MiFID II: Banken müssen ihre Kräfte bündeln und zu einem Schlussspurt ansetzen

Jede sechste Bank schafft es vermutlich nicht, die MiFID II-Vorgaben pünktlich zum 03.01.2018 vollumfänglich umzusetzen. Dies ergibt eine Studie der Unternehmensberatung PPI AG. 2014 haben EU-Kommission und Parlament die Finanzmarkt-Richtlinie MiFID II (Markets in Financial Instruments Directive) beschlossen. Ursprünglich sollte sie zum 01.07.2016 in Kraft treten. Umsetzungsschwierigkeiten im Finanzsektor führten zu einer Fristverlängerung um anderthalb Jahre. Dennoch werden 16 % der befragten Banken auch das neu gesetzte Ziel nicht einhalten können. Ein wesentlicher Grund: 88 % der Kreditinstitute haben die Umsetzungsprojekte nach dem Verlängerungsbeschluss zeitweise auf Eis gelegt oder verzögert. Nur 54 % hatten bereits in Q4 2016 mit ihren Einführungsprojekten begonnen.

Insgesamt überwiegen aus Sicht der befragten Institute die negativen Konsequenzen von MiFID II. Nur 16 % der Befragten erkennen neue Geschäftsfelder oder Wettbewerbsvorteile, während 44 % den Wegfall von Einnahmequellen oder eine Einschränkung des Geschäftsmodells beklagen. In allererster Linie steht MiFID II jedoch einfach im Ruf, das Geschäft zu verteuern, sowohl durch einmalige Kosten im Rahmen der Einführungsprojekte (98 %) als auch durch aufwändige Prozesse im laufenden Betrieb (96 %).

Insbesondere die neuen Bestimmungen zur Aufzeichnung von Beratungs- und Telefonprotokollen gelten als Kostentreiber. Mittlerweile gehen 78 % der Befragten von hohem finanziellem Aufwand dafür aus. Dies sind noch einmal zwölf Prozentpunkte mehr als bei der vorherigen Befragung im Januar 2017. Auf dem zweiten Platz folgen die strengeren Auflagen, die bei der Einführung neuer Produkte und Dienstleistungen beachtet werden müssen. Dies gilt bei 46 % der Banken als teuer. In dieser Hinsicht sind die Befürchtungen im Vergleich zum Januar (52 %) wieder etwas abgeflaut.

Die Einführung der durch MiFID II geforderten neuen Verfahren gestaltet sich für viele Banken aufwändiger als angenommen. 62 % der Institute geben an, dass sie mehr Personal als ursprünglich geplant einsetzen mussten. 94 % der Befragten sagen, dass die Umstellung von Systemen und Prozessen, die zur Einhaltung der Transparenzvorschriften nötig sind, kostenintensiv werden – noch einmal ein Zuwachs gegenüber den 84 %, die diese Ansicht bei der Befragung vor acht Monaten vertreten haben. Fast jeder zweite Befragte rechnet mit einem spürbaren Einfluss der neuen Prozesse bei alternativen Vertriebswegen wie Online-, Video- oder Telefonbanking (Januar 2017: 38 %). Zudem geht jede dritte befragte Bank davon aus, dass sich das Angebot bei Produkten mit Festpreis verändern wird. Dass diese Maßnahmen helfen, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen, gilt jedoch nicht als wahrscheinlich. Nach wie vor rechnen insgesamt 60 % der befragten Institute nicht damit, dass der zu erzielende verbesserte Anlegerschutz auch gleichzeitig zu einem Imagegewinn beiträgt.

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Beitragsnummer: 33280


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