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Verlustfreie Bewertung des Zinsbuchs nach IDW und neuem RTF-Leitfaden

Björn Butte, Partner Financial Services, BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Das Institut der Wirtschaftsprüfer („IdW“) hat Ende 2017 (verabschiedet am 16.10.2017) den Rechnungslegungsstandard über die verlustfreie Bewertung von zinsbezogenen Geschäften des Bankbuchs (IDW RS BFA 3 n.F.) aktualisiert. Erstmals ist die neue Fassung auf Jahresabschlüsse nach dem 31.12.2017, d. h. bei kalendergleichem Geschäftsjahr auf den Jahresabschluss zum 31.12.2018 anzuwenden. In 2018 wurde von Bafin und Bundesbank zudem der Leitfaden über die „Aufsichtliche Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte und deren prozessuale Einbindung in die Gesamtbanksteuerung“ (RTF-Leitfaden) grundlegend überarbeitet. Beide Änderungen geben Anlass die vorhandenen Prozesse zur Bewertung des Zinsbuches zu überprüfen.

IDW BFA 3 n.F. – wesentliche Änderungen

Unverändert ist Zweck des BFA 3, Hinweise zu geben, wann aus dem Zinsgeschäft ggf. ein Verlust droht, der nach handelsrechtlichen Grundsätzen zurückzustellen ist. In vielen Fällen enthält BFA 3 n.F. Klarstellungen zu bereits in der Praxis regelmäßig anwendeten Handhabungen, die nun auch formal in BFA 3 aufgenommen wurden. Hierzu zählen z. B. die Themen Berücksichtigung von Risikokosten, von Hybridkapital oder auch „negative“ Zinsen. Des Weiteren wurden erstmals Hinweise zu den bilanziellen Folgen von Umwidmungen von Geschäften in bzw. aus dem Bankbuch aufgenommen.

Materiell bedeutsam dürfte dagegen die Neuregelung der – nicht mehr in den Saldierungsbereich – einzubeziehenden Zinsderivate sein. BFA 3 regelt in Bezug auf Derivategeschäfte nunmehr explizit, dass diese nur dann in das rechnungslegungsrechtlich relevante Zinsbuch (d. h. den Saldierungsbereich) einbezogen werden dürfen, wenn sich diese auch objektiv für eine Sicherungsbeziehung qualifizieren. Die rein gemeinsame Steuerung dieser Geschäfte im Rahmen der Zinsbuchsteuerung ist dagegen kein hinreichendes Kriterium mehr. Zinsderivaten wird die objektive Eignung als Sicherungsgeschäft dann abgesprochen, wenn Ihre Laufzeit deutlich über der des Bestandsgeschäftes liegt (sog. langlaufende Zinsswaps). Deutlich wird, dass es sich um eine relative und nicht eine absolute Schwelle handelt. Zinsswaps die nach BFA 3 n.F. nicht mehr in das rechnungslegungsrechtliche Zinsbuch integriert werden dürfen, sind zukünftig nach denn allg. Regeln für Derivate – d. h. soweit keine sonstigen Bewertungseinheiten gebildet wurden – einzeln und imparitätisch zu bewerten und im Jahresabschluss abzubilden. Institute tun gut daran, Kriterien aufzustellen und Vorkehrungen zu treffen, um potentiell aus dem Zinsbuch entfallende Geschäfte zu identifizieren und die Auswirkungen zu bewerten. Bei der „Einstufung“ als langlaufend kommt es nicht auf den Zeitpunkt der Ersteinstufung an, sondern diese ist regelmäßig neu zu überprüfen und festzusetzen.

Der neue RTF-Leitfaden

Die bisherige Unterscheidung der RTF-Konzepte in „going concern“ und „gone concern“ wird grundsätzlich aufgegeben. Auch wenn bis auf weiteres der Going Concern-Ansatz alter Prägung noch zulässig sein wird, zeigt der Leitfaden deutlich den künftigen Weg auf: Aufsichtlich präferiertes Verfahren ist die sog. ökonomische Perspektive, die – vorbehaltlich von Detailvorgaben – grundsätzlich auf dem Gone Concern-Konzept aufsetzt. Während der Wert des Zinsbuches sowie dessen ungeplante Wertschwankungen in den in Deutschland von vielen Instituten verfolgten Going Concern-Ansätzen keine bis geringe Bedeutung hatten, dürfte sich das bei einem Wechsel auf die ökonomische Perspektive diametral ändern. Die Risikodeckungsmasse ist – vorbehaltlich von Vereinfachungen – grundsätzlich barwertig zu bestimmen, entsprechend groß werden die Bedeutung und der Einfluss des Werts des Zinsbuches sein. Bei den Risikobeträgen gilt entsprechend, dass dann ein unerwarteter Verlust des Zinsbuches zu berücksichtigen ist.

SEMINARTIPPS

Neuausrichtung Risikotragfähigkeit – Fallstricke & Herausforderungen, 26.03.2019, Frankfurt/M.

Verlustfreie Bewertung des Zinsbuchs laut RTF-Leitfaden & IDW-Standard, 27.03.2019, Frankfurt/M.

Herausforderung: Daten-Verzahnung Controlling, Melde- & Rechnungswesen, 16.10.2019, Köln.

Übergang Going Concern-Ansatz auf neue normative RTF-Perspektive, 22.10.2019, Frankfurt/M.

Folgen der neuen aufsichtlichen Zinsszenarien für Zinsrisikosteuerung, 07.11.2019, Hamburg.

Auf Grund der zeitpunktbezogenen (statischen) Ermittlung der Risikodeckungsmasse ohne Neugeschäft erscheint es schwer zu begründen, wenn für Zwecke der Rechnungslegung bzw. der Risikodeckungsmasse abweichende Marktwerte für das Zinsbuch ermittelt werden. Zumindest werden sich Fragen zur Erläuterung und Überleitung stellen. In Fußnote 8 zu Tz. 40 weist auch der RTF-Leitfaden darauf hin, dass das BFA 3-Verfahren regelmäßig auch für die Risikotragfähigkeit herangezogen werden kann. Zu beachten ist allerdings, dass in die RTF-Rechnung sämtliche zinstragenden Geschäfte einzufließen haben, ungeachtet ob sie in der Grundgesamtheit der für die handelsrechtliche verlustfreie Bewertung berücksichtigungsfähig sind oder nicht.

Die ökonomische Perspektive der RTF-Rechnung wird ergänzt um eine sog. normative Perspektive, die im Wesentlichen eine Kapitalplanung darstellt und von den regulatorischen Kennzahlen und deren Berechnungsmethoden ausgeht. Neben einem Basis(plan)-Szenario ist zumindest ein adverses Szenario abzubilden. Bei der Fortschreibung des regulatorischen Kapitals durch geplante Überschüsse ist – je nach bisheriger Höhe der Reserven/Lasten im Zinsbuch und erwarteter Zinsentwicklung z. B. in den adversen Szenarien – auch das Erfordernis einer Berücksichtigung einer Rückstellung nach BFA 3 zu überprüfen.

PRAXISTIPPS

  • Institute sind gut beraten, die Auswirkungen von normativer und ökonomischer Perspektive frühzeitig zu analysieren und ggf. eine Umstellung des RTF-Konzepts in Erwägung zu ziehen.
  • Institute sollten prüfen, ob und inwieweit interne Bewertungsmethoden für handelsrechtliche Zwecke und die Risikotragfähigkeit vereinheitlicht werden können.
  • Soweit abweichende Modelle nicht vermieden werden können, sollten Institute in der Lage sein ggf. unterschiedliche Werte überzuleiten und zu erklären.

 

Beitragsnummer: 54219

Risikoinventur – ein geschätztes Thema[1]

Henning Riediger, Prüfungsleiter im Referat Bankgeschäftliche Prüfung, Deutsche Bundesbank, Hannover, im Interview mitFrank Sator, Geschäftsleiter Finanz Colloquium Heidelberg GmbH

 

 Ich hatte kürzlich die Gelegenheit, mich mit Henning Riediger, Prüfungsleiter im Referat Bankgeschäftliche Prüfung, Deutsche Bundesbank, Hannover, über die Neuausrichtung der Risikoinventur in Kreditinstituten infolge der Vielzahl an regulatorischen Neuregelungen auszutauschen. Bei dem Interview handelt es sich um einen Vorabauszug aus der 2. Aufl. des Praktikerhandbuchs Risikoinventur, das er als Herausgeber betreut und voraussichtlich Mitte 2019 in unserem Verlag erscheinen wird.

Frank Sator: Welchen Stellenwert nimmt heutzutage die Risikoinventur in den Instituten ein?

Henning Riediger: Einen sehr hohen Stellenwert – es ist faktisch das Fundament eines erfolgreichen Risikomanagement. Viele Themen, die mir inzwischen die Risikosteuerungs- und Risikoüberwachungsprozesse erschweren, gehören sauber in der Risikoinventur bearbeitet und dann sieht der ganze Prozess deutlich stringenter aus.

Frank Sator: Welche Themen sind damit vorzugsweise gemeint?

Henning Riediger: Das betrifft zunächst v. a. Risikokonzentrationen. Wer sich bereits in der Risikoinventur damit stärker auseinander setzt, wird später bei der Risikomessung nicht davon überrascht sein, dass er bestimmte Konzentrationsausprägungen nicht in seiner Messung erfasst hat. Er hat dann zumeist vorgesorgt und erkannt, dass er das Thema auch gezielt mit Strukturlimiten angehen kann. Ein weiteres Thema sind Auslagerungen. Wenn die Ergebnisse von Risikoanalysen der Auslagerungsverhältnisse nicht Bestandteil der Risikoinventur sind, dann wird das Gesamtergebnis unvollständig und damit unzureichend sein.

Frank Sator: Wenn die Risikoinventur so bedeutsam ist, gehen die Institute wenigstens angemessen mit den Ergebnissen um?

Henning Riediger: In weiten Teilen ja, es zeigen sich jedoch häufig Bestrebungen bestimmte nicht wesentliche Risikoarten trotzdem irgendwie berichtsprominent steuern zu wollen. Das Ergebnis sind dann Inkonsistenzen in der Handhabung der Risikosteuerungs- und Risikoüberwachungsprozesse.

Frank Sator: Welche Inkonsistenzen sind damit gemeint?

Henning Riediger: Das zeigt sich häufig im Umgang mit bestimmten Risikoarten. Nehmen wir als Beispiel die Provisions- und Vertriebsrisiken. Diese sind als Ergebnis der Risikoinventur unseres Beispielinstituts als „unwesentlich“ eingestuft. Das nehmen wir jetzt mal so unreflektiert hin. Das Ergebnis hat zur Folge, dass bei der Überprüfung der Risikotragfähigkeit diese Risiken nicht einbezogen werden, was gem. AT 4.1 Tz. 1 der MaRisk auch zulässig ist, da hier nur wesentliche Risiken einbezogen werden – so weit so gut. Inkonsistent wird die ganze Sache, wenn ich als Institut im Rahmen der Stresstests anfange, das Thema der Provisions- und Vertriebsrisiken auszuwalzen und hier mit nennenswerten Auswirkungen auf die Ertrags- und Vermögenslage aufzuwarten. Entweder das Thema ist bedeutsam, dann muss ich es mir in der Risikotragfähigkeit auch anschauen oder es bleibt unwesentlich. Das typische Argumentationsmuster lautet häufig vereinfacht: „Wenn wir das Thema nicht in der Risikotragfähigkeit haben, so behandeln wir es doch ausführlich in den Stresstests!“ Der Aufseher würde dann sagen: Die Methodenfreiheit findet ihre Grenze in der Methodenwillkür.

Frank Sator: Also unwesentliche Risiken sollten nicht in die Risikotragfähigkeit und Stresstests einbezogen werden?

Henning Riediger: Als Empfehlung – ausdrücklich als Empfehlung – würde ich sagen: Ja, nicht einbeziehen! Denn sonst offenbare ich ja, dass meine Risikoinventur nicht passt. Wenn ich diese Risiken trotzdem in den Überwachungsprozessen haben will, dann muss ich diese Risiken über qualitative Aspekte bzw. die Überprüfung der Risikoinventur als wesentlich einstufen. Dann müssen aber auch in der Folge die Überwachungsinstrumente in Form der Risikomessverfahren ein Mindestmaß an Validität und die Möglichkeit zur Gewinnung von Steuerungsimpulsen aufzeigen. In der Praxis fällt dann häufig ein Risikobetrag vom Himmel, den schon ein paar Minuten später keiner mehr erklären kann …

Frank Sator: … also die berühmte Expertenschätzung?

Henning Riediger: Naja, den Begriff Expertenschätzung sehe ich nicht negativ – wenn es tatsächlich eine Expertenschätzung ist. Der Unterschied von „wahllos einen Wert genannt“ und Expertenschätzung besteht darin, dass der Experte seinen Weg zum Wert offenlegen und begründen kann – also seine Expertise einbringt. Richtig rund wird die Geschichte dann noch, wenn man es dokumentiert und die Entscheidungsträger es nachvollziehen können. Dies gilt auch für den Aufseher: Er will die Überlegung verstehen und nachvollziehen können, wie die Dimension des Risikobetrags erreicht wird. Es geht in der Diskussion dann nicht um 1.000 oder 10.000 €, sondern tatsächlich um die potenzielle Verlustdimension.

Frank Sator: Wo wir gerade bei Beträgen sind – ab wann ist denn ein Risiko wesentlich?

Henning Riediger: Ich bin ja kein Jurist, aber ich verwende deren Standardantwort: Es kommt darauf an – und das meine ich ernst! Die Relevanz bemisst sich nach Ertrags-, Vermögens- und Liquiditätslage des jeweiligen Instituts. Das sind schon mal drei Ebenen. In der Praxis ist die Thematik häufig allein eindimensional. Da spielt häufig nur die Vermögenslage eine Rolle: also wie viel von meinem Vermögen wird verbraucht, wenn das Risiko schlagend wird? Sicherlich ein richtiger Schritt, aber entscheidend sind die Engpässe. Wenn ich ein Institut mit guter Kapitalausstattung habe, aber sich mittlerweile die Ertragslage eingetrübt hat, muss man sich schon fragen, ob es nicht auch Sinn macht Ertragsgrößen einzubeziehen, z. B. das Betriebsergebnis vor Bewertung, insbesondere vor dem Hintergrund, dass viele Institute handelsrechtlich steuern.

Frank Sator: Also ist der „One fits all“-Ansatz an dieser Stelle in der Praxis schwierig umzusetzen?

Henning Riediger: Faktisch ja! Es gibt ja die Angemessenheits-Klausel der MaRisk – und darüber muss sich das Institut individuell abgrenzen. Da gibt es auch richtige Herangehensweisen in den Instituten. Nehme ich jetzt einfach die Grenze, die mir von Externen wiederholt empfohlen wird oder überlege ich mir selbst, aber welcher potenziellen Schadenshöhe ein intensiveres Risikomanagement – im Sinne der MaRisk – notwendig wird. Teilweise sind die empfohlenen Pauschalgrößen völlig überzogen. Da kommt es dann schon mal vor, dass die empfohlene Wesentlichkeitsgrenze ein Vielfaches der „gefühlten Wesentlichkeitsgrenze“ im Institut beträgt. Und da gilt es dann wie im wahren Leben: Erst Denken, dann Handeln!

Frank Sator: Welche Risikoarten kommen denn momentan bei der Risikoinventur zu kurz?

Henning Riediger: Das ist schon sehr unterschiedlich – je nach Geschäftsmodell und Zugehörigkeit zu einem Verbund. Aber stark vereinfacht gesagt: Die Behandlung der Beteiligungsrisiken sowie der Immobilienrisiken ist in weiten Teilen ausbaufähig!

Frank Sator: Ich danke Ihnen für das Gespräch.

PRAXISTIPPS

  • Stellen Sie sicher, dass alle internen und externen Themen einbezogen sind.
  • Wählen Sie nachvollziehbare Schätzungen von Verlustausprägungen; Begründen und dokumentieren Sie Ihre Entscheidung.
  • Implementieren Sie eine an den Engpässen Ihres Instituts ausgerichtete Wesentlichkeitsschwelle.
  • Achten Sie darauf, dass Risikokonzentrationen angemessen erfasst werden.
  1. Disclaimer: Die nachfolgenden Interpretationen und Meinungen sind ausschließlich persönliche Auffassungen des Verfassers und stellen keine offizielle Meinungsäußerung der Deutschen Bundesbank dar.

 

Beitragsnummer: 54213

Auswirkungen des Energiesammelgesetzes auf EE-Projekte/-Finanzierungen

Jörg-Uwe Fischer, Fachbereichsleiter Erneuerbare Energien, Bereich Firmenkunden, Deutsche Kreditbank AG (DKB)

Am 30.11.2018 hat der Deutsche Bundestag das Energiesammelgesetz (EnSaG) beschlossen. Der Bundesrat hat dieses am 14.12.2018 abschließend gebilligt. Somit konnte das Gesetz zum 01.01.2019 in Kraft treten. Neben verschiedenen weiteren betroffenen Gesetzen und Verordnungen enthält das EnSaG auch wichtige Änderungen zum aktuellen EEG 2017. Damit wurde nun die bereits im Frühjahr 2018 unter der Überschrift „100-Tage-Gesetz“ begonnene Diskussion über diverse EEG-Anpassungen abgeschlossen. Nachfolgend werden die wesentlichen Aspekte mit Finanzierungsrelevanz kurz zusammengefasst.

Onshore-Wind:

In den nächsten drei Jahren werden dem Markt Sonderausschreibungen über zusätzlich 4.000 MW installierter Leistung zur Verfügung gestellt. Gestartet wird 2019 mit 1.000 MW. 2020 folgen zusätzlich zu den regulären Ausschreibungsmengen weitere 1.400 MW und 2021 noch einmal 1.600 MW. Somit stehen dem Markt theoretisch deutlich mehr Zubauvolumen und Finanzierungspotenzial zur Verfügung. Ob dieses jedoch praxisrelevant genutzt werden kann, hängt von der Entwicklung der Anzahl der umsetzbaren Genehmigungen ab. Die Zahl der neu genehmigten Anlagen verharrt derzeit auf niedrigem Niveau. Zudem wurde die Umsetzung vorliegender Genehmigungen zuletzt durch eine Reihe von Klagen erschwert bzw. sogar verhindert. Die Befassung mit Rechtsbehelfen gegen erteilte Genehmigungen hat dadurch inzwischen einen deutlich höheren Stellenwert im Rahmen der Projektanalyse bekommen.

SEMINARTIPP

Aktuelles & Konsortialfinanzierung im Bereich Erneuerbare Energien, 25.03.2019, Köln.

Mit dem EnSaG werden ferner die Vorgaben für die nächtliche Beleuchtung von Windenergieanlagen wesentlich geändert. Ab dem 01.07.2020 ist eine bedarfsgerechte Nachtkennzeichnung (BNK) für alle Windenergieanlagen ab 100 Meter Gesamthöhe verpflichtend vorgeschrieben. Dies betrifft sowohl neue Anlagen als auch den kompletten Bestand. Durch die BNK blinken Windenergieanlagen nur noch dann, wenn sich ein Flugzeug auch tatsächlich nähert. Dies soll zu einer erheblichen Verbesserung der Akzeptanz von Windenergie führen. Verschiedene technische Lösungen für die BNK sind bereits entwickelt und im Einsatz. Die Verpflichtung im Gesetz ist technologieneutral gehalten. Ausnahmen, z. B. für ältere und kleine Windparks, für welche die Erfüllung der Pflicht wirtschaftlich unzumutbar ist, kann nur die Bundesnetzagentur auf Antrag im Einzelfall zulassen. Ein Verstoß gegen diese Verpflichtung hat den Verlust der Marktprämie, also der finanziellen Förderung zur Folge. Somit kommt auf alle Bestandsprojekte eine zwingend erforderliche Nachinvestition zu.

Photovoltaik:

Auch für PV-Anlagen sind Sonderausschreibungen über insgesamt 4.000 MW Leistung für große Anlagen ab 750 kWp vorgesehen. Gestartet wird 2019 mit zwei zusätzlichen Ausschreibungsrunden von jeweils 500 MW. 2020 soll es dann analog zu Wind vier Zusatztermine mit einem Gesamtvolumen von 1.400 MW geben. 2021 folgen vier weitere Sonderausschreibungen mit insgesamt 1.600 MW. Sämtliche Sondermengen werden nicht auf den bestehenden 52-GW-Deckel für PV-Anlagen angerechnet. Dieser bleibt entgegen den Hoffnungen der Branche zunächst unverändert bestehen und würde weiterhin ein hartes Ende der regulären PV-Förderung für Neuanlagen – bei anhaltender Zubaudynamik voraussichtlich schon in 2020 – bedeuten.

Bei Dachanlagen zwischen 40 und 750 kWp erfolgt zwischen Februar und April 2019 eine gestufte Sonderdegression der Vergütung für Neuanlagen. Gleichzeitig wird für diese Monate die im EEG festgeschriebene reguläre Degression ausgesetzt. Für Anlagen in der Direktvermarktung (ab 100 kW verpflichtend) sehen die anzulegenden Werte wie folgt aus:

Ab dem 01.05.2019 greift dann wieder die reguläre Degression auf Basis des sogenannten „atmenden Deckels“ unter Berücksichtigung des Zubaus im Bemessungszeitraum.

Da sich die feste Einspeisevergütung für Dachanlagen zwischen 40 und 100 kWp an den anzulegenden Werten orientiert, gilt die Sonderkürzung auch für diese Anlagen. Sie werden um jeweils 0,4 ct/kWh niedriger als die vorgenannten anzulegenden Werte vergütet.

Alle Anlagen, die nicht an, auf oder in Gebäuden installiert werden, sind von dieser Absenkung nicht betroffen und unterliegen weiterhin der regulären Degression.

Beim „atmenden Deckel“, der den Degressionsmechanismus regelt, beträgt der Richtwert ab dem 01.01.2019 nur noch 1.900 MW. Bisher waren 2.500 MW das von der Politik definierte Zubauziel und somit auch der Bezugswert für die Bemessung der monatlichen Degression. Es ist zu erwarten, dass durch diese Reduzierung die Vergütungen für neue Anlagen bis 750 kWp künftig stärker sinken werden.

Auch beim Sonderthema Mieterstrom gibt es eine Änderung im EnSaG. Der für den Mieterstromzuschlag maßgebliche Abschlag auf den anzulegenden Wert beträgt für Anlagen ab 40 kWp künftig nur noch 8,0 ct/kWh. Bei kleineren Anlagen werden unverändert 8,5 ct/kWh abgezogen. Es ist jedoch nicht zu erwarten, dass diese überschaubare Maßnahme neue Investitionen in größerem Umfang anreizt.

Biomasse:

Das jährliche Ausschreibungsvolumen bleibt unverändert, wird künftig jedoch auf zwei Ausschreibungsrunden jeweils zum 01.04. und zum 01.11. aufgeteilt.

Basis der Einstufung als Güllekleinanlage bis 75 kW ist nunmehr die Bemessungsleistung. Neu gebaute Güllekleinanlagen erhalten die Sondervergütung für diese Anlagenklasse bis zur Bemessungsleistung von 75 kW, dürfen jedoch bis zu 150 kW Leistung installieren.

Für Flexibilisierungsvorhaben wird eine 16-monatige Übergangsfrist nach Erreichen des sogenannten „Flexdeckels“ eingeführt. Parallel dazu wird die Höhe dieser absoluten Fördergrenze von bisher 1.350 MW auf 1.000 MW abgesenkt. Aktuell ist zu erwarten, dass dieser neue Flexdeckel im Frühsommer 2019 erreicht wird. Anschließend haben Betreiber dann noch 16 Monate Zeit, Flexibilisierungsmaßnahmen umzusetzen und für diese die Flexprämie zu beanspruchen.

Allgemeines/Sonstiges:

Ergänzend sieht das EnSaG für die nächsten Jahre technologieübergreifende Innovationsausschreibungen vor. Hier fehlt es jedoch noch an der inhaltlichen Ausgestaltung. Die jeweiligen Ausschreibungsmengen werden von den technologiespezifischen Volumina abgezogen. Zusätzliches Marktvolumen wird hierdurch also nicht generiert. Es wird spannend sein zu verfolgen, ob die inhaltlichen Vorgaben und Anforderungen umsetzbar sind und zu einer entsprechenden Nachfrage führen. Anderenfalls würden die entsprechenden Volumina dem Markt quasi durch die Hintertür wieder entzogen.

Fazit:

Insgesamt bringt das EnSaG sowohl „Licht“ aber auch „Schatten“ für die Akteure der Erneuerbaren Branche. Dies gilt auch für die Projektfinanzierung neuer Vorhaben, insbesondere im Segment Wind onshore aber auch für bestehende Projekte (Stichwort BNK). Somit sollten sich alle in diesem Bereich tätigen Kreditinstitute ausgiebig mit den neuen gesetzlichen Vorgaben befassen bzw. sich auf diese einstellen.

PRAXISTIPPS

  • Die fristgerechte Umsetzung der verpflichtenden BNK von Windenergieanlagen sollte einschließlich der Finanzierung dieser Zusatzinvestition rechtzeitig mit allen Bestandskunden abgestimmt sein.
  • Für neue PV-Dachanlagen bis 750 kWp sollte der erwartete Vergütungssatz unter Berücksichtigung des erwarteten und praktisch realisierbaren Inbetriebnahmetermins kritisch hinterfragt werden.
  • Die Entwicklung des Zubaus von PV-Anlagen sollte generell zeitnah beobachtet werden, da bei steigenden Zubauzahlen künftig eine stärkere Reduzierung der Vergütung neuer Anlagen zu erwarten ist.

Bei der Finanzierung von Flexibilisierungsmaßnahmen von Biomasseanlagen muss nach Erreichen des „Flexdeckels“ über ein entsprechendes Monitoring die Umsetzung innerhalb der 16-Monatsfrist sichergestellt werden.

 

Beitragsnummer: 53786

 

Beitragsnummer: 53786

 

Beitragsnummer: 53786

Steigende Bedeutung von Planungsaktivitäten

Kapital- und Liquiditätsplanung im Fokus der Aufsicht

Henning Riediger, Prüfungsleiter im Referat Bankgeschäftliche Prüfungen, Deutsche Bundesbank, Hannover

In den letzten Jahren zeichnet sich eine stärkere Fokussierung der Aufsicht auf das Geschäftsmodell von Banken und Sparkassen ab. Zur Beurteilung der Nachhaltigkeit der Geschäftsmodelle ist es für die Aufsicht daher von Bedeutung, Einblick in die prognostizierte Entwicklung zu bekommen bzw. die Institute sind angehalten, frühzeitig sich abzeichnende Problemlagen offen zu legen.

Anforderungen sind nicht neu – nur der Fokus ist neu

Die Themen Kapital- und Liquiditätsplanung hat natürlich nicht die Bankenaufsicht erfunden, denn diese beiden zentralen Komponenten sind seit jeher elementare Bestandteile des Managements von Banken und Sparkassen. Dem Best-Practice-Ansatz folgend hat die Aufsicht bereits ab 2010 bzw. 2012 diese Themen mit in die MaRisk integriert. Weitergehende Bedeutung erlangte die Kapitalplanung aus AT 4.1 Tz. 11 der MaRisk im Hinblick auf die steigende Bedeutung der Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells und als dessen Ausfluss die neuen Anforderungen der Aufsicht im Hinblick auf die Risikotragfähigkeit. Die bisher geforderte aufsichtliche und institutsinterne Sicht der Kapitalplanung wird überführt in die sog. normative Sicht der Risikotragfähigkeit. Mit einem Mindesthorizont von drei Jahren stellt sie faktisch die Nachhaltigkeitskomponente dar. Im Gegensatz dazu ist die ökonomische Sicht auf den Horizont von einem Jahr abgestellt und repräsentiert somit die aktuelle bzw. akute Kapital- bzw. Deckungsmassenanforderung.

Freiheitsgrade in der Planung sinnvoll nutzen

Beim Thema Planung sind die Institute grundsätzlich etwas freier als bei der einjährigen Risikotragfähigkeit. Dies soll nicht heißen, dass blanke Willkür herrscht, sondern dass die Auswirkungen von zeitintensiven Maßnahmen in der Planung angemessen gewürdigt werden können, während diese sonst bei der einjährigen Risikotragfähigkeit nicht ansatzfähig sind.

Dies bedeutet, dass Neuausrichtungen bzw. Schwerpunktbildungen des Geschäftsmodells sowohl in die Ertrags- als auch Risikoaktiva-Ermittlung einfließen sollen. Natürlich geht damit die Erwartung der Aufsicht einher, dass die Planungen angemessen sind und nicht nur wilde Phantasievorstellungen niedergeschrieben werden. Die Planungen müssen demzufolge auch die Personal- und Sachkapazitäten entsprechend berücksichtigen, denn die Ordnungsmäßigkeit der Geschäftsorganisation darf nicht in Frage gestellt werden.

SEMINARTIPPS

Sachgerechte Stresstests & adverse Szenarien in RTF- & Kapitalplanung, 13.05.2019, Köln.

Herausforderung: Verzahnung zwischen Kapital- und Liquiditätsplanung, 14.05.2019, Köln.

Übergang Going Concern-Ansatz auf neue normative RTF-Perspektive, 22.10.2019, Frankfurt/M.

Neues ICAAP- & ILAAP-Reporting, 23.10.2019, Frankfurt/M.

Die Realitätsnähe der Planung gilt selbstverständlich ebenso für den sensiblen Bereich der Liquidität. Plant das Institut gravierende Änderungen in der Refinanzierungsstruktur (z. B. erstmalige oder exzessive Nutzung von Verbriefungen), dann sollte sichergestellt sein, dass durch einen Neue-Produkte-Prozess (AT 8.1) bzw. Change-The-Bank-Prozess (AT 8.2) die erhofften Maßnahmen auch zielführend sind und entsprechend umgesetzt werden.

Planungsdaten lassen sich zum einen durch die Fortschreibung oder Analyse von Trends und zum anderen durch Expertenschätzungen erreichen. Allerdings sollten Expertenschätzungen schriftlich niedergelegt sein, damit zunächst die Geschäftsleitung sowie die Kontrolleinheiten des IKS bzw. die Interne Revision oder andere sachverständige Dritte die Überlegungen nachvollziehen können. Im Rahmen von Sonderprüfungen zum Geschäftsmodell sind wiederholt Planungsansätze aufgefallen, wo eine für das Institut seit Jahren rückläufige bzw. negative Entwicklung plötzlich ins Positive dreht, ohne dass Maßnahmen geplant oder umgesetzt sind (z. B. Vertriebsaktivitäten). Solche ungewöhnlichen Entwicklungen können nicht ausgeschlossen sein, müssen aber nachvollziehbar und plausibel begründet werden.

BUCHTIPP

Liquiditätsrisikomanagement deutscher Regionalbanken unter ganzheitlicher Betrachtung der drei Baseler Säulen, 2017

 

Neben den reinen Planungskomponenten, welche die Erwartung abbilden sollen, sind zusätzlich jeweils adverse Entwicklungen mit abzubilden. Diese adversen Entwicklungen müssen sich auf das Geschäftsmodell des Instituts und dessen Ausprägungen (u. a. Zinsentwicklung, Provisionen, Kreditqualität, Refinanzierungskosten, Personal und Sachaufwand) beziehen. In der Bankpraxis teilweise vorkommende adverse Szenarien sind entweder nicht zielführend (z. B. Einstellung des Geschäftsbetrieb) oder allein methodisch unzureichend (z. B. Wegfall der Verbundprivilegierung, Wegfall der Realkreditprivilegierung, erhöhter SREP-Zuschlag), da kein angemessener Bezug zum Geschäftsmodell besteht.

PRAXISTIPPS

  • Dokumentieren Sie Ihre Planannahmen in einer für sachverständige Dritte nachvollziehbaren Form.
  • Richten Sie die adversen Szenarien am Geschäftsmodell aus und somit auf Themen, die direkt von der Geschäftsleitung beeinflusst werden können.
  • Bewerten Sie Ihre Planungsqualität in den vorangegangenen Perioden.
  • Bleiben Sie realistisch.

Beitragsnummer: 53757

Plausible Stresstests und adverse Szenarien in RTF- und Kapitalplanung

Dr. Daniel Baumgarten, Teamleiter, Risikotragfähigkeit & Kapital, Sparkasse KölnBonn

Gemäß der MaRisk (AT 4.3.3 Tz. 5) sind die Ergebnisse von Stresstests bei der Beurteilung der Risikotragfähigkeit eines Instituts zu berücksichtigen. Unter dem Begriff „Stresstest” wird eine Reihe von Analysetechniken verstanden, anhand derer potenzielle Verwundbarkeiten und Gefährdungspotenziale eines Instituts identifiziert und bewertet werden. Neben einzelrisikoartenbezogenen Betrachtungen und Sensitivitätsanalysen umfasst dies insbesondere die Entwicklung von risikoartenübergreifenden Stressszenarien auf Gesamtbankebene.

Erhöhte Anforderungen an adverse Szenarien durch neue Vorgaben

Am 24.05.2018 wurde ein überarbeitetes aufsichtliches Leitlinienpapier zur Risikotragfähigkeit durch die BaFin und die Deutsche Bundesbank veröffentlicht. Die bisher in Deutschland eingesetzten Fortführungs-(„Going Concern”) und Liquidationsansätze („Gone Concern”) sollen durch die überarbeiteten Leitlinien perspektivisch aufgegeben und durch eine – kumulativ zu erfüllende – normative und ökonomische Perspektive ersetzt werden.

Die normative Perspektive stellt eine deutliche Aufwertung des bisher bereits in MaRisk AT 4.1 Tz. 11 verankerten Kapitalplanungsprozesses und dessen Verknüpfung mit dem ICAAP dar. Mittels der normativen Perspektive ist die Fähigkeit eines Instituts zur Einhaltung der regulatorischen Mindestkapitalanforderungen sowie relevanter Kapitalpufferanforderungen für einen mindestens dreijährigen Zeitraum nachzuweisen. Wie bisher ist, neben der Darstellung des Planszenarios, möglichen negativen Abweichungen vom geplanten zukünftigen Geschäftsverlauf im Rahmen mindestens eines adversen Szenarios Rechnung zu tragen.

 SEMINARTIPPS

Sanierungsplanung in Regionalbanken: Anforderungen & Umsetzungshürden, 25.03.2019, Frankfurt/M.

Neuausrichtung Risikotragfähigkeit – Fallstricke & Herausforderungen, 26.03.2019, Frankfurt/M.

Sachgerechte Stresstests & adverse Szenarien in RTF- & Kapitalplanung, 13.05.2019, Köln.

Übergang Going Concern-Ansatz auf neue normative RTF-Perspektive, 22.10.2019, Frankfurt/M.

Die Anforderungen an die Ableitung und Dokumentation adverser Szenarien haben sich durch die überarbeiteten aufsichtlichen Vorgaben jedoch erhöht. Bei der Ausgestaltung der adversen Szenarien sollen unter anderem auch Risiken der ökonomischen Perspektive berücksichtigt werden, wodurch eine Verbindung der beiden Perspektiven im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung der Risikotragfähigkeit des Instituts geschaffen werden soll.

Dabei müssen die adversen Szenarien nicht unbedingt die Schwere der außerdem in der ökonomischen Perspektive durchzuführenden Stresstests erreichen (s. u.), sondern „widrige Entwicklungen” widerspiegeln, die von den Erwartungen abweichen und zu einer merklichen Belastung der zukünftigen Kapitalausstattung des Instituts führen.

Klassische Stresstests weiterhin in der ökonomischen Perspektive

Die ökonomische Perspektive ergänzt die normative Sicht um eine interne Analyse des in AT 4.1 Tz. 8 Erl. MaRisk geforderten Schutzes der Institutsgläubiger vor ökonomischen Risiken. Sie hat dabei Risikobestandteile zu umfassen, die in der Regulatorik/Rechnungslegung nicht vollständig abgebildet werden und weist somit hohe Parallelen zu bisher eingesetzten Liquidationsansätzen auf.

 BUCHTIPP

Geiersbach/Prasser (Hrsg.): Praktikerhandbuch Stresstesting, 3. Auflage, 2017.

Gemäß Textziffer 64 des neuen Leitfadens sind in der ökonomischen Perspektive weiterhin in angemessenem Umfang Stresstests durchzuführen, die sich von den zugrunde liegenden Prämissen der eingesetzten Risikomessverfahren lösen. Trotz bestehender Erfahrungswerte mit Stresstests in deutschen Banken kann sich ein erhöhter Analyse- und Handlungsbedarf insbesondere für diejenigen Institute ergeben, die Stresstests bisher ausschließlich in einem GuV-orientierten Fortführungsansatz mit vergleichsweise geringem Konfidenzniveau durchführen. Eine frühzeitige Auseinandersetzung mit barwertigen Stresstests im 99,9%-Quantil erscheint in diesem Zusammenhang vor einer geplanten Umstellung auf die neuen Vorgaben sehr sinnvoll.

PRAXISTIPPS

  • Stresstests als Aufwertung der Ergebnisse verteilungsbasierter Risikomodelle durch Risikoanalysen über die Standardparametrisierung hinaus.
  • Nutzung von Stresstestergebnissen bei der Kapitalbedarfsplanung, der Festlegung strategischer Ziele und der Gestaltung operativer Instrumente der Risikosteuerung.
  • Zeitnahe intensive Auseinandersetzung mit den überarbeiteten Vorgaben zur Risikotragfähigkeit inkl. Testrechnungen und Auswirkungsanalysen.

Beitragsnummer: 52251

Vor-Ort-Prüfungen im Wertpapiergeschäft

Konsequenzen und Sanktionen

Lukas Zimpfer, Verbandsprüfer, Mitglied der Facharbeitsgruppe WpHG/Depot, Baden-Württembergischer Genossenschaftsverband e.V.

Das Wertpapierdienstleistungs- und Depotgeschäft von Wertpapierdienstleistungsunternehmen wird im Auftrag der BaFin grundsätzlich jährlich durch einen Wirtschaftsprüfer oder einen vereidigten Buchprüfer bzw. eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft oder eine Buchprüfungsgesellschaft geprüft. Im genossenschaftlichen Bankensektor und bei Sparkassen erfolgt die Prüfung durch einen geeigneten und sachkundigen Mitarbeiter des zuständigen Prüfungsverbandes bzw. der zuständigen Prüfungsstelle (vgl. § 89 Abs. 1 WpHG).

Durch die Sichtung der Prüfungsberichte verschafft sich die Aufsicht einen Überblick über die Einhaltung der gesetzlichen und aufsichtsrechtlichen Anforderungen der von ihr beaufsichtigten Unternehmen. Darüber hinaus verfügt die Aufsicht über das Recht, die Prüfung eines Wertpapierdienstleistungsunternehmens zu begleiten oder entsprechend § 88 Abs. 1 WpHG und § 44 KWG auch ohne besonderen Anlass selbst eine Sonderprüfung vorzunehmen. Die rechtliche Grundlage für eine solche Sonderprüfung schuf der Gesetzgeber in seiner Gesetzesbegründung zum Anlegerschutz- und Funktionsverbesserungsgesetz vom 01.11.2012, in der besonderer Wert auf Gespräche der BaFin mit den Mitarbeitern der Wertpapierdienstleistungsunternehmen gelegt wird. Diese Gespräche sollen „in die Fläche“ gehen und dort erfolgen, wo Verbraucher auf Produktvertriebe treffen. Im Rahmen dieser Vor-Ort-Prüfung besuchte die BaFin verstärkt Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Nach eigenen Angaben im Jahr 2013 insgesamt 230 Organisationseinheiten und im Jahr 2014 insgesamt 261 Organisationseinheiten. Im Jahr 2017 wurden ca. 150 derartige Vor-Ort-Prüfungen vorgenommen, bei denen über 800 Mitarbeiter des Wertpapierdienstleistungsunternehmens befragt wurden.

SEMINARTIPPS

Umsetzung und (Über-)Prüfung einer angemessenen Risikokultur, 19.03.2019, Frankfurt/M.

Neu-Produkte-Prozess (NPP), 20.03.2019, Frankfurt/M.

Prüfung des Wertpapier- und Depotgeschäfts, 14.05.2019, Hamburg.

Hamburger Wertpapier-Tage: Aufsichtsrecht & Verbraucherschutz, 15.–16.05.2019, Hamburg.

Primäres Ziel von Vor-Ort-Prüfungen ist es, Informationen zum Vertrieb und zur Anlageberatung aus erster Hand zu erhalten. Zu diesem Zweck ist die Marktaufsicht der BaFin auf verlässliche Informationen aus „Erster Hand“ angewiesen und besucht die Wertpapierdienstleistungsunternehmen dort, wo Wertpapierdienstleistungen und -nebendienstleistungen erbracht werden: In den Filialen und in der Hauptstelle. Um sich ein aussagekräftiges Bild von der Einhaltung der Verhaltens- und Organisationspflichten des Wertpapierdienstleistungsunternehmens zu machen, spricht sie insbesondere mit Mitarbeitern der Anlageberatung und der Vertriebssteuerung (vgl. BaFin-Journal Dezember 2015, „Aufsicht vor Ort“, S. 28–29).

Mögliche Sanktionen durch die BaFin

Beabsichtigtes Ziel des Gesetzgebers war es, durch die Implementierung des Mitarbeiter- und Beschwerderegisters und Etablierung der Aufsicht „in der Fläche“, mögliche Indizien auf Falschberatung zu erkennen und dem entgegenzuwirken.

Insofern kann die BaFin Maßnahmen ergreifen, um der Falschberatung von Verbrauchern entgegenzuwirken, sofern sie den Eindruck gewinnt, dass – beispielsweise durch die Ausgestaltung von Vertriebsvorgaben – Kundeninteressen negativ beeinträchtigt werden. Sanktionsmöglichkeiten bestehen beispielsweise in Form von formellen Verwarnungen. Darüber hinaus können aufsichtsrechtliche Verstöße mit Bußgeldern geahndet werden. Gegenstand derartiger Ordnungswidrigkeitsverfahren kann die Abgabe ungeeigneter Anlageempfehlungen oder Verstöße gegen die Dokumentationspflicht der Geeignetheit der Empfehlung sein (vgl. BaFin-Journal Dezember 2015, „Aufsicht vor Ort“, S. 30).

BUCHTIPP

Ellenberger/Clouth (Hrsg.), Praktikerhandbuch Wertpapier- und Derivategeschäft, 5. Aufl. 2018.

Nachfolgend wird ein reales Beispiel beschrieben, bei dem ein Wertpapierdienstleistungsunternehmen und sechs seiner Vertriebsbeauftragten verwarnt wurden, weil sie Vertriebsvorgaben nicht so ausgestaltet hatten, dass Kundeninteressen nicht beeinträchtigt werden. Die verwarnten Vertriebsbeauftragten hatten die ihnen zugeordneten Anlageberater dazu angehalten, vorrangig konzerneigene Finanzinstrumente zu empfehlen und zu vertreiben. Im Rahmen von Teammeetings wurden die Mitarbeiter kritisiert, denen der Vertrieb dieser konzerneigenen Finanzinstrumente nicht gelang. Die Vertriebsbeauftragten forderten teilweise sogar die Anlageberater auf, einzelne der konzerneigenen Finanzinstrumente noch am selben Tag zu vertrieben. Dabei wurde auch vorgegeben, in welcher Reihenfolge einzelne Produkte im Beratungsgespräch anzusprechen sind. Weiterhin riefen die verwarnten Vertriebsbeauftragten dazu auf, Kunden zu Umschichtungen ihrer Depots zu bewegen.

Im konkreten Fall beeinträchtigte das Verhalten der Vertriebsbeauftragten – und damit die Vertriebssteuerung des verwarnten Wertpapierdienstleistungsunternehmens – in erheblichem Maße Kundeninteressen. Es bestand die konkrete Gefahr, dass Finanzinstrumente empfohlen wurden, weil sie im Vertriebsfokus standen und nicht weil sie geeignet für den Kunden waren. Das Interesse der Kunden, eine geeignete Anlageempfehlung zu erhalten, war durch die Ausgestaltung der Vertriebsvorgaben stark gefährdet.

Nach Aufdeckung der Verstöße durch die BaFin hat das Wertpapierdienstleistungsunternehmen umgehend seine Vertriebssteuerung umgestellt. In nachfolgenden Prüfungen wurden keine produktbezogenen Vertriebsvorgaben mehr festgestellt (vgl. BaFin-Journal Dezember 2014, „Verbraucher – Warnungen und aktuelle Kurzmeldungen zum Verbraucherschutz“, S. 23).

PRAXISTIPPS

  • Sichten Sie die Berichte anderer Prüfer (Compliance, Revision, Wirtschaftsprüfer, Aufsicht), um einen Einblick in den Status Quo des Prüffelds oder der Filiale zu bekommen.
  • Versuchen Sie Informationen zum Vertrieb und zur Anlageberatung aus erster Hand zu erhalten, durch Gespräche mit den Mitarbeitern.
  • Versuchen Sie mögliche Indizien auf Falschberatung zu erkennen und dem entgegenzuwirken.

Beitragsnummer: 48711

Beitragsnummer: 48711

Zentrale Anforderungen an die Blackbox „Weiterverlagerungen“

Lukas Walla, Berater, FCH Consult GmbH

An die Steuerung von Auslagerungen sowie sonstigen Fremdbezügen wurden mit der MaRisk-Novelle 2017 weitergehende Anforderungen formuliert. Diese waren nun bis spätestens 31.10.2018 umzusetzen, ohne dass offiziell kommuniziert wurde, bei welchen Anforderungen es sich um tatsächliche Neuerungen handelt. Als solche ist sicherlich das zentrale Auslagerungsmanagement zu bewerten, welches Prozesse implementieren und überwachen soll, um eine angemessene und wirksame Dienstleistersteuerung zu garantieren.

Dabei waren insbesondere in der Vergangenheit Weiterverlagerungen für viele Institute eine Blackbox und wurden nur unzureichend gesteuert. Dies wurde ebenfalls in diversen Sonderprüfungen der BaFin festgestellt, was nun aktuell zu einer verstärkten Prüfung der Dienstleistersteuerung und neuen Vorgaben z. B. durch EBA führt. Die Interne Revision sollte dieses Problemfeld in den anstehenden Prüfungen der Dienstleistersteuerung intensiv beleuchten.

Vertragliche Gestaltungsmöglichkeiten

Bei einer Weiterverlagerung handelt es sich um eine Weitergabe von ausgelagerten Prozessen durch den Dienstleister an einen Sub-Dienstleister. Gem. AT 9 Tz. 8 MaRisk sind hier konkrete Voraussetzungen zu formulieren, wann eine Weiterverlagerung von (Teil-)Prozessen gestattet wird. Im Idealfall wird ein Zustimmungsvorbehalt vereinbart, der jedoch in der Praxis nicht immer durchzusetzen ist. Alternativ können vertraglich bereits Prämissen vereinbart werden, unter welchen eine Weiterverlagerung aus Risikogesichtspunkten gestattet wird. Insbesondere die Weiterverlagerung ohne Zustimmungsvorbehalt in ein Nicht-EU Land sollte vermieden werden. Weiterhin kann beispielsweise die Weitervergabe bestimmter Prozessschritte ausgeschlossen oder explizit gestattet werden. Grundsätzlich ist zu vereinbaren, dass die Pflichten des Auslagerungsunternehmens auf den Sub-Dienstleister übergehen. Das Institut ist hier nicht mehr Vertragspartner und verliert somit auch ggf. die direkten Durchgriffsrechte. Eine Informationspflicht vor Weiterverlagerung ist in jedem Fall verpflichtend und unbedingt notwendig, um die Risikosituation neu einschätzen zu können. Für eine funktionierende Informationsweitergabe durch den Dienstleister sollte die Begrifflichkeit „Auslagerung“ möglichst vermieden werden und auf Vertragspartner abgestellt werden. Somit kann die Vollständigkeit und die letztendliche Beurteilung, ob eine risikobehaftete Weiterverlagerung stattgefunden hat, beim Institut bleiben.

Konsequente Steuerung von Weiterverlagerungen

Nach Bekanntwerden der Weiterverlagerung ist durch das Institut eine neue Risikoanalyse für den Sub-Dienstleister zu erstellen. Denkbar ist ebenfalls eine Aktualisierung der ursprünglichen Risikoanalyse, was jedoch dazu führt, dass die erste und somit auch umfassende Risikoanalyse anzupassen ist. Ebenso wird bei einer Weiterverlagerungskette die Übersichtlichkeit verloren gehen. Die Erstellung einer eigenständigen Risikoanalyse nach der institutsweiten einheitlichen Methodik erlaubt eine nachvollziehbare Einstufung der Wesentlichkeit für die weitergegebenen Prozessschritte.

 

 SEMINARTIPPS

Umsetzungsprüfung neuer AT 9, 18.03.2019, Frankfurt/M.

Kritische Analyse/Plausibilisierung von Dienstleister-Prüfberichten, 19.03.2019, Frankfurt/M.

PraxisFalle IT-Dienstleistungen: Sonstiger Fremdbezug vs. Auslagerung, 03.04.2019, Köln.

Risikoanalysen bei Auslagerungen, 20.05.2019, Frankfurt/M.

Kontrollen in der regulatorisch neugeordneten Dienstleistersteuerung, 21.05.2019, Frankfurt/M.

 

Je nach festgestelltem Risiko sind die weiterverlagerten Prozesse zu steuern und zu kontrollieren. Dabei verbleibt die Berichtspflicht für die Sub-Dienstleister beim Auslagerungsunternehmen. Beim Reporting durch das Auslagerungsunternehmen ist darauf zu achten, dass das auslagernde Institut jederzeit in der Lage ist, selbst die Risikosituation einzuschätzen. Der Umfang ergibt sich hierbei aus der in der Risikoanalyse festgestellten Risiken und dem Schadenspotenzial.

Die Weiterverlagerungsketten sind letztlich übersichtlich im Auslagerungsregister zu dokumentieren und potenzielle Risikokonzentrationen sind zu bewerten.

Ausblick

Die EBA Guidelines on Outsourcing Arrangements werden weitere (neue) Anforderungen und Konkretisierungen mit sich bringen. Mit der Veröffentlichung der finalen Guidelines ist voraussichtlich Anfang 2019 zu rechnen. Die Neuerungen sollten möglichst schnell analysiert werden, um z. B. bei den aktuellen Vertragsanpassungen bereits die weitergehenden Anforderungen zu berücksichtigen zu können.

PRAXISTIPPS

  • Verschaffen Sie sich einen Überblick über sämtliche Weiterverlagerungen. Verfolgen Sie die Weiterverlagerungskette risikoorientiert weiter, mindestens jedoch bis zu 3. Ebene.
  • Erstellen Sie für die Weiterverlagerung eigene Risikoanalysen und implementieren Sie angemessene Kontrollprozesse.
  • Kontrollieren Sie die Auslagerungsverträge auf entsprechende passende Klauseln.
  • Beschränken Sie sich im Vertragswerk nicht auf die Begrifflichkeit „Auslagerung“.
  • Die Interne Revision sollte die Steuerung von Weiterverlagerungen mit besonderem Fokus prüfen.
  • Erstellen Sie ein umfangreiches Auslagerungsregister, welches bereits die Anforderungen der EBA Guideline berücksichtigt.

 

 

Beitragsnummer: 48009

Beitragsnummer: 48009

Die vollständige Auslagerung von besonderen Funktionen

Eugenie Schmidt, Wirtschaftsprüferin, Baker Tilly Financial Services

Mit der fünften MaRisk-Novelle vom 27.10.2017 wurden die bisherigen Regelungen zur vollständigen und teilweisen Auslagerung der Internen Revision auf alle besonderen Funktionen gemäß AT 4.4 ausgeweitet.

Die besonderen Funktionen im Sinne der MaRisk (AT 4.4) umfassen die Risikocontrolling-Funktion und die Compliance-Funktion sowie die Interne Revision. Diese Funktionen sollten aus Sicht der BaFin möglichst in den Instituten verbleiben. Eine vollständige Auslagerung der Risikocontrolling-Funktion sollte dabei grundsätzlich ausgeschlossen werden und ist nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich.

Die teilweise Auslagerung, d. h. die Auslagerung einzelner Tätigkeiten und Prozesse der Kontrollfunktionen und Internen Revision sind dagegen für alle Institute weiterhin möglich.

SEMINARTIPPS

Umsetzungsprüfung neuer AT 9, 18.03.2019, Frankfurt/M.

Kritische Analyse/Plausibilisierung von Dienstleister-Prüfberichten, 19.03.2019, Frankfurt/M.

PraxisFalle IT-Dienstleistungen: Sonstiger Fremdbezug vs. Auslagerung, 03.04.2019, Köln.

Risikoanalysen bei Auslagerungen, 20.05.2019, Frankfurt/M.

 

Voraussetzungen der Auslagerung von besonderen Funktionen

Gemäß AT 9 Tz. 2 ist nun eine vollständige Auslagerung der besonderen Funktionen Risikocontrolling-Funktion, Compliance-Funktion oder Interne Revision lediglich für Tochterinstitute innerhalb einer Institutsgruppe nur zulässig, sofern das übergeordnete Institut Auslagerungsunternehmen ist und das Tochterinstitut sowohl hinsichtlich seiner Größe, Komplexität und dem Risikogehalt der Geschäftsaktivitäten für den nationalen Finanzsektor als auch hinsichtlich seiner Bedeutung innerhalb der Gruppe als nicht wesentlich einzustufen ist.

Offizielle Grenzen zur Wesentlichkeit wurden seitens der Aufsicht nicht festgelegt. In der Praxis wird davon ausgegangen, dass Institute bei einem Umsatz von unter EUR 500 Mio. und bei maximal 50 Mitarbeitern als nicht wesentlich gelten.

Eine vollständige Auslagerung der Compliance-Funktion oder der Internen Revision ist ferner nur bei kleinen Instituten möglich, sofern deren Einrichtung vor dem Hintergrund der Institutsgröße sowie der Art, des Umfangs, der Komplexität und des Risikogehalts der betriebenen Geschäftsaktivitäten nicht angemessen erscheint.

Auswirkungen einer Auslagerung

Sind die Voraussetzungen für eine vollständige oder teilweise Auslagerung erfüllt, sind alle für das Institut relevanten Aspekte im Zusammenhang mit der Auslagerung zu berücksichtigen.

In der Risikoanalyse gemäß AT 9 Tz. 2 ist zu beurteilen, ob eine Einbeziehung der ausgelagerten Aktivitäten und Prozesse in das Risikomanagement sichergestellt werden kann. Darauf aufbauend ist die konkrete Vorgehensweise der Einbeziehung festzulegen. Die Auslagerung besonderer Funktionen ist grundsätzlich als wesentlich einzustufen. Die Risikoanalyse ist auch für gruppeninterne Auslagerungen anlassbezogen und regelmäßig durchzuführen. In der Praxis gilt ein mindestens jährlicher Überprüfungsturnus als angemessen.

Im Falle einer Vollauslagerung besonderer Funktionen ist seitens der Geschäftsleitung ein sach- und fachkundiger Beauftragter zu benennen. Dieser hat die Durchführung der Aufgaben zu überwachen und die Ordnungsmäßigkeit zu gewährleisten. Die Leistung des Dienstleisters ist dazu regelmäßig zu beurteilen. Hierzu bietet sich an, aussagekräftige und überwachbare Kennzahlen (Key Performance Indicators, KPIs) festzulegen. Bereits bei Vertragsanbahnung sind Eskalationsprozesse darüber zu bestimmen, welchen Grad einer Schlechtleistung das auslagernde Institut akzeptieren möchte.

Grundsätzlich sind bei wesentlichen Auslagerungen im Falle der beabsichtigten oder erwarteten Beendigung der Auslagerungsvereinbarung Vorkehrungen zu treffen, um die Kontinuität und Qualität der ausgelagerten Aktivitäten und Prozesse zu gewährleisten (AT 9 Tz. 6). Dies beinhaltet unter Berücksichtigung des Proportionalitätsgrundsatzes die Festlegung von Handlungsoptionen, Ausstiegsprozessen oder einer Berücksichtigung im Notfallplan. Für den Fall einer Beendigung sind die ausgelagerten Aktivitäten bzw. Prozesse aufrechtzuerhalten oder das Institut soll in der Lage sein, diese „in angemessener Zeit“ wieder herstellen zu können. Für gruppeninterne Auslagerungen werden Erleichterungen eingeräumt.

Für die Auslagerung der Internen Revision definieren die MaRisk (Erläuterungen zu AT 9 Tz. 10) die Aufgaben des Beauftragten.

PRAXISTIPPS

  • Auch bei der Auslagerung der besonderen Funktionen gilt der Proportionalitäts-grundsatz.
  • Dabei ist es essenziell die Art, den Umfang, Komplexität und Risikogehalt der betriebenen Geschäftsaktivitäten sowie die Bedeutung der auszulagernden Funktionen zu beurteilen und umfassend zu dokumentieren.
  • Hierfür ist die Dokumentation im Rahmen der Risikoanalyse, als integralen Bestandteil des Auslagerungsprozesses, geeignet.
  • Ausgehend von der Risikoanalyse ist die Überwachung des Auslagerungsunternehmens zu konzipieren.

 

Beitragsnummer: 47876

Berichterstattung der Internen Revision an die Organe

Auswirkungen der MaRisk-Novelle 2017 auf den Quartals- und den Gesamtbericht an den Vorstand und den Aufsichtsrat

Mario Pries, Wirtschaftsprüfer, AWADO Deutsche Audit GmbH, Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft

I. Einleitung

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat mit Schreiben vom 27.10.2017 die finale Fassung der lange erwarteten, überarbeiteten Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk)[1] veröffentlicht. Die überarbeitete Fassung der MaRisk enthält eine Vielzahl von Klarstellungen, die mit der Veröffentlichung sofort in Kraft getreten sind, und darüberhinausgehende, materielle Neuerungen, für die eine Umsetzungsfrist bis zum 31.10.2018 eingeräumt wurde. Die BaFin wurde getrieben durch die internationale Diskussion zum Thema Risikokultur, Regelungen und Leitlinien auf internationaler (insbesondere BCBS 239[2]) und auf europäischer (insbesondere Vorgaben der EBA und EZB) Ebene, die mit dem Rundschreiben in deutsches Recht transferiert wurden[3].

Der Abschnitt „Besondere Anforderungen an die Ausgestaltung der Internen Revision“ (BT 2 MaRisk[4]) hat auch Anpassungen erfahren. Es finden sich Neuerungen in BT 2.2 Tz. 3 (Neuregelung Übergangsfristen bei Mitarbeiterwechsel) und in BT 2.3. Tz. 1 und 2 (Anpassung der Prüfungsplanung und -durchführung) sowie eine Klarstellung in BT 2.4 Tz. 4 (Erweiterung um den Quartalsbericht); BT 2.4 Tz. 6 (Berichterstattung an den Aufsichtsrat) wurde gestrichen und dessen Inhalt in Tz. 4 überführt. Die Klarstellung in BT 2.4 Tz. 4 bezieht sich indirekt auf § 25c Abs. 4a/4b Nr. 3g Kreditwesengesetz (KWG). Demnach wird bereits seit 2014 mindestens vierteljährlich Bericht an den Vorstand[5] und den Aufsichtsrat erstattet. Die Musterrahmenbedingungen der Verbände (u. a. der Sparkassen und der Genossenschaften) beinhalten diese Klarstellung bereits seit langem und sollten Sie daher nicht mehr überraschen.

Im Folgenden wird zur Einleitung in das Thema auf die Berichtserfordernisse der Internen Revision gegenüber den Organen eingegangen, bevor anschließend im Detail die vierteljährliche Berichterstattung (Quartalsbericht) und der Gesamtbericht (Jahresbericht) unter Berücksichtigung der Novellierung der MaRisk, insbesondere der Klarstellung in BT 2.4 Tz. 4, und des auslegungsfähigen „Zeitfaktors“ in den Fokus rücken. Keine Berücksichtigung findet hingegen im Folgenden die Berichtspflicht im Zusammenhang mit der jeweils durchgeführten Prüfungen je Prüffeld (BT 2.4 Tz. 1).

II. Berichtspflichten der Internen Revision

Die Berichtspflichten der Internen Revision richten sich nach aufsichtsrechtlichen Vorgaben, den MaRisk und dem KWG. Die Klassifizierung der Pflichten kann einerseits nach dem Empfängerkreis und andererseits an der zeitlichen Restriktion („Dringlichkeit“) vorgenommen werden. Zu den Empfängern zählen der Aufsichtsrat, der Vorsitzende des Aufsichtsrats[6], das Ressortvorstandsmitglied, der Gesamtvorstand sowie die aufsichtsrechtlichen Institutionen (i. W. BaFin und Deutsche Bundesbank). Hinsichtlich der zeitlichen Restriktion unterscheidet man in eine unverzügliche, eine vierteljährliche und eine jährliche Berichterstattungspflicht. Die unverzügliche Berichterstattungspflicht obliegt Ihnen als Interne Revision, sofern der Vorstand der Berichtspflicht gegenüber dem Aufsichtsrat nicht nachkommt oder keine sachgerechten Maßnahmen zur Behebung von Mängeln beschließt sowie bei schwerwiegenden Feststellungen gegen einen, mehrere oder alle Geschäftsleiter. Dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats, dem Gesamtvorstand und den aufsichtsrechtlichen Institutionen ist entsprechend zu berichten. Sowohl die vierteljährliche (Quartalsbericht) als auch die jährliche Berichterstattung (Gesamtbericht) obliegt Ihnen gegenüber dem Vorstand und dem Aufsichtsrat. Die zuletzt genannten Berichtspflichten sind Gegenstand der folgenden Ausführungen.

1. Der Quartalsbericht

Die Notwendigkeit für Kreditinstitute einen Quartalsbericht zu erstellen ergibt sich – wie bereits erwähnt – aus § 25c Abs. 4a/4b Nr. 3g KWG. Die Pflicht zur vierteljährlichen Berichterstattung gegenüber dem Aufsichtsrat ist dort seit 2014 kodifiziert. Diese „Pflicht“ wurde durchaus hitzig debattiert, da bis dato nur dem Vorstand das Privileg oblag, dem Aufsichtsrat direkt zu berichten. Jedoch entscheiden nicht Sie, die Interne Revision, wie die Berichterstattung gegenüber dem Aufsichtsrat erfolgen soll, sondern der Vorstand. Hierfür bedarf es organisatorischer Regelungen, welche zweckmäßiger Weise in den Rahmenbedingungen der Internen Revision festzulegen sind. Zwei mögliche Ausprägungen finden sich in der Praxis wieder:

  • Zuerst erfolgt die Berichterstattung durch die Interne Revision an den Vorstand. Die Weiterleitung des ungefilterten Berichtes an den Aufsichtsrat erfolgt im Anschluss durch den Vorstand.
  • Die Interne Revision bzw. deren Leiter(in) berichtet direkt dem Aufsichtsrat. Die Delegation der persönlichen Berichterstattung bestärkt das Vertrauensverhältnis zwischen dem Vorstand und der Internen Revision und sollte daher in seiner positiven Auswirkung gegenüber dem Aufsichtsrat und der Internen Revision nicht unterschätzt werden.

Hinsichtlich der Ausgestaltung des Quartalsberichtes ist die Interne Revision nur an wenige aufsichtsrechtliche Vorgaben gebunden. Laut den MaRisk (BT 2.4. Tz. 4) muss über die wesentlichen und die höher eingestuften Mängel sowie über die diesbezüglich beschlossenen Maßnahmen und deren Status (Abarbeitungsstand) informiert werden. Daneben ist darüber zu berichten, ob und inwieweit die Vorgaben des Prüfungsplans eingehalten wurden. In der Abb. 1 findet sich ein Muster, welches diese Anforderungen berücksichtigt.


Abbildung 1: Muster Quartalsbericht an den Aufsichtsrat

An den

Aufsichtsrat der Bank XY

Datum: (zeitnahes Datum zum Ende des Quartals)

Bericht der Internen Revision über das X. Quartal 20XX (Quartalsbericht)

Berichtszeitraum: I./II./III./IV. Quartal 20 XX

Sehr geehrte Damen und Herren des Aufsichtsrates,

Im oben genannten Berichtszeitraum haben die Prüfungshandlungen der Internen Revision zu keinen

wesentlichen Mängeln geführt.

  1. Alternative:

In den Bereichen / Prüffeldern … haben die Prüfungshandlungen der Internen Revision zu wesentlichen Mängeln geführt. Diese wurden innerhalb des oben genannten Berichtszeitraumes vollumfänglich und fristgerecht behoben.

  1. Alternative:

Die in den Bereichen/Prüffeldern … festgestellten wesentlichen Mängel wurden noch nicht abschließend

behoben. Maßnahmen wurden ergriffen, um die Beseitigung der wesentlichen Mängel bis zum … zu gewährleisten./Die Umsetzung von Maßnahmen wurde bisher nicht beschlossen. Diese sollen bis zum … ausgearbeitet sein.

Ende Alternativen

Im oben genannten Berichtszeitraum haben die Prüfungshandlungen der Internen Revision zu keinen schwerwiegenden Mängeln geführt.

Alternative:

Im oben genannten Berichtszeitraum haben die Prüfungshandlungen der Internen zu schwerwiegenden Mängeln in folgenden Bereichen/Prüffeldern geführt: ….

Zur Behebung dieser schwerwiegenden Mängel wurden folgende Maßnahmen eingeleitet: … Die Maßnahmen wurden vollständig und fristgerecht umgesetzt./Die folgenden Maßnahmen wurden bereits vollständig und fristgerecht umgesetzt: …/Die offenen Maßnahmen sollen bis zum … abgeschlossen werden.

Ende der Alternative

Im oben genannten Berichtszeitraum haben die Prüfungshandlungen der Internen Revision zu keinen besonders schwerwiegenden Mängeln geführt.

Alternative:

Am … wurde der Aufsichtsrat über den besonders schwerwiegenden Mangel im Zusammenhang mit … durch den Vorstand informiert. Zur Behebung dieses besonders schwerwiegenden Mangels wurden folgende Maßnahmen eingeleitet: … Die Maßnahmen wurden vollständig und fristgerecht umgesetzt./Die folgenden Maßnahmen wurden bereits vollständig und fristgerecht umgesetzt: …/Die offenen Maßnahmen sollen bis zum … abgeschlossen werden.

Ende der Alternative

Die Prüfungen verlaufen/nicht planmäßig. Wesentliche Plananpassungen waren/nicht/erforderlich./Diese betrafen folgende Bereiche/Prüffelder … Bei Rückfragen steht Ihnen die Interne Revision zur Verfügung.

Leitung der Internen Revision (Unterschrift)


Weitere mögliche Inhalte des Quartalsberichtes, welche in der Abb. 1 keine Berücksichtigung gefunden haben, betreffen folgende Themenfelder:

  • organisatorische Veränderungen
  • personelle Veränderungen bei der Internen Revision bzw. den Mitarbeiterkapazitäten
  • aktuelle Prüfungsergebnisse soweit nicht mit wesentlichen Mängeln und höheren Mängeln behaftet
  • externe Beanstandungen (Abschlussprüfer, Dienstleister (Outsourcing), Kunden)
  • Aussagen zu laufenden Prüfungen/Beratungen/Projektbegleitungen

Neben den inhaltlichen finden sich auch zeitliche Vorgaben, die es von Ihnen zu erfüllen gilt. Der Quartalsbericht ist demnach zeitnah zu erstellen und ebenso zeitnah dem Vorstand sowie dem Aufsichtsrat vorzulegen. Es stellt sich somit die generelle Frage, welcher Zeitraum als „zeitnah“ zu bezeichnen ist. Wirft man einen Blick in die MaRisk so zeigt sich, dass das Adjektiv „zeitnah“ 14 Mal genannt wird, hingegen im KWG kein einziges Mal. Das Adjektiv „unverzüglich“ wird hingegen 24 Mal in den MaRisk und 84 Mal im KWG genannt. Somit erscheint „unverzüglich“ für den Gesetzgeber zumindest prägnanter als „zeitnah“. In diesem („zeitlichen“) Zusammenhang abgrenzbar ist die Begrifflichkeit der „unverzüglichen Erstellung“. Als unverzüglich wird unter Juristen ein zeitlicher Umfang i. d. R. von bis zu 14 Kalendertagen bzw. zehn Werktagen angesehen[7]. Somit „beginnt“ zeitnah – unter rein logischen Gesichtspunkten – frühestens ab dem 15. Kalendertag bzw. dem elften Werktag. Realistisch und tolerierbar erscheinen in diesem Zusammenhang Zeiträume von bis zu einem Kalendermonat. Wenn der Quartalsbericht zeitnah erstellt wurde, stellt sich die Frage, wann dieser noch als zeitnah gegenüber dem Vorstand und dem Aufsichtsrat vorgelegt zu interpretieren ist. Prinzipiell können auch hier wieder die oben angeführten Fristen Berücksichtigung finden. Jedoch bleibt zu berücksichtigen, dass der Vorstand und der Aufsichtsrat jeweils mindestens 15 Kalendertage/zehn Werktage bis maximal einen Monat zur Verfügung haben. Unter Berücksichtigung dieser Annahmen vergehen bis zu zwei (zusätzliche) Monate (!) bis dem Vorstand und dem Aufsichtsrat die „aktuelle“ Berichterstattung „zeitnah“ vorliegt. Unter Ausnutzung der hier als maximal möglich angesehenen Zeiträume ergibt sich dann ein maximaler Zeitraum von bis zu drei Monaten (!). Im Extremfall wäre somit das dem jeweiligen Berichtsquartal folgende Quartal bei abschließendem Durchlauf der aufsichtsrechtlich vorgesehenen Instanzen bereits verstrichen. Es bedarf somit einer anderen Auslegung des Begriffes „zeitnah“. Eine Möglichkeit besteht darin, dem Vorstand und dem Aufsichtsrat zusammen einem Zeitrahmen von einem Monat nach Erstellung zu gewähren. Dies führt zu einem maximalen Zeitraum von zwei Monaten (vgl. Abb. 2). Wünschenswert ist jedoch hingegen die Auslegung des Begriffs „zeitnah“ i. S. v. „unverzüglich“. Nach spätestens sechs Wochen wäre dann der Prozess durchlaufen und eine „wirkliche“ Zeitnähe gegeben. Um eine weitere Beschleunigung des Prozesses zu erreichen, sollte einerseits auf eine papierhafte zur Verfügungsstellung verzichtet und andererseits die Unterlagen vor der entsprechenden Sitzung rechtzeitig (z. B. online) zur Verfügung gestellt werden. Hinsichtlich der Terminierung der Aufsichtsratssitzungen sollte des Weiteren darauf geachtet werden, dass diese im laufenden Geschäftsjahr in der Mitte der Monate Februar (IV. Quartal Vorjahr und Jahresbericht), Mai (I. Quartal), August (II. Quartal) und November (III. Quartal) erfolgen, um somit den zeitlichen Ablauf einhalten zu können.


Abbildung 2: Der Zeitfaktor in der Berichterstattung

Zeitraum Berichtsart
Quartalsbericht bis bearbeitet durch Gesamtbericht bis bearbeitet durch
Revision1) Vorstand2) Aufsichtsrat2) Revision1) Vorstand2) Aufsichtsrat2)
I. Quartal 30. Apr. 15. Mai. 31. Mai. entfällt
II. Quartal 31. Jul. 15. Aug. 30. Aug.
III. Quartal 30. Okt. 15. Nov. 30. Nov.
IV. Quartal 31. Jan. 15. Feb. 28./29. Feb. 31. Jan. 15. Feb. 28./29. Feb.
  1. Zeitnah: bis zu einem Kalendermonat
  2. Unverzüglich: bis zu 14 Tagen bzw. 10 Werktagen

2. Der Gesamtbericht (Jahresbericht)

Die Interne Revision hat zeitnah einen Gesamtbericht (Jahresbericht) über die von ihr im Laufe des Geschäftsjahres durchgeführten Prüfungen zu verfassen und ebenso zeitnah dem Vorstand und anschließend dem Aufsichtsrat vorzulegen. Der Gesamtbericht kann auch den Quartalsbericht über das IV. Quartal umfassen, soweit gesonderte (Berichts)Abschnitte gefasst werden. Das einfache „Weglassen“ des Berichtes für das IV. Quartal bzw. dessen praxisfreundliche Integration in den Gesamtbericht (ohne „eigenen Abschnitt“) ist nach den Erläuterungen der Aufsicht zu den MaRisk nicht mehr möglich. Letztlich kann es nur die Intension der Aufsicht sein, auch die Feststellungen im IV. Quartal an prominenter Stelle kund zu tun. Im Rahmen der Darstellung des Gesamtberichtes kann es unter Umständen dazu führen, dass diese Feststellungen im Konglomerat der Feststellungen für das gesamte Geschäftsjahr untergehen bzw. an Bedeutung zu verlieren drohen. Alternativ verbleibt die getrennte Berichterstattung.

Der Gesamtbericht muss über die wesentlichen und darüber hinausgehende Mängel sowie die diesbezüglich ergriffenen Maßnahmen informieren. Es ist ferner dazulegen, ob und inwieweit die Vorgaben des Prüfungsplans eingehalten wurden (BT 2.4 Tz. 4). Gleichartige Einzelfeststellungen sowie der Stand der beschlossenen Umsetzungsmaßnahmen können inhaltlich zusammengefasst werden, soweit möglich und sinnvoll. Ebenso sollten Angaben, sofern opportun, zu Veränderungen der personellen Ausstattung und der Rahmenbedingungen für die Interne Revision gemacht werden. In der Abb. 3 findet sich ein Gliederungsschema, welches diese Anforderungen berücksichtigt.


Abbildung 3: Muster Jahresbericht an den Vorstand und den Aufsichtsrat

Hinweis: Ohne Berücksichtigung des integrierten Berichtes für das IV. Quartal.

1. Ausstattung der Internen Revision

1.1.         (wesentliche) Änderungen in den Rahmenbedingungen

1.2.         Änderungen in der Internen Revision

1.2.1.      Aufbauorganisation (z. B. Organigramm)

1.2.2.      Ablauforganisation

1.3.         Nebentätigkeiten (z. B. revisionsfremd)

1.4.         Projekttätigkeit (z. B. Migrationsprojekt, MiFiD II usw.)

1.5.         Auslagerungen (z. B. Rechenzentrumsbetrieb, Markgerechtigkeitsprüfung)

1.6.         Ergebnisse externer Prüfungen (z. B. Abschlussprüfung, Sonderprüfung)

2. Einhaltung der Jahresplanung (z. B. Verschiebungen, unterjährige Plananpassungen)

3. Prüfungen im Geschäftsjahr (z. B. Prüffeld, Prüfungstage, Ergebnis)

4. Ergebnisse der Prüfungen (ab wesentliche Mängel)

4.1.         Besonders schwerwiegende Prüfungen

4.2.         Schwerwiegende Mängel

4.3.         wesentliche Mängel

Datum (Aufstellung) und Unterschrift Leiter(in) Interne Revision

Datum (Kenntnisnahme) und Unterschrift des Vorstandes

ggf. Datum (Kenntnisnahme) und Unterschrift des Aufsichtsrates / Vorsitzende(r)


Weitere mögliche Inhalte des Gesamtberichtes, welche in der Abb. 3 keine (direkte) Berücksichtigung gefunden haben, betreffen u. a. folgende Themenfelder:

  • Qualitätsmanagement in der Internen Revision
  • Qualitative und quantitative Personalausstattung
  • Fortbildung im Berichtszeitraum
  • Ausblick für das aktuelle (folgende) Geschäftsjahr

In BT 2.4. Tz. 6 a. F. wurde explizit auf den Gesamtbericht über die Tätigkeit der Internen Revision an den Aufsichtsrat eingegangen. Insbesondere ergaben sich folgende Abweichungen gegenüber dem Inhalt des Gesamtberichtes an den Vorstand:

  • Wesentliche Mängel: lediglich noch nicht behobene wesentliche Mängel
  • Maßnahmen zur Beseitigung festgestellter Mängel: beschlossene (nicht ergriffene) Maßnahmen
  • Einhaltung des Prüfungsplanes: keine Berichterstattungspflicht

Diese Unterscheidungskriterien bei den Adressaten des Gesamtberichtes greifen durch die Außerkraftsetzung des BT 2.4. Tz. 6 a. F. nun nicht mehr, so dass diesbezüglich keine Unterscheidung mehr zwischen Aufsichtsrats- und Vorstandsberichterstattung besteht.

Neben den inhaltlichen finden sich auch zeitliche Vorgaben, die es von Ihnen zu erfüllen gilt. Diesbezüglich wird auf die Ausführungen zum Quartalsbericht verwiesen. Die in der Abb. 2 für das IV. Quartal dargestellten Fristen finden auch Anwendung für den Gesamtbericht.

III. Fazit

Wesentliche Veränderungen im Bereich der Berichterstattungspflichten der Internen Revision an die Organe sind durch die Novellierung der MaRisk nicht zu verzeichnen. Es handelt sich vielmehr um Klarstellungen. Die Bedeutung der Möglichkeit einer differenzierten Berichterstattung an den Vorstand und den Aufsichtsrat war in der Praxis eher gering ausgeprägt. Es erfolgte i. d. R. eine einheitliche Berichterstattung, welche sich nun durch den Wegfall von BT 2.4. Tz. 6 a.F. weiter manifestieren wird. Nicht zu unterschätzen ist die zeitliche Komponente. Hier wird es zu unterschiedlichen Auslegungen der Begrifflichkeit „zeitnah“ in der Praxis kommen, welche letztlich praktikabel und durchsetzbar sein müssen. Seien Sie sich einer Diskussion mit dem Abschlussprüfer respektive Sonderprüfer gewiss, wenn die „hauseigenen“ Fristen zu einer Überschreitung eines Zeitraumes von maximal zwei Monaten (Durchlauf von der Erstellung bis zur Vorlage/Kenntnisnahme beim Aufsichtsrat) führen.

PRÜFUNGSTIPPS

  • Mit der Berichterstattung „präsentieren” Sie sich den Organen; bleiben Sie durch Ihre Berichterstattung in „Guter Erinnerung”!
  • Regeln Sie, wer die direkte Berichterstattung gegenüber dem Aufsichtsrat vollziehen soll (Vorstand oder Interne Revision); durch die Übertragung an den Leiter der Internen Revision wird dessen Position gegenüber dem Aufsichtsrat weiter gestärkt.
  • Klären Sie mit Ihrem Vorstand, ob die Berichtserstattung für das IV. Quartal und der Gesamtbericht eines jeden Geschäftsjahres zusammen oder getrennt erstellt werden sollen; die gesonderte Erstellung mag zwar mehr „Aufwand“ bedeuten, stellt den IV. Quartalsbericht jedoch in ein „besonderes“ Licht.
  • Es bedarf einer hausinternen Klärung, welche Fristen noch als „zeitnah“ anzusehen sind. Diese „Fristen“ sind dann verbindlich einzuführen und zu kommunizieren.
  • Behalten Sie die „Zeitnähe” der Berichterstattung zum jeweiligen Ende des Berichtszeitraumes in der Überwachung, um einer „negativen“ Berichterstattung Dritter (Abschlussprüfer, Sonderprüfer) von vornherein entgegenzuwirken; hierfür könnte sich ein terminierter Umlaufzettel als nützlich erweisen, da dann die Organe ihre Fristen besser im Blick haben.
  1. Rundschreiben 09/2017 (BA) – Mindestanforderungen an das Risikomanagement – MaRisk vom 27.10.2017.
  2. Basel Committee on Banking Supervision (BCBS) 239: „Grundsätze für die effektive Aggregation von Risikodaten und die Risikoberichterstattung“; Januar 2013.
  3. Vgl. „Mindestanforderungen an das Risikomanagement – MaRisk“, https://intern.bvr.de/e.nsf/index.xsp?documentId=D576C073DE99CCD8C125794B00356D4E; Einsichtnahme Internet: 11.11.2018.
  4. Im Folgenden werden die Verweise auf die MaRisk ohne explizite Nennung „MaRisk“ erfolgen, z. B. BT 2.4 Tz. 4.
  5. Vorstand = Geschäftsleitung.
  6. Zur Verbesserung der Lesbarkeit wird auf die Darstellung der weiblichen Form verzichtet.
  7. Vgl. Kommentierung zu § 122 BGB, wie z. B. Palandt, Otto; „Bürgerliches Gesetzbuch“, 77. Auf. 2018.

 

Beitragsnummer: 47829

 

Beitragsnummer: 47829

Moderne Kosten- und Leistungsrechnung in der Banksteuerung

Stefan Farber, Kalkulation und Kostencontrolling, Sparkasse KölnBonn

Die Anforderungen an die Kosten- und Leistungsrechnung (KLR) in einem Kreditinstitut waren selten so hoch wie in der jetzigen Zeit. Insbesondere vor dem Hintergrund sinkender Erträge auf der einen und steigender Kosten auf der anderen Seite kommt der Kosten- und Leistungsrechnung eine immer höhere Aufmerksamkeit zu. Wo fallen welche Aufwendungen/Kosten für welche Produkte/Prozesse an? Führen die eingesetzten Mittel zu mehr Ertrag oder (perspektivisch) zu geringerem Aufwand? Hier heißt es für die KLR, zunächst Transparenz zu schaffen und entscheidungsrelevante Informationen bereit zu stellen: Transparenz über die Art der Kosten und welche Stelle im Institut sie verursacht.

Hierzu braucht es eine angemessen strukturierte Kostenartenrechnung, die durch eine der Komplexität und Struktur des Instituts entsprechende Kostenstellenrechnung ergänzt wird. Ziel muss sein, ein ausreichend detailliertes aber gleichzeitig flexibles Kostenrechnungssystem zu implementieren, welches den Entscheidungsträgern möglichst genaue Informationen liefert, aber andererseits auf der Grundlage der zur Verfügung stehenden Standardanwendungen mit überschaubaren Aufwand zu betreuen ist. Idealerweise ist dieses System mit den anderen Bereichen des Instituts, wie z B. dem externen Rechnungswesen, so verzahnt, dass Ergebnisse überleitbar und widerspruchsfrei sind. Dies kann beispielsweise durch monatliche Abstimmungen der Daten aus externem und internem Rechnungswesen erreicht werden. Die Datenqualität und Konsistenz sind somit für eine moderne KLR unerlässliche Nebenbedingungen.

 

 SEMINARTIPP

Moderne Kosten- und Leistungsrechnung (KLR) in der Banksteuerung, 28.03.2019, Köln.

 

Eine qualitativ gute KLR im Bereich der Ist-Kostenrechnung kann dann als Ausgangsbasis für die mittelfristige Planung und Budgetierung dienen und ist gleichzeitig ein gutes Instrument, um Fehlentwicklungen zu erkennen und entsprechende Steuerungsmaßnahmen zu ergreifen.

Die Planung auf Basis der bekannten Daten aufzusetzen und dann fortzuentwickeln ist ein bewährter und praktikabler Ansatz. Die Fortschreibung von Kosten der jeweiligen Kostenarten und ggf. auch Kostenstellen lässt erkennen, welche Kosten in Zukunft voraussichtlich anfallen werden, und auch wo die Kosten voraussichtlich anfallen. Eine Betrachtungsdimension bleibt hierbei allerdings unberücksichtigt. Für welche konkrete Maßnahme entstehen die Kosten? Entstehen die Kosten im Rahmen eines Projektes zur Umsetzung neuer aufsichtlicher Anforderungen? Zur Einführung eines neuen Produkts? Zur Abwicklung des Baufinanzierungsgeschäfts? Die Budgetierung auf Ebene von durchzuführenden Maßnahmen schafft eine größere Kostentransparenz und ergänzt die übliche Planung auf Ebene der Kostenarten und -stellen.

Ausgehend von den dann im Rahmen der KLR vorliegenden Informationen und deren Analyse können aus der KLR konkrete Steuerungsimpulse gewonnen werden, die den Entscheidungsträgern zum einen die Entscheidungsfindung vereinfachen und zum anderen die Wirkungen dieser Entscheidung klar aufzeigen.

Nicht zuletzt kann eine KLR, die auf Ebene konkreter Maßnahmen Transparenz über Kosten und Erträge schafft, auch einen positiven Einfluss auf die Kostenkultur und -verantwortlichkeit im gesamten Institut haben.

PRAXISTIPPS

  • Strukturieren Sie die KLR so, dass die Struktur und die Komplexität des Instituts angemessen abgebildet werden.
  • Schaffen sie Transparenz für die Entscheidungsträger, indem Sie die Informationen aus der KLR nutzen.
  • Verzahnen Sie die KLR mit weiteren Steuerungskreisen des Instituts.
  • Die Planung und Budgetierung sollte auf Basis der KLR um die Dimension konkreter Maßnahmen ergänzt werden.

 

Beitragsnummer: 47714