Das Vorgehensmodell für die BWA-Analyse

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Ronny Grigg, Unternehmensberater, Grigg Consulting

Die unterjährige Analyse von betriebswirtschaftlichen Auswertungen (BWA) – richtig angewandt – führt zu schnellen Ergebnissen bezüglich den erforderlichen Abgrenzungen, der Beurteilung der Kapitaldienstfähigkeit und der Eigenkapital- und Kennzahlenentwicklung. Von Vorteil ist bei der BWA-Analyse auch der von bilanzpolitischen Maßnahmen unverstellte Blick in die Finanzbuchhaltung des Unternehmens. In der Kreditpraxis fehlt es oft an einheitlichen Standards und an einer strukturierten Vorgehensweise. Bei Anwendung des nachstehend vorgestellten Vorgehensmodells kann die Qualität der BWA-Analyse erhöht werden.

Die qualifizierte BWA-Analyse vollzieht sich in drei Schritten:

1. Formale Plausibilisierung einer BWA

Als erstes stellt sich die Frage nach dem Umfang der Unterlagen[1]. Neben der kurzfristigen Erfolgsrechnung soll immer die Summen- und Saldenliste (SuSa) vorliegen. Die Bewegungsbilanz als optionale Unterlage stellt übersichtlich die Mittelverwendung der Mittelherkunft gegenüber. OPOS-Listen helfen bei der Bewertung des Forderungsbestands. Die Vergleichs-BWA rückt die Zahlenentwicklung bei saisonal begründeten Umsatzschwankungen ins rechte Licht. Der Wertenachweis schlüsselt die einzelnen Positionen der Erfolgsrechnung auf.

SEMINARTIPPS

Analyse mittelständischer GmbH & Co. KGs, 10.10.2018, Köln

Quick-Check BWA-Analyse, 11.10.2018, Köln

Kredit-Jahrestagung 2018, 12.–13.11.2018, Berlin

Analyse der zukünftigen Kapitaldienstfähigkeit, 20.11.2018, Köln

Als zweites richtet sich der Blick auf die Qualität der Unterlagen. Ein Freiberufler muss z. B. immer eine Einnahmen-/Überschuss-BWA vorlegen. Wird eine Standard-BWA eingereicht, ergibt sich ein völlig falsches Bild. Eine erste Bewertung des vorliegenden Zahlenmaterials gibt Analyseschwerpunkte vor. Wie ist der Wareneinsatz verbucht? Aussagekräftige Kennzahlen im Kopf der BWA geben sofort eine Antwort darauf, ob der Wareneinsatz für die BWA-Analyse abgegrenzt werden muss. Sind alle Eröffnungsbilanzwerte in der SuSa enthalten? Dies kann mit einer schnellen Kontrolle der Kontoklasse 9 geprüft werden. Eine einfache und schnelle Saldierung aller Kontoklassen lässt Rückschlüsse zu, ob Buchungsfehler oder ggf. Manipulationen vorliegen.

2. Materielle Plausibilisierung einer BWA

Das Ziel liegt in der Erstellung einer qualifizierten BWA als Grundlage für die Bonitätsprüfung. Dabei werden im Wesentlichen die zur Jahresabschlusserstellung anfallenden Abgrenzungsbuchungen unterjährig vorweg genommen oder die vom Steuerberater bereits buchungsmäßig abgegrenzten Unterlagen plausibilisiert. Außerdem erfolgt eine bankenübliche Umgliederung zur Ermittlung des nachhaltigen Betriebsergebnisses. Die BWA wird mit einem Abgrenzungsplan, z. B. mit dem kostenfrei erhältlichen Gliederungsformular BWA-Easycheck[2] ergänzt. Die materielle Plausibilisierung kann besonders gut bei langjährig bestehenden Unternehmen durchgeführt werden, da in der Regel eine gewisse Kontinuität in der Entwicklung und in den Vorjahreszahlen vorliegen.

3. Bonitätsprüfung

Die wichtige Prüfung der Kapitaldienstfähigkeit kann sehr gut und einfach auch unterjährig durchgeführt werden. Dabei dient der erweiterte Cashflow als Grundlage und schließt mit der Berechnung des Ausschöpfungsgrades des Kapitaldienstes im Verhältnis zur Kapitaldienstgrenze ab. Ebenso einfach kann unterjährig die Höhe des wirtschaftlichen Eigenkapitals ermittelt werden. Bankübliche Kennzahlen wie z. B. Kreditoren- und Debitorenzahlungsziele, Lagerumschlag und dynamischer Verschuldungsgrad runden das Bild ab.

PRAXISTIPPS

  • Nutzen Sie für die BWA-Analyse ein strukturiertes Vorgehensmodell, um die Qualität und Aussagekraft zu verbessern.
  • Führen Sie vor der eigentlichen BWA-Analyse Formalprüfungen durch, um Umfang und Qualität des Zahlenmaterials zu bewerten und um Analyseschwerpunkte vorzugeben.
  1. Beispielhaft werden Unterlagen von der DATEV genannt.
  2. Download möglich unter www.grigg-consulting.de

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