Neue MaRisk-/SREP-bezogene Aufsichtsgespräche

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Hinweise zur Vorbereitung und Praxistipps aus Sicht einer Sparkasse

Frank Dehnke, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse Remscheid[1]

1. Motivation für diesen Beitrag

Aufsichtsgespräche an sich sind nicht neu, allerdings sind sie zunehmend ein Mittel für die laufende Aufsicht geworden, den aktuellen Stand in einem Institut zu hinterfragen und vor allem die Noten des Risikoprofils mit den Instituten zu erörtern. Doch wie bereitet man sich am besten auf ein solches Gespräch vor? Der vorliegende Aufsatz gibt erste Umsetzungshinweise aus Sicht eines Sparkassenvorstandes.

2. Ablauf eines Aufsichtsgespräches

Letztlich folgen die Gespräche immer einem strukturierten Ablauf, wie Abb. 1 zeigt.

Abbildung 1: Ablauf eines Aufsichtsgespräches

Im ersten Schritt erfolgt das Anschreiben der Aufsicht, in welchem eine umfassende Datenlieferung angefordert wird. Hier bietet es sich an, bei Unklarheiten im Vorfeld mit der Aufsicht zu sprechen: „Der Wurm muss schließlich dem Fisch schmecken und nicht dem Angler.“ Manchmal ist weniger hier mehr, wichtig ist, dass die Aufsicht die notwendigen Informationen in der richtigen Tiefe erhält.

Im Nachgang zur Datenlieferung gilt es, die Teilnehmer an einem solchen Aufsichtsgespräch zu bestimmen. Unser Haus ist gut damit gefahren, neben dem Gesamtvorstand auch den Leiter Risikocontrolling und den Leiter Revision hinzuzuziehen. Letztlich ist es so auch für die Aufsicht auch möglich, die Funktionsfähigkeit dieser nach MaRisk wesentlichen Funktionen und das Zusammenspiel der Führungsmannschaft zu prüfen.

 SEMINARTIPPS

11. Hamburger Bankenaufsicht-Tage, 05.–06.11.2018, Hamburg.

Neue SREP- und Meldewesen-basierte Aufsichtsgespräche 2019, 07.11.2018, Hamburg.

Vergleichende Bankenaufsicht: Identifizierung von „Ausreißer-Instituten“, 08.11.2018, Hamburg.

Im Gespräch selber gilt es, die Fragen der Aufsicht klar und präzise zu beantworten. Sollte trotz guter Vorbereitung eine Antwort nicht direkt erfolgen können, so ist es besser, diese nachzureichen, als sich im Gespräch, was durchaus 2–3 h dauern kann, um „Kopf und Kragen“ zu reden.

3. Risikoprofilnoten

Zum Schluss des Gespräches verkündet die Aufsicht im Rahmen eines strukturierten Bogens die Risikoprofilnoten und damit auch SREP-relevanten Aspekte. Abb. 2 zeigt die Struktur des Bogens und offeriert mögliche Fragen, die die Teilnehmer der Aufsicht stellen sollten, um Klarheit in den einzelnen Punkten zu erhalten.

Abbildung 2: Aufbau des Risikoprofilnotenbogens und Praxistipps

4. Fazit und Ausblick auf die Zukunft

Im Nachgang zum Gespräch bietet es sich an, die wesentlichen Inhalte auch für sich selbst zu protokollieren. Die Aufsicht übersendet nach 2–4 Wochen ebenfalls ein Schreiben, in welchem sie die wesentlichen Inhalte festhält. Es ist empfehlenswert, dieses Schreiben und auch den Ablauf des Gespräches mit dem Aufsichtsorgan zu diskutieren, um hier die nötige Transparenz walten zu lassen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Aufsichtsgespräche in Zukunft an Bedeutung gewinnen werden. Die bisher nur teilweise erfolgte Umsetzung des SREP wird in den nächsten Jahren fortschreiten – wenn die EZB nicht selbst entsprechende Verfahren europaweit ausrollt. Dies wird Auswirkungen auf die Aufsichtsgespräche der Institute haben. Die Wechselwirkungen zu neuen RTF-Konzepten und „Fit & Proper“-Anforderungen an Geschäftsleiter sind heute noch nicht vollumfänglich absehbar, Verschärfungen sind hier aber zu erwarten.

Fakt ist: Es wird ambitionierter und aufwendiger – allerdings bietet ein Aufsichtsgespräch immer die Möglichkeit, das Institut gut zu repräsentieren und Dinge auch aus Sicht eines Geschäftsleiters klarzustellen.

PRAXISTIPPS

  • Planen Sie genug Zeit für die Datenbereitstellung ein.
  • Pflegen Sie den direkten Kontakt zur laufenden Aufsicht.
  • Zentraler Punkt ist die Geschäftsmodellanalyse – bereiten Sie sich hier auf wichtige Fragen zu den „Achillesfersen“ Ihrer Kapitalplanung vor.
  • Ergebnisse der NZU als Vergleich helfen, mögliche Fragen der Aufsicht zu erkennen.
  • Kontaktieren Sie auch hier aktiv die laufende Aufsicht, um hier für beide Seiten einen optimalen Prozess zu gestalten.
  • Datenlieferung per sicherer E-Mail zu bevorzugen.
  • Sichten Sie auch andere Meldungen, um zu wissen, was die Aufsicht an Daten vorliegen hat.
  • Beantworten Sie Fragen klar und präzise – zu weitschweifige Ausführungen, die den Kern der Frage nicht treffen, sind eher kontraproduktiv.
  • Beurteilen Sie vorher für sich: Ist mein Geschäftsmodell tragbar? Welche Schwachstellen hat es?
  • Die Möglichkeit der Nachlieferung von Informationen ist immer vorhanden.
  • Reichen Sie Fragen ein – oft bekommen Sie hier eine konkrete Antwort!
  1. Dieser Beitrag stellt die persönliche Meinung des Verfassers dar, die nicht notwendigerweise mit der der Stadtsparkasse Remscheid übereinstimmen muss.

 

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