Prüfung von Auslagerungen im Kreditgeschäft

Praxisorientierte Prüfungsansätze für die Interne Revision

Thomas Maurer, Leiter Interne Revision, Münchner Bank eG

Ausgangslage

Der stetig zunehmende Kostendruck und die fortschreitende Digitalisierung zwingen die Banken dazu neue Wege zu gehen. Insbesondere der Weg in die digitale Welt erfordert ein Spezialwissen, das nicht in allen Instituten im erforderlichen Umfang vorhanden ist. Vor diesem Hintergrund wird bei vielen neuen und teilweise auch bei bekannten Themen immer auch die Möglichkeit einer Auslagerung der Aufgaben geprüft. Dies hat auch im Kreditgeschäft Einzug gehalten. Beispiele sind Ratingverfahren, Wertermittlungen im Immobiliengeschäft oder Teile der Marktfolgetätigkeiten. Die Aufsicht beobachtet diesen Trend argwöhnisch und wartet mit immer detaillierteren Regulierungsanforderungen auf. Aktuelles Beispiel ist die „Guideline on Outsourcing Arrangements“ der EBA, die zum 30.09.2019 in Kraft getreten ist und mit der nächsten MaRisk-Novelle in nationales Recht umgesetzt werden soll. Dieser Entwicklung muss auch die Interne Revision folgen und der Prüfung von ausgelagerten Unternehmensbereichen einen größeren Stellenwert einräumen und mehr Zeitressourcen hierfür zur Verfügung stellen.

SEMINARTIPPS

Prüfung AT 9 – Auslagerungen, 31.03.2020, Köln.

17. Kreditrevisions-Tage 2020 in München, 11.–12.05.2020, München.

PraxisFalle IT Dienstleistungen: Sonstiger Fremdbezug vs. Auslagerung, 22.06.2020, Frankfurt/Offenbach.

Auslagerungen im Fokus von neuer MaRisk & BAIT, 23.06.2020, Frankfurt/Offenbach.

Aufsichtsrechtliche Anforderungen

In AT 9 der MaRisk sind umfangreiche Anforderungen definiert. So ist vor jeder Auslagerung eine Risikoanalyse durchzuführen, in deren Erstellung auch die Interne Revision einzubinden ist. Für den Fall einer beabsichtigten wie auch einer unbeabsichtigten Beendigung der Auslagerung sind geeignete Vorkehrungen zu treffen, die sicherstellen, dass die Aktivitäten auch in diesen Fällen reibungslos weiter durchgeführt werden können. Auch an die Inhalte der Auslagerungsverträge werden dezidierte Anforderungen gestellt, u a. auch zu den Prüfungsrechten der Internen Revision. Weiterverlagerungen sollten nur mit Zustimmung des auslagernden Instituts möglich sein. Die Leistung des Auslagerungsunternehmens ist regelmäßig anhand vorgehaltener Kriterien zu überprüfen. Dabei ist der Grad der maximal akzeptierten Schlechtleistung festzulegen. Selbstverständlich sind auch die ausgelagerten Bereiche in die Steuerungs- und Überwachungsprozesse des Hauses einzubeziehen. Ein laufendes und anlassbezogenes Reporting-System ist mit den Dienstleistern ebenfalls zu vereinbaren.

Prüfungsansätze für die Interne Revision

Die Interne Revision muss die ausgelagerten Bereiche in ihr Prüfungsuniversum aufnehmen und risikoorientiert in angemessenem Turnus prüfen. Wenn das Auslagerungsunternehmen über eine eigene Interne Revision verfügt, die den Anforderungen der MaRisk unterliegt, dann kann sich die Revision des auslagernden Unternehmens grundsätzlich, aber nicht ausschließlich, auf deren Ergebnisse stützen. Voraussetzung ist, dass eine Informationspflicht über Feststellungen, die die Ordnungsmäßigkeit der ausgelagerten Prozesse beeinträchtigen könnten, vereinbart ist. Eine Vorlage des Jahresberichts der Internen Revision des Auslagerungsunternehmens sowie der Bestätigung des Wirtschaftsprüfers über die Funktionsfähigkeit der Internen Revision ist ebenfalls geboten. Unterliegt das Auslagerungsunternehmen nicht den MaRisk, so ist zusätzlich zu untersuchen, ob die Organisation und Tätigkeit der dortigen Interne Revision grundsätzlich den Vorgaben der MaRisk in analoger Weise entsprechen. Dies alleine genügt jedoch noch nicht in allen Fällen den aufsichtsrechtlichen Anforderungen. Die im Rahmen des Reportings vorgelegten Berichte des Auslagerungsunternehmens sind ebenfalls einer kritischen Würdigung zu unterziehen, was nachvollziehbar zu dokumentieren ist. Dabei ist es auch erforderlich, die Mängelklassifizierung aus den Berichten mit dem hausinternen Klassifizierungssystem abzugleichen und erforderlichenfalls anzupassen. In den Berichten aufgezeigte Mängel sind in den Follow-up-Prozess des Auslagerungsinstituts zu integrieren. Auch eine Aufnahme von eventuell als wesentlich oder schlechter eingestuften Mängeln in diesen Berichten in die Quartalsberichterstattung an Vorstand und Aufsichtsrat kann geboten sein. In jedem Fall sind diese über nicht behobene wesentliche Mängel auch in den Auslagerungsunternehmen zwingend zu informieren.

Vorsicht geboten ist auch bei sogenannten Auswertungsempfehlungen zu Dienstleisterberichten, die in der Sparkassen- und Genossenschaftsorganisation häufig von den Verbänden zur Verfügung gestellt werden. Diese sollten keinesfalls unreflektiert und unkommentiert übernommen werden. Eine kritische Auseinandersetzung ist erforderlich und ebenfalls nachvollziehbar zu dokumentieren.

BERATUNGSTIPP

Implementierung eines effizienten & wirksamen Auslagerungsmanagements.

 

Wenn Fragen offenbleiben oder weitere Informationen zur Beurteilung der dargestellten Prüfungsergebnisse benötigt werden, sollte unbedingt mit den Kollegen der Internen Revision des Auslagerungsunternehmens Kontakt aufgenommen und die notwendigen Informationen eingeholt werden. Sollte auch dies nicht zur gewünschten Informationstiefe führen, so bleibt nur, vor Ort beim Dienstleister eine eigene Ergänzungsprüfung durchzuführen. Auf Grund der besonderen Sensibilität einer solchen Prüfung, die oftmals auch eine politische Dimension annehmen kann, sollte dies in enger Abstimmung mit der eigenen Geschäftsleitung und der Revision des Auslagerungsunternehmens erfolgen. Eine gewisse Zurückhaltung im Auftreten und eine offene Kommunikation mit den Kollegen des anderen Hauses empfiehlt sich hier. Sollte ein Auslagerungsunternehmen über gar keine Interne Revision verfügen, so sind Vor-Ort-Prüfungen obligatorisch.

Fazit

Das Prüffeld der ausgelagerten Unternehmensbereiche gewinnt immer mehr an Bedeutung und steht zunehmend im Fokus der Bankenaufsicht. Die Internen Revisionen der Kreditinstitute sollten das Thema daher sehr ernst nehmen und die ausgelagerten Prüffelder im Prüfungsplan so behandeln, wie wenn die Aufgaben und Prozesse im eigenen Haus vorhanden wären. Eine kritische Auseinandersetzung mit den Berichten der Dienstleister und eine aktive Kommunikation mit den dortigen Revisionsabteilungen ist unabdingbar. Das alleinige Stützen auf die Berichte der Dienstleister ist aufsichtsrechtlich nicht ausreichend. Auch risikoorientiert durchgeführte Vor-Ort-Prüfungen sollten eingeplant werden. Letztlich werden die dafür erforderlichen Kapazitäten zunehmen. Dies sollte in der Mehrjahresplanung angemessen berücksichtigt werden.

PRAXISTIPPS

  • Sehen Sie ausreichende Kapazitäten zur Prüfung ausgelagerter Bereiche vor.
  • Prüfen Sie die Auslagerungsverträge auf die Anforderungen der MaRisk.
  • Achten Sie auf uneingeschränkte Prüfungsrechte Ihrer Internen Revision.
  • Dokumentieren Sie ausführlich Ihre Auswertung der Berichte der Dienstleister.
  • Halten Sie Kontakt zu den Revisionen der Dienstleister.
  • Planen Sie auch gezielte Vor-Ort- und Ergänzungsprüfungen ein.

 

Beitragsnummer: 87230

Vereinfachte Bewertung von Auslagerungen durch definierte Negativliste

Ina Märzluft, Senior Consultant/Prokuristin, FCH Consult GmbH

Mit der Veröffentlichung der umfangreichen Leitlinien der European Banking Authority (EBA) zur Bewertung von Auslagerungsvereinbarungen wurde ein einheitliches Rahmenwerk für Auslagerungen geschaffen. Für alle ab dem 30.09.2019 abgeschlossenen Auslagerungsverträge müssen die neuen Vorgaben beachtet werden, was in der Umsetzung nicht immer einfach ist.

SEMINARTIPPS

PraxisFalle IT Dienstleistungen: Sonstiger Fremdbezug vs. Auslagerung, 22.06.2020, Frankfurt/Offenbach.

Risikoanalysen bei Auslagerungen, 02.11.2019, Hamburg.

Unter einer Auslagerung ist dabei jede Vereinbarung zu verstehen, nach der ein Service Provider einen Prozess, eine Dienstleistung oder eine Aktivität übernimmt, die sonst durch das Institut selbst vorgenommen würde.

INHOUSETIPP

Auslagerungsmanagement.

 

 

Zur kleinen Vereinfachung wurde eine Negativ-Liste (Whitelist) in der Textziffer 28 der EBA-Leitlinien zu Auslagerungen EBA/GL/2019/02 mit Funktionen aufgenommen, deren Übertragung auf Dritte, als Fremdbezug betrachtet wird.

Grundsätzlich werden damit folgende Fälle nicht als Auslagerung betrachten:

  • eine Funktion, die aufgrund von Rechtsvorschriften von einem Dienstleister wahrzunehmen ist, z. B. Abschlussprüfungen;
  • Marktinformationsdienste (z. B. Bereitstellung von Daten durch Bloomberg, Moody’s, Standard & Poor’s, Fitch);
  • globale Netzinfrastrukturen (z. B. Visa, MasterCard);
  • Clearing- und Abwicklungsvereinbarungen zwischen Clearingstellen, zentralen Gegenparteien und Abwicklungsstellen sowie ihren Mitgliedern;
  • globale Nachrichteninfrastrukturen zur Übermittlung von Zahlungsverkehrsdaten, die der Aufsicht durch einschlägige Behörden unterliegen;
  • Korrespondenzbankdienstleistungen und
  • der Erwerb von Dienstleistungen, die anderenfalls nicht vom Institut oder Zahlungsinstitut erbracht würden (z. B. Beratung durch einen Architekten, Bereitstellung eines Rechtsgutachtens und Vertretung vor Gericht und Verwaltungsbehörden, Reinigung, Gartenarbeiten und Instandhaltung der Räumlichkeiten des Instituts oder Zahlungsinstituts, medizinische Dienstleistungen, Wartung von Firmenwagen, Verpflegungsdienste, Automatenservices, Bürodienstleistungen, Reisedienstleistungen, Poststellendienste, Rezeptionskräfte, Sekretariatskräfte und Telefonisten), von Waren (z. B. Plastikkarten, Kartenlesegeräte, Büromaterial, Computer, Möbel) oder Versorgungsleistungen (z. B. Strom, Gas, Wasser, Telefon).

Es ist wichtig, dass die Verträge mit den Auslagerungsunternehmen, ob es sich um eine Auslagerung oder einen Fremdbezug handelt, vor Vertragsabschluss überprüft werden. Denn sowohl bei Auslagerungen als auch Fremdbezügen muss vorab eine Risikoanalyse durchgeführt werden.

BERATUNGSTIPP

Implementierung eines effizienten & wirksamen Auslagerungsmanagements.

 

Für die risikoorientierte Überprüfung bestehender wesentlicher Auslagerungsverträge gibt es eine verlängerte Umsetzungsfrist bis zum 31.12.2021.

Eine regelmäßige Überwachung und Kontrolle der Auslagerung muss aufgrund der aufsichtsrechtlichen Vorgaben durch einen definierten Prozess und in Vereinbarung mit dem Service Provider durchgeführt und sichergestellt werden.

PRAXISTIPPS

Mit der Durchführung der Risikoanalyse nach den Anforderungen der EBA-Leitlinien und gemäß der institutsindividuellen OpRisk-Methode erfüllen Sie die aufsichtsrechtlichen Vorgaben für jede Auslagerung in Ihrem Institut.

Wir empfehlen Ihnen, sich frühzeitig mit den neu anstehenden Pflichten der EBA-Leitlinie im Auslagerungsmanagement auseinanderzusetzen. Bitte prüfen Sie kritisch Ihren Einkaufsprozess und überwachen Sie die Bewertung und Pflege der Dienstleistungen von Ihren Service Providern in einem Auslagerungsregister.

Beitragsnummer: 86904

Neue MaRisk 2020

Geplante Neuerungen und (direkte) Übernahme verschiedener EBA-Leitlinien in die nationale Aufsichtspraxis mit teilweise direkten Auswirkungen auf LSI

Die MaRisk-Novelle 2020 ist bereits auf dem Weg

Alexandra Pfeil, Wirtschaftsprüferin/Steuerberaterin, AWADO GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Steuerberatungsgesellschaft

 

 

 

 

 

 

Erstmalig in 2005 in Kraft getreten sind die MaRisk ein vergleichsweise junges Regelwerk, stehen aber dennoch schon kurz vor der 6. Novellierung. Seit Veröffentlichung der letzten MaRisk-Novelle im Jahr 2017 wurden verschiedene EBA-Leitlinien mit MaRisk-Bezug erlassen, sodass die Umsetzung dieser Leitlinien im Zuge einer Neufassung der MaRisk möglich ist.

I. Umsetzung von EU-Verordnungen und EBA-Guidelines – Wie funktioniert das?

EU-Verordnungen sind Rechtsakte mit unmittelbarer Gültigkeit in den Mitgliedstaaten. Sie entfalten eine sogenannte Durchgriffswirkung und bedürfen daher keiner separaten Umsetzung in nationales Recht.

Anders verhält es sich jedoch mit der Umsetzung von (EBA-)Leitlinien:

Der Prozess zur Übernahme von EBA-Guidelines (Leitlinien) in die Verwaltungspraxis der deutschen Bankenaufsicht setzt – ungeachtet der grundsätzlichen Übernahme aller Leitlinien – mit der Festlegung der BaFin gegenüber der EBA ein, ob und in welchem Umfang solche Leitlinien der EBA in deutsches Recht und unsere nationale Verwaltungspraxis übernommen werden.

Im Rahmen des sogenannten “Comply or explain-Verfahrens” erfolgt die Entscheidung zur Übernahme einer Leitlinie durch eine sogenannte “Comply-Erklärung” der BaFin gegenüber der EBA. Dabei gibt die BaFin regelmäßig auch an, ob die Leitlinien unverzüglich oder erst mit der Umsetzung in deutsches Recht oder durch ein nationales Rundschreiben anzuwenden sind.

Für den Fall der Umsetzung durch ein Rundschreiben oder die Novellierung eines (bestehenden) Rundschreibens müssten die LSIs die hieraus resultierenden Anforderungen aus der Guideline erst mit der Veröffentlichung des nationalen Rundschreibens anwenden. Jedoch sind die LSIs auch dann gehalten, sich bereits vorher mit dem Inhalt der betreffenden (und regelmäßig auch in der deutschen Amtssprache vorliegenden) Leitlinien zu befassen und organisatorische Vorkehrungen zu treffen, um die hierin adressierten Anforderungen umzusetzen.

In nachfolgendem Schaubild sind die Möglichkeiten der Übernahme der EBA-Leitlinien dargestellt:

II. EBA-Leitlinien mit MaRisk-Bezug – Wo sind Änderungen zu erwarten?

Seit Veröffentlichung der letzten MaRisk-Novelle im Jahr 2017 wurden nachfolgende EBA-Leitlinien mit MaRisk-Bezug veröffentlicht, für die ein Änderungsbedarf absehbar bzw. offen ist:

Der Bestand an notleidenden Krediten und die angemessene Steuerung derselben ist in den vergangenen Jahren immer mehr in den Fokus der Aufsicht gerückt. Der hohe Bestand an notleidenden Krediten wird weiterhin als Gefahr für die europäische Bankenlandschaft betrachtet. Die EBA wurde daher im Rahmen des Aktionsplans des EU-Rats im Juli 2017 ersucht, geeignete bankaufsichtliche Regelungen zum Abbau notleidender Kredite zu entwickeln und hat am 31.10.2018 in diesem Zusammenhang die Leitlinien für notleidende und gestundete Engagements veröffentlicht. Geltungsbeginn war grundsätzlich der 30.06.2019. Die BaFin hat sich mit den Leitlinien “comply” erklärt. Eine konkretisierende Umsetzung für Banken im deutschen Aufsichtsgebiet durch die BaFin ist daher zu erwarten.1. GL/2018/06 – Leitlinien für notleidende und gestundete Engagements

In welcher Form die EBA-Leitlinien auf nationaler Ebene umgesetzt werden, wurde bislang noch nicht bekannt gegeben. Grundsätzliche Möglichkeiten sind:

  • Eine 1:1-Übernahme bspw. durch direkten Verweis auf die EBA-Leitlinien
  • Die Einarbeitung der neuen Regelungen in ein bestehendes deutsches Regelwerk (z. B. die MaRisk)
  • Verfassen eines neuen deutschen Regelwerks
  • Die EBA-Leitlinien sind vom deutschen Regelwerk bereits vollständig bzw. zum Teil erfasst

Entscheidend für die Banken sind hierbei diejenigen Anforderungen, die über die heute geltenden MaRisk hinausgehen.

Wesentliche Inhalte der Leitlinien sind (ab einer NPL-Quote von fünf Prozent) z. B. die Vorgabe eigener Strategien für NPL und Rettungserwerbe sowie umfangreiche Prozessvorgaben. Aber auch Banken mit einer NPL-Quote unter fünf Prozent müssen ggf. mit Auswirkungen auf ihre Prozesse im Zusammenhang mit NPL rechnen. So fordern die Leitlinien beispielsweise ein Backtesting für die EWB-Bildung und Sicherheitenbewertung. Ebenfalls ist die Wirksamkeit von Stundungsmaßnahmen im Vorfeld und im Nachgang quantitativ zu beurteilen und es sind Prozessvorgaben für die Exit-Kriterien aus NPL gefordert.

Erwähnt sei darüber hinaus ergänzend, dass seit April 2019 die Verordnung 2019/630 (NPL Backstop) in Kraft ist, die bei notleidenden Krediten ggf. zu einem Abzug vom harten Kernkapital führen kann.

2. Leitlinien Outsourcing

Die EBA-Leitlinien zu Auslagerungen wurden am 25.02.2019 veröffentlicht und treten am 30.09.2019 in Kraft. Die deutsche Aufsicht plant nach aktuellem Stand die Umsetzung folgender Regelungen zusätzlich zu den bereits bestehenden Vorgaben in AT 9 MaRisk:

  • Auslagerungsregister, das alle wesentlichen und unwesentlichen Auslagerungen enthält mit umfangreicheren vorgegebenen Mindestinhalten für wesentliche Auslagerungen und der Verpflichtung, das Register auf dem neuesten Stand zu halten,
  • Informationspflicht gegenüber der Aufsicht über geplante wesentliche Auslagerungen und wesentlich gewordene bestehende Auslagerungen sowie über wesentliche Änderungen und/oder schwere Vorfälle im Rahmen von bestehenden Auslagerungsverträgen sowie
  • Vereinfachungen für Gruppen und institutsbezogene Sicherungssysteme.

Aktuell sind keine Änderungen hinsichtlich der Erweiterung der Auslagerungsdefinition auf bankfremde Bereiche sowie der Erweiterung der Risikoanalyse vorgesehen.

Offen ist insbesondere der Umgang mit einer möglichen Erweiterung der Auslagerungssteuerung sowie der Umgang mit einer möglichen Prüfung vor Abschluss eines Auslagerungsvertrages.

Die BaFin und die Bundesbank planen, die Änderungen im Rahmen der teilweisen Umsetzung durch Anpassung der MaRisk sowie ggf. durch Änderungen der Anzeigenverordnung vorzunehmen.

3. Leitlinien zur Kreditvergabe und Überwachung

Am 19.06.2019 hat die EBA die Konsultation der Leitlinien zur Kreditvergabe und Überwachung begonnen. Die Leitlinien enthalten Standards für die Kreditwürdigkeitsprüfung und interne Governance-Regeln für die Gewährung und Überwachung von Krediten für den gesamten Lebenszyklus und sollen ab dem 30.06.2020 gelten.

PRAXISTIPPS

  • Analysieren Sie Ihre Ausgangssituation: Prüfen Sie Ihre Kredit- und Auslagerungsprozesse dahingehend, welche Anforderungen bislang noch nicht erfüllt sind, um für eine zeitnahe Umsetzung der neuen Anforderungen gewappnet zu sein.
  • Ermitteln Sie Ihre aktuelle NPL-Quote. Bei einer Quote nahe fünf Prozent bzw. darüber ist eine Überprüfung Ihrer Kreditprozese und Abgleich der Anforderungen mit den EBA-Leitlinien anzuraten.
  • Prüfen Sie bestehende Auslagerungsverträge, ob es sich um wesentliche oder unwesentliche Auslagerungen handelt und halten Sie die Mindestinformationen dazu vor.

SEMINARTIPPS

Neue MaRisk 2020, 17.03.2020, Frankfurt/M.

https://www.fc-heidelberg.de/produkt/neue-marisk-2020/

Prüfung AT 9 – Auslagerungen, 31.03.2019, Köln.

https://www.fc-heidelberg.de/produkt/pruefung-at-9-auslagerungen/

Neue MaRisk 2020: Fokus Risikomanagement, 06.05.2020, Frankfurt/M.

https://www.fc-heidelberg.de/produkt/neue-marisk-2020-fokus-risikomanagement/

Prüfung MaRisk-Vorgaben Kreditgeschäft, 27.05.2020, Köln.

https://www.fc-heidelberg.de/produkt/pruefung-marisk-vorgaben-kreditgeschaeft-2/

Auslagerungen im Fokus von neuer MaRisk & BAIT, 23.06.2019, Frankfurt/Offenbach.

https://www.fc-heidelberg.de/produkt/auslagerungen-im-fokus-von-neuer-marisk-bait/

BUCHTIPPS

Arbeitsbuch Neue Werthaltigkeits-/PAAR-Prüfungen im Kreditgeschäft, 2019.

https://www.fc-heidelberg.de/produkt/arbeitsbuch-neue-werthaltigkeits-paar-pruefungen-im-kreditgeschaeft/

Beckmann/Daumann/Horn/Thieking: Auslagerung nach MaRisk, 2018.

https://www.fc-heidelberg.de/produkt/auslagerung-nach-marisk/

 

KONTAKTDATEN

Björn Wehling
Geschäftsführer
Bereichsleiter Revision

Finanz Colloquium Heidelberg GmbH
Im Bosseldorn 30, 69126 Heidelberg
www.FC-Heidelberg.deTel.: +49 6221 99 89 8-31
Fax: +49 6221 99 89 8-99
Mobil: +49 152 557 16 232
E-Mail Bjoern.Wehling@FC-Heidelberg.de

 

Beitragsnummer: 84758

 

Prüfung Frühwarnverfahren

Frank Grunau, Direktor Interne Revision, Sparkasse Wilhelmshaven

Kosten senken ist eine schöne Übung, aller Ehren wert. Aber was ist, wenn die Risiken hierdurch plötzlich steigen? Man kann leicht den Überblick verlieren über all die Prozesse im Risikomanagement und Neuerungen im Aufsichtsrecht, aber dennoch ist die fortlaufende Investition in Technik und Qualifikation der Mitarbeiter erforderlich, um auch zukünftig den Anforderungen der Bankenaufsicht zu entsprechen.

Seit der Finanzkrise ist die Intensität regulatorischer Anforderungen im Bereich der Banksteuerung kontinuierlich gestiegen. Die Kreditinstitute müssen deshalb aktuell über die Entwicklungen in der regulatorischen Banksteuerung informiert sein, um sich damit dann intensiv im Gesamthaus auseinandersetzen zu können.

Die durch die MaRisk geforderten Frühwarnverfahren in einem Kreditinstitut müssen systematisch weiterentwickelt und u. a. durch die Interne Revision entsprechend überwacht werden. Hierunter fallen alle Tätigkeiten, die darauf ausgerichtet sind, Risiken frühzeitig und systematisch zu erfassen, zu steuern und zu überwachen.

Gesetzliche Grundlagen zum Risikomanagement findet man seit 1998 im KonTraG und in den §§ 91 und 93 AktG: „Der Vorstand hat geeignete Maßnahmen zu treffen, insbesondere ein Überwachungssystem einzurichten, damit den Fortbestand der Gesellschaft gefährdende Entwicklungen früh erkannt werden.“

Es ist für die Häuser wichtiger denn je, dass die Erreichung der unternehmerischen Ziele mit ausreichender Wahrscheinlichkeit sichergestellt wird. Mögliche, die Organisation beeinflussende Ereignisse müssen frühzeitig erkannt werden, um eine angemessene Reaktion zu ermöglichen.

Insbesondere die Interne Revision muss die Funktionsfähigkeit der Risikomanagementprozesse beurteilen und zu deren Verbesserung beitragen (International Professional Practices Framework)! Die Frühwarnverfahren in einem Kreditinstitut sind deshalb ein wesentlicher systemischer Prüfungsgegenstand in der Mehrjahresplanung.

SEMINARTIPPS

Prüfung Frühwarnverfahren, 08.10.2019, Frankfurt/M.

Vorstands-Berichtswesen: optimiert & aufsichtskonform, 21.10.2019, Frankfurt/M.

Aktuelle § 44er Sonderprüfungen im Meldewesen, 02.12.2019, Frankfurt/M.

Wichtigstes Kriterium für die Beurteilung von Frühwarnverfahren im Allgemeinen ist deren Wirksamkeit. Frühwarnverfahren, die dieses Kriterium nicht bzw. nur sehr eingeschränkt erfüllen, erzeugen ein trügerisches „Sicherheitsgefühl“. Die Notwendigkeit der Wirtschaftlichkeit und Angemessenheit der Frühwarnverfahren und der dazugehörigen Prozesse sind im Hinblick auf die erforderliche Effizienz ebenfalls kritisch zu überprüfen.

Für die Wirksamkeit der Frühwarnverfahren entscheidend sind zunächst die Qualität der Daten, die korrekte Parametrisierung der Systeme und die Nutzung vorhandener Schnittstellen. Falsche Frühwarnverfahren schränken die Aussagekraft ermittelter Risikoprofile stark ein und bergen die Gefahr von Fehlsteuerungen oder Unterschätzung der Risikosituation.

BERATUNGSANGEBOT

Fit für die Sonderprüfung nach § 44 KWG.

 

 

Die dadurch gestiegenen Anforderungen an die Prüfung der Frühwarnsysteme durch die Interne Revision sind deshalb durch eine entsprechende Prüfungsplanung und kompetente Prüfungshandlungen abzubilden. Wichtig ist hier die regelmäßige Prüfung der kontinuierlichen Anpassung der Verfahren und Methoden auf der Grundlage gesetzlicher, aufsichtlicher und risikobasierter Entwicklungen im Zeitablauf.

Die Interne Revision, als zentrale Funktion innerhalb des internen Überwachungssystems, sollte dabei angemessen in die Risikomanagementprozesse eingebettet werden. Dabei ist die Angemessenheit und Wirksamkeit der prozessintegrierten und prozessunabhängigen Überwachungsaktivitäten in der First und Second Line of Defense zu berücksichtigen.

PRAXISTIPPS

  • Die Beschreibung der definierten Indikatoren, Steuerungsmaßnahmen, Kontrollen und Überwachungsmaßnahmen sollte regelmäßig beurteilt werden (Sind diese systematisch und für sachkundige Dritte nachvollziehbar?).
  • Eignen sich die implementierten Risikosteuerungsmaßnahmen überhaupt (Wirken diese tatsächlich wie gewünscht auf das Risiko ein)?
  • Wird die Risikostrategie mit den definierten Maßnahmen insgesamt umgesetzt?
  • Prüfung der Eignung der implementierten Kontrollen (Können diese sicherstellen, dass die vom Management festgelegten Risikosteuerungsmaßnahmen korrekt und zeitgerecht durchgeführt werden?).
  • Vergessen Sie aber auch nicht, die Wirtschaftlichkeit gewählter Maßnahmen und Kontrollen zur Steuerung der identifizierten Risiken in die Beurteilung einzubeziehen!

 

Beitragsnummer: 83493

 

Fit für die § 44 KWG-Prüfung



Praxisbericht eines Instituts mit Schwerpunktprüfung Risikomanagement.

Stephan Neumeister, Abteilungsleiter, Prokurist, Vorstandssekretariat, Recht und Regulatorisches Office, Debeka Bausparkasse AG.

           

I. Prüfungsankündigung – und was nun?

Nicht selten löst die Prüfungsankündigung in den betroffenen Häusern Unbehagen und hektische Betriebsamkeit aus. Neben der Sorge um ein schlechtes Prüfungsergebnis bindet die Prüfung erhebliche Kapazitäten. Schließlich muss das Tagesgeschäft parallel zu den Prüfungshandlungen erledigt werden. Eine gute Organisation ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass die Prüfung gut gemeistert wird. Es versteht sich von selbst, dass der Prüfungsvorbereitung höchste Priorität einzuräumen ist. Ein schlechtes Prüfungsergebnis kann nicht nur zu aufsichtsrechtlichen Sanktionen bis hin zur Abberufung von Geschäftsleitern führen. Das Ergebnis der Prüfung fließt auch in die Bewertung im Rahmen des SREP ein und beeinflusst somit auch die Eigenkapitalanforderung an das Institut. Die Debeka Bausparkasse AG durchlief im März 2019 eine Sonderprüfung gem. § 44 KWG mit Schwerpunkt Risikomanagement. Die Prüfungsvorbereitung und -begleitung wurde erstmals in Form einer projektähnlichen Struktur organisiert. Der folgende Beitrag beleuchtet die Organisation des Prüfungsprozesses und die wesentlichen Erfolgsfaktoren für einen reibungslosen Ablauf.

Professionelle Prüfungsvorbereitung – der Schlüssel zum Erfolg! Zwischen Eingang der Prüfungsankündigung und Prüfungsbeginn liegen regelmäßig ...


Weiterlesen?


Dies ist ein kostenpflichtiger Beitrag aus unseren Fachzeitschriften.

Um alle Beiträge lesen zu können, müssen Sie sich bei meinFCH anmelden oder registrieren und danach eines unserer Abonnements abschließen!

Anmeldung/Registrierung

Wenn Sie angemeldet oder registriert sind, können Sie unter dem Menüpunkt "meinABO" Ihr aktives Abonnement anschauen oder ein neues Abonnement abschließen.

Zunehmende Bedeutung der Internen Revision im Auslagerungsprozess



Chancen und Risiken aus Auslagerungen als Ausgangspunkt des Prüfungs- und Beratungsansatzes der Internen Revision.

Gisela Conrads, Bereichsleiterin Interne Revision, Münchener Hypothekenbank eG.

I. Bedeutung der Auslagerung in der Kreditwirtschaft

Die Finanzwirtschaft in Deutschland befindet sich seit Jahren in einer Struktur- und Ertragskrise. In Zeiten der zunehmenden Dynamik im Umfeld der Kreditinstitute, des steigenden Kostendrucks und den Aspekten des „Lean Management“ darf auch das Thema „Outsourcing“ – sprich die Auslagerung von Aktivitäten und Prozessen – nicht fehlen. Dieses Instrument, welches in der Industrie bereits vor über 100 Jahren zur Effizienzsteigerung eingeführt wurde, findet in der Finanzwelt erst seit ca. 20 Jahren verstärkten Einsatz. Neben IT-Aktivitäten wurden dabei auch standardisierte Kreditprozesse auf preiswertere – häufig nicht regulierte – Dienstleister verlagert[1]. Dies hat auch die Bankenaufsicht erkannt, die u. a. 2001 entsprechende Regularien erlassen hat, die seither weiter modifiziert wurden und die Interne Revision des auslagernden Instituts in die Pflicht nehmen. Da die Internen Revisionen in der Kreditwirtschaft darüber hinaus seit Jahren gefordert sind, sich stärker beratend und präventiv insbesondere bei als „wesentlich“ eingestuften Auslagerungen einzusetzen, bietet dieses früher eher stiefmütterlich behandelte Prüfungsgebiet viele (Beratungs-)Ansatzpunkte für die Interne Revision. Der nachfolgende Beitrag soll exemplarisch aufzeigen, ...


Weiterlesen?


Dies ist ein kostenpflichtiger Beitrag aus unseren Fachzeitschriften.

Um alle Beiträge lesen zu können, müssen Sie sich bei meinFCH anmelden oder registrieren und danach eines unserer Abonnements abschließen!

Anmeldung/Registrierung

Wenn Sie angemeldet oder registriert sind, können Sie unter dem Menüpunkt "meinABO" Ihr aktives Abonnement anschauen oder ein neues Abonnement abschließen.

Depot A-Risiken – Methodische und prozessuale Anforderungen

Dominik Leichinger, Prüfungsleiter, Referat Bankgeschäftliche Prüfungen 2, Deutsche Bundesbank, Hauptverwaltung in NRW[1]

Die seit mehr als einer Dekade anhaltende Niedrigzinsphase, aber auch der zunehmende Wettbewerbsdruck innerhalb der Bankenbranche führen zu sinkenden Margen innerhalb des klassischen Kredit- und Einlagengeschäfts von Kreditinstituten und bergen damit Risiken für deren Ertragslage. In solchen Zeiten kommt der Zusammensetzung der von den Instituten gehaltenen Eigenanlagen – das sogenannte Depot A – eine immer größere Bedeutung zu. Während in der Vergangenheit die Hauptaufgabe der Eigenanlagen größtenteils in der Anlage und Steuerung der Liquiditätsposition eines Kreditinstituts bestand, ist heutzutage der mit den Eigenanlagen zu erzielende Ergebnisbeitrag nicht selten von herausgehobener Bedeutung.

So verwundert es nicht, dass neben den traditionellen Assetklassen (u. a. Staatsanleihen, Bankanleihen und Pfandbriefen) immer größere Anteile der Eigenanlagen in riskantere Anlageformen wie Corporates, Emerging-Marktes-Papiere, High-yield-Bonds oder Aktien fließen – um nur einige zu nennen. Darüber hinaus erfreuen sich auch Anlagen in Fonds immer größerer Beliebtheit bei den Kreditinstituten. Diese umfassen nicht nur Anlagen in Publikumsfonds, die in Renten und/oder Aktien investieren. Auch Immobilienfonds finden sich immer häufiger in den Eigenanlagen der Kreditinstitute. Ferner wächst seit einigen Jahren die Bedeutung von Spezialfonds, die bei einigen Instituten einen nicht unerheblichen Anteil der Eigenanlagen ausmachen. Bei diesen Spezialfonds handelt es sich überwiegend um eigens für ein Institut aufgelegtes Investmentvermögen, dessen Anlagestrategie individuell zwischen Kreditinstitut und der jeweiligen Kapitalverwaltungsgesellschaft festgelegt wird.

SEMINARTIPPS

RWA-Optimierung bei knapper werdendem Eigenkapital, 21.10.2019, Frankfurt/M.

Update 2019: BaFin-Rundschreiben zum Zinsänderungsrisiko im Anlagebuch, 07.11.2019, Hamburg.

Prüfung Spezialfonds, 13.11.2019, Frankfurt/M.

Depot A-Risiken: Wirksame Frühwarnverfahren & Stresstests(-Szenarien), 14.11.2019, Frankfurt/M.

Verbunden mit einer Neuausrichtung der Eigenanlagen ist regelmäßig auch eine Überarbeitung der strategischen Vorgaben notwendig. In Einklang mit den MaRisk hat die Geschäftsstrategie die Zielsetzung aller wesentlichen Geschäftsaktivitäten sowie die zu ihrer Erreichung erforderlichen Maßnahmen zu umfassen. In diesem Zusammenhang ist ebenfalls der Umgang mit den aus der Geschäftstätigkeit resultierenden Risiken in einer zur Geschäftsstrategie konsistenten Risikostrategie festzulegen.

Als Ausgangsbasis für die eingehende Analyse der mit der Neuausrichtung des Depot A verbundenen Risiken bietet sich der Prozess der Risikoinventur an. In Abhängigkeit von der konkreten Veränderung der Depot A-Ausrichtung, etwa in Form von Anlagen in neuen Produkten oder Märkten, kann für Zwecke der Risikoinventur auf die Ergebnisse aus zuvor durchlaufenen Neue-Produkte-Prozessen gem. AT 8.1 MaRisk zurückgegriffen werden. Unter Berücksichtigung der überarbeiteten aufsichtsrechtlichen Anforderungen an die Ausgestaltung von Risikotragfähigkeitskonzepten[2] ist zu beachten, dass im Rahmen der Risikoinventur die Risiken sowohl aus normativer als auch aus ökonomischer Perspektive zu betrachten sind, da beide Perspektiven zusammen einen integrierten Steuerungskreis für die Risikotragfähigkeit in Kreditinstituten bilden.

BUCHTIPP

Geiersbach/Prasser (Hrsg.), Praktikerhandbuch Stresstesting, 3. Aufl. 2017.

 

Für die aufsichtliche Beurteilung interner Verfahren zur Sicherstellung der Risikotragfähigkeit spielt die Beachtung von Konsistenzaspekten (vgl. Rd-Nr. 10 des überarbeiteten RTF-Leitfadens) eine wichtige Rolle. Sofern ein Institut nicht nur unwesentliche Volumina in Fondspositionen angelegt hat, folgt aus dem Konsistenzgebot die Anwendung der Transparenzmethode mittels Durchschau. Zum einen bedeutet dies, dass Positionen gegenüber denselben Emittenten innerhalb verschiedener Fondsanlagen und unter Berücksichtigung der Direktanlagen innerhalb des Depot A zusammenzuführen sind. Erst im Zuge einer Aggregation von Positionen gegenüber identischen Schuldnern können Risikokonzentrationen angemessen identifiziert, gemessen und gesteuert werden.

Zum anderen ist unter das Konsistenzgebot auch die Einheitlichkeit der Risikomessmethodik zu subsumieren, die für Zwecke der Risikoermittlung bei den Eigenanlagen herangezogen wird.

Neben den erwähnten methodischen Aspekten sind auch die prozessualen Vorgaben in Einklang mit der Zusammensetzung der Eigenanlagen und unter Berücksichtigung des Risikoprofils auszugestalten. Entsprechend den Anforderungen des BTO 1.1 Tz. 3 der MaRisk erfordert die Einrichtung eines Kontrahenten- oder Emittentenlimits stets eine Votierung aus der Marktfolge. Im Zuge des Durchschauprinzips gilt dies gleichermaßen für bedeutende Positionen innerhalb von Fondsanlagen.

Des Weiteren sind im Sinne eines angemessenen Risikomanagements auch die von einem Institut angewandten Verfahren zur Früherkennung von Risiken auf das Risikoprofil der Eigenanlagen abzustimmen. Zusätzlich zu empirischen Erkenntnissen aus der Vergangenheit bieten sich die Ergebnisse aus Stresstestanalysen oder im Rahmen von Validierungshandlungen durchgeführter Sensitivitätsanalysen zur Identifizierung und Auswahl risikosensitiver Frühwarnindikatoren an.

PRAXISTIPPS

  • Beurteilung der mit den Eigenanlagen verbundenen Risiken sowohl aus normativer als auch ökonomischer Perspektive über die gesamte Prozesskette des Risikomanagements (insb. Risikoinventur, Risikotragfähigkeitsanalyse, Stresstesting).
  • Konsequente Anwendung der Durchschaumethode für materielle Fondspositionen zur sachgerechten Erfassung und Steuerung von Risikokonzentrationen sowie Sicherstellung einer in sich konsistenten Risikomessung für den gesamten Eigenanlagebestand.
  • Festlegung geeigneter Frühwarnindikatoren zur Gewährleistung einer frühzeitigen Identifizierung eines sich abzeichnenden Risikoanstiegs bei den Eigenanlagen. Als Grundlage und Hilfestellung bieten sich Erkenntnisse aus der Risikoinventur, Validierungsergebnisse zur Überprüfung der Angemessenheit der Risikomessmethoden oder auch Stresstestanalysen an.
  1. Die in diesem Beitrag vertretenen Auffassungen geben die persönliche Meinung des Autors wieder und sind nicht notwendigerweise Positionen der Deutschen Bundesbank oder einer anderen Bankenaufsichtsbehörde.
  2. BaFin/Bundesbank, Aufsichtliche Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte und deren prozessualer Einbindung in die Gesamtbanksteuerung („ICAAP“) – Neuausrichtung, 2018.

 

Beitragsnummer: 74989

 

Prüfung von Spezialfonds in Regionalbanken

Rahmenbedingungen und Prüfungsansätze

Thomas Maurer, Leiter Interne Revision, Münchner Bank eG

Spezialfonds haben Kreditinstitute bereits seit vielen Jahren, meist mit Unterstützung von Fondsgesellschaften, aufgelegt. Ziel war dabei meist, sich von Marktschwankungen etwas abzukoppeln und innerhalb des Fonds Korrelationseffekte quasi automatisch zu nutzen und zudem jährlich die Entscheidungsfreiheit zu haben, ob und in welcher Höhe aufgelaufene Erträge ausgeschüttet werden sollen. Damit konnte auch die Entwicklung der Gewinn- und Verlustrechnung geglättet werden. In der aktuellen Situation des sich ausweitenden Eigenanlagengeschäfts vieler Institute hat das Thema Spezialfonds einen wesentlich höheren Stellenwert erreicht. Viele Banken haben mittlerweile einen beachtlichen Teil ihrer Eigenanlagen in einem Spezialfonds untergebracht, der neben klassischen Wertpapieren auch strukturierte Produkte und Derivate enthält. Dies bringt mit sich, dass auch die Interne Revision das Thema im Rahmen ihrer Prüfungstätigkeit umfassend und risikoorientiert zu würdigen hat.

SEMINARTIPPS

Herausforderung: Daten-Verzahnung Controlling, Melde- & Rechnungswesen, 16.10.2019, Köln.

Adverse Szenarien & angemessene Stresstests in RTF und Kapitalplanung, 24.10.2019, Frankfurt/M.

Update 2019: BaFin-Rundschreiben zum Zinsänderungsrisiko im Anlagebuch, 07.11.2019, Hamburg.

Prüfung Spezialfonds, 13.11.2019, Frankfurt/M.

Depot A-Risiken: Wirksame Frühwarnverfahren & Stresstests(-Szenarien), 14.11.2019, Frankfurt/M.

Zum Einstieg in eine solche Prüfung sind zunächst die vertraglichen Grundlagen mit der Fondsgesellschaft zu untersuchen. Dabei sollte besonderen Wert auf die möglichst zweifelsfreie Formulierung der Anlagerichtlinien gelegt werden. Wichtig ist auch die Frage, wer final die Anlage- und Verkaufsentscheidungen für den Fonds trifft (die Bank, ein Gremium aus Bank und Fondsgesellschaft oder der Fondsmanager in eigener Verantwortung im Rahmen der Anlagerichtlinien) und in welcher Form diese zu dokumentieren sind. Unter Renditeaspekten sollten auch die Kosten der Fondsverwaltung und der Transaktionen betrachtet und mit marktgerechten Preisen abgeglichen werden. In diesem Zusammenhang sollte auch die Frage nach den Beratungsaktivitäten der Fondsgesellschaft und deren Kosten gestellt werden. Grundsätzlich ist gegen eine solche Beratungstätigkeit nichts einzuwenden. Es sollte aber sichergestellt sein, dass eventuell hiermit verbundene zusätzliche Kosten in die Gesamtkalkulation einbezogen werden und dass in erster Linie die Interessen des Instituts und nicht der Kapitalanlagegesellschaft im Fokus stehen.

Die Prozesse im Zusammenhang mit dem Eigengeschäft des Kreditinstituts sind bei Auflage eines Spezialfonds auf Aktualität zu prüfen und um die speziellen Anforderungen für einen Spezialfonds zu ergänzen. Wichtig ist, dass die Behandlung des Spezialfonds im Risikocontrolling detailliert geregelt wird. In der Regel wird hier die Durchschaumethode zum Ansatz kommen, d. h. die einzelnen Wertpapiere im Fonds werden so behandelt, als ob sie einzeln im Depot A gehalten würden. Die Tiefe der Durchschau ist insbesondere bei Fonds-in-Fonds-Konstruktionen zu beachten. Es sollte festgelegt werden, wie weit die Durchschau nach unten mit vertretbarem Aufwand noch möglich ist, da bei verschachtelten Konstruktionen durchaus eine nennenswerte Anzahl an Einzeltiteln in Unter-Fonds vorhanden sein kann. In diesem Zusammenhang ist auch der sachgerechte Umgang mit den von der Fondsgesellschaft zur Verfügung gestellten Risikokennzahlen zu prüfen. Diese dürfen nicht einfach unreflektiert von der Bank zur Risikosteuerung herangezogen werden. Es ist seitens der Fondsgesellschaft offenzulegen, mit welchen Parametern diese hergeleitet wurden. In der Folge ist der Ansatz der Fondsgesellschaft mit dem in der Bank praktizierten Ansatz zur Risikoermittlung abzugleichen. Bei Abweichungen sind Umrechnungsmethoden zu definieren, mit denen die Risikokennzahl auf das in der Bank angewandte System übergeleitet werden kann.

Ein weiterer wesentlicher Aspekt bei Spezialfonds ist die Ausgestaltung und der Turnus des Reporting der Fondsgesellschaft an die Bank. Dies muss der Bank ermöglichen, die Entwicklung des Fonds, der Risiken und der Performance laufend zu überwachen, um im Bedarfsfall ein zeitnahes Eingreifen, z. B. durch Anpassung der Anlagerichtlinien, zu ermöglichen. Auch ad-hoc-Informationspflichten für den Fall von ungünstigen oder unerwarteten Entwicklungen sollten geregelt sein.

Die Auflage eines Spezialfonds ist für Kreditinstitute eine komfortable Möglichkeit, das sich ausweitende Eigenanlagegeschäft zielgerichtet zu steuern und somit das Risiko-Rendite-Verhältnis zu optimieren. Die Revision sollte den Spezialfonds aktiv begleiten und, wenn möglich, als beratendes Mitglied in einem Anlageausschuss vertreten sein. Dann kann anhand der laufenden und zeitnahen Informationen auch die erforderliche Prüfung effizient und ressourcenschonend durchgeführt werden.

PRAXISTIPPS

  • Begleiten Sie die Neuauflage eines Spezialfonds in Ihrem Institut von Anfang an aktiv.
  • Versuchen Sie, als beratendes Mitglied, Teil des Anlageausschusses zu werden.
  • Betrachten Sie auch die Kostenseite des Spezialfonds.
  • Achten Sie auf kompatible Steuerungssysteme der Fondsgesellschaft und Ihres Hauses.

 

Beitragsnummer: 74984

 

Mehrwerte schaffen in der Steuerungsrevision

Thomas Maurer, Leiter Interne Revision, Münchner Bank eG

Auch wenn sich in den vergangenen Jahren hinsichtlich des Stellenwerts der Tätigkeit der Internen Revision vieles zum Positiven verändert hat, so ist doch in den Köpfen einiger Geschäftsleiter noch immer latent das Bild vom „notwendigen Übel“ vorhanden. Zu einer guten Revisionsarbeit gehören daher immer auch gewisse Marketingaktionen, um den Mehrwert, der durch diese Tätigkeit für das Unternehmen geschaffen wird, auch nach außen zu tragen. Dies gelingt immer dann am besten, wenn aus den Maßnahmen, die in einem Prüfungsbericht aufgezeigt werden, ein nennenswerter, in Euro und Cent messbarer Vorteil für die Bank entsteht. Dies soll an zwei Praxisbeispielen aus dem Prüfungsuniversum der Steuerungsrevision verdeutlicht werden.

SEMINARTIPPS

Herausforderung: Daten-Verzahnung Controlling, Melde- & Rechnungswesen, 16.10.2019, Köln.

RWA-Optimierung bei knapper werdendem Eigenkapital, 21.10.2019, Frankfurt/M.

Übergang Going Concern-Ansatz auf neue normative RTF-Perspektive, 22.10.2019, Frankfurt/M.

Adverse Szenarien & angemessene Stresstests in RTF und Kapitalplanung, 24.10.2019, Frankfurt/M.

Risikoinventur & Meldung zur Risikotragfähigkeit: Anpassungsdruck 2020, 12.11.2019, Frankfurt/M.

 

Einer der wesentlichen Engpassfaktoren eines Kreditinstituts ist die Risikodeckungsmasse. Je mehr davon nach Abzug der aufsichtsrechtlich zwingend erforderlichen Bestandteile für das Eingehen von Risiken und damit implizit zur Ertragserzielung zur Verfügung steht, desto mehr Ertragschancen hat die Bank. Eine korrekte Verschlüsselung von Immobiliensicherheiten und den zugehörigen Grundpfandrechten ermöglicht durch einen Ausweis von Realkrediten hier eine deutliche Entlastung, da für Realkredite nur ein reduzierter Eigenkapitalbedarf gefordert wird. Im Rahmen einer Prüfung hat sich gezeigt, dass sowohl hinsichtlich der vollständigen Erfassung aller Daten sämtlicher Immobilienbestandteile (im Beispiel Tiefgaragenplätze), als auch der konsequenten Durchführung von Innenbesichtigungen der Beleihungsobjekte noch deutlicher Optimierungsbedarf vorhanden war. Insbesondere bei kleineren Einheiten wurde hierauf in der Vergangenheit nicht ausreichend Wert gelegt. Die Problemstellung bestand darin, dass ein korrekter und damit eigenkapitalentlastender Realkreditausweis im System nur erfolgte, wenn insgesamt 11 Parameter bei den Sicherheiten und den Beleihungsobjekten vollständig und korrekt erfasst waren. Dies war in einer Vielzahl von Fällen nicht gewährleistet. Bei den Tiefgaragenplätzen mit eigenen Grundbüchern, erfolgte beispielsweise deshalb keine Anrechnungen, weil bei diesen kein Verkehrswert im System hinterlegt war. Der gesamte Verkehrswert wurde nur für die Immobilie im System erfasst. Die entsprechende EDV-Auswertung mit den nicht zur Anrechnung kommenden Realkrediten war zudem keinem Bearbeiter zugeordnet und lief daher ins Leere. Letztlich konnte im Nachgang zur Prüfung der IR, allerdings mit hohem Ressourcenaufwand, eine deutliche Eigenkapitalentlastung für die Bank realisiert werden.

Ein weiteres Beispiel betrifft den in der Banksteuerung üblichen, flächendeckenden Einsatz von teilweise komplexen Excel-Tools. Auf Grund der Komplexität und der häufigen Veränderungen sind diese Tools naturgemäß anfällig für Formelfehler. In der Folge werden falsche Ergebnisse ausgewiesen, die die Banksteuerung nennenswert beeinflussen können. Vor diesem Hintergrund sollte die Steuerungsrevision der umfassenden Prüfungen derartiger Tools einen hohen Stellenwert einräumen. Dabei ist insbesondere auf ein korrektes Test- und Freigabeverfahren, ein konsequentes Vieraugenprinzip und Maßnahmen zum Blatt- und Zellschutz zu achten. Aber auch falls alle diese Maßnahmen implementiert und funktionsfähig sind, bleibt ein Restrisiko bestehen. Im konkreten Beispiel waren aufgrund eines Formelfehlers die Schadensfälle, die zur Berechnung des operationellen Risikos herangezogen werden, um das Doppelte zu hoch ausgewiesen. Dies war im Rahmen des Vieraugenprinzips nicht aufgefallen.

Solche Erfolge der Revisionsarbeit können natürlich nicht laufend und auf Wunsch produziert werden. Letztlich sind funktionierende Prozesse und wirksame Kontrollsysteme, die derartige Probleme bereits frühzeitig aufzeigen immer noch besser, als die nachträgliche Feststellung durch die Interne Revision. Aber auch in insgesamt gut funktionierenden Systemen bleiben Restrisiken bestehen. Genau hier sollte die Interne Revision ansetzen, um mit ihren Prüfungshandlungen dazu beizutragen, diese weiter zu reduzieren.

PRAXISTIPPS

  • Stellen Sie das Verbesserungspotenzial der von Ihnen vorgeschlagenen Maßnahmen zur Beseitigung von Prüfungsfeststellungen deutlich heraus.
  • Nachweisliche Mehrerträge oder Kostenreduzierungen in Euro wirken dabei am besten.
  • Bei System- und Prozessprüfungen besteht in der Regel das größte Potenzial für die Schaffung von Mehrwerten.
  • Achten Sie insbesondere auf die korrekte Verschlüsselung der Vorgänge in der IT.
  • Prüfen Sie komplexe Excel-Tools in der Banksteuerung besonders intensiv.

 

Beitragsnummer: 74976

 

Umsetzung der neuen Risikotragfähigkeit-Vorgaben

Dr. Daniel Baumgarten, Teamleiter Risikotragfähigkeit und Kapital, Sparkasse KölnBonn

Überarbeitete aufsichtliche Vorgaben zur Risikotragfähigkeit und Kapitalplanung

In Annäherung an die Erwartungen der EZB an die Ausgestaltung des ICAAP haben die BaFin und die Deutsche Bundesbank im Mai 2018 ein überarbeitetes Leitlinienpapier zur Risikotragfähigkeit veröffentlicht. Der Leitfaden richtet sich an unmittelbar von der BaFin beaufsichtigte Less Significant Institutions (LSI) und enthält Vorgaben, die von der nationalen Aufsicht zukünftig bei der Beurteilung der bankinternen Risikotragfähigkeitskonzepte zugrunde gelegt werden.

SEMINARTIPPS

RWA-Optimierung bei knapper werdendem Eigenkapital, 21.10.2019, Frankfurt/M.

Übergang Going Concern-Ansatz auf neue normative RTF-Perspektive, 22.10.2019, Frankfurt/M.

Neue ICAAP-/ILAAP-Grundsätze: Herausforderungen für die Banksteuerung, 23.10.2019, Frankfurt/M.

Neue RTF-Praxis:(un)sachgerechte adverse Szenarien als Herausforderung, 24.10.2019, Frankfurt/M.

12. Hamburger Bankenaufsicht-Tage 2019, 04.–05.11.2019, Hamburg.

Zwar bietet der Annex des neuen Leitfadens die Möglichkeit, die bisher in Deutschland weit verbreiteten Going-Concern-Ansätze (Fortführungsansätze) zunächst weiter zu nutzen. Nach einer ersten Analyse- und Vergleichsphase beschäftigen sich nun jedoch viele deutsche Institute vermehrt mit der perspektivischen Umsetzung der neuen Vorgaben in Form der normativen und ökonomischen Perspektiven.

Weiterentwicklung der Kapitalplanung als Grundlage der normativen Perspektive

Das Ziel der normativen Perspektive ist die Sicherstellung der Erfüllung aufsichtlicher Mindestkapitalquoten und relevanter Kapitalpufferanforderungen über einen Horizont von mindestens drei Jahren. Zur Erfüllung der bestehenden Anforderung in MaRisk AT 4.1 Tz. 11 dürfte jedes deutsche Institut bereits bisher eine Kapitalplanung durchführen und entsprechende langjährige Erfahrungswerte aufweisen.

Der primäre Umsetzungsaufwand der deutschen LSI bei der Einführung der normativen Perspektive wird daher in einer Weiterentwicklung der Ableitung und Dokumentation der Szenarien liegen und in diesem Zusammenhang insbesondere bei der Entwicklung des oder der adversen Szenarien. Diese sollen neben einer von der Planung abweichenden Entwicklung gemäß den neuen Anforderungen auch Risiken aus der ökonomischen Perspektive berücksichtigen. Die Entwicklung des geforderten sinnvollen „Zusammenspiels“ der beiden Sichtweisen bei der Entwicklung der Szenarien wird bei vielen Instituten voraussichtlich den Großteil des Umsetzungsaufwands ausmachen. Nicht zu vernachlässigen ist darüber hinaus die in Tz. 22 des neuen Leitfadens formulierte Anforderung einer Planung der Strukturanforderungen hinsichtlich des Kapitals.

Liquidationsansatz als Grundlage der ökonomischen Perspektive

Die ökonomische Perspektive dient der langfristigen Sicherung der Substanz des Instituts und dem Schutz der Gläubiger vor Verlusten aus ökonomischer Sicht. Der institutsindividuelle Umsetzungsaufwand zur Ausgestaltung der ökonomischen Perspektive ist in hohem Ausmaß davon abhängig, ob das bisherige Risikotragfähigkeitskonzept des Instituts einen Liquidationsansatz („Gone Concern“) beinhaltet. Ist dies nicht der Fall, fehlen dem Institut in der Regel Erfahrungswerte bzgl. der barwertigen Risikoquantifizierung zu einem Konfidenzniveau von 99,9 %. Mit dieser Herausforderung sieht sich eine große Anzahl der deutschen LSI konfrontiert. Laut der kürzlich veröffentlichten „Range of Practice“-Studie der Deutschen Bundesbank zur Risikotragfähigkeit nutzten im Zeitraum 2015 bis 2017 knapp 93 % der deutschen LSI ausschließlich einen buchwertigen Fortführungsansatz.

Doch auch für Institute, die bereits in ihrem bisherigen Risikotragfähigkeitskonzept einen Liquidationsansatz verwenden, wird sich im Rahmen der Einführung der ökonomischen Perspektive Analyseaufwand ergeben. So ist sowohl auf Seite der Quantifizierung der einzelnen wesentlichen Risiken als auch bei der Definition des Risikodeckungspotenzials jeweils kritisch zu überprüfen, ob die dem Liquidationsansatz zugrunde liegende Annahme einer fiktiven Zerschlagung des Instituts eine Rolle spielt. Denn die ökonomische Perspektive zielt zwar wie der Liquidationsansatz auf eine barwertige, von der Rechnungslegung und Regulatorik losgelöste Betrachtung ab, das Ziel des Schutzes der Gläubiger vor Verlusten aus ökonomischer Sicht wird jedoch unter der Prämisse der Unternehmensfortführung verfolgt.

PRAXISTIPPS

  • Zeitnahe intensive Auseinandersetzung mit den überarbeiteten Vorgaben inkl. Testrechnungen und Auswirkungsanalysen.
  • Übergreifende Überprüfung der risikostrategischen Ziele.
  • Frühzeitige Einbindung der Adressaten des Risikoreportings bzgl. der anstehenden Änderungen in den Instrumenten der Risikosteuerung.

 

Beitragsnummer: 73328