Digitale Interne Revision – Neues mit Altem verbinden ?

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Welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf den Revisionsprozess, die Durchführung von Prüfungen und die Anforderungen an den Revisor von heute und morgen?

Ingo Kühling, Revisionsleiter, Landessparkasse zu Oldenburg

Die globale Datenmenge verdoppelt sich in immer kürzeren Zeiträumen, Big Data, Cloud-Computing und künstliche Intelligenz sind längst keine Begriffe mehr, die wir mit Science-Fiction verbinden. Sie sind heute in Form von Sprachcomputern bei uns eingezogen oder wir tragen Sie in Form eines Smart-Phones mit uns herum. Betrachtet man diese Entwicklung aus Sicht eines Revisors, so muss diese Entwicklung auch Einfluss auf unsere berufliche Tätigkeit haben. Aber was bedeutet das konkret?

Digitalisierung des Revisionsprozesses

Der klassische Revisionsprozess gliedert sich in Aufgaben, die dem Revisionsmanagement zuzuordnen sind und Aufgaben, die von den Revisoren selbst wahrgenommen werden. Auf beiden Funktionsebenen ist der Einfluss der Digitalisierung spürbar. Standardisierte Anwendungen zur Unterstützung der Revisionstätigkeit bilden schon heute die Basis für einen durchgängig digitalen Revisionsprozess, der sowohl die Anlage von Dokumenten als auch die Ablage oder sogar die digitale Freigabe von Berichten sicherstellt, so dass auf körperliche Belege vollständig verzichtet werden kann. Die Frage in Zukunft wird sein, ob auch neue digitale Formate wie Audio, Foto und Video oder auch biometrische Daten Einzug in den Prüferalltag halten. Wie schnell diese Entwicklung Einfluss auf die Interne Revision nehmen wird, ist unklar. Fest steht, dass es Einfluss haben wird und wir die Entscheidung treffen müssen, ob wir agieren oder reagieren wollen.

SEMINARTIPPS

Entschlackte Organisations-Richtlinien – hohe Potentiale zur Kostenreduzierung durch Prozessmanagement, 22.–23.10.2018, Frankfurt/M.

Digitalisierung der Revisionsprozesse, 05.12.2018, Köln.

Kostengünstige(re) Beauftragtenprozesse, 06.12.2018, Köln.

Das neue, digitale Prüfen

Der Revisor erlangt sein Prüfungsurteil auf Basis von Prüfungsnachweisen, die (nach IDW PS 310) neben einer Vollerhebung aller Prüfungsgegenstände auch die bewusste Auswahl und die Stichprobe zulässt, die statistisch oder auch nicht-statistisch ausgeprägt sein kann. Auch wenn die Vollerhebung die zuverlässigste Möglichkeit ist, zu einem qualitativ einwandfreien Prüfungsurteil zu kommen, so scheidet sie doch bei Massenprozessen aus. Das gilt insbesondere dann, wenn die Vollerhebung dazu führt, dass der Prüfer die betreffenden Prüfungsgegenstände einzeln erfassen muss. Die Folge ist, dass die Prüfung einer Teilmenge vorgenommen wird. Das so ermittelte Ergebnis wird dann auf die Grundgesamtheit angewandt, was zu falsch-positiven und falsch-negativen Prüfungsurteilen führen kann. Heute produzieren Prozesse Massendaten, die gar nicht mehr als Druckoutput auf einem Dokument Platz finden. Diese Daten werden in elektronischen Postfächern oder schlichtweg als Information zum Online-Zugriff im Web, in einer Mail oder einer App bereitgestellt. Das Dilemma ist, dass dem Revisor so der Prüfungsgegenstand abhanden kommt. Die Auswahl von Vorgängen ist weiter möglich, tritt nun aber nicht mehr in Gestalt eines Beleges oder Dokumentes sondern als komplexe Datenstruktur auf. Als Revioren stellen wir fest, dass wir bei einer expansiven Entwicklung der Komplexität ein neues Prüfungsverständnis entwickeln müssen, bei dem auch neue Prüfungsmethoden und -instrumente zum Einsatz kommen. Es muss uns gelingen, die Komplexität von Daten aus zu prüfenden Prozessen so zu reduzieren, dass sie für den Prüfer beherrschbar werden. Die hierzu eingesetzte Methode heißt Data Analytics oder auch Data Mining. Revisionsspezifische Tools zur Massendatenanalyse sind verfügbar und im Einsatz. Auf lange Sicht sind diese Tools das Standardwerkzeug eines jeden Revisors.

Veränderung der Anforderungen an den Revisor der Zukunft

In den letzten Jahren ist die Nutzung einfacher Anwendungen zur Aufbereitung oder auch Strukturierung von Daten (Tabellenkalkulation) bereits wesentlicher Bestandteil der Revisionsarbeit geworden. Auch die Nutzung von einfachen Datenbank-Anwendungen zur Verknüpfung von Daten ist bei vielen nicht mehr wegzudenken. Aber das scheint nicht mehr auszureichen. Schon heute finden wir in den Stellenausschreibungen zunehmend Begriffe wie Data Scientist oder Data Analyst in Kombination mit fachlichen Anforderungen. Die klassische Trennung zwischen Fachprüfer und IT-Prüfer, der für Datenanalyse-Anteile in Prüfungen oft beansprucht wurde, scheint aufzubrechen. Die Entwicklung neuer Skills nimmt Zeit in Anspruch und wird durch praktische Erfahrungen beschleunigt. Je früher wir damit anfangen, desto besser werden wir in dieser dynamischen Entwicklung bestehen können.

PRAXISTIPPS

  • Stellen Sie fest, welchen Digitalisierungs-Status Ihre Interne Revision hat.
  • Prüfen Sie die Anschaffung von Anwendungsunterstützung zur Analyse von Massendaten in der Internen Revision.
  • Definieren Sie zukunftsorientierte Anforderungsprofile in der Internen Revision und passen Sie Ihre Entwicklungskonzepte daraufhin an.

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