Zunehmende Bedeutung der Internen Revision im Auslagerungsprozess



Chancen und Risiken aus Auslagerungen als Ausgangspunkt des Prüfungs- und Beratungsansatzes der Internen Revision.

Gisela Conrads, Bereichsleiterin Interne Revision, Münchener Hypothekenbank eG.

I. Bedeutung der Auslagerung in der Kreditwirtschaft

Die Finanzwirtschaft in Deutschland befindet sich seit Jahren in einer Struktur- und Ertragskrise. In Zeiten der zunehmenden Dynamik im Umfeld der Kreditinstitute, des steigenden Kostendrucks und den Aspekten des „Lean Management“ darf auch das Thema „Outsourcing“ – sprich die Auslagerung von Aktivitäten und Prozessen – nicht fehlen. Dieses Instrument, welches in der Industrie bereits vor über 100 Jahren zur Effizienzsteigerung eingeführt wurde, findet in der Finanzwelt erst seit ca. 20 Jahren verstärkten Einsatz. Neben IT-Aktivitäten wurden dabei auch standardisierte Kreditprozesse auf preiswertere – häufig nicht regulierte – Dienstleister verlagert[1]. Dies hat auch die Bankenaufsicht erkannt, die u. a. 2001 entsprechende Regularien erlassen hat, die seither weiter modifiziert wurden und die Interne Revision des auslagernden Instituts in die Pflicht nehmen. Da die Internen Revisionen in der Kreditwirtschaft darüber hinaus seit Jahren gefordert sind, sich stärker beratend und präventiv insbesondere bei als „wesentlich“ eingestuften Auslagerungen einzusetzen, bietet dieses früher eher stiefmütterlich behandelte Prüfungsgebiet viele (Beratungs-)Ansatzpunkte für die Interne Revision. Der nachfolgende Beitrag soll exemplarisch aufzeigen, ...


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Depot A-Risiken – Methodische und prozessuale Anforderungen

Dominik Leichinger, Prüfungsleiter, Referat Bankgeschäftliche Prüfungen 2, Deutsche Bundesbank, Hauptverwaltung in NRW[1]

Die seit mehr als einer Dekade anhaltende Niedrigzinsphase, aber auch der zunehmende Wettbewerbsdruck innerhalb der Bankenbranche führen zu sinkenden Margen innerhalb des klassischen Kredit- und Einlagengeschäfts von Kreditinstituten und bergen damit Risiken für deren Ertragslage. In solchen Zeiten kommt der Zusammensetzung der von den Instituten gehaltenen Eigenanlagen – das sogenannte Depot A – eine immer größere Bedeutung zu. Während in der Vergangenheit die Hauptaufgabe der Eigenanlagen größtenteils in der Anlage und Steuerung der Liquiditätsposition eines Kreditinstituts bestand, ist heutzutage der mit den Eigenanlagen zu erzielende Ergebnisbeitrag nicht selten von herausgehobener Bedeutung.

So verwundert es nicht, dass neben den traditionellen Assetklassen (u. a. Staatsanleihen, Bankanleihen und Pfandbriefen) immer größere Anteile der Eigenanlagen in riskantere Anlageformen wie Corporates, Emerging-Marktes-Papiere, High-yield-Bonds oder Aktien fließen – um nur einige zu nennen. Darüber hinaus erfreuen sich auch Anlagen in Fonds immer größerer Beliebtheit bei den Kreditinstituten. Diese umfassen nicht nur Anlagen in Publikumsfonds, die in Renten und/oder Aktien investieren. Auch Immobilienfonds finden sich immer häufiger in den Eigenanlagen der Kreditinstitute. Ferner wächst seit einigen Jahren die Bedeutung von Spezialfonds, die bei einigen Instituten einen nicht unerheblichen Anteil der Eigenanlagen ausmachen. Bei diesen Spezialfonds handelt es sich überwiegend um eigens für ein Institut aufgelegtes Investmentvermögen, dessen Anlagestrategie individuell zwischen Kreditinstitut und der jeweiligen Kapitalverwaltungsgesellschaft festgelegt wird.

SEMINARTIPPS

RWA-Optimierung bei knapper werdendem Eigenkapital, 21.10.2019, Frankfurt/M.

Update 2019: BaFin-Rundschreiben zum Zinsänderungsrisiko im Anlagebuch, 07.11.2019, Hamburg.

Prüfung Spezialfonds, 13.11.2019, Frankfurt/M.

Depot A-Risiken: Wirksame Frühwarnverfahren & Stresstests(-Szenarien), 14.11.2019, Frankfurt/M.

Verbunden mit einer Neuausrichtung der Eigenanlagen ist regelmäßig auch eine Überarbeitung der strategischen Vorgaben notwendig. In Einklang mit den MaRisk hat die Geschäftsstrategie die Zielsetzung aller wesentlichen Geschäftsaktivitäten sowie die zu ihrer Erreichung erforderlichen Maßnahmen zu umfassen. In diesem Zusammenhang ist ebenfalls der Umgang mit den aus der Geschäftstätigkeit resultierenden Risiken in einer zur Geschäftsstrategie konsistenten Risikostrategie festzulegen.

Als Ausgangsbasis für die eingehende Analyse der mit der Neuausrichtung des Depot A verbundenen Risiken bietet sich der Prozess der Risikoinventur an. In Abhängigkeit von der konkreten Veränderung der Depot A-Ausrichtung, etwa in Form von Anlagen in neuen Produkten oder Märkten, kann für Zwecke der Risikoinventur auf die Ergebnisse aus zuvor durchlaufenen Neue-Produkte-Prozessen gem. AT 8.1 MaRisk zurückgegriffen werden. Unter Berücksichtigung der überarbeiteten aufsichtsrechtlichen Anforderungen an die Ausgestaltung von Risikotragfähigkeitskonzepten[2] ist zu beachten, dass im Rahmen der Risikoinventur die Risiken sowohl aus normativer als auch aus ökonomischer Perspektive zu betrachten sind, da beide Perspektiven zusammen einen integrierten Steuerungskreis für die Risikotragfähigkeit in Kreditinstituten bilden.

BUCHTIPP

Geiersbach/Prasser (Hrsg.), Praktikerhandbuch Stresstesting, 3. Aufl. 2017.

 

Für die aufsichtliche Beurteilung interner Verfahren zur Sicherstellung der Risikotragfähigkeit spielt die Beachtung von Konsistenzaspekten (vgl. Rd-Nr. 10 des überarbeiteten RTF-Leitfadens) eine wichtige Rolle. Sofern ein Institut nicht nur unwesentliche Volumina in Fondspositionen angelegt hat, folgt aus dem Konsistenzgebot die Anwendung der Transparenzmethode mittels Durchschau. Zum einen bedeutet dies, dass Positionen gegenüber denselben Emittenten innerhalb verschiedener Fondsanlagen und unter Berücksichtigung der Direktanlagen innerhalb des Depot A zusammenzuführen sind. Erst im Zuge einer Aggregation von Positionen gegenüber identischen Schuldnern können Risikokonzentrationen angemessen identifiziert, gemessen und gesteuert werden.

Zum anderen ist unter das Konsistenzgebot auch die Einheitlichkeit der Risikomessmethodik zu subsumieren, die für Zwecke der Risikoermittlung bei den Eigenanlagen herangezogen wird.

Neben den erwähnten methodischen Aspekten sind auch die prozessualen Vorgaben in Einklang mit der Zusammensetzung der Eigenanlagen und unter Berücksichtigung des Risikoprofils auszugestalten. Entsprechend den Anforderungen des BTO 1.1 Tz. 3 der MaRisk erfordert die Einrichtung eines Kontrahenten- oder Emittentenlimits stets eine Votierung aus der Marktfolge. Im Zuge des Durchschauprinzips gilt dies gleichermaßen für bedeutende Positionen innerhalb von Fondsanlagen.

Des Weiteren sind im Sinne eines angemessenen Risikomanagements auch die von einem Institut angewandten Verfahren zur Früherkennung von Risiken auf das Risikoprofil der Eigenanlagen abzustimmen. Zusätzlich zu empirischen Erkenntnissen aus der Vergangenheit bieten sich die Ergebnisse aus Stresstestanalysen oder im Rahmen von Validierungshandlungen durchgeführter Sensitivitätsanalysen zur Identifizierung und Auswahl risikosensitiver Frühwarnindikatoren an.

PRAXISTIPPS

  • Beurteilung der mit den Eigenanlagen verbundenen Risiken sowohl aus normativer als auch ökonomischer Perspektive über die gesamte Prozesskette des Risikomanagements (insb. Risikoinventur, Risikotragfähigkeitsanalyse, Stresstesting).
  • Konsequente Anwendung der Durchschaumethode für materielle Fondspositionen zur sachgerechten Erfassung und Steuerung von Risikokonzentrationen sowie Sicherstellung einer in sich konsistenten Risikomessung für den gesamten Eigenanlagebestand.
  • Festlegung geeigneter Frühwarnindikatoren zur Gewährleistung einer frühzeitigen Identifizierung eines sich abzeichnenden Risikoanstiegs bei den Eigenanlagen. Als Grundlage und Hilfestellung bieten sich Erkenntnisse aus der Risikoinventur, Validierungsergebnisse zur Überprüfung der Angemessenheit der Risikomessmethoden oder auch Stresstestanalysen an.
  1. Die in diesem Beitrag vertretenen Auffassungen geben die persönliche Meinung des Autors wieder und sind nicht notwendigerweise Positionen der Deutschen Bundesbank oder einer anderen Bankenaufsichtsbehörde.
  2. BaFin/Bundesbank, Aufsichtliche Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte und deren prozessualer Einbindung in die Gesamtbanksteuerung („ICAAP“) – Neuausrichtung, 2018.

 

Beitragsnummer: 74989

 

Governance-Anforderungen im ICAAP

Aufsichtsrechtliche Vorgaben zur Einbindung der Geschäftsleiter

Prof. Dr. Dirk Heithecker, Professur für Quantitative Methoden und Corporate Finance, Hochschule Hannover, und Fachreferent, Strategisches Risikomanagement, Volkswagen Bank GmbH[1]

In 2018 veröffentlichten die deutsche Bankenaufsicht und die EZB ihre Leitfäden mit den methodischen Vorgaben zur Umsetzung des ICAAP (Internal Capital Adequacy Prozess), der die Angemessenheit der Kapitalausstattung in Kreditinstituten sicherstellen soll (vgl. BaFin (2018): Aufsichtliche Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte; EZB (2018): Leitfaden der EZB für den ICAAP). Neben der Notwendigkeit der sachgerechten fachlichen Umsetzung der Anforderungen dieser Leitfäden und deren prozessuale Einbindung in die Gesamtbanksteuerung ist auf die ausreichende Implementierung in die Unternehmensführung (interne Governance) des Kreditinstitutes zu achten. In dem folgenden Beitrag werden die europäischen und nationalen Vorgaben hinsichtlich einer adäquaten Einbindung der Geschäftsleiter im Rahmen des ICAAP erörtert.

Möglichkeiten der Einbeziehung der Geschäftsleiter

Die sachgerechte Einbeziehung des Leitungsorgans in die Unternehmensprozesse ist eine der wesentlichen Voraussetzungen für eine solide Unternehmensführung und wird deshalb durch die europäische Bankenaufsicht gefördert (vgl. EBA (2018): Final Report – Guidelines on Internal Governance, S. 5). Das für die Mitwirkung im ICAAP bedeutende Leitungsorgan ist das Leitungsorgan mit Leitungsfunktion (MaRisk: Geschäftsleiter), d. h. der Vorstand oder die Geschäftsführung. Die Leitungsfunktion kann gemeinsam oder durch einzelne Vertreter ausgeübt werden. Im Rahmen des ICAAP wird hier vor allem die Einzelvertretung des Risikovorstands (CRO) von besonderer Bedeutung sein. Eine weitere Möglichkeit ist die Partizipation über Gremien oder Komitees, in denen Mitglieder der Leitungsfunktion vertreten sind – etwa in einem Eigenkapitalgremium oder Stresstestgremium. Die somit notwendige Konkretisierung der Art der Einbindung der Geschäftsleiter wird in den europäischen oder nationalen Anforderungen der Bankenaufsicht oftmals nicht eindeutig geregelt. In diesem Fall bedarf es der internen Auslegung des Kreditinstitutes, unter der Maßgabe der Proportionalität und der vorgesehenen Aufgabenverteilung eine sachgerechte Einbindung vorzusehen.

Aufgaben der Geschäftsleiter im ICAAP

In den deutschen Aufsichtsanforderungen wird der ICAAP als originäre Leitungsaufgabe bezeichnet und wesentliche Elemente und Annahmen sind durch die Geschäftsleiter zu verantworten. Wesentliche Elemente sind die Risikotragfähigkeitsrechnung nach der normativen und ökonomischen Perspektive, die eine Kapitalplanung bereits einschließt, und Stresstests. Zudem ist die Verknüpfung zu der Geschäfts- und Risikostrategie und den Risikosteuerungsprozessen, wie etwa der Limitierung, sicherzustellen (vgl. BaFin (2018), o. a., Tz. 14 und 16). Darüber hinaus gilt die allgemein gültige Gesamtverantwortung der Geschäftsleitung nach AT 3 MaRisk.

SEMINARTIPPS

Prüfung Kapitalplanungsprozess & ICAAP, 09.10.2019, Frankfurt/M.

Übergang Going Concern-Ansatz auf neue normative RTF-Perspektive, 22.10.2019, Frankfurt/M.

Neue ICAAP-/ILAAP-Grundsätze: Herausforderungen für die Banksteuerung, 23.10.2019, Frankfurt/M.

12. Hamburger Bankenaufsicht-Tage 2019, 04.–05.11.2019, Hamburg.

Prozessorientierte Schlüsselkontrollen im Fokus der Aufsicht, 03.12.2019, Frankfurt/M.

Deutlich präziser sind die Vorgaben der EZB, die in Deutschland in erster Linie durch die Geschäftsleiter auszuführen sein dürften und zudem vom ICAAP auf den ILAAP übertragbar sind (vgl. EZB (2018): Leitfaden der EZB für den ILAAP). Demnach müssen die Geschäftsleiter explizit sechs Kernelemente genehmigen: den Governance-Rahmen einschließlich der internen Dokumentation, das Ergebnis der Risikoinventur, die Quantifizierungsmethoden einschließlich der wesentlichen Annahmen und Parameter, den Rahmen für Stresstests und die jährliche Feststellung der Angemessenheit der Kapitalausstattung gegenüber der Aufsicht (vgl. nachfolgende Abb.). In diesem Zusammenhang ist unter der Berücksichtigung der Proportionalität festzulegen, bei welchen Kernelementen eine Delegation an den CRO in Verbindung mit einer Informationspflicht an alle Geschäftsleiter ausreichend ist. Zudem ist zu entscheiden, ob eine explizite Genehmigung gewünscht ist oder eine implizite Bewilligung ausreicht – etwa durch eine Vetomöglichkeit auf Basis ausreichender zeitlicher Disposition vor einer In-Kraft-Setzung. Neben der Genehmigung der Kernelemente sind interne Kontrollen – etwa unter Berücksichtigung eines Three-Lines-of-Defense-Modells (vgl. Ramke (2016): Three-Lines-of-Defense, in: Heithecker/Tschuschke: Geschäftsmodellanalyse) – zu berücksichtigen.

Abbildung: Genehmigungspflicht der Geschäftsleiter im ICAAP/ILAAP
(Quelle: eigene Darstellung nach EZB (2018), a. o., Tz. 15 bis 22)

Fazit

Die Einbindung der Geschäftsleiter in die Elemente des ICAAP ist im deutschen Aufsichtsrecht eher allgemein und grundsätzlich beschrieben. Konkrete Ansatzpunkte liefert hingegen der Leitfaden der EZB, der eine explizite Ausübung der Verantwortung der Geschäftsleiter durch Genehmigung vorsieht, aber auch Handlungsspielräume für die Delegation, etwa an den CRO, lässt. Die Vorgaben der EZB können als Maßstab einer soliden Unternehmensführung herangezogen werden.

PRAXISTIPPS

  • Überprüfen Sie die Einbindung der Geschäftsleiter in den ICAAP hinsichtlich Form (gesamthaft, einzeln, in Gremien) und Art (informativ, durch Genehmigung).
  • Erörtern Sie Vorteile einer Genehmigung der sechs EZB-Kernelemente für die Governance und entscheiden Sie über deren künftigen Umgang im ICAAP.
  • Analysieren Sie, ob Ihr ICAAP ausreichend interne Kontrollen vorsieht.

  1. Der Beitrag gibt ausschließlich persönliche Auffassungen und Einschätzungen des Autors wieder.

 

Beitragsnummer: 73347

Zielgerichtetes Prozessmanagement in der Risikosteuerung



Integration von Methoden aus Compliance, Risikomanagement und IKS

Prof. Dr. Ralf Kühn

Wirtschaftsprüfer, Geschäftsführer der Finance Audit GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Ettlingen

I. Ausgangslage

Das Prozessmanagement wird in vielen Instituten klassisch als Bestandteil der Ablauforganisation und ihrer Ausgestaltung betrachtet – und allzu oft eher formal im Rahmen von Dokumentationspflichten der schriftlich fixierten Ordnung betrieben. Dennoch setzt sich sukzessive die Erkenntnis durch, dass es wenig sinnvoll und faktisch unmöglich ist, von der „Umsetzung digitalen Wandels“ und von der „Digitalisierung von Prozessen“ zu sprechen, wenn es bereits an Transparenz und betriebswirtschaftlicher Effizienz der aktuellen Prozesse mangelt und kulturell nicht akzeptiert und verstanden wurde, dass Digitalisierung von Prozessen erfordert, dass diese klar, eindeutig und granular modelliert und ausgestaltet sind. Schließlich mag zwar irgendwann künstliche Intelligenz auch in der Lage sein, aus einem „Ablaufchaos“ einen effizienten und tatsächlich durch Menschen-Maschine-Interaktion implementierten Prozess zu „zaubern“: Es bleibt aber zu vermuten, dass diese Entwicklungsstufe noch nicht in den nächsten wenigen Jahren des bankbetrieblichen Managements erreicht sein wird.

Richtig ist damit natürlich: Ziel des Prozessmanagements ist auch die Dokumentation von Abläufen im Sinne einer transparenten Ablauforganisation und schriftlich fixierten Ordnung. Diese sind auch Voraussetzung einer ordnungsmäßigen Geschäftsorganisation im Sinne des § ...


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Verschärfte Anforderungen für notleidende Kredite in Säule 1 und 2



Einführung der Mindestrisikovorsorge („NPL Prudential Backstop“) in Säule 1 sowie Überarbeitung des Managements von notleidenden Krediten in Säule 2

Tim-Oliver Engelke, Referent Gesamtbanksteuerung und Bankenaufsichtsrecht, Verband der Sparda-Banken e.V.[1]

I. Einführung ins Thema

„Die Behandlung notleidender Kredite steht im Rahmen der europäischen Bankenaufsicht ganz weit oben auf der Agenda und wird dort, davon bin ich fest überzeugt, noch eine Weile bleiben.“

So äußerte sich Felix Hufeld, Präsident der BaFin, in einem Redaktionsgespräch Ende 2018 zur Bedeutung von notleidenden Krediten in Europa. Das Thema hinsichtlich der Gefahr von notleidenden Krediten und deren Behandlung ist längst zum europäischen Politikum geworden. Ein Blick in die aktuellen Arbeitsprogramme bzw. aufsichtlichen Prüfungsschwerpunkte der BaFin, Deutschen Bundesbank und EZB zeigt, dass das Thema Kreditrisiko und die Behandlung notleidender Kredite verstärkt im Fokus der Aufsicht liegen.

Gemäß der EBA lag das Volumen an notleidenden Krediten in der Eurozone im Jahr 2014 bei über 1,1 Bio. €. Banken mit großen NPL-Beständen stellen eine erhebliche Gefahr für die Finanzstabilität und den Erfolg der Bankenunion dar. Notleidende Kredite belasten Ressourcen durch die Bindung von Eigenkapital und beeinträchtigen die Vergabe von Krediten zur Unterstützung der Realwirtschaft. Das politische Ziel in ...


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Individuelle Datenverarbeitung mit Excel – Best Practice



Test- und Freigabeverfahren standardisieren und erfolgreich einsetzen[1]

Annika Rüder, M. Sc., Spezialistin Risikocontrolling, comdirect bank AG

Noel Boka, M. Sc., Abteilungsleiter Controlling, VR Bank Niederbayern-Oberpfalz eG[2]

I. Einleitende Worte

Erscheinen die Anforderungen der MaRisk und der BAIT zum Management von IDV-Dateien in der Institutspraxis angekommen zu sein, so stellt sich unmittelbar hierauf aufbauend die Frage der Standardisierung und der Übertragbarkeit eines Best-Practice-Ansatzes. Sei die formale Integration in den Risikomanagement-Kreislauf als abgeschlossen zu beurteilen[3], stellt sich gleichwohl die Frage, ob auch für die Test- und Freigabeverfahren Standards und Qualitätsvorgaben bestehen. Der nachfolgende Beitrag greift diesen Gedanken auf und stellt verschiedene Wege zu Test- und Freigabeverfahren vor. Es soll als Ziel formuliert werden, eine Best Practice-Standardisierung aufzuzeigen und hiermit den Grundstein einer effizienten, betriebswirtschaftlich sinnvollen und ressourcenschonenden Vorgehensweise beizutragen.

II. Regulatorisches

Insbesondere durch die neuste MaRisk- und BAIT-Novelle hat die Bank bei der Anwendungsentwicklung Rahmenbedingungen zu schaffen, die betreffend

  • der Auswahl und Beschaffung,
  • der Entwicklung und Pflege,
  • der Test- und Freigabeverfahren, sowie
  • der Verfahrensdokumentation und Archivierung

geeignete Regelungen enthalten[4]. Dies umschließt auch Mustervorgehen und harmonisierte Antrags- und Zulassungsverfahren. Weitergehend kann eine Unterscheidung ...


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Wie wichtig ist Nachhaltigkeit bei der Start-up-Finanzierung?



Start-up-Unternehmen können sich mit Nachhaltigkeit besser am Markt positionieren. Banken schauen hier vor allem auf ökonomische Nachhaltigkeit.

     

Prof. Dr. Riccardo Wagner, Leiter der Media Faculty am Campus Stuttgart der Macromedia Hochschule, Professor für digitale Markenführung und Kommunikation,

         

Silke Oestreicher, Studentin der Betriebswirtschaftslehre an der Macromedia Hochschule Stuttgart,

         

Anela Rama, Studentin der Betriebswirtschaftslehre an der Macromedia Hochschule Stuttgart,

         

Heiko Reichle, Student der Betriebswirtschaftslehre an der Macromedia Hochschule Stuttgart.

I. Einleitung

Kennen Sie noch ein Unternehmen, das nicht nachhaltig arbeiten will? Richtig, das dürfte schwer zu finden sein. Doch Nachhaltigkeit verkommt nicht selten zum reinen Marketingansatz und bei einem genaueren Blick bleibt nicht viel übrig, außer vielleicht gute Intentionen. Das muss jedoch nicht sein. So ist Nachhaltigkeit mit seinen drei Dimensionen der ökologischen, sozialen und ökonomischen Nachhaltigkeit nicht nur umfassend definiert, sondern zahlreiche Studien haben einen positiven Beitrag von Nachhaltigkeit zum ökonomischen Erfolg, zur Markenbildung und nicht zuletzt zu Kunden- und Mitarbeitergewinnung und ...


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Bachelorwissen Banking: Zielführender Einsatz der Marktzinsmethode

Dr. Björn Grabbe, Spezialist, Gesamtbanksteuerung, Deutsche Apotheker- und Ärztebank, Lehrbeauftragter an der Allensbach Hochschule

Die Marktzinsmethode ist nach wie vor das modernste Verfahren der Zinsergebnisspaltung und wird sowohl von den Kalkulationssystemen des Sparkassen- und Genossenschaftsbankensektors als auch von den Systemen unabhängiger Anbieter angewendet. Der Grund hierfür ist, dass die Marktzinsmethode das einzige Verfahren ist, das eine verursachungsgerechte und objektive Aufspaltung des Zinsüberschusses ermöglicht.

Grundkonzept der Marktzinsmethode

Die Marktzinsmethode dient der Aufspaltung des Zinsüberschusses auf Aktiv- und Passivgeschäfte. Zudem wird derjenige Ergebnisbeitrag isoliert, der ausschließlich aus Fristigkeitsunterschieden zwischen den Bilanzseiten resultiert. So wird eine verursachungsgerechte und grenznutzenorientierte Kalkulation bis auf Einzelgeschäftsebene erreicht. Der Vergleich von Kundengeschäften mit der Zinsstrukturkurve aus Geld- und Kapitalmarktgeschäften führt zudem zu einer Objektivierung der Kalkulationsergebnisse.

SEMINARTIPPS

Übergang Going Concern-Ansatz auf neue normative RTF-Perspektive, 22.10.2019, Frankfurt/M.

Neue ICAAP-/ILAAP-Grundsätze: Herausforderungen für die Banksteuerung, 23.10.2019, Frankfurt/M.

Barwert(nahe) Steuerung im neuen RTF-Leitfaden für Praxis & Prüfung, 06.11.2019, Hamburg.

Update 2019: BaFin-Rundschreiben zum Zinsänderungsrisiko im Anlagebuch, 07.11.2019, Hamburg.

Die Zinsstrukturkurve zeigt, in Abhängigkeit von der Laufzeit, zu welchen Zinssätzen die Bank aktuell Geld aufnehmen oder ausleihen kann. Laufzeiten von bis zu einem Jahr bezeichnet man dabei als Geldmarkt, Laufzeiten darüber hinaus als Kapitalmarkt. Die Zinsstrukturkurve hat üblicherweise eine „normale“ Form, d. h. die Zinssätze steigen in Abhängigkeit von der Laufzeit. Verwendet werden üblicherweise weitestgehend risikolose Zinssätze, beispielsweise Swap-Sätze.

BUCHTIPP

Reuse (Hrsg.), Zinsrisikomanagement 3. Aufl. 2019

 

 

Die Vorteilhaftigkeit von Einzelgeschäften resultiert aus der Differenz zwischen den Kapitalmarktkonditionen und den vereinbarten Kundenkondition und wird daher Konditionsbeitrag genannt. Auf der Aktivseite entspricht der Konditionsbeitrag dem Mehrertrag des Kundengeschäfts gegenüber einem vergleichbaren Geld- und Kapitalmarkt (GKM)-Geschäft, d. h. Konditionsbeitrag Aktiv = Zinsertrag Kunde – GKM-Zins-Aktiv.

Auf der Passivseite ist es genau umgekehrt. Der Konditionsbeitrag ist der Minderaufwand des Kundengeschäfts gegenüber einem vergleichbaren GKM-Geschäft, d. h. Konditionsbeitrag Passiv = GKM-Zins-Passiv – Zinsaufwand Kunde.

Die zwischen dem GKM-Zins-Aktiv und GKM-Zins-Passiv verbleibende Differenz bezeichnet man als Strukturbeitrag, da dieser Ergebnisbeitrag nur aus der Struktur der Zinskurve und damit aus laufzeitabhängigen Zinsunterschieden resultiert.

Abbildung 1: Spaltung des Zinsüberschusses in Konditions- und Strukturbeitrag

Das Herauslösen des Strukturbeitrages aus dem Zinsüberschuss ist aus den folgenden Gründen sinnvoll:

  1. Ein Ergebnisbeitrag aus Fristentransformation ist auch ohne Kundengeschäft erzielbar, indem die Bank kurzfristig Geld am GKM aufnimmt und langfristig ausleiht. Dem entsprechend sollte der Strukturbeitrag auch separat ausgewiesen werden.
  2. Aus Fristentransformation ergeben sich Zinsänderungsrisiken daraus, dass die kurzfristige Refinanzierung früher ersetzt werden muss als die langfristige Geldanlage. Liegt dann das Zinsniveau über dem ursprünglichen Niveau, reduziert sich die Bruttozinsspanne. Dieses Risiko ist nur auf Gesamtbankebene steuerbar, i. d. R. durch den Bereich Treasury. Aus diesem Grund sollten die mit dem Risiko korrespondierenden Ertragspotenziale ebenfalls dem Bereich Treasury zugerechnet werden.
  3. Für einen Kundenberater sollte es unerheblich sein, welche Laufzeit die Produkte haben, die er seinen Kunden verkauft. Er sollte sich hierbei v. a. am Bedarf des Kunden orientieren. Zudem ist er nicht in der Lage und es gehört nicht zu seinen Aufgaben, die Zinsfristentransformation der Bank zu beurteilen oder gar durch gezielten Produktverkauf zu beeinflussen. Von Chancen und Risiken aus Fristentransformation ist er daher freizustellen.

Merksätze

  • Die Marktzinsmethode teilt den Zinsüberschuss verursachungsgerecht in einen Konditions- und einen Strukturbeitrag auf und damit zwischen Vertriebseinheiten und Treasury.
  • Der Konditionsbeitrag stellt den Mehrertrag bzw. Minderaufwand eines Einzelgeschäfts gegenüber einem strukturkongruenten Geld- und Kapitalmarktgeschäft dar.
  • Der Strukturbeitrag ist der Teil der Zinsspanne, der sich nur aus Laufzeitinkongruenzen der Aktiv- und Passivseite der Bilanz ergibt. Bei normal geformter Zinskurve stellt der Strukturbeitrag eine Laufzeitprämie von längeren gegenüber kürzeren Laufzeiten dar.

Infos zum BWL-Bachelor (B.A.) mit Schwerpunkt Banking der Allensbach Hochschule im Online-Studium, das auch berufsbegleitend möglich ist, finden Sie unter: https://www.fc-heidelberg.de/hochschulweiterbildung/bachelor-finance/

 

Beitragsnummer: 61049

Prüfung der mathematischen Risikomessungs- und -steuerungsverfahren durch die IR

Christoph E. Rakowski, Direktor/Leiter Revision, Deutsche Factoring Bank

Die zunehmende Regulierungsdichte stellt zusätzlich zu den dadurch entstehenden hohen Kosten ein besonders hohes Risiko für kleine und mittelgroße Institute dar.

Da die Regeln gem. SSM alle Finanzinstitute innerhalb der EU betreffen, wurde in der CRD festgelegt, dass Banken stets Risikomess- und -steuerungsverfahren einsetzen müssen, die ihre Geschäftsaktivitäten und die darin enthaltenen Risiken sowie die Größe, Komplexität und den Risikogehalt der Bank und ihre Bedeutung für das gesamte Bankensystem entsprechend berücksichtigen. Nicht zuletzt ist es eine der Aufgaben der Aufsicht innerhalb des SREP-Verfahrens (Säule II = Marktdisziplin) die Angemessenheit der internen Risikomessung und Steuerung zu beurteilen.

 

 

 

SEMINARTIPPS

Prüfung Rating-Prozesse, 04.06.2019, Frankfurt/M.

Prüfungsrisiko uneinheitliche Risikobewertung, 08.10.2019, Frankfurt/M.

IKS-Prüfungen durch die Bundesbank, 06.11.2019, Hamburg.

Prüfung der Internen Revision durch die Bankenaufsicht, 07.–08.11.2019, Hamburg.

 

Die deutsche Aufsicht deklarierte als Ziel, dem Proportionalitätsprinzip Geltung zu verschaffen und eine angemessene Berücksichtigung der individuellen Institutsverhältnisse zu gewährleisten. Ein Problem, insbesondere für die vielen kleinen Institute, ist hierbei jedoch die Tatsache, dass eine mathematisch-statistische Modellierung der aufsichtsrechtlichen Vorgaben bei vielen Instituten aufgrund der fehlenden statistischen Daten nur mit Einsatz kostenintensiver Beratungsgesellschaften darstellbar ist. Dementsprechend findet dort die Herleitung der Maßnahmen oft auf Basis von Expertenschätzungen statt, die jedoch mathematisch nicht hinreichend unterlegt sind.

Die Anforderungen an die Analyse der Belastbarkeit des Verfahrens zur Risikoquantifizierung unterliegen grundsätzlich einer Proportionalität. In den Erläuterungen stellte die Aufsicht ebenfalls klar, dass bei einfachen und transparenten Verfahren, die erkennbar konservativ sind, keine tiefgehende Analyse durchzuführen ist. Demgegenüber müssen vergleichsweise komplexe Verfahren umfassend quantitativ und qualitativ validiert werden.

Ein Modell ist in der Praxis als „komplex“ anzusehen, wenn man nicht eindeutig vorhersagen kann, wie sich die Veränderung eines Parameters auf das Modell auswirkt. Im Gegensatz dazu ist ein sog. „einfaches“ Modell dadurch charakterisiert, dass man die Auswirkungen eindeutig vorhersagen kann, bzw. dass man auf Basis vollständiger Informationen über Komponenten und Wechselwirkungen das Gesamtverhalten des Modells vorhersagen kann. Die Eingruppierung ob ein Modell „einfach“ oder „komplex“ ist, ist gleichwohl zwingend regelmäßig zu prüfen.

Das Problem in der Anwendungspraxis ist jedoch die Voraussetzung, dass die Heuristiken und kognitiven Verzerrungen grundsätzlich berücksichtigt und kontrolliert werden müssen, wenn Expertenschätzungen maßgeblich zur Risikoquantifizierung eingesetzt werden. Auch in diesem Fall sind die Schätzung und ihre Begründung in einer für sachkundige Dritte nachvollziehbaren Form und Detaillierung zu dokumentieren. Hierbei ist jedoch die Erfahrung aus den aufsichtsrechtlichen Prüfungen, dass die Schätzprozesse i. d. R. nicht die Anforderungen an ein transparentes Verfahren erfüllen. Ergo sind auch für Expertenschätzungen die Anforderungen aus AT 4.1 Tz. 9 sinngemäß relevant, da die abgeleiteten Annahmen voraussetzen, dass das Institut plausibel darlegen kann, inwiefern die zugrunde liegenden Daten die tatsächlichen Verhältnisse des Instituts angemessen widerspiegeln.

Deshalb ist bei Prüfung des mathematischen Risikomessungs- und -steuerungsmodells durch die Interne Revision sowohl eine Entwicklungs- als auch eine Validierungsstichprobe vorzunehmen, d. h. es ist zwingend eine umfassende Prüfung des mathematischen Modells vorzunehmen. Eine Plausibilisierung der Validierungsergebnisse unabhängig davon, ob es im Risikocontrolling oder durch einen sachkundigen Dritten durchgeführt wurde, ist nicht ausreichend. Diese Anforderung zwingt die Interne Revision zu einer entsprechenden Personalausstattung mit dem Schwerpunkt Risikocontrolling und mathematisch-stochastischer Ausbildung.

 

 

PRAXISTIPPS

  • Ist das Institut jederzeit ohne weitere Maßnahmen in der Lage, die Ziele des Geschäftsmodells kapitalseitig zu verfolgen bzw. zu tragen?
  • Ist die Konsistenz von Geschäfts-, Risikostrategie und Kapitalplanung jederzeit gegeben?
  • Sind adverse Szenarien hinreichend advers, konsistent und berücksichtigen alle Parameter und Ursachen? Gibt es eine nachvollziehbare und hinreichende Beschreibung der Szenarien und ihrer Annahmen sowie eine angemessene Berichterstattung?
  • Wurde der Verzicht der Berücksichtigung des KEPs angemessen gegenüber dem Vorstand und dem Aufsichtsorgan offengelegt?
  • Wurde für den vorzuhaltenden Puffer zwischen Risikodeckungspotenzial und Gesamtbanklimit ein Schwellenwert festgelegt?
  • Wurde das Gesamtbanklimit explizit im Ampelsystem berücksichtigt, um eine Steuerungswirkung zu entfalten?

 

 

Beitragsnummer: 61014

Aufsichtliche Ermittlung und Bedeutung der Eigenmittelzielkennziffer

Dominik Leichinger, Prüfungsleiter, Referat Bankgeschäftliche Prüfungen 2, Hauptverwaltung in NRW, Deutsche Bundesbank[1]

Im Rahmen der Umsetzung der EBA-Leitlinien zu gemeinsamen Verfahren und Methoden für den aufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozess (SREP) werden für weniger bedeutende Kreditinstitute (less significant institutions, kurz LSI) in Deutschland institutsspezifische Kapitalanforderungen durch die BaFin festgelegt.

Zusätzlich zu den gem. CRR vorzuhaltenden Eigenmitteln für Adressenausfall-, operationelle und Marktpreisrisiken des Handelsbuchs (Kapitalanforderungen nach Säule I) umfasst die institutsindividuell festgesetzte Kapitalanforderung weitere vom Institut als wesentlich eingestufte Risiken. Letztere werden nicht über vorgegebene Berechnungsverfahren in der CRR, sondern im Wesentlichen auf Basis institutsinterner Risikomessmethoden ermittelt. Insofern finden die innerhalb des ICAAP (Säule II) berücksichtigten Risikoarten und -methoden Eingang in die SREP-Kapitalfestsetzung. Da die Kapitalfestsetzung neben Komponenten der Säule I auch solche der Säule II beinhaltet, wird diese häufig auch als sog. Säule I Plus-Ansatz bezeichnet.

Analog zur SREP-Kapitalfestsetzung wird den Kreditinstituten eine Eigenmittelzielkennziffer – kurz EMZK – durch die BaFin mitgeteilt. Im Gegensatz zur SREP-Kapitalfestsetzung, bei der es sich um eine harte Kapitalanforderung handelt (auch als Pillar II Requirements bezeichnet, kurz P2R), stellt die EMZK eine über die SREP-Kapitalfestsetzung hinausgehende aufsichtliche Erwartungsgröße (auch als Pillar II Guidance bezeichnet, kurz P2G) an die Eigenmittelausstattung der Institute dar.

SEMINARTIPPS

RWA-Optimierung bei knapper werdendem Eigenkapital, 21.10.2019, Frankfurt/M.

Übergang Going Concern-Ansatz auf neue normative RTF-Perspektive, 22.10.2019, Frankfurt/M.

Neue ICAAP-/ILAAP-Grundsätze: Herausforderungen für die Banksteuerung, 23.10.2019, Frankfurt/M.

Neue RTF-Praxis:(un)sachgerechte adverse Szenarien als Herausforderung, 24.10.2019, Frankfurt/M.

Barwert(nahe) Steuerung im neuen RTF-Leitfaden für Praxis & Prüfung, 06.11.2019, Hamburg.

In ähnlicher Weise wie der über die SREP-Kapitalfestsetzung hinaus von den Instituten vorzuhaltende Kapitalerhaltungspuffer nach § 10c KWG verfolgt der durch die EMZK vorgegebene Kapitalzuschlag das Ziel einer langfristigen Einhaltung harter Kapitalanforderungen – auch in Stressphasen. Aufgrund der Zielsetzung basiert die Ermittlung der EMZK überwiegend auf Ergebnissen aufsichtlich vorgegebener Stresstests. Noch bilden die im Rahmen der Niedrigzinsumfeld-Umfrage 2017 (kurz NZU 2017) von den Instituten zurückgemeldeten Stresstestergebnisse die Ausgangsbasis. Erst kürzlich hat die Aufsicht ihre aktuelle Stresstestumfrage 2019 zur Einschätzung der Ertragslage und Widerstandsfähigkeit an die Institute adressiert. Die hieraus resultierenden Ergebnisse werden insofern die Ausgangsgrundlage für die Aktualisierung der EMZK bilden.

Auch wenn bisher von der Aufsicht kein konkretes Berechnungsschema zur Ermittlung der EMZK veröffentlicht wurde, so geben die EBA/GL/2018/03 den Rahmen für die Ableitung der P2G-Kapitalanforderungen vor. Demnach sind zur Beurteilung der Eigenkapitalausstattung unter Stressbedingungen sowohl qualitative Erkenntnisse (u. a. Angemessenheit der Risikomanagement-Prozesse) aus dem SREP als auch quantitative Auswirkungen von aufsichtlichen und institutsinternen Stresstests auf die Risikotragfähigkeit eines Instituts zu beachten. Letzteres beinhaltet auch die Stresswirkung auf die regulatorischen Eigenmittel und die Höhe der risikogewichteten Aktiva.

Die mit der EMZK adressierten Kapitalanforderungen können mit denen des Kapitalerhaltungspuffers verrechnet werden. Insofern begründet die EMZK für 2019 nur dann für Institute einen zusätzlichen Kapitalzuschlag, wenn diese oberhalb von 2,5 % liegt (gem. Basel III in 2019 vorzuhaltende Größenordnung für den Kapitalerhaltungspuffer). Sofern die rechnerische EMZK unterhalb der Kapitalpufferanforderungen liegt, wird eine EMZK von null festgesetzt. Der den Kapitalerhaltungspuffer übersteigende Anteil der EMZK kann neben Eigenmitteln gem. § 92 CRR auch durch ungebundene stille Reserven nach § 340f HGB abgedeckt werden.

Anders als bei Unterschreiten der harten SREP-Kapitalanforderungen führt die Nichteinhaltung der EMZK nicht automatisch zu aufsichtsrechtlichen Maßnahmen. Gleichwohl behält sich die Aufsicht, als Konsequenz im Falle einer unterhalb der EMZK liegenden Eigenmittelausstattung, vor, die Aufsichtsintensität bei dem entsprechenden Institut zu erhöhen. In diesem Sinne stellt die EMZK für die Aufsicht eine Art Frühwarnindikator zur Beurteilung der nachhaltigen Angemessenheit der Kapitalausstattung eines Kreditinstituts dar.

Daneben besteht durch den aktualisierten aufsichtlichen Leitfaden zur Ausrichtung der Risikotragfähigkeitskonzepte die Erwartungshaltung, dass innerhalb der normativen Perspektive die EMZK im Planszenario einzuhalten ist.

PRAXISTIPPS

  • Ableitung geeigneter Stresstest-Szenarien, die dem Risikoprofil eines Instituts angemessen Rechnung tragen, unter konsistenter Berücksichtigung von Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Risikoarten.
  • Die Überlegungen eines Instituts zur Wirkungsweise von Stresstests sind nicht nur auf das aktuelle Geschäftsjahr zu begrenzen. Vielmehr ist im Sinne einer vorsichtigen Kapitalplanung zu untersuchen, wie sich Stressereignisse auf den gesamten Kapitalplanungszeitraum auswirken.
  • Durchführung fundierter Analysen zur Wirkungsweise von Stresstests. Neben den Auswirkungen auf regulatorische Größen (normative Perspektive) sollten die Analysen auch die Effekte auf die interne Risikotragfähigkeitsrechnung (ökonomische Perspektive) umfassen.
  1. Die in diesem Aufsatz vertretenen Auffassungen geben die persönliche Meinung des Autors wieder und sind nicht notwendigerweise Positionen der Deutschen Bundesbank oder einer anderen Bankenaufsichtsbehörde.

Beitragsnummer: 60991