Interpretierbarkeit von Blackbox-Modellen für das Kredit-Scoring



Anwendung aktueller Methoden aus dem Maschinellen Lernen auf bankinterne Verfahren.

Prof. Dr. Gerhard Hellstern, Duale Hochschule Baden-Württemberg, Ravensburg. Davor langjähriger Leiter des Referats Bankgeschäftiche Prüfungen 1 der Deutschen Bundesbank, Hauptverwaltung in Baden-Württemberg. In seine Verantwortung fiel die Durchführung zahlreicher Säule 1 und Säule 2-Prüfungen bei LSI und SI im Rahmen des SSM

I. Einleitung

„Es liegt in der Verantwortung des beaufsichtigten Unternehmens, die Erklärbarkeit/Nachvollziehbarkeit von BDAI[1]-basierten Entscheidungen für sachkundige Dritte zu gewährleisten. Modelle lediglich als Blackbox zu betrachten, sieht die Aufsicht kritisch“[2]. Diese Aussage aus der 2018 veröffentlichten BaFin-Studie zum Thema Big Data und Künstliche Intelligenz beschreibt das Spannungsfeld bei der Anwendung Künstlicher Intelligenz im Finanzbereich treffend. Während auf der einen Seite immer bessere Algorithmen für Prognoseprobleme verfügbar sind, sind deren Anwendung auf der anderen Seite offenbar enge Grenzen gesetzt. Die Finanzaufsicht legt u. a. Wert darauf, dass Entscheidungsvorschläge durch Algorithmen nachvollziehbar und erklärbar bleiben. Vergleichbare Anforderungen an verwendete Algorithmen gibt es auch in anderen Branchen, z. B. im Gesundheitswesen. Es reicht nicht aus, dass ein Algorithmus „funktioniert“, was sich vergleichsweise einfach mittels entsprechender Performance-Maße ermitteln lässt.

Eine Möglichkeit, mit der Anforderung nach Interpretierbarkeit umzugehen, besteht darin, lediglich einfache, ...


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Bankbilanzen – Worauf es bei der Analyse ankommt

Dr. Thomas Kohlhase, Senior Credit Analyst, Fixed Income, Talanx Asset Management GmbH

Aktuelle Entwicklungen – Bankenrestrukturierung in Europa noch nicht abgeschlossen

Mehr als ein Jahrzehnt nach Ausbruch der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise und dem anschließend eingeleiteten Paradigmenwechsel ist der Restrukturierungsprozess der europäischen Banken fortgeschritten, aber immer noch nicht abgeschlossen. Vor allem der branchenweite Kapitalaufbau hat die Risikotragfähigkeit der meisten Banken verbessert. Zuletzt hat die EZB im Herbst 2018 ihr größtes geldpolitisches Experiment, das mehrere Billionen umfassende Anleiheankaufprogramm, beendet. Dennoch ist aufgrund eines fragilen Konjunkturausblicks und anhaltender Rezessionssorgen die von vielen Banken erwartete Zinswende nicht in Aussicht.

SEMINARTIPPS

Analyse der zukünftigen Kapitaldienstfähigkeit, 07.10.2019, Frankfurt/M.

Analyse von Bankbilanzen, 04.11.2019, Wiesbaden.

Kredit-Jahrestagung 2019, 20.–21.11.2019, Berlin.

Südeuropäische Institute sind teilweise und trotz Sanierungsfortschritten immer noch mit der Bewältigung von Altlasten beschäftigt, deutschsprachige Institute leiden unter hohen Kostenquoten, hartem Wettbewerb und niedrigen Zinsmargen, der britische Bankensektor blickt immer noch gebannt auf einen möglichen Brexit und einige skandinavische Institute haben infolge von Geldwäscheskandalen an Reputation eingebüßt. Über allen stehen zudem geopolitische Unsicherheiten (Handelskonflikt, Populismus etc.) und massive Herausforderungen durch Digitalisierung, neue Wettbewerber und einem sich verändernden Kundenverhalten. Demgegenüber strotzen die Banken jenseits des Atlantiks vor Kraft. Ein simpler Vergleich zeigt die Kräfteverhältnisse: die beiden größten US-Institute haben in den ersten drei Monaten des Jahres 2019 so viel Gewinn erwirtschaftet, wie der gesamte deutsche Bankensektor aggregiert im Jahr 2018. Auch wenn sich die Ergebnisse europäischer Banken zuletzt auf einem positiven Pfad befanden, so zeigt ein Blick hinter die Zahlen, dass viele Institute einen Gutteil ihrer Erträge nur der Auflösung von Risikorückstellungen zu verdanken haben und weniger ihrem Kerngeschäft. Die Nachhaltigkeit der Gewinnerzielung und auch der Geschäftsmodelle dürfte somit bei einigen Instituten weiter in Frage stehen.

Verlustbeteiligung von Gläubigern ist Realität

In diesem Kontext ist zu beachten, dass die europäische Bankenabwicklungsrichtlinie zwischenzeitlich erstmals zum Tragen gekommen ist. Die bis dato sechst größte spanische Bank (Banco Popolar) wurde Anfang Juni 2017 von der EZB bzw. der Bankenabwicklungsbehörde SRB (Single Resolution Board) aus Liquiditätsgründen für abwicklungsreif erklärt. Aktionäre und auch Gläubiger nachrangiger Schuldinstrumente wurden an der Abwicklung beteiligt. Damit ist bei Bankenschieflagen der Gläubiger Bail-In de facto Realität.

BUCHTIPP

Denter/Eckhardt, Bankbilanzen verstehen und einsetzen, 2017.

 

 

Der Bankensektor bleibt eine der am höchsten regulierten Branchen in den freien Marktwirtschaften. Die herausragende Rolle von Banken als Finanzintermediäre, die in modernen Volkswirtschaften einen effizienten Transaktionsaustausch gewährleisten sollen, wird parallel durch den zum Teil disruptiven Digitalisierungsprozess und das Aufkommen neuer Konkurrenten bedroht. Die andere Megaherausforderung, mit der Banken konfrontiert sind, stellt das oben skizzierte Niedrigzinsumfeld dar. Dieses hat zu einem Abschmelzen der Nettozinserträge, der für die meisten Banken wichtigsten Ertragsquelle geführt und die Generierung von Erträgen aus Fristentransformation nahezu zum Erliegen gebracht. Der daraus resultierende Druck, die Kosten und organisatorischen Strukturen anzupassen, ist bei vielen Instituten in Gang gekommen, aber oftmals steht ein schmerzhafter Weg noch bevor. In diesem dynamischen Umfeld sind die Anforderungen an Berichterstattung und Transparenz von Banken ebenfalls rasant gestiegen. Regelmäßig werden Banken von unterschiedlichen Aufsichtsbehörden, Ratingagenturen und anderen Finanzmarktteilnehmern umfassend analysiert und in diversen Rankings/Stresstests publizitätsträchtig eingestuft. Dennoch sollten auch andere Stakeholder als vielleicht noch Bankvorstände und professionelle Investoren in der Lage sein, die gewachsene Komplexität von Bankbilanzen richtig zu lesen und unabhängig zu interpretieren.

Geschäftsmodell- und Bilanzanalyse als Basis der Bonitätseinstufung

Die professionelle Bankbilanzanalyse umfasst eine Mikro– und eine Makroperspektive. Zu den relevanten Mikrofaktoren zählen die Geschäftsmodellanalyse und die quantitative Analyse der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage (VFE) einer Bank.

INHOUSETIPP

Analyse von Bankbilanzen.

 

 

Die Geschäftsmodellanalyse bildet den Ausgangspunkt, da sich die geschäftspolitische Ausrichtung einer Bank auch in deren VFE-Lage typischerweise widerspiegeln sollte. Das Erkennen von Abweichungen kann helfen, frühzeitig Risiken aufzudecken. Zum Beispiel erwartet man von einer Retailbank, dass diese sich primär über (stabile) Einlagen refinanziert, während sich Hypothekenbanken schwerpunktmäßig über Pfandbriefe refinanzieren. Dabei sollte der Anteil von traditionell volatileren Handelserträgen aus dem Wertpapierportfolio an den Gesamterträgen bei diesen Banktypen deutlich geringer ausfallen, als bei Investmentbanken. Mit dem von US-Aufsichtsbehörden entwickelten CAMELS-Rating-Ansatz für Banken, der in der Praxis seit Jahren ein weitverbreitetes Konzept darstellt, lässt sich eine strukturierte Bankbilanzanalyse in sechs Stufen vornehmen.

Diese Stufen umfassen:

  1. Kapitalausstattung und Struktur der Verbindlichkeiten (C = Capital Adequacy)
  2. Ausfallrisiko der außenstehenden Kredite und sonstigen Aktiva (A = Asset Quality)
  3. Kompetenz, Integrität und die Bereitschaft der Geschäftsleitung, Regulierungsvorschriften zu befolgen (M = Management)
  4. die Beurteilung der Ertragslage und Profitabilität (E = Earnings)
  5. die Beurteilung der Liquiditätslage (L = Liquidity)
  6. die Beurteilung der Empfindlichkeit gegenüber Marktpreisschwankungen bzw. die Marktrisikoanfälligkeit einer Bank (S = Sensitivity to market risks).

Die Analyse der sechs CAMELS-Bestandteile erfolgt jedoch nicht isoliert. Vielmehr bestehen vielfältige Interdependenzen zwischen den einzelnen Stufen. Im Rahmen der Analyse von Aktiva und Passiva gilt es, Fristentransformationsprobleme aufzudecken (Asset-Liability-Mismatch), die durch das Bilanzstrukturmanagement determiniert sind. Aus derartigen Laufzeitinkongruenzen ergeben sich Interdependenzen zu anderen Parametern des CAMELS-Rating. So können Ertragsprobleme auftreten, wenn eine Bank Fristentransformation betreibt und durch sich ändernde Zinssätze gezwungen wird, Kredite billiger als geplant auszureichen oder für Einlagen mehr als geplant zu zahlen (Zinsänderungsrisiko). Mit Hilfe weniger Top-Kennzahlen lassen sich im Wettbewerbs- und Zeitvergleich Trends und Risikopotentiale aufdecken.

Die Bilanzanalyse sollte zudem mit dem Aufspüren von Risikokonzentrationen (z. B. durch Segmentierung der Umsätze, des Kredit- und Wertpapierportfolios und Clustermethoden) sowie einfacher Strukturdatenanalysen ergänzt werden, um der ohnehin gewachsenen Komplexität effektiv entgegen zu wirken. Nicht fehlen darf in Zeiten umfassender Bail-In sowie Abwicklungs- und Sanierungsregulierungen eine abschließende Kapitalstrukturanalyse.

Anhaltende Verflechtungen von Banken und Staat – Die gesamtwirtschaftliche Analyse

Im Rahmen der Makroperspektive spielen das regulatorische, das wettbewerbliche- und das volkswirtschaftliche Umfeld eine zentrale Rolle. Da Banken nicht selten die jeweils geographische Wirtschaftsstruktur ihres Umfeldes abbilden (z. B. reflektieren lokal agierende Institute die Wirtschaftsstruktur ihrer Stadt/ihres Landkreises wieder). Bewegt man sich im internationalen Rahmen, ist eine Einstufung des jeweiligen Länderrisikos unverzichtbar. Denn die Verflechtungen zwischen Banken und ihrem jeweiligen Heimatland determinieren in entscheidendem Ausmaß die Gesamtbonität einer Bank. Neben dem institutionellen und politischen System spielt die gesamtwirtschaftliche Lage (z. B. Beschäftigungsentwicklung, Verschuldung privater Haushalte, Robustheit des Unternehmenssektors) eines Landes eine erhebliche Rolle im Hinblick auf die Qualität der Aktiva. In diesem Kontext ist zu beachten, dass heimische Banken oft zu den größten Gläubigern ihres Staates zählen. Des Weiteren können aus der Länderanalyse Erkenntnisse zur grundsätzlichen Stützungsfähigkeit des Staates getroffen werden, um als lender of last resort zu intervenieren. Neben der Stützungsfähigkeit spielt die Unterstützungsbereitschaft (Bail-Out-Politik) eine Rolle. Mit der Einführung der Bankenabwicklungs- und Sanierungsrichtlinie (BRRD) in der EU als Antwort auf die durch die Lehman Krise 2008 ausgelöste Too-Big-Too-Fail-Problematik müssen Gläubiger (von Anleihen und auch Einlagen) jedoch nunmehr damit rechnen, an Verlusten zu partizipieren. Daher ist die Analyse der länderspezifischen Regulierung unabdingbar. Unterschiedliche Kapitalanforderungen auf globaler (TLAC) oder europäischer Ebene (MREL/SREP) sind bei der Analyse daher ebenfalls zu berücksichtigen.

PRAXISTIPPS

  • Effizienter Einbezug von Marktdaten als Frühwarnindikatoren zum Erkennen von Depot A-Risiken: u. a. Bond-Spread/CDS-Entwicklungen/Aktienkursentwicklung.
  • Aufspüren von bilanziellen Risikokonzentrationen: Kreditnehmer-/Branchen-/Ertragskonzentrationen.
  • Analyse außerbilanzieller Risiken: Nachrichtenlage? Drohen Reputationsverluste?

 

Beitragsnummer: 73315

Unterschiede interner und externer Ratings



Andreas Münster, Analyst Risikotragfähigkeit, VON ESSEN BANK GmbH.

       

Geschichtliche Entwicklung, Funktionsweise und Unterschiede interner und externer (Unternehmens)Ratings.

I. Grundlagen

Spätestens seit der Finanzmarkt- und anschließender Staatsschuldenkrise (Griechenland & Co.) hatte wohl jeder schon einmal Berührung mit dem Thema Rating und den „geheimnisvollen“ Buchstabenkürzeln. Aber was genau steckt hinter der „Black Box“ Rating, wie kommen diese Noten zustande und was sagen sie aus?

Eingeführt wurde das Thema Rating im Jahr 2004 von dem Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (Basle Committee for banking supervision, kurz BCBS). Dieser Ausschuss ist das weltweit bedeutenste Forum für Bankenaufsicht, angesiedelt bei der Bank für internationalen Zahlungsausgleich, kurz BIZ, in Basel (Schweiz).

Im Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht, dem aktuell Vertreter der nationalen Zentralbanken und Aufsichtsbehörden aus 28 Jurisdiktionen angehören, wird Europa durch die EU-Kommission,

die EZB, EBA und Deutschland durch die Bundesbank und die BaFin vertreten[1].

Die Baseler Rahmenwerke werden der Einfachheit halber durchnummeriert (Basel I: 1988,

Basel II: 2004, Basel III: 2010, Finalisierung von

Basel III auch tituliert als „Basel IV“: 2017)

Kundenbilanzen zielsicher verstehen und interpretieren



Christoph Hoeren, Senior Risk Manager, KfW DEG Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH.

I. Strukturierter Ansatz als Grundlage

Die Analyse und Rating- bzw. Bonitätsfestlegung anhand von Jahresabschlüssen bei Firmenkunden hat nach wie vor eine hohe Bedeutung. Im Rahmen der Digitalisierung können auch Elemente aus der Unternehmensanalyse automatisiert und effizienter gestaltet werden. Gleichwohl ist bei jeder Implementierung von Digitalisierungs- bzw. Automatisierungsprozessen abzuwägen, bis zu welchem Grad auf eine qualitative manuelle Sichtung und Analyse von Jahresabschlüssen verzichtet werden kann. Ferner sind Leitfäden für eine zielgerichtete Jahresabschlussanalyse auch vor dem Hintergrund von Aufgabenveränderungen für Mitarbeiter in der Kreditabteilung wichtig geworden, um ein möglichst einheitliches Verständnis innerhalb eines Instituts zur Jahresabschlussanalyse sicherzustellen.

Vor diesem Hintergrund kommt es auf die Etablierung bzw. Sicherstellung eines strukturierten Ansatzes an, der sich auf die wesentlichsten Prüfschritte bezieht. Die größte Herausforderung liegt darin, die Vernetzung bzw. Verbindung von bestimmten Prüfungsergebnissen mit anderen Fragestellungen zu erkennen.

II. Qualitative Jahresabschlussanalyse

Idealtypisch könnte sich der Prozess der (qualitativen) Jahresabschlussanalyse wie folgt darstellen:

1. Erfassung der Rechtsform und deren Auswirkungen

Die Klassifizierung nach Kapitalgesellschaft und Personengesellschaft sowie deren Größenklassen nach HGB/PublG sind ganz entscheidend für den Umfang und den Inhalt eines Jahresabschlusses. Es ...


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WEG-Kredit als flexibler Baustein für Eigentümergemeinschaften



Michael Butz, Vorstand, Bank für Wohnungswirtschaft AG

           

I. Finanzierungen von Maßnahmen in Wohnungseigentümergemeinschaften

Wohnungseigentümergemeinschaften stehen immer häufiger vor der Frage- oder Problemstellung, wie sie dringend anstehende und erforderliche Sanierungsmaßnahmen finanziell stemmen können. Neben einer zu geringen Rücklage ist häufig auch die Suche nach einem Finanzierungspartner eine größere Herausforderung für die Verwaltung einer Wohnungseigentümergemeinschaft. Die Schwierigkeiten, aber auch Lösungsmöglichkeiten sollen nachfolgend aufgezeigt werden.

II. Sanierungsstau in Wohnungseigentümergemeinschaften

Grundsätzlich lässt sich bundesweit ein enormer Sanierungsstau in den Liegenschaften feststellen. Objekte aus den 60er, 70er und 80er Jahren sind zwischenzeitlich in die Jahre gekommen und an vielen Stellen wurde es einfach aus verschiedensten Gründen versäumt, die Immobilie richtig instand zu halten. Je größer eine WEG ist, desto mehr Motivationen und Interessen sind unter einen Hut zu bringen, sodass es häufig dazu kommt, dass anstehende Maßnahmen nur zögerlich oder gar nicht durchgeführt werden. Warum das so ist und von welchem Volumen wir sprechen, soll anschließend näher beleuchtet werden.

1.Grundsätzliche Ausgangslage in Deutschland

Bereits 2011 haben die Zählungen des Zensus ergeben, dass den größten Sanierungsbedarf Wohnungseigentümergemeinschaften haben. Betroffen sind rd. 9,3 Mio. Wohnungen, was ungefähr ...


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Immobilienfinanzierung: Passgenaue Kennzahlen für die Kreditpolitik



Kreditpolitische Leitlinien mit den passenden Kenngrößen zielgerecht gestalten.

Prof. Dr. Leo Cremer, Real Estate Investment and Finance Lab (REIFl@b), Hochschule RheinMain

I. Kreditpolitik im Aufsichtsfokus

Die kreditpolitischen Leitlinien für (Wohn-)Immobilienkredite stehen derzeit gleich doppelt im Fokus der Bankenaufsicht. Zum einen hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Analyse der Vergaberichtlinien zu einer ihrer Aufsichtsprioritäten für 2019 erklärt. Zum anderen kann die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) seit Mitte 2017 definierte Kreditkennzahlen für Neudarlehen beschränken.

1. Aufsichtspriorität 2019

Die EZB kam in ihrer Risikobewertung für 2019[1] bezogen auf den gesamten Euroraum zu dem Ergebnis, dass Wohnimmobilienkredite zu den derzeit relevanten Risikofaktoren für das Bankensystem gehören. Begründet wird dies mit einer erhöhten Verschuldung, die sowohl zu Rückzahlungsproblemen bei einer Konjunkturabschwächung als auch zu Verlusten beim folgenden Ausfall des Kreditnehmers führen kann.

Nicht nur Konjunktur- und Preisveränderungen sind hierfür maßgeblich, die EZB sieht ebenso einen Beitrag der Banken. Konkret heißt es in der Risikobewertung für 2019: „Eine gewisse Lockerung der Kreditvergaberichtlinien bezüglich der Beleihungsquote und der Schuldendienstfähigkeit bei neuen Krediten haben das Kreditrisiko möglicherweise erhöht.“

Konsequenterweise legt die EZB-Bankenaufsicht einen ihrer Schwerpunkte[2] auf die Analyse von Kreditvergaberichtlinien und Neuengagements insbesondere im ...


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Verschuldungskapazität im Vertrieb

Volker Fentz, Ressortleiter Firmenkunden, Prokurist, VR Bank Untertaunus eG

Sowohl bei der Neukreditvergabe als auch bei der Prolongation von bestehenden Krediten wird selbstverständlich die Frage gestellt, ob der Kunde seinen Kapitaldienst erbringen und seine Verbindlichkeiten in Zukunft zurückführen kann. Daher muss das vorrangige Kreditobligo ermittelt werden, welches der Kunde zum gegenwärtigen Zeitpunkt bedienen kann. Dieses Volumen wird als Verschuldungskapazität (debt capacity nach George G.C. Parker) bezeichnet.

Zur Finanzierung des Umlauf- und Anlagevermögens gilt die Verschuldungskapazität als Obergrenze für

  • die vorrangige Finanzverschuldung
  • die nachrangige Finanzverschuldung mit einer Tilgung innerhalb des Betrachtungszeitraums

Ermittelt wird der Barwert des künftig nachhaltig zur Verfügung stehenden Cashflows, also dem Finanzmittel aus eigener Betriebstätigkeit. Der Cashflow gibt Auskunft über die Selbstfinanzierungskraft eines Unternehmens und ist ein wesentlicher Bestandteil der Innenfinanzierung. Daraus ist deutlich ersichtlich, dass nur ertragsstarke Unternehmen auch in der Lage sein werden, eine höhere Verschuldung aufnehmen zu können. EBIDA – E stellt dabei die wesentliche Kennzahl für die Ertragskraft dar. Als Betrachtungszeitraum wird üblicher Weise mit sieben Jahren kalkuliert.

Als Ersatzinvestitionen sollte man den Betrag festlegen, den das Unternehmen benötigt, um technisch immer auf dem neuesten Stand zu sein („state of the art“). Ein langfristig denkender Spediteur z. B. orientiert sich hier an den Preisen der aktuell modernsten Fahrzeuge. Diese Ersatzinvestitionen fallen unabhängig von den Abschreibungen an, die sich nur an den bisher aktivierten Anlagegütern orientieren, zudem sind hierfür fiskalische und weniger betriebliche Maßstäbe relevant.

Bei Einzelunternehmen wird kein offizielles Geschäftsführergehalt ausgezahlt, sondern die Privatentnahmen sind vom Gewinn in Abzug zu bringen. Hierzu muss der EBIDA vorher um einen sogenannten kalkulatorischen Unternehmerlohn gekürzt werden. Dieser sollte in etwa einem vergleichbaren GmbH-Geschäftsführergehalt (Bruttoaufwand) in Größe und Branche entsprechen.

SEMINARTIPPS

Quick-Check-Analyse für Kundenbilanzen, 08.04.2019, Köln.

Vertriebsansätze aus der Bilanzanalyse, 09.04.2019, Köln.

Kreditprozesse SMART: Automatisierte Bilanzanalyse, 10.04.2019, Köln.

FCH #nextstep Kredit: BWA-Analyse, 26.06.2019, Würzburg.

Analyse der zukünftigen Kapitaldienstfähigkeit, 07.10.2019, Frankfurt/M.

Die hier rein kalkulatorisch unterstellten sieben Tilgungsjahre sind in diesem Zusammenhang eine übliche Betrachtungsweise, die im Einzelfall natürlich über-, eher jedoch unterschritten werden kann.

Multipliziert man das EBIDA – E mit einem Faktor von 5,3, so erhält man die Verschuldungskapazität.

Nicht mehr wachsende Unternehmen benötigen eigentlich keine Finanzierung des Umlaufvermögens mehr, da aus dem Cashflow der Kapitaldienst sowie die Ersatzinvestitionen bedient werden sollten. Für wachsende Unternehmen müssen jährlich die Verschuldungskapazität angepasst werden, da das Wachstum i. d. R. nicht aus dem Cashflow bedient werden kann.

Saisonale Schwankungen wiederum sind bei der Berechnung der Verschuldungskapazität nicht zu berücksichtigen. Dieser Bedarf ist durch Working-Capital-Kontraktion zu kompensieren.

Vertrieblich können aus der Verschuldungskapazität Ansätze für die Strukturierung der Passivseite abgeleitet werden, wie bspw. für Bodensatzfinanzierungen, Nachrangkapital, Mezzanine und Eigenkapital. Damit erhält der Unternehmer durch die Bank Planungssicherheit, angemessene Finanzierungskosten und mögliche Verbesserungen im Bilanzrating. Durch eine kompetente Beratung der Passivseite werden dem Unternehmer Mehrwerte geboten, die die Chance bieten, sich mindestens als Kernbank des Kunden zu positionieren. Bei einer strategischen Begleitung des Unternehmens kann über die Verschuldungskapazität der Unternehmenswert abgeleitet und als Grundlage für einen Zukauf oder Verkauf des Unternehmens herangezogen werden.

PRAXISTIPPS:

  • Entspricht der Kreditwunsch des Unternehmers den tatsächlichen Bedürfnissen?
  • Passt die Struktur der Passivseite zum tatsächlichen Bedarf des Unternehmens?

 

Beitragsnummer: 57816

Liquiditätsanalyse im Vertrieb

Tanja Tatusch, Kreditberaterin Referat Sanierung, Wiesbadener Volksbank eG

Kennziffern aus der Bilanzanalyse können neben einer Risikobewertung auch für vertriebliche Ansätze herangezogen werden. Dabei nehmen Bilanz- und GuV-Strukturen an Bedeutung zu. Der nachfolgende Beitrag konzentriert sich auf Ansätze der Liquidität des Unternehmens.

Bei Liquiditätsproblemen wird erfahrungsgemäß der Unternehmer oftmals die Bank um eine Anpassung der Linie bitten. Dies ist zwar der schlanke und schnelle Weg, aber nicht immer die passende Lösung für das Unternehmen. Ist sich der Unternehmer bewusst, welche Möglichkeiten der Optimierung er selbst aktiv und nachhaltig zur Verbesserung der Situation beitragen kann? Die Liquiditätskrise ist in der Regel nicht mehr zu übersehen und beschreibt Zahlungsschwierigkeiten des Unternehmens. Dies kann sich z. B. in Kontoüberziehungen und hohen Limit-Auslastungen widerspiegeln. Aber auch in Warenlieferungen gegen Vorkasse, langen Zahlungszielen bei den Kunden, Mahnungen, Pfändungen und Ratenrückständen spiegelt sich eine Liquiditätskrise wider.

SEMINARTIPPS

Quick-Check-Analyse für Kundenbilanzen, 08.04.2019, Köln.

Vertriebsansätze aus der Bilanzanalyse, 09.04.2019, Köln.

Kreditprozesse SMART: Automatisierte Bilanzanalyse, 10.04.2019, Köln.

FCH #nextstep Kredit: Bilanzanalyse, 24.–25.06.2019, Würzburg.

FCH #nextstep Kredit: BWA-Analyse, 26.06.2019, Würzburg.

Anhand eines Jahresabschlusses sind ein hohes Debitorenziel, d. h. das Unternehmen hat über einen längeren Zeitraum noch ausstehende Kundenforderungen, und ein hohes Kreditorenziel, d. h. das Unternehmen hat sich Liquidität bei seinen Lieferanten verschafft, ein Indiz für Liquiditätsengpässe. Auch nachhaltige gewinnübersteigende Privatentnahmen bei Einzelunternehmen führen zu Liquiditätsengpässen und einer fehlenden Kapitaldienstfähigkeit. Die Cashflow-Analyse ermittelt die Mittelherkunft und -verwendung und verdeutlicht Schwachstellen der Liquidität und eventuell kurzfristige Kompensationshandlungen. Die Folgen sind ebenfalls in der Kontoentwicklung erkennbar.

Insbesondere bei der Analyse der Liquidität ist die Aussagekraft aus der Cashflow-Analyse aussagekräftiger als die klassische Bilanzanalyse.

Gewinne sind…

    • Nicht liquide verfügbar.
    • Abhängig vom Bilanzierungsstandard (HGB, BilMoG).
    • Bilanzpolitisch beeinflussbar.
    • Keine ökonomisch sinnvolle Zielgröße.

Cashflow

    • Steht, sofern korrekt ermittelt, in liquider Form zur Verfügung.
    • Ist von Bilanzpolitik und Bilanzierungsstandard unabhängig, da unterschiedliche Bewertungen neutralisiert werden.
    • Orientiert sich am Zeitpunkt der Zahlungsströme.

Neben den Verbesserungen der Kreditoren- und Debitorenziele kann im Rahmen der Working-Capital-Transaktionen an einigen Stellschrauben weiteres Optimierungspotenzial gehoben werden. So ist es insbesondere bei Unternehmen wichtig, das Geschäftsmodell genau zu verstehen, um die Zahlungsabläufe im Detail nachvollziehen zu können. Idealer Weise zeichnet sich der Berater anhand eines Zeitstrahls die einzelnen Impulse auf, die von Auftragsvergabe bis zur Zahlung der Rechnung das Kapital des Unternehmens binden.

  • Aufträge … von der Erfassung bis zum Zahlungseingang.
  • Einkauf … von der Bestellung bis zur Zahlung.
  • Materialfluss … Verbrauch und Bevorratung entlang der Wertschöpfungskette.

Die Beherrschung und Optimierung dieser Maßnahmen bezeichnet man als Working-Capital-Management. Hierbei kann der Unternehmer aktiv auf die Zahlungsziele sowie auch auf Abschlagszahlungen und Einkaufsbonifikationen Einfluss nehmen.

 

Anhand der Darstellung kann dem Unternehmer verdeutlicht werden, welche Vorteile er aus der Optimierung des Working-Capital erzielen kann. Aus Banksicht kann anstelle der reinen Linienanpassung auch eine Bodensatzfinanzierung oder Factoring angeboten werden. Oftmals werden in der Analyse auch nicht fristenkongruent finanzierte Investitionen als Liquiditätsentzug erkannt. Hier steht neben einer fristenkongruenten Finanzierung auch Mietkauf oder Leasing als vertriebliches Potenzial zur Verfügung.

PRAXISTIPPS

  • Berechnen Sie mit dem Kunden die Cash-Effekte aus der Optimierung von Kreditoren- und Debitorenzielen.
  • Verdeutlichen Sie dem Kunden, welche Optimierungen aus dem Working-Capital möglich sind.
  • Bieten Sie aus den Ergebnissen der Analyse entsprechende Lösungsvorschläge der Bank an.

 

Beitragsnummer: 57798

Quick-Check-Analyse von Kundenbilanzen

Dr. Thomas Kohlhase, Senior Credit Analyst, Fixed Income, Ampega Asset Management GmbH

Gegenwärtig mehren sich die Indikatoren, dass einer der längsten Wirtschaftsaufschwünge der Nachkriegszeit, wenn nicht zum Erliegen, so zumindest ins Stottern kommt. Globale Handelstreitigkeiten, ein Auseinanderdriften Europas und ein durch Technologien in Gang gesetzter disruptiver Wandel prägen das wirtschaftliche Geschehen und stellen für die stark exportorientierte deutsche Wirtschaft ernstzunehmende Risiken dar. Parallel konnten zahlreiche Kreditinstitute nur dank Auflösung von Risikorückstellungen Gewinne in den letzten Jahren erzielen.

In einer spätzyklischen Phase besteht daher noch eine letzte Möglichkeit, seine Kreditportfolien für den Härtefall zu strukturieren und Risiken zu minimieren. Die Praxis zeigt, dass oftmals zwar eine Fülle von Unterlagen und Kennzahlen für die Analyse von Kundenbilanzen vorliegen, eine zukunftsgerichtete und schnelle Bonitätsbeurteilung jedoch für Kreditentscheider und Votierer dadurch nicht erleichtert wird. Mit Hilfe einer Quick-Check-Analyse von Kundenbilanzen können Entscheider auf Markt- und Marktfolgeseite schnell das Gesamtrisikoprofil eines Firmenkunden erfassen. Die Bilanz– und Bonitätsanalyse als Grundlage von Kreditentscheidungen darf dabei aber nicht zu kurz kommen.

Ausgehend von der Branchenanalyse, über das Aufspüren zentraler bilanzpolitischer Stellschrauben sowie der Identifizierung von Schlüsselkennzahlen, eignet sich diese Konzeption nicht nur für das Bestandskundengeschäft, sondern auch für die Akquisition von Neukunden. Durch zielgenaue Analyse und Anwendung zentraler Kennzahlen, Konsistenzchecks und kritisches Hinterfragen lassen sich somit in kurzer Zeit wichtige Erkenntnisse gewinnen.

SEMINARTIPPS

Quick-Check-Analyse für Kundenbilanzen, 08.04.2019, Köln.

Vertriebsansätze aus der Bilanzanalyse, 09.04.2019, Köln.

Kreditprozesse SMART: Automatisierte Bilanzanalyse, 10.04.2019, Köln.

FCH #nextstep Kredit: Bilanzanalyse, 24.–25.06.2019, Würzburg.

FCH #nextstep Kredit: BWA-Analyse, 26.06.2019, Würzburg.

Die Geschäftsmodellanalyse des Kunden sowie eine tiefgehende Branchenanalyse stellen in Zeiten des technologischen Umbruchs (Digitalisierung), wo aus Lieferanten oder Kunden vielleicht Wettbewerber werden, eine zentrale Rolle im Rahmen einer ausgewogenen Bonitätsbeurteilung. Denn die übergeordnete Wettbewerbs- und Wachstumsdynamik sowie Zyklik einer Branche haben nicht zuletzt Rückkoppelungen auf das Ergebnis und die erwirtschafteten Cashflows eines Unternehmens. Mit Blick auf das Geschäftsmodell sollten Fragen im Mittelpunkt stehen, wie z. B.: Wer sind die wichtigsten Geschäftspartner? Welchen Mehrwert bzw. Alleinstellungsmerkmal hat das Geschäftsmodell? Wie kann die Wettbewerbsfähigkeit aufrechterhalten werden? Was sind die wesentlichen Kostentreiber?

Auch das Erkennen von Frühwarnindikatoren innerhalb eines Sektors, wie z. B. geopolitische Unsicherheitsfaktoren (aktuell Handelskrieg USA/China) oder technologische Veränderungen und die Identifikation von No-Go Branchen spielen dabei eine wichtige Rolle. Ausgewählte Mikro- und Makro-Kennzahlen wie z. B. Konsumgüterindizes, Veränderung von Lagerbeständen oder auch Arbeitslosenquote können hierbei wertvolle Hinweise liefern.

Im nächsten Schritt ist das Aufspüren der zentralen bilanzpolitischen Stellschrauben der Firmenkunden und deren Interpretation fundamental. Wichtige Positionen wie u. a. Herstellungskosten, Firmenwert, (Pensions-)Rückstellungen und weitere Positionen gilt es, sich genau auf Ansatz und Bewertung anzuschauen. Im Anschluss daran können die bilanzpolitischen Auswirkungen erst aufgedeckt werden. Mit Unterstützung von Risiko-Quick-Check-Listen lassen sich die wichtigsten Aspekte einer Unternehmensanalyse schnell abarbeiten und aufdecken. Das Gesamtbild, das man sich vom betreffenden Unternehmen macht, nimmt nun klare Züge an.

Noch deutlicher wird der Gesamteindruck schließlich durch die Anwendung spezieller Kennzahlen. Dabei geht es darum, aus mehreren hundert möglichen Kennzahlen, die sich aus einem Jahresabschluss berechnen lassen können, nur all jene – sogar nur eine Handvoll Kennzahlen – auszuwählen, die zur Beurteilung der tatsächlichen Vermögens-, Finanz- und Ertragslage ausreichend sind. Durch die Fokussierung auf wenige Zahlen, welche Kapitalstruktur, Cashflow und Schuldentilgungsfähigkeit berücksichtigen, wird zudem der Blick auf das Wesentliche geschärft. Außerdem gilt es die Kennzahlen richtig (z. B. je nach Branche und Geschäftsmodell) zu interpretieren: Eine operative Marge von einem Prozent mag für ein Handelsunternehmen ausreichend sein, würde aber für ein fertigungsintensives Unternehmen mittelfristig den Ruin bedeuten.

Bei der zukunftsgerichteten Bilanzanalyse ist außerdem das Konzept der Debt-Capacity unabdingbar. Damit lässt sich die Verschuldungsgrenze eines Kunden ermitteln, die wesentlich von dessen nachhaltiger Ertragskraft abhängig ist. Durch Anwendung des Debt-Capacity-Konzeptes in der Praxis können bei klar intern definierten Risikoklassen Firmenkundenbetreuer zielgerichtet Neugeschäftspotentiale erkennen bzw. frühzeitig verwerfen. Damit können aus Perspektive der Gesamtbanksteuerung Effizienzgewinne realisiert werden. Ohnehin ist die Verzahnung von Markt- und Marktfolgeseite von herausragender Bedeutung, um Effizienzen in Kreditantrags-, Kreditanalyse- und Kreditentscheidungsprozessen weiter zu erhöhen.

Schließlich bildet die Quick-Check-Analyse die Basis eines strukturierten Vertriebsprozesses, mit Hilfe derer u. a. Kundengespräche in klar geordneter und überzeugender Form vorbereitet werden können. Denn aus der strukturierten Analyse lassen sich am Kundenbedarf orientierte Lösungen entwickeln. So ist es beispielsweise sinnvoll einem metall- oder rohölverarbeitenden Betrieb, der bislang volatile Ergebnisse eingefahren hat und Schwankungen von US-Dollar oder Rohöl unterliegt, Produkte anzubieten, die ihn gegen derartige Marktpreisvolatilitäten absichern. Ebenso können wertschaffende Bilanzumgliederungen als Basis für Vertriebsaktivitäten dienen (z. B. auf der Aktivseite als Bilanz verkürzende Maßnahme die Auslagerung von Forderungen durch Factoring; auf der Passivseite die Auslagerung von Pensionsverpflichtungen etc.).

PRAXISTIPPS

  • SWOT-Analysen gemeinsam zwischen Markt- und Marktfolgeseite erarbeiten.
  • Checklisten erstellen, um Faktoren wie Branche, Risikoprofil, Krisenindikatoren, Neugeschäftspotentiale etc. strukturiert darzustellen.
  • Fokussieren Sie sich in der Quick-Check-Analyse auf zentrale bilanzpolitische Stellschrauben und auf die Kennzahlen, die die Kapitalstruktur, Cashflow und Schuldentilgungsfähigkeit berücksichtigen.

 

Beitragsnummer: 56604

Analyse der „künftigen“ Kapitaldienstfähigkeit



Marc Ackermann, Diplom-Ökonom, Partner, AMB Aktive Management Beratung GmbH, Bottrop.

Die 5. MaRisk-Novelle rückt nun explizit die Zukunftskomponente in den Fokus.

I. Einleitung

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat am 27.10.2017 die zusammen mit der Deutschen Bundesbank angepassten und erweiterten „Mindestanforderungen an das Risikomanagement“ (MaRisk) von Banken vorgelegt[1]. Mit dieser Novelle wurden neue europäische und internationale Vorgaben in das deutsche Regelwerk eingearbeitet, gleichzeitig sind aber auch Erkenntnisse und Erfahrungen aus aufsichtsrechtlichen Prüfungen in das BaFin-Rundschreiben eingeflossen. Das Themenspektrum der Neuerungen und Ergänzungen innerhalb der 5. MaRisk-Novelle ist breit ausgelegt: Anforderungen an die Etablierung einer angemessenen Risikokultur[2], Risikodaten, deren Aggregation sowie die damit verbundene Risikoberichterstattung[3] oder auch die Anpassung und Erweiterung der Vorgaben für Auslagerungen[4].

Neben weiteren Neuerungen und Modifikationen in diversen anderen Modulen mögen sowohl aus Banken- aber auch aus Kundensicht Anpassungen im Bereich der Kreditprozesse besondere Relevanz für die Kreditvergabepraxis erlangen[5]. Der hierbei konkretisierte Aspekt der (künftigen) Kapitaldienstfähigkeit stellt verständlicherweise nicht nur aufsichtsrechtlich, sondern auch betriebs- bzw. finanzwirtschaftlich das zentrale Entscheidungskriterium für die Gewährung von Kreditmitteln dar. In Bezug auf die Gewährung von Krediten an Gewerbe- und Firmenkunden stellt die fundamentale Unternehmensanalyse ...


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