Geschäftsmodellanalyse und Profitabilität

Ist Ihre Bank profitabel?

Michael Endmann, Direktor Gesamtbanksteuerung, Stadtsparkasse München

Im Nachgang der Finanzmarkt- und Staatsschuldenkrise, in deren Sog so manche Bank durch Steuergelder gerettet werden musste, schworen sich die Regierungschefs der G20, dass eine Krise, wie sie in den Jahren 2008/2009 ihren Anfang nahm, nie wieder passieren darf. Eine Lehre aus der Krise war, dass die Aufsicht sich mehr mit den Geschäftsmodellen der von ihnen überwachten Institutionen beschäftigen muss. Daher ist es nur folgerichtig, dass die EZB sowie die BaFin die Themen Profitabilität und Geschäftsmodellanalyse für die letzten Jahre zu einer aufsichtlichen Priorität erklärten.

Zwischenzeitlich sind diese Themen auch auf Ebene der national überwachten Institute angekommen und erste Analysen von Geschäftsmodellen werden im Rahmen von Prüfungen nach § 44 KWG durchgeführt.

Woran erkennt man profitable Banken?

Beantworten Sie mir vier Fragestellungen, und ich sage Ihnen, wie wahrscheinlich es ist, dass Ihre Bank profitabel ist. Zwar nicht im streng mathematisch-statistischen Sinne einer Wahrscheinlichkeit, aber im Sinne einer empirischen Einschätzung.

  • Die erste Fragestellung lautet: Kennen und verstehen Sie detailliert die Treiber für Wachstum bzw. Rückgang des Ertrages in Ihren Geschäftsfeldern? Erstellen Sie hierzu umfangreiche Szenarioanalysen?
  • Zweite Fragestellung: Sind Sie in der Lage, sämtliche Produktions- und Betriebskosten sachgerecht bzw. verursachungsgerecht auf Ihre Geschäftsfelder, Ihre Vertriebskanäle oder Produkte zu verteilen? Ist die Qualität Ihrer Kosteneinsparprogramme hoch?
  • Dritte Fragestellung: Haben Sie ein umfassendes System zur Ermittlung von Preisen, welches konsistent über alle Geschäftsfelder verwendet wird? Umfasst dieses auch eine sog. Preisuntergrenze, die sicherstellt, dass ein Mindestlevel in der Abdeckung sämtlicher Risiken und Kosten erreicht wird? Wird dieses System bei Konditionsentscheidungen angewandt, und werden Ausnahmen überwacht?
  • Vierte Fragestellung: Ist die Risikocontrolling-Funktion in die Formulierung der (Geschäfts-)Strategie eingebunden? Besteht zwischen der (Geschäfts-)Strategie und dem Risikoappetit sowie dem ICAAP eine konsistente Verknüpfung? Decken die strategischen Kennzahlen die (Geschäfts-)strategischen Ziele umfassend und auf geeignet granularer Ebene ab? Werden zu diesen detaillierte Szenarioanalysen und Sensitivitätsanalysen durchgeführt?

Wenn Sie alle vier Fragestellungen sehr klar mit einem JA beantworten können, dann ist es empirisch gesehen wohl sehr wahrscheinlich, dass Ihre Bank profitabel ist.

SEMINARTIPPS

FCH Fit & Proper VORSTAND: Risikomanagement, 06.05.2019, Berlin.

Prüfung & Beurteilung des Geschäftsmodells durch Aufsicht und Revision, 15.05.2019, Hamburg.

9. Kölner Banksteuerung-Tagung, 03.–04.06.2019, Köln.

Aufsichtsgespräche 2019: Fokus Geschäftsmodell-Analyse & Risikoprofil, 05.06.2019, Köln.

RWA-Optimierung bei knapper werdendem Eigenkapital, 21.10.2019, Frankfurt/M.

Das ist zumindest die Erkenntnis einer Studie der EZB, die diese – beginnend in 2016 – bei den Kreditinstituten durchgeführt hat, die direkt von der EZB überwacht werden.

EZB-Studie „SSM thematic review on profitability and business models“

Die EZB entschied sich 2016 aufgrund der anhaltenden Herausforderungen, die sich aus einer niedrigen Profitabilität für die Banken ergeben, bei den SI (Significant Institution, systemrelevante Institute) durch die JST (Joint Supervisory Team) in 2017 eine Analyse zu den Themen Profitabilität und Geschäftsmodelle durchführen zu lassen. Die wesentlichen Erkenntnisse wurden zu Beginn 2018 zwischen den JST und den SI besprochen und im September desselben Jahres die wesentlichen Industrie-übergreifenden Erkenntnisse durch die EZB in o. g. Studie veröffentlicht.

Eines der wesentlichen Erkenntnisse der Studie ist, dass die strategische Steuerungs-Fähigkeit einer Bank maßgeblich für ihren Erfolg ist. Banken, die in den letzten Jahren besser Ergebnisse hatten, wiesen im Mittel auch bessere strategische Steuerungsfähigkeiten auf. Nichtsdestoweniger sieht die Aufsicht Industrie-weit einen Weiterentwicklungsbedarf bei den strategischen Steuerungsfähigkeiten, insbesondere hinsichtlich der oben aufgeworfenen vier Fragestellungen.

Unter strategischer Steuerung werden Management-Fähigkeiten verstanden, langfristige Ziele zu setzen und zu verfolgen. Hierzu gehören auch effiziente Prozesse und eine gute Führung. Fehlen diese Fähigkeiten und besteht keine Verknüpfung zwischen der Risikosicht und der (Geschäfts-)strategischen Sicht, kann dies in den Augen der Aufsicht dazu führen, dass eine Bank nicht das Risiko-Ertrags-Verhältnis ihrer (Geschäfts-)Strategie austariert, sie nicht die Treiber ihres Ertrags erkennt und sie nicht die ihrem Geschäft inhärenten Risiken analysiert und gegebenenfalls absichert.

PRAXISTIPPS

  • Beantworten Sie für sich die oben aufgeworfenen Fragestellungen und identifizieren Sie Ihre Handlungsfelder.
  • Weiterentwicklung der Kostenstellen-Rechnung, um über Best-Practice-Prozesszeiten zu einem Ansatz für Produktkosten zu kommen. Hierbei ist es erforderlich, zwischen den direkt zurechenbaren Zeiten von Markt und Marktfolge und allen weiteren (Produktions-)Kosten zu unterscheiden.
  • Aufnahme sämtlicher Produktions- und Risikokosten in die Produktkalkulation verbunden mit einer Definition der Preisuntergrenze.

Beitragsnummer: 56620

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