Jahresabschlussprüfung – von der Planung bis zur Nachschau

Formen der Zuarbeit und deren Berücksichtigung im Phasenmodell der Prüfung

Mario Pries, Wirtschaftsprüfer, AWADO Deutsche Audit GmbH

I. Einleitung / Ausgangslage

Kreditinstitute werden, u. a. aufgrund ihrer besonderen Stellung in der arbeitsteiligen Volkswirtschaft als Finanzintermediär[1], jährlich einer normierten (Jahresabschluss)Prüfung[2] unterzogen. Die entsprechenden Prüfungshandlungen sind von qualifizierten Prüfern – in der Regel durch Wirtschaftsprüfungsgesellschaften oder im Falle der Volks- und Raiffeisenbanken sowie der Sparkassen durch die zuständigen Verbände, im Folgenden insgesamt allgemein als Abschlussprüfer bezeichnet – eigenverantwortlich durchzuführen. Es handelt sich um eine komplexe Prüfung, welche durch die (Über-)Regulierung der Bankenaufsicht in den vergangenen Jahren – nach Insolvenz der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers – stetig ausgeweitet wurde und weiterhin forciert wird. Insbesondere sind hier – neben den Verordnungen und technischen Standards („Guidelines“) der EBA[3] – die Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) zu nennen, welche erstmals unter dem Datum vom 20. Dezember 2005 veröffentlicht und zuletzt am 14. Dezember 2012 geändert wurden. Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Beitrages standen die „MaRisk 6.0“ „weiterhin“ kurz vor ihrer Veröffentlichung.[4] Neben dem weiterhin vorherrschenden Niedrigzinsumfeld mit gravierenden Auswirkungen auf die Ertragslage manifestiert sich die Überregulierung als nicht unerheblicher Kostenfaktor. Neben der Diversifikation der Assetklassen (u. a. Einstieg in die Vermietung von eigenen Wohn- und Gewerbeimmobilien), der Digitalisierung – einhergehend mit der Schließung von Filialen – und der Verschmelzung zu größeren Einheiten[5] – zur Hebung von Synergieeffekten / Kosteneinsparpotentialen – stehen „natürlich“ auch die Prüfungskosten im Fokus der Banken. Durch eine koordinierte Begleitung der Prüfung bzw. Zuarbeit durch die Internen Revision steht es im Ermessen des Abschlussprüfers – bei gegebener Funktionsfähigkeit und Ordnungsmäßigkeit der Internen Revision[6] – auch Prüfungsergebnisse der Internen Revision zu verwerten bzw. das mandantenspezifische Know-how der selbigen zu nutzen. Im Folgenden wird das Phasenmodell der Prüfung kurz skizziert, bevor auf die Formen der Zuarbeit der Internen Revision – welche im Folgenden auch die Begleitung der Abschlussprüfung umfasst – und deren praktische Umsetzung in den einzelnen Prüfungsphasen eingegangen wird.

Das Phasenmodell zum Prüfungsablauf[7]

Das Modell umfasst die folgenden fünf Phasen (Standardrevisionsprozess):

  1. Planung
  2. Prüfungsvorbereitung
  3. Prüfungsdurchführung
  4. Berichtserstellung
  5. Nachprüfung / Nachschau (Follow-Up)

Das Erfordernis der Prüfungsplanung ergibt sich aus BT 2.3 MaRisk. Die risikoorientiert im eigenen Ermessen der Internen Revision durchzuführende Planung umfasst das gesamte „Prüfungsuniversum“, also alle Betriebs- und Geschäftsprozesse der Bank. Der Planungsprozess besteht aus folgenden Meilensteinen:

  • die Rahmenplanung,
  • die Mehrjahresplanung,
  • die Jahresplanung und
  • die operative Planung.

Die Festlegung des „Prüfungsuniversums“ (Rahmenplanung) ermöglicht die Erstellung eines risikoorientierten Mehrjahresplans (rollierend oder über einen festen Zeitraum von drei bis fünf Jahren). Dieser konkretisiert sich für das jeweilige Geschäftsjahr im Jahresplan, welcher im Rahmen der operativen Planung weiter verfeinert wird (z. B. hinsichtlich der einzusetzenden Ressourcen, der Prüfungszeitpunkte und der Priorisierung der Prüfungen).

Bestandteile der Prüfungsvorbereitung sind sowohl die Erstellung des Prüfungsprogramms des jeweiligen Prüffeldes laut Jahresplan als auch die entsprechende Prüfungsankündigung. Die Erstellung des Prüfprogramms umfasst die detaillierte Risikoeinschätzung des Prüffeldes sowie die diesbezüglichen Prüfungsziele, den Prüfungsumfang und die Organisation der Prüfung. Die Prüfungsankündigung (z. B. im Rahmen eines Kick-Off Meetings) dient dazu, dem geprüften Bereich einen Überblick über die geplanten Prüfungsziele und -inhalte sowie die geplanten Prüfungsschritte (insbesondere zeitlich) zu geben.

Die Prüfungsdurchführung beinhaltet Prüfungshandlungen die das Sammeln, Analysieren und Beurteilen von prüfungsrelevanten Nachweisen im Rahmen des erstellten Prüfprogramms umfassen. Folgende Arten von Prüfungshandlungen sind exemplarisch zu nennen: Bestätigungen Dritter (z. B. Saldenmitteilungen), Analyse von Dokumenten, Stichprobenprüfungen, analytische Prüfungshandlungen, Beobachtungen von Abläufen sowie Tests der internen Kontrollen. Hierzu können Prüfungswerkzeuge herangezogen werden, bei denen es sich um organisatorische, methodische und technische Hilfsmittel handelt. Zu nennen sind hier Beispielsweise Checklisten, EDV-Programme und Stichprobenauswahlverfahren (z. B. bewusste Zufallsauswahl).

Die Prüfungsdurchführung endet mit der Berichtserstellung, welche neben dem Prüffeld und der Auftragsdurchführung das Prüfungsergebnis und den ggf. daraus resultierenden Handlungsbedarf enthält.

Die Überwachung der fristgerechten Umsetzung des identifizierten Handlungsbedarfes erfolgt im Rahmen des Nachschau / Nachprüfung.

III. Die Zuarbeit der Internen Revision für die externe Prüfung

Der Anspruch des Abschlussprüfers auf Aufklärung und Nachweise ergibt sich aus § 320 Abs. 2 HGB. Ob in diesem Zusammenhang eine Zuarbeit für die externe Prüfung durch die Interne Revision erfolgt, wird weitgehend durch die Geschäftsleitung festgelegt. Einerseits werden die jeweiligen Ansprechpartner im Rahmen der Vollständigkeitserklärung[8] abgefragt, andererseits können diese auch Gegenstand der „Erbetenen Informationen“[9] im Allgemeinen und des jeweiligen Prüffeldes im Speziellen sein. Dass die „generelle“ Zuarbeit der externen Prüfung durch die Interne Revision und nicht durch eine andere Organisationseinheit erfolgen sollte, steht außer Frage und wird in der Praxis auch so gelebt. Für eine effektive Zusammenarbeit bedarf es seitens des Abschlussprüfers eines (nahezu) „allwissenden“ Insiders bzw. Ansprechpartners, welchen er in der Internen Revision findet. Dies ist nach AT 4.4.3 Tz 4 MaRisk durch ein vollständiges und uneingeschränktes Informationsrecht der Internen Revision sowie nach AT 4.4.3 Tz 5 durch Bekanntgabe von Weisungen und Beschlüssen der Geschäftsleitung von Bedeutung an die Interne Revision gewährleistet.

Folgende Formen der Zuarbeit durch die Interne Revision und deren Berücksichtigung im Phasenmodell der Prüfung sollen im weiteren Verlauf näher betrachtet werden:

  1. (erster) Ansprechpartner für alle Belange des Abschlussprüfers
  2. Ersteller/Kontrolleur der Erbetenen Informationen
  3. Koordination der Prüfungstätigkeit des Abschlussprüfers und der Internen Revision
  4. Durchführung der Nachschauprüfung hinsichtlich vom Abschlussprüfer gegenüber der Bank kommunizierter Feststellungen (Bericht, ggf. Managementletter/Hinweisliste und/oder Fehlerliste) der letzten Prüfung(en)

1.  Die Interne Revision als Ansprechpartner für alle Belange des Abschlussprüfers

Die Ausgestaltung der Funktion als Ansprechpartner für den Abschlussprüfer kann vielfältig sein. Einerseits besteht die Möglichkeit, dass Sie ausschließlich als Ansprechpartner bezüglich Ihrer eigenen Berichte / Protokolle bzw. Prüfungsergebnisse fungieren oder aber auch als permanent einzubeziehende Verbindungsperson zwischen Abschlussprüfer und jeweils zu prüfender Organisationseinheit (= erster Ansprechpartner). Entsprechende Mischformen sind nicht auszuschließen und eher die Regel. Die Praxis hat gezeigt, dass die häufige bzw. permanente Einbindung der Internen Revision bei der Prüfung der unterschiedlichsten Organisationseinheiten bei ihr zu zeitlichen Engpässen und damit aus Sicht des Mandanten zu einer unwirtschaftlichen Prüfungsbegleitung des Abschlussprüfers führen kann. Insbesondere dann, wenn die vom Abschlussprüfer eingeforderten Unterlagen vor Übergabe durch die Interne Revision ohne Ausnahme einer Inaugenscheinnahme (mindestens Verplausibilisierung) unterzogen werden. Ein effektiverer Verlauf der Prüfung kann in der Regel durch einen direkten Kontakt zwischen Abschlussprüfer und zu prüfender Organisationseinheit erreicht werden. Die Einbeziehung der Internen Revision bietet sich dann erstmals bei Auftreten von Prüfungsfeststellungen an sowie – unabhängig vom Ergebnis der Prüfungshandlungen – bei Abschluss der jeweiligen Prüfungshandlungen je Organisationseinheit bzw. Prüffeld. Diesbezüglich bedarf es einer entsprechenden Absprache zwischen Abschlussprüfer und Interner Revision bzw. der Geschäftsführung der Bank.

In der Rahmenplanung der Internen Revision ist der „Prüfungsrhythmus“ für das Prüffeld „Zuarbeit der externen Prüfung“ – welches alle vier Formen der hier dargestellten Zuarbeit beinhaltet – unweigerlich als jährlich zu berücksichtigen. Eine gesonderte Risikoanalyse hätte weder eine Auswirkung auf den Prüfungsrhythmus noch auf die Prüfungsintensität, welche letztlich durch den Abschlussprüfer vorgegeben wird. Im Rahmen der Jahresplanung sollten sich die Kapazitäten an den (durchschnittlichen) Ist-Zeiten der letzten drei bis fünf Jahre orientieren. Besonderheiten in den einzelnen Jahren, wie z. B. der Wechsel des Abschlussprüfers oder eine weit über bzw. weit unter den Durchschnitt liegende Anzahl von Feststellungen, sind zu berücksichtigen. Nach Ankündigung des Beginns der Prüfungshandlungen vor Ort durch die Abschlussprüfer ist eine weitere sachliche, zeitliche sowie personelle Detailplanung (operative Planung) möglich bzw. erforderlich.

2. Erstellung bzw. Vorbereitung der Erbetenen Informationen durch die Interne Revision

Die korrekte und zeitnahe Erstellung bzw. Vorbereitung der Erbetenen Informationen ist für den wirtschaftlichen Auftakt / Verlauf der Prüfungshandlungen vor Ort aus Sicht des Abschlussprüfers unerlässlich. Die Praxis hat gezeigt, dass die Einbindung der Internen Revision für einen reibungslosen Ablauf der Erhebung der Erbetenen Informationen stets erforderlich ist. Neben der geballten Zurverfügungstellung der Erbetenen Informationen für die einzelnen Bereiche umfasst dies auch die Terminierung der Bearbeitung, die Kontrolle des Rücklaufs, die Kontrolle der Vollständigkeit sowie ggf. die Kontrolle bzw. Verplausibilisierung der Antworten und Nachweise. Es kann hier an einigen Stellen zu Reibungsverlusten kommen, die durch die konsequente Einbeziehung der Internen Revision reduziert werden können.

Hervorzuheben sind folgende Punkte, die den Prüfungsstart des Abschlussprüfers erschweren können:

  • keine (ausreichende) Kontrolle des Rücklaufs, so dass die Erbetenen Informationen zu Beginn der Prüfungshandlungen nicht vollständig vorliegen
  • keine vollständige Bearbeitung von Fragen bzw. Zurverfügungstellung von angeforderten Nachweisen und/oder (offensichtliche) Unplausibilitäten bei Antworten und bei den Nachweisen, die zu vermeidbaren Rückfragen zu Beginn der Prüfungshandlungen vor Ort führen
  • Verweise darauf, dass die Unterlagen bei der entsprechenden Organisationseinheit selbständig anzufordern seien

Neben der oben angeführten Berücksichtigung im Rahmen der Prüfungsplanung (vgl. III.1) ergeben sich aus dieser Form der Zuarbeit keine weiteren Erfordernisse bezgl. der weiteren Phasen im Prüfungsablauf.

3. Koordination der Prüfungstätigkeit des Abschlussprüfers und der Internen Revision

Es bedarf einer strikten Trennung von Abschlussprüfung und Interner Revision. Sie sind Arbeitnehmer des zu prüfenden Unternehmens und dürfen gem. § 319 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 HGB nicht in das Prüfungsteam des Abschlussprüfers integriert werden.[10] Jedoch besteht die Möglichkeit der Verwertung von Prüfungsergebnissen der Internen Revision durch den Abschlussprüfer, z. B. im Rahmen der Jahresabschlussprüfung.

Folgende Voraussetzungen[11] sind durch die Interne Revision für eine solche Verwertung durch den Abschlussprüfer zu erfüllen:

  • freie Kommunikation mit dem Abschlussprüfer
  • objektives und weisungsfreies Agieren
  • Freistellung von operativen Tätigkeiten
  • ordnungsgemäße Planung, Durchführung, Überwachung und Dokumentation von Prüfungshandlungen
  • nachvollziehbare Dokumentation der Umsetzung bzw. Nichtumsetzung der Verbesserungsvorschläge
  • Nachweis der fachlichen Kompetenz und Erfahrung
  • erkannte Schwachstellen werden von der Geschäftsführung abgestellt

Im Hinblick auf die „prüferische“ Zuarbeit durch die Interne Revision bedarf es einer detaillierten Abstimmung mit dem Abschlussprüfer. Im Vorwege, d. h. vor Beginn der Prüfungshandlungen vor Ort, gestaltet sich eine Abstimmung bei den meisten Prüffeldern als nicht durchführbar bzw. als nicht praktikabel, denn nicht alle möglichen Prüfungshandlungen sollen der Bank vorzeitig an die Hand gegeben werden. Überraschende Prüfungshandlungen sind seitens des Abschlussprüfers weiterhin durchzuführen (z. B. Prüfung von Kreditengagements ohne Vorbereitungszeit für die Bank). Insbesondere bietet sich eine Abstimmung des Prüfprogramms im Bereich der Jahresabschlussprüfung an. Einerseits können die Prüffelder benannt werden, die voraussichtlich aufgrund ihrer Größenordnung als wesentlich einzustufen und daher unweigerlich durch den Abschlussprüfer zu prüfen sind sowie diejenigen, die möglicherweise auf Basis einer Mehrjahresplanung Berücksichtigung finden werden. Andererseits können die Prüffelder, die weder wesentlich noch nach dem Mehrjahresplan zu prüfen sind, durch die Interne Revision geprüft und durch den Abschlussprüfer im Rahmen seines pflichtgemäßen Ermessens verwertet werden.

Aus Sicht des Abschlussprüfers ist für diejenigen jahresabschlussbasierten Prüffelder, die weder als wesentlich identifiziert wurden noch im Rahmen der Mehrjahresplanung geprüft werden, zumindest die Wirksamkeit einiger Kontrollmaßnahmen in der laufenden Jahresabschlussprüfung zu prüfen.[12] Hierfür können die Ergebnisse der Internen Revision, bei Erfüllung der obigen Voraussetzungen, aus wirtschaftlichen als auch aus praktischen Gründen verwertet werden. Im Rahmen seines pflichtgemäßen Ermessens kann der Abschlussprüfer seine Prüfungshandlungen bei einzelnen Prüffeldern weitgehend einschränken, ergänzende Prüfungshandlungen vornehmen oder nochmalige Prüfungshandlungen desselben Vorgangs durchführen sowie sich die Arbeitsunterlagen der Internen Revision vorlegen und erläutern lassen.[13]

In der Idealvorstellung des Abschlussprüfers hat die Interne Revision die Jahresabschlussprüfung bis zum Beginn seiner Prüfungshandlungen vor Ort abgeschlossen. Der Abschlussprüfer hat dann alle Möglichkeiten, die Ergebnisse entsprechend seiner Prüfungsplanung zu verwerten, um im Idealfall weniger Tage auf die Jahresabschlussprüfung zu verwenden, und somit die Prüfung wirtschaftlicher zu gestalten.

Das Phasenmodell zum Prüfungsablauf kommt somit uneingeschränkt zur Anwendung. Die im Rahmen der Koordination der Prüfungstätigkeit identifizierten Prüffelder, welche durch die Sie zu bearbeiten sind, unterscheiden sich nicht von Ihrer allgemeinen prüferischen Vorgehensweise. Neben der Berücksichtigung der Koordination der Prüfungstätigkeit in der Planung (vgl. auch III.1) bedarf es nach erfolgter Rücksprache mit dem Abschlussprüfer einer entsprechenden Prüfungsvorbereitung und -durchführung, welche in die Berichterstellung mündet. Dementsprechend bedarf es auch evtl. einer Nachschau / Nachprüfung, die den in den Rahmenbedingungen der Internen Revision zeitlichen Vorgaben unterliegt.

4. Durchführung der Nachschau / Nachprüfung durch die Interne Revision

Eine weitere betriebswirtschaftlich sinnvolle Zuarbeit der Internen Revision besteht in der Nachschau / Nachprüfung der Feststellungen des Abschlussprüfers, welche im Rahmen der letzten Prüfung(en) aufgetreten waren und schriftlich kommuniziert wurden. Hierbei kann es sich um Feststellungen im Bericht, ggf. im Managementletter/Hinweisliste[14] oder der Fehlerliste[15] handeln. Es ist dabei für die durchzuführende Nachschau / Nachprüfung nicht erforderlich, dass seitens des Abschlussprüfers von „wesentlichen Mängeln“ gesprochen wird. Daher empfiehlt sich eine frühzeitige Absprache mit dem Abschlussprüfer, welche Punkte explizit Berücksichtigung finden sollen. Für die Interne Revision besteht diese Nachschau / Nachprüfung darin, die Abarbeitung der kommunizierten Feststellungen durch die Fachbereiche sicherzustellen. Dies beinhaltet eine zeitliche, eine personelle und eine sachliche Komponente. Einerseits bedarf es einer Fristsetzung der Abarbeitung und eines entsprechenden Monitorings sowie andererseits einer sachgerechten und personellen Zuweisung der Abarbeitung (z. B. Mängel im Bereich Kreditgeschäft durch den Kreditrevisor) sowie der anschließenden Kontrolle / Verplausibilisierung der Ergebnisse und deren Kommunikation gegenüber der Geschäftsleitung. Somit entspricht die Vorgehensweise derjenigen, wenn wesentliche Mängel durch die Interne Revision im Rahmen ihrer Prüfungen zu Tage treten.

Im Phasenmodell der Prüfung findet sich die Phase Nachschau / Nachprüfung an fünfter und letzter Stelle. Sie umfasst dabei alle vier vor ihr liegenden Phasen. Im Rahmen der Prüfungsplanung sind entsprechende Zeiten für die Durchführung der Nachschau / Nachprüfung vorzumerken. Die Prüfungsvorbereitung beinhaltet vorwiegend die Ankündigung, da ein Prüfprogramm durch die festgestellten Mängel des Abschlussprüfers vorgegeben wird. Die Prüfungsdurchführung konzentriert sich auf die Überwachung der Abarbeitungsfristen sowie das Sammeln und Auswerten der Abarbeitungsnachweise aus der jeweiligen Fachabteilung. Die entsprechenden Ergebnisse werden in einem Bericht nachvollziehbar für den Abschlussprüfer dargestellt.

  1. Fazit

Die Zuarbeit der Internen Revision im Rahmen der gesetzlichen Jahresabschlussprüfung ist mit zeitlichen Aufwand verbunden, welcher in den Planungen zu berücksichtigen ist. Die Entlastung des Abschlussprüfers – sei es bei der Informationsgewinnung (Ansprechpartner; Bereitstellung „Erbetene Informationen“), der Übernahme von Prüffeldern („Koordination“ zwischen Interner Revision und Abschlussprüfer) als auch bei der Nachschau / Nachprüfung („Mängel“ bei der vorherigen Prüfung) – entlastet die operativ tätigen Bereiche der Bank und kann zu einer Verkürzung der Arbeitstage des Abschlussprüfers vor Ort respektive einer Verringerung der Prüfungskosten führen. Diese Synergieeffekte heißt es zu nutzen.

PRAXISTIPPS:

  • Stimmen Sie frühzeitig mit dem Abschlussprüfer ab, was für einen betriebswirtschaftlich effektiven Start für die Prüfung zu Beginn der Prüfungshandlungen vor Ort vorzulegen ist (Stichwort: „Erbetene Informationen“).
  • Klären Sie vor Prüfungsbeginn mit der Geschäftsleitung, welche Zuarbeiten durch Sie geleitstet werden sollen bzw. welche durch die zu prüfenden Organisationsbereiche. Dem eigenen Mehraufwand sollten immer die zusätzlichen Kosten des Abschlussprüfers gegenübergestellt werden.
  • Planen Sie – beruhend auf den Erfahrungen der Vorjahre – genügend Zeit für die Zuarbeit / Begleitung der Abschlussprüfer ein; berücksichtigen Sie hierbei auch den möglichen „Wechsel“ des Abschlussprüfers (interne bzw. externe Rotation), welcher Ihrerseits zu Mehrarbeit führen wird (u. a. Abläufe und Ansprechpartner im Hause sind dem „neuen“ Abschlussprüfer noch nicht geläufig).
  • Tragen Sie dafür Sorge, dass die Nachschau der Feststellungen der letzten Prüfung zu Beginn der Prüfungshandlungen des Abschlussprüfers vor Ort abschließend bearbeitet ist.
  • Seien sich dessen bewusst, dass Ihre Zuarbeit die Prüfungskosten in die eine oder andere Richtung beeinflussen wird. Die Qualität der Zuarbeit wirkt sich – wie die Praxis schon vielfach gezeigt hat – auch auf das Prüfungsklima und damit auch auf die Prüfungseffektivität auf beiden Seiten aus.
  1. „Als Finanzintermediär bezeichnet man ein Unternehmen, das Geldkapital von Anlegern entgegennimmt und an Kapitalnehmer weitergibt oder den Handel zwischen Kapitalgebern und -nehmern erleichtert. Der Begriff bezieht sich typischerweise auf Banken und Versicherungsgesellschaften.“, https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Glossareintraege/F/finanzintermediär.html; Einsichtnahme Internet: 11.08.2017
  2. i. W. gemäß Handelsgesetzbuch, Kreditwesengesetz und Prüfungsberichtsverordnung
  3. European Banking Authority, Brüssel
  4. Die Frist für Stellungnahmen lief am 27. April 2016 aus.
  5. Keine abschließende, sondern eine exemplarische Aufzählung aus der Praxis
  6. Eine Beurteilung der Funktionsfähigkeit und die Feststellung der Ordnungsmäßigkeit der Internen Revision sind nicht Gegenstand dieser Abhandlung und werden daher als gegeben vorausgesetzt.
  7. Vgl. bzw. in Anlehnung an: DIIR Arbeitskreis MaRisk „Online-Revisionshandbuch für die Interne Revision in Kreditinstituten“, http://www.diir.de/fileadmin/fachwissen/downloads/Online-Revisionshandbuch_final_Stand_20161107.pdf; Einsichtnahme Internet: 11.08.2017
  8. Vgl. Vollständigkeitserklärung Prüfung Jahresabschluss M1, Herausgegeben vom Institut der Wirtschaftsprüfer, Düsseldorf,
  9. „Erbetene Informationen“ werden den Mandanten rechtzeitig durch den Abschlussprüfer mit der Bitte zur Verfügung gestellt, diese bis zu Beginn der Prüfungshandlungen vor Ort vorzubereiten. Mit Hilfe der angefragten Unterlagen und den beantworteten Fragen wird dem Abschlussprüfer ein unkomplizierter Start in die Prüfungsplanung ermöglicht, ohne dass diese Informationen geballt am ersten Tag der Prüfung vor Ort erfragt bzw. angefordert werden müssen.
  10. Vgl. IDW PS „Interne Revision und Abschlussprüfung (IDW PS 321)“ vom 09.09.2010, Tz 27
  11. Diese Voraussetzungen sind so oder aus ihrem Kontext heraus auch Bestandteil der MaRisk.
  12. Vgl. IDW PS 261, Tz. 78
  13. Vgl. Pries, Mario: „Jahresabschluss: Prüfung durch die Interne Revision noch erforderlich?“; Veröffentlichung in der Fachzeitschrift Revisionspraktiker 12-01/2017, S. 240 ff.
  14. Es handelt sich um eine Zusammenstellung von entdeckten Schwachstellen, von Verbesserungspotential etc., die der Abschlussprüfer als Ergebnis seiner Prüfungshandlungen neben dem Prüfungsbericht und den Bestätigungsvermerk verfasst. Es handelt sich um einen Zusatznutzen für das geprüfte Institut.
  15. Es handelt sich um eine Zusammenstellung falscher Angaben i. S.v. IDW PS „Wesentlichkeit im Rahmen der Abschlussprüfung (IDW PS 250 n. F.)“ vom 12.12.2012. Soweit es sich um nicht während der Prüfungstätigkeit vor Ort bereinigte falsche Angaben handelt sind diese – bei einzelner als auch aggregierter Unwesentlichkeit – gegenüber dem Aufsichtsrat und der Geschäftsführung zu kommunizieren (Tz 31) bzw. durch die Geschäftsführung in Form der „Aufstellung nicht korrigierter Prüfungsdifferenzen“ (vgl. IDW PS 303 n. F., Tz 28) i.d.R. gegenzuzeichnen.

Beitragsnummer: 39041


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