Finanzportfolioverwaltung unter dem neuen MiFID II-Regime

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Worauf ist bei der Finanzportfolioverwaltung unter dem ab 03.01.2018 neuen aufsichtsrechtlichen Rahmen besonders zu achten?

Mario Herrmann, Spezialistenteam Depot/WpHG, AWADO Deutsche Audit GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft und

Christian Düssel, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Bank- u. Kapitalmarktrecht, Certified Compliance Professional (CCP) Frankfurt School, Geschäftsführer GRA Rechtsanwaltsgesellschaft mbH.

I. Begriffsbestimmung

Das Wertpapierhandelsgesetz definiert die Dienstleistung Finanzportfolioverwaltung als eine Dienstleistung, die die Verwaltung einzelner oder mehrerer in Finanzinstrumenten angelegter Vermögen für andere mit Entscheidungsspielraum zum Gegenstand hat.

Der gesetzliche Tatbestand umfasst daher die folgenden Merkmale:

  • Verwaltung
  • einzelner oder mehrerer Vermögen,
  • in Finanzinstrumenten angelegt,
  • für andere,
  • mit Entscheidungsspielraum.

1. Verwaltung

Der Begriff der Verwaltung enthält grundsätzlich ein Zeitmoment. Voraussetzung ist, dass die Tätigkeit auf gewisse Dauer angelegt ist. Einmalige Anlageentscheidungen eines Bevollmächtigten stellen keine Verwaltung und damit Wertpapierdienstleistung dar. Erforderlich ist vielmehr die laufende Überwachung und Anlage von Vermögensobjekten. Verwaltung ist somit auf eine gewisse Dauerhaftigkeit angelegt. Der Vermögensinhaber möchte typischerweise die Aufgabe der Verwaltung seines Vermögens auf einen Dienstleister auslagern. Zwingend erforderlich ist ein auf Dauer angelegtes Mandat des Vermögensverwalters jedoch nicht, so dass auch eine einmalige Verwaltungstätigkeit den Tatbestand erfüllen kann. Dies ist jedoch sicherlich eher untypisch. Darüber hinaus kann eine Finanzportfolioverwaltung auch durch Handlungen (z. B. durch einen Anlageberater) und Duldung durch den Vermögensinhaber zu Stande kommen.

2. Einzelner oder mehrerer Vermögen

Die Definition des § 2 Abs. 8 Nr. 7 WpHG entspricht im Wortlaut weitgehend der Definition in § 1 Abs. 1a S. 2 Nr. 3 KWG. Die Definition im KWG ist allerdings insofern weiter, als dass dort nur auf die Verwaltung einzelner, nicht mehrerer in Finanzinstrumenten angelegter Vermögen Bezug genommen wird. Die im WpHG ausdrückliche Erwähnung von mehreren Vermögen ist lediglich klarstellender bzw. redaktioneller Natur und führt zu keinen materiellen Änderungen.

3. In Finanzinstrumenten angelegt

Der Begriff der Finanzinstrumente umfasst nach der Legaldefinition in § 1 Abs. 11 KWG Aktien, Vermögensanlagen i. S. d. § 1 Abs. 2 des Gesetzes über Vermögensanlagen (Vermögensanlagengesetz – VermAnlG), Schuldtitel, sonstige Rechte, Anteile an Investmentvermögen i. S. d. § 1 Abs. 1 des Kapitalanlagegesetzbuchs (KAGB), Geldmarktinstrumente, Devisen und Rechnungseinheiten sowie Derivate.

Der Wortlaut der Vorschrift setzt nicht voraus, dass sich das jeweilige Portfolio ausschließlich aus Finanzinstrumenten zusammensetzt. Es genügt bereits, wenn es neben anderen Vermögensgegenständen auch Finanzinstrumente i. S. v. § 1 Abs. 11 KWG enthält.

4. Für andere

Das Merkmal „für andere“ grenzt die Finanzportfolioverwaltung von der Verwaltung eigenen Vermögens, also einer Tätigkeit in eigenem Namen auf eigene Rechnung, ab. Damit ist das Tatbestandsmerkmal „für andere“ bei einem Handeln im fremden Namen erfüllt.

Ausreichend für die Erfüllung des Tatbestands ist darüber hinaus jede Form der Verwaltung „für andere“, die nicht im eigenen Namen für eigene Rechnung erfolgt. Insofern ist es irrelevant, ob die Verwaltung über die Einräumung einer Vollmacht oder einer Treuhänderstellung erfolgt. Die in Deutschland übliche ist die Vollmachtsverwaltung. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass der Vermögensinhaber Rechtsinhaber der Vermögensgegenstände bleibt und dem Verwalter im Wege der Vollmacht eine Verfügungsbefugnis erteilt, damit dieser für den Anleger als Vertreter agieren kann. Es kommt insoweit allerdings nicht darauf an, ob der Vertragspartner die Vollmachtstellung erkennen kann. Demgegenüber erlangt der Treuhandverwalter selbst Eigentum an den betreffenden Vermögensgegenständen und nimmt die fremden Vermögensinteressen treuhänderisch wahr. Aus rechtlicher Sicht ist diese Form der Verwaltung jedoch deutlich komplizierter und nicht zu empfehlen.

5. Mit Entscheidungsspielraum

Die Finanzportfolioverwaltung erfordert schließlich, dass dem Verwalter ein Entscheidungsspielraum bei der Verwaltung des in Finanzinstrumenten angelegten Vermögens zusteht. Ein Entscheidungsspielraum – Gegensatz hierzu ist eine weisungsgebundene Tätigkeit, bei der das Erbringen der Anlage- oder Abschlussvermittlung i. S. d. § 1 Abs. 1a Satz 2 Nr. 1 und 2 KWG in Betracht kommt, – liegt vor, wenn die Anlageentscheidungen auf dem eigenen Ermessen des Vermögensverwalters beruhen und von diesem auch so durchgeführt werden können.

SEMINARTIPPS

2. Kölner Wertpapierrevisions-Tage, 15.–16.10.2018, Köln.

18. Heidelberger Bankrechtstage, 22.–23.10.2018, Heidelberg.

WpHG und MaComp AKTUELL, 26.11.2018, Frankfurt/M.

Die Abgrenzung kann im Einzelfall erhebliche Schwierigkeiten aufwerfen. Dies gilt umso mehr, als den Vermögensverwaltern i. d. R. keine unbegrenzte Freiheit bei der Auswahl ihrer Anlageentscheidungen zusteht. Vielmehr sind sie an Anlagerichtlinien gebunden. Dies schließt jedoch einen hinreichenden Entscheidungsspielraum nicht aus. Dieser bleibt auch dann erhalten, wenn der Vermögensinhaber gelegentlich Einzelweisungen zu bestimmten Anlageentscheidungen erteilt.

II. Neuerungen mit MiFID II

Wesentliche Ziele aus MiFID II sind:

  • Stärkung des Anlegerschutzes und
  • bessere Aufklärung der Kunden.

Zu diesem Zweck wurden die aufsichtsrechtlichen Vorgaben auch im Verhältnis zu MiFID I zum Teil erheblich verschärft. In einzelnen Bereichen stellen die Neuregelungen jedoch lediglich eine aufsichtsrechtliche Fixierung der geübten Praxis dar.

1. Fixierung der geübten Praxis

a) Kundeninformation/Finanzportfolioverwaltungsvertrag

Vor Erbringung der Wertpapierdienstleistung Finanzportfolioverwaltung übermittelt das Wertpapierdienstleistungsunternehmen den Kunden folgenden Informationen:

  • Art der Finanzinstrumente, die in das Kundenportfolio aufgenommen werden können, und Art der Geschäfte, die mit diesen Instrumenten ausgeführt werden können, einschließlich Angabe etwaiger Einschränkungen
  • Die Wertpapierfirmen legen im Falle der Finanzportfolioverwaltung auf der Grundlage der Anlageziele des Kunden und der Art der im Kundenportfolio enthaltenen Finanzinstrumente eine angemessene Bewertungs- und Vergleichsmethode, etwa eine aussagekräftige Vergleichsgröße, fest, damit der Kunde, für den die Dienstleistung erbracht wird, die Leistung der Wertpapierfirma bewerten kann. (Art. 47 Abs. 2 DelVO (EU) 2017/565). Wichtig hierbei ist, dass die Benchmark von der Wertpapierfirma „festgelegt“ wird. Sie wird also nicht vereinbart. Dies hat zur Folge, dass die WP-Firma diese einseitig ändern kann und dieses lediglich mitteilen muss. Eine Zustimmung des Kunden ist somit gerade nicht erforderlich
  • Art und Weise sowie Häufigkeit der Bewertung der Finanzinstrumente im Kundenportfolio
  • Einzelheiten zur etwaigen Zulässigkeit einer Delegation der Vermögensverwaltung mit Ermessensspielraum in Bezug auf alle oder einen Teil der Finanzinstrumente oder Gelder im Kundenportfolio
  • Managementziele, bei der Ausübung des Ermessens durch den Verwalter zu beachtendes Risikoniveau und etwaige spezifische Einschränkungen dieses Ermessens.
b) Sachkunde der Mitarbeiter

Ebenfalls neu ist die Erstreckung der Anforderungen an die Sachkunde und Zuverlässigkeit auf Mitarbeiter, die in der Finanzportfolioverwaltung tätig sind (§ 87 Abs. 3 WpHG). Betroffen von der neuen Anforderung sind diejenigen Mitarbeiter, die das in Finanzinstrumente angelegte Vermögen anderer mit Entscheidungsspielraum verwalten. Im Ergebnis also die Mitarbeiter, die Anlageentscheidungen für Kunden treffen (Finanzportfolioverwalter). Nicht erfasst von dieser Vorschrift sind die Mitarbeiter, denen ausschließlich ausführende Tätigkeiten oder Kontrolltätigkeiten übertragen wurden.

Konkretisiert werden die Anforderungen an die Sachkunde im Einzelnen in § 1b WpHGMaAnzV. Danach müssen die in der Finanzportfolioverwaltung tätigen Mitarbeiter über Kenntnisse und ihre praktische Anwendungen in folgenden Bereichen verfügen:

  • Vertragsrecht
  • Verwaltungsvorschriften der BaFin
  • Funktionsweise des Finanzmarktes einschließlich der Auswirkungen des Finanzmarktes auf den Wert und die Preisbildung von Finanzinstrumenten
  • Merkmale, Risiken und Funktionsweise der Finanzinstrumente einschließlich allgemeiner steuerlicher
  • Wertentwicklung von Finanzinstrumenten einschließlich der Unterschiede zwischen vergangenen und zukünftigen Wertentwicklungsszenarien
  • Grundzüge der Bewertungsgrundsätze für Finanzinstrumente
  • Kosten und Gebühren, die für den Kunden im Zusammenhang mit den Finanzinstrumenten insgesamt anfallen und die in Bezug auf die Dienstleistungen entstehen
  • Grundzüge des Portfoliomanagements einschließlich der Auswirkungen der Diversifikation bezogen auf individuelle Anlagealternativen
  • Aspekte des Marktmissbrauchs und der Bekämpfung der Geldwäsche

Die Sachkunde der Mitarbeiter ist regelmäßig (mindestens jährlich) zu überprüfen.

Eine erhebliche Verschärfung der Sachkundeanforderung stellt der Nachweis der praktischen Sachkunde dar. Verfügt ein nach 03.01.2018 neu mit der Finanzportfolioverwaltung betrauter Mitarbeiter nicht über die praktische Sachkunde, muss er sechs Monate unter Aufsicht tätig sein, bevor er die praktische Anwendung erfolgreich nachgewiesen hat.

2. Erhebliche Verschärfung der Regelungen

a) Ex ante-Kosteninformation

Die Wertpapierfirmen erfüllen für die Zwecke der Bereitstellung von Informationen über sämtliche Kosten und verbundenen Gebühren i. S. v. Art. 24 Abs. 4 der Richtlinie 2014/65/EU an die Kunden die Anforderungen der Abs. 2 bis 10 (Art. 50 DelVO (EU) 2017/565).

Zielsetzung des Gesetzgebers: Der Anleger soll in die Lage versetzt werden, vor seiner Anlageentscheidung alle relevanten Aspekte, die für seine Entscheidung relevant sind, zu kennen.

Bezogen auf die Wertpapierdienstleistung Finanzportfolioverwaltung sind die Kunden über die Kosten der Dienstleistungserbringung (Vermögensverwaltergebühr) sowie über die enthaltenen Produktkosten (z. B. Verwaltungsgebühren bei in die Dienstleistung einbezogenen Fonds) vor Vertragsabschluss zu informieren. Die Kosteninformation muss dabei nur bei einem neuen Vertragsschluss erfolgen. Bei einer Erhöhung des zu verwaltenden Vermögens ist dies nicht erforderlich. Soweit eine detaillierte Angabe nicht möglich ist, ist eine möglichst genaue Prognose, hergeleitet aus der bisherigen Erfahrung und der gewählten Anlagestrategie, ausreichend.

Ex ante-Kosteninformation Beispiel[1]:

Anlage-betrag VV-Gebühr Trans-aktions-kosten Produkt-kosten Kosten der Währungs-Umrechnung Depot-gebühren Gesamtkosten/ Minderung der Rendite
0,5 % 0,25 % 0,2 % 0,00 % 0,00 % 0,95 %
100.000,00 € 500,00 € 250,00 € 200,00 € 0,00 € 0,00 € 950,00 €
500.000,00 € 2.500,00 € 1.250,00 € 1.000,00 € 0,00 € 0,00 € 4.750,00 €
b) Zuwendungen

Ein Wertpapierdienstleistungsunternehmen, das Finanzportfolioverwaltung erbringt, darf im Zusammenhang mit der Finanzportfolioverwaltung keine Zuwendungen von Dritten oder für Dritte handelnder Personen annehmen und behalten (§ 64 Abs. 7 WpHG).

Das mit MiFID II neu eingeführte Verbot von Zuwendungen stellt in der Praxis eine erhebliche Verschärfung dar. Hintergrund für diese Verschärfung ist, dass Zuwendungen insbesondere monetärerer Art einen potentiellen Interessenkonflikt darstellen oder darstellen können.

In einigen Fällen mussten die Gebühren bzw. die Vergütungsmodelle erheblich angepasst werden. Sofern das Wertpapierdienstleistungsunternehmen im Zusammenhang mit der Erbringung der Wertpapierdienstleistung, Finanzportfolioverwaltung Zuwendungen erhält, ist das Wertpapierdienstleistungsunternehmen verpflichtet, diese Zuwendungen unverzüglich nach Erhalt an den Kunden auszukehren. Unverzüglich bedeutet ohne schuldhaftes Zögern. Durch die in der Delegierten Verordnung enthaltene Formulierung „schnellstmöglich“ ergibt sich keine Ausdehnung dieser Frist. Wenn Zuwendungen vierteljährlich erhalten werden, sind diese mithin auch vierteljährlich und zwar unverzüglich nach Erhalt auszukehren. Eine Frist von wenigen Tagen mag hier statthaft sein.

Von Bedeutung für die Praxis ist auch die Verpflichtung aus § 70 Abs. 5 WpHG wonach das Wertpapierdienstleistungsunternehmen verpflichtet ist den Kunden vorab über das Verfahren der Auskehr von Zuwendungen zu informieren. Diese Informationspflicht wird i. d. R. bereits durch entsprechende Klauseln im Finanzportfolioverwaltungsvertrag erfüllt.

c) Aufzeichnungspflichten

Die bestehenden Aufzeichnungspflichten wurden in Bezug auf die Dokumentation der Handelsentscheidung sowie auf die Meldung der einzelnen Geschäfte nach Art. 26 MiFIR erheblich ausgeweitet. Zur Erfüllung der Pflichten aus Art. 26 MiFIR können für den Kunden keine Geschäfte mehr beschlossen werden, wenn die Kundenkennung (z. B. CONCAT bei natürlichen Personen oder LEI bei sogenannten LEI-fähigen Personen) fehlt.

Die Aufzeichnungspflichten in Bezug auf die getroffenen Handelsentscheidungen ergänzen die vorstehend beschriebenen Anforderungen.

Die interne Dokumentation der Handelsentscheidung muss die in Anhang IV DelVO (EU) 2017/565 Abschnitt 1 genannten Mindestangaben beinhalten.

Hervorzuheben sind folgende Angaben:

  • Name und Bezeichnung des Kunden,
  • Name und Bezeichnung jeder zuständigen Person, die im Auftrag des Kunden handelt,
  • Bezeichnung zur Identifizierung des für die Anlageentscheidung zuständigen Händlers
  • Kauf-/Verkauf-Indikator,
  • Identifikation des Instruments
  • Datum und die genaue Uhrzeit als die Handelsentscheidung getroffen wurde. Der genaue Zeitpunkt ist auf die Sekunde genau zu erfassen. (Normen für Taktsynchronisation gem. Art. 50 Abs. 2 der Richtlinie 2014/65/EU)
d) Abwicklung von Blockorder

Bei einer Blockorder werden die Aufträge mehrerer Kunden gebündelt als sogenannte Sammelorder am Markt platziert. Die generierten Kostenvorteile werden direkt oder indirekt an den Kunden weitergegeben.

Die Abwicklung als Blockorder ist nur dann zulässig, wenn:

  • es unwahrscheinlich ist, dass die Zusammenlegung für den Kunden nachteilig ist,
  • es jeden Kunden vorher darauf hingewiesen hat, dass eine Abwicklung als Blockorder im Einzelfall für den Kunden auch nachteilig sein kann,
  • das Wertpapierdienstleistungsunternehmen Grundsätze der Auftragszuweisung festgelegt und wirksam umgesetzt hat (Art. 68 DelVO (EU) 2017/565)

Die Kundeninformation über mögliche Nachteile erfolgt in der Praxis bereits im Finanzportfolioverwaltungsvertrag.

Als Regelungen für die Zuteilung der Kundenaufträge hat sich in der Praxis eine quotale Verteilung in Abhängigkeit vom beabsichtigten Transaktionsvolumen bewährt.

Eine im Vorfeld vielfach diskutierte Frage war die Frage, ob das Wertpapierdienstleistungsunternehmen durch die Abwicklung einer bzw. mehrere Blockorder als Systematischer Internalisierer einzuordnen ist.

Nach Art. 4 Abs. 20 der Richtlinie 2014/65/EU ist ein systematischer Internalisierer eine Wertpapierfirma, die in organisierter und systematischer Weise häufig in erheblichem Umfang Handel für eigene Rechnung treibt, wenn sie Kundenaufträge außerhalb eines geregelten Marktes oder eines MTF bzw. OTF ausführt, ohne ein multilaterales System zu betreiben.

Vorstehende Beschreibung kann im Einzelfall auf die Abwicklung einer Blockorder zutreffen.

Wenn eines der obigen Tatbestandsmerkmale nicht erfüllt ist, ist die Eigenschaft als Systematischer Internalisierer zu verneinen.

Relevant ist vorliegend das Tatbestandsmerkmal „Handel für eigene Rechnung”.

Die BaFin führt in ihrem „Merkblatt – Hinweise zu den Tatbeständen des Eigenhandels und des Eigengeschäfts (Stand: Juli 2017), geändert am 06.07.2017″ aus:

  • Das Tatbestandsmerkmal „Handel für eigene Rechnung“ ist lediglich eine andere Fassung des Merkmals „Anschaffen oder Veräußern von Finanzinstrumenten für eigene Rechnung“ der 3. Variante (§ 1 Abs. 1a Satz 2 Nr. 4 Buchst. c KWG), so dass diesbezüglich auf Ausführungen zur 3. Variante (unten unter 1.c.) verwiesen werden kann.
  • Das Tatbestandsmerkmal „für eigene Rechnung“ dient der Abgrenzung des Eigenhandels vom Finanzkommissionsgeschäft. Während die Anschaffung und die Veräußerung von Finanzinstrumenten beim Finanzkommissionsgeschäft (§ 1 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 KWG) für „fremde Rechnung“ erfolgt, geschieht das Anschaffen und Veräußern beim Eigenhandel „für eigene Rechnung“, d. h. der Dienstleister trägt das Preis- und Erfüllungsrisiko in Gänze.

Dies ist bei der Abwicklung einer Blockorder regelmäßig nicht der Fall, da das betreffende Wertpapierdienstleistungsunternehmen das Preis- und Erfüllungsrisiko weder in Gänze noch in Teilen tragen will oder trägt.

e) Produkt Governance/Zielmarkt

Eine weitere Verschärfung im seit 03.01.2018 anzuwendenden Aufsichtsrecht sind die Anforderungen, dass der Produkthersteller und die vertreibende Stelle ab 03.01.2018 nur dann Produkte vertreiben dürfen, wenn sie zuvor einen Zielmarkt definiert hatten.

Die Anforderungen an die Produkt Governance gelten für jede Form des Vertriebs; sie gelten mithin auch für die Wertpapierdienstleistung Finanzportfolioverwaltung.

Die Leitlinien der ESMA sehen fünf Kategorien vor, die bei der Festlegung und Überwachung der Zielmarktkriterien relevant sind:

  • Kundengruppe
  • Kenntnisse und Erfahrungen der Kunden
  • Finanzielle Verhältnisse mit Fokus auf der Verlusttragfähigkeit
  • Risikotoleranz und Vereinbarkeit des Risiko-/Renditeprofils des Produkts mit dem Zielmarkt
  • Kundenziele und -bedürfnisse

Die ESMA führt in der Nr. 31 ihrer Leitlinien folgendes aus:

  • Die Vertreiber sollten insbesondere entscheiden, welche Produkte (auch im Rahmen der Finanzportfolioverwaltung) empfohlen oder angeboten oder aktiv an bestimmte Gruppen von Kunden (die sich durch gemeinsame Merkmale in Bezug auf Wissen, Erfahrung, finanzielle Situation usw. kennzeichnen) vermarktet werden.

In der Finanzportfolioverwaltung ist jedoch die Besonderheit zu beachten, dass mit Blick auf den Zielmarkt das Portfolio insgesamt zu betrachten ist. Dies heißt, dass einzelne Werte außerhalb des Zielmarktes liegen können, solange insgesamt der Zielmarkt berücksichtigt und eingehalten wird.

f) Prüfung der Geeignetheit

Unverändert besteht für Wertpapierdienstleistungsunternehmen die Pflicht, die Geeignetheit der Finanzportfolioverwaltung vor Erbringung der Dienstleistung zu beurteilen (§ 64 Abs. 3 WpHG).

Hierzu sind die

  • Kenntnisse und Erfahrungen des Kunden in Bezug auf Geschäfte mit bestimmten Arten von Finanzinstrumenten und Wertpapierdienstleistungen,
  • seine finanziellen Verhältnisse (inklusive der Verlusttragfähigkeit) und
  • seine Anlageziele (inkl. seiner Risikotoleranz) einzuholen.

Auf der Basis dieser Angaben muss der Kundenberater bewerten, ob die Finanzportfolioverwaltung als Wertpapierdienstleistung sowie die für den Kunden vorgesehene Anlagestrategie für den Kunden geeignet ist.

Weiter neu ist, dass die regelmäßigen Berichte gegenüber Privatkunden in der Finanzportfolioverwaltung eine Erklärung darüber enthalten müssen, dass die Anlage den Präferenzen, den Anlagezielen und den sonstigen Merkmalen des Kunden entspricht. (§ 64 Abs. 8 WpHG). Diese Erklärung kann beispielsweise mit in das regelmäßige Reporting integriert werden.

Eine weitere neue Anforderung besteht in der Verpflichtung, die Kundenangaben auch bei der Erbringung der Wertpapierdienstleistung Finanzportfolioverwaltung laufend zu aktualisieren (Art. 54 Abs. 7 DelVO (EU) 2017/565). Vorgaben zum Turnus der Überprüfung der Kundenangaben bestehen nicht. In der Praxis bestehen folgende Möglichkeiten:

  • Überprüfung im Turnus des regelmäßigen Reportings
  • Überprüfung der Kundenangaben im Rahmen eines jährlichen Kundengespräches
g) Reporting

Eine weitere Verschärfung betrifft den Bereich des Reportings. Wertpapierfirmen, die Finanzportfolioverwaltungsdienstleistungen für Kunden erbringen, übermitteln den betreffenden Kunden auf einem dauerhaften Datenträger periodisch eine Aufstellung der in ihrem Namen erbrachten Finanzportfolioverwaltungsdienstleistungen. Dies sind die folgenden Angaben:

  • Name der Wertpapierfirma;
  • Name oder sonstige Bezeichnung des Kontos des Kunden;
  • Zusammensetzung und Bewertung des Portfolios mit Einzelangaben zu jedem gehaltenen Finanzinstrument, seinem Marktwert oder — wenn dieser nicht verfügbar ist — dem beizulegenden Zeitwert, dem Kontostand zum Beginn und zum Ende des Berichtszeitraums sowie der Wertentwicklung des Portfolios während des Berichtszeitraums;
  • Gesamtbetrag der in dem Berichtszeitraum angefallenen Gebühren und Entgelte, mindestens aufgeschlüsselt in Gesamtverwaltungsgebühren und Gesamtkosten im Zusammenhang mit der Leistungserbringung, ggf. mit dem Hinweis, dass auf Wunsch eine detailliertere Aufschlüsselung erhältlich ist;
  • Vergleich der Wertentwicklung während des Berichtszeitraums und der Vergleichsgröße, falls eine solche zwischen Wertpapierfirma und Kunde vereinbart wurde;
  • Gesamtbetrag der Dividenden-, Zins- und sonstigen Zahlungen, die während des Berichtszeitraums im Zusammenhang mit dem Kundenportfolio eingegangen sind;
  • Informationen über sonstige Maßnahmen des Unternehmens, die Rechte in Bezug auf im Portfolio gehaltene Finanzinstrumente verleihen;
  • für jedes in dem Berichtszeitraum ausgeführte Geschäft — soweit relevant — die in Art. 59 Abs. 4 Buchstaben c bis l genannten Informationen, es sei denn, der Kunde wünscht die Informationen über die ausgeführten Geschäfte jeweils einzeln, da dann Abs. 4 dieses Art. anzuwenden ist.

Das Reporting erfolgt außer in den nachfolgend aufgeführten Fällen alle drei Monate:

  • Wenn die Wertpapierfirma ihren Kunden Zugang zu einem als dauerhafter Datenträger einstufbaren Online-System gewährt, über das der Kunde auf aktuelle Aufstellungen seines Portfolios zugreifen kann, der Kunde einfachen Zugang zu den gem. Art. 63 Abs. 2 erforderlichen Informationen hat und die Firma nachweisen kann, dass der Kunde mindestens einmal während des betreffenden Quartals eine Bewertung seines Portfolios aufgerufen hat;
  • In den Fällen, in denen Abs. 4 gilt, ist die periodische Aufstellung mindestens einmal alle zwölf Monate vorzulegen;
  • Lässt der Vertrag zwischen einer Wertpapierfirma und einem Kunden über eine Portfolioverwaltungsdienstleistung ein kreditfinanziertes Portfolio zu, ist die periodische Aufstellung mindestens einmal monatlich vorzulegen.
h) Verlustschwellenreporting

Ein Verlustschwellenreporting an den Kunden hat zu erfolgen, wenn der Gesamtwert des zu Beginn des jeweiligen Berichtszeitraums beurteilenden Portfolios um zehn Prozent fällt, sowie anschließend bei jedem Wertverlust in 10%-Schritten, und zwar spätestens am Ende des Geschäftstags, an dem der Schwellenwert überschritten wird oder — falls der Schwellenwert an einem geschäftsfreien Tag überschritten wird — am Ende des folgenden Geschäftstags. Ein Reporting bei niedrigeren Verlustschwellen ist zulässig. Eine Abweichung nach oben hingegen nicht.

PRAXISTIPPS

  • Die Finanzportfolioverwaltung unterliegt durch MiFID II einer Reihe neuer Anforderungen. Stellen Sie sicher, dass die entsprechenden angemessenen Prozesse angepasst wurden.
  • Stellen Sie sicher, dass die Gebühren bzw. Vergütungsmodelle dem Verbot von Zuwendungen im Zusammenhang mit der Finanzportfolioverwaltung entsprechen. Ansonsten „droht“ erheblicher Aufwand wegen der unverzüglichen Auskehrung an den Kunden.
  • Überprüfen Sie die interne Dokumentation der Handelsentscheidung auf die Mindestangaben.
  • Überprüfen Sie die Definition des Zielmarktes, da der Produkthersteller und die vertreibende Stelle seit 03.01.2018 nur dann Produkte im Bereich Finanzportfolioverwaltung vertreiben dürfen, wenn sie zuvor einen Zielmarkt definiert haben.
  • Die Sachkunde der Mitarbeiter ist regelmäßig (mindestens jährlich) zu überprüfen. Verfügt ein nach 03.01.2018 neu mit der Finanzportfolioverwaltung betrauter Mitarbeiter nicht über die praktische Sachkunde, muss er sechs Monate unter Aufsicht tätig sein, bevor er die praktische Anwendung erfolgreich nachgewiesen hat. Überprüfen Sie die diesbezüglichen organisatorischen Regelungen und auch, ob diese auch so gelebt werden.

  1. Nach den vertraglichen Vereinbarungen erhält die Bank neben der Verwaltungsgebühr noch Vergütungen für einzelne Transaktionen. In den Musterportfolien sind Investmentvermögen enthalten. Produkte in Fremdwährungen sind nicht enthalten Depotgebühren berechnet die Bank nicht. Platzierungsgebühren erhält die Bank nicht.

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