Libra

Markus Thiedtke, Senior Spezialberater Zahlungsverkehr, Deutsche Bank Hamburg

„Der vorstehende Beitrag spiegelt ausschließlich persönliche Einschätzungen und Annahmen des Autors wider und stellt keine offizielle Verlautbarung der Deutschen Bank dar.“

Fünf Fragen, die sich Bankmitarbeiter zu Libra jetzt stellen (sollten)

  1. Was ist Libra genau?
  2. Wie stabil wird Libra sein?
  3. Wer wird Libra kontrollieren?
  4. Wir kritisch sollte man zu Libra sein und warum?
  5. Sind Währungen auf der Welt bedroht?

1. Was ist Libra genau?

Libra ist der privatwirtschaftliche Ansatz eine (digitale) Weltwährung zu etablieren. Initiator ist Facebook unter Beteiligung einiger dutzend Unternehmen, die sich in die Idee „Einkaufen“. Libra basiert auf einer Open Source Blockchain und wird mit einer eigenen Programmiersprache Libra Move entwickelt. Der Wert von Libra wird anhand eines Währungskorbs ermittelt. Welcher das ist, wird von der dahinterliegenden Gesellschaft Libra Association selbst festgelegt.

2. Wie stabil wird Libra sein?

Libra investiert seine zur Verfügung stehenden Gelder in sicheren Wertanlagen der „Old Economy“, die zu 100 % den Deckungsstock bilden sollen – ein ähnliches Modell, wie es z. B. in Hong Kong mit dem Currency Board existiert. Sofern lokale Währung in Libra getauscht werden soll, z. B. um Geld ein- oder auszuzahlen, wird ein Wechselkurs der jeweiligen Währung ermittelt – z. B. Libra/EUR oder Libra/USD. Diese Wechselkurse werden schwanken, so wie wir es auch von anderen Währungspaaren gewohnt sind (USD/EUR oder GBP/CHF). Die Schwankungen bei BITCOIN sind den meisten sicher geläufig, das ist vergleichbar. So lange also Gehälter, Umsätze etc. nicht in Libra gezahlt werden, sind die Nutzer diesen Schwankungen unterworfen. Weiterhin gibt es diverse andere Auswirkungen auf den Wert durch Negativzinsen bei Papieren, Ausfall von einzelnen Wertpapieren, Betrugsversuchen oder willkürlichen Änderungen an der Zusammensetzung. Falls Libra zu einem späteren Zeitpunkt nicht nur für Zahlungsverkehr, sondern auch weitere Dienstleistungen wie Kredite genutzt wird, entstünde neues Geld (Vergrößerung der Geldmenge), was sich ebenfalls auf den Wert der Libra auswirken wird.

SEMINARTIPPS

Geschäftsmodell-Analyse im Fokus der Aufsicht – Prüfungserfahrungen, 07.05.2020, Frankfurt/M.

FCH Innovation Days 2020, 15.–16.06.2020, Berlin.

Digitale Authentifizierung im Konten- & Zahlungsverkehr gemäß PSD II, 29.09.2020, Frankfurt/M.

Praxisprobleme in Kontoführung & Zahlungsverkehr, 29.10.2020, Würzburg.

3. Wer wird Libra kontrollieren?

Gerade zum jetzigen Zeitpunkt eine sehr theoretische Frage. Bei der Libra Association soll es sich um eine unabhängige Not-for-profit-Organisation handeln. Facebook ist über eine Gesellschaft namens Callibra, die als Wallet-Provider (zunächst der einzige) fungiert, beteiligt. Facebook hat wie alle anderen Partner nur eine Stimme, der Einfluss geht sicher allerdings über die tatsächliche Stimme hinaus. Zum Start sollen ca. 100 Partner dabei sein.

4. Wie kritisch sollte man zu Libra sein und warum?

Es gibt viele Gründe, dass Libra die Zahlungsströme der Welt ganz schön durcheinander würfeln kann. Die teilweise sehr heftigen Reaktionen von Staaten und Nationalbanken lassen darauf schließen, dass hier etwas Großes entstehen kann. Auch wenn es noch viele Fragen im Detail gibt, steht eines fest: Libra ist der erste Anlauf eine globale und darüber hinaus private Weltwährung zu initiieren. Die Auswirkungen, gerade bei offener Rechtslage und fehlender Kontrolle, können erheblich sein. Trotz Lücken bei Datenschutz und Sicherheit nutzen weltweit Millionen Menschen WhatsApp, Facebook und die anderen Dienste des Konzerns. Wenn der Umgang mit Geld ebenfalls so lax wird, kann man die möglichen Risiken daraus kaum greifen. Anfang Oktober wurde der Druck auf einige Libra-Partner scheinbar zu groß. Unter anderem Mastercard, Visa und eBay haben ihr aktives Engagement erstmal zurückgestellt.

BUCHTIPP

Kontoführung & Zahlungsverkehr, 5. Aufl. 2017.

 

 

5. Sind Währungen auf der Welt bedroht?

Es gibt kaum eine Glaskugel, die milchiger ist. Durch den Euro haben wir Europäer gelernt, wie schön es sein kann nur eine Währung zu haben. Vieles ist für uns einfacher geworden, doch die Regulierung ist stets dabei Fehlentwicklungen zu beobachten und bei Bedarf einzugreifen. So wie einige Länder und Unternehmen den Bitcoin akzeptieren, wird dies der erste Weg für die Libra sein. Funktioniert es gut und einfach, wäre es insbesondere für Währungen in Schwellenländern ein Szenario die heimische Währung abzuschaffen. Mit welchen Folgen, zu welchen Bedingungen? Die Voraussetzung dafür wäre Libra als Zahlungsmittel und/oder Bargeld zuzulassen. Wohlgemerkt privates Bargeld – einem Bankkaufmann muss dabei unwohl werden.

PRAXISTIPPS

 

Beitragsnummer: 86912

 

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