Konsequenzen des überarbeiteten BTR 3 der MaRisk für die Liquiditätssteuerung

Michael Endmann, Direktor Gesamtbanksteuerung, Stadtsparkasse München

Die europäische Aufsicht betrachtet mindestens zwei Risikotragfähigkeitskreise als notwendig. Zum einen den ICAAP, im Sinne der klassischen, vermögensorientierten Risikotragfähigkeit, zum anderen den ILAAP, als Gesamtheit aller Verfahren und Methoden zur Sicherstellung der Liquidität eines Instituts. Es wird eine Parallelität der beiden Steuerungskreise erkennbar, die sich in gleichartigen Anforderungen an die Prozesse und Verfahren niederschlagen. Für beide werden die Prozessschritte Identifikation, Messung, Steuerung und Überwachung definiert. Daneben werden für beide Steuerungskreise u. a. Anforderungen an den Zeithorizont, an die Qualität der jeweiligen „Deckungsmasse“, an die durchzuführenden Stresstests sowie an die Planung der Geschäftstätigkeit gestellt.

Bislang wurden die Liquiditätsrisiken bzw. der ILAAP in den MaRisk eher knapp und dem ICAAP deutlich nachgeordnet behandelt. Mit der nun seit 27.10.2017 gültigen Version der MaRisk wird die Steuerung der Liquiditätsrisiken erweitert. Zu all den o. g. Themen wurden (zumindest knappe) Ergänzungen aufgenommen, um diese Anforderungen zu adressieren.

 SEMINARTIPPS

Konsequenzen neuer MaRisk-/SREP-Vorgaben für die Liquiditätsrisikosteuerung, 23.04.2018, Köln.

Neuausrichtung Risikotragfähigkeit-Konzepte, 18.–19.06.2018, Köln.

 

 

Anforderungen an den Zeithorizont

Soweit erforderlich müssen die Institute nun das untertägige Liquiditätsrisiko (das sog. Intraday-Risiko) steuern. Dies könnte insbesondere bei Nutzung von Echtzeit-Abwicklungs- bzw. Zahlungsverkehrssystemen notwendig sein (BTR 3.1 Tz. 1). Erweiterte Anforderungen ergeben sich auch bei den zu erstellenden Liquiditätsübersichten (BTR 3.1 Tz 3). Diese müssen geeignet sein, um die kurz-, mittel- und langfristige Liquiditätslage darzustellen. In den SREP-Guidelines lässt die europäische Aufsicht erkennen, welche Zeithorizonte sie für geeignet ansieht: einen Tag bis 30 Tage, 30 Tage bis drei Monate sowie drei Monate bis ein Jahr.

Anforderungen an die Qualität der „Deckungsmasse“

Die Deckungsmasse für Liquiditätsrisiken wird nun in den MaRisk nicht mehr Liquiditätsreserve genannt, sondern, in Anlehnung an die europäische Terminologie, als Liquiditätspuffer bezeichnet. Bei der Bewirtschaftung des Liquiditätspuffers ist auf eine ausreichende Diversifikation zu achten, und mögliche Konzentrationen innerhalb des Puffers sind zu begrenzen bzw. zu überwachen (BTR 3.1 Tz 1 und 4). Maßgebliche Kriterien zur Begrenzung können bspw. Geschäftspartner, Produkte, Laufzeiten oder Regionen sein. Für die Refinanzierungsquellen gelten ähnliche Anforderungen an die Diversifikation wie für den Liquiditätspuffer.

BUCHTIPPS

Geiersbach/Prasser (Hrsg.), Praktikerhandbuch Stresstesting, 3. Aufl. 2017.

Heithecker/Tschuschke (Hrsg.), Geschäftsmodellanalyse, 2016.

Reuse (Hrsg.), Praktikerhandbuch Risikotragfähigkeit, 2. Aufl. 2016.

Infos unter www.FC-Heidelberg.de

 

Anforderungen an die durchzuführenden Stresstests

Die wesentlichste Neuerung bzgl. Stresstests ist die Ermittlung eines Überlebenshorizonts (Survival Period) unter Stressbedingungen (BTR 3.1 Tz 8). Generell ist in den Verlautbarungen der Aufsicht erkennbar, dass der Durchführung von Stresstests eine höhere Bedeutung zukommt und die Ergebnisse der Stresstests für die Steuerung der Risiken herangezogen werden sollen.

Anforderungen an die Planung der Geschäftstätigkeit

Die wohl größte Herausforderung bezüglich der Umsetzung der Neuerungen in BTR 3 dürfte die neue Textziffer 12 sein, in der die Aufstellung eines internen Refinanzierungsplanes gefordert wird. Dieser soll die Strategien, den Risikoappetit sowie das Geschäftsmodell angemessen widerspiegeln. Der Refinanzierungsplan (Mittelherkunft) kann hierbei als Pendant der Geschäftsplanung (Mittelverwendung) angesehen werden. Daher sind bei seiner Erstellung einer veränderten Geschäftstätigkeit, veränderten strategischen Zielen oder eines veränderten wirtschaftlichen Umfelds Rechnung zu tragen.

PRAXISTIPPS

  • Die SREP-Guidelines ermöglichen Rückschlüsse auf die Erwartungen der Aufsicht hinsichtlich Ausgestaltung eines ILAAP. Insofern hilft eine Auseinandersetzung mit den Titeln 8 und 9 der Guidelines bei der Identifikation von Handlungsfeldern und der Konzeption eines ILAAP.
  • Definition der Risikotoleranz für Liquiditätsrisiken über einen Überlebenshorizont unter Berücksichtigung der Stresstestergebnisse. Diese sollten auch herangezogen werden, um die Größe und Zusammensetzung des Liquiditätspuffers zu bestimmen.
  • Strukturierung der Verbindlichkeiten über Scorecard-Ansätze als Grundlage für die Erstellung eines Refinanzierungsplans.

 

 

Beitragsnummer: 37090


0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.