Aufbau eines Meldewesen-IKS

Datenqualität und Datenqualitätsindikator

Lars Schleifer, Referent Meldewesen-Risikocontrolling, Volksbank Mittelhessen eG

Die Jahre nach der Finanzmarktkrise wurden durch Gesetzgeber und Aufseher genutzt, um die Stabilität und Widerstandsfähigkeit des Bankensektors zu stärken. Insbesondere die Regelungen in Basel III, die neben höheren Kapitalanforderungen insgesamt eine strengere Regulierung der Banken vorsahen, waren eine Reaktion auf diese globale Krise. So wurden durch dieses Reformpaket des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht neue aufsichtliche Meldungen sowie die Meldungen zu den EZB-Finanzinformationen (FinRep) implementiert. Im ersten Schritt waren die Anforderungen an bedeutende Institute (Significant Institutions – SI) gerichtet. Die für SI zuständige europäische Aufsicht harmonisierte mit dem aufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozess (SREP) die Prüfungspraxis. Zwischenzeitlich sind diese Meldeanforderungen auch auf die weniger bedeutenden Institute (Less Significant Institutions – LSI) übergegangen. Auch der Harmonisierungsgedanke der Aufseher, der sich u. a. im SREP widerspiegelt, weitet sich auf die kleineren Häuser aus. Mit der SSM-LSI-SREP-Methodik hat die Europäische Zentralbank (EZB) einen einheitlichen Standard für alle nationalen Aufsichtsbehörden zur Beaufsichtigung der weniger bedeutenden Institute geschaffen.

SEMINARTIPPS

Aufbau einer workflowbasierten Meldewesen-Datenbank, 15.10.2019, Köln.

Aktuelle § 44er Sonderprüfungen im Meldewesen, 02.12.2019, Frankfurt/M.

Datenqualitätsanforderungen an Banken

Damit haben sowohl bedeutende als auch weniger bedeutende Institute hohe qualitative Anforderungen an ihre Datenhaushalte zu erfüllen. Der Fokus liegt dabei auf der Datenqualitätssicherung für die neuen Meldeanforderungen. Da es sich bei dem aufsichtlichen Meldewesen um einen wesentlichen Regulierungsbereich handelt, sind für diesen Bereich die Anforderungen an interne Kontrollverfahren, insbesondere an ein Internes Kontrollsystem (IKS) gem. AT 4.3 der MaRisk, umzusetzen. Vor allem muss der Schwerpunkt auf der Richtigkeit der Meldungen liegen, die nur durch entsprechende Qualität des Datenbestands eines Instituts sichergestellt werden können.

FILMTIPP

(Neu-)Aufbau Meldewesen-IKS.

 

 

Aufsichtliches Umfeld

Gerade die Datenqualität stellt aufgrund des Umfangs der Regulatorik die wesentlichste Herausforderung an ein funktionierendes und effizientes Meldewesen dar. Allein die Meldefelder der Liquiditätskennzahlen haben sich zwischen 2013 und 2018, ausgehend von der Liquiditätsverordnung, verfünfzigfacht. Aber nicht allein der Umfang ist dabei entscheidend. Auch die Tatsache, dass die Aufsicht selbst die Datenqualität über den sogenannten Datenqualitätsindikator (DQI) bewertet und in diesem Zusammenhang quantitative Kapital- bzw. Liquiditäts- oder sonstigen Aufsichtsmaßnahmen aussprechen kann, birgt zusätzlichen Handlungsbedarf für die Banken.

BERATUNGSANGEBOT

Handbuch Meldewesen – Bankinterne MaRisk-Dokumentation/Melde(Anzeige)wesen.

 

Aufbau eines Meldewesen-IKS

Die Herausforderung für die Banken sollte die Vermeidung dieser aufsichtlichen Maßnahmen sein. Den neuen regulatorischen Anforderungen muss daher mit der Sicherstellung der Datenqualität begegnet werden. Das hierfür nicht nur aus rechtlicher Sicht notwendige interne Kontrollsystem stellt dabei ein zentrales Element dar. Bei diesem Meldewesen-IKS handelt es sich nicht um ein komplett neues IKS. Es ist organisatorisch in bestehende Überprüfungsprozesse einzubetten und basiert auf vorhandenen Schlüsselkontrollen sowie neuen Prüfungshandlungen. Es stellt einen zusätzlichen Baustein innerhalb eines vollumfänglichen Data Governance-Umfelds dar.

INHOUSETIPP

Meldewesen Kompakt.

 

 

Datenqualitätsindikator (DQI)

Für den Aufbau eines Meldewesen-IKS kann eine Orientierung am Datenqualitätsindikator der Aufsicht hilfreich sein. Die Banken müssen eine pünktliche Meldeabgabe (punctuality) innerhalb der Meldefristen sicherstellen. Im zweiten Schritt (accuracy and consistency) ist die Richtigkeit der Meldung in Bezug auf die Validierungsregeln des Reporting Frameworks der EBA zu gewährleisten. Hierbei sind zudem logische – nicht veröffentlichte – Konsistenzen zwischen einzelnen Meldebögen zu beachten. Als dritte Metrik werden Schwankungsbreiten (stability) zu vorhergehenden Meldestichtagen durch die Aufseher analysiert und können als Anknüpfungspunkt für mögliche Prüfungsinhalte herangezogen werden. Eine Beurteilung der Vollständigkeit (completeness) geht mit der Überprüfung der grundlegendsten Datenpunkte und Meldebögen einher. Plausibilitätsprüfungen (plausibility) erfolgen aktuell nur bei den bedeutenden Instituten. Hierbei werden Veränderungen im Zeitverlauf sowie Peer-Group-Vergleiche vorgenommen. Als Ergänzung zu bestehenden Datenkontrollen und -qualtitätssicherungen sollte das Meldewesen-IKS sicherstellen, dass die in den Datenqualitätsindikator eingeflossenen aufsichtlichen Anforderungen an die Datenqualität erfüllt werden.

PRAXISTIPPS

  • Sehen Sie das Meldewesen-IKS nicht als ein separates Thema, sondern als integralen Baustein einer Data Governance für das Gesamthaus.
  • Beschäftigen Sie sich mit der Data Governance. Räumen Sie der Datenqualität einen hohen Stellenwert ein.
  • Erweitern Sie Ihr bestehendes Kontrollsystem um die regulatorischen Datenanforderungen. Orientieren Sie sich dabei an dem Datenqualitätsindikator der EZB. Nutzen Sie darüber hinaus bestehende Datenkontrollen als Schlüsselkontrollen.
  • Analysieren Sie die Datenfelder in Hinblick auf Datenherkunft und -qualität. Dokumentieren Sie eventuelle Approximationen und Prämissen für die Datenermittlung.
  • Analysieren Sie Meldesachverhalte auf Inkonsistenzen innerhalb der jeweiligen Meldebögen sowie meldungsübergreifend.

 

Beitragsnummer: 83539

Vertragsgestaltung des Bauträgers

Michael Ziegler, Abteilungsleiter Projektfinanzierungen, Sparkasse Pforzheim Calw

Beim Thema „Vertragsgestaltung“ wendet sich der erste Gedanke den von der bauträgerfinanzierenden Bank zu erstellenden Verträgen zu. Dabei wird häufig übersehen, dass die vom Bauträger abgeschlossenen Verträge mit den sonstigen Beteiligten gerade im Falle einer nicht vertragsgemäßen Vollendung des Bauvorhabens auch für die finanzierende Bank gravierende Auswirkungen haben. So können gut formulierte Kaufverträge mit einer ausführlichen und rechtsicheren Baubeschreibung und geprüfte GU-/GÜ-Verträge bzw. Werkverträge mit einzelnen Handwerkern auch das rechtliche Risiko der bauträgerfinanzierenden Bank deutlich vermindern.

SEMINARTIPPS

Bonitätsanalyse von Bauträgern, 21.10.2019, Köln.

Risiko-Frühwarnsysteme/-signale im Bauträgergeschäft, 23.10.2019, Köln.

Bauträger Spezial: Vom Grünland zur Projektfinanzierung, 13.–14.11.2019, Berlin.

Kredit-Jahrestagung 2019, 20.–21.11.2019, Berlin.

Bereits aus dem Kaufvertrag können sich für die bauträgerfinanzierende Bank zahlreiche Risiken ergeben. Aus diesem Grund sollten Kaufverträge prinzipiell komplett geprüft werden, um sicher zu stellen, dass keine das bauträgerfinanzierende Kreditinstitut betreffenden nachteiligen Vereinbarungen im Kaufvertrag aufgenommen wurden. Vor Beurkundung des ersten Erwerberkaufvertrages ist der bauträgerfinanzierenden Bank eine Musterurkunde einzureichen und mit ihr abzustimmen. Damit können für beide Seiten unerwünschte Verzögerungen bei der Abwicklung vermieden werden. Zudem sollte im Kreditvertrag vereinbart werden, dass die Bank über Änderungen des Muster-Kaufvertrages informiert werden muss.

Prüfbereiche Erwerberkaufvertrag

  • Terminzusagen, z. B. für Bezugsfertigkeit, Gesamtfertigstellung oder ähnliches.
  • Höhe des vereinbarten Kaufpreises, Abgleich mit den Planzahlen des Bauträgers.
  • Vereinbarung von Sonderleistungen und deren wirtschaftliche Auswirkungen im Vergleich zum geplanten Kaufpreis.
  • Vereinbarung von Eigenleistungen durch den Erwerber (Achtung: darunter sollten sich aus Gewährleistungsgründen keine für das Gesamtbauwerk relevante Gewerke befinden).
  • Auswirkungen von Rücktrittsrechten sowohl für den Erwerber als auch für den Bauträger.
  • Einhaltung der Regelungen der Makler- und Bauträgerverordnung, z. B. Zahlungsplan, Vorlage der notwendigen Genehmigungen, Vereinbarung der alternativen Abwicklung nach § 7 MaBV.
  • Vereinbarung der Mehrwertsteuer-Klausel.
  • Einhaltung der 14-Tage-Frist.
  • Vereinbarung bzgl. § 650m BGB; sinnvoll ist die Festlegung des Bauträgers bereits im Kaufvertrag, ob ein Einbehalt von fünf Prozent bei der ersten Rate oder die Stellung einer Bankbürgschaft für die rechtzeitige Fertigstellung ohne wesentliche Mängel erfolgen soll.
  • Bestätigung der Kenntnisnahme der Anzeige der Abtretung der Kaufpreisansprüche an das bauträgerfinanzierende Kreditinstitut durch den Erwerber. Unter gleichzeitiger Bestätigung, dass schuldbefreiende Zahlungen damit ausschließlich auf das genannte Konto bei der bauträger-finanzierenden Bank vorgenommen werden können.
  • Einbeziehung von Baubeschreibung, Plänen etc. in den Kaufvertrag zur Definition des Bausolls, anderenfalls droht die komplette Unwirksamkeit des Kauf- und Werkvertrages.

Verträge mit den Leistungserstellern

Hier bieten sich für den Bauträger zwei gängige Varianten an:

  • Werkvertragsabwicklung, d. h. Einzelvergabe der jeweiligen Gewerke
  • Generalunternehmer (GU)-/Generalübernehmer (GÜ)-Vertrag

Bei der Vergabe auf Basis von Einzelgewerken lassen sich oftmals im Vergleich zur GU-/GÜ-Abwicklung Einsparungen zwischen 10–12 % erzielen. Aus diesem Grund wird diese Abwicklungsart von Bauträgern bevorzugt. Sofern es sich um erfahrene Bauträger handelt, ist das Kostenrisiko, das bei einer Einzelvergabe immer vorhanden ist, gut einzuschränken. Im Vergleich dazu bietet der GU-/GÜ-Vertrag eine bessere Kostensicherheit, die jedoch in Form des vorgenannten Aufschlags auch bezahlt werden muss.

Weitere entscheidende Punkte für die Kostensicherheit sind:

  • die Vollständigkeit des Leistungsverzeichnisses sowie
  • die Partnerqualität der Werkvertragsunternehmer bzw. Generalunternehmer oder -übernehmer

Werkvertragsabwicklung

Sofern bei kritischen Finanzierungen bzw. unerfahrenen Bauträgern diese Abwicklungsart gewählt werden sollte, sind die vereinbarten Werkverträge genau zu prüfen. Insbesondere ist ein Vergleich des Leistungsverzeichnisses (LV) mit der Baubeschreibung notwendig, um größere Kostenrisiken auszuschließen. Zumindest im Bereich der Koordination des Bauvorhabens sollte der Bauträger den Nachweis einer Expertise erbringen können.

Ein Nachteil der Werkvertragsabwicklung ist das Auseinanderlaufen der Gewährleistungsfristen zwischen den Werkverträgen sowie den Verträgen mit den Erwerbern. Da die Abnahme für die Gewährleistung der Werkvertragsunternehmer nach Abschluss der einzelnen Gewerke erfolgt, im Gegensatz zur Teil- bzw. Gesamtabnahme durch den Erwerber, die weitgehend am Ende der Bauzeit liegt. Damit können bei größeren Bauvorhaben Differenzen beim Gewährleistungsablauf zu Lasten des Bauträgers je nach Gewerk zwischen mehreren Monaten bis zu mehr als einem Jahr entstehen.

Generalunternehmerverträge/Generalübernehmerverträge

Diese Art der Vertragsabwicklung empfiehlt sich für unerfahrene Bauträger bzw. Projektgrößen oder Projektarten, in denen der Bauträger noch keine Expertise vorweisen kann. Diese Art der Abwicklung wird ebenso von versierten Bauträgern bevorzugt, um von der technischen Abwicklung des Bauvorhabens weitgehend frei zu sein. Vorhandene Kapazitäten können so für neue ertragsbringende Projekte genutzt werden.

INHOUSETIPP

Bauträgerfinanzierungen

 

 

 

Die Erstellung durch GU/GÜ birgt erhebliche Rationalisierungs- bzw. Einspareffekte im Bereich Büro (Rechnungsprüfung, Zahlungsfreigaben etc.) wie auch bei der Bauüberwachung vor Ort. Unter der Prämisse, dass das Leistungsverzeichnis (LV) vollständig ist, ist bei dieser Art der Vertragsabwicklung eine höhere Kostensicherheit bezüglich der Baukosten gegeben. Wichtig ist die Oberbauleitung durch den Bauträger oder einen Beauftragten, um die eigenen Interessen zeitnah auf der Baustelle durchzusetzen. Handelt es sich um einen unerfahrenen Bauträger oder um bisher für den Bauträger unbekannte Projektgrößen oder Projektarten, sollte die Einbeziehung eines kompetenten Projektsteuerers auch im Interesse der bauträgerfinanzierenden Bank ernsthaft erwogen werden.

Ist die Insolvenz eines x-beliebigen Werkvertragsunternehmers für einen erfahrenen Bauträger zwar ärgerlich, jedoch mit einem zusätzlichen Koordinationsaufwand und Mehrkosten durchaus beherrschbar, so nimmt dieser Aufwand bei einem GU/GÜ erheblich größere Dimensionen an. Aus diesem Grund sollte in diesem Bereich besonderer Wert auf die Bonität des Auftragnehmers gelegt werden. Neben einer Bankauskunft kann auch eine Vertragserfüllungsbürgschaft eine Bonitätsnachweisfunktion haben. Hinzu kommen Nachweise der Expertise und Leistungsnachweise für gleichartige Projekte. Die Einsicht in die veröffentlichten Bilanzen und Angaben aus dem Handelsregister sowie Bonitätsauskünfte von Auskunfteien können das Bild abrunden.

GMP-Vertrag

Eine Möglichkeit, den erhöhten Preisen beim GU-/GÜ-Vertrag transparenter zu gestalten, ist die Variante des GMP (engl. guaranteed maximum price-)Vertrages. In diesem Vertrag wird vom Auftragnehmer ein Höchstpreis garantiert. Gleichzeitig wird die GU-Vergütung offen vereinbart. Daneben werden meist die Vergabepreise an die Subunternehmen offengelegt. Häufig behält sich der Auftraggeber (Bauträger) die Zustimmung zur Vergabe an die einzelnen Subunternehmen – insbesondere bei Schlüsselgewerken – vor, um eine für das Projekt adäquate Bauqualität zu sichern.

Bei einer Unterschreitung der geplanten Baukosten partizipieren Auftraggeber und Auftragnehmer in einem bereits vorab festgelegten Umfang an den Einsparungen. Kommt es zur Überschreitung des Höchstpreises, so liegt das Risiko beim Auftragnehmer.

Vertragsstrafenklauseln

Oftmals wird in Werkverträgen auch bei GU-/GÜ-Verträgen eine Vertragsstrafen-Klausel (Pönale), z. B. für den Fall einer Überschreitung des vertraglich vereinbarten Fertigstellungstermins aufgenommen. Gemäß dem Urteil des BGH vom 23.01.2003 (AZ: VII ZR 210/01) führt die Überschreitung der Gesamtvertragsstrafe zur Unwirksamkeit der fraglichen Klausel. Nach Ansicht des BGH liegt die Obergrenze bei fünf Prozent. Bei dem zu beurteilenden Fall war mit dem Auftragnehmer eine Vertragsstrafe von insgesamt zehn Prozent der Auftragssumme vereinbart. Der BGH hält Vertragsstrafen-Klauseln in dieser Höhe generell für unwirksam. Dies bedeutet, dass der Auftraggeber (Bauträger) im Zweifel, trotz Überschreitung der Fertigstellungstermine, keine Vertragsstrafe durchsetzen kann. Dies ist insbesondere von Nachteil, sofern auf der Erwerberseite entsprechende Vereinbarungen abgeschlossen werden. Derartige Missverhältnisse zwischen den Verträgen,

  • Erwerber – Bauträger und
  • Bauträger – GU/GÜ oder Werkvertragsunternehmer

können damit eine finanzielle Schieflage des Projektes nach sich ziehen.

PRAXISTIPPS

  • Grundstückskaufvertrag „bankable“?
  • Strukturierte Prüfung der Erwerberkaufverträge.
  • Partnerqualitätscheck der Werkvertragsunternehmer bzw. GU/GÜ.

Beitragsnummer: 83503

Prüfung Frühwarnverfahren

Frank Grunau, Direktor Interne Revision, Sparkasse Wilhelmshaven

Kosten senken ist eine schöne Übung, aller Ehren wert. Aber was ist, wenn die Risiken hierdurch plötzlich steigen? Man kann leicht den Überblick verlieren über all die Prozesse im Risikomanagement und Neuerungen im Aufsichtsrecht, aber dennoch ist die fortlaufende Investition in Technik und Qualifikation der Mitarbeiter erforderlich, um auch zukünftig den Anforderungen der Bankenaufsicht zu entsprechen.

Seit der Finanzkrise ist die Intensität regulatorischer Anforderungen im Bereich der Banksteuerung kontinuierlich gestiegen. Die Kreditinstitute müssen deshalb aktuell über die Entwicklungen in der regulatorischen Banksteuerung informiert sein, um sich damit dann intensiv im Gesamthaus auseinandersetzen zu können.

Die durch die MaRisk geforderten Frühwarnverfahren in einem Kreditinstitut müssen systematisch weiterentwickelt und u. a. durch die Interne Revision entsprechend überwacht werden. Hierunter fallen alle Tätigkeiten, die darauf ausgerichtet sind, Risiken frühzeitig und systematisch zu erfassen, zu steuern und zu überwachen.

Gesetzliche Grundlagen zum Risikomanagement findet man seit 1998 im KonTraG und in den §§ 91 und 93 AktG: „Der Vorstand hat geeignete Maßnahmen zu treffen, insbesondere ein Überwachungssystem einzurichten, damit den Fortbestand der Gesellschaft gefährdende Entwicklungen früh erkannt werden.“

Es ist für die Häuser wichtiger denn je, dass die Erreichung der unternehmerischen Ziele mit ausreichender Wahrscheinlichkeit sichergestellt wird. Mögliche, die Organisation beeinflussende Ereignisse müssen frühzeitig erkannt werden, um eine angemessene Reaktion zu ermöglichen.

Insbesondere die Interne Revision muss die Funktionsfähigkeit der Risikomanagementprozesse beurteilen und zu deren Verbesserung beitragen (International Professional Practices Framework)! Die Frühwarnverfahren in einem Kreditinstitut sind deshalb ein wesentlicher systemischer Prüfungsgegenstand in der Mehrjahresplanung.

SEMINARTIPPS

Prüfung Frühwarnverfahren, 08.10.2019, Frankfurt/M.

Vorstands-Berichtswesen: optimiert & aufsichtskonform, 21.10.2019, Frankfurt/M.

Aktuelle § 44er Sonderprüfungen im Meldewesen, 02.12.2019, Frankfurt/M.

Wichtigstes Kriterium für die Beurteilung von Frühwarnverfahren im Allgemeinen ist deren Wirksamkeit. Frühwarnverfahren, die dieses Kriterium nicht bzw. nur sehr eingeschränkt erfüllen, erzeugen ein trügerisches „Sicherheitsgefühl“. Die Notwendigkeit der Wirtschaftlichkeit und Angemessenheit der Frühwarnverfahren und der dazugehörigen Prozesse sind im Hinblick auf die erforderliche Effizienz ebenfalls kritisch zu überprüfen.

Für die Wirksamkeit der Frühwarnverfahren entscheidend sind zunächst die Qualität der Daten, die korrekte Parametrisierung der Systeme und die Nutzung vorhandener Schnittstellen. Falsche Frühwarnverfahren schränken die Aussagekraft ermittelter Risikoprofile stark ein und bergen die Gefahr von Fehlsteuerungen oder Unterschätzung der Risikosituation.

BERATUNGSANGEBOT

Fit für die Sonderprüfung nach § 44 KWG.

 

 

Die dadurch gestiegenen Anforderungen an die Prüfung der Frühwarnsysteme durch die Interne Revision sind deshalb durch eine entsprechende Prüfungsplanung und kompetente Prüfungshandlungen abzubilden. Wichtig ist hier die regelmäßige Prüfung der kontinuierlichen Anpassung der Verfahren und Methoden auf der Grundlage gesetzlicher, aufsichtlicher und risikobasierter Entwicklungen im Zeitablauf.

Die Interne Revision, als zentrale Funktion innerhalb des internen Überwachungssystems, sollte dabei angemessen in die Risikomanagementprozesse eingebettet werden. Dabei ist die Angemessenheit und Wirksamkeit der prozessintegrierten und prozessunabhängigen Überwachungsaktivitäten in der First und Second Line of Defense zu berücksichtigen.

PRAXISTIPPS

  • Die Beschreibung der definierten Indikatoren, Steuerungsmaßnahmen, Kontrollen und Überwachungsmaßnahmen sollte regelmäßig beurteilt werden (Sind diese systematisch und für sachkundige Dritte nachvollziehbar?).
  • Eignen sich die implementierten Risikosteuerungsmaßnahmen überhaupt (Wirken diese tatsächlich wie gewünscht auf das Risiko ein)?
  • Wird die Risikostrategie mit den definierten Maßnahmen insgesamt umgesetzt?
  • Prüfung der Eignung der implementierten Kontrollen (Können diese sicherstellen, dass die vom Management festgelegten Risikosteuerungsmaßnahmen korrekt und zeitgerecht durchgeführt werden?).
  • Vergessen Sie aber auch nicht, die Wirtschaftlichkeit gewählter Maßnahmen und Kontrollen zur Steuerung der identifizierten Risiken in die Beurteilung einzubeziehen!

 

Beitragsnummer: 83493

Rechtsupdate Compliance – Regulatoriküberblick

Behalten Sie den (aufsichts-)rechtlichen Überblick – über den Dächern von Berlin!

Sandra Leicht, Geschäftsführerin FCH Compliance und Vorstand FCH Gruppe AG

Ob Beauftragter, Prüfer oder Entscheider, die regulatorischen Neuerungen zwingen uns in den Instituten dazu, unser Know-how stetig zu erweitern. Als Basis für ein effektives rechtliches Monitoring, die saubere Implementierung neuer Vorgaben und die Anpassung von Prozessen ist es essenziell, Neuerungen zeitnah zu erfassen und Änderungsbedarf (mit) zu erkennen.

Denn insbesondere Compliance-Beauftragte, Mitarbeiter der Compliance-Funktion sowie die Revision als wichtiger Sparringspartner für die erste und zweite Verteidigungslinie sind mit Fachwissen gefragt. Dabei ist es häufig nicht einfach, im gesamten Bereich der institutsübergreifenden Compliance-Funktion einen rechtlichen/regulatorischen Überblick zu behalten, denn die Neuerungen kommen teilweise schnell und mit nur wenig Zeit zur Umsetzung.

SEMINARTIPP

Rechtsupdate Compliance – Regulatoriküberblick, 11.11.2019, Berlin.

 

 

Compliance-Verantwortliche und Prüfer zwischen PSD II, MaDepot und aktuellen EBA-Guidelines (und mehr)

Der zeitliche Aufwand zur Informationsgewinnung ist daher enorm, insbesondere wenn auch die höchstrichterliche Rechtsprechung mitverfolgt werden soll.

Für Ihren kompakten regulatorischen Überblick haben wir folgende Neuerungen für Sie ausgewählt:

(Aufsichtliche) Anforderungen an das rechtliche Monitoring – mit Blick auf die regulatorische (übergeordnete) Compliance-Funktion

– Vorgaben der Funktion und Erwartungshaltung an die Ausgestaltung

  • regelmäßiges Monitoring (mögliche Quellen)
  • prozessuale Umsetzung
  • Dokumentation
  • Umsetzungscontrolling
  • „Verantwortung“ der MaRisk-Compliance-Funktion (?)
  • Notwendigkeit eigener Umsetzungskontrollen und eigener Dokumentationen?
  • Vorzuhaltende Sachkunde zur effektiven Umsetzungsberatung?

Möglicher „Unterbau“

Rechtskonforme Umsetzung relevanter Neuerungen …

… aus Sicht des Anwalts und des Beauftragten

  • Säulenunabhängiges rechtliches Monitoring – Ansätze und Gegensätze
  • Momentane Abmahnfallen, Risiken von neuen Abmahnwellen; Themen und Bereiche im Fokus möglicher Abmahnungen
  • Neue Projekte/ertragreiche Geschäftsmodelle mit Blick auf Verbraucherschutz und weitere rechtliche Fallstricke
  • Prozessoptimierung in Folge von Anpassungsnotwendigkeiten
  • Revision rechtlicher Neuerungen – Impulse aus laufenden Prüfungen

(Aufsichts-)rechtlicher Ausblick – Konsultationen und zu erwartende Neuerungen 2020

Rechtlicher „Überbau“

  • Prägnante Neuerungen 2019
  • Ursache der Neuerungen ⇔ (Aus-)Wirkungen auf die Bank
  • Relevante Neuerungen aus MaRisk-Compliance; WpHG-Compliance; Geldwäsche/Zentrale Stelle; Datenschutz und Informationssicherheit streng nach Praxisrelevanz, u. a.:
  • Änderungen aus der 5 EU-Geldwäscherichtlinie.
  • Auswirkung des Urteils im Zusammenhang mit der Kohl-Witwe auf die Geldwäsche-Praxis.
  • Umsetzungen zur MaDepot.
  • Neuerungen aus den BAIT.
  • ePrivacy-Verordnung.
  • Prüfungserkenntnisse aus der Dienstleistersteuerung.
  • Folgen von (?) Beschwerdemeldungen.
  • Auswirkungen der „unmittelbaren“ EBA-Geltung auf die Aufgaben von Beauftragten in kleinen und mittelgroßen Banken.
  • Brexit und die Schweiz – Handlungsbedarf aus Sicht des Datenschutzes.
  • Interessenkonflikte in der Aufbauorganisation (CF- und AL-Problemkredit, GWB und DS-Koordinator etc.).
  • Mögliche, weitere zentrale Anpassungen zwischen Prospekterstellung und Veranstaltung.

… aus Sicht des Anwalts und des Beauftragten

  • Aktuelle Neuerungen mit Compliance-Relevanz und Umsetzungsfristen.
  • Europäische Vorgaben und die Erwartungshaltung der Bankenaufsicht, insbesondere das Warten auf Übersetzungen und/oder Umsetzungshilfen.
  • (Un-?) Sinn und Zweck der Neuerungen mit Blick auf die interne Implementierung.
  • Aktuelle höchstrichterliche Rechtsprechung mit Compliance-Relevanz, mögliche richtungsweisende Urteile (beispielsweise Haftung des GWB).

Unsere Referenten:

Sind erfahrene Praktiker aus den Bereichen Compliance, Recht und Aufsicht.

Das sagen Teilnehmer aus Compliance und Revision zu unseren Compliance-Veranstaltungen: 

“Theoretische Grundlagen der FCH-Compliance-Seminare ergänzen sich sehr gut mit direktem Praxisaustausch. Zusätzlich bieten die FCH-Compliance-Seminare eine Plattform zur Erweiterung des Netzwerks unter Teilnehmern und Referenten.” 

Manuel Regent, Compliance-Beauftragter, Internationales Bankhaus Bodensee AG

„Immer auf der Suche von fachlichen Informationen, die mir bei der Erfüllung meiner Pflichten als Referentin in der Marktrevision für das Kundenwertpapier-/Depotgeschäft sowie Auslandssteuer (u. a. CRS, FATCA, US-Quellensteuer) weiterhelfen, werde ich beim Finanz Colloquium Heidelberg fündig. Die Seminare sind sehr gut organisiert, informativ und praxisnah. Die Inhalte sind aktuell und die jeweiligen Referenten gehen auf individuelle Fragestellungen ein. Des Weiteren gibt es zu meinen Themen Fachbücher, die aufgrund von gesetzlichen Änderungen, zeitnah angepasst wurden. Insofern: Kompliment, weiter so und ich freue mich schon auf künftige Seminare!“

Ulrike Ünal, Interne Revision, Berliner Volksbank eG

Chance statt Pflicht? Das Seminar bietet einen rechtlichen sowie prozessualen Überblick über aktuelle, relevante Compliance-Themen sowie einen Ausblick auf anstehende Neuerungen. Es richtet sich an Entscheider, Führungskräfte, Beauftragte sowie Prüfer, die Ihr Wissen in den Bereichen Regulatorik und Rechtsprechung aktualisieren oder festigen wollen.

Das Hotel, das aus einem ehemaligen Bankgebäude entstanden ist, bietet den optimalen Rahmen für fachlichen Austausch. Wetterabhängig kann der regulatorische Überblick in Gesprächen auf der Dachterrasse mit Blick über Berlin gefestigt werden.

Durch die Teilnahme an der Veranstaltung erhalten Sie 7 CPE-Punkte als Weiterbildungsnachweis für Ihre Compliance-Hochschulzertifizierung!

Beitragsnummer: 82153

Auslagerungsmanagement – von der Pflicht zur Kür



Regulatorische Anforderungen erfüllen UND Mehrwert für die Bank generieren

Heiko Günther, Auslagerungsbeauftragter, Bank für Sozialwirtschaft

         

I. Einleitung/Übersicht

Aus zahlreichen Quellen werden Anforderungen an das Auslagerungsmanagement gestellt. Neben den MaRisk sind dies zum Beispiel das Business Continuity Management (BCM) oder das Informationssicherheitsmanagement (ISM). Es handelt sich um Vorgaben zur Dokumentation der Risiken, Anwendung der Risikosteuerung oder Vorgaben zur aufbau-/ablauforganisatorischen Gestaltung des Auslagerungsmanagements und konsequenter Nutzung der Risikoeinwertung im Gesamthaus. Es gilt, diese (und weitere) Anforderungen und Schnittstellen zu erfüllen und effizient zu gestalten. Trotz des nicht vermeidbaren Aufwandes sollte der Fokus v. a. auf die Vorteile für die Bank gelegt werden. Zu den zentralen Herausforderungen gehört es, die Risiken aus den Fremdleistungen Dritter in das Operational-Risk-Management (ORM) und in das Non-Financial Risk Management (NFR) der Bank sinnvoll zu integrieren.

II. Umsetzung Auslagerungsmanagement in der BFS

1. Zentraler Auslagerungsbeauftragter, dezentrale Auslagerungsverantwortliche

In der Bank für Sozialwirtschaft (BFS) ist die Funktion des Auslagerungsbeauftragten zentral in der Organisation angesiedelt. Die Auslagerungsverantwortlichen befinden sich dezentral im jeweiligen Fachbereich. Über fachliche Grundsätze und die dazu gehörenden Prozesse ...


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Prüfung des Prozessmanagements

Praxisorientierte Prüfungsansätze für die Interne Revision

Thomas Maurer, Leiter Interne Revision, Münchner Bank eG

Die Bankenbranche befindet sich auf Grund der andauernden Niedrigzinsphase, des veränderten Kundenverhaltens und der fortschreitenden Digitalisierung in einer massiven Umbruchphase. Es gilt, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und diese mit effizienten Prozessen kostengünstig umzusetzen. Vor diesem Hintergrund sollte auch das Prozessmanagement im Prüfungsuniversum der Internen Revision eine größere Rolle spielen.

SEMINARTIPP

Prozessorientierte Schlüsselkontrollen im Fokus der Aufsicht, 03.12.2019, Frankfurt/M.

 

Ausgangslage

In vielen Instituten haben sich die aktuellen Geschäftsprozesse über Jahre und Jahrzehnte entwickelt. Die Verantwortlichkeiten für die Prozesse sind oft nicht klar definiert, Prozessziele und Kennzahlen, mit denen die Prozessleistung gemessen werden kann, fehlen häufig. Ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess zur laufenden Optimierung der Prozesse und der konsequenten Ausrichtung auf die Kundenbedürfnisse ist ebenfalls noch eher selten anzutreffen. Auch die zur Verfügung stehende Technik ist oft nicht mehr zeitgemäß. Um sich für die Herausforderungen der Umwälzungen zu wappnen, sollten sich die Institute verstärkt mit ihren Prozessen und deren Optimierung beschäftigen.

Ziele des Prozessmanagements

Ein integriertes Prozessmanagementsystem ermöglicht eine End-to-End-Betrachtung der Geschäftsprozesse und damit eine Ausrichtung auf die Kundenbedürfnisse. Die Anzahl der Verantwortlichkeiten kann auf wenige Key-Player reduziert werden. Damit kann mittelfristig eine deutliche Verkürzung der Bearbeitungs- und Durchlaufzeiten erreicht werden. Die Schnittstellen werden transparent und können mit verbindlichen Service-Level-Agreements hinsichtlich der Lieferantenqualität gesteuert werden. Klar definierte Ziele für jeden Prozess sind ein weiterer wichtiger Bestandteil des Prozessmanagements. Auf dieser Basis kann dann ein zielgerichtetes Prozesscontrolling stattfinden, um die Gesamtleistung eines Prozesses deutlich zu machen.

BUCHTIPP

Meier (Hrsg.), Praxisleitfaden Prozessmanagement, 2017.

 

 

Aufgaben der Prozesseigner

Für jeden Prozess kann es nur einen Prozessverantwortlichen geben, den Prozesseigner. Dies Funktion sollte auf einer ausreichend hohen Hierarchieebene angesiedelt werden, um die Notwendige Entscheidungs- und Durchsetzungsfähigkeit des Prozesseigners zu gewährleisten. Die Prozesseigner modellieren den Prozess, vereinbaren die Prozessleistung mit Zulieferern und Abnehmern und planen die Zielwerte des Prozesses. Sie überwachen die Zielerreichung anhand definierter Kennzahlen und analysieren auf dieser Basis die Schwachstellen des Prozesses. Die Ergebnisse dieser Analyse ermöglichen die Einleitung von Maßnahmen zur kontinuierlichen Prozessverbesserung.

BERATUNGSANGEBOT

Prozessmanagement im Fokus von MaRisk & BAIT: Aufbau/Bewertung & Auditierung.

 

Prüfungsansätze für die Interne Revision

Unverzichtbare Prüfungsgrundlage bildet eine Prozesslandkarte, aus der die Kernprozesse des Instituts hervorgehen müssen. Zu Beginn der Prüfung sollten die Risiken des Prozesses seitens der Revision analysiert und bewertet werden, um eine risikoorientierte Vorgehensweise zu gewährleisten. Wichtige Anhaltspunkte für die Beurteilung der Prozessrisiken sind die Personalsituation (Fluktuation, Qualifikation), die zur Verfügung stehende Technologie, die Datenqualität, das im Prozess implementierte interne Kontrollsystem sowie externe Einflüsse wie das rechtliche Umfeld und die Anfälligkeit für dolose Handlungen.

Auf Basis der Risikobewertung ist die Dokumentation des Prozesses und der Prozessziele zu prüfen. Zunächst sind die Prozesse auf Transparenz und Aktualität, auch hinsichtlich der Schnittstellen zu untersuchen. Hinsichtlich der Prozesskennzahlen sollte auf einen angemessenen Bezug zur Strategie des Hauses sowie auf die Definition von Zielwerten geachtet werden. Die Steuerung des Prozesses kann anhand der vorliegenden Prozessanalysen des Prozesseigners sowie der Umsetzung und Wirksamkeit der eingeleiteten Verbesserungsmaßnahmen geprüft werden. Hinsichtlich der Wirksamkeit des Prozesses ist die Entwicklung der Prozesskennzahlen ein wichtiger Indikator. Auch die Prozesskosten und deren Entwicklung sollten Gegenstand der Prüfungshandlungen der Internen Revision sein.

Auf Basis der Kennzahlen zur Prozessperformance, kann ein Prozessportfolio gebildet werden, welches die Leistungsfähigkeit der einzelnen Prozesse auch im Vergleich untereinander transparent macht. Das wiederum gibt der Revision wertvolle Hinweise, welche Prozesse einer intensiveren Prüfung bedürfen.

INHOUSETIPP

Im Prüfungsfokus: Wesentliche Prozesse & AT 8.2-Handhabung.

 

 

Fazit

Die Prüfung des Prozessmanagements ist für die Revision unverzichtbar, um den in den MaRisk verankerten Auftrag zu erfüllen, grundsätzlich innerhalb von drei Jahren alle Aktivitäten und Prozesse zu prüfen. Auch für die Wesentlichkeitsbeurteilung nach BT 2.3 der MaRisk können wertvolle Impulse gewonnen werden.

PRAXISTIPPS

  • Wirken Sie darauf hin, dass Ihr Haus eine Prozesslandkarte erstellt, eine Risiko-Kontrollmatrix sollte diese ergänzen.
  • Prüfen Sie, ob Ihr Haus ein integriertes Prozessmanagementsystem aufgebaut hat.
  • Analysieren Sie regelmäßig das Prozessportfolio Ihrer Bank, um eventuelle Prozessschwächen frühzeitig zu erkennen.
  • Analysieren Sie auch den eigenen Revisionsprozess kritisch hinsichtlich der Prozessleistung und der Wirksamkeit von Verbesserungsmaßnahmen.

Beitragsnummer: 81659

Fit für die § 44 KWG-Prüfung



Praxisbericht eines Instituts mit Schwerpunktprüfung Risikomanagement.

Stephan Neumeister, Abteilungsleiter, Prokurist, Vorstandssekretariat, Recht und Regulatorisches Office, Debeka Bausparkasse AG.

           

I. Prüfungsankündigung – und was nun?

Nicht selten löst die Prüfungsankündigung in den betroffenen Häusern Unbehagen und hektische Betriebsamkeit aus. Neben der Sorge um ein schlechtes Prüfungsergebnis bindet die Prüfung erhebliche Kapazitäten. Schließlich muss das Tagesgeschäft parallel zu den Prüfungshandlungen erledigt werden. Eine gute Organisation ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass die Prüfung gut gemeistert wird. Es versteht sich von selbst, dass der Prüfungsvorbereitung höchste Priorität einzuräumen ist. Ein schlechtes Prüfungsergebnis kann nicht nur zu aufsichtsrechtlichen Sanktionen bis hin zur Abberufung von Geschäftsleitern führen. Das Ergebnis der Prüfung fließt auch in die Bewertung im Rahmen des SREP ein und beeinflusst somit auch die Eigenkapitalanforderung an das Institut. Die Debeka Bausparkasse AG durchlief im März 2019 eine Sonderprüfung gem. § 44 KWG mit Schwerpunkt Risikomanagement. Die Prüfungsvorbereitung und -begleitung wurde erstmals in Form einer projektähnlichen Struktur organisiert. Der folgende Beitrag beleuchtet die Organisation des Prüfungsprozesses und die wesentlichen Erfolgsfaktoren für einen reibungslosen Ablauf.

Professionelle Prüfungsvorbereitung – der Schlüssel zum Erfolg! Zwischen Eingang der Prüfungsankündigung und Prüfungsbeginn liegen regelmäßig ...


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Prüfung des Kreditgeschäftes durch die Interne Revision



Von der Früherkennung bis zur Problemkreditbehandlung.

Tugce Gürdal, Diplom-Kauffrau, Interne Revision, Isbank AG.

I. Einleitung

Die vorrangige Aufgabe der Internen Revision besteht darin im Rahmen von risikoorientierten und prozessunabhängigen Prüfungen die Wirksamkeit und Angemessenheit des Risikomanagements im Allgemeinen und des Internen Kontrollsystems im Besonderen zu beurteilen. Zudem ist grundsätzlich die Ordnungsmäßigkeit von allen intern eingerichteten Prozessen zu prüfen[1].

Die bankintern eingerichteten Früherkennungsprozesse bilden, insbesondere aufgrund der Vorschriften der MaRisk, einen wichtigen Bestandteil der Risikocontrollinprozesse und des Risikomanagementsystems. Diese sollen dazu dienen sich abzeichnende Ausfälle im Kreditgeschäft frühzeitig zu erkennen und dem Kreditinstitut die frühzeitige Einleitung von Gegenmaßnahmen, wie eine intensivierte Betreuung oder wirkungsvolle Krisenberatung, zu ermöglichen.

Aufgrund der hohen Bedeutung gehört das Prüffeld „Frühwarnverfahren“ zum festen Bestandteil der risikoorientierten Prüfungsplanung und -durchführung der Internen Revision[2].

Einen weiteren wichtigen Bestandteil bildet das Kreditgeschäft im Allgemeinen bis hin zur Problemkreditbehandlung. Das Ziel dabei ist die Prüfung der Funktionsfähigkeit der Kreditabwicklungs- und -sanierungsprozesse, um mögliche Mängel im internen Kontrollsystem festzustellen und Risiken zu minimieren.

Als Prüfungsansätze für die Interne Revision können dabei je nach Prüffeld im Rahmen der ...


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Besonderheiten der Einnahmen-Ausgaben-BWA

Michael Leistenschneider, Steuerberater mit eigener Kanzlei (bis Ende 2013 Vorstand bei Datev eG, Nürnberg)

Für Gewerbetriebende und Freiberufler, die ihren Gewinn nach § 4 Abs. 3 EStG als Überschuss der Betriebseinnahmen über die Betriebsausgaben (EÜR) ermitteln, ist die Einnahmen-Ausgaben-BWA die ideale Form, unterjährig die Ergebnisentwicklung zu verfolgen und das Unternehmen entsprechend den Besonderheiten dieser Gewinnermittlungsart zu analysieren. Voraussetzung für eine Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG (statt Bestandsvergleich nach § 4 Abs. 1 EStG) ist, dass weder nach Handelsrecht[1] noch nach Steuerrecht[2] eine Buchführungspflicht besteht. Liegen diese Voraussetzungen vor und wird vom Wahlrecht einer Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG Gebrauch gemacht sind folgende Besonderheiten zu beachten:

  • Es gilt das Zufluss-/Abflussprinzip (statt Verursachungsprinzip). Danach sind Einnahmen und Ausgaben erst dann gewinnwirksam, wenn sie durch Zahlung realisiert werden.
  • Einnahmen fließen brutto einschließlich Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer) in die Gewinnermittlung ein.
  • Ausgaben fließen brutto einschließlich Umsatzsteuer (Vorsteuer) in die Gewinnermittlung ein.
  • Gezahlte Umsatzsteuerbeträge (z. B. aufgrund von Umsatzsteuer-Voranmeldungen) sind Betriebsausgaben.
  • Erstattete Umsatzsteuerbeträge sind Betriebseinnahmen.
  • Erhaltene Anzahlungen sind mit ihrem Zahlungsbetrag Betriebseinnahmen.
  • Geleistete Anzahlungen sind mit ihrem Zahlungsbetrag Betriebsausgaben.
  • Bestandsveränderungen werden weder beim Warenlager noch bei den fertigen/unfertigen Erzeugnissen gebucht und haben auch keinerlei Gewinnauswirkungen.
  • Die Führung eines Personenkontokorrents ist zwar möglich, allerdings sind für Zwecke der Gewinnermittlung die bisher nicht zahlungswirksam gewordenen Kundenforderungen sowie Lieferantenverbindlichkeiten rückgängig zu machen.

Die Einnahmen-Ausgaben-BWA berücksichtigt alle diese Besonderheiten, sofern eine systemgerechte Verbuchung erfolgt. Steht also fest, dass am Jahresende der Gewinn eines Unternehmens nicht nach § 4 Abs. 1 EStG (Bestandsvergleich mit Bilanz und G+V), sondern nach § 4 Abs. 3 EStG ermittelt wird, so würde eine BWA-Analyse mit Hilfe der kurzfristigen Erfolgsrechnung auf Basis der Standard-BWA zu unzutreffenden und möglicherweise auch falschen Ergebnissen führen. Je nach Zahlungsverhalten bei Kunden- und Lieferantenrechnungen und auch in Abhängigkeit von der Umsatzbesteuerung (Soll-/Ist-Versteuerung bzw. Umsatzversteuerung nach vereinbarten oder vereinnahmten Entgelten) kommt es zu größeren Abweichungen zwischen dem unterjährigen Ergebnis der Standard-BWA und der Einnahmen-Ausgaben-BWA.

SEMINARTIPPS

Analyse von Bankbilanzen, 04.11.2019, Wiesbaden.

Quick-Check BWA-Analyse, 05.11.2019, Wiesbaden.

Kredit-Jahrestagung 2019, 20.–21.11.2019, Berlin.

Dies soll an nachfolgendem Rechenbeispiel eines fiktiven und speziell konstruierten Falls aufgezeigt werden. In einer BWA-Abrechnungsperiode soll es zwei Ausgangsrechnungen über jeweils 595 € inklusiv 19 % Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer) geben und zwei Eingangsrechnungen über jeweils 238 € inklusiv 19 % Umsatzsteuer (Vorsteuer). In allen Fällen ist die Lieferung oder sonstige Leistung im Zeitpunkt der Rechnungsausstellung erbracht. Im BWA-Zeitraum sollen jeweils eine Eingangs- und eine Ausgangsrechnung bezahlt worden sein, während die andere Rechnung am Stichtag noch offen ist. Die sich zum BWA-Stichtag ergebende Umsatzsteuer-Zahllast wurde bereits in der BWA-Abrechnungsperiode gezahlt. Die Umsatzsteuer-Voranmeldung wird bei einer Soll-Versteuerung (Umsatzsteuer auf vereinbarte Entgelte) so berechnet, dass von der Mehrwertsteuer aus beiden Rechnungen in Höhe von 2 x 95 = 190 € die Vorsteuerbeträge aus beiden Eingangsrechnungen, also 2 x 38 = 76 € abgezogen werden. Es ergibt sich somit eine Umsatzsteuer-Zahllast in Höhe von 114 €.

INHOUSETIPP

Quick-Check BWA-Analyse.

 

 

Bei einer Ist-Versteuerung (Umsatzsteuer auf vereinnahmte Entgelte) wird die Mehrwertsteuer nur aus der bezahlten Rechnung gezogen und beträgt damit nur 95 €. Davon abgezogen werden dagegen die Vorsteuerbeträge aus beiden Eingangsrechnungen, also 2 x 38 = 76 €, da es beim Vorsteuerabzug nach § 15 UStG keinerlei Bindung an den Zahlungsvorgang gibt. Damit beträgt in diesem Fall die Umsatzsteuer-Zahllast lediglich 95 – 76 = 19 €.

Daraus ergibt sich nachstehendes Berechnungsschema, welches die unterschiedlichen BWA-Ergebnisse aufzeigt.

Abbildung: Berechnungsschema Einnahmen-Ausgaben BWA sowie Standard-BWA

FILMTIPP

Quickcheck Analyse BWA.

 

 

In diesem fiktiven Fall liegt das Ergebnis der Standard-BWA mehr als doppelt so hoch wie das der Einnahmen-Ausgaben-BWA bei einer Umsatzversteuerung nach vereinbarten Entgelten. Die Beispielsrechnung zeigt, dass bei einer Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG die unterjährige BWA-Analyse auf Basis der Standard-BWA zu unzutreffenden Ergebnissen führen kann. Es ist daher ratsam für die laufende Analyse des Unternehmenserfolgs auf die Einnahmen-Ausgaben-BWA, statt auf die kurzfristige Erfolgsrechnung der Standard-BWA zurückzugreifen.

PRAXISTIPPS

  • Bei Freiberuflern und Gewerbetreibenden, bei denen feststeht, dass die steuerliche Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG erfolgt, eignet sich eine monatliche Einnahmen-Ausgaben-BWA besser zur unterjährigen BWA-Analyse als die kurzfristige Erfolgsrechnung der Standard-BWA.
  • Die Einnahmen-Ausgaben-BWA ist sowohl bei Steuerpflichtigen einsetzbar, die ihre Umsätze nach vereinbarten Entgelten wie auch bei Steuerpflichtigen, die ihre Umsätze nach vereinnahmten Entgelten versteuern.
  • Bei einer Einnahmen-Ausgaben-BWA ist auch die Führung von Personenkonten möglich. Bei dieser BWA-Form werden im vorläufigen monatlichen Ergebnis nur die bezahlten Eingangs- und Ausgangsrechnungen berücksichtigt.
  1. § 238 Abs. 1 HGB und § 241a HGB.
  2. § 140 AO und § 141 AO.

Beitragsnummer: 81230

Ausgewählte TOP-Kennzahlen in der Bankbilanzanalyse

Dr. Thomas Kohlhase, Senior Credit Analyst, Fixed Income, Ampega Asset Management GmbH

Vorbemerkungen zur Aussagefähigkeit von Kennzahlen

Der Einsatz von Kennzahlen kann bei richtiger Anwendung hilfreich sein und wichtige Erkenntnisse zur Bonitätseinschätzung liefern. Noch stärker als bei der kennzahlenbasierten Bonitätsbeurteilung von Industrieunternehmen kommt es bei der Bankbilanzanalyse darauf an, die Kennzahlen im Rahmen des gesamten, insbesondere des aufsichtsrechtlichen, länder- und geschäftsmodellspezifischen, Kontextes zu interpretieren. Anderweitig und bei isolierter Betrachtung sind Fehlschlüsse die unmittelbare Folge. Denn die Lehman-Pleite 2008 oder die Krise der IKB 2007 hätte man anhand traditioneller Bilanz-, Gewinn- und Verlustrechnungs-Kennzahlen aus den Bereichen Kapital, Aktivaqualität, Rentabilität und Effizienz sowie Liquidität kaum vorhersehen können – zumindest, wenn man von weiterhin liquiden Märkten, unterstützt durch die damalige Geldpolitik insbesondere der US-Zentralbank, ausgegangen ist. Denn bei ähnlichen Kennzahlen wären sonst noch zahlreiche andere Institute in Schieflage geraten. Daher ist das Studium der Anhangsangaben und des Lageberichtes unerlässlich. In den oben genannten Fällen geben diese immerhin hinreichenden Aufschluss über drohende Risiken, insbesondere zu außerbilanziellen Verpflichtungen und daraus drohenden Liquiditätsabflüssen. Ohnehin ist das Studium des Anhangs und des Lageberichtes materiell für eine umfassende Bankbilanzanalyse, da nur dort sowie in den Offenlegungsberichten, die erst seit 2007 gem. Säule 2 (Basel III) verpflichtend sind, die notwendige Detailinformationen preisgeben werden.

SEMINARTIPPS

Analyse der zukünftigen Kapitaldienstfähigkeit, 07.10.2019, Frankfurt/M.

Analyse von Bankbilanzen, 04.11.2019, Wiesbaden.

Quick-Check BWA-Analyse, 05.11.2019, Wiesbaden.

Analyse von „Immobiliensammlern”, 06.11.2019, Wiesbaden.

Zudem spielen bei der Kennzahleninterpretation Zeit-, Betriebs- und Normenvergleich eine wesentliche Rolle. Durch Anwendung von Zeitvergleichen können negative bzw. positive Tendenzen sichtbar werden und im Sinne einer Trendanalyse fortgeschrieben werden. Der Nachteil liegt jedoch darin, dass der Informationsgehalt der Trendanalyse bedingt aussagefähig ist, wenn beispielsweise Gegenmaßnahmen durch die Geschäftsleitung ergriffen werden. Der Betriebsvergleich zeigt auf, wie ein Unternehmen im Vergleich mit brancheninternen Unternehmen bzw. Wettbewerbern oder Durchschnittswerten positioniert ist. Ein wesentlicher Nachteil bei Betriebsvergleichen besteht darin, dass branchenbezogene Prüfkriterien bestenfalls Abweichungen vom Durchschnitt zeigen und keine präzise Aussage über das interessierende Insolvenzkriterium ermöglichen. Dies gilt bei der Analyse von Bankbilanzen noch viel stärker als bei Industrieunternehmen. Beim Normenvergleich werden Unternehmenskennzahlen mit normativen oder statistisch abgeleiteten Prüfkriterien verglichen (Soll-Ist-Vergleich).

Des Weiteren ist bei der Verwendung von Kennzahlen auf Einschränkungen zu achten, die vor allem daraus resultieren, dass diese stichtags- und vergangenheitsbezogen sind sowie möglicherweise auf unterschiedlichen Rechnungslegungsstandards beruhen. Stichtagsbezogenheit: Insbesondere auf Basis von Bilanzpositionen verwendete Kennzahlen sind statischer Natur und unterliegen Manipulationsmöglichkeiten durch Window-Dressing-Maßnahmen (z. B. verbesserter Liquiditätsausweis zum Montas- oder Jahresende durch Repogeschäfte mit der Zentralnotenbank). Vergangenheitsorientierung: Die Kennzahlenanalyse ist meist retroperspektiv. Um ihr einen zukunftsorientierten Charakter zu verleihen, sollten daher einerseits plausible Annahmen (Basis-Szenario) als auch Prämissen unter Stress (Stress-Szenario) über die künftige Entwicklung erfolgen. Rechnungslegungsstandard: Unterschiedliche Rechnungslegungsstandards können zu Grunde liegen und so die Vergleichbarkeit von Jahresabschlüssen erheblich beeinträchtigen.

INHOUSETIPP

Analyse von Bankbilanzen.

 

 

Insofern lässt sich für den Einsatz von Kennzahlen im Rahmen der Bankbilanzanalyse resümieren, dass Kennzahlen helfen, die richtigen Fragen zu stellen, allerdings geben sie selbst meist nicht die gewünschte Antwort darauf.

Im Folgenden werden drei TOP-Kennzahlen näher dargestellt.

Harte Kernkapitalquote (Common-Equity-Tier 1 Ratio)

Definition

Abbildung 1: CET 1

Interpretation

Grundsätzlich gilt: je höher, desto besser. Doch auch eine hohe Quote kann aufgrund der nachfolgend erläuterten Nachteile zu Fehlschlüssen führen. Zusammengebrochene Banken wie Banco Espirito Santo oder Lehman Brothers wiesen kurz vor ihrer Insolvenz ebenfalls durchaus mindestens ausreichend erscheinende Kapitalisierungsquoten aus. Ebenfalls gilt, dass Aufsichtsbehörden individuell höhere Quoten von jedem Institut verlangen können, so dass eine auf den ersten Blick möglicherweise als solide anzusehende Quote sich im Nachgang als zu niedrig erweisen kann. Die individuellen Institutsspezifischen Anforderungen werden im Zusammenhang mit der sukzessiven Einführung von Bankenabwicklungs- und Sanierungsregimen eher zu- als abnehmen. Somit steigt unweigerlich die Deutungsunsicherheit, was nicht zuletzt auf die politisch gewollte Willkür durch die Aufsicht zurückzuführen ist.

NPL Ratio

Definition

Abbildung 2: NPL

Interpretation

Grundsätzlich gilt: je höher, desto schlechter. Bei Vergleichen mit Banken, die in unterschiedlichen Staaten/Jurisdiktionen tätig sind, gilt es, die nationalen Vorschriften zur Klassifizierung notleidender Kredite zu beachten. Ein Beispiel soll dies verdeutlichen: Bei Forderungen, die über 90 Tage fällig sind, ist in einigen Staaten nur der entsprechend überfällige Betrag oder die gesamte Kreditlinie. Ebenso gibt es Staaten, die für bestimmte überfällige Forderungen bereits eine Grenze bei 60 Tagen setzen und somit einen konservativen Ansatz wählen, der jedoch zu einer „Inflationierung“ der ausgewiesenen NPLs führt. Dies kann bei der Berechnung und beim Ausweis zu erheblichen Unterschieden führen und muss daher berücksichtigt werden. Die Nennergröße ist ebenfalls unter länderspezifischen regulatorischen Aspekten zu überprüfen.

Gesamtrentabilität (Return on Average Assets = RoAA)

Definition

Abbildung 3: RoAA

Interpretation

Maßgeblich bei der Analyse dieser Kennzahl ist die Zusammensetzung der Zählergröße, insbesondere auf Basis des Jahresüberschusses und der damit verbundenen Schwächen im Rahmen der bilanzpolitischen Gestaltungsmöglichkeiten. Geht man von dem hypothetischen Fall aus, dass zwei Institute exakt dieselben Rechnungslegungsstandards anwenden, so gilt auch bei dieser Kennzahl grundsätzlich nicht immer je höher, desto besser. Denn wie bei allen Renditekennzahlen spiegelt sich in einer hohen Rendite ein höheres Risiko wider, das entsprechend zu kompensieren ist. Insofern bevorzugt man je nach individueller Risikoaversion Institute mit einer niedrigen, dafür stabilen, Gesamtrentabilität gegenüber solchen mit einer hohen Rendite, die dafür jedoch mit Unsicherheit und Volatilität behaftet sind.

Weitere Anmerkungen:

  • Bei sämtlichen Return-bezogenen Kennzahlen gilt der Grundsatz, dass eine hohe Rendite bzw. Performance nicht selten mit höherem Risiko einhergehen.
  • Daher kommt es auch auf die Ertragsstabilität im Rahmen der Performancemessung sowie die Steigerung von Unternehmenswerten an.

Alternativ zur Gesamtrentabilität wird häufig die Rentabilität der risikogewichteten Aktiva verwendet (Return over Risk Weighted Assets bzw. RoRWA):

Abbildung 4: RoRWA

PRAXISTIPPS

  • Effizienter Einbezug von Marktdaten als Frühwarnindikatoren zum Erkennen von Depot A-Risiken: u. a. Bond-Spread/CDS-Entwicklungen/Aktienkursentwicklung.
  • Aufspüren von bilanziellen Risikokonzentrationen: Kreditnehmer-/Branchen-/Länder-/Ertragskonzentrationen.
  • Analyse außerbilanzieller Risiken: Nachrichtenlage? Drohen Reputationsverluste? Geldwäscherisiken? ESG-Risiken?

 

Beitragsnummer: 81213