Ausfall aus neuer Sicht



Die Revision in der Projektbegleitung zur neuen Ausfalldefinition.

Thomas Gerlach, Stv. Abteilungsleiter Interne Revision,Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg.

Spätestens zum 31.12.2020 sollen für die Kreditinstitute neue Regelungen zu Ausfällen nach Art. 178 Abs. 1 CRR[1] gelten. Die Anpassungen können für die Banken ggf. weitreichende Folgen haben. Eine frühzeitige Beschäftigung mit dem Thema ist daher angezeigt, der Internen Revision kommt als Projektbegleiter dabei eine wichtige Rolle zu.

Die neuen Regelungen sind Teil eines Gesamtbildes, das sich deutlich abzeichnet. Die Bankenaufsicht auf europäischer Ebene sieht trotz einer Tendenz zur Verbesserung im Anteil der NPL (Non-performing-loans, notleidende Kredite) an den Gesamtausleihungen der Institute ein erhöhtes Risiko und damit auch eine mögliche Gefahr für die Stabilität des Finanzsektors.

I. Ausgangslage

Die Bedenken der Aufsicht lassen sich durch einen Blick auf die Zahlen nachvollziehen. Allein bei den bedeutenden Kreditinstituten in der Europäischen Union bestanden 2018 notleidende Kredite in einem Volumen von 628 Mrd. €[2]. Positiv ist anzumerken, dass der Bestand damit seit 2015 deutlich reduziert wurde, damals wurde etwa eine Bio. € an NPL festgestellt. Trotzdem ist auch die aktuelle Quote von 4,2 % der Forderungen bemerkenswert (siehe dazu auch bitte Abb. 1).

Abbildung ...


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Besonderheiten der Einnahmen-Ausgaben-BWA

Michael Leistenschneider, Steuerberater mit eigener Kanzlei (bis Ende 2013 Vorstand bei Datev eG, Nürnberg)

Für Gewerbetriebende und Freiberufler, die ihren Gewinn nach § 4 Abs. 3 EStG als Überschuss der Betriebseinnahmen über die Betriebsausgaben (EÜR) ermitteln, ist die Einnahmen-Ausgaben-BWA die ideale Form, unterjährig die Ergebnisentwicklung zu verfolgen und das Unternehmen entsprechend den Besonderheiten dieser Gewinnermittlungsart zu analysieren. Voraussetzung für eine Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG (statt Bestandsvergleich nach § 4 Abs. 1 EStG) ist, dass weder nach Handelsrecht[1] noch nach Steuerrecht[2] eine Buchführungspflicht besteht. Liegen diese Voraussetzungen vor und wird vom Wahlrecht einer Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG Gebrauch gemacht sind folgende Besonderheiten zu beachten:

  • Es gilt das Zufluss-/Abflussprinzip (statt Verursachungsprinzip). Danach sind Einnahmen und Ausgaben erst dann gewinnwirksam, wenn sie durch Zahlung realisiert werden.
  • Einnahmen fließen brutto einschließlich Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer) in die Gewinnermittlung ein.
  • Ausgaben fließen brutto einschließlich Umsatzsteuer (Vorsteuer) in die Gewinnermittlung ein.
  • Gezahlte Umsatzsteuerbeträge (z. B. aufgrund von Umsatzsteuer-Voranmeldungen) sind Betriebsausgaben.
  • Erstattete Umsatzsteuerbeträge sind Betriebseinnahmen.
  • Erhaltene Anzahlungen sind mit ihrem Zahlungsbetrag Betriebseinnahmen.
  • Geleistete Anzahlungen sind mit ihrem Zahlungsbetrag Betriebsausgaben.
  • Bestandsveränderungen werden weder beim Warenlager noch bei den fertigen/unfertigen Erzeugnissen gebucht und haben auch keinerlei Gewinnauswirkungen.
  • Die Führung eines Personenkontokorrents ist zwar möglich, allerdings sind für Zwecke der Gewinnermittlung die bisher nicht zahlungswirksam gewordenen Kundenforderungen sowie Lieferantenverbindlichkeiten rückgängig zu machen.

Die Einnahmen-Ausgaben-BWA berücksichtigt alle diese Besonderheiten, sofern eine systemgerechte Verbuchung erfolgt. Steht also fest, dass am Jahresende der Gewinn eines Unternehmens nicht nach § 4 Abs. 1 EStG (Bestandsvergleich mit Bilanz und G+V), sondern nach § 4 Abs. 3 EStG ermittelt wird, so würde eine BWA-Analyse mit Hilfe der kurzfristigen Erfolgsrechnung auf Basis der Standard-BWA zu unzutreffenden und möglicherweise auch falschen Ergebnissen führen. Je nach Zahlungsverhalten bei Kunden- und Lieferantenrechnungen und auch in Abhängigkeit von der Umsatzbesteuerung (Soll-/Ist-Versteuerung bzw. Umsatzversteuerung nach vereinbarten oder vereinnahmten Entgelten) kommt es zu größeren Abweichungen zwischen dem unterjährigen Ergebnis der Standard-BWA und der Einnahmen-Ausgaben-BWA.

SEMINARTIPPS

Analyse von Bankbilanzen, 04.11.2019, Wiesbaden.

Quick-Check BWA-Analyse, 05.11.2019, Wiesbaden.

Kredit-Jahrestagung 2019, 20.–21.11.2019, Berlin.

Dies soll an nachfolgendem Rechenbeispiel eines fiktiven und speziell konstruierten Falls aufgezeigt werden. In einer BWA-Abrechnungsperiode soll es zwei Ausgangsrechnungen über jeweils 595 € inklusiv 19 % Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer) geben und zwei Eingangsrechnungen über jeweils 238 € inklusiv 19 % Umsatzsteuer (Vorsteuer). In allen Fällen ist die Lieferung oder sonstige Leistung im Zeitpunkt der Rechnungsausstellung erbracht. Im BWA-Zeitraum sollen jeweils eine Eingangs- und eine Ausgangsrechnung bezahlt worden sein, während die andere Rechnung am Stichtag noch offen ist. Die sich zum BWA-Stichtag ergebende Umsatzsteuer-Zahllast wurde bereits in der BWA-Abrechnungsperiode gezahlt. Die Umsatzsteuer-Voranmeldung wird bei einer Soll-Versteuerung (Umsatzsteuer auf vereinbarte Entgelte) so berechnet, dass von der Mehrwertsteuer aus beiden Rechnungen in Höhe von 2 x 95 = 190 € die Vorsteuerbeträge aus beiden Eingangsrechnungen, also 2 x 38 = 76 € abgezogen werden. Es ergibt sich somit eine Umsatzsteuer-Zahllast in Höhe von 114 €.

INHOUSETIPP

Quick-Check BWA-Analyse.

 

 

Bei einer Ist-Versteuerung (Umsatzsteuer auf vereinnahmte Entgelte) wird die Mehrwertsteuer nur aus der bezahlten Rechnung gezogen und beträgt damit nur 95 €. Davon abgezogen werden dagegen die Vorsteuerbeträge aus beiden Eingangsrechnungen, also 2 x 38 = 76 €, da es beim Vorsteuerabzug nach § 15 UStG keinerlei Bindung an den Zahlungsvorgang gibt. Damit beträgt in diesem Fall die Umsatzsteuer-Zahllast lediglich 95 – 76 = 19 €.

Daraus ergibt sich nachstehendes Berechnungsschema, welches die unterschiedlichen BWA-Ergebnisse aufzeigt.

Abbildung: Berechnungsschema Einnahmen-Ausgaben BWA sowie Standard-BWA

FILMTIPP

Quickcheck Analyse BWA.

 

 

In diesem fiktiven Fall liegt das Ergebnis der Standard-BWA mehr als doppelt so hoch wie das der Einnahmen-Ausgaben-BWA bei einer Umsatzversteuerung nach vereinbarten Entgelten. Die Beispielsrechnung zeigt, dass bei einer Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG die unterjährige BWA-Analyse auf Basis der Standard-BWA zu unzutreffenden Ergebnissen führen kann. Es ist daher ratsam für die laufende Analyse des Unternehmenserfolgs auf die Einnahmen-Ausgaben-BWA, statt auf die kurzfristige Erfolgsrechnung der Standard-BWA zurückzugreifen.

PRAXISTIPPS

  • Bei Freiberuflern und Gewerbetreibenden, bei denen feststeht, dass die steuerliche Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG erfolgt, eignet sich eine monatliche Einnahmen-Ausgaben-BWA besser zur unterjährigen BWA-Analyse als die kurzfristige Erfolgsrechnung der Standard-BWA.
  • Die Einnahmen-Ausgaben-BWA ist sowohl bei Steuerpflichtigen einsetzbar, die ihre Umsätze nach vereinbarten Entgelten wie auch bei Steuerpflichtigen, die ihre Umsätze nach vereinnahmten Entgelten versteuern.
  • Bei einer Einnahmen-Ausgaben-BWA ist auch die Führung von Personenkonten möglich. Bei dieser BWA-Form werden im vorläufigen monatlichen Ergebnis nur die bezahlten Eingangs- und Ausgangsrechnungen berücksichtigt.
  1. § 238 Abs. 1 HGB und § 241a HGB.
  2. § 140 AO und § 141 AO.

Beitragsnummer: 81230

Ausgewählte TOP-Kennzahlen in der Bankbilanzanalyse

Dr. Thomas Kohlhase, Senior Credit Analyst, Fixed Income, Ampega Asset Management GmbH

Vorbemerkungen zur Aussagefähigkeit von Kennzahlen

Der Einsatz von Kennzahlen kann bei richtiger Anwendung hilfreich sein und wichtige Erkenntnisse zur Bonitätseinschätzung liefern. Noch stärker als bei der kennzahlenbasierten Bonitätsbeurteilung von Industrieunternehmen kommt es bei der Bankbilanzanalyse darauf an, die Kennzahlen im Rahmen des gesamten, insbesondere des aufsichtsrechtlichen, länder- und geschäftsmodellspezifischen, Kontextes zu interpretieren. Anderweitig und bei isolierter Betrachtung sind Fehlschlüsse die unmittelbare Folge. Denn die Lehman-Pleite 2008 oder die Krise der IKB 2007 hätte man anhand traditioneller Bilanz-, Gewinn- und Verlustrechnungs-Kennzahlen aus den Bereichen Kapital, Aktivaqualität, Rentabilität und Effizienz sowie Liquidität kaum vorhersehen können – zumindest, wenn man von weiterhin liquiden Märkten, unterstützt durch die damalige Geldpolitik insbesondere der US-Zentralbank, ausgegangen ist. Denn bei ähnlichen Kennzahlen wären sonst noch zahlreiche andere Institute in Schieflage geraten. Daher ist das Studium der Anhangsangaben und des Lageberichtes unerlässlich. In den oben genannten Fällen geben diese immerhin hinreichenden Aufschluss über drohende Risiken, insbesondere zu außerbilanziellen Verpflichtungen und daraus drohenden Liquiditätsabflüssen. Ohnehin ist das Studium des Anhangs und des Lageberichtes materiell für eine umfassende Bankbilanzanalyse, da nur dort sowie in den Offenlegungsberichten, die erst seit 2007 gem. Säule 2 (Basel III) verpflichtend sind, die notwendige Detailinformationen preisgeben werden.

SEMINARTIPPS

Analyse der zukünftigen Kapitaldienstfähigkeit, 07.10.2019, Frankfurt/M.

Analyse von Bankbilanzen, 04.11.2019, Wiesbaden.

Quick-Check BWA-Analyse, 05.11.2019, Wiesbaden.

Analyse von „Immobiliensammlern”, 06.11.2019, Wiesbaden.

Zudem spielen bei der Kennzahleninterpretation Zeit-, Betriebs- und Normenvergleich eine wesentliche Rolle. Durch Anwendung von Zeitvergleichen können negative bzw. positive Tendenzen sichtbar werden und im Sinne einer Trendanalyse fortgeschrieben werden. Der Nachteil liegt jedoch darin, dass der Informationsgehalt der Trendanalyse bedingt aussagefähig ist, wenn beispielsweise Gegenmaßnahmen durch die Geschäftsleitung ergriffen werden. Der Betriebsvergleich zeigt auf, wie ein Unternehmen im Vergleich mit brancheninternen Unternehmen bzw. Wettbewerbern oder Durchschnittswerten positioniert ist. Ein wesentlicher Nachteil bei Betriebsvergleichen besteht darin, dass branchenbezogene Prüfkriterien bestenfalls Abweichungen vom Durchschnitt zeigen und keine präzise Aussage über das interessierende Insolvenzkriterium ermöglichen. Dies gilt bei der Analyse von Bankbilanzen noch viel stärker als bei Industrieunternehmen. Beim Normenvergleich werden Unternehmenskennzahlen mit normativen oder statistisch abgeleiteten Prüfkriterien verglichen (Soll-Ist-Vergleich).

Des Weiteren ist bei der Verwendung von Kennzahlen auf Einschränkungen zu achten, die vor allem daraus resultieren, dass diese stichtags- und vergangenheitsbezogen sind sowie möglicherweise auf unterschiedlichen Rechnungslegungsstandards beruhen. Stichtagsbezogenheit: Insbesondere auf Basis von Bilanzpositionen verwendete Kennzahlen sind statischer Natur und unterliegen Manipulationsmöglichkeiten durch Window-Dressing-Maßnahmen (z. B. verbesserter Liquiditätsausweis zum Montas- oder Jahresende durch Repogeschäfte mit der Zentralnotenbank). Vergangenheitsorientierung: Die Kennzahlenanalyse ist meist retroperspektiv. Um ihr einen zukunftsorientierten Charakter zu verleihen, sollten daher einerseits plausible Annahmen (Basis-Szenario) als auch Prämissen unter Stress (Stress-Szenario) über die künftige Entwicklung erfolgen. Rechnungslegungsstandard: Unterschiedliche Rechnungslegungsstandards können zu Grunde liegen und so die Vergleichbarkeit von Jahresabschlüssen erheblich beeinträchtigen.

INHOUSETIPP

Analyse von Bankbilanzen.

 

 

Insofern lässt sich für den Einsatz von Kennzahlen im Rahmen der Bankbilanzanalyse resümieren, dass Kennzahlen helfen, die richtigen Fragen zu stellen, allerdings geben sie selbst meist nicht die gewünschte Antwort darauf.

Im Folgenden werden drei TOP-Kennzahlen näher dargestellt.

Harte Kernkapitalquote (Common-Equity-Tier 1 Ratio)

Definition

Abbildung 1: CET 1

Interpretation

Grundsätzlich gilt: je höher, desto besser. Doch auch eine hohe Quote kann aufgrund der nachfolgend erläuterten Nachteile zu Fehlschlüssen führen. Zusammengebrochene Banken wie Banco Espirito Santo oder Lehman Brothers wiesen kurz vor ihrer Insolvenz ebenfalls durchaus mindestens ausreichend erscheinende Kapitalisierungsquoten aus. Ebenfalls gilt, dass Aufsichtsbehörden individuell höhere Quoten von jedem Institut verlangen können, so dass eine auf den ersten Blick möglicherweise als solide anzusehende Quote sich im Nachgang als zu niedrig erweisen kann. Die individuellen Institutsspezifischen Anforderungen werden im Zusammenhang mit der sukzessiven Einführung von Bankenabwicklungs- und Sanierungsregimen eher zu- als abnehmen. Somit steigt unweigerlich die Deutungsunsicherheit, was nicht zuletzt auf die politisch gewollte Willkür durch die Aufsicht zurückzuführen ist.

NPL Ratio

Definition

Abbildung 2: NPL

Interpretation

Grundsätzlich gilt: je höher, desto schlechter. Bei Vergleichen mit Banken, die in unterschiedlichen Staaten/Jurisdiktionen tätig sind, gilt es, die nationalen Vorschriften zur Klassifizierung notleidender Kredite zu beachten. Ein Beispiel soll dies verdeutlichen: Bei Forderungen, die über 90 Tage fällig sind, ist in einigen Staaten nur der entsprechend überfällige Betrag oder die gesamte Kreditlinie. Ebenso gibt es Staaten, die für bestimmte überfällige Forderungen bereits eine Grenze bei 60 Tagen setzen und somit einen konservativen Ansatz wählen, der jedoch zu einer „Inflationierung“ der ausgewiesenen NPLs führt. Dies kann bei der Berechnung und beim Ausweis zu erheblichen Unterschieden führen und muss daher berücksichtigt werden. Die Nennergröße ist ebenfalls unter länderspezifischen regulatorischen Aspekten zu überprüfen.

Gesamtrentabilität (Return on Average Assets = RoAA)

Definition

Abbildung 3: RoAA

Interpretation

Maßgeblich bei der Analyse dieser Kennzahl ist die Zusammensetzung der Zählergröße, insbesondere auf Basis des Jahresüberschusses und der damit verbundenen Schwächen im Rahmen der bilanzpolitischen Gestaltungsmöglichkeiten. Geht man von dem hypothetischen Fall aus, dass zwei Institute exakt dieselben Rechnungslegungsstandards anwenden, so gilt auch bei dieser Kennzahl grundsätzlich nicht immer je höher, desto besser. Denn wie bei allen Renditekennzahlen spiegelt sich in einer hohen Rendite ein höheres Risiko wider, das entsprechend zu kompensieren ist. Insofern bevorzugt man je nach individueller Risikoaversion Institute mit einer niedrigen, dafür stabilen, Gesamtrentabilität gegenüber solchen mit einer hohen Rendite, die dafür jedoch mit Unsicherheit und Volatilität behaftet sind.

Weitere Anmerkungen:

  • Bei sämtlichen Return-bezogenen Kennzahlen gilt der Grundsatz, dass eine hohe Rendite bzw. Performance nicht selten mit höherem Risiko einhergehen.
  • Daher kommt es auch auf die Ertragsstabilität im Rahmen der Performancemessung sowie die Steigerung von Unternehmenswerten an.

Alternativ zur Gesamtrentabilität wird häufig die Rentabilität der risikogewichteten Aktiva verwendet (Return over Risk Weighted Assets bzw. RoRWA):

Abbildung 4: RoRWA

PRAXISTIPPS

  • Effizienter Einbezug von Marktdaten als Frühwarnindikatoren zum Erkennen von Depot A-Risiken: u. a. Bond-Spread/CDS-Entwicklungen/Aktienkursentwicklung.
  • Aufspüren von bilanziellen Risikokonzentrationen: Kreditnehmer-/Branchen-/Länder-/Ertragskonzentrationen.
  • Analyse außerbilanzieller Risiken: Nachrichtenlage? Drohen Reputationsverluste? Geldwäscherisiken? ESG-Risiken?

 

Beitragsnummer: 81213

 

Neuer EBA-Richtlinienentwurf zur Kreditvergabe und -überwachung (EBA/CP/2019/04)

Konsultationspapier – Entwurf von Richtlinien für die Vergabe und Überwachung von Krediten

Jürgen Müller, Leitender Berater, vdpConsulting AG[1]

Jürgen Blatz, Bereichsleiter Kreditgeschäft, Finanz Colloquium Heidelberg GmbH

I. Einleitung

Vor dem Hintergrund hoher NPL-Portfolien in der EU beauftragte der Europäische Rat die European Banking Authority (EBA) im Rahmen des Aktionsplanes (Juli 2017) neben den Leitlinien zu „Non Performing Loans“ auch Leitlinien für die Kreditvergabe und Monitoring zu erarbeiten. Die EBA stellte am 19.06.2019 das Papier „Draft Guidelines on loan origination and monitoring“ zur Konsultation (Frist 30.09.2019). Die Veröffentlichung ist zum 30.06.2020 vorgesehen.

Die EBA schlägt in der Konsultation unter Berücksichtigung der Proportionalität und Verbraucherschutzbestimmungen detaillierte Standards für das Risikomanagement, die Prozesse und deren Überwachung vor. Ziel ist, über nachhaltige und solide Kreditvergabestandards und deren Monitoring unter Einbeziehung von Governance-Regelungen eine hohe Kreditqualitität auf Institutsebene sicherzustellen. Die finanzielle Stabilität und Widerstandsfähigkeit des EU-Bankensystems sollen weiter gestärkt werden.

In den Abschnitten vier bis fünf werden die Erwartungen spezifiziert:

  • Abschnitt 4: Governance-Anforderungen

Klarstellung des internen Governance- und Kontrollrahmens für die Kreditgewährung und die Kreditentscheidung auf der Grundlage der Anforderungen der EBA-Leitlinien zur internen Governance

  • Abschnitt 5: Kreditvergabe

Anforderungen an die Informations- und Datenerhebung von Kreditnehmern, Dokumentation und Anforderungen an die Kreditwürdigkeitsprüfung der Kreditnehmer

  • Abschnitt 6: Preisgestaltung

Aufsichtsrechtlichen Erwartungen für die risikobasierte Preisgestaltung von Krediten

  • Abschnitt 7: Kreditsicherheiten

Anforderungen an die Bewertung von unbeweglichen/beweglichen Kreditsicherheiten (ohne finanzielle Sicherheiten) zum Zeitpunkt der Kreditgewährung und die laufende Überwachung.

  • Abschnitt 8: Laufende Überwachung des Kreditrisikos inklusive der Risikofrüherkennung.

 

 

 

 

II. Ausgewählte Aspekte aus dem Richtlinienentwurf

Eine Übersetzung und Bewertung ausgewählter Abschnitte kann für € 39,00 erworben werden. Erhältlich unter info@fc-heidelberg.de

 

III. Fazit

Im Konsultationspapier finden sich viele Regelungen und Anforderungen wieder, die die deutschen Institute aus den MaRisk, zuletzt neugefasst im Oktober 2017, kennen. Es wird der Grundgedanke der Proportionalität aufgegriffen, jedoch finden sich die detaillierten Möglichkeiten zur Nutzung der Öffnungsklauseln gemäß MaRisk so nicht wieder.

Sehr umfänglich wird auf das Thema Governance in Bezug auf die Kreditgewährung und Überwachung eingegangen. Die Anforderungen an die Kreditwürdigkeitsprüfung beschreiben bereits heute gelebte Standards. Betont wird nochmals das Thema Datenintegrität. Hier werden auch künftig weitere Optimierungen erforderlich sein, um jederzeit die notwendigen und korrekten Daten zeitnah ohne manuelle Prozesse zur Verfügung stellen zu können (Stresstests).

Im Bereich der Immobilienbewertung und Überwachung gibt es am Ende des Dokuments umfangreiche Ausführungen, die einer intensiven Bewertung und Prozessbeurteilung zugeführt werden sollten. Interessant ist hier vor allem die Einschätzung, dass die Anwendung von statistischen Modellen im Rahmen der Immobilienbewertung in der Zukunft und unter der Prämisse der validen und transparenten Weiterentwicklung dieser Modelle effizientere Prozesse ermöglichen kann. Aktuell wird hier aber die aufsichtliche Einschätzung transparent, dass die Anwendung statistischer Modelle zum Zeitpunkt der Kreditvergabe zu Mängeln im Risikomanagement führen kann. Daher bleibt es auch weiterhin die Aufgabe des einzelnen Gutachters bzw. Wertermittlers, im Rahmen der Neubewertung die bewertungsrelevanten Parameter herzuleiten, zu begründen und dies nachvollziehbar zu dokumentieren (vgl. entsprechende Anforderungen der BelWertV sowie auch MaRisk). Im Rahmen der Überwachung kann hingegen weiterhin auf statistische Modelle zurückgegriffen werden, sofern die Rahmenbedingungen eingehalten werden.

PRAXISTIPPS

  • Auf Basis des Konsultationspapiers die bestehenden schriftlichen Ordnungen mit der Leitlinie abgleichen und evtl. Gaps ermitteln.
  • Die Leitlinie sieht keine Übergangsfristen vor; insofern bei erkanntem Handlungsbedarf früh in die Umsetzung gehen.
  • Mitarbeiterqualifikationen mit Stellenprofilen abgleichen und ggfs. nachqualifizieren und Aktualität sicherstellen (z. B. Tz. 220 Qualifikation zur Sicherheitenüberprüfung)
  • Prozesse zur Immobilienbewertung und die eingesetzten Tools nochmals screenen. Für Institute, die nach Marktwert bewerten, gelten die Regelungen der Kleindarlehensgrenze nicht und es sind Besonderheiten bei der Bewertung und Überwachung zu beachten (Fortsetzung der alten Aufsichtspraxis).
  • Die weitere Diskussion, insbesondere die Antworten auf das Konsultationspapier, sollten intensiv verfolgt werden.

 

BUCHTIPP

Arbeitsbuch Neue Werthaltigkeits-/PAAR-Prüfungen im Kreditgeschäft, 2019.

 

SEMINARTIPPS

Prozessprüfung Kreditsicherheiten, 06.11.2019, Köln.

Lernende Frühwarnverfahren im Kreditgeschäft, 19.11.2019, Frankfurt/M.

Kredit-Jahrestagung 2019, 20.–21.11.2019, Berlin.

Kreditgeschäft-Prüfungen der Bankenaufsicht, 25.-26.11.2019 in Frankfurt/M.

Kritische Prüfung von Kreditvergabestandards durch die Bankenaufsicht, 28.11.2019 in Frankfurt/M.


Alle Seminare auch als Inhouse-Training buchbar!

 

  1. bis 30.06.2019 Abteilungsdirektor Marktfolge Kredit Grundsatz, DONNER & REUSCHEL AG.

 

Beitragsnummer: 77369

 

Interpretierbarkeit von Blackbox-Modellen für das Kredit-Scoring



Anwendung aktueller Methoden aus dem Maschinellen Lernen auf bankinterne Verfahren.

Prof. Dr. Gerhard Hellstern, Duale Hochschule Baden-Württemberg, Ravensburg. Davor langjähriger Leiter des Referats Bankgeschäftiche Prüfungen 1 der Deutschen Bundesbank, Hauptverwaltung in Baden-Württemberg. In seine Verantwortung fiel die Durchführung zahlreicher Säule 1 und Säule 2-Prüfungen bei LSI und SI im Rahmen des SSM

I. Einleitung

„Es liegt in der Verantwortung des beaufsichtigten Unternehmens, die Erklärbarkeit/Nachvollziehbarkeit von BDAI[1]-basierten Entscheidungen für sachkundige Dritte zu gewährleisten. Modelle lediglich als Blackbox zu betrachten, sieht die Aufsicht kritisch“[2]. Diese Aussage aus der 2018 veröffentlichten BaFin-Studie zum Thema Big Data und Künstliche Intelligenz beschreibt das Spannungsfeld bei der Anwendung Künstlicher Intelligenz im Finanzbereich treffend. Während auf der einen Seite immer bessere Algorithmen für Prognoseprobleme verfügbar sind, sind deren Anwendung auf der anderen Seite offenbar enge Grenzen gesetzt. Die Finanzaufsicht legt u. a. Wert darauf, dass Entscheidungsvorschläge durch Algorithmen nachvollziehbar und erklärbar bleiben. Vergleichbare Anforderungen an verwendete Algorithmen gibt es auch in anderen Branchen, z. B. im Gesundheitswesen. Es reicht nicht aus, dass ein Algorithmus „funktioniert“, was sich vergleichsweise einfach mittels entsprechender Performance-Maße ermitteln lässt.

Eine Möglichkeit, mit der Anforderung nach Interpretierbarkeit umzugehen, besteht darin, lediglich einfache, ...


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Bankbilanzen – Worauf es bei der Analyse ankommt

Dr. Thomas Kohlhase, Senior Credit Analyst, Fixed Income, Talanx Asset Management GmbH

Aktuelle Entwicklungen – Bankenrestrukturierung in Europa noch nicht abgeschlossen

Mehr als ein Jahrzehnt nach Ausbruch der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise und dem anschließend eingeleiteten Paradigmenwechsel ist der Restrukturierungsprozess der europäischen Banken fortgeschritten, aber immer noch nicht abgeschlossen. Vor allem der branchenweite Kapitalaufbau hat die Risikotragfähigkeit der meisten Banken verbessert. Zuletzt hat die EZB im Herbst 2018 ihr größtes geldpolitisches Experiment, das mehrere Billionen umfassende Anleiheankaufprogramm, beendet. Dennoch ist aufgrund eines fragilen Konjunkturausblicks und anhaltender Rezessionssorgen die von vielen Banken erwartete Zinswende nicht in Aussicht.

SEMINARTIPPS

Analyse der zukünftigen Kapitaldienstfähigkeit, 07.10.2019, Frankfurt/M.

Analyse von Bankbilanzen, 04.11.2019, Wiesbaden.

Kredit-Jahrestagung 2019, 20.–21.11.2019, Berlin.

Südeuropäische Institute sind teilweise und trotz Sanierungsfortschritten immer noch mit der Bewältigung von Altlasten beschäftigt, deutschsprachige Institute leiden unter hohen Kostenquoten, hartem Wettbewerb und niedrigen Zinsmargen, der britische Bankensektor blickt immer noch gebannt auf einen möglichen Brexit und einige skandinavische Institute haben infolge von Geldwäscheskandalen an Reputation eingebüßt. Über allen stehen zudem geopolitische Unsicherheiten (Handelskonflikt, Populismus etc.) und massive Herausforderungen durch Digitalisierung, neue Wettbewerber und einem sich verändernden Kundenverhalten. Demgegenüber strotzen die Banken jenseits des Atlantiks vor Kraft. Ein simpler Vergleich zeigt die Kräfteverhältnisse: die beiden größten US-Institute haben in den ersten drei Monaten des Jahres 2019 so viel Gewinn erwirtschaftet, wie der gesamte deutsche Bankensektor aggregiert im Jahr 2018. Auch wenn sich die Ergebnisse europäischer Banken zuletzt auf einem positiven Pfad befanden, so zeigt ein Blick hinter die Zahlen, dass viele Institute einen Gutteil ihrer Erträge nur der Auflösung von Risikorückstellungen zu verdanken haben und weniger ihrem Kerngeschäft. Die Nachhaltigkeit der Gewinnerzielung und auch der Geschäftsmodelle dürfte somit bei einigen Instituten weiter in Frage stehen.

Verlustbeteiligung von Gläubigern ist Realität

In diesem Kontext ist zu beachten, dass die europäische Bankenabwicklungsrichtlinie zwischenzeitlich erstmals zum Tragen gekommen ist. Die bis dato sechst größte spanische Bank (Banco Popolar) wurde Anfang Juni 2017 von der EZB bzw. der Bankenabwicklungsbehörde SRB (Single Resolution Board) aus Liquiditätsgründen für abwicklungsreif erklärt. Aktionäre und auch Gläubiger nachrangiger Schuldinstrumente wurden an der Abwicklung beteiligt. Damit ist bei Bankenschieflagen der Gläubiger Bail-In de facto Realität.

BUCHTIPP

Denter/Eckhardt, Bankbilanzen verstehen und einsetzen, 2017.

 

 

Der Bankensektor bleibt eine der am höchsten regulierten Branchen in den freien Marktwirtschaften. Die herausragende Rolle von Banken als Finanzintermediäre, die in modernen Volkswirtschaften einen effizienten Transaktionsaustausch gewährleisten sollen, wird parallel durch den zum Teil disruptiven Digitalisierungsprozess und das Aufkommen neuer Konkurrenten bedroht. Die andere Megaherausforderung, mit der Banken konfrontiert sind, stellt das oben skizzierte Niedrigzinsumfeld dar. Dieses hat zu einem Abschmelzen der Nettozinserträge, der für die meisten Banken wichtigsten Ertragsquelle geführt und die Generierung von Erträgen aus Fristentransformation nahezu zum Erliegen gebracht. Der daraus resultierende Druck, die Kosten und organisatorischen Strukturen anzupassen, ist bei vielen Instituten in Gang gekommen, aber oftmals steht ein schmerzhafter Weg noch bevor. In diesem dynamischen Umfeld sind die Anforderungen an Berichterstattung und Transparenz von Banken ebenfalls rasant gestiegen. Regelmäßig werden Banken von unterschiedlichen Aufsichtsbehörden, Ratingagenturen und anderen Finanzmarktteilnehmern umfassend analysiert und in diversen Rankings/Stresstests publizitätsträchtig eingestuft. Dennoch sollten auch andere Stakeholder als vielleicht noch Bankvorstände und professionelle Investoren in der Lage sein, die gewachsene Komplexität von Bankbilanzen richtig zu lesen und unabhängig zu interpretieren.

Geschäftsmodell- und Bilanzanalyse als Basis der Bonitätseinstufung

Die professionelle Bankbilanzanalyse umfasst eine Mikro– und eine Makroperspektive. Zu den relevanten Mikrofaktoren zählen die Geschäftsmodellanalyse und die quantitative Analyse der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage (VFE) einer Bank.

INHOUSETIPP

Analyse von Bankbilanzen.

 

 

Die Geschäftsmodellanalyse bildet den Ausgangspunkt, da sich die geschäftspolitische Ausrichtung einer Bank auch in deren VFE-Lage typischerweise widerspiegeln sollte. Das Erkennen von Abweichungen kann helfen, frühzeitig Risiken aufzudecken. Zum Beispiel erwartet man von einer Retailbank, dass diese sich primär über (stabile) Einlagen refinanziert, während sich Hypothekenbanken schwerpunktmäßig über Pfandbriefe refinanzieren. Dabei sollte der Anteil von traditionell volatileren Handelserträgen aus dem Wertpapierportfolio an den Gesamterträgen bei diesen Banktypen deutlich geringer ausfallen, als bei Investmentbanken. Mit dem von US-Aufsichtsbehörden entwickelten CAMELS-Rating-Ansatz für Banken, der in der Praxis seit Jahren ein weitverbreitetes Konzept darstellt, lässt sich eine strukturierte Bankbilanzanalyse in sechs Stufen vornehmen.

Diese Stufen umfassen:

  1. Kapitalausstattung und Struktur der Verbindlichkeiten (C = Capital Adequacy)
  2. Ausfallrisiko der außenstehenden Kredite und sonstigen Aktiva (A = Asset Quality)
  3. Kompetenz, Integrität und die Bereitschaft der Geschäftsleitung, Regulierungsvorschriften zu befolgen (M = Management)
  4. die Beurteilung der Ertragslage und Profitabilität (E = Earnings)
  5. die Beurteilung der Liquiditätslage (L = Liquidity)
  6. die Beurteilung der Empfindlichkeit gegenüber Marktpreisschwankungen bzw. die Marktrisikoanfälligkeit einer Bank (S = Sensitivity to market risks).

Die Analyse der sechs CAMELS-Bestandteile erfolgt jedoch nicht isoliert. Vielmehr bestehen vielfältige Interdependenzen zwischen den einzelnen Stufen. Im Rahmen der Analyse von Aktiva und Passiva gilt es, Fristentransformationsprobleme aufzudecken (Asset-Liability-Mismatch), die durch das Bilanzstrukturmanagement determiniert sind. Aus derartigen Laufzeitinkongruenzen ergeben sich Interdependenzen zu anderen Parametern des CAMELS-Rating. So können Ertragsprobleme auftreten, wenn eine Bank Fristentransformation betreibt und durch sich ändernde Zinssätze gezwungen wird, Kredite billiger als geplant auszureichen oder für Einlagen mehr als geplant zu zahlen (Zinsänderungsrisiko). Mit Hilfe weniger Top-Kennzahlen lassen sich im Wettbewerbs- und Zeitvergleich Trends und Risikopotentiale aufdecken.

Die Bilanzanalyse sollte zudem mit dem Aufspüren von Risikokonzentrationen (z. B. durch Segmentierung der Umsätze, des Kredit- und Wertpapierportfolios und Clustermethoden) sowie einfacher Strukturdatenanalysen ergänzt werden, um der ohnehin gewachsenen Komplexität effektiv entgegen zu wirken. Nicht fehlen darf in Zeiten umfassender Bail-In sowie Abwicklungs- und Sanierungsregulierungen eine abschließende Kapitalstrukturanalyse.

Anhaltende Verflechtungen von Banken und Staat – Die gesamtwirtschaftliche Analyse

Im Rahmen der Makroperspektive spielen das regulatorische, das wettbewerbliche- und das volkswirtschaftliche Umfeld eine zentrale Rolle. Da Banken nicht selten die jeweils geographische Wirtschaftsstruktur ihres Umfeldes abbilden (z. B. reflektieren lokal agierende Institute die Wirtschaftsstruktur ihrer Stadt/ihres Landkreises wieder). Bewegt man sich im internationalen Rahmen, ist eine Einstufung des jeweiligen Länderrisikos unverzichtbar. Denn die Verflechtungen zwischen Banken und ihrem jeweiligen Heimatland determinieren in entscheidendem Ausmaß die Gesamtbonität einer Bank. Neben dem institutionellen und politischen System spielt die gesamtwirtschaftliche Lage (z. B. Beschäftigungsentwicklung, Verschuldung privater Haushalte, Robustheit des Unternehmenssektors) eines Landes eine erhebliche Rolle im Hinblick auf die Qualität der Aktiva. In diesem Kontext ist zu beachten, dass heimische Banken oft zu den größten Gläubigern ihres Staates zählen. Des Weiteren können aus der Länderanalyse Erkenntnisse zur grundsätzlichen Stützungsfähigkeit des Staates getroffen werden, um als lender of last resort zu intervenieren. Neben der Stützungsfähigkeit spielt die Unterstützungsbereitschaft (Bail-Out-Politik) eine Rolle. Mit der Einführung der Bankenabwicklungs- und Sanierungsrichtlinie (BRRD) in der EU als Antwort auf die durch die Lehman Krise 2008 ausgelöste Too-Big-Too-Fail-Problematik müssen Gläubiger (von Anleihen und auch Einlagen) jedoch nunmehr damit rechnen, an Verlusten zu partizipieren. Daher ist die Analyse der länderspezifischen Regulierung unabdingbar. Unterschiedliche Kapitalanforderungen auf globaler (TLAC) oder europäischer Ebene (MREL/SREP) sind bei der Analyse daher ebenfalls zu berücksichtigen.

PRAXISTIPPS

  • Effizienter Einbezug von Marktdaten als Frühwarnindikatoren zum Erkennen von Depot A-Risiken: u. a. Bond-Spread/CDS-Entwicklungen/Aktienkursentwicklung.
  • Aufspüren von bilanziellen Risikokonzentrationen: Kreditnehmer-/Branchen-/Ertragskonzentrationen.
  • Analyse außerbilanzieller Risiken: Nachrichtenlage? Drohen Reputationsverluste?

 

Beitragsnummer: 73315

Unterschiede interner und externer Ratings



Andreas Münster, Analyst Risikotragfähigkeit, VON ESSEN BANK GmbH.

       

Geschichtliche Entwicklung, Funktionsweise und Unterschiede interner und externer (Unternehmens)Ratings.

I. Grundlagen

Spätestens seit der Finanzmarkt- und anschließender Staatsschuldenkrise (Griechenland & Co.) hatte wohl jeder schon einmal Berührung mit dem Thema Rating und den „geheimnisvollen“ Buchstabenkürzeln. Aber was genau steckt hinter der „Black Box“ Rating, wie kommen diese Noten zustande und was sagen sie aus?

Eingeführt wurde das Thema Rating im Jahr 2004 von dem Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (Basle Committee for banking supervision, kurz BCBS). Dieser Ausschuss ist das weltweit bedeutenste Forum für Bankenaufsicht, angesiedelt bei der Bank für internationalen Zahlungsausgleich, kurz BIZ, in Basel (Schweiz).

Im Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht, dem aktuell Vertreter der nationalen Zentralbanken und Aufsichtsbehörden aus 28 Jurisdiktionen angehören, wird Europa durch die EU-Kommission,

die EZB, EBA und Deutschland durch die Bundesbank und die BaFin vertreten[1].

Die Baseler Rahmenwerke werden der Einfachheit halber durchnummeriert (Basel I: 1988,

Basel II: 2004, Basel III: 2010, Finalisierung von

Basel III auch tituliert als „Basel IV“: 2017)

Kundenbilanzen zielsicher verstehen und interpretieren



Christoph Hoeren, Senior Risk Manager, KfW DEG Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH.

I. Strukturierter Ansatz als Grundlage

Die Analyse und Rating- bzw. Bonitätsfestlegung anhand von Jahresabschlüssen bei Firmenkunden hat nach wie vor eine hohe Bedeutung. Im Rahmen der Digitalisierung können auch Elemente aus der Unternehmensanalyse automatisiert und effizienter gestaltet werden. Gleichwohl ist bei jeder Implementierung von Digitalisierungs- bzw. Automatisierungsprozessen abzuwägen, bis zu welchem Grad auf eine qualitative manuelle Sichtung und Analyse von Jahresabschlüssen verzichtet werden kann. Ferner sind Leitfäden für eine zielgerichtete Jahresabschlussanalyse auch vor dem Hintergrund von Aufgabenveränderungen für Mitarbeiter in der Kreditabteilung wichtig geworden, um ein möglichst einheitliches Verständnis innerhalb eines Instituts zur Jahresabschlussanalyse sicherzustellen.

Vor diesem Hintergrund kommt es auf die Etablierung bzw. Sicherstellung eines strukturierten Ansatzes an, der sich auf die wesentlichsten Prüfschritte bezieht. Die größte Herausforderung liegt darin, die Vernetzung bzw. Verbindung von bestimmten Prüfungsergebnissen mit anderen Fragestellungen zu erkennen.

II. Qualitative Jahresabschlussanalyse

Idealtypisch könnte sich der Prozess der (qualitativen) Jahresabschlussanalyse wie folgt darstellen:

1. Erfassung der Rechtsform und deren Auswirkungen

Die Klassifizierung nach Kapitalgesellschaft und Personengesellschaft sowie deren Größenklassen nach HGB/PublG sind ganz entscheidend für den Umfang und den Inhalt eines Jahresabschlusses. Es ...


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WEG-Kredit als flexibler Baustein für Eigentümergemeinschaften



Michael Butz, Vorstand, Bank für Wohnungswirtschaft AG

           

I. Finanzierungen von Maßnahmen in Wohnungseigentümergemeinschaften

Wohnungseigentümergemeinschaften stehen immer häufiger vor der Frage- oder Problemstellung, wie sie dringend anstehende und erforderliche Sanierungsmaßnahmen finanziell stemmen können. Neben einer zu geringen Rücklage ist häufig auch die Suche nach einem Finanzierungspartner eine größere Herausforderung für die Verwaltung einer Wohnungseigentümergemeinschaft. Die Schwierigkeiten, aber auch Lösungsmöglichkeiten sollen nachfolgend aufgezeigt werden.

II. Sanierungsstau in Wohnungseigentümergemeinschaften

Grundsätzlich lässt sich bundesweit ein enormer Sanierungsstau in den Liegenschaften feststellen. Objekte aus den 60er, 70er und 80er Jahren sind zwischenzeitlich in die Jahre gekommen und an vielen Stellen wurde es einfach aus verschiedensten Gründen versäumt, die Immobilie richtig instand zu halten. Je größer eine WEG ist, desto mehr Motivationen und Interessen sind unter einen Hut zu bringen, sodass es häufig dazu kommt, dass anstehende Maßnahmen nur zögerlich oder gar nicht durchgeführt werden. Warum das so ist und von welchem Volumen wir sprechen, soll anschließend näher beleuchtet werden.

1.Grundsätzliche Ausgangslage in Deutschland

Bereits 2011 haben die Zählungen des Zensus ergeben, dass den größten Sanierungsbedarf Wohnungseigentümergemeinschaften haben. Betroffen sind rd. 9,3 Mio. Wohnungen, was ungefähr ...


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Immobilienfinanzierung: Passgenaue Kennzahlen für die Kreditpolitik



Kreditpolitische Leitlinien mit den passenden Kenngrößen zielgerecht gestalten.

Prof. Dr. Leo Cremer, Real Estate Investment and Finance Lab (REIFl@b), Hochschule RheinMain

I. Kreditpolitik im Aufsichtsfokus

Die kreditpolitischen Leitlinien für (Wohn-)Immobilienkredite stehen derzeit gleich doppelt im Fokus der Bankenaufsicht. Zum einen hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Analyse der Vergaberichtlinien zu einer ihrer Aufsichtsprioritäten für 2019 erklärt. Zum anderen kann die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) seit Mitte 2017 definierte Kreditkennzahlen für Neudarlehen beschränken.

1. Aufsichtspriorität 2019

Die EZB kam in ihrer Risikobewertung für 2019[1] bezogen auf den gesamten Euroraum zu dem Ergebnis, dass Wohnimmobilienkredite zu den derzeit relevanten Risikofaktoren für das Bankensystem gehören. Begründet wird dies mit einer erhöhten Verschuldung, die sowohl zu Rückzahlungsproblemen bei einer Konjunkturabschwächung als auch zu Verlusten beim folgenden Ausfall des Kreditnehmers führen kann.

Nicht nur Konjunktur- und Preisveränderungen sind hierfür maßgeblich, die EZB sieht ebenso einen Beitrag der Banken. Konkret heißt es in der Risikobewertung für 2019: „Eine gewisse Lockerung der Kreditvergaberichtlinien bezüglich der Beleihungsquote und der Schuldendienstfähigkeit bei neuen Krediten haben das Kreditrisiko möglicherweise erhöht.“

Konsequenterweise legt die EZB-Bankenaufsicht einen ihrer Schwerpunkte[2] auf die Analyse von Kreditvergaberichtlinien und Neuengagements insbesondere im ...


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