Fit & Proper – Würdigung der aktuellen Rechtslage und Umsetzungshinweise aus Sicht einer regionalen Sparkasse*

image_print

Burkhard Mast-Weisz, Oberbürgermeister, Stadt Remscheid und Verwaltungsratsvorsitzender, Stadtsparkasse Remscheid

Frank Dehnke, Vorstandsvorsitzender, Stadtsparkasse Remscheid

1. Motivation für diesen Artikel

Die Regulierung der letzten Jahre führt zu einer exponentiell steigenden Regulierungsflut. Nicht nur die Institute, auch deren oftmals regional ausgerichtete Aufsichts- oder Verwaltungsräte müssen sich immer neuen Herausforderungen stellen, um den Anforderungen gerecht zu werden und die Bank in diesen schwierigen Zeiten auf Kurs zu halten. Dieser Artikel hat das Ziel, die aktuellen Anforderungen von EBA/EZB und BaFin zu beleuchten und konkrete Umsetzungshinweise für die Praxis in regional ausgerichteten Instituten zu geben. Hierbei soll insbesondere auf die durchaus konträre, aber doch am langen Ende zum selben Ziel führende Sichtweise eines Verwaltungsratsvorsitzenden und eines Vorstandsvorsitzenden einer Sparkasse eingegangen werden.

2. Darstellung aktueller Regelungen

Im Kontext der aktuellen Regelungswut fällt es schwer, den Überblick über die aktuellen Regelungen zu behalten. Abbildung 1 soll helfen, die momentan spannenden Papiere zu strukturieren.

Abbildung 1: Überblick über aktuelle Regelungen zu Fit & Proper

Klar wird folglich: Die Anforderungen steigen und auch wenn vieles „nur“ für systemrelevante Institute gilt, müssen sich regionale Institute mit dem „kleinen Bruder“ dieser Anforderungen auseinandersetzen.

3. Handlungsimpulse für regionale Institute

Auf Basis dieser Erkenntnisse und der täglichen praktischen Arbeit lassen sich einige Handlungsempfehlungen ableiten.

Auch wenn es noch in weiter Ferne ist: aber die Notwendigkeit, sich mit Interviews auseinanderzusetzen ist perspektivisch nicht auszuschließen. Vorstände haben solche Prüfungssituationen im Rahmen der regelmäßigen Aufsichtsgespräche sowieso schon. Es kann stellenweise sinnvoll sein, diese Erkenntnisse im Rahmen von Verwaltungsrats- oder Risikoausschusssitzungen zu reflektieren.

Zudem steigt der Druck, sich mit der englischen Sprache auseinanderzusetzen. Im Rahmen der Konsultation erscheinen diese Papiere oft „nur“ auf Englisch. Auf die finale Veröffentlichung in den Amtssprachen der EU – also auch Deutsch – zu warten, greift zu kurz. Aufgrund der kurzen Vorlaufzeit ist es oftmals sinnvoll, sich schon mit den englischen Entwürfen zu befassen, um Handlungsimpulse für das eigene Haus abzuleiten. Auch wenn dies in absehbarer Zeit aus unserer Sicht nicht zwingend verpflichtend sein wird, so sollte man diesen Gedanken doch im Hinterkopf behalten.

Des Weiteren ist es wichtig, sowohl im Verwaltungsrat als auch im Risikoausschuss eine intensive Diskussion über Kreditfälle, Risikoreports und auch Strategien zu fördern. Eine gesunde Diskussionskultur, hart in der Sache aber menschlich wertschätzend, ist ungemein wichtig. Ziel muss es sein, die Risikokultur nach MaRisk 6.0 im Haus zu fördern, um so das gemeinsame Ziel zu erreichen.

Die kollektive Eignung der Leitungsorgane rückt immer weiter in den Vordergrund. So ist es wichtig, dass die Eigenbewertung selbstkritisch und offen durchgeführt wird, um möglichweise auftretende Schwachstellen im Gremium zeitnah beseitigen zu können.

Hierfür kann es sinnvoll sein, regelmäßige Seminarbesuche aller Beteiligten zu forcieren. Aufgrund der Vielzahl an Neuerungen ist es wichtig, dass alle Beteiligten „auf Ballhöhe“ bleiben. Das FCH offeriert hier eine breite Palette an Angeboten. So hat der Vorsitzende des Risikoausschusses schon mehrfach am „Flaggschiff“ des FCH, den Hamburger Bankenaufsicht-Tagen teilgenommen und diese als sehr wertvoll erachtet.

SEMINARTIPP

 

Fit & Proper in deutschen Banken – Eignungsprüfung für Schlüsselposition, 04.12.2018, Frankfurt/M.

 

Partiell bieten sich auch Inhouse-Schulungen an. Die Stadtsparkasse Remscheid hat sich in 2018 entschlossen, ihren Risikoausschuss mit mehreren, jeweils ca. 1,5–2,0 h dauernden, Schulungseinheiten auf die aktuellen Herausforderungen, aber vor allem auf das Verständnis der Risikoreports vorzubereiten. Abbildung 2 visualisiert dieses Schulungskonzept, welches sich in Summe über zwei Jahre erstreckt und im Februar 2018 gestartet worden ist. Ein Glossar mit den wichtigsten Begriffen der Risikosteuerung rundet die Inhalte ab.

Abbildung 2: Schulungskonzept der Stadtsparkasse Remscheid für den Risikoausschuss

4. Zwei Sichten auf das Thema – „Verwaltungsrat vs. Vorstand“

Nichtsdestotrotz haben die Akteure im Institut verschiedene Sichtweisen auf das Thema. Abbildung 3 verdeutlicht dies, bewusst übertrieben formuliert. Es ist in jedem Fall hervorzuheben, dass das gemeinsame Ziel, die Ertragslage der Bank nach vorne zu treiben, von beiden Parteien gleichermaßen verfolgt wird.

Abbildung 3: Verschiedene Sichtweisen auf das Thema

Abbildung 3 lässt es erahnen – die Pole sind bewusst gegensätzlich formuliert. Im Sinne einer guten Zusammenarbeit gilt es in allen Aspekten, die richtige Balance zwischen betriebswirtschaftlicher Notwendigkeit und aufsichtsrechtlicher Anforderung zu finden.

5. Fazit und Ausblick auf die Zukunft

In Summe ist es nachvollziehbar, dass die Anforderungen an Leitungsorgane steigen. Dass hier bei den großen systemrelevanten Instituten der größte Nachholbedarf besteht, wird durch die hohen pressewirksamen Reputationsrisiken offensichtlich. Dies lässt sich bis in die Ursprünge der Finanzmarktkrise hinein zurückverfolgen.

Aber auch kleinere Institute müssen sich wappnen. Es scheint, als ob die Institute hier unnötigerweise in ein Korsett gezwängt werden, was nicht zwingend dem Proportionalitätsgedanken entspricht. Bereiche wie Gesamtbanksteuerung werden hier oft über die Gebühr belastet. Der Ruf nach Erleichterungen wird hier zu Recht laut.

Perspektivisch betrachtet muss aber gesagt werden: Die Anforderungen an Kompetenzen und Wissen steigen. Wichtig ist der enge und gute Dialog zwischen Aufsichtsorgan und Geschäftsleitung. Im Kontext dessen wird es gelingen, auch die immer weiter steigenden Anforderungen der Zukunft zu meistern. Denn letztlich bieten regionale Institute einen echten nachhaltigen Mehrwert für die Region. Diesen gilt es zu schützen und zu wahren.

PRAXISTIPPS

  • Schulen Sie regelmäßig Ihre Aufsichtsorgane. Das FCH hat hier spezielle Angebote.
  • Für einen größeren Kreis bieten sich auch Inhouse-Schulungen an, da diese adressatengerecht sind.
  • Bleiben Sie in engem Kontakt – sowohl Geschäftsleitung als auch Aufsichtsorgan müssen über dieselben Informationen verfügen.
  • Verfolgen Sie aktuelle Entwicklungen in Bezug auf Fit & Proper – auch im KWG oder in ergänzenden Verlautbarungen der Aufsicht.
  • Stellen Sie sicher, dass Ihre Gremien in Summe für die Herausforderungen der Zukunft geeignet sind.

*Dieser Artikel stellt die persönliche Meinung der Verfasser dar, die nicht notwendigerweise mit der der jeweiligen Arbeitgeber übereinstimmen muss.

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.