Unterschiede interner und externer Ratings

Andreas Münster, Analyst Risikotragfähigkeit, VON ESSEN BANK GmbH.

       

Geschichtliche Entwicklung, Funktionsweise und Unterschiede interner und externer (Unternehmens)Ratings.

I. Grundlagen

Spätestens seit der Finanzmarkt- und anschließender Staatsschuldenkrise (Griechenland & Co.) hatte wohl jeder schon einmal Berührung mit dem Thema Rating und den „geheimnisvollen“ Buchstabenkürzeln. Aber was genau steckt hinter der „Black Box“ Rating, wie kommen diese Noten zustande und was sagen sie aus?

Eingeführt wurde das Thema Rating im Jahr 2004 von dem Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (Basle Committee for banking supervision, kurz BCBS). Dieser Ausschuss ist das weltweit bedeutenste Forum für Bankenaufsicht, angesiedelt bei der Bank für internationalen Zahlungsausgleich, kurz BIZ, in Basel (Schweiz).

Im Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht, dem aktuell Vertreter der nationalen Zentralbanken und Aufsichtsbehörden aus 28 Jurisdiktionen angehören, wird Europa durch die EU-Kommission,

die EZB, EBA und Deutschland durch die Bundesbank und die BaFin vertreten[1].

Die Baseler Rahmenwerke werden der Einfachheit halber durchnummeriert (Basel I: 1988,

Basel II: 2004, Basel III: 2010, Finalisierung von

Basel III auch tituliert als „Basel IV“: 2017)

Kundenbilanzen zielsicher verstehen und interpretieren

Christoph Hoeren, Senior Risk Manager, KfW DEG Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH.

I. Strukturierter Ansatz als Grundlage

Die Analyse und Rating- bzw. Bonitätsfestlegung anhand von Jahresabschlüssen bei Firmenkunden hat nach wie vor eine hohe Bedeutung. Im Rahmen der Digitalisierung können auch Elemente aus der Unternehmensanalyse automatisiert und effizienter gestaltet werden. Gleichwohl ist bei jeder Implementierung von Digitalisierungs- bzw. Automatisierungsprozessen abzuwägen, bis zu welchem Grad auf eine qualitative manuelle Sichtung und Analyse von Jahresabschlüssen verzichtet werden kann. Ferner sind Leitfäden für eine zielgerichtete Jahresabschlussanalyse auch vor dem Hintergrund von Aufgabenveränderungen für Mitarbeiter in der Kreditabteilung wichtig geworden, um ein möglichst einheitliches Verständnis innerhalb eines Instituts zur Jahresabschlussanalyse sicherzustellen.

Vor diesem Hintergrund kommt es auf die Etablierung bzw. Sicherstellung eines strukturierten Ansatzes an, der sich auf die wesentlichsten Prüfschritte bezieht. Die größte Herausforderung liegt darin, die Vernetzung bzw. Verbindung von bestimmten Prüfungsergebnissen mit anderen Fragestellungen zu erkennen.

II. Qualitative Jahresabschlussanalyse

Idealtypisch könnte sich der Prozess der (qualitativen) Jahresabschlussanalyse wie folgt darstellen:

1. Erfassung der Rechtsform und deren Auswirkungen

Die Klassifizierung nach Kapitalgesellschaft und Personengesellschaft sowie deren Größenklassen nach HGB/PublG sind ganz entscheidend für den Umfang und den Inhalt eines Jahresabschlusses. Es ...


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Schlüsselkontrollen in Kreditprozessen

Gisela Conrads, Leiterin Interne Revision, Münchener Hypothekenbank eG

Die Definition der Schlüsselkontrolle beschränkte sich lange Zeit im Wesentlichen auf die Beurteilung der Wirksamkeit des IKS für die Rechnungslegung. Aufgrund erweiterter aufsichtsrechtlicher und gesetzlicher Anforderungen (u. a. MaRisk AT 4.4 und BT 2; § 25a Abs. 1 KWG, EBA Guidelines) erlangte die „Schlüsselkontrolle“ in den letzten Jahren eine neue Bedeutung für die Überwachung des gesamten Unternehmens und hielt Einzug in den Sprachgebrauch aller Internen Kontrollsysteme. Die in § 25a KWG geregelten organisatorischen Pflichten betonen, dass die Geschäftsleitung des Instituts für die ordnungsgemäße Geschäftsorganisation verantwortlich ist. Hierzu zählen ein angemessenes und wirksames Risikomanagement sowie die Einrichtung Interner Kontrollverfahren.

Kontrollen sind i. d. R.:

  • 4-Augen-Prinzip (z. B. Kompetenzen)
  • Einzelkontrollen (z. B. Stichproben)
  • Systemkontrollen (z. B. Plausibilitätskontrollen).

Wenn man der Frage nachgeht, um welche Kontrolle es sich bei der Schlüsselkontrolle handelt, wird man schnell feststellen, dass es sich nicht um eine neue Art der Kontrolle handelt.

Die Schlüsselkontrolle definiert Kontrollziele für einzelne Risiken (inkl. der operativen Strategieeinhaltung) und erfüllt aufsichtsrechtliche bzw. gesetzliche Anforderungen, ohne dass aktuell eine einheitliche Definition des Begriffs „Schlüsselkontrolle“ im Gesetz oder Aufsichtsrecht vorgegeben wird. Schlüsselkontrollen zeichnen sich daher durch ihre besondere Rolle innerhalb eines Prozesses aus und sollen dazu beitragen, unter Kosten-Nutzen-Aspekten wesentliche Risiken zu vermeiden, vermindern oder aufdecken. Dabei können der maßgeblichen Schlüsselkontrolle auch mehrere Einzelkontrollen vorausgehen. Schlüsselkontrollen sind individuell für jedes Geschäftsmodell festzulegen und in strukturierter Form zu überwachen.

Um entsprechende Schlüsselkontrollen implementieren zu können, ist eine Zerlegung aller Geschäftsprozesse in Teilprozesse sowie eine Bewertung der einzelnen Prozesse erforderlich. Die Bewertung der Prozesse und möglicher Kontrollen sollte dabei unternehmensabhängig in Einklang mit den erwarteten Risiken und den für die Kontrollen entstehenden Kosten stehen. Nicht jede teure Kontrolle vermindert auch hohe Risiken.

Auch aus den Anforderungen der „Leitlinien zum einheitlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozesses (SREP)“ geht das Erfordernis, Schlüsselkontrollen zu implementieren, hervor. Die demnach erwartete Re-Kalibrierung des Internen Kontrollsystems auf Basis von Schlüsselkontrollen, wonach das Interne Kontrollsystem auf das ganze Institut auszuweiten und die Prozesse entsprechend zu überwachen sind, betrifft auch die Überwachung der „Risikokultur“. Eine nicht vorhandene oder nicht gelebte Risikokultur kann zu strategisch nicht gewünschten Risikobeiträgen, hohen Kosten bzw. Verlusten führen. Nach Ansicht der Autorin sollten die Institute daher auch „Schlüsselkontrollen“ zur Überwachung einer Risikokultur implementieren, um einen angemessenen Nachweis über die zugrunde liegenden Faktoren und deren Wirksamkeit erbringen zu können. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Geschäftsleitung die eingangs erwähnte Verantwortung für die ordnungsgemäße Geschäftsorganisation ernst nimmt.

 

 

 

SEMINARTIPPS

Schlüsselkontrollen Spezial: Kreditprozesse, 09.10.2019, Berlin.
IKS-Prüfungen durch die Bundesbank, 06.11.2019, Hamburg.

IKS Kompakt: Aufbau & Prüfung von Schlüsselkontrollen, 20.11.2019, Berlin.
Prozessorientierte Schlüsselkontrollen im Fokus der Aufsicht, 03.12.2019, Frankfurt/M.

Zunächst muss sichergestellt werden, dass unter Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkten erforderliche Kontrollen nicht nur vorhanden sind, sondern in die bestehenden Prozesse integriert wurden und in der Organisation bekannt sind. Die Funktionsfähigkeit dieser Kontrollen ist durch die Interne Revision regelmäßig zu überprüfen. Da die Prüfung der Schlüsselkontrollen eine neue Prüfungsmethodik darstellt, bedeutet dies für die Interne Revision des Unternehmens eine Anpassung der risikoorientierten Prüfungsplanung sowie der Prüfungsansätze.

PRAXISTIPPS

  • Grundlage für funktionsfähige Schlüsselkontrollen ist die Schaffung eines einheitlichen Grundverständnisses für die Themen “Prozess” und “Detailtiefe der Prozessschritte”.
  • Klare Schnittstellen und Service Level Agreements sind als Grundlage verlässlicher (erwarteter) Qualität erforderlich.
  • Kommunikation von „Schlüsselkontrollen“.
  • So viel wie nötig, so wenig wie möglich – die Kontrollergebnisse müssen auch beachtet werden.
  • Bei der Implementierung der Schlüsselkontrollen ist der Kosten-Nutzeneffekt zu beachten.
  • Die Implementierung einer angemessen Risikokultur kann mittels entsprechender „Schlüsselkontrollen“ nachgewiesen werden.

 

Beitragsnummer: 70925

Nutzung von Parametern aus der Verlustschätzung als Querschnittsaufgabe

Eine Herausforderung für KSA-Institute

Dr. Konstantin Glombek, Senior Referent Adressrisikosteuerung, Bereich Betriebswirtschaft und Regulatorik, Bank für Sozialwirtschaft AG

Verlustdatenbanken als Kommunikationsaufgabe

Nicht zuletzt durch die aktuelle MaRisk-Novelle ist die methodische und prozessuale Ausgestaltung von Datenbanken zur systematischen Erfassung von Ergebnissen aus der Abwicklung und der Verwertung auch in den Fokus kleinerer Institute gerückt. Häufig kollidieren dabei verschiedene Interessen: Während die Abwicklungsabteilung an schlanken Abläufen interessiert ist, möchte das Risikocontrolling eine möglichst exakte Erfassung von Zahlungen gewährleistet wissen. Für die Auflösung solcher Konflikte ist es hilfreich, wenn bei allen beteiligten Abteilungen (neben den bereits genannten auch eine Prozess- und eine IT-Instanz) ein grundsätzliches Verständnis sowohl über die möglichen Erfassungen in der Abwicklung als auch die Parameterschätzungen für das Risikocontrolling gewährleistet ist. Die Eignung der Datenbank und ihrer Daten selbst muss dabei stets Gegenstand einer regelmäßigen Validierung sein, deren Ergebnisse allen Beteiligten offen zu legen sind. Als weiterer Bestandteil ist der Nutzen einer Verlustdank klar zu kommunizieren: Valide Quoten zu Einbringungen sowie Rückflüssen aus Sicherheiten erlauben sowohl eine konkurrenzfähige Darlehensbepreisung auf einer risiko-adjustierten Basis als auch eine nicht zu konservative Adressrisikomessung in einem Kreditportfoliomodell.

Nutzen externer Dienstleister

Ein weiterer Pfeiler bei der Analyse von Verlustdaten sind Vergleiche mit den Ergebnissen aus Datenpools, welche in der Regel über einen externen Dienstleister erhalten werden können. Solche Vergleiche erlauben Aussagen über die angemessene Verwendung von Pool-Parametern, aber auch die Identifikation von eigenen prozessualen Besonderheiten (z. B. Nutzung von abweichenden Bagatellgrenzen). Für die Einordnung von Institutseigenen Parametern sind solche Analysen von großer Bedeutung, um nicht zuletzt Ergebnisse aus geringen Fallzahlen angemessen würdigen zu können.

Entscheidet man sich dabei für die Nutzung von Pool-Parametern, steht stets die Frage nach der Repräsentativität dieser Parameter für das eigene Haus im Vordergrund. Die Beantwortung dieser Frage kann in der Regel nicht nur nach strengen quantitativen Analysen, sondern auch nach qualitativen Aspekten erfolgen. Grundsätzlich ist dabei zu begründen, warum die Prozesse zur Entstehung der Pooldaten (z. B. die Ausfallerkennung oder das Beitreibungsniveau) vergleichbar mit denjenigen des eigenen Hauses sind. Hier geben die Validierungsberichte der Dienstleister oftmals wertvolle Analysen, welche man mit entsprechenden eigenen Ergebnissen vergleichen kann. Weiter sind die eigenen Erfassungsprozesse zu Ausfällen und Verwertungen auf die Vorgaben des Dienstleisters abzustimmen. Die Auswertung von Datenqualitätsberichten und begleitenden Dokumenten des Dienstleisters können so insgesamt zu einem angemessenen Nachweis der Repräsentativität führen.

Analyse der Validierungsergebnisse von Verlust-Parametern

Die Entscheidung über die Verwendung bestimmter Parameter (Verwertungs- und Einbringungsquoten) bedingt auch Kenntnisse über deren Validierung. Dabei sind oftmals Ergebnisse bzgl. Pool- und institutseigener Parameter gegenüber zu stellen. Folgende Fragen können dabei von Interesse sein:

  • Wie stabil sind die jeweiligen Quoten geschätzt? Welche Sicherheitsabschläge sind in der Quotenbestimmung enthalten, um etwaigen Schätzunsicherheiten begegnen zu können?
  • Gibt es Verzerrungen in den Quoten (z. B. eine überproportional große Menge von Fällen mit kürzeren Verwertungsdauern oder besondere konjunkturelle Einflüsse)?
  • Wie trennscharf sind die Quoten segmentiert? Wie sinnvoll sind entsprechende Risikofaktoren gewählt?

Diese Punkte sollen nur einen Überblick geben und stellen keine abschließende Aufzählung dar.

 

 

 

Die ersten beiden Fragen zielen auf die Genauigkeit der Schätzung von Quoten ab. Ausreißer in den Daten sind hier oftmals zu analysieren und in der Regel über erhöhte Standardabweichungen oder größere Konfidenzintervalle der Quotenschätzung festzustellen. Ausreißer sind dabei nicht kategorisch auszusteuern, sondern durch eine geeignete Segmentierung gesondert zu betrachten.

Weiter ist immer der Prozess der Datenentstehung mit der Realität im Institut abzugleichen. Hierbei ist zunächst auf die vollumfängliche Abbildung eines Konjunkturzyklus zu achten. Die Analyse von Quoten auf Jahresbasis kann hier Unterschiede in den Quoten nach unterschiedlichen Konjunktur-Phasen aufzeigen. Zu untersuchen ist dann, ob ein Mittelwert über den gesamten Datenbestand auch unter schlechteren Konjunkturbedingungen angemessen ist. Gegebenenfalls sind hier geeignete Abschläge für Rezessionsjahre festzulegen.

Ein wesentlicher Punkt bei Verwertungen sind Fälle mit kürzeren Verwertungsdauern (d. h. weniger als zwei Jahre). Solche Fälle zeichnen sich oft durch höhere Quoten als Fälle mit längeren Verwertungsdauern aus. Zu klären ist somit, ob es auch ausreichend Fälle mit längeren Verwertungsdauern im Datenbestand der zu verwendenden Quoten gibt. Dies kann durch Vergleiche mit Pooldaten erfolgen, welche im Gegensatz zu Institutsdaten über ausreichend viele solcher Fälle verfügen können.

Die letzte Frage zielt auf die gezielte Unterscheidung von Quoten nach bestimmten Segmenten ab. Eine wohlbekannte Unterscheidung in KSA-Instituten ist die Aufteilung von Beleihungssätzen nach wohnwirtschaftlichen und gewerblichen Immobilien. Solche Differenzierungen können im Kontext von Verwertungs- und Einbringungsquoten eine deutliche Verfeinerung erfahren und durch geeignete Trennschärfe-Untersuchungen analysiert werden.

FAZIT UND PRAXISTIPPS

  • Kommunizieren Sie das Datenmodell Ihrer Verlustdatenbank ausreichend an alle beteiligten Abteilungen!
  • Verlieren Sie bei der Erfassung von Verwertungen und Abwicklungen nicht den Blick auf das Wesentliche. Nicht jeder Fall kann sinnvoll erfasst werden. Allerdings muss das verwendete Datenmodell alle vorkommenden wesentlichen Fälle erfassen können, was in einer regelmäßigen Validierung zu untersuchen ist.
  • Kleinere Institute sollten die Ergebnisse externer Dienstleister (z. B. diejenigen des eigenen Verbandes) nutzen. Eigene Schätzungen sind oftmals nur indikativ und nicht stabil. Externe Dienstleister verfügen oftmals über das bessere methodische Wissen und über die Ressourcen, aufsichtliche Anforderungen umsetzen zu können.
  • Die angemessene Wahl von Verwertungs- und Einbringungsquoten ist eine umfangreiche Aufgabe und mindestens jährlich zu validieren. Nehmen Sie sich Zeit für alle wesentlichen Analysen und dokumentieren Sie diese ausreichend.
  • Die EBA hat jüngst für IRBA-Institute (EBA/GL/2017/16, „Leitlinien für die PD-Schätzung, die LGD-Schätzung und die Behandlung von ausgefallenen Risikopositionen“) die aufsichtlichen Anforderungen an Verlustdatenbanken konkretisiert. Auch KSA-Institute sollten sich mit diesen Anforderungen vertraut machen, da diese entsprechend auf kleinere Institute ausstrahlen können.

SEMINARTIPPS

Kreditrisikosteuerung Aktuell, 23.09.2019, Frankfurt/M.

Schlanke § 18 KWG-Prozesse, 24.09.2019, Frankfurt/M.

OpRisk: MaRisk-Vorgaben und neuer Standardansatz, 25.09.2019, Frankfurt/M.

Auf-/Ausbau hauseigener Verwertungsdatenbanken & Erlösquotensammlungen, 26.09.2019, Frankfurt/M.

Prüfung Frühwarnverfahren, 08.10.2019, Frankfurt/M.

 

Beitragsnummer: 70543

 

Ansätze für die Prüfung von Rating-Prozessen

Aktuelle Prüfungsansätze aufgrund von Erkenntnissen aus externen und internen Prüfungen

Bettina Hermes, Kreditrevision der Sparkasse Essen

Wie „rate“ ich wen, wann und vor allem womit?

Die Klassifizierung des Risikos kann natürlicherweise nicht für alle Kreditnehmer eines Institutes auf ein und dieselbe Art und Weise erfolgen, da sich sowohl im Risikogehalt als auch hinsichtlich der für das Risiko relevanten Faktoren und der institutsinternen Steuerung dieser Risiken deutliche Unterschiede zwischen den Kreditnehmern ergeben. Neben den quantitativen Daten aus Finanzkennzahlen und Frühwarnsignalen spielen die individuell zur Verfügung stehenden qualitativen Daten aus langjährigen Kundenbeziehungen und Umfeldinformationen immer mehr eine wichtige Rolle für die trennscharfen Verfahren der Bonitätsanalysen.

Da die diversen Risikoklassifizierungsverfahren (RKV) eine wesentliche Grundlage zur Beurteilung des Adressenausfallrisikos bilden, werden sie regelmäßig sowohl von der internen Revision als auch von externen Prüfern Funktions- und Systemprüfungen unterzogen.

Aufgrund der in der Sparkasse Essen eingesetzten vielseitigen RKV für verschiedene Kundensegmente (von Standard-Rating und Immobiliengeschäftsrating über KundenKompaktRating für kleinere Geschäftskunden zum KundenScoring für Privatkunden), ist in einer umfangreichen Rating-Landkarte dokumentiert, welcher Kunde mit welchem Verfahren zu beurteilen ist. Zusätzlich werden alle durch uns betreuten Leasinggesellschaften über ein LandesbankenRating-Modul geratet. Seit geraumer Zeit setzen wir für Corporates auch ein entsprechendes LB-Modul ein.

SEMINARTIPPS

Prüfung Rating-Prozesse, 04.06.2019, Frankfurt/M.

Prozessprüfungen im Kreditgeschäft, 05.06.2019, Frankfurt/M.

Neue Prozesse bei Problemkrediten nach dem NPL-Leitfaden, 25.10.2019, Frankfurt/M.

Automatisierte EWB-Sicherheiten-Prüfung, 11.11.2019, Berlin.

EWB-Prozesse, 27.11.2019, Frankfurt/M.

Wer nun wen wann zu raten hat, ist in unseren Organisationsrichtlinien geregelt. Doch die Frage, inwieweit ein Kunde tatsächlich mit dem für ihn korrekten RKV bewertet ist, stellt sich laufend und ist auch Gegenstand von externen Prüfungen.

Die Zuordnung der Kunden zu dem zutreffenden RKV wird in der Sparkasse Essen über den Risikoverfahrensschalter gesteuert, der zu jedem Kunden in der EDV hinterlegt ist. Mit Hilfe der entsprechenden Schalterstellungen werden die Kunden für eine bestimmte Risikoeinstufung selektiert. Die Einstellung des korrekten Risikoverfahrensschalters zu jedem Kunden ist entscheidend dafür, dass der Kunde mit dem für ihn zutreffenden RKV beurteilt werden kann. Aus unserer Sicht sind deswegen regelmäßige, EDV-gestützte Kontrollen über eine zentral verantwortliche Stelle erforderlich, um die Richtigkeit des für den Kunden angewandten RKV sicherzustellen.

Zur Qualitätssicherung ist in der Sparkasse Essen administriert, dass der Risikoverfahrensschalter grundsätzlich nur von den Mitarbeitern geändert werden kann, die der für die Risikoklassifizierungsverfahren zuständigen Fachabteilung angehören.

In den durch die interne Revision jährlich durchgeführten Funktionsprüfungen greifen wir auch auf Erkenntnisse aus den ganzjährig stattfindenden Einzelengagementprüfungen zu, in denen im Rahmen einer Checkliste das korrekte RKV für den Kunden und den Verbund überprüft wird.

Im Focus von externen Prüfungen steht des Weiteren die Aktualität des einzelnen Ratings und die sog. Historisierungsquote, d. h. ist zu jedem Kunden über den Zeitverlauf der Geschäftsverbindung die Risikoklassifizierung regelmäßig vorgenommen worden. Interne Kontrollmöglichkeiten bestehen durch eigene Auswertungen oder über die Analyse externer Berichte, falls RKV durch einen zentralen Dienstleister, wie in der Sparkasse Essen, zur Verfügung gestellt werden. Abweichungen und Ausschläge führen dann möglicherweise zu weiteren Prüfungshandlungen.

Ein zentraler Bestandteil dafür, dass die eingesetzten RKV funktionsfähig sind, ist eine korrekte Berücksichtigung von Anlässen, die eine Beendigung der laufenden Geschäftsbeziehung zur Folge haben, wie EWB-Bildung oder Insolvenz des Kunden, sog. Ausfallgründe. Für die Ratingverfahren ist eine schnelle und ordnungsgemäße Erfassung der Ausfallgründe wesentlich, weil diese Daten zur Ermittlung der Trennschärfe und zum Vergleich der tatsächlichen mit der prognostizierten Ausfallrate unbedingt benötigt werden. Deswegen muss ein besonderes Augenmerk bei jeder internen und externen Prüfung auf der korrekten, zeitnahen Berücksichtigung der Ausfallgründe bei den entsprechenden Kunden liegen, denn die nach CRR risiko- und prozessgerechte Ausfallerfassung – insbesondere der Ausfallgrund 90-Tage-Zahlungsverzug als drohende Nichterfüllung von Zahlungsverpflichtungen – steht besonders im Fokus.

Zudem muss sichergestellt werden, dass unterjährig auftretende, bonitäts-relevante Informationen zu den Kunden einen Anlass darstellen, die vorhandene RKV zu überprüfen. Als Anlässe kommen z. B. die Verschlechterung der Liquidität über das Auftreten von Überziehungen oder Rückständen in Frage.

 

 

 

Solange ein Ratingverfahren vollständig an das operative System des Kreditinstitutes gekoppelt ist, stellt die Überwachung der Anlässe kein großes Problem dar. Ist dies nicht der Fall, sind aufgrund der mangelnden technischen Gegebenheiten manuelle Kontrollen notwendig, die zeitaufwendig und potentiell fehlerbehaftet sind und wegen hoher Fallzahlen oft nur in Stichproben durchgeführt werden können. Unsere Erfahrungen aus internen und externen Prüfungen zeigen, dass es jedoch unerlässlich ist, solche Verfahren zu installieren, die das korrekte Aufgreifen des Kunden bei unterjährigen Anlässen gewährleisten.

Neben dem wann und womit gibt es auch noch ein WIE rate ich den Kunden? Womit wir bei einem weiteren wesentlichen Prüfungsgegenstand wären: Sind die Informationen korrekt im Rating erfasst worden und beinhaltet das vorliegenden Rating alle aktuell zu dem Kunden vorliegenden Informationen? (Stichwort Überschreibungen/Overrides). Auch in diesem Themenbereich sind Prüfungshandlungen sinnvoll.

PRAXISTIPPS

  • Überprüfen Sie anhand von Selects die vorgenommenen Eingaben sowie den Sachverhalt, inwieweit alle vorliegenden, relevanten Informationen zu dem Kunden in das aktuelle Rating eingeflossen sind.
  • Machen Sie sich auch unterjährig ein Bild von der Einstellung des korrekten Ratingverfahrens durch Erkenntnisse auch aus anderen Prüfungen.
  • Stellen Sie sicher, dass alle relevanten Kreditnehmer Ihres Institutes mit Hilfe eines RKV beurteilt werden. Damit erhöhen Sie Ihre Ratingabdeckung in Ihrem Hause und erfüllen die Anforderungen der BTO 1.2 Tz. 6 der MaRisk.

 

Beitragsnummer: 64546

Prüfung von Prozessen zur Offenlegung der wirtschaftlichen Verhältnisse

Interne Prüfung des Prozesses nach § 18 KWG

Simon van Bebber, Referent Kreditrevision, Revision der Sparkasse Mülheim an der Ruhr

Als wichtiger Baustein der Banken im Risikomanagement nehmen die Erwartungen der Bankenaufsicht und der Jahresabschlussprüfer an die Interne Revision zu. Über die Jahre hat sich der rechtliche Rahmen für diese Erwartungen stetig geändert.

Nach § 25a Abs. 1 KWG und den konkretisierenden MaRisk muss ein Institut über eine ordnungsgemäße Geschäftsorganisation verfügen. Bestandteil dieser Organisation sind die internen Organisationsrichtlinien sowie im Speziellen die institutsspezifisch fixierten Offenlegungsregeln gem. § 18 KWG. Wobei § 18 KWG nur die groben Leitplanken der Offenlegungspflicht vor gibt und den Instituten eine detaillierte Regelung in den Organisationsrichtlinien überlässt.

 

 

 

SEMINARTIPPS

Prüfung §18/18a KWG-Prozesse: Neue (BauFi)Kreditwürdigkeitsanalyse, 20.05.2019, Frankfurt/M.

Kreditrisikosteuerung Aktuell, 23.09.2019, Frankfurt/M.

Schlanke § 18 KWG-Prozesse, 24.09.2019, Frankfurt/M.

Auf-/Ausbau hauseigener Verwertungsdatenbanken & Erlösquotensammlungen, 26.09.2019, Frankfurt/M.

Prüfung Frühwarnverfahren, 08.10.2019, Frankfurt/M.

Nach § 29 Abs. 1 Satz 2 KWG in Verbindung mit der Prüfungsberichtsverordnung (PrüfbV) ist die Prüfung und Dokumentation der Einhaltung der Offenlegungsvorschriften nach § 18 KWG und die institutsindividuelle Umsetzung der Vorgaben im Rahmen der Berichterstattung im Prüfungsbericht der Jahresabschlüsse durch die Jahresabschlussprüfer geregelt. Bei Verstößen gegen die Offenlegungsvorschriften kann die BaFin gegen die Geschäftsleiter u. a. eine Verwarnung aussprechen.

Die Interne Revision trägt durch fortlaufende Einzelengagement- und Prozessprüfungen dazu bei, das Risikomanagement eines Kreditinstitutes zu vervollständigen und die Einhaltung der gesetzlichen sowie internen Richtlinien zu gewährleisten. Sie trägt mit dafür Sorge, dass das Offenlegungsverfahren eines Institutes dazu geeignet ist, die Adressenausfallrisiken angemessen einzuschränken.

Zu den Aufgaben der Internen Revision gehört es daher, die Konformität der schriftlich fixierten Organisationsrichtlinien mit den bankaufsichtsrechtlichen Vorgaben zu prüfen und zu beurteilen sowie dies für Dritte nachvollziehbar zu dokumentieren.

Im Verlauf einer Prozessprüfung ist eine Wertung darüber abzugeben, ob das intern geregelte Verfahren den Anforderungen eines dokumentierten Offenlegungsprozesses gerecht wird. Hierbei gilt es beispielsweise Zuständigkeiten, Ausnahme- und Erleichterungsregeln, ein funktionierendes Mahnverfahren ausstehender Bonitätsunterlagen bis hin zu einer dokumentierten Eingangs- und Auswertungshistorie der Unterlagen in die Verfahrens- und Systemprüfung des § 18-Prozesses mit einzubeziehen. Klären Sie Auffälligkeiten – z. B. eine Vielzahl offener Pflichtfälle – und Widersprüche frühzeitig im Prüfungsverlauf mit dem Fachbereich ab. Hinweise aus Einzelengagementprüfungen können bereits Anhaltspunkte auf einen fehlerhaften Prozess liefern.

Aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung sollten Projekte zum Digitalen Finanzbericht (DiFin) von Beginn an durch die Interne Revision begleitet werden. Dies vereinfacht spätere Prozessprüfungen und unterstützt die konforme Umsetzung der eigenen Organisationsrichtlinien im Kreditinstitut.

Bei einer Änderung des papierhaften in einen digitalen oder dualen Prozess sollte das interne Anweisungswesen auf Aktualität geprüft werden.

Die unterjährige Prüfung von Einzelfällen belegt im Ideal einen funktionierenden Prozess oder unterlegt Schwächen, die eine Funktions- und Systemprüfung – z. B. durch eine Massendaten-Analyse – aufzeigen, bzw. weist vorab auf diese Schwächen hin.

Hierzu sollten nicht ausschließlich Defizite und Zweifelsfälle zur Offenlegung der wirtschaftlichen Verhältnisse, sondern ebenfalls die „sauberen“ Engagements dokumentiert werden. Sinnvoll ist in allen Fällen eine EDV-gestützte und auswertbare Dokumentation von vorhandenen Unterlagen, Defiziten und noch zu klärenden Punkten.

PRAXISTIPPS

  • Prüfen, beurteilen und dokumentieren Sie regelmäßig die internen Organisationsrichtlinien zur Offenlegung von wirtschaftlichen Verhältnissen auf die Aktualität zu bankaufsichtsrechtlichen Vorgaben.
  • Der institutsindividuelle § 18-Prozess sollte regelmäßig auf Einhaltung der Organisationsrichtlinien zu § 18 KWG geprüft und beurteilt werden. Auffälligkeiten und Widersprüche sollten durch die Interne Revision mit dem zuständigen Bereich geklärt werden.
  • Begleiten Sie Projekte zur Einführung des Digitalen Finanzberichtes.
  • Dokumentieren Sie im unterjährigen Prüfungsverlauf von Einzelengagementprüfungen EDV-gestützt und auswertbar, welche wirtschaftlichen Unterlagen vorlagen sowie erkannte Defizite oder noch offene Fragen.

Beitragsnummer: 62195

„AnaCredit Aktuell: Nach der Meldung ist vor der Meldung?!“

Frank Günther, FCH Consult GmbH

Am 31.12.2018 war die AnaCredit-Verordnung seit einem Jahr in Kraft. Auch wenn in aktuellen aufsichtlichen Veröffentlichungen die Umsetzung der aktuellen EBA-Guideline im Umgang mit Non-Performing Loans (NPL), das Thema IT-Risiken und der Fortgang der Umsetzung von Basel IV dominieren, ist es Zeit, zum Jahreswechsel ein kurzes Resümee zur Umsetzung von AnaCredit zu ziehen, um die Aufgaben 2019 zu fixieren. Was konnte im Rahmen der Testmeldungen, der Vollmeldung zum 30.09.2018 und der z. Zt. laufenden Regelanzeige erreicht werden und was steht den Banken noch bevor?

I. Daten, Daten, Daten-Qualität der Anzeigen

Mehrfach wies die Deutsche Bundesbank in ihren Rundschreiben 2018 auf die Notwendigkeit der Verbesserung der Qualität der übertragenen Meldedaten durch die Banken hin. Gleichzeitig wurde auf die Verantwortung der Banken lt. Anhang V der AnaCredit-Verordnung fokussiert:

a) Statistische Informationen müssen korrekt sein;

b) Berichtspflichtige müssen in der Lage sein, Informationen zu den in den übermittelten Daten implizierten Entwicklungen zu erteilen;

c) Statistische Informationen müssen komplett sein und dürfen keine kontinuierlichen oder strukturellen Lücken enthalten – Berichtslücken müssen vorübergehend sein und der NZB (und von dieser der EZB) gemeldet, der zuständigen NZB erklärt und gegebenenfalls sobald wie möglich überbrückt werden;

d) Berichtspfliichtige haben die Maßeinheiten, Rundungsverfahren und Dezimalstellen zu beachten, die von der zuständigen NZB für die technische Datenübermittlung festgelegt

wurden. Ein nochmaliger Vollabzug der anzeigepflichtigen Daten per 30.09.2018 führte zu einer Fokussierung der bestehenden technischen, fachlichen und Datenqualitätsproblemen.

Mit dem aktuellsten Rundschreiben 95/2018 vom 19.12.2018 weist die Deutsche Bundesbank z. B. explizit darauf hin, dass Daten von natürlichen Personen auf keinen Fall zu melden sind und dass für die bisherigen „Fehlmeldungen“ ein zentrales gesondertes Löschverfahren eingerichtet wird.

Die Banken werden somit auch im Sinne des Datenschutzes zu einer verstärkten Qualitätssicherung der Meldedaten aufgefordert. Betreffs der notwendigen Datenqualität für eine hochtechnisierte Einzeldatenanzeige zeigt sich immer wieder, dass in den Banken die zwingende Integration der Meldeprozesse als Qualitätssicherung der allgemeinen Bankprozesse von Beratung über Kreditgewährung, Problemkreditbearbeitung bis hin zur Kreditabwicklung noch nicht ausreichend umgesetzt wurde. Somit wird auf Grund der Granularität und Häufigkeit der Anzeige AnaCredit Qualitätsmesser der allgemeinen Prozess- und Datenqualität, als auch Spiegelbild der Qualität diverser statistischer und aufsichtlicher Anzeigen. So bewerteten Teilnehmer einer Veranstaltung der Finanz Colloquium Heidelberg GmbH im Oktober 2018 zu 2/3 den Aufwand für die AnaCredit Anzeige mit den bestehenden Mitarbeiterkapazitäten kaum für leistbar.

Neben der notwendigen technischen Integration des bankeigenen Fehlerhandlings aus Anzeigen in die fehlerverursachenden Bankprozesse und Zuständigkeiten wirkt sich zudem die intransparente Rückmeldung von Validierungsfehlern der Deutschen Bundesbank direkt an die Banken und nicht über den Einreichungsweg negativ auf eine schnellere Qualitätsverbesserung aus. (100 % der in der obig genannten Veranstaltung Befragten, welche die Rückmeldung kannten, hielten die Fehlerrückmeldungen nur mit großem Aufwand für bearbeitungsfähig).

So ist es zwingend erforderlich, dass die Validierungsfehlerrückmeldungen den internen Kunden und Kontennummern direkt zugeordnet und diese dann den zuständigen Mitarbeitern der Bank in den konkreten Bank- prozessen mit konkreten Handlungs-/Überprüfungshinweisen übermittelt werden können.

 

 BERATUNGSTIPPS

Prozess-Check AnaCredit-Umsetzung
Quickcheck: Datenqualität im Kreditgeschäft/ Meldewesen

 

 

II. Anforderungen sind noch im Fluss! – Aktuelle Neuerungen

Vor allem die in 2018 mehrfach angepassten Auslegungserläuterungen, Validierungsregeln und Codelisten zeigen deutlich, dass der Lernprozess hin zu einer stabilen europäischen Meldung noch nicht abgeschlossen ist. Aktuell wurde das Handbuch der Deutschen Bundesbank zu den AnaCredit-Validierungsregeln am 10.12.2018 umfangreich angepasst und somit im Wesentlichen die von der EZB per 05.11.2018 vorgenommenen Korrekturen übernommen. Schwerpunkte waren hierbei:

1. Löschung diverser inkonsistenter Validierungsregeln Beispielsweise entfielen die in der nachfolgenden Tabelle genannten Punkte.

2. Klarstellung von Validierungsregeln v. a. betreffs Eigenbetriebe, Investmentvermögen, rechtlich unselbständige Niederlassungen.

Allein der bisher bei anderen Anzeigen in dieser Detailebene nicht gekannte Umfang von fast 100 S. Validierungsregeln stellte in 2018 die Banken und ihre Dienstleister immer wieder vor neue Herausforderungen und wird nachhaltig die Prozesse der Banken beeinflussen. Entsprechend dem Rundschreiben 76/2018 der Deutschen Bundesbank vom 27.09.2018 sind bis März 2019 die Regelungen zur laufenden Korrektur und Löschanzeigen umzusetzen. Die Aktivierung der entsprechenden Validierungsregeln erfolgt ab Meldestichtag 31.03.2019. Spätestens dann müssen alle in den Vormonaten falsch gemeldeten bzw. ausgelaufenen Datensätze zu den entsprechenden Meldeterminen nachträglich mit dem Aktionsattribut Löschung gemeldet werden. Betreffs der rückwirkenden Korrekturen steht noch die abschließende Klärung des endgültigen Korrekturzeitraums auf europäischer Ebene aus.

 

 SEMINARTIPPS

Datenrisiken Meldewesen, 08.04.2019, Frankfurt/M.
AnaCredit: Prüfungsansätze und -Schwerpunkte, 05.06.2019, Düsseldorf.
Kreditmeldewesen Aktuell: AnaCredit – Groß-/Mio.-Kredite, 24.10.2019, Frankfurt/M.
Prüfung Kreditmeldewesen: KNE/GvK • Millionenkredite •AnaCredit, 25.11.2019, Berlin.
AnaCredit im Flow!? – Aktuelles & Fehleranfälligkeit & Datenkonsistenz, 26.11.2019, Berlin.

 

Die von Validierungsfehlern betroffenen Datensätze sind umgehend nach Erhalt der Rückmeldung zu korrigieren und erneut einzureichen. Des Weiteren werden die konzeptionellen Arbeiten betreffs der Entwicklung automatisierter meldungsübergreifender Validierungen/ Abstimmungen lt. Ankündigung der Deutschen Bundesbank in 2019 priorisiert erfolgen. Aus aktuellen Thematisierungen sind in 2019 noch weitere Konkretisierungen von EZB und Deutscher Bundesbank[1] zu erwarten, z. B.:

  • Präzisierung der Vorgaben zur Weiterverwendung der Instrumenten-ID im Bereich des Kontokorrentkredits auf laufenden Konten (Hinweis: mit Aktualisierung der Validierungsregeln bereits wesentliche Voraussetzungen geschaffen),
  • Regelungen bei uneinheitlichen Anzeigen von Konsortialgeschäften durch die Konsortialpartner,
  • Einführung der deutschen (Unternehmens-) Steuernummer DE TAX CD und der Umsatzsteueridentifkationsnummer DE VAT CD als Pflichtanzeige zusätzlich neben der Nationalen Kennung (seit 09/2018 freiwillig),
  • Regelungen zur Beibehaltung der Kennungen im Zuge von Fusionen oder Migrationen inkl. rückwirkender Korrekturen.

PRAXISTIPPS

  • Analysieren Sie Ihre Fehlermeldungen – Integrieren Sie die Bearbeitung in workflowgesteuerte Bearbeitungsprozesse.
  • Nutzen Sie AnaCredit zur internen Datenqualitätssicherung.
  • Definieren Sie wesentliche auffällige Abweichungen zu Voranzeigen.
  • Sichern Sie/Entwickeln Sie laufende Abstimmungsprozesse bei der Korrektur von Anzeigen i.V.m. anderen Anzeigen.
  • Integrieren Sie AnaCredit in die Prüfungsplanung 2019 – einerseits Prüfung Meldewesenprozess und andererseits Prüfungen Kreditprozesse und Legitimationsprozesse.
  • Definieren Sie die Zuständigkeiten für Datenqualitäten.
  1. Unter Verwendung der Diskussion und der Aussagen„Technisches Diskussionsforum AnaCredit am 27. August 2018“ bei der Deutschen Bundesbank.

 

 

Beitragsnummer: 60186

WEG-Kredit als flexibler Baustein für Eigentümergemeinschaften

Michael Butz, Vorstand, Bank für Wohnungswirtschaft AG

           

I. Finanzierungen von Maßnahmen in Wohnungseigentümergemeinschaften

Wohnungseigentümergemeinschaften stehen immer häufiger vor der Frage- oder Problemstellung, wie sie dringend anstehende und erforderliche Sanierungsmaßnahmen finanziell stemmen können. Neben einer zu geringen Rücklage ist häufig auch die Suche nach einem Finanzierungspartner eine größere Herausforderung für die Verwaltung einer Wohnungseigentümergemeinschaft. Die Schwierigkeiten, aber auch Lösungsmöglichkeiten sollen nachfolgend aufgezeigt werden.

II. Sanierungsstau in Wohnungseigentümergemeinschaften

Grundsätzlich lässt sich bundesweit ein enormer Sanierungsstau in den Liegenschaften feststellen. Objekte aus den 60er, 70er und 80er Jahren sind zwischenzeitlich in die Jahre gekommen und an vielen Stellen wurde es einfach aus verschiedensten Gründen versäumt, die Immobilie richtig instand zu halten. Je größer eine WEG ist, desto mehr Motivationen und Interessen sind unter einen Hut zu bringen, sodass es häufig dazu kommt, dass anstehende Maßnahmen nur zögerlich oder gar nicht durchgeführt werden. Warum das so ist und von welchem Volumen wir sprechen, soll anschließend näher beleuchtet werden.

1.Grundsätzliche Ausgangslage in Deutschland

Bereits 2011 haben die Zählungen des Zensus ergeben, dass den größten Sanierungsbedarf Wohnungseigentümergemeinschaften haben. Betroffen sind rd. 9,3 Mio. Wohnungen, was ungefähr ...


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Kostensenkungen im Kreditgeschäft – einfach machen

Eine signifikante Kostenersparnis bei gleichzeitig steigendem Kundennutzen und mehr vertriebsaktive Zeit für die richtigen Themen. Was kompliziert klingt, ist einfach darstellbar.

Matthias Paschke, Bereichsleiter Marktfolge Kredit 

und

Dr. Patrick Kuchelmeister, Vorstandsmitglied, beide Sparkasse Celle.

I. Zukunft ist einfach

Sofern Standardisierung und Automatisierung als Zukunftschancen konsequent genutzt werden und institutsübergreifend zusammengearbeitet wird, ergeben sich viele Chancen. Dies gilt auch oder insbesondere für lokale Sparkassen und Volksbanken. Allerdings bedarf es der konsequenten Umsetzung von Standards und eines gezielten Einsatzes von Technik.

Vielversprechende Slogans, mit denen lokale Kreditinstitute deutschlandweit werben, sind beispielsweise „Zukunft ist einfach“ oder „Anpacken statt Aufschieben“. Die Sparkassen und Volksbanken als präsente Institute im lokalen Bankenmarkt versprechen mit ihren Slogans, einfach zu sein oder fordern zum „Anpacken“ auf. Doch werden die Kreditinstitute dieser Aufforderung selbst gerecht? Ist es ein „einfach“ oder ein „Anpacken“, welches man verspürt, wenn man in die Institute hört? Die „erdrückende“ Regulatorik, das Niedrigzinsniveau, die digitale Transformation oder gar Disruption sind die oft zu hörenden Themenfelder. Diese zu recht herausgestellten Herausforderungen müssen bewältigt werden. Für manche Führungskraft steht der Begriff „Lösung“ jedoch nicht im Fokus. Obwohl die Werbeslogans „einfach machen“ oder „Anpacken“ genau dieses verfolgen, ist mancherorts intensives ...


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4 Fragen zu AnaCredit

Ausblick auf das Jahr 2019 sowie Prüfungsansätze und Hinweise zur Prüfungsdurchführung

Caroline Klausch, Referentin im Kreditmanagement, Berliner Volksbank

I. Rückblick 2018

Blickt man 2018 auf die Herausforderungen im Aufsichtsrecht der Banken und IT-Finanzdienstleister zurück, wird der ein oder andere Mitarbeiter in diesen Bereichen erhebliche Kapazitäten in die Umsetzung von AnaCredit investiert haben. Die Regulierungsvorhaben stellten nicht nur die IT-Finanzdienstleister vor große Herausforderungen, auch die Banken erfuhren mit der Umsetzung von AnaCredit eine neue Stufe aufsichtsrechtlicher Meldeanforderungen. Wurden kürzlich die neuen Anforderungen zu AnaCredit in Bezug auf Konzernstrukturen in den Prozessen implementiert, erfährt das Meldewesen ab 01.01.2019 schon die nächste aufsichtsrechtliche Erweiterung. Seit 01.01.2019 sind die Banken verpflichtet, die konkretisierten Tatbestandsmerkmale zur Zusammenfassung von einzelnen Kreditnehmern zur Gruppe verbundener Kunden (GvK) gem. Art 4. Abs. 1 Nr. 39 CRR anzuwenden. Als neu gilt in diesem Zusammenhang v. a. das erhöhte Erfordernis zur Dokumentation bei der Feststellung und Widerlegung von Beherrschungsmöglichkeiten und wirtschaftlichen

Abhängigkeiten.

In einer im November 2018 durchgeführten Umfrage im Seminar „Kreditmeldewesen Aktuell“ wurden die Teilnehmer (Interne Revision und Meldewesen) zu ihren Erfahrungen in Bezug auf AnaCredit folgendes gefragt:

1.Frage 1: Wie waren/sind Sie in Ihrem Haus auf die AnaCredit-Meldung vorbereitet? ...


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