Datenschutz und Informationssicherheit im Gesundheitswesen

Jäschke (Hrsg.): Datenschutz und Informationssicherheit im Gesundheitswesen, Untertitel: Grundlagen Konzepte Umsetzung. Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Deutschland, 2018. 430 S., 84,95 €.

 

Die EUDSGVO bleibt weiterhin in aller Munde. Nachdem in Europa bereits erste Bußgelder ausgesprochen wurden kündigten auch die ersten deutschen Behörden Bußgelder an. In einem der prominentesten Fälle der Anwendung der EU-DSGVO wurde ein bemerkenswert hohes Bußgeld gegen ein regionales portugiesisches Krankenhaus verhängt.

Eben dieser Branche widmet sich die zweite und überarbeitete Auflage des Buches von Herausgeber Prof. Dr. Thomas Jäschke. Entsprechend der Vielzahl von Verarbeitungen sensibler Daten, personenbezogene Daten besonderer Kategorie, haben der Datenschutz sowie die Informationssicherheit im Gesundheitswesen einen besonders hohen Stellenwert. Um diesem nachzukommen, vereint das Buch die Ausführungen unterschiedlicher Experten und Praktiker und setzt die Vorschriften der DSGVO, dem BDSGneu, dem SGB und weiteren relevanten Normen ins Verhältnis.

Dennoch werden gleichsam Fachfremde und -neulinge sowie rechtlich weitestgehend unerfahrene Leser behutsam an die Grundlagen des Datenschutzes und der Informationssicherheit herangeführt, so dass das Werk auch Einsteigern als erste Lektüre durchaus zu empfehlen ist. Dazu bietet das Buch für diverse Problemstellungen aus dem Gesundheitsbereich konkrete Lösungsvorschläge direkt aus der Praxis und füllt die Theorie so mit Leben.

Diese Praxishinweise setzen sich z. B. auch mit den aktuellen technologischen Entwicklungen im Gesundheitswesen auseinander und helfen den Themen CloudComputing, electronic Health und mobilen Health-Anwendungen adäquat zu begegnen.

Jonas Kierdorf, Bereichsleiter MiCo, Finanz Colloquium Heidelberg

Beitragsnummer: 1064

Rauchableitung – Eine essentielle Komponente des Brandschutzes

Prof. Dipl.-Ing. Thomas Kempen, Geschäftsführender Gesellschafter, Kempen Krause Ingenieure GmbH

Die Zahl der Menschen, die durch einen Brand ums Leben gekommen sind, stagniert in den letzten Jahren in Deutschland nahezu; 2015 waren es noch insgesamt 343, im Jahr zuvor 372 Personen (Statista Stand: 2018). 90 % davon sind jedoch nicht dem Feuer, sondern den bei einem Brand entstehenden toxischen Rauchgasen zum Opfer gefallen (FeuerTrutz – Statistik der Brandtoten in Deutschland 2015). Bei der Verbrennung von 10 kg Papier entstehen pro Stunde ca. 10.000 m³ Rauchgase (Fachplanung Entrauchung – Prof. H.-J. Gerhardt †). Dieses Rauchgasvolumen entspräche dem Rauminhalt einer großen Halle, deren Grundfläche 2.000 m² und deren Innenraumhöhe 5 m betragen würde.

 

Anforderungen nach der MBauO (Muster-Bauordnung)

In § 14 der Muster-Bauordnung wird gefordert, dass jede bauliche Anlage so zu errichten ist, dass der Entstehung eines Brandes und der Ausbreitung von Feuer und Rauch vorgebeugt wird sowie die Rettung von Menschen und Tieren und wirksamen Löscharbeiten ermöglicht werden. Die Rauchableitung dient hierbei nicht nur der Erhaltung der Rettungswege, die insbesondere für eine Fremdrettung notwendig sind, sie ist auch Basis für einen schnellen Löschangriff der Feuerwehr. Sie dient also insgesamt der Feuerwehr für eine wirkungsvolle Arbeit. Darüber hinaus dient eine Rauchableitung auch dem Sachwertschutz, da der Schaden durch Rauchgase meist um ein vielfaches höher liegt, als der Schaden, der durch den Brand selbst oder das Löschwasser verursacht wird.

 

Arten und Wirkprinzip der Rauchableitung

Prinzipiell gibt es zwei verschiedene Arten der Rauchableitung. Zum einen gibt es die maschinelle Rauchableitung (MRA), die mit Hilfe von Ventilatoren eine Druckdifferenz (Überdruck oder Unterdruck) im Gebäude erzeugt und somit zu einer Ableitung des Rauches führt. Zum anderen besteht die Möglichkeit einer natürlichen Rauchableitung (NRA), die sich der thermischen Effekte der Strömungsmechanik bedient und eine Rauchableitung (ins Freie) bewirkt. Beide Methoden benötigen Zu- oder Nachströmöffnungen im Gebäude, damit die Rauchgase effektiv abziehen können. Diese Zu- oder Nachströmöffnungen sind im unteren Raumabschnitt anzuordnen, da der Rauch wärmer als die Umgebungsluft ist und während er nach oben steigt, über diese Öffnungen von unten rauchfreie Außenluft nachzieht. Dabei ist auf eine möglichst geringe (Zu)Strömungsgeschwindigkeit zu achten (< 3,0 m/s, VDMA Grundlagenpapier Entrauchung), um eine effektive Rauchableitung gewährleisten zu können. Eine zu hohe Zuströmgeschwindigkeit könnte den Brand weiter anfachen oder die sich während des Brandereignisses im Idealfall bildende stabile Rauchschicht unterhalb der Decke bzw. des Daches zerstören. Für den betrieblichen Brandschutz ist es daher unerlässlich, dass diese Nachströmöffnungen nicht durch Gegenstände verstellt und regelmäßig auf Funktionsfähigkeit überprüft werden. Nur so kann eine Rauchableitung im Ernstfall ohne Störung funktionieren.

 

Kosten

Die Kosten für eine Anlage zur Rauchableitung variieren stark, je nachdem welche Art von Rauchableitung für ein Gebäude geplant ist. Generell sind solche Anlagen immer mit dem Fachplaner für die technische Gebäudeausstattung (TGA) auf das jeweilige Gebäude und dessen Besonderheiten abzustimmen, da nur so eine optimale Wirksamkeit einer Anlage gegeben ist. Prinzipiell ist eine Rauchableitung, die sich einer natürlichen thermischen Wirkungsweise bedient, günstiger, als eine maschinelle Rauchableitung, da im ersten Fall auf komplexe Lüftungskanäle und Ventilatoren verzichtet werden kann.

Anhand der anfangs erwähnten Beispielhalle (Fläche: 2.000 m², Höhe: 5 m) können sich die Kosten für Lichtkuppeln oder Lichtbänder, die zur natürlichen Rauchableitung genutzt werden, in einem Preisrahmen von ca. 3,50–4,00 €/m² bewegen. Bei einer maschinellen Rauchableitung würde man sich in einem Preisrahmen von ca. 6,00–8,00 €/m² bewegen (beides nur reine Gerätepreise ohne Montage und Zubehör nach Herstellerliste bezogen auf den m² der Beispielhalle).

 

Fazit

Die Erfüllung der bauordnungsrechtlichen Forderung nach einer wirkungsvollen Rauchableitung sollte nicht der einzige Grund sein, sich mit dem Thema Rauchableitung auseinanderzusetzen. Auch aus der Sicht eines betrieblichen Risikomanagements stellt das Thema Rauchableitung eine sorgfältig abzuwägende Komponente des Sachwertschutzes und zur Vermeidung von Produktionsausfällen dar.

Eine Kontamination von Gebäuden und Einrichtung mit Rauchgasen kann durch eine Rauchableitung reduziert werden. Die Reinigung von mit Rauchgasen kontaminierten Einrichtungen (auch technische Anlagen wie Klima-/Lüftungsanlagen etc.) ist stets mit hohen Kosten verbunden. Häufig müssen mit Rauchgas kontaminierte technische Anlagen sogar komplett ausgetauscht werden.

 

Praxistipps
  • Überprüfen Sie, ob Sie über Anlagen zur Rauchableitung verfügen (müssen). In Industriebauten sind Anlagen zur Rauchableitung ab einer Raumgröße von 200 m² Grundfläche vorgeschrieben.
  • Lassen Sie regelmäßig Ihre Anlagen warten! Eine Instandsetzung ist deutlich teurer als die regelmäßige Wartung.
  • Erhöhen Sie die Akzeptanz für das Thema Brandschutz bei Ihren Mitarbeitern. Der finanzielle Schaden eines Brandereignisses misst sich nicht nur nach der eigentlichen Schadenssumme des Brandes, sondern auch über mögliche Produktionsausfälle und den daraus resultierenden (evtl. dauerhaften) Verlust von Kunden.

Beitragsnummer: 1000

Betrieblicher Brandschutz

Sicherheit für mobilitätseingeschränkte Mitarbeiter

Matthias Bauer M.Sc., M.Eng., Brandschutz, Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG

„Es entspricht der Lebenserfahrung, dass mit der Entstehung eines Brandes praktisch jederzeit gerechnet werden muß. Der Umstand, dass in vielen Gebäuden jahrzehntelang kein Brand ausbricht, beweist nicht, dass keine Gefahr besteht, sondern stellt für die Betroffenen einen Glücksfall dar, mit dessen Ende jederzeit gerechnet werden muss.“ (Oberverwaltungsgericht Münster, 1987)

Die Aussage des Oberverwaltungsgerichtes Münster bringt deutlich zum Ausdruck, warum Konzepte zur Gebäuderäumung im Hinblick auf mobilitätseingeschränkte Personen so wichtig sind, wenn auch in der Vergangenheit wenige konkrete Situationen ein entsprechendes Handeln erforderlich machten. Unabhängig aller gesetzlichen Anforderungen sollte es schon allein aus ethischen Gründen geboten sein, Mitarbeitenden mit Mobilitätseinschränkung die gleiche Sicherheit am Arbeitsplatz zu bieten, wie ihren nicht beeinträchtigten Kolleginnen und Kollegen.

Diesen Anspruch können die im Vorbeugenden Brandschutz zugrunde liegenden Schutzziele jedoch nur mit besonderen Anstrengungen erfüllen. Die Schutzziele im Bauwesen besagen, dass bei einem Brand die Rettung von Menschen sichergestellt sein muss. Grundsätzlich wird vorausgesetzt, dass an Arbeitsplätzen eine Selbstrettung der Beschäftigten im Gefahrenfall idealerweise noch vor Eintreffen der Feuerwehr selbstständig durchgeführt werden kann.

Rechtliche Grundlagen und Risiken

„Ein Brand stellt für jedes Unternehmen eine ernste Gefährdung dar. Die Verantwortung für die Beschäftigten, die Sicherung des Unternehmens und die öffentliche Sicherheit erfordern eine angemessene Aufmerksamkeit für den Brandschutz.“ (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V., 2014)

Da die Rettung von Menschenleben durch den Abwehrenden Brandschutz (Feuerwehr) nur gelingen kann, wenn der Bereich Vorbeugender Brandschutz und Abwehrender Brandschutz nahtlos ineinander greifen, soll hier der Aufbau des Brandschutzes dargestellt werden. Dies soll das Verständnis der Zusammenhänge weiter stärken.

„Die Brandsicherheit in Gebäuden – insbesondere Gebäuden besonderer Art oder Nutzung – ergibt sich aus dem Zusammenspiel von vorbeugenden baulichen und anlagentechnischen Brandschutzmaßnahmen, organisatorischen Brandschutzmaßnahmen während des Betriebs bzw. der Nutzung sowie abwehrenden Brandschutzmaßnahmen nach Eintritt eines Brandereignisses.“ (Ingenieurmethoden des Brandschutzes, Hosser, 2009)

 

Der Gesetzgeber definiert die allgemeinen Anforderungen an Gebäude wie im § 3 Nr. 1 MBO definiert: „Anlagen sind so anzuordnen, zu errichten, zu ändern und in Stand zu halten, dass die öffentliche Sicherheit und Ordnung, insbesondere Leben, Gesundheit und die natürlichen Lebensgrundlagen, nicht gefährdet werden.“ (Musterbauordnung, § 3 Nr.1, 2002)

 

Weiter sind in der MBO ebenfalls die Schutzziele im Hinblick auf den Brandschutz definiert, auf welche besonderes Augenmerk im Bereich der Gefahrenabwehr gelegt werden muss. § 14 der MBO besagt: „Bauliche Anlagen sind so anzuordnen, zu errichten, zu ändern und in Stand zu halten, dass der Entstehung eines Brandes und der Ausbreitung von Feuer und Rauch (Brandausbreitung) vorgebeugt wird und bei einem Brand die Rettung von Menschen und Tieren sowie wirksame Löscharbeiten möglich sind.“ (Musterbauordnung, § 14, 2001)

Bereits aus den beiden oben genannten Rechtsvorschriften können Schwierigkeiten abgeleitet werden, welche durch fehlende Schutzmaßnahmen und Konzepte entstehen können. Die Rettung von mobilitätseingeschränkten Mitarbeitenden am Arbeitsplatz kann hier in Gefahr geraten.

Auch übergeordnete Gesetze wie das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland sollen sicherstellen, dass Menschen mit Behinderung nicht schlechter gestellt werden dürfen als gesunde Menschen. Das Benachteiligungsverbot im Artikel 3 des Grundgesetzes fordert die aktive Gleichstellung für Menschen mit Behinderung. „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden“ (Grundgesetz Art. 3 Nr. 3, 1949)

Arbeitsplätze sollten barrierefrei gestaltet sein, um den Mitarbeitern mit körperlicher Behinderung ein Höchstmaß an Selbstständigkeit zu ermöglichen. Das Be-hindertengleichstellungsgesetz (BGG) definiert die Barrierefreiheit wie folgt: „Barrierefrei sind bauliche und sonstige Anlagen, Verkehrsmittel, technische Gebrauchsgegenstände, Systeme der Informationsverarbeitung, akustische und visuelle Informationsquellen und Kommunikationseinrichtungen sowie andere gestaltete Lebensbereiche, wenn sie für Menschen mit Behinderungen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe auffindbar, zugänglich und nutzbar sind. Hierbei ist die Nutzung behinderungsbedingt notwendiger Hilfsmittel zulässig.“ (Behindertengleichstellungsgesetz § 4, 2002)

Die Nutzung des Arbeitsplatzes im täglichen Normalbetrieb scheint bei vielen als „barrierefrei“ geltenden Gebäuden unkritisch. Beispielsweise kommt der Mitarbeitende zu Arbeitsbeginn mit dem Fahrstuhl in ein Obergeschoss und zum Arbeitsende wieder in das Erdgeschoss und kann hier das Gebäude verlassen. Im Brand- bzw. Gefahrenfall kann jedoch genau dieses so selbstverständliche Nutzungsverhalten erschwert, wenn nicht sogar unmöglich werden. Im Brandfall ist die Nutzung von Fahrstühlen verboten und auch nicht mehr möglich, vorhandene Brandmeldeanlagen mit entsprechender Brandfallsteuerung lassen Fahrstühle ggf. in eine vorgegebene Ruheposition fahren. Die geforderte Selbstrettung ist nicht mehr möglich und der mobilitätseingeschränkte Mitarbeiter ist auf die Fremdrettung durch die Feuerwehr angewiesen.

Erfüllung der Schutzziele

Für die brandschutztechnische Risikobewertung sollten zunächst die Anforderungen gem. § 3 LBO BW – „Allgemeine Anforderungen“ – sowie die Schutzziele aus § 15 LBO BW – „Brandschutz“ – geprüft werden.

Bei der Planung und Ausführung eines Bauwerks muss für das Erreichen der Schutzziele, die Rettung von Menschen und Tieren sowie eine Risikovermeidung erfüllt werden. Dazu gehören:

  • Standsicherheit durch den Erhalt der Tragfähigkeit über einen bestimmten Zeitraum
  • Verhinderung der Brandentstehung
  • Ausbreitung von Feuer und Rauch auf möglichst kleine Abschnitte begrenzen
  • Ausbreitung von Feuer auf benachbarte Bauwerke verhindern
  • Rettung von Personen und Tieren ermöglichen
  • wirksame Löschmaßnahmen ermöglichen
  • Sicherheit der Rettungsmannschaften berücksichtigen

Bei der Umsetzung der Anforderungen sind die eingeführten technischen Baube-stimmungen (ETB) sowie die allgemein anerkannten Regeln der Technik (a. a. R. d. T.) zu beachten.

Abgrenzung der Begrifflichkeiten Evakuierung und Räumung

Häufig werden im Bereich der Entfluchtung von Gebäuden die Begrifflichkeiten Evakuierung und Räumung im allgemeinen Sprachgebrauch gleichermaßen nebeneinander genutzt. Dies ist jedoch falsch, da beide Begriffe zwar im weitesten Sinne etwas mit dem Verbringen von Personen aus einem Objekt an einen anderen Platz zu tun haben, jedoch deutliche Unterschiede bestehen. Diese Unterschiede sollen hier dargestellt werden.

Die Begrifflichkeit der Räumung wird innerhalb der betrieblichen Gefahrenabwehr für Szenarien genutzt, in denen ein schnelles in Sicherheit bringen von Personen aufgrund einer akuten Gefahrenlage notwendig ist. Eine Räumung findet stets im Notfall statt und ist nicht geplant. Als Beispiel für die Räumung kann das akute Brandereignis genannt werden. Hier geht es nicht darum die Personen in gleichwertig strukturierte Bereiche zu verlegen, sondern um die reine Rettung der Personen aus dem gefährdeten Bereich.

Bei der Begrifflichkeit Evakuierung hingegen geht man von Szenarien aus, in denen eine gewisse Vorplanung möglich ist und bei denen eine Verlegung von Personen in andere Bereiche mit gleicher Versorgungsqualität und -struktur unter Umständen über mehrere Tage erfolgt. Als Beispiel könnte hier der Fund einer Fliegerbombe aus dem zweiten Weltkrieg genannt werden. Hier müssen im Rahmen der Entschärfung angrenzende Wohngebäude (z. B. auch Altenwohnheime) evakuiert werden. Die evakuierten Personen müssen in ähnlich strukturierten Versorgungsbereichen untergebracht und betreut werden.

Räumungs- und Sicherheitskonzept im Betrieb

„Was unter der Selbstrettung von Personen im Brandfall zu verstehen ist, wird in der Literatur nicht übereinstimmend definiert. Um die Erfüllung des Schutzziels „Selbstrettung“ jedoch gewährleisten zu können, ist der Begriff zu klären.

Im Standardbau nach MBO und den Sonderbauten ohne hilfsbedürftige Personen sind die baulichen Vorgaben so angelegt, dass die Selbstrettung im Brandfall zumindest für den ersten Rettungsweg sichergestellt werden muss. Die Regelung für diese Bautypen gehen davon aus, dass die Nutzer in der Lage sind, einen Brand als Gefahr zu erkennen, eigenständig den Rückschluss zur Einleitung einer Fluchtreaktion ziehen und die horizontalen und vertikalen Rettungswege nutzen können.

„Sobald die Nutzer in der Sensorik oder der Motorik eingeschränkt sind, kann jedoch nicht mehr davon ausgegangen werden, dass diese Prozesskette eingehalten wird. Dies gefährdet das Erreichen des Schutzziels der Personenrettung und lässt Handlungsbedarf entstehen.“ (Barrierefreier Brandschutz, Göbell & Kallinowsky, 2016, S. 47)

Um jedoch für alle Personen eine (Selbst-)Rettung im Brand- und Gefahrenfall sicherstellen zu können und ggf. Handlungsbedarf zu identifizieren, muss bei der Beschäftigung von mobilitätseingeschränkten Personen im Betrieb der „worst-case-Fall Brand“ idealerweise vor Aufnahme der Tätigkeit durchgespielt werden. Hierbei muss vor allen Dingen darauf geachtet werden, dass die Erkenntnisse und Möglichkeiten eines anderen mobilitätseingeschränkten Mitarbeitenden auf keinen Fall Eins zu Eins übertragen werden können. Jeder Fall muss individuell betrachtet werden. Im Rahmen einer Räumungsübung können dann z. B. folgende Schwierigkeiten in der Selbstrettung auftauchen:

  • Hindernisse im Bereich der Flucht- und Rettungswege?
  • Stufen bzw. Treppenabsätze?
  • Selbstschließende bzw. offengehaltene Brandschutztüren welche im Detektionsfall zufallen und u. U. aus einem Rollstuhl nicht geöffnet werden können?

Im Brand- und Gefahrenfall darf der Fahrstuhl auf keinen Fall genutzt werden, automatisch schließende Feuerschutzabschlüsse können den Fluchtweg erschweren und der kürzeste Weg führt über Stufen welche nicht passiert werden können. Alles Situationen über die sich im Regelbetrieb unter Umständen keine Gedanken gemacht werden.

Die Beschäftigung von mobilitätseingeschränkten Personen in oberirdischen Geschossen ohne gesonderte Vorkehrungen zur Selbstrettung ist nur in besonderen Fällen vertretbar (z. B. bei Vorhandensein einer Werkfeuerwehr und entsprechendem Rettungskonzept).

 

Praxistipps
  • Führen Sie in jedem Fall eine Gefährdungsbeurteilung durch und führen Sie im Rahmen dieser eine Räumungsübung mit dem mobilitätseingeschränkten Mitarbeitenden durch.
  • Erkenntnisse von Person A lassen sich nicht Eins zu Eins auf Person B ableiten, jede mobilitätseingeschränkte Person muss individuell betrachtet werden.
  • Schulen und sensibilisieren Sie die Vorgesetzten und Mitarbeitenden zu den Schwierigkeiten im Brand- und Gefahrenfall.
  • Prüfen Sie die Einrichtung von Rettungszonen in sicheren Bereichen in denen gefahrlos auf die Rettung durch die Feuerwehr gewartet werden kann (z. B. Treppenräume).
  • Stellen Sie sicher, dass die Information über eine mobilitätseingeschränkte Person im Objekt im Brand- und Gefahrenfall auch sicher bei der Feuerwehr ankommt.
  • Holen Sie sich bei offenen Fragen ggf. Unterstützung bei einem Fachmann für vorbeugenden Brandschutz oder auch bei der zuständigen Feuerwehr.
  • Sicherheit zum „Nulltarif“ gibt es nicht!

Beitragsnummer: 908

Arbeitssicherheit in Unternehmen

Nicht nur auf die inneren Werte kommt es an, sondern auch auf das Aussehen. Wieso optisch schöne Arbeitsschutzprodukte besser schützen.

Dominik Schmitz, Inhaber SAFEBASE e.K. Handelsagentur für Arbeitsschutzprodukte

 

Diese Zeiten sind seit langem vorbei. Glücklicherweise muss man sagen. Die Zeiten, in denen persönliche Schutzausrüstung (PSA), wie z. B. Sicherheitsschuhe, Schutzbekleidung oder Schutzhelme, alles andere als optisch attraktiv und komfortabel zu tragen waren. Glänzten Arbeitsschutzprodukte früher vor allem durch ein langweiliges Design und geringen Tragekomfort, sind es heute Faktoren wie eine sportive Optik und eine komfortable Ausstattung, die das Verwenden solcher Produkte attraktiver und somit die tägliche Arbeit vieler Menschen sicherer machen als früher.

Auf was sollte man achten?

Doch auf was sollte man als Unternehmen heutzutage bei der Auswahl der richtigen persönlichen Schutzausrüstung für die eigenen Mitarbeiter achten. An erster Stelle sollte natürlich nach wie vor die technische Anforderung an das Produkt sowie die Berücksichtigung vor der zu schützenden Gefahr stehen. Schließlich bringt es nichts, wenn das Produkt bereits technisch gesehen nicht ausreichend schützt und der Mitarbeiter dadurch unnötigen Risiken ausgesetzt ist.

Tragekomfort

Direkt danach sollten jedoch Themen wie Design und Tragekomfort folgen. Tragekomfort ist unerlässlich, da der Mitarbeiter sich beim Verwenden der persönlichen Schutzausrüstung wohl fühlen muss. Das Tragen sollte möglichst wenig Einfluss auf das Ausüben der eigentlichen Tätigkeit nehmen. Nur bequeme Schutzausrüstung wird gerne getragen und beugt der Verwendung falscher, eventuell privater Ausrüstung vor, die der Mitarbeiter stattdessen auf eigene Faust verwenden könnte. Ein Klassiker ist hier sicherlich das Weglassen von Sicherheitsschuhen und das Verwenden privater Turnschuhe ohne Schutzfunktion.

Design

Immer elementarer wird jedoch neben dem Tragekomfort das Thema Design. Vorbei das Zeitalter, in dem Mitarbeitern egal war, wie die Schutzbrille oder der Schutzhelm aussehen und es nur um die technischen Anforderungen ging. Heute wollen viele Mitarbeiter auch bei der Arbeit gut aussehen, was den Trend von optisch ansprechender PSA in den letzten Jahren mehr und mehr in den Fokus der Hersteller gerückt hat. Als anwendendes Unternehmen von Arbeitsschutzprodukten sollte man beim Einkauf von Sicherheitsschuhen und Co. somit auch verstärkt auf ein optisch ansprechendes Design setzen, um den Schutzgrad im Unternehmen dadurch zusätzlich zu erhöhen. Das Zauberwort heißt Trageakzeptanz. Je höher die Trageakzeptanz der Produkte bei den Mitarbeitern, umso höher der Schutzgrad. Denn wie man sich vorstellen kann, nützt der beste Schutzhelm nichts, wenn er im Falle eines Unfalls nicht getragen wird und sein Dasein in einem Spind oder einer anderen Ablage schlummert. Hohe Akzeptanz bei den Mitarbeitern ist gleich hoher Schutzgrad im Falle eines Unfalls, wenn die Produkte eher und vor allem gern getragen werden.

Return on Investment dank Arbeitsschutz

Der Preis sollte bei der Auswahl der Schutzausrüstung nach den Kategorien „technischen Anforderungen“, „Design“ und „Komfort“ eine eher untergeordnete Rolle spielen. Eine Studie der Internationalen Vereinigung für Soziale Sicherheit (IVSS), der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung und der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro (BG ETEM) aus dem Jahr 2012 kommt zu dem Ergebnis, dass sich jeder in Arbeitsschutz investierte € mit mehr als dem Doppelten wieder ausbezahlt und somit einen deutlichen Return on Investment erbringt. Ein Grund unter weiteren ist, dass hochwertigere, sportive Produkte zu eben jener höheren Trageakzeptanz führen und somit die Ausfallzeiten der Unternehmen durch auftretende Arbeitsunfälle und die damit verbundenen Kosten senken. Des Weiteren steigt die Produktivität der Mitarbeiter, da eine hochwertigere, optisch ansprechende Schutzausrüstung mit dem notwendigen Schutzeffekt die Ausübung der Tätigkeit erleichtert. Ein geschützter und sich bei der Arbeit wohl fühlender Mitarbeiter bringt bessere Leistungen als ein Mitarbeiter, der sich unwohl oder nicht ausreichend geschützt fühlt.

 

Praxistipps
  • Achten Sie bei der Auswahl und Beschaffung von persönlicher Schutzausrüstung, neben der technischen Spezifikation, vor allem auf Komfort und Design.
  • Führen Sie vor der unternehmensweiten Einführung neuer PSA ausreichende Tragetests durch.
  • Jeder in den Arbeitsschutz investierte € bringt Ihnen Geld und ist somit gut angelegt.

 

Beitragsnummer: 859