Frankfurter Buchmesse 2018

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Claudia Merklinger, Leiterin Verlagsmanagement, Finanz Colloquium Heidelberg GmbH

Die Grande Dame der Literaturszene, die Frankfurter Buchmesse, hat dieses Jahr runden Geburtstag gefeiert: Zum 70. Mal bereits versammelte sich vom 10.–14.10.2018 die Crème de la Crème (und diejenigen, die es gerne wären) der literarischen Welt auf dem Frankfurter Messegelände; dieses Mal mit dem Gastland Georgien. Auch der Verlag des Finanz Colloquium Heidelberg hat sich die Gelegenheit nicht nehmen lassen und am Eröffnungstag die Messe besucht.

Im Fokus stand dabei natürlich vor allem unsere eigene Sparte – Fachverlage für Finanz- und Rechtsthemen. Ein Blick über den Zaun zu den Nachbarn kann bekanntlich nie schaden. Erfreulicherweise war das Gras dort zwar genau so grün, immerhin aber nicht grüner als bei uns.

Der nächste Weg führte in die Technologiehalle, die bezüglich Druckereien und anderen Zulieferern für uns immer besonders interessant ist. Der Trend der Buchmesse, jedes Jahr noch größer und mit noch mehr Ausstellern aufzutreten, ließ sich hier allerdings nicht beobachten: Die auf der Messe vertretenen Zulieferer des Buchhandels scheinen jedes Jahr zu weniger zu werden; die noch anwesenden Aussteller waren überwiegend aus dem osteuropäischen Ausland angereist. Zwischen den Messeständen gab es deutlich mehr unauffällig eingestreute Sitzgelegenheiten als noch in den vergangenen Jahren. Auch, wenn Buchliebhaber sich manchmal gerne auf einer „Insel der Glückseligen“ wähnen – auch diese Branche ist wirtschaftlichen Zwängen unterworfen, der Kostendruck und die Konkurrenz auf einem schrumpfenden Markt (der derzeit besonders durch die unsichere Zukunft des Urheberrechts gebeutelt wird) wurden nirgends auf der Messe so deutlich sichtbar wie hier. Auch einer unserer großen Zulieferer, mit dem wir uns im Nachgang der Messe unterhielten, hat uns diesen Eindruck bestätigt: Er selbst stelle gar nicht mehr in Frankfurt aus, da sich die doch hohe Standgebühr einfach nicht mehr lohne – statt neue Geschäftskontakte zu knüpfen, kämen die meisten nur noch zur Messe, um die eigenen Produkte an den Mann zu bringen. Und auch die Stände der absoluten Marktführer, die früher eine halbe Halle für sich beanspruchten, waren merklich geschrumpft. Immer stärker vertreten hingegen sind die Anbieter automatisierter Satzsysteme, die den Autoren die einfache Eingabe ihrer Texte in Word ermöglichen, das System lädt die Beiträge in die vom Herausgeber gemanagte Cloud und wandelt alles per Knopfdruck – theoretisch – in ein nach Vorgaben des Verlags fertig formatiertes Buch um.

Eine weitere interessante Beobachtung: Warb vor einigen Jahren noch gefühlt jeder zweite Stand mit seinem eigenen E-Reader bzw. -Angebot, ist dieser Trend inzwischen deutlich abgeflaut; zwei, drei große Anbieter haben den Markt unter sich aufgeteilt. Man gewinnt den Eindruck, dass das E-Book seine Nische in der Buchszene gefunden hat, die es zwar deutlich verteidigt, aber nicht mehr weiter ausbauen kann – als Zusatzangebot in bestimmten Situationen wird es gerne genutzt, ersetzen kann es das klassische Buch aber nicht. Der Tag, an dem wir alle nur noch elektronisch lesen, liegt wohl erfreulicherweise doch noch weit in der Zukunft – wir dürfen noch ein Weilchen auf unserer Insel bleiben.

 

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