Flexible Möglichkeiten der Prozessgestaltung – ein Segen?

Sparkassen können einheitliche Prozesse nutzen und damit den Herausforderungen im Bankenumfeld auf der Kostenseite begegnen

Peter Homann, Bereichsleiter Organisation und Betrieb, Sparkasse Dortmund

Für Sparkassen gibt es viele Wege, einen Kundenwunsch zu erfüllen. Die Bandbreite an Möglichkeiten der Gestaltung und Administration von Prozessen ist groß, allerdings oft auf Kosten der Effizienz: Prozesse werden komplex und deren Bearbeitung damit teuer. Die 385 Sparkassen (Stand 31.12.2018) haben überspitzt formuliert ebenso viele Möglichkeiten, den grundsätzlich gleichen Kunden- und Institutswunsch prozessual unterschiedlich abzubilden.

Konnten sich die Sparkassen dies vor vielen Jahren noch leisten, ist es vor dem Hintergrund der bekannten Herausforderungen (Änderung Kundenverhalten, Niedrigzinsphase, steigende Anforderungen der Regulatorik, disruptive Technologieentwicklungen) ein Luxus, der nicht mehr gelebt werden kann – und auch nicht weiter gelebt wird.

Die Initiative „PPS“

Aus verschiedenen regionalen Projekten und Initiativen hat sich über mehrere Jahre die bundesweite Initiative „ProzessPlus für Sparkassen (PPS)“ entwickelt.

Das grundsätzliche Ziel dieser Initiative ist die Gestaltung von effizienten und gleichzeitig praxisorientierten Geschäftsprozessen, die zudem eine Unterstützung bei der Umsetzung der Strategien und IT-Entwicklungen aus der Sparkassenfinanzgruppe sowie der Regulation gewährleisten. Zum Beispiel fördert dies eine Umsetzung der Modellorganisationen des DSGV und eine möglichst optimale Nutzung des Kernbanksystems der Sparkassen, OSPlus.

Gesteuert wird die dezentrale Erstellung und Pflege der PPS-Prozesse durch das ProzessPlusCenter (PPC) beim DSGV. Daneben gewährleistet das PPC die Einhaltung von Standards und Konventionen und verantwortet die bundesweite Kommunikation der Ergebnisse. Ebenso ist das PPC für die PPS-Prozesslandkarte verantwortlich, die alle relevanten Prozesse beinhaltet und damit das wesentliche Ordnungsinstrument für die Prozesse darstellt.

Die Prozesslandkarte umfasst auf der untersten Ebene 1.250 Einzelprozesse, von denen rd. 850 veröffentlicht wurden (Stand 31.12.2018). Neben der laufenden Pflege sollen in 2019 rd. 50 neue Prozesse veröffentlicht werden. Zusätzlich zu den Kundenprozessen werden auch Steuerungs- und Unterstützungsprozesse standardisiert, wobei der Fokus zunächst auf den Kundenprozessen lag – zum einen möchten Sparkassen als Dienstleister hier natürlich optimal aufgestellt sein, zum anderen sind hier aufgrund der Anzahl an Vorgängen pro Tag die größten Effizienzpotenziale zu vermuten.

SEMINARTIPPS

Schlanke § 18 KWG-Prozesse, 24.09.2019, Frankfurt/M.

Prozessorientierte Prüfungslandkarten & Berichte für die Revision, 24.09.2019, Köln.

Prozess- & Datenorientierte Schutzbedarfsanalyse, 04.11.2019, Wiesbaden.

Prüfung Auslagerungsprozesse nach AT 9 und EBA-Vorgaben, 04.11.2019, Köln.

Prozess- & Aufgabenbezogenes Berechtigungsmanagement, 05.11.2019, Wiesbaden.

An den Prozessen arbeiten sowohl Sparkassen als auch Verbände und Verbundunternehmen in einzelnen Produktionsteams. Die Ergebnisse der Produktionsteams werden über das PPC überwiegend in zwei jährlichen Releases zur Verfügung gestellt. Die Finanz Informatik, als zentraler IT-Dienstleister der Sparkassen für das Kernbanksystem, orientiert sich bei der Weiterentwicklung der Systeme an den PPS-Prozessen. Damit ist die Nutzung dieser Prozesse für die Sparkassen deutlich leichter umsetzbar, zusätzlich gewährleistet durch den Praxisbezug über die maßgeblich in den Produktionsteams vertretenen Sparkassen.

Ein Segen?

Einfache Antwort: Nein. Individualisierte Prozesse mögen in Einzelfällen im Kundenverkehr Vorteile bieten, insgesamt aber ist wegen der damit verbundenen Komplexität und höheren Kosten davon nur abzuraten. Dies gilt auch für Unterstützungsprozesse und im Grundsatz ebenfalls für Steuerungsprozesse.

PPS bietet deutliche Vorteile für das Prozessmanagement in den Sparkassen. Sicher ist der Aufwand in der Einführungsphase recht hoch – auch wenn wir behaupten, bereits im Standard zu arbeiten, hat doch jeder seinen eigenen Standard interpretiert. Im Anschluss überwiegen aber die Synergien durch die zentral entwickelten Prozesse mit entsprechender Berücksichtigung in den IT-Systemen und den geringeren Aufwänden für die Releasebearbeitung inkl. der Administration.

Für einen erfolgreichen Einsatz ist es erforderlich, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von den Vorteilen eines „Standards“ überzeugt werden, da dieser Begriff eher negativ besetzt ist. Über einen Hinweis auf das erfolgreich in den Sparkassen eingeführte intuitiv nutzbare Frontend für das Kundengeschäft, OSPlus_neo, sollte das leicht möglich sein und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Fordernden des Standards werden.

PRAXISTIPPS

  • Verankern Sie das Bekenntnis zum Standard in der Geschäftsstrategie und/oder der IT-Strategie und verbinden dies mit quantitativen Zielen, um den erforderlichen Umsetzungswillen zu entfalten.
  • Lassen Sie sich von dem Umfang der PPS-Prozesslandkarte nicht entmutigen, führen Sie diese in Ihrem Haus ein.
  • Quick-Win: Nach dem Einsatz von OSPlus_neo nutzen Sie in vielen Fällen bereits den PPS-Standard, hier ist ein Abgleich inhaltlich und zeitlich weniger aufwändig.
  • Soll es insgesamt schnell gehen, ist die Umsetzung als Projekt mit entsprechender Steuerung unabdingbar und setzt natürlich die entsprechenden Ressourcen voraus.

 

Beitragsnummer: 75911

 

Beitragsnummer: 75911

Ausreißererkennung im Data Mining



Ausreißer in Datensätzen mit Hilfe von Techniken und Algorithmen aus dem Data Mining einfach identifizieren.

Holger Fullriede, Spezialist, Revision Models, NORD/LB Norddeutsche Landesbank.

I. Einleitung

Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung fallen immer größeren Datenmengen an. Traditionelle, stichprobenbasierte Prüfungstechniken stoßen dabei an ihre Grenzen. Zudem sind Methoden des maschinellen Lernens als Teil des Hypes um die Künstliche Intelligenz in aller Munde. Die Möglichkeit, einfach Erkenntnisse aus der Analyse großer Datenmengen zu gewinnen, scheint in greifbare Nähe gerückt. Es stellt sich die Frage, wie in der Internen Revision ein einfacher, kostengünstiger Einstieg in diese Techniken gelingen kann und was dabei zu beachten ist.

Für den Einstieg in die Datenanalyse eignen sich z. B. Methoden des Data Mining. Unter Data Mining versteht man die Entdeckung unbekannter Muster in bekannten Daten. Dabei sollen die Muster interessant sein, was an den Kriterien Neuheit, Allgemeingültigkeit, Nichttrivialität, Nützlichkeit sowie Verständlichkeit gemessen wird. Üblicherweise ist das Data Mining in einen vollständigen Prozess mit vorheriger Datenselektion, Datenvorverarbeitung und Datentransformation, sowie anschließender Interpretation der Ergebnisse eingebettet, welcher auch als Wissensgewinnung in Datenbanken („Knowledge Discovery in Databases“) bezeichnet wird[1].

Ein Teilgebiet des Data Mining beschäftigt sich mit der Erkennung von Ausreißern ...


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Die FCH Gruppe AG verleiht die Innovation Awards an die innovativsten Banken Deutschlands

Gesamtsieger Volksbank in der Ortenau setzt sich knapp gegen Stadtsparkasse Remscheid und VR Bank Südpfalz durch

Sascha Sychov, Bereichsleiter Digitalisierung und IT, FCH Gruppe AG

Am 24.06.2019 verlieh die FCH Gruppe AG in Kooperation mit der Allensbach Hochschule die Innovation Awards an die innovativsten Banken in Deutschland. Das war ein Kopf an Kopf-Rennen am ersten Abend der FCH-Innovation Days: Obwohl die Stadtsparkasse Remscheid sich in zwei Kategorien beweisen konnte, Business Model und Innovative Operations, holte die Volksbank in der Ortenau den Gesamtsieg als innovativste Bank ein.

Die VR Bank Südpfalz eG setzte sich in der Kategorie Customer Experience knapp vor den anderen teilnehmenden Banken durch. Wesentlicher Grund hierfür waren neben einem überzeugenden Omni-Kanal-Ansatz insbesondere die beiden innovativen Angebote „VR-SISy“ (VR-Service-Interaktiv-System) und „VR-Viki“.

Den Award in der Kategorie HR & Organisation gewann die Volksbank in der Ortenau. Auch diese Entscheidung war sehr knapp und letztlich gab die für die Branche sehr weit gediehene Ausrichtung der Organisation auf Innovation den Ausschlag. Die auf Agilität ausgerichtete Organisationsstruktur ermöglicht es der Bank, schnell und flexibel auf wechselnde Rahmenbedingungen zu reagieren, wozu auch die flachen Hierarchien und die strukturübergreifenden Projektteams ihren Beitrag leisten. Auch im Bereich des modernen Recruitings, der Außendarstellung in den Sozialen Medien und einer innovativen und zeitgemäßen Personalentwicklung konnte die Bank überzeugen.

Der Gesamtsieger wurde innerhalb der Untersuchung ermittelt, indem die Teilergebnisse der einzelnen Kategorien zu einem Gesamtergebnis aggregiert wurden. Insgesamt war die Volksbank in der Ortenau in allen nicht gewonnenen Kategorien jeweils sehr nahe am ersten Platz, was in Summe zu einem engen Gesamtsieg führte.

Business Model: Untersuchung des Innovationsgrads des Geschäftsmodells einer Bank.

Customer Experience: Hier wurde die Kundenseite betrachtet und der für den Kunden wahrnehmbaren Innovationsgrad bei den Touchpoints mit der Bank ermittelt.

Innovative Operations: Untersuchung der Innovationskraft der Arbeitsabläufe innerhalb der Bank. Hier spielten die internen Prozesse sowie die Nutzung innovativer Technologien eine Rolle.

HR & Organisation: Bewertung des Innovationsstands und der Innovationsfähigkeit von HR, der Organisation sowie der Führung innerhalb der Bank.

Die Allensbach Hochschule hat unter der Leitung von Prof. Dr. Sonja Keppler und Markus Krech, M.Sc., im Rahmen ihres Forschungsschwerpunktes „Digitalisierung“ die Daten der teilnehmenden Banken erhoben und ausgewertet. „Ziel war es auch, den aktuellen Stand der Digitalisierung im Bankwesen zu erfassen und den teilnehmenden Instituten entsprechende Entwicklungspotenziale aufzuzeigen,“ so Prof. Dr. Sonja Keppler. Die Allensbach Hochschule bietet neben einem Bachelor mit Schwerpunkt Banking auch einen Masterstudiengang „Finance“ an, in welchem auch das Thema „Digital Finance“ behandelt wird.

 

Beitragsnummer: 75637

 

Beitragsnummer: 75637

 

Beitragsnummer: 75637

 

BP WIKI FinTech

Beitragsnummer: 75583

 

Beitragsnummer: 75583

Künstliche Intelligenz in der Finanzbranche



Welche Rolle spielt der Faktor "Mensch" in Zeiten exponentiellen technologischen Fortschritts?

Jochen Werne, Direktor Business Development, Product Management, Treasury und Payment Services bei der Bankhaus August Lenz & Co. AG

     

I. Einleitung

Die einzige Konstante in der Geschichte war, ist und bleibt der Wandel. Die Erfindung des Buchdrucks im Jahre 1450 durch Gutenberg war ein Meilenstein auf dem Zeitstrahl der Entwicklung der Menschheit. Heute nehmen wir diese – in damaligen Zeiten durchaus als Innovation geltende Erfindung – zwar noch würdigend zur Kenntnis, aber leben längst und wie selbstverständlich umgeben von Smartphones und Cloud-Anwendungen, in denen wir die privatesten Informationen speichern und von überall auf der Welt abrufen können. Der heutige Wandel wird durch eine regelrechte digitale Revolution vorangetrieben.

Der digitale Wandel hat bereits für den Einzelnen und dessen Lebensweise elementare Folgen, entwickelt jedoch seine ganze Kraft, wenn es um das Zusammenspiel mit unserem sozialen Umfeld geht. In Zeiten von Smart Robotics und reifender Systeme in Bezug auf Künstliche Intelligenz stellt sich immer wieder die Frage, welche Rolle der Mensch auf der Bühne dieser Technologien spielt. Ist er ...


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Besonderheiten bei der Konzernausgründung als Joint Venture



Von der guten Idee bis zum erfolgreichen neuen Unternehmen.

Robert Wassmer, Geschäftsführer der komuno GmbH, einem Joint Venture der Helaba Digital sowie Lucht Probst Associates

           

I. Digitalisierung durch Ausgründung

Die Digitalisierung bleibt.

Nach häufiger anfänglicher Skepsis stellt heute niemand mehr ernsthaft in Frage, dass sich die digitale Transformation der Wirtschaft unaufhaltsam durchsetzen wird, auch wenn dies für viele mit teils schmerzhaften Auswirkungen verbunden ist. Marktteilnehmer sind gezwungen, die eigene Positionierung in diesem neuen Umfeld zu durchdenken und sich aktiv zu bewegen.

Bei Finanzdienstleistungsinstituten ist die Notwendigkeit zu agieren groß: Margen sinken durch Niedrigzinsen, während regulatorische Anforderungen über alle Produkte hinweg ansteigen. Und über alle Produkte des Bankwesens hinweg entstehen neue, digitale Vertriebskanäle, Dienstleistungen und an Banken angrenzende Geschäftsmodelle, mit denen sich als etablierter Anbieter beschäftigt werden sollte.

Die Institute, die lieber Hammer als Amboss sein möchten, sehen in dieser Veränderung der Marktstruktur eine Chance. Sie möchten diese Veränderungen unter ihrer Flagge prägen und die Ausgestaltung der neuen Kanäle und Leistungen so lenken, dass sie weiterhin ...


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Alles 0 und 1 – das ist Deins! Ein Weckruf für Firmenkundenleiter



Digitalisierung als Chancen zum Wandel

Carsten Menzel – Prokurist, Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung, Bereichsdirektor Firmenkundenbank – VR-Bank Westmünsterland eG[1]

                 

Digitalisierung bietet Banken Chancen zum Wandel hoch drei. Gottseidank! Nie war es einfacher, Zukunft zu gestalten, verkrustete Strukturen und Prozesse aufzubrechen.

I. Die Digitalisierung verändert viel. Auch im Firmenkundenbereich.

Ja, es passiert tatsächlich. Hier, direkt vor Ihrer Tür, bei der international tätigen Geschäftsbank in der nächsten Metropole, in der VR-Bank im beschaulichen Münsterland und auch bei der Sparkasse schräg gegenüber. Und sogar dort wo der ein oder andere Banker klammheimlich noch hoffen mag, dass dieser „Hype“ mangels lokaler Verfügbarkeit von highspeed-Internet und 4G doch bitte an ihm vorbeigehen werde. Sorry, diese Hoffnung ist vergebens – für Kaufleute war sie eh noch nie ein guter Berater. Denn egal wie „digi-affin“ Sie selbst und Ihre MitarbeiterInnen und KollegInnen sind, ob Sie sich als „first-mover“ mit der Erprobung von Prototypen und Beta-Prozessen beschäftigen oder sich diese Entwicklungen doch lieber erstmal ganz entspannt aus der Entfernung ansehen: Digitalisierung passiertauch und grade im Firmenkundenbereich. Mit oder ohne Sie. Wobei Zweiteres meines Erachtens nicht erste Wahl ...


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Neukundengewinnung mit Open Banking



Nutzung digitaler Mehrwertdienste

Andreas von Hirschhausen, Sr. Manager New Business and Accounts, Fincite GmbH

     

I. Open Banking, PSD2 und deren Auswirkungen

Die Finanzwelt befindet sich im Umbruch, auf dem Weg in ein digital vernetztes Zeitalter, in dem andere Industrien (Kommunikation, Handel) längst angekommen sind. Es entstehen neben neuen Marktteilnehmern auch neue Initiativen (Open Banking) und Regulationen (PSD 2). Diesen zu entsprechen, die technischen Voraussetzungen zu schaffen und wertvolle Kundendaten preiszugeben, scheint auf dem ersten Blick Argwohn bei manchen Finanzinstituten zu erwecken. Dennoch: nicht trotz, sondern dank dieser neuen Anforderungen können Finanzinstitute nun passgenauere Angebote für ihre Kunden entwickeln und somit attraktive Mehrwerte bieten. Schließlich können mit einem besseren Service begehrte Kundensegmente erschlossen werden, ohne in ein Preisdumping zu verfallen.

II. Open Banking und PSD 2

PSD2, abgekürzt für Payment Services Directive 2, oder zu Deutsch Zahlungsdienstrichtlinie, ist eine Europaweite Regulation. Sie hat mehrere Ziele:

  1. Förderung des Wettbewerbs und der Sicherheit im Zahlungsverkehr
  2. Bessere Informationslage für Endkunden
  3. Verbraucherschutz bei Zahlungsdienstleistungen.

Die PSD2 hat zur Folge, dass Nicht-Finanzinstitute nach erfolgter Lizenzierung durch die ...


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Begleitung von IT-Projekten durch die IT-Revision



Wie der technologische Wandel Veränderungsprojekte in der Banken-IT erzwingt und warum sich die frühzeitige und proaktive Einbindung der IT-Revision lohnt.

Marianne Gottschall, IT-Revisorin, Revision, M.M.Warburg & CO.

         

I. Der technologische Wandel in der Bankenwelt

1. Die Entwicklung der IT zum strategischen Erfolgsfaktor

Der technologische Wandel der letzten Jahrzehnte hat weitreichende Auswirkungen auf die gesamte Finanzbranche. Auch die Geschwindigkeit, mit der technologische Änderungen auf den Markt gespült werden, steigt stetig. Allein im Rückblick auf die letzten 70 Jahre hat sich einiges getan. Zwischen den ersten Kreditkarten, die in den 1950er Jahren in den USA in Umlauf kamen und der erstmaligen Nutzung von Bankautomaten, welche auf 1971 datiert wird, vergingen ca. 20 Jahre. Fast zehn Jahre später, im Jahr 1980 begann das Thema Onlinebanking und weitere sieben Jahre danach wurde die Idee des Mobile Payments geboren. Mit den 1990er Jahren kam die „Dot-Com-Blase“, ein etwas zu enthusiastischer Vorgeschmack auf die wachsende Bedeutung des Internets.

Nach der Jahrtausendwende folgten Technologien wie Blockchain, auf denen „Smart Contracts“ und Kryptowährungen basieren und die die Diskussionen ...


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Wer programmiert hier wen? – Künstliche Intelligenz auf dem Prüfstand

Künstliche Intelligenz ist ein Thema, bei dem zurzeit alle mitmischen wollen. Digitalisierung, Blockchain und Künstliche Intelligenz ziehen aktuell viel Aufmerksamkeit auf sich – auch die Aufmerksamkeit der Aufsichtsbehörden.

Talena Wahl, Bankenaufseherin, Deutsche Bundesbank[1]

talena_wahl_bundesbank

 

 

 

 

Das Jahr 2019 soll keine Neuauflage von George Orwells „1984“ werden. Die Dystopie von Orwell zeichnet einen Überwachungsstaat ohne jegliche Privatsphäre ab. Durch Künstliche Intelligenz wäre das sicherlich möglich. Doch durch ethische Mindeststandards und eine Partizipation der EU an der weiteren Entwicklung lassen sich solche Horrorvorstellungen abwenden und man kann die Vorteile von Künstlicher Intelligenz effizient nutzen.

Entwicklung des Forschungsgebietes Künstliche Intelligenz

Die Bundesregierung hat bereits erkannt, dass sie an Künstlicher Intelligenz nicht vorbeikommt und hat dementsprechend im November 2018 in Nürnberg einen Digitalgipfel abgehalten. Im Jahr 2019 will die Bundesregierung 142 Mio. € für Künstliche Intelligenz ausgeben, während der Bundesetat insgesamt 356 Mrd. € umfasst. Trotzdem träumt die Bundesregierung davon eine Qualitätsmarke „KI made in Germany“ zu etablieren. Dieser Aspekt ist vielerorts die Basis für Kritik geworden, denn es ist unwahrscheinlich, dass Deutschland allein Treiber der Entwicklungen werden kann. Vielmehr sollte eine Orientierung in Richtung „KI made in Europe“ erfolgen, um im internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig zu bleiben und erheblichen Einfluss auf die Gestaltung der ethischen Mindeststandards von Künstlicher Intelligenz nehmen zu können. Doch selbst wenn man die gesamten Investitionen der EU in Künstliche Intelligenz summiert, steht die EU im Vergleich zum amerikanischen und asiatischen Raum immer noch schlecht dar. So investierte Asien mehr als das Doppelte und Amerika mehr als das Dreifache.

SEMINARTIPPS

IT-Sicherheit Kompakt, 24.09.2019, Frankfurt/M.

Hackerangriffe & Cyber-Attacken: Reaktion und Prävention, 25.09.2019, Frankfurt/M.

Digitalisierung im Konten-/Zahlungsverkehr: Praxis & Prüfung, 26.09.2019, Frankfurt/M.

Prozess- & Datenorientierte Schutzbedarfsanalyse, 04.11.2019, Wiesbaden.

Prüfung (BA)IT im Fokus der Bankenaufsicht, 06.–07.11.2019, Wiesbaden.

Künstliche Intelligenz in der Praxis

Die Qualität von Künstlicher Intelligenz hängt sehr stark von den Daten ab, die verarbeitet werden. Das Wissen steckt in den Daten und muss hieraus extrahiert werden. Daten sind dementsprechend in der heutigen Zeit als Wettbewerbsvorteil zu identifizieren. Analysiert man die Daten adäquat, kann man z. B. auf das Kaufverhalten von Personen schließen und deren Alltag analysieren. Folglich lassen sich Produkte für bestimmte Zielgruppen kreieren oder bestehende Produkte besser zuschneiden. Durch eine effiziente Datenanalyse sind Unternehmen und Banken in der Lage ihre Position am Markt zu stärken und neue Geschäftsfelder auszuloten.

Die technische Entwicklung aus Sicht der Bankenaufsichtsbehörden

Wenn Banken sich im Bereich IT für einen kommenden Tapetenwechsel durch Künstliche Intelligenz richten, müssen auch die Bankenaufsichtsbehörden nachziehen. Es ist ein Muss, dass auch in der Bankenaufsicht gezielt IT-Ressourcen und Kenntnisse aufgebaut werden, um die technologischen Innovationen im Finanzsektor zu analysieren und zu hinterfragen. Wird Künstliche Intelligenz flächendeckend eingesetzt, bedarf es mehr und mehr Spezialisten, die komplizierte Programmiercodes verstehen können. Ein wesentliches Ziel der Bankenaufsicht ist es, die Bank zu verstehen. Aufseher wollen die Prozesse innerhalb der Bank nachvollziehen, um Gaps zu den aufsichtlichen Anforderungen identifizieren zu können. Im Falle der Künstlichen Intelligenz ist es für Bankenaufseher schwierig, den Lernprozess des Computers verfolgen zu können, was eine aufsichtliche Beurteilung erschwert. Man könnte hier den Begriff „Blackbox“ verwenden. Das heißt, man kennt Input und Output und kann sich ausmalen, was dazwischen passiert. Klare Evidenz hierfür gibt es nicht.

Regulatorik, Aufsicht und Technologie

Regtech ist eine Kombination der Begriffe Regulatorik und Technologie und ist eine Technologie, die primär auf Big Data, Künstlicher Intelligenz und der Distributed Ledger Technology beruht. Anwendungsbereiche von Regtech in Banken sind Risikomanagement, Compliance und Betrugserkennung. Die regulatorischen Anforderungen an Banken werden in der Zukunft eher zu- als abnehmen. Das hat direkte Auswirkungen auf die Kreditinstitute, die beispielsweise mehr Ressourcen aufbringen müssen, um diesen Anforderungen zu genügen. Wenn Technologie dabei helfen kann, umso besser. Genau an dieser Stelle greift Regtech, welche die Erfüllung und Dokumentationen der Vorgaben der Aufsicht unterstützen soll. Regtech kann auch in anderen stark regulierten Bereichen zur Anwendung kommen.

Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht z. B. hat Regtech als eine Möglichkeit der Banken identifiziert und untersucht aktuell die Erscheinungsformen, Ausprägungen und Anwendungsgebiete. Wichtig ist auf jeden Fall, dass Regtech nicht die Aufsichtsexperten in den Banken ersetzen kann, die sich mit den aufsichtlichen Anforderungen auskennen. Bei der Verwendung von Regtech ist ebenfalls klar, dass die letztliche Verantwortung beim Menschen verbleibt. Nichtsdestotrotz steht Regtech in den Startlöchern und hat enormes Entwicklungspotenzial.

Interessant in Bezug auf die Bankenaufsicht ist Suptech, was ein zusammengesetztes Wort aus Supervision und Technology ist. Der Unterschied zwischen Regtech und Suptech ist, dass Suptech für die Zielgruppe der Aufsichtsbehörden kreiert wurde. Das heißt, dass auch die Arbeit der Bankenaufsicht z. B. durch innovative Technologien unterstützt werden kann.

PRAXISTIPPS

  • Notwendige Voraussetzungen für den Gebrauch von Künstlicher Intelligenz sind Geld, Daten und Vertrauen. Das Vertrauen in Künstliche Intelligenz kann man nur stärken, wenn dadurch nicht zahlreiche Menschen ihre Jobs verlieren.
  • Algorithmen müssen verständlich bleiben.
  • „Ich war es nicht, es war die Maschine“ zählt nicht. Der Mensch bleibt verantwortlich.
  • Wenn es so stark auf die Qualität der Daten und eventuell auch auf die Menge der Daten ankommt, muss eine viel stärker datengetriebene Kultur etabliert werden. Heutzutage werden große Datenmengen meist noch als Belastung wahrgenommen.
  1. Dieser Beitrag gibt die eigene Meinung der Autorin wieder und stellt nicht notwendigerweise den Standpunkt der Deutschen Bundesbank dar.

 

Beitragsnummer: 73383

 

Beitragsnummer: 73383