Flexible Abrechnung

Pay-per-Use im Leasing.

Frank Schottenheim, Director, Financial Institutions, Risikomanagement, PS-Team Deutschland GmbH & Co. KG.

     

I. Abrechnung über Nutzungsdaten

Die sogenannte vierte industrielle Revolution bringt auch Bewegung in das Leasing gewerblicher Güter. Aus mit Sensoren ausgestatteten Maschinen lassen sich Verbrauchsund Nutzungsdaten herauslesen: Der Kunde zahlt nur noch die Leistung, die er bezieht. Allerdings müssen die Anbieter mit höheren Restwert- und Wiedervermarktungsrisiken umgehen.

II. Digitalisierungsbrücke

1. Nutzen statt besitzen

Die Ökonomie des Teilens funktioniert nach einem einfachen Grundsatz: nutzen statt besitzen. In diesem Fahrwasser erfreut sich das – ohnehin verbreitete – Leasing wachsender Beliebtheit. Längst ist Bewegung in die Abrechnung gekommen: Die Anbieter entwickeln nutzungsabhängige Modelle. Die Voraussetzung dafür schafft die vierte industrielle Revolution, das Internet der Dinge: Indem mit Sensoren ausgestattete Objekte – beispielsweise Maschinen – Verbrauchs- und Nutzungsdaten melden, liefern sie den Finanzierern die Abrechnungsgrundlage.

2. Daten für neue Bezahlmodelle

Allerdings müssen die Nutzungsdaten in unterschiedlichen Formaten vereinheitlicht werden, bevor man mit ihnen „rechnen“ kann. Das leistet die Lösung SE.M.LABS des gleichnamigen Stuttgarter Start-ups. PS-Team übernahm im Frühjahr 2019 die Software inklusive Markenauftritt, um Banken- und Leasinggesellschaften sowie ...


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Der Privatverkauf einer Immobilie

Rechtliche und praktische Empfehlungen.

Dr. Jörg Lauer, Rechtsanwalt, langjährige Leitungsfunktion im nationalen und internationalen Immobilienfinanzierungsgeschäft im Landesbankensektor.

I. Einleitung

Wer eine Immobilie verkaufen möchte, entscheidet sich zuerst, ob er dies „privat“ oder unter Einschaltung eines Maklers durchführen möchte. Ist diese strategische Vorfrage zugunsten des Privatverkaufs geklärt, geht es sodann um die Vermarktungsstrategie. Diese reicht vom Inserat in selektiven örtlichen oder regionalen Zeitungen, über abgesprochene Aushänge bei führenden Firmen und Institutionen bis hin zum Einstellen in überregionale Portale im Internet. Selbstverständlich ist dabei stets eine wahrheitsgemäße, gleichwohl werbewirksame Beschreibung des Objektes erforderlich, bei Internet-Portalen zusätzlich aussagekräftige Fotos. Die Formulierungen sollten auf die priorisierte Zielgruppe für die betreffende Immobilie ausgerichtet werden[1].

Die Strategie kann auch vorsehen, zunächst den Privatverkauf anzustreben und bei ausbleibendem Erfolg später einen Makler einzuschalten, der z. B. eine überregionale Klientel erreicht. Die konsequente Umsetzung der gewählten Strategie ist erforderlich, um die Werbung für die Immobilie zu steuern und zu vermeiden, dass diese wie das sprichwörtliche saure Bier „überall“ und unkontrolliert angeboten wird. Generell gilt es zu bedenken, dass Anzeigentexte verändert werden können, Eindrücke über Fotos aber haften bleiben. Zur Strategie gehört ferner, sich einen realistischen Zeitrahmen zu setzen, innerhalb ...


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Unterschiede interner und externer Ratings

Andreas Münster, Analyst Risikotragfähigkeit, VON ESSEN BANK GmbH.

       

Geschichtliche Entwicklung, Funktionsweise und Unterschiede interner und externer (Unternehmens)Ratings.

I. Grundlagen

Spätestens seit der Finanzmarkt- und anschließender Staatsschuldenkrise (Griechenland & Co.) hatte wohl jeder schon einmal Berührung mit dem Thema Rating und den „geheimnisvollen“ Buchstabenkürzeln. Aber was genau steckt hinter der „Black Box“ Rating, wie kommen diese Noten zustande und was sagen sie aus?

Eingeführt wurde das Thema Rating im Jahr 2004 von dem Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (Basle Committee for banking supervision, kurz BCBS). Dieser Ausschuss ist das weltweit bedeutenste Forum für Bankenaufsicht, angesiedelt bei der Bank für internationalen Zahlungsausgleich, kurz BIZ, in Basel (Schweiz).

Im Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht, dem aktuell Vertreter der nationalen Zentralbanken und Aufsichtsbehörden aus 28 Jurisdiktionen angehören, wird Europa durch die EU-Kommission,

die EZB, EBA und Deutschland durch die Bundesbank und die BaFin vertreten[1].

Die Baseler Rahmenwerke werden der Einfachheit halber durchnummeriert (Basel I: 1988,

Basel II: 2004, Basel III: 2010, Finalisierung von

Basel III auch tituliert als „Basel IV“: 2017)

Kundenbilanzen zielsicher verstehen und interpretieren

Christoph Hoeren, Senior Risk Manager, KfW DEG Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH.

I. Strukturierter Ansatz als Grundlage

Die Analyse und Rating- bzw. Bonitätsfestlegung anhand von Jahresabschlüssen bei Firmenkunden hat nach wie vor eine hohe Bedeutung. Im Rahmen der Digitalisierung können auch Elemente aus der Unternehmensanalyse automatisiert und effizienter gestaltet werden. Gleichwohl ist bei jeder Implementierung von Digitalisierungs- bzw. Automatisierungsprozessen abzuwägen, bis zu welchem Grad auf eine qualitative manuelle Sichtung und Analyse von Jahresabschlüssen verzichtet werden kann. Ferner sind Leitfäden für eine zielgerichtete Jahresabschlussanalyse auch vor dem Hintergrund von Aufgabenveränderungen für Mitarbeiter in der Kreditabteilung wichtig geworden, um ein möglichst einheitliches Verständnis innerhalb eines Instituts zur Jahresabschlussanalyse sicherzustellen.

Vor diesem Hintergrund kommt es auf die Etablierung bzw. Sicherstellung eines strukturierten Ansatzes an, der sich auf die wesentlichsten Prüfschritte bezieht. Die größte Herausforderung liegt darin, die Vernetzung bzw. Verbindung von bestimmten Prüfungsergebnissen mit anderen Fragestellungen zu erkennen.

II. Qualitative Jahresabschlussanalyse

Idealtypisch könnte sich der Prozess der (qualitativen) Jahresabschlussanalyse wie folgt darstellen:

1. Erfassung der Rechtsform und deren Auswirkungen

Die Klassifizierung nach Kapitalgesellschaft und Personengesellschaft sowie deren Größenklassen nach HGB/PublG sind ganz entscheidend für den Umfang und den Inhalt eines Jahresabschlusses. Es ...


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Schlüsselkontrollen in Kreditprozessen

Gisela Conrads, Leiterin Interne Revision, Münchener Hypothekenbank eG

Die Definition der Schlüsselkontrolle beschränkte sich lange Zeit im Wesentlichen auf die Beurteilung der Wirksamkeit des IKS für die Rechnungslegung. Aufgrund erweiterter aufsichtsrechtlicher und gesetzlicher Anforderungen (u. a. MaRisk AT 4.4 und BT 2; § 25a Abs. 1 KWG, EBA Guidelines) erlangte die „Schlüsselkontrolle“ in den letzten Jahren eine neue Bedeutung für die Überwachung des gesamten Unternehmens und hielt Einzug in den Sprachgebrauch aller Internen Kontrollsysteme. Die in § 25a KWG geregelten organisatorischen Pflichten betonen, dass die Geschäftsleitung des Instituts für die ordnungsgemäße Geschäftsorganisation verantwortlich ist. Hierzu zählen ein angemessenes und wirksames Risikomanagement sowie die Einrichtung Interner Kontrollverfahren.

Kontrollen sind i. d. R.:

  • 4-Augen-Prinzip (z. B. Kompetenzen)
  • Einzelkontrollen (z. B. Stichproben)
  • Systemkontrollen (z. B. Plausibilitätskontrollen).

Wenn man der Frage nachgeht, um welche Kontrolle es sich bei der Schlüsselkontrolle handelt, wird man schnell feststellen, dass es sich nicht um eine neue Art der Kontrolle handelt.

Die Schlüsselkontrolle definiert Kontrollziele für einzelne Risiken (inkl. der operativen Strategieeinhaltung) und erfüllt aufsichtsrechtliche bzw. gesetzliche Anforderungen, ohne dass aktuell eine einheitliche Definition des Begriffs „Schlüsselkontrolle“ im Gesetz oder Aufsichtsrecht vorgegeben wird. Schlüsselkontrollen zeichnen sich daher durch ihre besondere Rolle innerhalb eines Prozesses aus und sollen dazu beitragen, unter Kosten-Nutzen-Aspekten wesentliche Risiken zu vermeiden, vermindern oder aufdecken. Dabei können der maßgeblichen Schlüsselkontrolle auch mehrere Einzelkontrollen vorausgehen. Schlüsselkontrollen sind individuell für jedes Geschäftsmodell festzulegen und in strukturierter Form zu überwachen.

Um entsprechende Schlüsselkontrollen implementieren zu können, ist eine Zerlegung aller Geschäftsprozesse in Teilprozesse sowie eine Bewertung der einzelnen Prozesse erforderlich. Die Bewertung der Prozesse und möglicher Kontrollen sollte dabei unternehmensabhängig in Einklang mit den erwarteten Risiken und den für die Kontrollen entstehenden Kosten stehen. Nicht jede teure Kontrolle vermindert auch hohe Risiken.

Auch aus den Anforderungen der „Leitlinien zum einheitlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozesses (SREP)“ geht das Erfordernis, Schlüsselkontrollen zu implementieren, hervor. Die demnach erwartete Re-Kalibrierung des Internen Kontrollsystems auf Basis von Schlüsselkontrollen, wonach das Interne Kontrollsystem auf das ganze Institut auszuweiten und die Prozesse entsprechend zu überwachen sind, betrifft auch die Überwachung der „Risikokultur“. Eine nicht vorhandene oder nicht gelebte Risikokultur kann zu strategisch nicht gewünschten Risikobeiträgen, hohen Kosten bzw. Verlusten führen. Nach Ansicht der Autorin sollten die Institute daher auch „Schlüsselkontrollen“ zur Überwachung einer Risikokultur implementieren, um einen angemessenen Nachweis über die zugrunde liegenden Faktoren und deren Wirksamkeit erbringen zu können. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Geschäftsleitung die eingangs erwähnte Verantwortung für die ordnungsgemäße Geschäftsorganisation ernst nimmt.

 

 

 

SEMINARTIPPS

Schlüsselkontrollen Spezial: Kreditprozesse, 09.10.2019, Berlin.
IKS-Prüfungen durch die Bundesbank, 06.11.2019, Hamburg.

IKS Kompakt: Aufbau & Prüfung von Schlüsselkontrollen, 20.11.2019, Berlin.
Prozessorientierte Schlüsselkontrollen im Fokus der Aufsicht, 03.12.2019, Frankfurt/M.

Zunächst muss sichergestellt werden, dass unter Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkten erforderliche Kontrollen nicht nur vorhanden sind, sondern in die bestehenden Prozesse integriert wurden und in der Organisation bekannt sind. Die Funktionsfähigkeit dieser Kontrollen ist durch die Interne Revision regelmäßig zu überprüfen. Da die Prüfung der Schlüsselkontrollen eine neue Prüfungsmethodik darstellt, bedeutet dies für die Interne Revision des Unternehmens eine Anpassung der risikoorientierten Prüfungsplanung sowie der Prüfungsansätze.

PRAXISTIPPS

  • Grundlage für funktionsfähige Schlüsselkontrollen ist die Schaffung eines einheitlichen Grundverständnisses für die Themen “Prozess” und “Detailtiefe der Prozessschritte”.
  • Klare Schnittstellen und Service Level Agreements sind als Grundlage verlässlicher (erwarteter) Qualität erforderlich.
  • Kommunikation von „Schlüsselkontrollen“.
  • So viel wie nötig, so wenig wie möglich – die Kontrollergebnisse müssen auch beachtet werden.
  • Bei der Implementierung der Schlüsselkontrollen ist der Kosten-Nutzeneffekt zu beachten.
  • Die Implementierung einer angemessen Risikokultur kann mittels entsprechender „Schlüsselkontrollen“ nachgewiesen werden.

 

Beitragsnummer: 70925

Musterfeststellungsklage gegen Mercedes Benz Bank AG abgewiesen

Sabine Kröger, Rechtsanwältin, Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht und Handels- und Gesellschaftsrecht, SKW Schwarz Rechtsanwälte, München

Mit Urteil vom 20.03.2019, Az.: 6 MK 1/18, hat das OLG Stuttgart – unter Zulassung der Revision zum BGH – die bundesweit erste Musterfeststellungsklage wegen Unzulässigkeit abgewiesen. Das Gesetz zur Einführung einer zivilprozessualen Musterfeststellungsklage (vgl. §§ 606 BGB ff.) ist seit dem 01.11.2018 in Kraft.

Das OLG Stuttgart hat in dem Rechtsstreit der Schutzgemeinschaft für Bankkunden e.V. gegen die Mercedes Benz Bank AG um Autokreditverträge und Feststellungsanträgen im Zusammenhang mit dem „Darlehenswiderrufs-Joker“ (siehe näher hierzu die Bekanntmachungen im Musterfeststellungsklagenregister unter www.bundesamtjuistiz.de), die Musterfeststellungsklage als unzulässig gem. § 606 Abs. 3 Nr. 1 ZPO abgewiesen, da die klagende Schutzgemeinschaft aus Sicht des Gerichts keine qualifizierte Einrichtung i. S. d.
§ 606 Abs. 1 Satz 2 ZPO und damit nicht klagebefugt ist, stellvertretend für Verbraucher ein derartiges Verbandsklageverfahren zu führen.

Die Schutzgemeinschaft habe insbesondere nicht belegen können, dass sie mindestens 350 natürliche Personen als Mitglieder hat (vgl. § 606 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 ZPO). Denn die von dem Verein behaupteten als „Internetmitglieder“ bezeichneten Personen seien keine „Mitglieder“ i. S. d. gesetzlichen Bestimmungen. Nach dem Willen des Gesetzgebers solle nämlich durch die gegenüber der Eintragung in die Liste nach § 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UKlaG „strengeren“ Voraussetzungen des § 606 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 bis 5 ZPO zur Klagebefugnis vor allem sichergestellt werden, dass keine sachwidrigen oder missbräuchlichen Musterfeststellungsklagen erhoben werden (BT-Drs. 19/2.439, S. 16). Musterfeststellungsklagen sollen ohne Gewinnerzielungsabsicht und nur im Interesse betroffener Verbraucher und nur von Organisationen erhoben werden können, welche aufgrund ihrer bisherigen Tätigkeit und der Herkunft ihrer finanziellen Mittel die Gewähr für eine sachgerechte Aufgabenerfüllung und keine Anhaltspunkte für Missbrauch bieten. Aus diesen Erwägungen und aus ihrer Umsetzung im Gesetz folge, dass der Begriff des „Mitglieds“ nur von Vereinsmitgliedern erfüllt sein könne, die qua organschaftlicher Rechte in relevanter Weise auf Verhalten und Geschicke des Vereins Einfluss nehmen können. Daher müssten im konkreten Fall die „Internetmitglieder“ bei der Zählung unberücksichtigt bleiben; deren Rechte und Pflichten seien nämlich nicht ernsthaft von Beziehern kostenpflichtiger Newsletter auf Abonnements-Basis zu unterscheiden.

Zudem fehle es an der Klagebefugnis, da der Verein in Erfüllung seiner satzungsmäßigen Aufgaben nicht Verbraucherinteressen weitgehend durch nicht gewerbsmäßige aufklärende oder beratende Tätigkeit wahrnehme (vgl. § 606 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 ZPO). Denn nach der Gesetzesbegründung (BT-Drs. 19/2439, S. 23) solle mit diesem Erfordernis sichergestellt werden, dass eine Einrichtung nicht vorwiegend Musterfeststellungsklagen erhebt. Die gerichtliche Geltendmachung von Verbraucherinteressen dürfe auch in der gelebten Praxis der Einrichtung nur eine untergeordnete Rolle spielen. Dies sei aber bei der Schutzgemeinschaft nicht der Fall. Denn diese selbst habe im Rahmen des Verfahrens dargelegt, dass ihre Tätigkeiten ganz überwiegend darin bestünden, insbesondere durch Analyse der AGB von Kreditinstituten mögliche Rechtsverstöße in den AGB zu identifizieren, die betreffenden Institute anschließend abzumahnen und die Auffassung des Vereins von der Fehlerhaftigkeit der AGB in der Folge gerichtlich durchzusetzen.

SEMINARTIPP

19. Heidelberger Bankrechts-Tage, 21.10.–22.10.2019, Heidelberg

 

 

Weiter mangle es an der Klagebefugnis, da sich nicht feststellen lasse, dass der Verein Musterfeststellungsklagen entgegen den Voraussetzungen des Gesetzes nicht zum Zwecke der Gewinnerzielung erhebe (vgl. § 606 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 ZPO). Mit dieser Voraussetzung solle eine kommerzielle Klageindustrie oder missbräuchliche Klageerhebung zur Gewinnerzielung verhindert werden (BT-Drucks. 19/2439, S. 23). Dabei bestehe Gewinnerzielungsabsicht nicht nur dann, wenn durch Musterfeststellungsklagen unmittelbar bei der klagenden Einrichtung selbst Gewinne entstehen, sondern auch dann, wenn die fraglichen Gewinne bei den Mitgliedern der Einrichtung entstehen. Eine Gewinnerzielung lasse sich daher bei der Schutzgemeinschaft nicht ausschließen, da zahlreiche Angehörige – darunter auch Rechtsanwälte – der Kanzleien der Prozessbevollmächtigten des Vereins zugleich Mitglieder des Vereins seien. Es lasse sich dann regelmäßig nicht ausschließen, dass die vom Verein geführten Verfahren nicht (nur) im Verbraucherschutzinteresse, sondern (auch) im Gewinninteresse seiner anwaltlichen, vom Verein mandatierten Mitglieder initiiert werden. Bei der Schutzgemeinschaft sei in dem Zusammenhang auch die Größenordnung der zu vergebenden Mandate zu berücksichtigen. Hinzu komme die Tatsache, dass an den Mitgliederversammlungen regelmäßig nur eine geringe Zahl von Mitgliedern teilnimmt, so dass der Einfluss der an den Versammlungen teilnehmenden anwaltlichen Mitglieder des Vereins auf die Entscheidungen der Mitgliederversammlung auf der Hand liege. Ebenso sei die Tatsache zu beachten, dass der Verein im Zeitpunkt der Entscheidung des Deutschen Bundestages über die Schaffung der Musterfeststellungsklage auch nach eigenem Vortrag keine 350 Mitglieder hatte und rund 30 Angehörige – darunter Rechtsanwälte – jedenfalls einer der vom Verein im Musterfeststellungsverfahren bevollmächtigten Kanzleien dem Verein beigetreten sind, um die Mitglieder-Grenze zur Erreichung der Klagebefugnis zu überschreiten. Denn diese Vereinsmitglieder würden sich unmittelbar eine weitere Einnahmequelle erschließen, wenn der Verein durch ihren Beitritt künftig auch Musterfeststellungsklagen erheben könnte. Hinzu komme der angesichts der medialen Wirkung von Musterfeststellungsverfahren unmittelbar geldwerte Marketingeffekt derartiger Klagen für Verbraucherschützerkanzleien.

PRAXISTIPPS

  • Das OLG Stuttgart liegt mit seiner Entscheidung auf der Linie des Beschlusses des OLG Braunschweig vom 12.12.2018 (Az.: 4 MK 2/18; Revision unter BGH, Az.: XI ZB 1/19), mit welchem das Gericht die öffentliche Bekanntmachung der Musterfeststellungsklage der Schutzgemeinschaft für Bankkunden e.V. gegen die Volkswagen Bank GmbH mit vergleichbaren Anträgen ebenfalls mangels Klagebefugnis der Schutzgemeinschaft in einem Verfahren um den „Widerrufs-Joker“ von Autokreditverträgen abgelehnt hatte.
  • Es ist zu begrüßen, dass die Oberlandesgerichte in ihren beiden Entscheidungen die strengen Anforderungen des Gesetzgebers an die Klagebefugnis einer Musterfeststellungsklage entsprechend berücksichtigt haben, um missbräuchliche Klagen und die Auswüchse einer Klageindustrie zu verhindern.
  • Das neue Produktrisiko „Musterfeststellungsklageverfahren“ ist jedenfalls im „Darlehenswiderrufsrecht“ nicht allein vor dem Hintergrund dieser aktuellen Entscheidungen für Kreditinstitute derzeit als gering einzustufen. Das vom Gesetzgeber erkannte „rationale Desinteresse“, das einen Verbraucher dazu verleiten könnte, bei Bagatellschäden untätig zu bleiben und welchem die Musterfeststellungsklage als einfacher Weg der Anspruchssicherung entgegenwirken soll, stellt sich angesichts der erheblichen wirtschaftlichen Vorteile eines Darlehenswiderrufs nicht. Das heißt, der Verbraucher wird in derartigen Fällen ohnehin regelmäßig seine Ansprüche gerichtlich durchsetzen, wie auch die Masse an Gerichtsverfahren in den vergangenen Jahren gezeigt hat. Dies gilt jedenfalls dann, wenn das Prozessrisiko (wie im Darlehenswiderrufsrecht ganz regelmäßig) ohnehin von den dahinterstehenden Rechtschutzversicherungen getragen wird.
  • Deutlich höheres Risikopotential dürfte dem neu geschaffene Klageinstrument des kollektiven Rechtsschutzes allerdings künftig dann zukommen, wenn tatsächlich ein „rationales Desinteresse“ des betroffenen Verbrauchers vorliegt und er sich zunächst ohne finanzielles Risiko einem von einer tatsächlich qualifizierten Einrichtung – wie z.B. einer Verbraucherzentrale (vgl. die unwiderlegliche Vermutung der Klagebefugnis nach § 606 Abs. 1 Satz 3 ZPO) – geführten Verfahren kostenlos mittels wenig zeitaufwendiger Registrierung beim Bundesamt für Justiz unter Verwendung der auf dessen Homepage bereit gehaltenen Formulare anschließen kann. Zu denken ist dabei beispielsweise an Verbandsklagen zur Feststellung der Unwirksamkeit von Bankentgeltklauseln.

Beitragsnummer: 70913

Nutzung von Parametern aus der Verlustschätzung als Querschnittsaufgabe

Eine Herausforderung für KSA-Institute

Dr. Konstantin Glombek, Senior Referent Adressrisikosteuerung, Bereich Betriebswirtschaft und Regulatorik, Bank für Sozialwirtschaft AG

Verlustdatenbanken als Kommunikationsaufgabe

Nicht zuletzt durch die aktuelle MaRisk-Novelle ist die methodische und prozessuale Ausgestaltung von Datenbanken zur systematischen Erfassung von Ergebnissen aus der Abwicklung und der Verwertung auch in den Fokus kleinerer Institute gerückt. Häufig kollidieren dabei verschiedene Interessen: Während die Abwicklungsabteilung an schlanken Abläufen interessiert ist, möchte das Risikocontrolling eine möglichst exakte Erfassung von Zahlungen gewährleistet wissen. Für die Auflösung solcher Konflikte ist es hilfreich, wenn bei allen beteiligten Abteilungen (neben den bereits genannten auch eine Prozess- und eine IT-Instanz) ein grundsätzliches Verständnis sowohl über die möglichen Erfassungen in der Abwicklung als auch die Parameterschätzungen für das Risikocontrolling gewährleistet ist. Die Eignung der Datenbank und ihrer Daten selbst muss dabei stets Gegenstand einer regelmäßigen Validierung sein, deren Ergebnisse allen Beteiligten offen zu legen sind. Als weiterer Bestandteil ist der Nutzen einer Verlustdank klar zu kommunizieren: Valide Quoten zu Einbringungen sowie Rückflüssen aus Sicherheiten erlauben sowohl eine konkurrenzfähige Darlehensbepreisung auf einer risiko-adjustierten Basis als auch eine nicht zu konservative Adressrisikomessung in einem Kreditportfoliomodell.

Nutzen externer Dienstleister

Ein weiterer Pfeiler bei der Analyse von Verlustdaten sind Vergleiche mit den Ergebnissen aus Datenpools, welche in der Regel über einen externen Dienstleister erhalten werden können. Solche Vergleiche erlauben Aussagen über die angemessene Verwendung von Pool-Parametern, aber auch die Identifikation von eigenen prozessualen Besonderheiten (z. B. Nutzung von abweichenden Bagatellgrenzen). Für die Einordnung von Institutseigenen Parametern sind solche Analysen von großer Bedeutung, um nicht zuletzt Ergebnisse aus geringen Fallzahlen angemessen würdigen zu können.

Entscheidet man sich dabei für die Nutzung von Pool-Parametern, steht stets die Frage nach der Repräsentativität dieser Parameter für das eigene Haus im Vordergrund. Die Beantwortung dieser Frage kann in der Regel nicht nur nach strengen quantitativen Analysen, sondern auch nach qualitativen Aspekten erfolgen. Grundsätzlich ist dabei zu begründen, warum die Prozesse zur Entstehung der Pooldaten (z. B. die Ausfallerkennung oder das Beitreibungsniveau) vergleichbar mit denjenigen des eigenen Hauses sind. Hier geben die Validierungsberichte der Dienstleister oftmals wertvolle Analysen, welche man mit entsprechenden eigenen Ergebnissen vergleichen kann. Weiter sind die eigenen Erfassungsprozesse zu Ausfällen und Verwertungen auf die Vorgaben des Dienstleisters abzustimmen. Die Auswertung von Datenqualitätsberichten und begleitenden Dokumenten des Dienstleisters können so insgesamt zu einem angemessenen Nachweis der Repräsentativität führen.

Analyse der Validierungsergebnisse von Verlust-Parametern

Die Entscheidung über die Verwendung bestimmter Parameter (Verwertungs- und Einbringungsquoten) bedingt auch Kenntnisse über deren Validierung. Dabei sind oftmals Ergebnisse bzgl. Pool- und institutseigener Parameter gegenüber zu stellen. Folgende Fragen können dabei von Interesse sein:

  • Wie stabil sind die jeweiligen Quoten geschätzt? Welche Sicherheitsabschläge sind in der Quotenbestimmung enthalten, um etwaigen Schätzunsicherheiten begegnen zu können?
  • Gibt es Verzerrungen in den Quoten (z. B. eine überproportional große Menge von Fällen mit kürzeren Verwertungsdauern oder besondere konjunkturelle Einflüsse)?
  • Wie trennscharf sind die Quoten segmentiert? Wie sinnvoll sind entsprechende Risikofaktoren gewählt?

Diese Punkte sollen nur einen Überblick geben und stellen keine abschließende Aufzählung dar.

 

 

 

Die ersten beiden Fragen zielen auf die Genauigkeit der Schätzung von Quoten ab. Ausreißer in den Daten sind hier oftmals zu analysieren und in der Regel über erhöhte Standardabweichungen oder größere Konfidenzintervalle der Quotenschätzung festzustellen. Ausreißer sind dabei nicht kategorisch auszusteuern, sondern durch eine geeignete Segmentierung gesondert zu betrachten.

Weiter ist immer der Prozess der Datenentstehung mit der Realität im Institut abzugleichen. Hierbei ist zunächst auf die vollumfängliche Abbildung eines Konjunkturzyklus zu achten. Die Analyse von Quoten auf Jahresbasis kann hier Unterschiede in den Quoten nach unterschiedlichen Konjunktur-Phasen aufzeigen. Zu untersuchen ist dann, ob ein Mittelwert über den gesamten Datenbestand auch unter schlechteren Konjunkturbedingungen angemessen ist. Gegebenenfalls sind hier geeignete Abschläge für Rezessionsjahre festzulegen.

Ein wesentlicher Punkt bei Verwertungen sind Fälle mit kürzeren Verwertungsdauern (d. h. weniger als zwei Jahre). Solche Fälle zeichnen sich oft durch höhere Quoten als Fälle mit längeren Verwertungsdauern aus. Zu klären ist somit, ob es auch ausreichend Fälle mit längeren Verwertungsdauern im Datenbestand der zu verwendenden Quoten gibt. Dies kann durch Vergleiche mit Pooldaten erfolgen, welche im Gegensatz zu Institutsdaten über ausreichend viele solcher Fälle verfügen können.

Die letzte Frage zielt auf die gezielte Unterscheidung von Quoten nach bestimmten Segmenten ab. Eine wohlbekannte Unterscheidung in KSA-Instituten ist die Aufteilung von Beleihungssätzen nach wohnwirtschaftlichen und gewerblichen Immobilien. Solche Differenzierungen können im Kontext von Verwertungs- und Einbringungsquoten eine deutliche Verfeinerung erfahren und durch geeignete Trennschärfe-Untersuchungen analysiert werden.

FAZIT UND PRAXISTIPPS

  • Kommunizieren Sie das Datenmodell Ihrer Verlustdatenbank ausreichend an alle beteiligten Abteilungen!
  • Verlieren Sie bei der Erfassung von Verwertungen und Abwicklungen nicht den Blick auf das Wesentliche. Nicht jeder Fall kann sinnvoll erfasst werden. Allerdings muss das verwendete Datenmodell alle vorkommenden wesentlichen Fälle erfassen können, was in einer regelmäßigen Validierung zu untersuchen ist.
  • Kleinere Institute sollten die Ergebnisse externer Dienstleister (z. B. diejenigen des eigenen Verbandes) nutzen. Eigene Schätzungen sind oftmals nur indikativ und nicht stabil. Externe Dienstleister verfügen oftmals über das bessere methodische Wissen und über die Ressourcen, aufsichtliche Anforderungen umsetzen zu können.
  • Die angemessene Wahl von Verwertungs- und Einbringungsquoten ist eine umfangreiche Aufgabe und mindestens jährlich zu validieren. Nehmen Sie sich Zeit für alle wesentlichen Analysen und dokumentieren Sie diese ausreichend.
  • Die EBA hat jüngst für IRBA-Institute (EBA/GL/2017/16, „Leitlinien für die PD-Schätzung, die LGD-Schätzung und die Behandlung von ausgefallenen Risikopositionen“) die aufsichtlichen Anforderungen an Verlustdatenbanken konkretisiert. Auch KSA-Institute sollten sich mit diesen Anforderungen vertraut machen, da diese entsprechend auf kleinere Institute ausstrahlen können.

SEMINARTIPPS

Kreditrisikosteuerung Aktuell, 23.09.2019, Frankfurt/M.

Schlanke § 18 KWG-Prozesse, 24.09.2019, Frankfurt/M.

OpRisk: MaRisk-Vorgaben und neuer Standardansatz, 25.09.2019, Frankfurt/M.

Auf-/Ausbau hauseigener Verwertungsdatenbanken & Erlösquotensammlungen, 26.09.2019, Frankfurt/M.

Prüfung Frühwarnverfahren, 08.10.2019, Frankfurt/M.

 

Beitragsnummer: 70543

 

Ansätze für die Prüfung von Rating-Prozessen

Aktuelle Prüfungsansätze aufgrund von Erkenntnissen aus externen und internen Prüfungen

Bettina Hermes, Kreditrevision der Sparkasse Essen

Wie „rate“ ich wen, wann und vor allem womit?

Die Klassifizierung des Risikos kann natürlicherweise nicht für alle Kreditnehmer eines Institutes auf ein und dieselbe Art und Weise erfolgen, da sich sowohl im Risikogehalt als auch hinsichtlich der für das Risiko relevanten Faktoren und der institutsinternen Steuerung dieser Risiken deutliche Unterschiede zwischen den Kreditnehmern ergeben. Neben den quantitativen Daten aus Finanzkennzahlen und Frühwarnsignalen spielen die individuell zur Verfügung stehenden qualitativen Daten aus langjährigen Kundenbeziehungen und Umfeldinformationen immer mehr eine wichtige Rolle für die trennscharfen Verfahren der Bonitätsanalysen.

Da die diversen Risikoklassifizierungsverfahren (RKV) eine wesentliche Grundlage zur Beurteilung des Adressenausfallrisikos bilden, werden sie regelmäßig sowohl von der internen Revision als auch von externen Prüfern Funktions- und Systemprüfungen unterzogen.

Aufgrund der in der Sparkasse Essen eingesetzten vielseitigen RKV für verschiedene Kundensegmente (von Standard-Rating und Immobiliengeschäftsrating über KundenKompaktRating für kleinere Geschäftskunden zum KundenScoring für Privatkunden), ist in einer umfangreichen Rating-Landkarte dokumentiert, welcher Kunde mit welchem Verfahren zu beurteilen ist. Zusätzlich werden alle durch uns betreuten Leasinggesellschaften über ein LandesbankenRating-Modul geratet. Seit geraumer Zeit setzen wir für Corporates auch ein entsprechendes LB-Modul ein.

SEMINARTIPPS

Prüfung Rating-Prozesse, 04.06.2019, Frankfurt/M.

Prozessprüfungen im Kreditgeschäft, 05.06.2019, Frankfurt/M.

Neue Prozesse bei Problemkrediten nach dem NPL-Leitfaden, 25.10.2019, Frankfurt/M.

Automatisierte EWB-Sicherheiten-Prüfung, 11.11.2019, Berlin.

EWB-Prozesse, 27.11.2019, Frankfurt/M.

Wer nun wen wann zu raten hat, ist in unseren Organisationsrichtlinien geregelt. Doch die Frage, inwieweit ein Kunde tatsächlich mit dem für ihn korrekten RKV bewertet ist, stellt sich laufend und ist auch Gegenstand von externen Prüfungen.

Die Zuordnung der Kunden zu dem zutreffenden RKV wird in der Sparkasse Essen über den Risikoverfahrensschalter gesteuert, der zu jedem Kunden in der EDV hinterlegt ist. Mit Hilfe der entsprechenden Schalterstellungen werden die Kunden für eine bestimmte Risikoeinstufung selektiert. Die Einstellung des korrekten Risikoverfahrensschalters zu jedem Kunden ist entscheidend dafür, dass der Kunde mit dem für ihn zutreffenden RKV beurteilt werden kann. Aus unserer Sicht sind deswegen regelmäßige, EDV-gestützte Kontrollen über eine zentral verantwortliche Stelle erforderlich, um die Richtigkeit des für den Kunden angewandten RKV sicherzustellen.

Zur Qualitätssicherung ist in der Sparkasse Essen administriert, dass der Risikoverfahrensschalter grundsätzlich nur von den Mitarbeitern geändert werden kann, die der für die Risikoklassifizierungsverfahren zuständigen Fachabteilung angehören.

In den durch die interne Revision jährlich durchgeführten Funktionsprüfungen greifen wir auch auf Erkenntnisse aus den ganzjährig stattfindenden Einzelengagementprüfungen zu, in denen im Rahmen einer Checkliste das korrekte RKV für den Kunden und den Verbund überprüft wird.

Im Focus von externen Prüfungen steht des Weiteren die Aktualität des einzelnen Ratings und die sog. Historisierungsquote, d. h. ist zu jedem Kunden über den Zeitverlauf der Geschäftsverbindung die Risikoklassifizierung regelmäßig vorgenommen worden. Interne Kontrollmöglichkeiten bestehen durch eigene Auswertungen oder über die Analyse externer Berichte, falls RKV durch einen zentralen Dienstleister, wie in der Sparkasse Essen, zur Verfügung gestellt werden. Abweichungen und Ausschläge führen dann möglicherweise zu weiteren Prüfungshandlungen.

Ein zentraler Bestandteil dafür, dass die eingesetzten RKV funktionsfähig sind, ist eine korrekte Berücksichtigung von Anlässen, die eine Beendigung der laufenden Geschäftsbeziehung zur Folge haben, wie EWB-Bildung oder Insolvenz des Kunden, sog. Ausfallgründe. Für die Ratingverfahren ist eine schnelle und ordnungsgemäße Erfassung der Ausfallgründe wesentlich, weil diese Daten zur Ermittlung der Trennschärfe und zum Vergleich der tatsächlichen mit der prognostizierten Ausfallrate unbedingt benötigt werden. Deswegen muss ein besonderes Augenmerk bei jeder internen und externen Prüfung auf der korrekten, zeitnahen Berücksichtigung der Ausfallgründe bei den entsprechenden Kunden liegen, denn die nach CRR risiko- und prozessgerechte Ausfallerfassung – insbesondere der Ausfallgrund 90-Tage-Zahlungsverzug als drohende Nichterfüllung von Zahlungsverpflichtungen – steht besonders im Fokus.

Zudem muss sichergestellt werden, dass unterjährig auftretende, bonitäts-relevante Informationen zu den Kunden einen Anlass darstellen, die vorhandene RKV zu überprüfen. Als Anlässe kommen z. B. die Verschlechterung der Liquidität über das Auftreten von Überziehungen oder Rückständen in Frage.

 

 

 

Solange ein Ratingverfahren vollständig an das operative System des Kreditinstitutes gekoppelt ist, stellt die Überwachung der Anlässe kein großes Problem dar. Ist dies nicht der Fall, sind aufgrund der mangelnden technischen Gegebenheiten manuelle Kontrollen notwendig, die zeitaufwendig und potentiell fehlerbehaftet sind und wegen hoher Fallzahlen oft nur in Stichproben durchgeführt werden können. Unsere Erfahrungen aus internen und externen Prüfungen zeigen, dass es jedoch unerlässlich ist, solche Verfahren zu installieren, die das korrekte Aufgreifen des Kunden bei unterjährigen Anlässen gewährleisten.

Neben dem wann und womit gibt es auch noch ein WIE rate ich den Kunden? Womit wir bei einem weiteren wesentlichen Prüfungsgegenstand wären: Sind die Informationen korrekt im Rating erfasst worden und beinhaltet das vorliegenden Rating alle aktuell zu dem Kunden vorliegenden Informationen? (Stichwort Überschreibungen/Overrides). Auch in diesem Themenbereich sind Prüfungshandlungen sinnvoll.

PRAXISTIPPS

  • Überprüfen Sie anhand von Selects die vorgenommenen Eingaben sowie den Sachverhalt, inwieweit alle vorliegenden, relevanten Informationen zu dem Kunden in das aktuelle Rating eingeflossen sind.
  • Machen Sie sich auch unterjährig ein Bild von der Einstellung des korrekten Ratingverfahrens durch Erkenntnisse auch aus anderen Prüfungen.
  • Stellen Sie sicher, dass alle relevanten Kreditnehmer Ihres Institutes mit Hilfe eines RKV beurteilt werden. Damit erhöhen Sie Ihre Ratingabdeckung in Ihrem Hause und erfüllen die Anforderungen der BTO 1.2 Tz. 6 der MaRisk.

 

Beitragsnummer: 64546

AnaCredit, AnaCredit und kein Ende[1]

Frank Günther, Seniorberater Kreditregulatorik, FCH Consult GmbH

Die letzten Wochen und Tage standen wieder im Mittelpunkt aktueller Veröffentlichungen der Deutschen Bundesbank zur Durchführung der laufenden AnaCredit-Anzeigen mit folgenden Kernaussagen:

  1. Rundschreiben 20/2019 vom 25.03.2019:
    • Bis 30.04.2019 wird es zu keinen Ablehnungen von Kreditdatenmeldungen kommen, die aus der fehlenden Delete-Funktion resultieren. Es wurden folgende Validierungen ausgesetzt:
      • Wenn Instrumentendatensatz angezeigt, dann auch Finanzdatensatz notwendig,
      • Wenn Daten Vertragspartnerinstrumenten angezeigt, dann auch Finanzdatensatz notwendig,
      • Wenn Daten empfangen Sicherheiten angezeigt, dann auch Datensatz Instrument empfangene Sicherheiten notwendig,
      • Wenn mehr als ein Schuldner am Instrument beteiligt ist, dann ist für jede juristische Person ein Datensatz zu Verbindlichkeiten mit mitschuldnerischer Haftung notwendig.
    • Klarstellung: Jedes anzeigepflichtige Institut (auch mit reduzierter Meldepflicht) hat sich zu jedem Instrument als Gläubiger oder/und Servicer anzuzeigen. Die Überprüfung erfolgt durch Validierungsregelung RI0080_DE ab 01.04.2019.

Cover112BERATUNGSTIPPS

Prozess-Check AnaCredit-Umsetzung

Quickcheck: Datenqualität im Kreditgeschäft/Meldewesen

 

 

2. Ergänzung des Handbuches zu den AnaCredit-Validierungsregeln (7.Version) vom 05.04.2019 – ergänzt durch Rundschreiben 26/2019 vom 15.04.2019:

  • Aufnahme eines Hinweises zum Umgang mit Folgefehlern in Kapitel 2 (Enthält eine Validierungsregel den Hinweis, dass sie zu einer Ablehnung von Daten führt, so werden die abgelehnten Daten für die folgenden Validierungen nicht mehr berücksichtigt. Dadurch können weitere Validierungsfehler (der Vollständigkeit und der referentiellen Integrität) entstehen. Wird z. B. eine Stammdateneinreichung abgelehnt, so können dadurch Folgefehler der referentiellen Integrität auftreten, die besagen, dass Stammdaten zu vorhandenen Kreditdaten fehlen.).
  • Weitere Erleichterungen für Vertragspartner-Stammdatenattribute werden gewährt. Für Schuldner verkaufter Forderungen in einem Factoring-Geschäft ohne Rückgriff sind künftig weniger Daten zu melden; Gleiches gilt für Schuldner der öffentlichen Hand, Fonds sowie für Schuldner, die einer privaten Organisation ohne Erwerbszweck angehören. Hierzu vgl. auch Richtlinien IV. 2. e) Besondere Berichtspflichten bezüglich einiger Vertragspartnertypen.
  • Das Datenattribut „Anschrift: Land“ ist künftig meldepflichtig für alle Vertragspartner der institutionellen Sektoren Investmentvermögen und Geldmarktfonds ohne eigene Rechtspersönlichkeit (jeweils erkennbar am Platzhalterwert „SPFUND“ des Datenfeldes Rechtsform). Dies gilt unabhängig davon, ob die vollumfängliche oder die reduzierte Meldepflicht gilt. Gemäß dem EZB-Manual sind jegliche Adressattribute für diese Einheiten nichtzwingend zu melden. Da Institute in ihren Systemen die Information über das Land jedoch vorhalten, hat die EZB entschieden, dass dieses Attribut künftig meldepflichtig ist.
  • Änderung und Löschung bereits existierender Validierungsregeln sowie Einführung neuer Validierungsregeln zur Überprüfung der Konsistenz.
  • Bessere Verständlichkeit der Bundesbank-Rückmeldungen: Es ist künftig erkennbar, welche konkreten Fehler zu einer Ablehnung von Daten geführt haben. Dies ist wichtig, um eventuell auftretende Folgefehler zu verstehen. Wurden Daten abgelehnt, so treten durch die fehlenden Daten unter Umständen Fehler der referentiellen Integrität und/oder der Vollständigkeit auf.

SEMINARTIPPS

Datenrisiken Meldewesen, 08.04.2019, Frankfurt/M.

AnaCredit: Prüfungsansätze und -Schwerpunkte, 05.06.2019, Düsseldorf.

AnaCredit im Flow!? – Aktuelles & Fehleranfälligkeit & Datenkonsistenz, 26.11.2019, Berlin.

 

3. Rundschreiben 25/2019 vom 15.04.2019:

  • Bei Meldungseingang werden Kennungen, die Leerzeichen enthalten, durch die Bundesbank in Kennungen ohne Leerzeichen umgewandelt – übergangsweise können noch Kennungen mit Leerzeichen eingereicht werden.
  • Einführung doppeltes Rückmeldesystem: Validierungsfehler, welche durch die EZB erkannt werden und nicht durch die Bundesbank erkannt wurden, werden in mit dem mit Präfix ecb gekennzeichneten Dateien an die Banken weitergeleitet.

Die obig erwähnten Änderungen und Neuerungen belegen einerseits deutlich, dass bei der Datenqualität der eingereichten Kreditdaten durch die Banken noch Entwicklungsbedarf besteht. Andererseits zeigt sich deutlich, dass der gemeinsame Entwicklungs- und Umsetzungsprozess von EZB und Deutscher Bundesbank noch nicht abgeschlossen ist.

 

  1. Unter Verwendung von Ausschnitten der genannten Dokumente siehe https://www.bundesbank.de/de/service/meldewesen/bankenstatistik/kreditdatenstatistik-anacredit–611424.

 

Beitragsnummer: 62227

Prüfung von Prozessen zur Offenlegung der wirtschaftlichen Verhältnisse

Interne Prüfung des Prozesses nach § 18 KWG

Simon van Bebber, Referent Kreditrevision, Revision der Sparkasse Mülheim an der Ruhr

Als wichtiger Baustein der Banken im Risikomanagement nehmen die Erwartungen der Bankenaufsicht und der Jahresabschlussprüfer an die Interne Revision zu. Über die Jahre hat sich der rechtliche Rahmen für diese Erwartungen stetig geändert.

Nach § 25a Abs. 1 KWG und den konkretisierenden MaRisk muss ein Institut über eine ordnungsgemäße Geschäftsorganisation verfügen. Bestandteil dieser Organisation sind die internen Organisationsrichtlinien sowie im Speziellen die institutsspezifisch fixierten Offenlegungsregeln gem. § 18 KWG. Wobei § 18 KWG nur die groben Leitplanken der Offenlegungspflicht vor gibt und den Instituten eine detaillierte Regelung in den Organisationsrichtlinien überlässt.

 

 

 

SEMINARTIPPS

Prüfung §18/18a KWG-Prozesse: Neue (BauFi)Kreditwürdigkeitsanalyse, 20.05.2019, Frankfurt/M.

Kreditrisikosteuerung Aktuell, 23.09.2019, Frankfurt/M.

Schlanke § 18 KWG-Prozesse, 24.09.2019, Frankfurt/M.

Auf-/Ausbau hauseigener Verwertungsdatenbanken & Erlösquotensammlungen, 26.09.2019, Frankfurt/M.

Prüfung Frühwarnverfahren, 08.10.2019, Frankfurt/M.

Nach § 29 Abs. 1 Satz 2 KWG in Verbindung mit der Prüfungsberichtsverordnung (PrüfbV) ist die Prüfung und Dokumentation der Einhaltung der Offenlegungsvorschriften nach § 18 KWG und die institutsindividuelle Umsetzung der Vorgaben im Rahmen der Berichterstattung im Prüfungsbericht der Jahresabschlüsse durch die Jahresabschlussprüfer geregelt. Bei Verstößen gegen die Offenlegungsvorschriften kann die BaFin gegen die Geschäftsleiter u. a. eine Verwarnung aussprechen.

Die Interne Revision trägt durch fortlaufende Einzelengagement- und Prozessprüfungen dazu bei, das Risikomanagement eines Kreditinstitutes zu vervollständigen und die Einhaltung der gesetzlichen sowie internen Richtlinien zu gewährleisten. Sie trägt mit dafür Sorge, dass das Offenlegungsverfahren eines Institutes dazu geeignet ist, die Adressenausfallrisiken angemessen einzuschränken.

Zu den Aufgaben der Internen Revision gehört es daher, die Konformität der schriftlich fixierten Organisationsrichtlinien mit den bankaufsichtsrechtlichen Vorgaben zu prüfen und zu beurteilen sowie dies für Dritte nachvollziehbar zu dokumentieren.

Im Verlauf einer Prozessprüfung ist eine Wertung darüber abzugeben, ob das intern geregelte Verfahren den Anforderungen eines dokumentierten Offenlegungsprozesses gerecht wird. Hierbei gilt es beispielsweise Zuständigkeiten, Ausnahme- und Erleichterungsregeln, ein funktionierendes Mahnverfahren ausstehender Bonitätsunterlagen bis hin zu einer dokumentierten Eingangs- und Auswertungshistorie der Unterlagen in die Verfahrens- und Systemprüfung des § 18-Prozesses mit einzubeziehen. Klären Sie Auffälligkeiten – z. B. eine Vielzahl offener Pflichtfälle – und Widersprüche frühzeitig im Prüfungsverlauf mit dem Fachbereich ab. Hinweise aus Einzelengagementprüfungen können bereits Anhaltspunkte auf einen fehlerhaften Prozess liefern.

Aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung sollten Projekte zum Digitalen Finanzbericht (DiFin) von Beginn an durch die Interne Revision begleitet werden. Dies vereinfacht spätere Prozessprüfungen und unterstützt die konforme Umsetzung der eigenen Organisationsrichtlinien im Kreditinstitut.

Bei einer Änderung des papierhaften in einen digitalen oder dualen Prozess sollte das interne Anweisungswesen auf Aktualität geprüft werden.

Die unterjährige Prüfung von Einzelfällen belegt im Ideal einen funktionierenden Prozess oder unterlegt Schwächen, die eine Funktions- und Systemprüfung – z. B. durch eine Massendaten-Analyse – aufzeigen, bzw. weist vorab auf diese Schwächen hin.

Hierzu sollten nicht ausschließlich Defizite und Zweifelsfälle zur Offenlegung der wirtschaftlichen Verhältnisse, sondern ebenfalls die „sauberen“ Engagements dokumentiert werden. Sinnvoll ist in allen Fällen eine EDV-gestützte und auswertbare Dokumentation von vorhandenen Unterlagen, Defiziten und noch zu klärenden Punkten.

PRAXISTIPPS

  • Prüfen, beurteilen und dokumentieren Sie regelmäßig die internen Organisationsrichtlinien zur Offenlegung von wirtschaftlichen Verhältnissen auf die Aktualität zu bankaufsichtsrechtlichen Vorgaben.
  • Der institutsindividuelle § 18-Prozess sollte regelmäßig auf Einhaltung der Organisationsrichtlinien zu § 18 KWG geprüft und beurteilt werden. Auffälligkeiten und Widersprüche sollten durch die Interne Revision mit dem zuständigen Bereich geklärt werden.
  • Begleiten Sie Projekte zur Einführung des Digitalen Finanzberichtes.
  • Dokumentieren Sie im unterjährigen Prüfungsverlauf von Einzelengagementprüfungen EDV-gestützt und auswertbar, welche wirtschaftlichen Unterlagen vorlagen sowie erkannte Defizite oder noch offene Fragen.

Beitragsnummer: 62195