Neuer EBA-Richtlinienentwurf zur Kreditvergabe und -überwachung (EBA/CP/2019/04)

Konsultationspapier – Entwurf von Richtlinien für die Vergabe und Überwachung von Krediten

Jürgen Müller, Leitender Berater, vdpConsulting AG[1]

Jürgen Blatz, Bereichsleiter Kreditgeschäft, Finanz Colloquium Heidelberg GmbH

I. Einleitung

Vor dem Hintergrund hoher NPL-Portfolien in der EU beauftragte der Europäische Rat die European Banking Authority (EBA) im Rahmen des Aktionsplanes (Juli 2017) neben den Leitlinien zu „Non Performing Loans“ auch Leitlinien für die Kreditvergabe und Monitoring zu erarbeiten. Die EBA stellte am 19.06.2019 das Papier „Draft Guidelines on loan origination and monitoring“ zur Konsultation (Frist 30.09.2019). Die Veröffentlichung ist zum 30.06.2020 vorgesehen.

Die EBA schlägt in der Konsultation unter Berücksichtigung der Proportionalität und Verbraucherschutzbestimmungen detaillierte Standards für das Risikomanagement, die Prozesse und deren Überwachung vor. Ziel ist, über nachhaltige und solide Kreditvergabestandards und deren Monitoring unter Einbeziehung von Governance-Regelungen eine hohe Kreditqualitität auf Institutsebene sicherzustellen. Die finanzielle Stabilität und Widerstandsfähigkeit des EU-Bankensystems sollen weiter gestärkt werden.

In den Abschnitten vier bis fünf werden die Erwartungen spezifiziert:

  • Abschnitt 4: Governance-Anforderungen

Klarstellung des internen Governance- und Kontrollrahmens für die Kreditgewährung und die Kreditentscheidung auf der Grundlage der Anforderungen der EBA-Leitlinien zur internen Governance

  • Abschnitt 5: Kreditvergabe

Anforderungen an die Informations- und Datenerhebung von Kreditnehmern, Dokumentation und Anforderungen an die Kreditwürdigkeitsprüfung der Kreditnehmer

  • Abschnitt 6: Preisgestaltung

Aufsichtsrechtlichen Erwartungen für die risikobasierte Preisgestaltung von Krediten

  • Abschnitt 7: Kreditsicherheiten

Anforderungen an die Bewertung von unbeweglichen/beweglichen Kreditsicherheiten (ohne finanzielle Sicherheiten) zum Zeitpunkt der Kreditgewährung und die laufende Überwachung.

  • Abschnitt 8: Laufende Überwachung des Kreditrisikos inklusive der Risikofrüherkennung.

 

 

 

 

II. Ausgewählte Aspekte aus dem Richtlinienentwurf

Eine Übersetzung und Bewertung der einzelnen Abschnitte kann für € 39,00 erworben werden. Erhältlich unter info@fc-heidelberg.de

 

III. Fazit

Im Konsultationspapier finden sich viele Regelungen und Anforderungen wieder, die die deutschen Institute aus den MaRisk, zuletzt neugefasst im Oktober 2017, kennen. Es wird der Grundgedanke der Proportionalität aufgegriffen, jedoch finden sich die detaillierten Möglichkeiten zur Nutzung der Öffnungsklauseln gemäß MaRisk so nicht wieder.

Sehr umfänglich wird auf das Thema Governance in Bezug auf die Kreditgewährung und Überwachung eingegangen. Die Anforderungen an die Kreditwürdigkeitsprüfung beschreiben bereits heute gelebte Standards. Betont wird nochmals das Thema Datenintegrität. Hier werden auch künftig weitere Optimierungen erforderlich sein, um jederzeit die notwendigen und korrekten Daten zeitnah ohne manuelle Prozesse zur Verfügung stellen zu können (Stresstests).

Im Bereich der Immobilienbewertung und Überwachung gibt es am Ende des Dokuments umfangreiche Ausführungen, die einer intensiven Bewertung und Prozessbeurteilung zugeführt werden sollten. Interessant ist hier vor allem die Einschätzung, dass die Anwendung von statistischen Modellen im Rahmen der Immobilienbewertung in der Zukunft und unter der Prämisse der validen und transparenten Weiterentwicklung dieser Modelle effizientere Prozesse ermöglichen kann. Aktuell wird hier aber die aufsichtliche Einschätzung transparent, dass die Anwendung statistischer Modelle zum Zeitpunkt der Kreditvergabe zu Mängeln im Risikomanagement führen kann. Daher bleibt es auch weiterhin die Aufgabe des einzelnen Gutachters bzw. Wertermittlers, im Rahmen der Neubewertung die bewertungsrelevanten Parameter herzuleiten, zu begründen und dies nachvollziehbar zu dokumentieren (vgl. entsprechende Anforderungen der BelWertV sowie auch MaRisk). Im Rahmen der Überwachung kann hingegen weiterhin auf statistische Modelle zurückgegriffen werden, sofern die Rahmenbedingungen eingehalten werden.

PRAXISTIPPS

  • Auf Basis des Konsultationspapiers die bestehenden schriftlichen Ordnungen mit der Leitlinie abgleichen und evtl. Gaps ermitteln.
  • Die Leitlinie sieht keine Übergangsfristen vor; insofern bei erkanntem Handlungsbedarf früh in die Umsetzung gehen.
  • Mitarbeiterqualifikationen mit Stellenprofilen abgleichen und ggfs. nachqualifizieren und Aktualität sicherstellen (z. B. Tz. 220 Qualifikation zur Sicherheitenüberprüfung)
  • Prozesse zur Immobilienbewertung und die eingesetzten Tools nochmals screenen. Für Institute, die nach Marktwert bewerten, gelten die Regelungen der Kleindarlehensgrenze nicht und es sind Besonderheiten bei der Bewertung und Überwachung zu beachten (Fortsetzung der alten Aufsichtspraxis).
  • Die weitere Diskussion, insbesondere die Antworten auf das Konsultationspapier, sollten intensiv verfolgt werden.

 

BUCHTIPP

Arbeitsbuch Neue Werthaltigkeits-/PAAR-Prüfungen im Kreditgeschäft, 2019.

 

SEMINARTIPPS

Prozessprüfung Kreditsicherheiten, 06.11.2019, Köln.

Lernende Frühwarnverfahren im Kreditgeschäft, 19.11.2019, Frankfurt/M.

Kredit-Jahrestagung 2019, 20.–21.11.2019, Berlin.

Kreditgeschäft-Prüfungen der Bankenaufsicht, 25.-26.11.2019 in Frankfurt/M.

Kritische Prüfung von Kreditvergabestandards durch die Bankenaufsicht, 28.11.2019 in Frankfurt/M.


Alle Seminare auch als Inhouse-Training buchbar!

 

  1. bis 30.06.2019 Abteilungsdirektor Marktfolge Kredit Grundsatz, DONNER & REUSCHEL AG.

 

Beitragsnummer: 77369

Interpretierbarkeit von Blackbox-Modellen für das Kredit-Scoring



Anwendung aktueller Methoden aus dem Maschinellen Lernen auf bankinterne Verfahren.

Prof. Dr. Gerhard Hellstern, Duale Hochschule Baden-Württemberg, Ravensburg. Davor langjähriger Leiter des Referats Bankgeschäftiche Prüfungen 1 der Deutschen Bundesbank, Hauptverwaltung in Baden-Württemberg. In seine Verantwortung fiel die Durchführung zahlreicher Säule 1 und Säule 2-Prüfungen bei LSI und SI im Rahmen des SSM

I. Einleitung

„Es liegt in der Verantwortung des beaufsichtigten Unternehmens, die Erklärbarkeit/Nachvollziehbarkeit von BDAI[1]-basierten Entscheidungen für sachkundige Dritte zu gewährleisten. Modelle lediglich als Blackbox zu betrachten, sieht die Aufsicht kritisch“[2]. Diese Aussage aus der 2018 veröffentlichten BaFin-Studie zum Thema Big Data und Künstliche Intelligenz beschreibt das Spannungsfeld bei der Anwendung Künstlicher Intelligenz im Finanzbereich treffend. Während auf der einen Seite immer bessere Algorithmen für Prognoseprobleme verfügbar sind, sind deren Anwendung auf der anderen Seite offenbar enge Grenzen gesetzt. Die Finanzaufsicht legt u. a. Wert darauf, dass Entscheidungsvorschläge durch Algorithmen nachvollziehbar und erklärbar bleiben. Vergleichbare Anforderungen an verwendete Algorithmen gibt es auch in anderen Branchen, z. B. im Gesundheitswesen. Es reicht nicht aus, dass ein Algorithmus „funktioniert“, was sich vergleichsweise einfach mittels entsprechender Performance-Maße ermitteln lässt.

Eine Möglichkeit, mit der Anforderung nach Interpretierbarkeit umzugehen, besteht darin, lediglich einfache, ...


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Vom Fachbereichsleiter zum Prozessmanager



Einführung eines prozessorientierten Organisationsmodelles aus der Sicht eines Fachbereichsleiters

Eberhard Mailach, Leiter Kreditsekretariat, Gestaltung von Kreditprozessen, Nassauische Sparkasse

       

I. Neues Denken in den Stäben

1. Ganzheitliche prozessorientierte Sichtweise noch nicht angekommen

Statistisch werden Banken dem Dienstleistungssektor zugerechnet. Als Dienstleister steht man in den Diensten des Kunden und ist selbstverständlich bestrebt, dessen Wünsche bestmöglich umzusetzen. In diesem Sinne sind in den Banken manufakturartige Prozesse entstanden. Es gab zwar ein vordefiniertes Produktportfolio, dessen Bestandteile jedoch sehr individuell für den jeweiligen Kunden zusammengestellt und variiert wurden. Willige Menschen in den Instituten haben diese Kompositionen dann teilweise auch unter weiter Ausdehnung der technischen Möglichkeiten umgesetzt.

Auch in den Stäben war das Denken in Manufakturstrukturen an der Tagesordnung. Es gab klare Abgrenzungen. Die Organisation organisiert die Aufbau- und Ablauforganisation. Fachbereiche lieferten zu den definierten Arbeitsabläufen den fachlichen Input und griffen damit soweit notwendig mehr oder weniger stark in die Arbeit der Organisation ein. Die Themen Betriebssicherheit, Datenschutz und IT waren jeweils separaten Fachbereichen bzw. Beauftragten zugeordnet, die diese Aspekte letztlich losgelöst von den Produktionsprozessen gesamthausweit regelten. Für ...


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Prüfung von Rating-Prozessen



Aktuelle Prüfungsansätze aufgrund von Erkenntnissen und Erfahrungen aus internen und externen Prüfungen von Rating-Verfahren in Sparkassen.

Bettina Hermes, Sparkassen-Betriebswirtin, Abteilung Kreditrevision, Sparkasse Essen.

I. Einleitung

Da die Risikoklassifizierungsverfahren (RKV) die wesentliche Grundlage zur Beurteilung des Adressenausfallrisikos bilden, werden sie regelmäßig sowohl von der internen Revision als auch von externen Prüfern einer System- oder Funktionsprüfung unterzogen.

Daneben stellen sie die Basis für eine Vielzahl von weiteren sich hieraus ableitenden Prozessen und Handlungen dar, z. B. für

  • Kreditkompetenzen
  • Risikoadjustierte Bepreisung
  • Risikofrüherkennungssystem
  • Sonstige Bearbeitungsprozesse im Kreditgeschäft

Aufgrund der in der Sparkasse Essen eingesetzten vielseitigen Risikoklassifizierungsverfahren von Standard Rating und Immobiliengeschäftsrating über KundenKompaktRating für kleinere Geschäftskunden zum KundenScoring für Privatkunden, ist eine umfangreiche Rating-Landkarte implementiert. Zusätzlich werden alle Leasinggesellschaften und auch große Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 250 Mio. € oder Schuldscheindarlehen über ein entsprechendes Tool der RSU GmbH (Rating System Unit) geratet. Externe Ratingnoten werden nicht genutzt.

Zur Zuordnung der Kunden zu dem zutreffenden Risikoklassifizierungsverfahren ist der Risikoverfahrensschalter geschaffen worden. Mit Hilfe der entsprechenden Schalterstellungen werden die Kunden für eine bestimmte Risikoeinstufung selektiert.

Wer nun wen wann zu raten hat, sollte in den Organisationsrichtlinien geregelt sein. Doch die ...


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Einheitenbildung im Wandel



Neue Herausforderungen aufgrund der Änderungen im Millionenkreditmeldewesen, der GroMiKV und der BaFin mit dem Fokus auf die Zusammenfassung von GvKs aufgrund von Kontrolle und wirtschaftlicher Abhängigkeit.

Caroline Klausch, Referentin im Kreditmanagement, Berliner Volksbank eG

I. Neue Herausforderungen

Stillstand gibt es auch im Jahr 2019 für die Verantwortlichen im Kreditmeldewesen nicht. Seit dem 01.01.2019 gilt für die Millionenkreditmeldung der erweiterte Kreditbegriff, was im 1. Quartal 2019 bei den Instituten zu einem erheblichen Mehraufwand bei der Einreichung von Einzelanzeigen (Stammdaten-/Kreditdatenmeldung) gegenüber der Bundesbank führte. Somit fallen ab sofort folgende Positionen ebenfalls unter die Kreditdefinition:

  • Kreditzusagen
  • Anteile an verbundenen Unternehmen unabhängig von ihrem Bilanzausweis (inkl. Aktien)
  • Wertpapiere des Handelsbestandes – Achtung Durchschaupflichten bei Anlageprodukten beachten.

Beachten Sie auch in dem Zusammenhang, dass im März 2019 die neue meldetechnische Durchführungsbestimmung für die Abgabe der Großkreditanzeigen nach Art. 394 CRR und der Millionenkreditanzeigen nach § 14 KWG in der Version 2.1 auf der Homepage der Deutschen Bundesbank veröffentlicht worden ist.[1]

Am 27.02.2019 ist die zweite Verordnung zur Änderung der GroMiKV im Bundesgesetzblatt veröffentlicht worden. Digitalisierung wird nun auch bei der Bundesanstalt spürbar. Die Deutsche Bundesbank schafft die Voraussetzungen für eine elektronische Stammdateneinreichung. ...


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Bankbilanzen – Worauf es bei der Analyse ankommt

Dr. Thomas Kohlhase, Senior Credit Analyst, Fixed Income, Talanx Asset Management GmbH

Aktuelle Entwicklungen – Bankenrestrukturierung in Europa noch nicht abgeschlossen

Mehr als ein Jahrzehnt nach Ausbruch der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise und dem anschließend eingeleiteten Paradigmenwechsel ist der Restrukturierungsprozess der europäischen Banken fortgeschritten, aber immer noch nicht abgeschlossen. Vor allem der branchenweite Kapitalaufbau hat die Risikotragfähigkeit der meisten Banken verbessert. Zuletzt hat die EZB im Herbst 2018 ihr größtes geldpolitisches Experiment, das mehrere Billionen umfassende Anleiheankaufprogramm, beendet. Dennoch ist aufgrund eines fragilen Konjunkturausblicks und anhaltender Rezessionssorgen die von vielen Banken erwartete Zinswende nicht in Aussicht.

SEMINARTIPPS

Analyse der zukünftigen Kapitaldienstfähigkeit, 07.10.2019, Frankfurt/M.

Analyse von Bankbilanzen, 04.11.2019, Wiesbaden.

Kredit-Jahrestagung 2019, 20.–21.11.2019, Berlin.

Südeuropäische Institute sind teilweise und trotz Sanierungsfortschritten immer noch mit der Bewältigung von Altlasten beschäftigt, deutschsprachige Institute leiden unter hohen Kostenquoten, hartem Wettbewerb und niedrigen Zinsmargen, der britische Bankensektor blickt immer noch gebannt auf einen möglichen Brexit und einige skandinavische Institute haben infolge von Geldwäscheskandalen an Reputation eingebüßt. Über allen stehen zudem geopolitische Unsicherheiten (Handelskonflikt, Populismus etc.) und massive Herausforderungen durch Digitalisierung, neue Wettbewerber und einem sich verändernden Kundenverhalten. Demgegenüber strotzen die Banken jenseits des Atlantiks vor Kraft. Ein simpler Vergleich zeigt die Kräfteverhältnisse: die beiden größten US-Institute haben in den ersten drei Monaten des Jahres 2019 so viel Gewinn erwirtschaftet, wie der gesamte deutsche Bankensektor aggregiert im Jahr 2018. Auch wenn sich die Ergebnisse europäischer Banken zuletzt auf einem positiven Pfad befanden, so zeigt ein Blick hinter die Zahlen, dass viele Institute einen Gutteil ihrer Erträge nur der Auflösung von Risikorückstellungen zu verdanken haben und weniger ihrem Kerngeschäft. Die Nachhaltigkeit der Gewinnerzielung und auch der Geschäftsmodelle dürfte somit bei einigen Instituten weiter in Frage stehen.

Verlustbeteiligung von Gläubigern ist Realität

In diesem Kontext ist zu beachten, dass die europäische Bankenabwicklungsrichtlinie zwischenzeitlich erstmals zum Tragen gekommen ist. Die bis dato sechst größte spanische Bank (Banco Popolar) wurde Anfang Juni 2017 von der EZB bzw. der Bankenabwicklungsbehörde SRB (Single Resolution Board) aus Liquiditätsgründen für abwicklungsreif erklärt. Aktionäre und auch Gläubiger nachrangiger Schuldinstrumente wurden an der Abwicklung beteiligt. Damit ist bei Bankenschieflagen der Gläubiger Bail-In de facto Realität.

BUCHTIPP

Denter/Eckhardt, Bankbilanzen verstehen und einsetzen, 2017.

 

 

Der Bankensektor bleibt eine der am höchsten regulierten Branchen in den freien Marktwirtschaften. Die herausragende Rolle von Banken als Finanzintermediäre, die in modernen Volkswirtschaften einen effizienten Transaktionsaustausch gewährleisten sollen, wird parallel durch den zum Teil disruptiven Digitalisierungsprozess und das Aufkommen neuer Konkurrenten bedroht. Die andere Megaherausforderung, mit der Banken konfrontiert sind, stellt das oben skizzierte Niedrigzinsumfeld dar. Dieses hat zu einem Abschmelzen der Nettozinserträge, der für die meisten Banken wichtigsten Ertragsquelle geführt und die Generierung von Erträgen aus Fristentransformation nahezu zum Erliegen gebracht. Der daraus resultierende Druck, die Kosten und organisatorischen Strukturen anzupassen, ist bei vielen Instituten in Gang gekommen, aber oftmals steht ein schmerzhafter Weg noch bevor. In diesem dynamischen Umfeld sind die Anforderungen an Berichterstattung und Transparenz von Banken ebenfalls rasant gestiegen. Regelmäßig werden Banken von unterschiedlichen Aufsichtsbehörden, Ratingagenturen und anderen Finanzmarktteilnehmern umfassend analysiert und in diversen Rankings/Stresstests publizitätsträchtig eingestuft. Dennoch sollten auch andere Stakeholder als vielleicht noch Bankvorstände und professionelle Investoren in der Lage sein, die gewachsene Komplexität von Bankbilanzen richtig zu lesen und unabhängig zu interpretieren.

Geschäftsmodell- und Bilanzanalyse als Basis der Bonitätseinstufung

Die professionelle Bankbilanzanalyse umfasst eine Mikro– und eine Makroperspektive. Zu den relevanten Mikrofaktoren zählen die Geschäftsmodellanalyse und die quantitative Analyse der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage (VFE) einer Bank.

INHOUSETIPP

Analyse von Bankbilanzen.

 

 

Die Geschäftsmodellanalyse bildet den Ausgangspunkt, da sich die geschäftspolitische Ausrichtung einer Bank auch in deren VFE-Lage typischerweise widerspiegeln sollte. Das Erkennen von Abweichungen kann helfen, frühzeitig Risiken aufzudecken. Zum Beispiel erwartet man von einer Retailbank, dass diese sich primär über (stabile) Einlagen refinanziert, während sich Hypothekenbanken schwerpunktmäßig über Pfandbriefe refinanzieren. Dabei sollte der Anteil von traditionell volatileren Handelserträgen aus dem Wertpapierportfolio an den Gesamterträgen bei diesen Banktypen deutlich geringer ausfallen, als bei Investmentbanken. Mit dem von US-Aufsichtsbehörden entwickelten CAMELS-Rating-Ansatz für Banken, der in der Praxis seit Jahren ein weitverbreitetes Konzept darstellt, lässt sich eine strukturierte Bankbilanzanalyse in sechs Stufen vornehmen.

Diese Stufen umfassen:

  1. Kapitalausstattung und Struktur der Verbindlichkeiten (C = Capital Adequacy)
  2. Ausfallrisiko der außenstehenden Kredite und sonstigen Aktiva (A = Asset Quality)
  3. Kompetenz, Integrität und die Bereitschaft der Geschäftsleitung, Regulierungsvorschriften zu befolgen (M = Management)
  4. die Beurteilung der Ertragslage und Profitabilität (E = Earnings)
  5. die Beurteilung der Liquiditätslage (L = Liquidity)
  6. die Beurteilung der Empfindlichkeit gegenüber Marktpreisschwankungen bzw. die Marktrisikoanfälligkeit einer Bank (S = Sensitivity to market risks).

Die Analyse der sechs CAMELS-Bestandteile erfolgt jedoch nicht isoliert. Vielmehr bestehen vielfältige Interdependenzen zwischen den einzelnen Stufen. Im Rahmen der Analyse von Aktiva und Passiva gilt es, Fristentransformationsprobleme aufzudecken (Asset-Liability-Mismatch), die durch das Bilanzstrukturmanagement determiniert sind. Aus derartigen Laufzeitinkongruenzen ergeben sich Interdependenzen zu anderen Parametern des CAMELS-Rating. So können Ertragsprobleme auftreten, wenn eine Bank Fristentransformation betreibt und durch sich ändernde Zinssätze gezwungen wird, Kredite billiger als geplant auszureichen oder für Einlagen mehr als geplant zu zahlen (Zinsänderungsrisiko). Mit Hilfe weniger Top-Kennzahlen lassen sich im Wettbewerbs- und Zeitvergleich Trends und Risikopotentiale aufdecken.

Die Bilanzanalyse sollte zudem mit dem Aufspüren von Risikokonzentrationen (z. B. durch Segmentierung der Umsätze, des Kredit- und Wertpapierportfolios und Clustermethoden) sowie einfacher Strukturdatenanalysen ergänzt werden, um der ohnehin gewachsenen Komplexität effektiv entgegen zu wirken. Nicht fehlen darf in Zeiten umfassender Bail-In sowie Abwicklungs- und Sanierungsregulierungen eine abschließende Kapitalstrukturanalyse.

Anhaltende Verflechtungen von Banken und Staat – Die gesamtwirtschaftliche Analyse

Im Rahmen der Makroperspektive spielen das regulatorische, das wettbewerbliche- und das volkswirtschaftliche Umfeld eine zentrale Rolle. Da Banken nicht selten die jeweils geographische Wirtschaftsstruktur ihres Umfeldes abbilden (z. B. reflektieren lokal agierende Institute die Wirtschaftsstruktur ihrer Stadt/ihres Landkreises wieder). Bewegt man sich im internationalen Rahmen, ist eine Einstufung des jeweiligen Länderrisikos unverzichtbar. Denn die Verflechtungen zwischen Banken und ihrem jeweiligen Heimatland determinieren in entscheidendem Ausmaß die Gesamtbonität einer Bank. Neben dem institutionellen und politischen System spielt die gesamtwirtschaftliche Lage (z. B. Beschäftigungsentwicklung, Verschuldung privater Haushalte, Robustheit des Unternehmenssektors) eines Landes eine erhebliche Rolle im Hinblick auf die Qualität der Aktiva. In diesem Kontext ist zu beachten, dass heimische Banken oft zu den größten Gläubigern ihres Staates zählen. Des Weiteren können aus der Länderanalyse Erkenntnisse zur grundsätzlichen Stützungsfähigkeit des Staates getroffen werden, um als lender of last resort zu intervenieren. Neben der Stützungsfähigkeit spielt die Unterstützungsbereitschaft (Bail-Out-Politik) eine Rolle. Mit der Einführung der Bankenabwicklungs- und Sanierungsrichtlinie (BRRD) in der EU als Antwort auf die durch die Lehman Krise 2008 ausgelöste Too-Big-Too-Fail-Problematik müssen Gläubiger (von Anleihen und auch Einlagen) jedoch nunmehr damit rechnen, an Verlusten zu partizipieren. Daher ist die Analyse der länderspezifischen Regulierung unabdingbar. Unterschiedliche Kapitalanforderungen auf globaler (TLAC) oder europäischer Ebene (MREL/SREP) sind bei der Analyse daher ebenfalls zu berücksichtigen.

PRAXISTIPPS

  • Effizienter Einbezug von Marktdaten als Frühwarnindikatoren zum Erkennen von Depot A-Risiken: u. a. Bond-Spread/CDS-Entwicklungen/Aktienkursentwicklung.
  • Aufspüren von bilanziellen Risikokonzentrationen: Kreditnehmer-/Branchen-/Ertragskonzentrationen.
  • Analyse außerbilanzieller Risiken: Nachrichtenlage? Drohen Reputationsverluste?

 

Beitragsnummer: 73315

Unterschiede interner und externer Ratings



Andreas Münster, Analyst Risikotragfähigkeit, VON ESSEN BANK GmbH.

       

Geschichtliche Entwicklung, Funktionsweise und Unterschiede interner und externer (Unternehmens)Ratings.

I. Grundlagen

Spätestens seit der Finanzmarkt- und anschließender Staatsschuldenkrise (Griechenland & Co.) hatte wohl jeder schon einmal Berührung mit dem Thema Rating und den „geheimnisvollen“ Buchstabenkürzeln. Aber was genau steckt hinter der „Black Box“ Rating, wie kommen diese Noten zustande und was sagen sie aus?

Eingeführt wurde das Thema Rating im Jahr 2004 von dem Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (Basle Committee for banking supervision, kurz BCBS). Dieser Ausschuss ist das weltweit bedeutenste Forum für Bankenaufsicht, angesiedelt bei der Bank für internationalen Zahlungsausgleich, kurz BIZ, in Basel (Schweiz).

Im Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht, dem aktuell Vertreter der nationalen Zentralbanken und Aufsichtsbehörden aus 28 Jurisdiktionen angehören, wird Europa durch die EU-Kommission,

die EZB, EBA und Deutschland durch die Bundesbank und die BaFin vertreten[1].

Die Baseler Rahmenwerke werden der Einfachheit halber durchnummeriert (Basel I: 1988,

Basel II: 2004, Basel III: 2010, Finalisierung von

Basel III auch tituliert als „Basel IV“: 2017)

Kundenbilanzen zielsicher verstehen und interpretieren



Christoph Hoeren, Senior Risk Manager, KfW DEG Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH.

I. Strukturierter Ansatz als Grundlage

Die Analyse und Rating- bzw. Bonitätsfestlegung anhand von Jahresabschlüssen bei Firmenkunden hat nach wie vor eine hohe Bedeutung. Im Rahmen der Digitalisierung können auch Elemente aus der Unternehmensanalyse automatisiert und effizienter gestaltet werden. Gleichwohl ist bei jeder Implementierung von Digitalisierungs- bzw. Automatisierungsprozessen abzuwägen, bis zu welchem Grad auf eine qualitative manuelle Sichtung und Analyse von Jahresabschlüssen verzichtet werden kann. Ferner sind Leitfäden für eine zielgerichtete Jahresabschlussanalyse auch vor dem Hintergrund von Aufgabenveränderungen für Mitarbeiter in der Kreditabteilung wichtig geworden, um ein möglichst einheitliches Verständnis innerhalb eines Instituts zur Jahresabschlussanalyse sicherzustellen.

Vor diesem Hintergrund kommt es auf die Etablierung bzw. Sicherstellung eines strukturierten Ansatzes an, der sich auf die wesentlichsten Prüfschritte bezieht. Die größte Herausforderung liegt darin, die Vernetzung bzw. Verbindung von bestimmten Prüfungsergebnissen mit anderen Fragestellungen zu erkennen.

II. Qualitative Jahresabschlussanalyse

Idealtypisch könnte sich der Prozess der (qualitativen) Jahresabschlussanalyse wie folgt darstellen:

1. Erfassung der Rechtsform und deren Auswirkungen

Die Klassifizierung nach Kapitalgesellschaft und Personengesellschaft sowie deren Größenklassen nach HGB/PublG sind ganz entscheidend für den Umfang und den Inhalt eines Jahresabschlusses. Es ...


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Schlüsselkontrollen in Kreditprozessen

Gisela Conrads, Leiterin Interne Revision, Münchener Hypothekenbank eG

Die Definition der Schlüsselkontrolle beschränkte sich lange Zeit im Wesentlichen auf die Beurteilung der Wirksamkeit des IKS für die Rechnungslegung. Aufgrund erweiterter aufsichtsrechtlicher und gesetzlicher Anforderungen (u. a. MaRisk AT 4.4 und BT 2; § 25a Abs. 1 KWG, EBA Guidelines) erlangte die „Schlüsselkontrolle“ in den letzten Jahren eine neue Bedeutung für die Überwachung des gesamten Unternehmens und hielt Einzug in den Sprachgebrauch aller Internen Kontrollsysteme. Die in § 25a KWG geregelten organisatorischen Pflichten betonen, dass die Geschäftsleitung des Instituts für die ordnungsgemäße Geschäftsorganisation verantwortlich ist. Hierzu zählen ein angemessenes und wirksames Risikomanagement sowie die Einrichtung Interner Kontrollverfahren.

Kontrollen sind i. d. R.:

  • 4-Augen-Prinzip (z. B. Kompetenzen)
  • Einzelkontrollen (z. B. Stichproben)
  • Systemkontrollen (z. B. Plausibilitätskontrollen).

Wenn man der Frage nachgeht, um welche Kontrolle es sich bei der Schlüsselkontrolle handelt, wird man schnell feststellen, dass es sich nicht um eine neue Art der Kontrolle handelt.

Die Schlüsselkontrolle definiert Kontrollziele für einzelne Risiken (inkl. der operativen Strategieeinhaltung) und erfüllt aufsichtsrechtliche bzw. gesetzliche Anforderungen, ohne dass aktuell eine einheitliche Definition des Begriffs „Schlüsselkontrolle“ im Gesetz oder Aufsichtsrecht vorgegeben wird. Schlüsselkontrollen zeichnen sich daher durch ihre besondere Rolle innerhalb eines Prozesses aus und sollen dazu beitragen, unter Kosten-Nutzen-Aspekten wesentliche Risiken zu vermeiden, vermindern oder aufdecken. Dabei können der maßgeblichen Schlüsselkontrolle auch mehrere Einzelkontrollen vorausgehen. Schlüsselkontrollen sind individuell für jedes Geschäftsmodell festzulegen und in strukturierter Form zu überwachen.

Um entsprechende Schlüsselkontrollen implementieren zu können, ist eine Zerlegung aller Geschäftsprozesse in Teilprozesse sowie eine Bewertung der einzelnen Prozesse erforderlich. Die Bewertung der Prozesse und möglicher Kontrollen sollte dabei unternehmensabhängig in Einklang mit den erwarteten Risiken und den für die Kontrollen entstehenden Kosten stehen. Nicht jede teure Kontrolle vermindert auch hohe Risiken.

Auch aus den Anforderungen der „Leitlinien zum einheitlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozesses (SREP)“ geht das Erfordernis, Schlüsselkontrollen zu implementieren, hervor. Die demnach erwartete Re-Kalibrierung des Internen Kontrollsystems auf Basis von Schlüsselkontrollen, wonach das Interne Kontrollsystem auf das ganze Institut auszuweiten und die Prozesse entsprechend zu überwachen sind, betrifft auch die Überwachung der „Risikokultur“. Eine nicht vorhandene oder nicht gelebte Risikokultur kann zu strategisch nicht gewünschten Risikobeiträgen, hohen Kosten bzw. Verlusten führen. Nach Ansicht der Autorin sollten die Institute daher auch „Schlüsselkontrollen“ zur Überwachung einer Risikokultur implementieren, um einen angemessenen Nachweis über die zugrunde liegenden Faktoren und deren Wirksamkeit erbringen zu können. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Geschäftsleitung die eingangs erwähnte Verantwortung für die ordnungsgemäße Geschäftsorganisation ernst nimmt.

 

 

 

SEMINARTIPPS

Schlüsselkontrollen Spezial: Kreditprozesse, 09.10.2019, Berlin.
IKS-Prüfungen durch die Bundesbank, 06.11.2019, Hamburg.

IKS Kompakt: Aufbau & Prüfung von Schlüsselkontrollen, 20.11.2019, Berlin.
Prozessorientierte Schlüsselkontrollen im Fokus der Aufsicht, 03.12.2019, Frankfurt/M.

Zunächst muss sichergestellt werden, dass unter Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkten erforderliche Kontrollen nicht nur vorhanden sind, sondern in die bestehenden Prozesse integriert wurden und in der Organisation bekannt sind. Die Funktionsfähigkeit dieser Kontrollen ist durch die Interne Revision regelmäßig zu überprüfen. Da die Prüfung der Schlüsselkontrollen eine neue Prüfungsmethodik darstellt, bedeutet dies für die Interne Revision des Unternehmens eine Anpassung der risikoorientierten Prüfungsplanung sowie der Prüfungsansätze.

PRAXISTIPPS

  • Grundlage für funktionsfähige Schlüsselkontrollen ist die Schaffung eines einheitlichen Grundverständnisses für die Themen “Prozess” und “Detailtiefe der Prozessschritte”.
  • Klare Schnittstellen und Service Level Agreements sind als Grundlage verlässlicher (erwarteter) Qualität erforderlich.
  • Kommunikation von „Schlüsselkontrollen“.
  • So viel wie nötig, so wenig wie möglich – die Kontrollergebnisse müssen auch beachtet werden.
  • Bei der Implementierung der Schlüsselkontrollen ist der Kosten-Nutzeneffekt zu beachten.
  • Die Implementierung einer angemessen Risikokultur kann mittels entsprechender „Schlüsselkontrollen“ nachgewiesen werden.

 

Beitragsnummer: 70925

 

Nutzung von Parametern aus der Verlustschätzung als Querschnittsaufgabe

Eine Herausforderung für KSA-Institute

Dr. Konstantin Glombek, Senior Referent Adressrisikosteuerung, Bereich Betriebswirtschaft und Regulatorik, Bank für Sozialwirtschaft AG

Verlustdatenbanken als Kommunikationsaufgabe

Nicht zuletzt durch die aktuelle MaRisk-Novelle ist die methodische und prozessuale Ausgestaltung von Datenbanken zur systematischen Erfassung von Ergebnissen aus der Abwicklung und der Verwertung auch in den Fokus kleinerer Institute gerückt. Häufig kollidieren dabei verschiedene Interessen: Während die Abwicklungsabteilung an schlanken Abläufen interessiert ist, möchte das Risikocontrolling eine möglichst exakte Erfassung von Zahlungen gewährleistet wissen. Für die Auflösung solcher Konflikte ist es hilfreich, wenn bei allen beteiligten Abteilungen (neben den bereits genannten auch eine Prozess- und eine IT-Instanz) ein grundsätzliches Verständnis sowohl über die möglichen Erfassungen in der Abwicklung als auch die Parameterschätzungen für das Risikocontrolling gewährleistet ist. Die Eignung der Datenbank und ihrer Daten selbst muss dabei stets Gegenstand einer regelmäßigen Validierung sein, deren Ergebnisse allen Beteiligten offen zu legen sind. Als weiterer Bestandteil ist der Nutzen einer Verlustdank klar zu kommunizieren: Valide Quoten zu Einbringungen sowie Rückflüssen aus Sicherheiten erlauben sowohl eine konkurrenzfähige Darlehensbepreisung auf einer risiko-adjustierten Basis als auch eine nicht zu konservative Adressrisikomessung in einem Kreditportfoliomodell.

Nutzen externer Dienstleister

Ein weiterer Pfeiler bei der Analyse von Verlustdaten sind Vergleiche mit den Ergebnissen aus Datenpools, welche in der Regel über einen externen Dienstleister erhalten werden können. Solche Vergleiche erlauben Aussagen über die angemessene Verwendung von Pool-Parametern, aber auch die Identifikation von eigenen prozessualen Besonderheiten (z. B. Nutzung von abweichenden Bagatellgrenzen). Für die Einordnung von Institutseigenen Parametern sind solche Analysen von großer Bedeutung, um nicht zuletzt Ergebnisse aus geringen Fallzahlen angemessen würdigen zu können.

Entscheidet man sich dabei für die Nutzung von Pool-Parametern, steht stets die Frage nach der Repräsentativität dieser Parameter für das eigene Haus im Vordergrund. Die Beantwortung dieser Frage kann in der Regel nicht nur nach strengen quantitativen Analysen, sondern auch nach qualitativen Aspekten erfolgen. Grundsätzlich ist dabei zu begründen, warum die Prozesse zur Entstehung der Pooldaten (z. B. die Ausfallerkennung oder das Beitreibungsniveau) vergleichbar mit denjenigen des eigenen Hauses sind. Hier geben die Validierungsberichte der Dienstleister oftmals wertvolle Analysen, welche man mit entsprechenden eigenen Ergebnissen vergleichen kann. Weiter sind die eigenen Erfassungsprozesse zu Ausfällen und Verwertungen auf die Vorgaben des Dienstleisters abzustimmen. Die Auswertung von Datenqualitätsberichten und begleitenden Dokumenten des Dienstleisters können so insgesamt zu einem angemessenen Nachweis der Repräsentativität führen.

Analyse der Validierungsergebnisse von Verlust-Parametern

Die Entscheidung über die Verwendung bestimmter Parameter (Verwertungs- und Einbringungsquoten) bedingt auch Kenntnisse über deren Validierung. Dabei sind oftmals Ergebnisse bzgl. Pool- und institutseigener Parameter gegenüber zu stellen. Folgende Fragen können dabei von Interesse sein:

  • Wie stabil sind die jeweiligen Quoten geschätzt? Welche Sicherheitsabschläge sind in der Quotenbestimmung enthalten, um etwaigen Schätzunsicherheiten begegnen zu können?
  • Gibt es Verzerrungen in den Quoten (z. B. eine überproportional große Menge von Fällen mit kürzeren Verwertungsdauern oder besondere konjunkturelle Einflüsse)?
  • Wie trennscharf sind die Quoten segmentiert? Wie sinnvoll sind entsprechende Risikofaktoren gewählt?

Diese Punkte sollen nur einen Überblick geben und stellen keine abschließende Aufzählung dar.

 

 

 

Die ersten beiden Fragen zielen auf die Genauigkeit der Schätzung von Quoten ab. Ausreißer in den Daten sind hier oftmals zu analysieren und in der Regel über erhöhte Standardabweichungen oder größere Konfidenzintervalle der Quotenschätzung festzustellen. Ausreißer sind dabei nicht kategorisch auszusteuern, sondern durch eine geeignete Segmentierung gesondert zu betrachten.

Weiter ist immer der Prozess der Datenentstehung mit der Realität im Institut abzugleichen. Hierbei ist zunächst auf die vollumfängliche Abbildung eines Konjunkturzyklus zu achten. Die Analyse von Quoten auf Jahresbasis kann hier Unterschiede in den Quoten nach unterschiedlichen Konjunktur-Phasen aufzeigen. Zu untersuchen ist dann, ob ein Mittelwert über den gesamten Datenbestand auch unter schlechteren Konjunkturbedingungen angemessen ist. Gegebenenfalls sind hier geeignete Abschläge für Rezessionsjahre festzulegen.

Ein wesentlicher Punkt bei Verwertungen sind Fälle mit kürzeren Verwertungsdauern (d. h. weniger als zwei Jahre). Solche Fälle zeichnen sich oft durch höhere Quoten als Fälle mit längeren Verwertungsdauern aus. Zu klären ist somit, ob es auch ausreichend Fälle mit längeren Verwertungsdauern im Datenbestand der zu verwendenden Quoten gibt. Dies kann durch Vergleiche mit Pooldaten erfolgen, welche im Gegensatz zu Institutsdaten über ausreichend viele solcher Fälle verfügen können.

Die letzte Frage zielt auf die gezielte Unterscheidung von Quoten nach bestimmten Segmenten ab. Eine wohlbekannte Unterscheidung in KSA-Instituten ist die Aufteilung von Beleihungssätzen nach wohnwirtschaftlichen und gewerblichen Immobilien. Solche Differenzierungen können im Kontext von Verwertungs- und Einbringungsquoten eine deutliche Verfeinerung erfahren und durch geeignete Trennschärfe-Untersuchungen analysiert werden.

FAZIT UND PRAXISTIPPS

  • Kommunizieren Sie das Datenmodell Ihrer Verlustdatenbank ausreichend an alle beteiligten Abteilungen!
  • Verlieren Sie bei der Erfassung von Verwertungen und Abwicklungen nicht den Blick auf das Wesentliche. Nicht jeder Fall kann sinnvoll erfasst werden. Allerdings muss das verwendete Datenmodell alle vorkommenden wesentlichen Fälle erfassen können, was in einer regelmäßigen Validierung zu untersuchen ist.
  • Kleinere Institute sollten die Ergebnisse externer Dienstleister (z. B. diejenigen des eigenen Verbandes) nutzen. Eigene Schätzungen sind oftmals nur indikativ und nicht stabil. Externe Dienstleister verfügen oftmals über das bessere methodische Wissen und über die Ressourcen, aufsichtliche Anforderungen umsetzen zu können.
  • Die angemessene Wahl von Verwertungs- und Einbringungsquoten ist eine umfangreiche Aufgabe und mindestens jährlich zu validieren. Nehmen Sie sich Zeit für alle wesentlichen Analysen und dokumentieren Sie diese ausreichend.
  • Die EBA hat jüngst für IRBA-Institute (EBA/GL/2017/16, „Leitlinien für die PD-Schätzung, die LGD-Schätzung und die Behandlung von ausgefallenen Risikopositionen“) die aufsichtlichen Anforderungen an Verlustdatenbanken konkretisiert. Auch KSA-Institute sollten sich mit diesen Anforderungen vertraut machen, da diese entsprechend auf kleinere Institute ausstrahlen können.

SEMINARTIPPS

Kreditrisikosteuerung Aktuell, 23.09.2019, Frankfurt/M.

Schlanke § 18 KWG-Prozesse, 24.09.2019, Frankfurt/M.

OpRisk: MaRisk-Vorgaben und neuer Standardansatz, 25.09.2019, Frankfurt/M.

Auf-/Ausbau hauseigener Verwertungsdatenbanken & Erlösquotensammlungen, 26.09.2019, Frankfurt/M.

Prüfung Frühwarnverfahren, 08.10.2019, Frankfurt/M.

 

Beitragsnummer: 70543