Ist der Einsatz von Hitlisten im Vertrieb zulässig?

Wenn Mitarbeitermotivation heikel wird…

Heidi Bois, Leiterin Vertrieb FCH Gruppe und Redaktionsmitglied DigiPraktiker und Dr. Barbara Sommer, Rechtsanwältin & Partnerin bei Weitnauer Rechtsanwälte, Standort Mannheim

Im Vertrieb werden oft sog. „Rennlisten“ zur Mitarbeitermotivation ausgehängt. So kann jeder sehen, wo er aktuell steht und wie erfolgreich er im Vergleich zur Vergangenheit ist. Der Anreiz dieser Bestenlisten soll für die Mitarbeiter per se darin bestehen, künftig noch besser zu werden und in der Rangliste weiter nach oben zu klettern. Datenschutzrechtlich ist diese Methode jedoch eher zweifelhaft.

Leistungsvergleichende Listen, die beispielsweise erbrachte Umsätze namentlich auflisten, erfreuen sich in Vertriebsabteilungen großer Beliebtheit.

Grundsätzlich ist datenschutzrechtlich nichts dagegen einzuwenden, dass der Arbeitgeber die Vertriebsaktivitäten seiner Mitarbeiter zum Zwecke der Vertriebssteuerung erfasst und auswertet. Er hat ein berechtigtes Informationsinteresse, um die Vertriebsaktivitäten seiner Mitarbeiter effizient gestalten zu können. Die Nutzung der Daten zur Erstellung und Veröffentlichung von Rennlisten wirft jedoch erhebliche datenschutzrechtliche Bedenken auf.

Starke Vertriebler werden eher weniger Einwendungen gegen die Veröffentlichung ihrer Leistungsergebnisse haben. Schwächere müssen dagegen befürchten, dass dies ihrer beruflichen Position und ihrem innerbetrieblichen Ansehen schadet. Jedoch hat jeder das Recht, zu verlangen, dass seine Daten nicht publiziert werden.

Rechtsanwältin Dr. Barbara Sommer berät nationale und internationale Mandanten in den Bereichen IT-Recht, Datenschutzrecht und Recht des Geistigen Eigentums mit Schwerpunkt in der IT-Branche, im E-Commerce und der Industrie 4.0. Sie sagt dazu:

„Auch vor Inkrafttreten der DS-GVO wurde vertreten, dass die Veröffentlichung sog. Rennlisten unter Nennung des Namens der Mitarbeiter nur mit deren ausdrücklicher Einwilligung zulässig ist. Eine Erforderlichkeit für die Durchführung des Arbeitsverhältnisses als Rechtsgrundlage für die Veröffentlichung dürfte auch heute eher nicht in Betracht kommen. Eine Einwilligung muss nach § 26 Abs. 2 S. 3 BDSG-neu regelmäßig schriftlich erfolgen. Zu beachten ist aber, dass die Einwilligung wirklich freiwillig erteilt worden sein muss, was in Beschäftigungsverhältnissen regelmäßig angezweifelt wird. Für die Beurteilung der Freiwilligkeit der Einwilligung sind insbesondere die im Beschäftigungsverhältnis bestehende Abhängigkeit der beschäftigten Person sowie die Umstände, unter denen die Einwilligung erteilt worden ist, zu berücksichtigen, § 26 Abs. 2 S. 1 BDSG-neu. Sofern das Verfahren, auf dessen Grundlage die Rennlisten erstellt werden, eine automatisierte Entscheidung nach sich ziehen soll, sind außerdem die Anforderungen des Art. 22 DS-GVO schon für das Verfahren selbst zu beachten (unabhängig davon, ob es zu einer Veröffentlichung im Betrieb kommen soll). Sollte im Unternehmen ein Betriebsrat vorhanden sein, so ist auch dieser schon bei der Entscheidung über das Verfahren, auf dessen Grundlage Rennlisten erstellt werden, hinzu zu ziehen, § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG.

Das heißt, auf einer ersten Ebene ist zu prüfen, ob und unter welchen Bedingungen man überhaupt Verfahren zur Leistungsüberwachung einführen darf, und auf der zweiten Ebene stellt sich die Frage, wie mit den Daten, die sich aus diesen Verfahren ergeben, umgegangen werden darf. Die Prüfung der Zulässigkeit ist also auch dann durchzuführen, wenn man die gewonnenen Daten später anonymisiert im Betrieb veröffentlichen möchte.“

Praxistipps
  • Klären Sie vorab, welche Verfahren Sie für die Einführung von Rennlisten einsetzen dürfen und beziehen Sie – wenn vorhanden – den Betriebsrat mit ein.
  • Entschärfen Sie die „Rennlisten“ z. B., indem Sie die Daten anonymisiert präsentieren. Dies ermöglicht dem Einzelnen, sein eigenes Leistungsniveau und seine Ergebnisse in das gesamte Leistungsgefüge einzuordnen und daraus persönliche Leistungsziele abzuleiten.
  • Personenbezogene Listen sollten Sie nur mit schriftlicher und freiwilliger Einwilligung der Mitarbeiter veröffentlichen. Klären Sie dies unbedingt im Vorfeld mit einem Datenschutzexperten, damit Sie auf der (rechts)sicheren Seite sind.

 

Beitragsnummer: 1096