Fusions- und Migrationsprojekte im Bankenumfeld

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Expertise statt Experimente

Waldemar Frankowski, Vorstandsstab/Unternehmensentwicklung, PSD Bank Berlin-Brandenburg eG

Vor dem Preis kommt der Schweiß

Nachdem alle erforderlichen Vorarbeiten und Überlegungen abgeschlossen sind, geht es an die Detailarbeit: Die Daten aus dem Core-System müssen von A nach B migriert werden. Regelmäßig muss eine Transformation dieser Daten stattfinden, da A anders gebaut ist als B. Das kann zu enormen Herausforderungen führen, wenn die Syntax und Semantik auf der Datenstrukturebene nicht klar definiert und dokumentiert sind. Ebenso müssen sich die Institute über ihre Datenmengen Gedanken machen. Eine Migration muss gewöhnlich an einem Wochenende und auch dann innerhalb weniger Stunden stattfinden. Was tun, wenn aber bereits die Entladeprozesse eine Nacht dauern? Danach müssen die Daten noch in das Zielsystem transferiert werden, was u. U. nicht in demselben Rechenzentrum ist. Allein dieser Schritt kann bereits Herausforderungen hervorrufen. Der gesamte Migrationsprozess muss in sog. Überleitungen mehrfach unter Echtbedingungen getestet werden.

Alles was neu gebaut, konfiguriert und verändert wird, muss geprüft und getestet werden. Es ist wichtig, ein ausgeklügeltes, aber auch ein pragmatisches Testkonzept zu haben, welches die Schutzbedarfe der Daten berücksichtigt und ein risikoorientiertes Testen der Geschäftsvorfälle beinhaltet. In der Regel sind solche Projekte als wesentliche IT-Projekte zu kategorisieren und stehen bei Banken im besonderen Fokus der Aufsicht in Bezug auf MaRisk und BAIT, so dass eine projektbegleitende Prüfung durch eine Interne oder externe Revision durchaus sinnvoll ist.

Bevor das große Going-Live stattfindet, müssen alle oder alle relevanten Mitarbeiter auf die Veränderungen vorbereitet werden. Eine „Nachsorge-Phase“ ist gewöhnlich erforderlich und einzuplanen. Es verändert sich viel bis alles. Der Kunde soll operativ „möglichst wenig bis gar nichts“ davon mitbekommen. Eine adäquate Kundenkommunikation muss jedoch regelmäßig und rechtzeitig stattfinden sowie professionell vorbereitet sein.

Fazit

Im Ergebnis muss das Institut nach einer Fusion oder Migration mindestens genauso oder sogar besser funktionieren sowie die erforderliche Compliance einhalten. Klingt einfach, ist es aber nicht, wenn so gut wie alles verändert wird. Wenngleich das Projekt auf der Basis der Vorgaben angemessen und sachgerecht dokumentiert wurde, ist ggf. ein besonderer Fokus auf das Auslagerungsmanagement und das Risikomanagement während und nach der Projektphase zu legen. Diese Arten von Projekten erzeugen immer eine hohe Belastung für alle Beteiligten. Ein fairer Umgang miteinander sowie hochgradige Motivation gepaart mit exzellentem Wissen sind die Erfolgsfaktoren dieser Herausforderung.

PRAXISTIPPS

  • Die Projektleitung muss in vergleichbaren Migrationsprojekten erfahren sein.
  • Gute Vorbereitung ist zwar nicht die „halbe Miete“, spart aber Zeit und sorgt für weniger Überraschungen.
  • Eine gute Prozess- und Verfahrensdokumentation ist Gold wert.
  • Die Projektmitarbeiter müssen Freiräume für das Projekt bekommen. Ein paralleles Tagesgeschäft stellt ein unkalkulierbares Risiko dar.
  • Die Projektmitarbeiter sollten vor dem Start des Projektes methodisch vorbereitet werden.
  • Ein laufendes Projekt-Risikomanagement ist erforderlich.
  • Projektbegleitende Prüfungen durch die Interne Revision helfen. Der Aufwand dafür darf nicht unterschätzt werden.
  • Externe Expertise in einem angemessenen Umfang ist ein Erfolgsfaktor.

 

 

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