Flexible Abrechnung

Pay-per-Use im Leasing.

Frank Schottenheim, Director, Financial Institutions, Risikomanagement, PS-Team Deutschland GmbH & Co. KG.

     

I. Abrechnung über Nutzungsdaten

Die sogenannte vierte industrielle Revolution bringt auch Bewegung in das Leasing gewerblicher Güter. Aus mit Sensoren ausgestatteten Maschinen lassen sich Verbrauchsund Nutzungsdaten herauslesen: Der Kunde zahlt nur noch die Leistung, die er bezieht. Allerdings müssen die Anbieter mit höheren Restwert- und Wiedervermarktungsrisiken umgehen.

II. Digitalisierungsbrücke

1. Nutzen statt besitzen

Die Ökonomie des Teilens funktioniert nach einem einfachen Grundsatz: nutzen statt besitzen. In diesem Fahrwasser erfreut sich das – ohnehin verbreitete – Leasing wachsender Beliebtheit. Längst ist Bewegung in die Abrechnung gekommen: Die Anbieter entwickeln nutzungsabhängige Modelle. Die Voraussetzung dafür schafft die vierte industrielle Revolution, das Internet der Dinge: Indem mit Sensoren ausgestattete Objekte – beispielsweise Maschinen – Verbrauchs- und Nutzungsdaten melden, liefern sie den Finanzierern die Abrechnungsgrundlage.

2. Daten für neue Bezahlmodelle

Allerdings müssen die Nutzungsdaten in unterschiedlichen Formaten vereinheitlicht werden, bevor man mit ihnen „rechnen“ kann. Das leistet die Lösung SE.M.LABS des gleichnamigen Stuttgarter Start-ups. PS-Team übernahm im Frühjahr 2019 die Software inklusive Markenauftritt, um Banken- und Leasinggesellschaften sowie ...


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Widerrufsrecht bei einer Novation

Thomas Wuschek, Rechtsanwalt, MBA, SanExpert-Rechtsanwalt

Im Bereich grundpfandrechtlich gesicherter Darlehen bestand bis zum 31.10.2002 ein Widerrufsrecht nicht.

Allerdings ist es gerade bei unechten Abschnittsfinanzierungen umstritten, inwieweit im Rahmen von Prolongationsvereinbarungen oder Forwardvereinbarungen ein Widerrufsrecht besteht.

BGH, Urt. v. 23.01.2018, Az.: XI ZR 359/16

Der BGH hatte folgenden Sachverhalt zu entscheiden:

Kunde K und Bank S schlossen im Jahr 1997 einen Darlehensvertrag über eine Darlehenssumme von € 40.000,00. Im März 2006 schlossen sie eine vertragliche Vereinbarung über einen Verbraucherdarlehensvertrag von € 60.000,00. Hierin ist ein „Nettodarlehensbetrag“ von € 20.000,00 bezeichnet.

Bei den besonderen Vereinbarungen ist ausgeführt:

Aufstockung des Darlehens von € 40.000,00 auf € 60.000,00. Mit Unterzeichnung verliert der Darlehensvertrag von 1997 seine Gültigkeit.“

Das Darlehen war grundpfandrechtlich gesichert. Eine von Seiten der Beklagten vorgelegten Widerrufsbelehrung war falsch.

Im Jahr 2015 widerrief die Klägerin den Darlehensvertrag. Die Bank S verweigert die Rückabwicklung. Es wird eine Feststellungsklage erhoben.

Lösungsmöglichkeit

Ein Widerrufsrecht war bis zum 01.11.2002 für grundpfandrechtlich gesicherte Darlehen nicht vorgesehen. Es war jedoch innerhalb verschiedener Banken üblich, bei Vorlage einer Prolongationsvereinbarung dem Kunden eine Widerrufsbelehrung ebenfalls mitzugeben.

Hiergegen hat der BGH bereits im Jahr 2013 ein Konzept entwickelt, nach dem innerhalb der unechten Abschnittsfinanzierung grundsätzlich auch kein Widerrufsrecht besteht (BGH, Urt. v. 28.05.2013, Az.: XI ZR 6/12).

Eine vorgelegte Widerrufsbelehrung führt nicht dazu, dass ein gesetzliches Widerrufsrecht entsteht (BGH, Urt. v. 22.05.2012, Az.: II ZR 233/10).

Auch sei die Vertragserklärung der Bank objektiv auszulegen, so dass regelmäßig auch nicht von einem vertraglichen Widerrufsrecht ausgegangen werden könne (BGH, Urt. v. 22.05.2012, Az.: II ZR 233/10).

Diese Rechtsauffassung wird von Seiten des BGH damit begründet, dass eine Widerrufsbelehrung nur dann vorgelegt werden muss, wenn ein neuer Darlehensvertrag geschlossen wird oder ein alter Darlehensvertrag dergestalt geändert wird, dass dieser als neu abgeschlossener Darlehensvertrag (Novation) gewertet werden muss.

Maßstab für eine Novation ist das Vorliegen eines Kapitalnutzungsrecht. Wird ein neues Kapitalnutzungsrecht vereinbart, das mit dem alten Kapitalnutzungsrecht nichts mehr zu tun hat, so entsteht ein neuer Darlehensvertrag und damit eine neue Verpflichtung zur Belehrung über das Widerrufsrecht.

Dies bedeutet u. a., dass der Austausch von Sicherheiten nicht zum Wiederaufleben des Widerrufsrechtes führen kann.

Vorliegend war das Kapitalnutzungsrecht des K erweitert worden. Der BGH kommt zu dem Ergebnis, dass ein solches Widerrufsrecht nur das neue nicht aber das gesamte Kapitalnutzungsrecht erfassen könne.

PRAXISTIPPS

  • Bei unechten Abschnittsfinanzierungen besteht grundsätzlich kein Widerrufsrecht.
  • Der Austausch von Sicherheiten führt nicht zum Wiederaufleben des Widerrufsrechtes.
  • Die Widerrufsbelehrung muss nur dann vorgelegt werden, wenn ein neuer Darlehensvertrag geschlossen wird oder ein alter Darlehensvertrag als neu abgeschlossener Darlehensvertrag gewertet wird (Novation).

SEMINARTIPP

19. Heidelberger Bankrechts-Tage, 21.–22.10.2019, Heidelberg.

Beitragsnummer: 71836

Der Sicherheitenvertrag bei Überbrückungs- und Sanierungskredit

Rechts- und anfechtungssichere Vertragserstellung in der Unternehmenskrise des Kreditnehmers

Thomas Wuschek, Rechtsanwalt, MBA, SanExpert-Rechtsanwalt

I. Einleitung

Ein wesentliches Problem der Sanierungs- und Restrukturierungspraxis ist, dass Geschäftsleitung und Gesellschafter die existenzbedrohende Schieflage des Unternehmens häufig sehr spät erkennen oder nicht erkennen wollen.[1] Dieses Verschließen der Augen vor der ökonomischen Realität ist in der Praxis sehr häufig zu beobachten.[2]

Häufig wird auch der Finanzbedarf des Unternehmens verkannt.[3] Entsprechend ist in der Praxis nicht selten die Situation anzutreffen, dass erst kurz vor Eintritt der Insolvenzreife in einem Zeitpunkt drohender Zahlungsunfähigkeit – meistens nachdem externe Berater von den finanzierenden Banken zur Erstellung eines Sanierungsgutachtens beauftragt wurden – klar wird, dass die Fortführung und Sanierung des Unternehmens nur noch mit Hilfe einer externen Finanzierung gewährleistet werden kann.

Ist Liquidität notwendig, können von der Bank je nach den Anforderungen des Einzelfalls kurzfristige Überbrückungskredite oder langfristige Sanierungskredite gewährt werden.[4] Der Überbrückungskredit wird bereits in einer sehr frühen Phase der Krisenidentifizierung gewährt.[5] Er bezweckt die Beseitigung eines existenziellen, kurzfristigen Liquiditätsbedarfs, der infolge bereits ausgeschöpfter Bank- und Lieferantenkredite über den Fortbestand des Unternehmens entscheidet.[6]

Die Besonderheit liegt auch ...


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Geplante Reform des Kontopfändungsschutzes – Das PKoFoG

Übersicht über die wesentlichen Inhalte des Entwurfes zum Pfändungsschutzkonto-Fortentwicklungsgesetz (PKoFoG).

Eduard Meier, Rechtsanwalt, Thümmel, Schütze & Partner, Berlin.

I. Einleitung

Bereits mit Einführung des Pfändungsschutzkontos im Jahr 2009 hatte der Gesetzgeber angekündigt, nach Ablauf von drei Jahren eine Evaluierung der Auswirkungen des neuen Kontopfändungsschutzes vorzunehmen[1]. Mit der entsprechenden Untersuchung wurde im Jahr 2013 das Institut für Finanzdienstleistungen (iff) beauftragt, welches am 01.02.2016 seinen Schlussbericht[2] vorlegte.

Auf Grundlage dieses Schlussberichts hat das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz nun den am 02.11.2018 veröffentlichten Diskussionsentwurf zur Reformierung des Kontopfändungsschutzes erstellt. Der Entwurf sieht neben einer bloßen Neustrukturierung der aktuellen Vorschriften zum Pfändungsschutzkonto schwerpunktmäßig auch eine erhebliche Ausweitung des derzeitigen Anwendungsbereiches des Kontenpfändungsschutzes und dabei insbesondere eine kosten- wie haftungsrelevante Erweiterung der Pflichten der Kreditinstitute vor.

Nachfolgend werden die aus Sicht der Kreditwirtschaft wichtigsten Vorschläge des Reformentwurfes vorgestellt und im Hinblick auf mögliche Auswirkungen auf die Praxis einer kritischen Würdigung unterzogen.

II. Geplante Änderungen

Bislang finden sich Regelungen zum Kontopfändungsschutz in der zentralen Vorschrift des § 850k ZPO sowie daneben noch in den §§ 835 Abs. 4 und 850l ZPO. Der Entwurf sieht vor, dass künftig die neu gefassten §§ 850k ...


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Neuerungen im Kreditgeschäft im Fokus der Aufsicht

Frank Günther, Senior Consultant und Kreditspezialist- für FCH Consult GmbH

I. Übersicht über aktuelle aufsichtsrechtliche Anforderungen an das Kreditgeschäft

Auch 2019 befinden sich die Banken betreffs der Entwicklung Ihres Kreditgeschäftes weiterhin in einem komplexen, herausfordernden Marktumfeld. Dieses wird durch neue und erweiterte regulatorische Anforderungen, z. B. den MaRisk, den Papieren von EZB und EBA zum Thema der Beherrschung der Risiken von Non Performing Loans, den EBA-Guidelines zur Bildung der Gruppe verbundener Kunden oder den Richtlinien zur Kreditstatistik AnaCredit, aufsichtsrechtlich begleitet. Dabei steht im Zielbild ein qualitativ hochwertiges Kreditgeschäft, bei dem die Banken die perspektivischen Ausfälle beherrschen.

Als wesentliche Neuerungen speziell für das Kreditgeschäft sind hervorzuheben:

  • Objekt-/Projektfinanzierungen: Die Definition der Objekt-/Projektfinanzierungen wurde konkretisiert. Während der Entwicklungsphase eines Projektes/Objektes sind regelmäßige Besichtigungen und Bautenstandskontrollen durchzuführen. Der zeitliche Abstand ist unter Risikogesichtspunkten institutsindividuell festzulegen(MaRisk BTO 1.2 Tz. 5).
  • Kapitaldienstfähigkeit(KDF): In die Analyse sind auch Risiken für die zukünftige Vermögens- und Liquiditätslage des Kreditnehmers einzubeziehen,dies gilt insbesondere bei Immobiliar-Verbraucherdarlehenfür zukünftige, als wahrscheinlichanzusehende Einkommensschwankungen(MaRisk BTO 1.2.1 Tz. 1–2).
  • Sicherheitenbewertung bei Kreditgewährung: Der Wertansatz muss hinsichtlich wertbeeinflussende Umstände nachvollziehbar und in den Annahmen und Parametern begründet sein. Für die Überprüfung der Werthaltigkeit einer Sicherheit ist je nach Sicherheitenart eine ...

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Rettungserwerb von gewerblichen Immobilien durch Kreditinstitute

Ist ein „Rettungserwerb" von notleidenden Immobilien ratsam?

Hans-Jürgen Wieczorrek, Problemkreditbetreuung, Sparkasse Radevormwald-Hückeswagen

I. Ausgangssituation

Die Ausgangssituationen für Überlegungen in Richtung Rettungserwerb von gewerblichen Immobilien können recht unterschiedlich sein.

Gelegentlich hat das Kreditinstitut die Vorstellung, dass der notleidende Kreditnehmer die Objektbewirtschaftung nicht im Griff hat und eine Objektentwicklung durch das Institut besser erfolgen könnte. In einem solchen Fall stehen die Renditeaussichten eindeutig im Vordergrund, wobei im weiteren Verlauf der Überlegungen genau eruiert werden muss, ob die gemachten Annahmen auch realistisch sind.

Häufiger herrscht jedoch ein viel düsteres Szenario vor, wonach im Rahmen der Verwertungsanstrengungen die Nachfrage nach dem notleidenden Objekt so schlecht ist, dass der Kreditgeber durch einen Eigenerwerb und einen danach „verordneten" Zeitgewinn und möglicherweise eine bauliche Veränderung eine Verbesserung seiner Erlösvorstellungen zu erreichen versucht.

Diese Rechnung kann aufgehen. Meist ist es aber leider so, dass das Problem des subjektiv zu geringen Verwertungserlöses nur in die Zukunft verschoben wird, da das in Rede stehende Objekt strukturelle Schwächen hat und/oder die angenommenen Parameter im Zusammenhang mit der künftigen Entwicklung einfach zu positiv sind.

II. Erste Überlegungen

Neben reinen Renditeüberlegungen muss sich der Rettungserwerber in erster Linie Gedanken machen, wie ...


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Reform des Pfändungsschutzkontos

Informationen zum P-Konto-Fortentwicklungsgesetz – Diskussionsentwurf des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz

Joachim Jünke, Leiter Kreditabwicklung, Stadtsparkasse Düsseldorf

Mit dem am 01.07.2010 in Kraft getretenen Gesetz zur Reform des Kontopfändungsschutzes vom 07.07.2009 ist der Schutz von Guthaben auf einem Zahlungskonto neu gestaltet und das Pfändungsschutzkonto eingeführt worden. Seit dem 01.01.2012 erfolgt der Schutz von Guthaben auf dem Konto des Schuldners ausschließlich nach den Regelungen über das „P-Konto“.

SEMINARTIPP

Eingehende Pfändungen, 27.06.2019, Köln.

 

 

Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz hat im November 2018 den Diskussions-Entwurf eines Gesetzes zur Fortentwicklung des Rechts des Pfändungsschutzkontos und zur Änderung von Vorschriften des Pfändungsschutzes zur Stellungnahme vorgelegt (Pfändungsschutz-Fortentwicklungsgesetz – PKoFoG).

Die Regelungen zur Kontopfändung und zum P-Konto sind sehr komplex. Sie sind vom Schuldner kaum zu verstehen und stellen in ihrer Anwendung auch für die Geldinstitute in ihrer Funktion als Drittschuldner eine große Herausforderung dar. Hinzukommt, dass

  • die Rechtsprechung diese Regelungen zum Teil falsch interpretiert (BGH vom 04.12.2014 zur Übertragbarkeit) oder
  • über den Gesetzestext ausgedehnt (BGH vom 10.11.2011 zur Entbehrlichkeit der Bezifferung eines Ersatzpfändungsfreibetrages) hat. Damit wurde das Bestreben nach der im Gesetzgebungsverfahren beabsichtigten Pauschalisierung, die eine EDV-mäßige Bearbeitung von Kontopfändungen durch die Institute erst ermöglicht, konterkariert.

Somit ist die Absicht des BMJV, das Recht der Kontopfändung zu systematisieren sowie ausführlicher und transparenter zu gestalten, grundsätzlich zu begrüßen. Gleichwohl enthält der Diskussionsentwurf etliche Vorschläge und Neuerungen, die zu einer weiteren Belastung der Institute führen werden.

Vorteilhaft ist, dass zunächst ein Diskussionsentwurf vorgelegt wurde. Somit haben alle Beteiligten die Gelegenheit, hierzu Stellung zu nehmen und später noch mal zum Referentenentwurf.

Der Entwurf sieht eine Neustrukturierung der Vorschriften zum Kontopfändungsschutz in der ZPO vor. Die Wirkungen des Pfändungsschutzkontos werden zukünftig in einem eigenen Abschnitt des achten Buchs der ZPO geregelt. So treten an die Stelle der heute relevanten §§ 850k und 850l ZPO die Vorschriften §§ 850k, 850l und 850m sowie § 899 bis 910 ZPO.

 

 

Folgende Vorschläge sind besonders hervorzuheben:

  • Aufteilung und Übertragung des Guthabens bei Pfändung eines Gemeinschaftskontos
  • Aufgaben des Zahlungsinstituts bei Wechsel des P-Kontos zu einem anderen Institut
  • Verlängerung der Frist zur Übertragung von geschütztem Guthaben auf drei Monate
  • Gesetzliche Normierung des „First In-First Out-Prinzips“
  • Erhalt der P-Konto-Funktion auch bei einem debitorischen Konto
  • Gesetzliche Regelung der Behandlung von Nachzahlungen
  • Zusätzliche Informationspflichten der Institute gegenüber dem Vollstreckungsschuldner

Fazit/PRAXISTIPP:

  • Man darf gespannt sein, in welchem Umfang das BMJV im weiteren Gesetzgebungsverfahren auf die seitens der Geldinstitute inzwischen vorgetragenen Bedenken eingehen wird.

 

 

 

Beitragsnummer: 58452

Aufklärungspflicht bei Fremdwährungsdarlehen

Thomas Wuschek, Rechtsanwalt, MBA, SanExpert-Rechtsanwalt

Aufklärungsfälle, also Fälle, bei denen es um die Frage geht, ob die Bank ihre Aufklärungspflichten eingehalten hatte, hat es in der Vergangenheit immer wieder gegeben.

Eine für sämtliche Darlehensverträge (Verbraucherdarlehen und gewerbliche Darlehen) in der BGH-Rechtsprechung seit vielen Jahren anerkannte Nebenpflicht ist die Aufklärungspflicht der Bank gegenüber dem Darlehensnehmer.

Nach dem BGH kommt eine Aufklärungs- oder Warnpflicht dann in Betracht, wenn die Bank in Bezug auf die speziellen Risiken des zu finanzierenden Vorhabens gegenüber dem Darlehensnehmer einen konkreten Wissensvorsprung hat, z. B. weiß, dass dieses Vorhaben seiner Anlage nach zum Scheitern verurteilt ist (BGH, NJW 1999 S. 1.032).

SEMINARTIPP

Kredit-Jahrestagung 2019, 20.–21.11.2019, Berlin.

 

 

Letztlich muss die Bank noch davon ausgehen, dass der Kunde diese Kenntnis nicht hat und dass diese für dessen Entscheidung relevant ist.

BGH, Urt. v. 19.12.2017, Az.: XI ZR 152/17

Sachverhalt

Der BGH hatte in dieser Entscheidung über die Sittenwidrigkeit und mögliche Auf-klärungspflichtverletzung in Bezug auf einen Darlehensvertrag in fremder Währung zu entscheiden.

Konkret hatte eine Gemeinde einen Darlehensvertrag in Schweizer Franken abgeschlossen. Solche Verträge sind nicht grundsätzlich sittenwidrig.

Lösungsmöglichkeit

Nach der BGH-Rechtsprechung ist zwar in einem solchen Vertrag auch ein spekulatives Element enthalten.

Dies würde jedoch nur dann zur Sittenwidrigkeit des Vertrages führen, wenn der Darlehensvertrag konkret darauf angelegt sei, den Darlehensnehmer von vornherein chancenlos zu stellen, ansonsten sei der Darlehensvertrag wirksam abgeschlossen worden.

Die Frage eines möglichen Schadensersatzanspruches ist damit aber noch nicht beantwortet.

Bei Empfehlung eines auf einen Wechselkurs basierten Darlehensvertrages ist die Bank im Rahmen des Finanzierungsberatungsvertrages verpflichtet, den Darlehensnehmer hinreichend darüber aufzuklären,

  • welche Risiken mit der Anbindung des Vertragszinses an die Wechselkursentwicklungen des Schweizer Franken zum Euro verbunden sind und
  • wie sich Wechselkursschwankungen auf den Umfang der Zinszahlungsverpflichtungen auswirken können,

um es dem Darlehensnehmer zu ermöglichen, die Gesamtkosten des Kredites einzuschätzen und auf dieser Grundlage eine Kreditentscheidung zu treffen.

Fazit: Selbst wenn ein wirksamer Darlehensvertrag vorliegt, können Schadensersatzansprüche gegeben sein.

PRAXISTIPPS

  • Die Kundenberater sollten bei Gewährung eines Fremdwährungsdarlehens den Kunden auf die möglichen Risiken hinweisen und auch dokumentieren, dass die Aufklärung erfolgt ist.
  • Nur bei ausreichender Dokumentation können mögliche Regressansprüche des Kreditnehmers vermieden werden.

 

Beitragsnummer: 57782

Neue Bewertungskriterien bei Altlasten auf dem Pfandgrundstück

Besondere Aspekte bei der Sicherheitenbewertung – Einzelfallbezogen und MaRisk-konform

Hans-Jürgen Wieczorrek, Problemkreditbetreuung, Sparkasse Radevormwald-Hückeswagen

I. Wie sind Altlasten zu definieren?

Besonders „belastend“ kann bei einer Immobilienfinanzierung das Vorhandensein von (Boden-)Kontaminationen sein. Art und Umfang von Altlasten können recht unterschiedlich sein, sind aber regelmäßig dafür verantwortlich, dass frühere Wertvorstellungen deutliche Dämpfer erhalten oder womöglich gar eine Unverkäuflichkeit der Immobilie vorliegt und somit der Wert der Sicherheit gegen Null tendiert.

Wikipedia beschreibt Altlasten wie folgt: „Der Begriff Altlast bezeichnet in der Raumplanung einen abgrenzbaren Teil der Erdoberfläche, der infolge früherer menschlicher Tätigkeiten gesundheits- oder umweltschädliche Veränderungen des Bodens (Bodenkontamination) oder des Grundwassers (Grundwasserverschmutzung) aufweist, wodurch die durch Rechtsnormen geschützte Mindestqualität nicht mehr gegeben ist.“

II. Wie kann Kenntnis von Altlasten erlangt werden?

Altlasten können in sehr unterschiedlicher Ausprägung vorkommen und müssen daher individuell bewertet werden. Zunächst sollte geklärt werden, ob das Objekt als Altlastenverdachtsfläche im Altlastenkataster verzeichnet ist. Das Altlastenkataster geht auf die Regelungen des in 1999 in Kraft getretenen Bundes-Bodenschutzgesetzes (BBodSchG) zurück. Dieses Register wird häufig auf Ebene der Bezirksregierungen, aber manchmal auch innerhalb einzelner Kommunen geführt und gibt Auskunft, ob Bodenkontaminationen bekannt sind bzw. ob aufgrund von Aktivitäten in der ...


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NPE-Guidelines der European Banking Authority – final Report (2018)

Dr. Friedrich L. Cranshaw, Rechtsanwalt, vorm. Banksyndikus und Leiter Recht, Mannheim.

Leitlinien zur Behandlung von Krisenengagements im Spannungsverhältnis zwischen Aufsicht und materiellem sowie Verfahrensrecht.

I. Gegenstand der Darstellung

1. Ausgangslage

Die EBA hat am 31.10.2018 den final report

der „Guidelines on management of non-performing

and forborne exposures“ nach einer

Fassung vom März 2017 und einer späteren Ergänzung mit einem Konsultationsprozess herausgebracht[1],[2]. Inhaltlich handelt es sich dabei im Ergebnis um Vorgaben mit Spielräumen, wie mit kritischen Adressen umzugehen ist, verschränkt im Ergebnis mit zivilrechtlichen bzw. zivilverfahrensrechtlichen Empfehlungen, wie solche Engagements gesteuert werden sollen. Hintergrund ist die Sorge um die hohen Adressausfallrisiken der europäischen Banken, die vor nicht allzu langer Zeit nahe der Grenze von einer Bio. € waren. Der Hintergrund hat weitere Facetten; es geht um die Stabilisierung des Finanzsystems allgemein wie auch um die Bankenunion einschließlich der Strukturierung der Einlagensicherung, die schlechterdings nicht vorstellbar erscheinen, ohne dass die erheblichen Adressenausfallrisiken in den Bilanzen der Banken einer Reihe von Euro-Staaten beherrscht werden. Daher darf nicht übersehen werden, dass die EBA eben nicht die Verhältnisse nur in Deutschland im Blick hat mit im Volumen gut vertretbaren Adressenausfallrisiken, ...


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