulation bis auf Einzelgeschäftsebene erreicht. Der Vergleich von Kundengeschäften mit der Zinsstrukturkurve aus Geld- und Kapitalmarktgeschäften führt zudem zu einer Objektivierung der Kalkulationsergebnisse.

SEMINARTIPPS

Übergang Going Concern-Ansatz auf neue normative RTF-Perspektive, 22.10.2019, Frankfurt/M.

Neue ICAAP-/ILAAP-Grundsätze: Herausforderungen für die Banksteuerung, 23.10.2019, Frankfurt/M.

Barwert(nahe) Steuerung im neuen RTF-Leitfaden für Praxis & Prüfung, 06.11.2019, Hamburg.

Update 2019: BaFin-Rundschreiben zum Zinsänderungsrisiko im Anlagebuch, 07.11.2019, Hamburg.

Die Zinsstrukturkurve zeigt, in Abhängigkeit von der Laufzeit, zu welchen Zinssätzen die Bank aktuell Geld aufnehmen oder ausleihen kann. Laufzeiten von bis zu einem Jahr bezeichnet man dabei als Geldmarkt, Laufzeiten darüber hinaus als Kapitalmarkt. Die Zinsstrukturkurve hat üblicherweise eine „normale“ Form, d. h. die Zinssätze steigen in Abhängigkeit von der Laufzeit. Verwendet werden üblicherweise weitestgehend risikolose Zinssätze, beispielsweise Swap-Sätze.

BUCHTIPP

Reuse (Hrsg.), Zinsrisikomanagement 3. Aufl. 2019

 

 

Die Vorteilhaftigkeit von Einzelgeschäften resultiert aus der Differenz zwischen den Kapitalmarktkonditionen und den vereinbarten Kundenkondition und wird daher Konditionsbeitrag genannt. Auf der Aktivseite entspricht der Konditionsbeitrag dem Mehrertrag des Kundengeschäfts gegenüber einem vergleichbaren Geld- und Kapitalmarkt (GKM)-Geschäft, d. h. Konditionsbeitrag Aktiv = Zinsertrag Kunde – GKM-Zins-Aktiv.

Auf der Passivseite ist es genau umgekehrt. Der Konditionsbeitrag ist der Minderaufwand des Kundengeschäfts gegenüber einem vergleichbaren GKM-Geschäft, d. h. Konditionsbeitrag Passiv = GKM-Zins-Passiv – Zinsaufwand Kunde.

Die zwischen dem GKM-Zins-Aktiv und GKM-Zins-Passiv verbleibende Differenz bezeichnet man als Strukturbeitrag, da dieser Ergebnisbeitrag nur aus der Struktur der Zinskurve und damit aus laufzeitabhängigen Zinsunterschieden resultiert.

Abbildung 1: Spaltung des Zinsüberschusses in Konditions- und Strukturbeitrag

Das Herauslösen des Strukturbeitrages aus dem Zinsüberschuss ist aus den folgenden Gründen sinnvoll:

  1. Ein Ergebnisbeitrag aus Fristentransformation ist auch ohne Kundengeschäft erzielbar, indem die Bank kurzfristig Geld am GKM aufnimmt und langfristig ausleiht. Dem entsprechend sollte der Strukturbeitrag auch separat ausgewiesen werden.
  2. Aus Fristentransformation ergeben sich Zinsänderungsrisiken daraus, dass die kurzfristige Refinanzierung früher ersetzt werden muss als die langfristige Geldanlage. Liegt dann das Zinsniveau über dem ursprünglichen Niveau, reduziert sich die Bruttozinsspanne. Dieses Risiko ist nur auf Gesamtbankebene steuerbar, i. d. R. durch den Bereich Treasury. Aus diesem Grund sollten die mit dem Risiko korrespondierenden Ertragspotenziale ebenfalls dem Bereich Treasury zugerechnet werden.
  3. Für einen Kundenberater sollte es unerheblich sein, welche Laufzeit die Produkte haben, die er seinen Kunden verkauft. Er sollte sich hierbei v. a. am Bedarf des Kunden orientieren. Zudem ist er nicht in der Lage und es gehört nicht zu seinen Aufgaben, die Zinsfristentransformation der Bank zu beurteilen oder gar durch gezielten Produktverkauf zu beeinflussen. Von Chancen und Risiken aus Fristentransformation ist er daher freizustellen.

Merksätze

  • Die Marktzinsmethode teilt den Zinsüberschuss verursachungsgerecht in einen Konditions- und einen Strukturbeitrag auf und damit zwischen Vertriebseinheiten und Treasury.
  • Der Konditionsbeitrag stellt den Mehrertrag bzw. Minderaufwand eines Einzelgeschäfts gegenüber einem strukturkongruenten Geld- und Kapitalmarktgeschäft dar.
  • Der Strukturbeitrag ist der Teil der Zinsspanne, der sich nur aus Laufzeitinkongruenzen der Aktiv- und Passivseite der Bilanz ergibt. Bei normal geformter Zinskurve stellt der Strukturbeitrag eine Laufzeitprämie von längeren gegenüber kürzeren Laufzeiten dar.

Infos zum BWL-Bachelor (B.A.) mit Schwerpunkt Banking der Allensbach Hochschule im Online-Studium, das auch berufsbegleitend möglich ist, finden Sie unter: https://www.fc-heidelberg.de/hochschulweiterbildung/bachelor-finance/

 

Beitragsnummer: 61049

Prüfung der mathematischen Risikomessungs- und -steuerungsverfahren durch die IR

Christoph E. Rakowski, Direktor/Leiter Revision, Deutsche Factoring Bank

Die zunehmende Regulierungsdichte stellt zusätzlich zu den dadurch entstehenden hohen Kosten ein besonders hohes Risiko für kleine und mittelgroße Institute dar.

Da die Regeln gem. SSM alle Finanzinstitute innerhalb der EU betreffen, wurde in der CRD festgelegt, dass Banken stets Risikomess- und -steuerungsverfahren einsetzen müssen, die ihre Geschäftsaktivitäten und die darin enthaltenen Risiken sowie die Größe, Komplexität und den Risikogehalt der Bank und ihre Bedeutung für das gesamte Bankensystem entsprechend berücksichtigen. Nicht zuletzt ist es eine der Aufgaben der Aufsicht innerhalb des SREP-Verfahrens (Säule II = Marktdisziplin) die Angemessenheit der internen Risikomessung und Steuerung zu beurteilen.

 

 

 

SEMINARTIPPS

Prüfung Rating-Prozesse, 04.06.2019, Frankfurt/M.

Prüfungsrisiko uneinheitliche Risikobewertung, 08.10.2019, Frankfurt/M.

IKS-Prüfungen durch die Bundesbank, 06.11.2019, Hamburg.

Prüfung der Internen Revision durch die Bankenaufsicht, 07.–08.11.2019, Hamburg.

 

Die deutsche Aufsicht deklarierte als Ziel, dem Proportionalitätsprinzip Geltung zu verschaffen und eine angemessene Berücksichtigung der individuellen Institutsverhältnisse zu gewährleisten. Ein Problem, insbesondere für die vielen kleinen Institute, ist hierbei jedoch die Tatsache, dass eine mathematisch-statistische Modellierung der aufsichtsrechtlichen Vorgaben bei vielen Instituten aufgrund der fehlenden statistischen Daten nur mit Einsatz kostenintensiver Beratungsgesellschaften darstellbar ist. Dementsprechend findet dort die Herleitung der Maßnahmen oft auf Basis von Expertenschätzungen statt, die jedoch mathematisch nicht hinreichend unterlegt sind.

Die Anforderungen an die Analyse der Belastbarkeit des Verfahrens zur Risikoquantifizierung unterliegen grundsätzlich einer Proportionalität. In den Erläuterungen stellte die Aufsicht ebenfalls klar, dass bei einfachen und transparenten Verfahren, die erkennbar konservativ sind, keine tiefgehende Analyse durchzuführen ist. Demgegenüber müssen vergleichsweise komplexe Verfahren umfassend quantitativ und qualitativ validiert werden.

Ein Modell ist in der Praxis als „komplex“ anzusehen, wenn man nicht eindeutig vorhersagen kann, wie sich die Veränderung eines Parameters auf das Modell auswirkt. Im Gegensatz dazu ist ein sog. „einfaches“ Modell dadurch charakterisiert, dass man die Auswirkungen eindeutig vorhersagen kann, bzw. dass man auf Basis vollständiger Informationen über Komponenten und Wechselwirkungen das Gesamtverhalten des Modells vorhersagen kann. Die Eingruppierung ob ein Modell „einfach“ oder „komplex“ ist, ist gleichwohl zwingend regelmäßig zu prüfen.

Das Problem in der Anwendungspraxis ist jedoch die Voraussetzung, dass die Heuristiken und kognitiven Verzerrungen grundsätzlich berücksichtigt und kontrolliert werden müssen, wenn Expertenschätzungen maßgeblich zur Risikoquantifizierung eingesetzt werden. Auch in diesem Fall sind die Schätzung und ihre Begründung in einer für sachkundige Dritte nachvollziehbaren Form und Detaillierung zu dokumentieren. Hierbei ist jedoch die Erfahrung aus den aufsichtsrechtlichen Prüfungen, dass die Schätzprozesse i. d. R. nicht die Anforderungen an ein transparentes Verfahren erfüllen. Ergo sind auch für Expertenschätzungen die Anforderungen aus AT 4.1 Tz. 9 sinngemäß relevant, da die abgeleiteten Annahmen voraussetzen, dass das Institut plausibel darlegen kann, inwiefern die zugrunde liegenden Daten die tatsächlichen Verhältnisse des Instituts angemessen widerspiegeln.

Deshalb ist bei Prüfung des mathematischen Risikomessungs- und -steuerungsmodells durch die Interne Revision sowohl eine Entwicklungs- als auch eine Validierungsstichprobe vorzunehmen, d. h. es ist zwingend eine umfassende Prüfung des mathematischen Modells vorzunehmen. Eine Plausibilisierung der Validierungsergebnisse unabhängig davon, ob es im Risikocontrolling oder durch einen sachkundigen Dritten durchgeführt wurde, ist nicht ausreichend. Diese Anforderung zwingt die Interne Revision zu einer entsprechenden Personalausstattung mit dem Schwerpunkt Risikocontrolling und mathematisch-stochastischer Ausbildung.

 

 

PRAXISTIPPS

  • Ist das Institut jederzeit ohne weitere Maßnahmen in der Lage, die Ziele des Geschäftsmodells kapitalseitig zu verfolgen bzw. zu tragen?
  • Ist die Konsistenz von Geschäfts-, Risikostrategie und Kapitalplanung jederzeit gegeben?
  • Sind adverse Szenarien hinreichend advers, konsistent und berücksichtigen alle Parameter und Ursachen? Gibt es eine nachvollziehbare und hinreichende Beschreibung der Szenarien und ihrer Annahmen sowie eine angemessene Berichterstattung?
  • Wurde der Verzicht der Berücksichtigung des KEPs angemessen gegenüber dem Vorstand und dem Aufsichtsorgan offengelegt?
  • Wurde für den vorzuhaltenden Puffer zwischen Risikodeckungspotenzial und Gesamtbanklimit ein Schwellenwert festgelegt?
  • Wurde das Gesamtbanklimit explizit im Ampelsystem berücksichtigt, um eine Steuerungswirkung zu entfalten?

 

 

Beitragsnummer: 61014

Aufsichtliche Ermittlung und Bedeutung der Eigenmittelzielkennziffer

Dominik Leichinger, Prüfungsleiter, Referat Bankgeschäftliche Prüfungen 2, Hauptverwaltung in NRW, Deutsche Bundesbank[1]

Im Rahmen der Umsetzung der EBA-Leitlinien zu gemeinsamen Verfahren und Methoden für den aufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozess (SREP) werden für weniger bedeutende Kreditinstitute (less significant institutions, kurz LSI) in Deutschland institutsspezifische Kapitalanforderungen durch die BaFin festgelegt.

Zusätzlich zu den gem. CRR vorzuhaltenden Eigenmitteln für Adressenausfall-, operationelle und Marktpreisrisiken des Handelsbuchs (Kapitalanforderungen nach Säule I) umfasst die institutsindividuell festgesetzte Kapitalanforderung weitere vom Institut als wesentlich eingestufte Risiken. Letztere werden nicht über vorgegebene Berechnungsverfahren in der CRR, sondern im Wesentlichen auf Basis institutsinterner Risikomessmethoden ermittelt. Insofern finden die innerhalb des ICAAP (Säule II) berücksichtigten Risikoarten und -methoden Eingang in die SREP-Kapitalfestsetzung. Da die Kapitalfestsetzung neben Komponenten der Säule I auch solche der Säule II beinhaltet, wird diese häufig auch als sog. Säule I Plus-Ansatz bezeichnet.

Analog zur SREP-Kapitalfestsetzung wird den Kreditinstituten eine Eigenmittelzielkennziffer – kurz EMZK – durch die BaFin mitgeteilt. Im Gegensatz zur SREP-Kapitalfestsetzung, bei der es sich um eine harte Kapitalanforderung handelt (auch als Pillar II Requirements bezeichnet, kurz P2R), stellt die EMZK eine über die SREP-Kapitalfestsetzung hinausgehende aufsichtliche Erwartungsgröße (auch als Pillar II Guidance bezeichnet, kurz P2G) an die Eigenmittelausstattung der Institute dar.

SEMINARTIPPS

RWA-Optimierung bei knapper werdendem Eigenkapital, 21.10.2019, Frankfurt/M.

Übergang Going Concern-Ansatz auf neue normative RTF-Perspektive, 22.10.2019, Frankfurt/M.

Neue ICAAP-/ILAAP-Grundsätze: Herausforderungen für die Banksteuerung, 23.10.2019, Frankfurt/M.

Neue RTF-Praxis:(un)sachgerechte adverse Szenarien als Herausforderung, 24.10.2019, Frankfurt/M.

Barwert(nahe) Steuerung im neuen RTF-Leitfaden für Praxis & Prüfung, 06.11.2019, Hamburg.

In ähnlicher Weise wie der über die SREP-Kapitalfestsetzung hinaus von den Instituten vorzuhaltende Kapitalerhaltungspuffer nach § 10c KWG verfolgt der durch die EMZK vorgegebene Kapitalzuschlag das Ziel einer langfristigen Einhaltung harter Kapitalanforderungen – auch in Stressphasen. Aufgrund der Zielsetzung basiert die Ermittlung der EMZK überwiegend auf Ergebnissen aufsichtlich vorgegebener Stresstests. Noch bilden die im Rahmen der Niedrigzinsumfeld-Umfrage 2017 (kurz NZU 2017) von den Instituten zurückgemeldeten Stresstestergebnisse die Ausgangsbasis. Erst kürzlich hat die Aufsicht ihre aktuelle Stresstestumfrage 2019 zur Einschätzung der Ertragslage und Widerstandsfähigkeit an die Institute adressiert. Die hieraus resultierenden Ergebnisse werden insofern die Ausgangsgrundlage für die Aktualisierung der EMZK bilden.

Auch wenn bisher von der Aufsicht kein konkretes Berechnungsschema zur Ermittlung der EMZK veröffentlicht wurde, so geben die EBA/GL/2018/03 den Rahmen für die Ableitung der P2G-Kapitalanforderungen vor. Demnach sind zur Beurteilung der Eigenkapitalausstattung unter Stressbedingungen sowohl qualitative Erkenntnisse (u. a. Angemessenheit der Risikomanagement-Prozesse) aus dem SREP als auch quantitative Auswirkungen von aufsichtlichen und institutsinternen Stresstests auf die Risikotragfähigkeit eines Instituts zu beachten. Letzteres beinhaltet auch die Stresswirkung auf die regulatorischen Eigenmittel und die Höhe der risikogewichteten Aktiva.

Die mit der EMZK adressierten Kapitalanforderungen können mit denen des Kapitalerhaltungspuffers verrechnet werden. Insofern begründet die EMZK für 2019 nur dann für Institute einen zusätzlichen Kapitalzuschlag, wenn diese oberhalb von 2,5 % liegt (gem. Basel III in 2019 vorzuhaltende Größenordnung für den Kapitalerhaltungspuffer). Sofern die rechnerische EMZK unterhalb der Kapitalpufferanforderungen liegt, wird eine EMZK von null festgesetzt. Der den Kapitalerhaltungspuffer übersteigende Anteil der EMZK kann neben Eigenmitteln gem. § 92 CRR auch durch ungebundene stille Reserven nach § 340f HGB abgedeckt werden.

Anders als bei Unterschreiten der harten SREP-Kapitalanforderungen führt die Nichteinhaltung der EMZK nicht automatisch zu aufsichtsrechtlichen Maßnahmen. Gleichwohl behält sich die Aufsicht, als Konsequenz im Falle einer unterhalb der EMZK liegenden Eigenmittelausstattung, vor, die Aufsichtsintensität bei dem entsprechenden Institut zu erhöhen. In diesem Sinne stellt die EMZK für die Aufsicht eine Art Frühwarnindikator zur Beurteilung der nachhaltigen Angemessenheit der Kapitalausstattung eines Kreditinstituts dar.

Daneben besteht durch den aktualisierten aufsichtlichen Leitfaden zur Ausrichtung der Risikotragfähigkeitskonzepte die Erwartungshaltung, dass innerhalb der normativen Perspektive die EMZK im Planszenario einzuhalten ist.

PRAXISTIPPS

  • Ableitung geeigneter Stresstest-Szenarien, die dem Risikoprofil eines Instituts angemessen Rechnung tragen, unter konsistenter Berücksichtigung von Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Risikoarten.
  • Die Überlegungen eines Instituts zur Wirkungsweise von Stresstests sind nicht nur auf das aktuelle Geschäftsjahr zu begrenzen. Vielmehr ist im Sinne einer vorsichtigen Kapitalplanung zu untersuchen, wie sich Stressereignisse auf den gesamten Kapitalplanungszeitraum auswirken.
  • Durchführung fundierter Analysen zur Wirkungsweise von Stresstests. Neben den Auswirkungen auf regulatorische Größen (normative Perspektive) sollten die Analysen auch die Effekte auf die interne Risikotragfähigkeitsrechnung (ökonomische Perspektive) umfassen.
  1. Die in diesem Aufsatz vertretenen Auffassungen geben die persönliche Meinung des Autors wieder und sind nicht notwendigerweise Positionen der Deutschen Bundesbank oder einer anderen Bankenaufsichtsbehörde.

Beitragsnummer: 60991

Barwertige Risikomessung von Kreditrisiken

Neue ICAAP-Anforderungen der ökonomischen Perspektive

Prof. Dr. Dirk Heithecker, Professur für Quantitative Methoden und Corporate Finance, Hochschule Hannover, und Fachreferent, Strategisches Risikomanagement, Volkswagen Bank GmbH

Im Mai 2018 verabschiedete die Deutsche Bankenaufsicht den neuen Leitfaden zur Risikotragfähigkeitsanalyse (Deutsche Bundesbank/BaFin, Aufsichtliche Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte, 2018 [1]). Damit werden die neuen Anforderungen an den ICAAP gemäß den neuen europaweiten Vorgaben konkretisiert, die ebenfalls für die durch die EZB beaufsichtigten Banken im Rahmen der EZB-ICAAP-Leitlinien neu definiert wurden (EZB, Leitfaden der EZB für den bankinternen Prozess, 2018 [2]). Zwar gelten die alten Ansätze der RTF durch die deutsche Aufsicht für beaufsichtigte Kreditinstitute weiterhin („Annex-Vereinbarung“), diese haben jedoch keinen Bestandsschutz mehr (vgl. Riediger (2018): Risikotragfähigkeit – Auf zu einem neuen Abschnitt, Finanz Colloquium Heidelberg). In dem folgenden Beitrag werden wesentlichen Vorgaben für die Risikomessung von Kreditrisiken aus Kundenforderungen in der neuen ökonomischen Sicht analysiert.

Neue ICAAP-Anforderungen

Gemäß den neuen Leitlinien wird zwischen der normativen und ökonomischen Risikotragfähigkeitsrechnung unterschieden. Bankinterne Risikomodelle werden in der ökonomischen Perspektive genutzt, die der Gone-Concern-Alternative bei einer barwertigen Sichtweise nah ist. Die deutsche Bankenaufsicht erwartet entsprechend eine Ableitung des Risikodeckungspotenzials und der Messung von Risiken, die von den Bilanzkonventionen absehen (vgl. [1] Tz. 39 und 47). Gemäß den Leitlinien der europäischen Aufsicht orientiert sich das Risikodeckungspotenzial lediglich an dem wirtschaftlichen Wert der Vermögenswerte und Verbindlichkeiten. Diese können somit auch auf bilanziellen Werten beruhen; explizit ist der Ansatz von hartem Kernkapital (Tier 1) nach Vorgaben der sich an der Bilanz orientierenden CRR vorgesehen (vgl. [2] Tz. 67 und 70). Eine solche bilanzielle Sicht ermöglicht der deutsche Leitfaden nur aufgrund der „Annex-Vereinbarungen“, da dort die GuV-/bilanzorientierte Ableitung des Risikodeckungspotenzials noch vorgesehen ist – allerdings unter Abzug der regulatorischen Eigenmittelanforderung der CRR (vgl. [1], S. 20). Die Leitlinien der deutschen Aufsicht geben somit einen engeren Rahmen für die ökonomische Perspektive der Risikotragfähigkeitsrechnung vor.

SEMINARTIPPS

FCH Fit & Proper VORSTAND: Risikomanagement, 06.05.2019, Berlin.

Kreditrisikosteuerung Aktuell, 23.09.2019, Frankfurt/M.

RWA-Optimierung bei knapper werdendem Eigenkapital, 21.10.2019, Frankfurt/M.

Übergang Going Concern-Ansatz auf neue normative RTF-Perspektive, 22.10.2019, Frankfurt/M.

Barwert(nahe) Risikoinventur, Risikodeckungsmasse und Risikomessung, 06.11.2019, Hamburg.

Barwertige Risikomessung von Kreditrisiken

In der ökonomischen Perspektive kann die Bewertung in beiden Vorgabepapieren anhand einer barwertigen Betrachtungsweise (vgl. [1], Tz. 41, [2] S. 21, Fn. 28) erfolgen. Der Wert der Kundenforderungen ergibt sich demnach aus den abgezinsten zukünftigen Cashflows der Kredite. Wird als Abzinsungssatz der kreditindividuelle Effektivzinssatz genutzt, so ergibt sich eine bilanzielle Sichtweise. In diesem Fall sind Zinsrisiken in der Kreditrisikomessung sachgerecht auszuschließen, da der Effektivzinssatz zunächst keinen Zinsschwankungen unterliegt – und der Ansatz von Neugeschäften ausgeschlossen wird. Somit sind nur Ausfallrisiken zu betrachten. Unter einer bilanziellen Betrachtungsweise sind jedoch marktwertige Einflüsse ebenfalls zu beurteilen, die der Bewertung nach IDW RS BFA 3 zugrunde liegen. Demnach ist das Bankbuch barwertig zu bewerten (Vgl. IDW RS BFA 3 vom 16.10.2017, vgl. Darstellung bei KPMG). Zinsrisiken werden bei Zinsänderungen schlagend, wenn der Barwert des Bankbuchs unter den Buchwert sinkt (vgl. Hölscher/Helms/Schneider (2017): Verlustfreie Bewertung des Zinsbuchs gemäß IDW RS BFA 3, Wpg). Kreditforderungen bilden einen Teil des Bankbuchs und können individuell bewertet werden, d. h. es ergibt sich ein Risiko, wenn der Marktwert unter den Buchwert sinkt.

Bei einer marktwertorientierten Sichtweise werden die Cashflows der Kundenkredite barwertig mit einem angemessenen (Markt-)Zins bewertet. Es erfolgt somit ein Mark-to-Market der Kredite, da bei Kundenforderungen aktuell Marktwerte nicht beobachtbar sind. Entsprechend muss hier ein synthetischer Marktwert bestimmt werden. Risiken vor dem Hintergrund eines einjährigen Zeithorizonts ergeben sich wiederum aus einem möglichen Ausfall der Forderung. Zudem treten Zinsrisiken auf, da sich der risikoadäquate Marktzins der Forderungen vor einem Zeithorizont von einem Jahr ändern kann. Dieser Marktzins setzt sich aus dem risikofreien Zins (SWAP-Satz), einer Credit Spread für zukünftige erwartete Risiken und einem Risikopremium der Investoren zusammen, das marktphasenabhängig gegeben ist. Leider besteht bei Kundenkreditforderungen in der Regel keine Kenntnis hinsichtlich dieses Risikopremiums. Entsprechend wird nach aktuellen Vorgaben eine Vereinfachung getroffen und bei der Marktbewertung des Kreditportfolios auf diese investorenabhängige Markt-Spreads verzichtet. Konkret wird vorgeschlagen (vgl. [1], S. 13, Fn. 8, Leichinger (2018): Verlustfreie Bewertung des Zinsbuchs nach IDW und neuem RTF-Leitfaden, FinanzColloquium Heidelberg), den Bewertungsansatz des IDW RS BFA 3 zugrunde zu legen, demnach wird zur Diskontierung lediglich der risikofreie Zins zuzüglich erwarteter Risiken und möglicher Kostenbestandteile (wie Verwaltungskosten) angewendet. Somit wird der Barwert des Kreditportfolios eher bilanznah ermittelt und bildet keinen wirklichen Marktwert ab. Im Rahmen der Bewertung von Kreditforderungen unter Risiko ist im weiteren aber auch der Risikozuschlag aus erwarteten Ausfallrisiken kritisch zu sehen, da hier Einschätzungen über die erwarteten Risiken (PD, LGD) der betrachteten Kredite über den gesamten Lebenszyklus bekannt sein müssen – sowohl im erwarteten Szenario als auch im Risikofall, in der Regel einem Value-at-Risk (VaR) unter einem Konfidenzniveau von 99,9 %. Zur Umsetzung des IDW RS BFA 3 sind solche Einschätzungen nur für das erwartete Szenario notwendig, auch unter anderen rechnungslegungsrelevanten Ansätzen wie der Wertberichtigungsbildung unter IFRS 9 sind lediglich erwartete Entwicklungen zu bewerten.

Fazit

Bei Anwendung des IDW RS BFA 3 im Rahmen der Bewertung der Kreditforderungen erfolgt weiterhin eine rechnungslegungsorientierte Ermittlung von Barwert und Risiko. Entsprechend ist zu überlegen, ob der komplexe Modellansatz in der Risikotragfähigkeitsanalyse und Risikosteuerung eingesetzt werden sollte. Auch bei einer buchwertorientierten Sichtweise der Cashflows unter Anwendung des Effektivzinssatzes sind jedoch marktwertige Einflüsse zu beachten, die der Bewertung nach IDW RS BFA 3 zugrunde liegen. In diesem Fall ist das gesamte Zinsbuch zusätzlich Kreditrisikobetrachtung hinsichtlich möglicher zukünftiger Drohverlustrückstellungen im erwarteten Szenario und Risikofall (VaR) zu analysieren. Dies muss jedoch nicht durch einen Buchwert-zu-Barwert-Abgleich des Kundenkreditportfolios erfolgen, vielmehr kann das gesamte Bankbuch „unter unerwarteten Risiken“ regelmäßig analysiert werden. Bei entsprechenden Margen und ausgewogenen Aktiv-Passiv-Management ist ein zusätzliches Risiko nicht zu erwarten.

PRAXISTIPPS

  • Überlegen Sie, ob Sie das Kreditportfolio mit dem Buchwert der Forderungen oder zum oftmals höheren marktwertnahen Wert in die Risikotragfähigkeit der ökonomischen Perspektive einbringen wollen.
  • Prüfen Sie bei einem buchwertorientierten Ansatz das Zinsbuch unter Anwendung des IDW RS BFA 3 in der Risikomodellierung im unerwarteten Verlust auf mögliche Drohverlustrückstelllungen.
  • Bewerten Sie die Kreditforderungen marktwertnah unter Anwendung des IDW RS BFA 3 ohne das investorenabhängige, nicht beobachtbare Risikopremium. Eine explizite Prüfung auf Drohverlustrückstellungen kann in diesem Fall ausbleiben.

Beitragsnummer: 54990

Prüfung Depot A-Geschäft in Regionalbanken Prüffeld Asset Allocation.

Thomas Maurer, Leiter Interne Revision, Münchner Bank eG

Vor Hintergrund des anhaltend niedrigen Zinsniveaus und der teilweise verhaltenen Nachfrage nach Krediten sind die Kreditinstitute gezwungen, zusätzliche Ertragsquellen zu generieren. Dies kann u. a. im Depot A-Geschäft mithilfe einer klugen Anlagestrategie mit einem angemessenen Risiko-Rendite-Verhältnis unterstützt werden. Mit Ausweitung des Eigenanlagegeschäfts rückt dieses Prüffeld verstärkt in den Fokus der Internen Revision und sollte in angemessen Abständen fundiert geprüft werden. Aus aufsichtsrechtlicher Sicht wurden die Anforderungen an das Risikotragfähigkeitskonzept der Institute mit einem neuen Leitfaden im Jahr 2018 um die für viele Institute neue „ökonomische Perspektive“ erweitert. Dies bringt die Anforderung zur barwertigen Betrachtung des gesamten Bankvermögens mit sich und hat somit auch Auswirkungen auf die Eigenanlagenstrategie.

Von zentraler Bedeutung ist daher eine sinnvolle und zukunftsgerichtete Streuung der Anlageklassen, um eine möglichst effiziente Risiko-Ertrags-Relation zu generieren. Deshalb sollte dem Prüffeld „Asset Allocation“ ein höheres Gewicht bei den Prüfungshandlungen der Internen Revision beigemessen werden. Die strategische Asset Allocation soll durch regelmäßige Transaktionen gewährleisten, dass das Portfolio nachhaltig die gewünschte Vermögensstruktur abbildet. Die taktische Asset Allocation soll ermöglichen, durch Veränderung der Gewichtung einzelner Asset-Klassen von aktuellen Entwicklungen der Märkte zu profitieren. Die Asset Allocation verfolgt grundsätzlich das Ziel, auf Basis des festgelegten Risikoappetits und einer Performance-Erwartung das Gesamtrisiko innerhalb eines definierten Gesamtlimits zu halten und dabei mindestens den Soll-Return zu erzielen. Dabei besteht naturgemäß ein Zielkonflikt zwischen Ergebnisanspruch, Risikopräferenz und Vertriebspotenzialen. Durch die mehrdimensionale Betrachtung werden die einzelnen Ziele in einen Wirkungszusammenhang gebracht. Im Entscheidungsprozess stellt sich die Frage nach der Auswirkung eines bestimmten Mehr-Returns bzw. einer bestimmten Erhöhung des Risikos auf das Betriebsergebnis. Demgegenüber ist zu beurteilen, wie viel im Gegenzug mehr an Margen und Provisionen im Kundengeschäft bzw. in welcher Höhe Kosteneinsparungen realisiert werden müssten, um den gleichen Effekt zu erzielen. Wichtig ist aus Sicht der Prüfung, dass diese Überlegungen nachvollziehbar dokumentiert werden. Wenn ein entsprechender Ausschuss hierüber entscheidet, ergibt sich dies meist aus den Sitzungsunterlagen. Die Management-Entscheidung zur Festlegung des Zielrisikos bzw. des Zielreturns wird durch die Analyse der Auswirkung auf die Kennzahlen transparent und nachvollziehbar. Der Zusammenhang zur Geschäftsstrategie wird durch die Verzahnung mit der Vertriebs- und Kostenplanung ersichtlich und der Entscheidungsprozess kann hinsichtlich der geplanten Erträge plausibilisiert werden.

SEMINARTIPPS

Verlustfreie Bewertung des Zinsbuchs laut RTF-Leitfaden & IDW-Standard, 27.03.2019, Frankfurt/M.

Prüfung Depot A-Geschäft, 16.05.2019, Köln.

Folgen der neuen aufsichtlichen Zinsszenarien für Zinsrisikosteuerung, 07.11.2019, Hamburg.

Prüfung Spezialfonds, 13.11.2019, Frankfurt/M.

Depot A-Risiken: Wirksame Frühwarnverfahren & Stresstests(-Szenarien), 14.11.2019, Frankfurt/M.

Ein weiterer wichtiger Aspekt sind die bei der Asset Allocation zu Grunde gelegten Messgrößen. Üblicherweise kommen standardisierte Messgrößen wie der RORAC oder RAROC zum Tragen. Der RORAC ist kapitalseitig adjustiert und spiegelt das Verhältnis von Nettogewinn und eingesetztem Risikokapital wieder. Es wird eine Proportionalität von Nettogewinn und dem zu seiner Erzielung notwendigen Risikokapital unterstellt. Der Risikokapitalbedarf steigt mit der Höhe des übernommenen Risikos. Durch eine erhöhte Risikoübernahme steigen kapitalmarkttheoretisch auch die zu vereinnahmende Risikoprämie und damit der erwirtschaftete Nettogewinn. Beim RAROC erfolgt die Risikoadjustierung im Gegensatz zum RORAC nicht kapitalseitig, sondern nur gewinnseitig. Der RAROC setzt den risikoadjustierten Nettogewinn ins Verhältnis zum nicht risikoadjustierten Kapital, also dem investierten Kapital. Es wird eine Proportionalität von risikoadjustiertem Nettogewinn und dem zum Zweck der Erzielung investierten Kapitals unterstellt. Die Risikoadjustierung des Nettogewinns erfolgt durch die Subtraktion der Risikokapitalkosten, die auch als geforderte Mindest- oder Zielrendite für das eingesetzte Risikokapital aufzufassen sind.

Revisionsseitig sollte darauf geachtet werden, dass die angewandten Messgrößen klar definiert sind und konsequent zur Anwendung kommen. In der Regel wird die Messgröße aber nicht das alleinige Entscheidungskriterium für eine Eigenanlage sein. Weitere Faktoren, z. B. Nachhaltigkeit, Bonitäten oder Spreads, sollten ebenfalls definiert sein. Häufig werden sog. qualifizierte Expertenschätzungen herangezogen. Dies ist grundsätzlich unproblematisch. Voraussetzung ist aber, dass die Herleitung der Kriterien und der Prozess der Entstehung der Expertenschätzung nachvollziehbar dokumentiert werden. Daran mangelt es in der Praxis gelegentlich. In Sonderprüfungen der Bankenaufsicht kann dies zu Feststellungen führen.

PRAXISTIPPS

  • Beziehen Sie künftig auch die Asset Allocation in eine Prüfung des Depot A-Geschäfts ein.
  • Eine Teilnahme der Revision an den Sitzungen des Anlageausschusses ist zu empfehlen.
  • Prüfen Sie die Zielvermögensstruktur und die Maßnahmen zu deren Erreichung.
  • Achten Sie auf eine ausreichende Dokumentation bei sog. qualifizierten Expertenschätzungen.

 

 

Beitragsnummer: 54926

Risikoinventur – ein geschätztes Thema[1]

Henning Riediger, Prüfungsleiter im Referat Bankgeschäftliche Prüfung, Deutsche Bundesbank, Hannover, im Interview mitFrank Sator, Geschäftsleiter Finanz Colloquium Heidelberg GmbH

 

 Ich hatte kürzlich die Gelegenheit, mich mit Henning Riediger, Prüfungsleiter im Referat Bankgeschäftliche Prüfung, Deutsche Bundesbank, Hannover, über die Neuausrichtung der Risikoinventur in Kreditinstituten infolge der Vielzahl an regulatorischen Neuregelungen auszutauschen. Bei dem Interview handelt es sich um einen Vorabauszug aus der 2. Aufl. des Praktikerhandbuchs Risikoinventur, das er als Herausgeber betreut und voraussichtlich Mitte 2019 in unserem Verlag erscheinen wird.

Frank Sator: Welchen Stellenwert nimmt heutzutage die Risikoinventur in den Instituten ein?

Henning Riediger: Einen sehr hohen Stellenwert – es ist faktisch das Fundament eines erfolgreichen Risikomanagement. Viele Themen, die mir inzwischen die Risikosteuerungs- und Risikoüberwachungsprozesse erschweren, gehören sauber in der Risikoinventur bearbeitet und dann sieht der ganze Prozess deutlich stringenter aus.

Frank Sator: Welche Themen sind damit vorzugsweise gemeint?

Henning Riediger: Das betrifft zunächst v. a. Risikokonzentrationen. Wer sich bereits in der Risikoinventur damit stärker auseinander setzt, wird später bei der Risikomessung nicht davon überrascht sein, dass er bestimmte Konzentrationsausprägungen nicht in seiner Messung erfasst hat. Er hat dann zumeist vorgesorgt und erkannt, dass er das Thema auch gezielt mit Strukturlimiten angehen kann. Ein weiteres Thema sind Auslagerungen. Wenn die Ergebnisse von Risikoanalysen der Auslagerungsverhältnisse nicht Bestandteil der Risikoinventur sind, dann wird das Gesamtergebnis unvollständig und damit unzureichend sein.

Frank Sator: Wenn die Risikoinventur so bedeutsam ist, gehen die Institute wenigstens angemessen mit den Ergebnissen um?

Henning Riediger: In weiten Teilen ja, es zeigen sich jedoch häufig Bestrebungen bestimmte nicht wesentliche Risikoarten trotzdem irgendwie berichtsprominent steuern zu wollen. Das Ergebnis sind dann Inkonsistenzen in der Handhabung der Risikosteuerungs- und Risikoüberwachungsprozesse.

Frank Sator: Welche Inkonsistenzen sind damit gemeint?

Henning Riediger: Das zeigt sich häufig im Umgang mit bestimmten Risikoarten. Nehmen wir als Beispiel die Provisions- und Vertriebsrisiken. Diese sind als Ergebnis der Risikoinventur unseres Beispielinstituts als „unwesentlich“ eingestuft. Das nehmen wir jetzt mal so unreflektiert hin. Das Ergebnis hat zur Folge, dass bei der Überprüfung der Risikotragfähigkeit diese Risiken nicht einbezogen werden, was gem. AT 4.1 Tz. 1 der MaRisk auch zulässig ist, da hier nur wesentliche Risiken einbezogen werden – so weit so gut. Inkonsistent wird die ganze Sache, wenn ich als Institut im Rahmen der Stresstests anfange, das Thema der Provisions- und Vertriebsrisiken auszuwalzen und hier mit nennenswerten Auswirkungen auf die Ertrags- und Vermögenslage aufzuwarten. Entweder das Thema ist bedeutsam, dann muss ich es mir in der Risikotragfähigkeit auch anschauen oder es bleibt unwesentlich. Das typische Argumentationsmuster lautet häufig vereinfacht: „Wenn wir das Thema nicht in der Risikotragfähigkeit haben, so behandeln wir es doch ausführlich in den Stresstests!“ Der Aufseher würde dann sagen: Die Methodenfreiheit findet ihre Grenze in der Methodenwillkür.

Frank Sator: Also unwesentliche Risiken sollten nicht in die Risikotragfähigkeit und Stresstests einbezogen werden?

Henning Riediger: Als Empfehlung – ausdrücklich als Empfehlung – würde ich sagen: Ja, nicht einbeziehen! Denn sonst offenbare ich ja, dass meine Risikoinventur nicht passt. Wenn ich diese Risiken trotzdem in den Überwachungsprozessen haben will, dann muss ich diese Risiken über qualitative Aspekte bzw. die Überprüfung der Risikoinventur als wesentlich einstufen. Dann müssen aber auch in der Folge die Überwachungsinstrumente in Form der Risikomessverfahren ein Mindestmaß an Validität und die Möglichkeit zur Gewinnung von Steuerungsimpulsen aufzeigen. In der Praxis fällt dann häufig ein Risikobetrag vom Himmel, den schon ein paar Minuten später keiner mehr erklären kann …

Frank Sator: … also die berühmte Expertenschätzung?

Henning Riediger: Naja, den Begriff Expertenschätzung sehe ich nicht negativ – wenn es tatsächlich eine Expertenschätzung ist. Der Unterschied von „wahllos einen Wert genannt“ und Expertenschätzung besteht darin, dass der Experte seinen Weg zum Wert offenlegen und begründen kann – also seine Expertise einbringt. Richtig rund wird die Geschichte dann noch, wenn man es dokumentiert und die Entscheidungsträger es nachvollziehen können. Dies gilt auch für den Aufseher: Er will die Überlegung verstehen und nachvollziehen können, wie die Dimension des Risikobetrags erreicht wird. Es geht in der Diskussion dann nicht um 1.000 oder 10.000 €, sondern tatsächlich um die potenzielle Verlustdimension.

Frank Sator: Wo wir gerade bei Beträgen sind – ab wann ist denn ein Risiko wesentlich?

Henning Riediger: Ich bin ja kein Jurist, aber ich verwende deren Standardantwort: Es kommt darauf an – und das meine ich ernst! Die Relevanz bemisst sich nach Ertrags-, Vermögens- und Liquiditätslage des jeweiligen Instituts. Das sind schon mal drei Ebenen. In der Praxis ist die Thematik häufig allein eindimensional. Da spielt häufig nur die Vermögenslage eine Rolle: also wie viel von meinem Vermögen wird verbraucht, wenn das Risiko schlagend wird? Sicherlich ein richtiger Schritt, aber entscheidend sind die Engpässe. Wenn ich ein Institut mit guter Kapitalausstattung habe, aber sich mittlerweile die Ertragslage eingetrübt hat, muss man sich schon fragen, ob es nicht auch Sinn macht Ertragsgrößen einzubeziehen, z. B. das Betriebsergebnis vor Bewertung, insbesondere vor dem Hintergrund, dass viele Institute handelsrechtlich steuern.

Frank Sator: Also ist der „One fits all“-Ansatz an dieser Stelle in der Praxis schwierig umzusetzen?

Henning Riediger: Faktisch ja! Es gibt ja die Angemessenheits-Klausel der MaRisk – und darüber muss sich das Institut individuell abgrenzen. Da gibt es auch richtige Herangehensweisen in den Instituten. Nehme ich jetzt einfach die Grenze, die mir von Externen wiederholt empfohlen wird oder überlege ich mir selbst, aber welcher potenziellen Schadenshöhe ein intensiveres Risikomanagement – im Sinne der MaRisk – notwendig wird. Teilweise sind die empfohlenen Pauschalgrößen völlig überzogen. Da kommt es dann schon mal vor, dass die empfohlene Wesentlichkeitsgrenze ein Vielfaches der „gefühlten Wesentlichkeitsgrenze“ im Institut beträgt. Und da gilt es dann wie im wahren Leben: Erst Denken, dann Handeln!

Frank Sator: Welche Risikoarten kommen denn momentan bei der Risikoinventur zu kurz?

Henning Riediger: Das ist schon sehr unterschiedlich – je nach Geschäftsmodell und Zugehörigkeit zu einem Verbund. Aber stark vereinfacht gesagt: Die Behandlung der Beteiligungsrisiken sowie der Immobilienrisiken ist in weiten Teilen ausbaufähig!

Frank Sator: Ich danke Ihnen für das Gespräch.

PRAXISTIPPS

  • Stellen Sie sicher, dass alle internen und externen Themen einbezogen sind.
  • Wählen Sie nachvollziehbare Schätzungen von Verlustausprägungen; Begründen und dokumentieren Sie Ihre Entscheidung.
  • Implementieren Sie eine an den Engpässen Ihres Instituts ausgerichtete Wesentlichkeitsschwelle.
  • Achten Sie darauf, dass Risikokonzentrationen angemessen erfasst werden.
  1. Disclaimer: Die nachfolgenden Interpretationen und Meinungen sind ausschließlich persönliche Auffassungen des Verfassers und stellen keine offizielle Meinungsäußerung der Deutschen Bundesbank dar.

 

Beitragsnummer: 54213

Plausible Stresstests und adverse Szenarien in RTF- und Kapitalplanung

Dr. Daniel Baumgarten, Teamleiter, Risikotragfähigkeit & Kapital, Sparkasse KölnBonn

Gemäß der MaRisk (AT 4.3.3 Tz. 5) sind die Ergebnisse von Stresstests bei der Beurteilung der Risikotragfähigkeit eines Instituts zu berücksichtigen. Unter dem Begriff „Stresstest” wird eine Reihe von Analysetechniken verstanden, anhand derer potenzielle Verwundbarkeiten und Gefährdungspotenziale eines Instituts identifiziert und bewertet werden. Neben einzelrisikoartenbezogenen Betrachtungen und Sensitivitätsanalysen umfasst dies insbesondere die Entwicklung von risikoartenübergreifenden Stressszenarien auf Gesamtbankebene.

Erhöhte Anforderungen an adverse Szenarien durch neue Vorgaben

Am 24.05.2018 wurde ein überarbeitetes aufsichtliches Leitlinienpapier zur Risikotragfähigkeit durch die BaFin und die Deutsche Bundesbank veröffentlicht. Die bisher in Deutschland eingesetzten Fortführungs-(„Going Concern”) und Liquidationsansätze („Gone Concern”) sollen durch die überarbeiteten Leitlinien perspektivisch aufgegeben und durch eine – kumulativ zu erfüllende – normative und ökonomische Perspektive ersetzt werden.

Die normative Perspektive stellt eine deutliche Aufwertung des bisher bereits in MaRisk AT 4.1 Tz. 11 verankerten Kapitalplanungsprozesses und dessen Verknüpfung mit dem ICAAP dar. Mittels der normativen Perspektive ist die Fähigkeit eines Instituts zur Einhaltung der regulatorischen Mindestkapitalanforderungen sowie relevanter Kapitalpufferanforderungen für einen mindestens dreijährigen Zeitraum nachzuweisen. Wie bisher ist, neben der Darstellung des Planszenarios, möglichen negativen Abweichungen vom geplanten zukünftigen Geschäftsverlauf im Rahmen mindestens eines adversen Szenarios Rechnung zu tragen.

 SEMINARTIPPS

Sanierungsplanung in Regionalbanken: Anforderungen & Umsetzungshürden, 25.03.2019, Frankfurt/M.

Neuausrichtung Risikotragfähigkeit – Fallstricke & Herausforderungen, 26.03.2019, Frankfurt/M.

Sachgerechte Stresstests & adverse Szenarien in RTF- & Kapitalplanung, 13.05.2019, Köln.

Übergang Going Concern-Ansatz auf neue normative RTF-Perspektive, 22.10.2019, Frankfurt/M.

Die Anforderungen an die Ableitung und Dokumentation adverser Szenarien haben sich durch die überarbeiteten aufsichtlichen Vorgaben jedoch erhöht. Bei der Ausgestaltung der adversen Szenarien sollen unter anderem auch Risiken der ökonomischen Perspektive berücksichtigt werden, wodurch eine Verbindung der beiden Perspektiven im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung der Risikotragfähigkeit des Instituts geschaffen werden soll.

Dabei müssen die adversen Szenarien nicht unbedingt die Schwere der außerdem in der ökonomischen Perspektive durchzuführenden Stresstests erreichen (s. u.), sondern „widrige Entwicklungen” widerspiegeln, die von den Erwartungen abweichen und zu einer merklichen Belastung der zukünftigen Kapitalausstattung des Instituts führen.

Klassische Stresstests weiterhin in der ökonomischen Perspektive

Die ökonomische Perspektive ergänzt die normative Sicht um eine interne Analyse des in AT 4.1 Tz. 8 Erl. MaRisk geforderten Schutzes der Institutsgläubiger vor ökonomischen Risiken. Sie hat dabei Risikobestandteile zu umfassen, die in der Regulatorik/Rechnungslegung nicht vollständig abgebildet werden und weist somit hohe Parallelen zu bisher eingesetzten Liquidationsansätzen auf.

 BUCHTIPP

Geiersbach/Prasser (Hrsg.): Praktikerhandbuch Stresstesting, 3. Auflage, 2017.

Gemäß Textziffer 64 des neuen Leitfadens sind in der ökonomischen Perspektive weiterhin in angemessenem Umfang Stresstests durchzuführen, die sich von den zugrunde liegenden Prämissen der eingesetzten Risikomessverfahren lösen. Trotz bestehender Erfahrungswerte mit Stresstests in deutschen Banken kann sich ein erhöhter Analyse- und Handlungsbedarf insbesondere für diejenigen Institute ergeben, die Stresstests bisher ausschließlich in einem GuV-orientierten Fortführungsansatz mit vergleichsweise geringem Konfidenzniveau durchführen. Eine frühzeitige Auseinandersetzung mit barwertigen Stresstests im 99,9%-Quantil erscheint in diesem Zusammenhang vor einer geplanten Umstellung auf die neuen Vorgaben sehr sinnvoll.

PRAXISTIPPS

  • Stresstests als Aufwertung der Ergebnisse verteilungsbasierter Risikomodelle durch Risikoanalysen über die Standardparametrisierung hinaus.
  • Nutzung von Stresstestergebnissen bei der Kapitalbedarfsplanung, der Festlegung strategischer Ziele und der Gestaltung operativer Instrumente der Risikosteuerung.
  • Zeitnahe intensive Auseinandersetzung mit den überarbeiteten Vorgaben zur Risikotragfähigkeit inkl. Testrechnungen und Auswirkungsanalysen.

Beitragsnummer: 52251

Fit & Proper Vorstand: Risikomanagement

Dominik Leichinger, Prüfungsleiter, Referat Bankgeschäftliche Prüfungen 2, Deutsche Bundesbank, Hauptverwaltung in NRW, Düsseldorf

Die in diesem Aufsatz vertretenen Auffassungen geben die persönliche Meinung des Autors wieder und sind nicht notwendigerweise Positionen der Deutschen Bundesbank oder einer anderen Bankenaufsichtsbehörde.

Aufsichtliche Verlautbarungen

Eine zentrale Erkenntnis aus der Finanzmarktkrise ist, dass Schwachstellen in der Governance-Struktur von Kreditinstituten in zahlreichen Fällen verantwortlich für eine unverhältnismäßige Risikoaufnahme waren, die in der Folge sowohl zu einer Gefährdung der Solvabilität einzelner Institute als auch der Stabilität des Finanzsystems führte.

Die in Kooperation von EBA und ESMA erarbeiteten und am 30.06.2018 in Kraft getretenen Fit & Proper-Leitlinien (EBA/GL/2017/11) ersetzen die EBA-Leitlinien zur internen Governance (EBA/GL/2011/44) sowie die Leitlinien zur Beurteilung der Eignung von Mitgliedern des Leitungsorgans und Inhabern von Schlüsselpositionen eines Kreditinstituts (EBA/GL/2012/06). Zielsetzung der neuen Leitlinie ist es, ein europaweit einheitliches und wirksames Regime zu schaffen, um ein solides und angemessenes Management innerhalb der Bankenlandschaft sicherzustellen.

In diesem Zusammenhang hat auch die EZB ihren Leitfaden zur Beurteilung der fachlichen Qualifikation und persönlichen Zuverlässigkeit von Mai 2017 im Mai 2018 aktualisiert, sodass dieser im Einklang mit der überarbeiteten EBA-Leitlinie steht.

Unter Einbeziehung der nationalen Aufsichtsbehörden hat die EZB einen Fragebogen („Fit and Proper Questionnaire“) entworfen, über welchen einheitliche Informationen zur aufsichtlichen Beurteilung der Eignung von Geschäftsleitern und Mitgliedern des Verwaltungs- bzw. Aufsichtsorgans erhoben werden sollen. Die hiermit seitens der BaFin verbundene Änderung der Anzeigenverordnung befindet sich seit 07.02.2018 in der Konsultation.

SEMINARTIPPS

FCH Fit & Proper VORSTAND: Risikomanagement, 06.05.2019, Berlin.

FCH Fit & Proper VORSTAND: Aufsichts-Reporting, 07.05.2019, Berlin.

FCH Fit & Proper VORSTAND: Haftung, 08.05.2019, Berlin.

FCH Fit & Proper VORSTAND: Kredit, 13.05.2019, Berlin.

FCH Fit & Proper VORSTAND: IT-Anforderungen, 15.05.2019, Berlin.

 

Die bisher genannten Verlautbarungen der Aufsichtsbehörden betreffen ausschließlich die seitens der EZB direkt beaufsichtigten Institute (significant institutions).

Für die in Deutschland ansässigen, weniger signifikanten Institute (less significant institutions) stellt § 25c KWG die einschlägige Rechtsgrundlage dar, aus welcher die Anforderungen an die fachliche Eignung und Zuverlässigkeit von Geschäftsleitern hervorgehen.

Mit dem seitens der BaFin veröffentlichten Merkblatt zu den Geschäftsleitern gem. KWG, ZAG und KAGB (zuletzt geändert am 12.11.2018) werden die im KWG verankerten Anforderungen an die fachliche und persönliche Eignung von Geschäftsleitern weiter konkretisiert. Insbesondere Berufserfahrungen im Kreditgeschäft und dem Risikomanagement werden in diesem Zusammenhang als „unverzichtbar“ angesehen.

Erfahrungsanforderungen bezüglich Risikomanagement

Die aufsichtlichen Fit & Proper-Regelungen umfassen neben Anforderungen an die fachliche Qualifikation auch die persönliche Zuverlässigkeit der Mitglieder des Leitungsorgans. Bezüglich der seitens der EZB direkt beaufsichtigten Institute werden insgesamt fünf Beurteilungskriterien (Erfahrung, Leumund, Interessenkonflikte und Unvoreingenommenheit, Zeitaufwand und kollektive Eignung) adressiert. Das die Erfahrungsanforderungen betreffende Beurteilungskriterium setzt insbesondere theoretische Erfahrungen im Bereich des Risikomanagements voraus. Gemäß des im KWG (§ 25a Abs. 1) kodifizierten Risikomanagement-Begriffs umfasst dieser neben der Festlegung von Strategien und der Verfahren zur Sicherstellung der Risikotragfähigkeit (inkl. Ermittlung, Bewertung, Überwachung, Kontrolle und Begrenzung der wesentlichen Risiken) insbesondere auch die Einrichtung eines internen wirksamen Kontrollsystems (IKS).

Des Weiteren finden sich in der CRR seit 2014 gültige Anforderungen, die in Teilen die seitens EBA, ESMA und EZB formulierten Risikomanagement-Anforderungen an die Leitungs- und Aufsichtspositionen bei Kreditinstituten aufgreifen und verbindliche Vorgaben für alle CRR-Institute (Art. 4 Abs. 1 Nr. 1 CRR) darstellen.

So folgt aus den Anforderungen von Art. 435 Abs. 1 (e) und (f) CRR, dass „eine vom Leitungsorgan genehmigte Erklärung zur Angemessenheit der Risikomanagement-verfahren des Instituts“ sowie „konzise Risikoerklärung, in der das mit der Geschäftsstrategie verbundene allgemeine Risikoprofil des Instituts beschrieben wird“, regelmäßig vorzunehmen ist.

Damit im Einklang fordern auch die in 2017 novellierten MaRisk gem. AT 4.1 Tz. 8 eine „Festlegung wesentlicher Elemente der Risikotragfähigkeitssteuerung sowie wesentlicher zugrunde liegender Annahmen“ durch die Geschäftsleitung.

PRAXISTIPPS

  • Aufsetzen einer Fit & Proper-Strategie als Ausgangsbasis zur Erfüllung der fachlichen und persönlichen Anforderungen an Inhaber von Geschäftsleiterpositionen.
  • Überprüfung und regelmäßige Erweiterung der fachlichen Kenntnisse, insbesondere im Zusammenhang mit Risikomanagement-Themen. Erstellung eines Fit & Proper-Maßnahmenplans zur zeitnahen Schließung erkannter Wissenslücken.
  • Einbeziehung und Beschluss durch das Leitungsorgan bei wesentlichen Risikomanagement-Vorgaben (u. a. Strategien, RTF-Konzept, Limitsystem, Risikomess-methoden).

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Beitragsnummer: 47933