Neuerungen im Kreditgeschäft

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Michael Helfer, Geschäftsführer, FCH Consult GmbH

Das Prüfungsjahr 2017 ist Vergangenheit, aber wie heißt es so schön: „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“. Die Prüfungspläne sind geschrieben und abgestimmt, dennoch gilt es, im Sinne einer risikoorientierten, dynamischen Prüfungsplanung, die Prüfungsschwerpunkte 2018 – insbesondere im Kreditgeschäft – kontinuierlich zu überprüfen. Dies gilt umso mehr, als dass sich gerade aus den neuen Anforderungen von MaRisk & BAIT dezidierte Auswirkungen ergeben werden bzw. schon haben.

Beim Betrachten der MaRisk & BAIT wird deutlich, dass ein wesentlicher Grund für die Überarbeitungen und zum Teil deutlichen Präzisierungen (z. B. zum Softwarebezug!) mehrere internationale Regelungen waren, die nun ihren Einzug in die MaRisk gehalten haben (BCBS 239, SREP, Risikokulturpapier des FSB). Daneben wurden u. a. deutliche Konkretisierungen für die Auslagerungsanforderungen und diesbezüglich die institutsinterne Überwachung von ausgelagerten Aktivitäten und Prozessen in den Vordergrund gestellt. Hinzu kommen ganz neue Module zu Risikokultur, Risikodatenaggregation und Risikoberichtswesen. Sämtliche dieser Neuerungen zahlen unmittelbar auf das Kreditgeschäft ein!

Nachfolgend ein kurzer Überblick zu ausgewählten, kreditspezifischen Aspekten (mehr aktuelle Themen unter: https://www.fc-heidelberg.de/produkt/15-heidelberger-kreditrevisions-tage-2018/):

  • Begrenzung von Kredit-Auslagerungen sowie weitreichende Ergänzungen/Konkretisierungen im AT 9 (u. a. Ausstiegsprozesse und Definition von Schlechtleistungen; Sicherstellung der Rückverlagerungsmöglichkeit;
  • Neue Forbearance-Regelungen zur Berücksichtigung von Zugeständnissen zugunsten des Kreditnehmers – Schnittstellen zum Meldewesen (Datenkonsitenz!);
  • Angemessene Risikokultur im Kreditgeschäft zur Gewährleistung einer wirksamen Risikokontrolle;
  • Konkretisierung des Risikoappetits und gewünschte Wirkungsweisen auf Einzelgeschäfte, Rollen und Aufgaben der Führungskräfte, Unterstützung durch geeignete Anreize und Anreizstrukturen;
  • Zukunftsgerichtete Kapitaldienstberechnung (insbesondere bei privaten Immobilienkrediten) und damit verbundene erweiterte Dokumentations- und Aufbewahrungspflichten;
  • Betonung der Verwendung „geeigneter“ (bisher „gängiger“) Wertermittlungsverfahren;
  • Notwendigkeit einer Erlösquotensammlung mit Auswirkungen auf die Sicherheitenabschläge und die ADR-Steuerung;
  • Durchführung von Besichtigungen und Bautenstandskontrollen.

Darüber hinaus sollte aber auch eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den neuen MaRisk-Schwerpunktthemen (Datenmanagement/Risikoberichtswesen, Risikokultur und Verhaltenskodex sowie Auslagerungen) erfolgen. Aber auch die weiteren Themen wie Selbstprüfungsverbot (z. B. neue Mitarbeiter der Internen Revision, die aus dem Kreditbereich kommen), IT-Berechtigungen und Kompetenzen, Validierung der Risikomanagement-Methoden, Stresstests, NPP sind revisionstechnisch im Prüffeld Kreditgeschäft einzuordnen.

SEMINARTIPP

15. Heidelberger Kreditrevisions-Tage 2018, 14.–15.05.2018, Heidelberg

 

 

 

Zum Schluss noch ein Hinweis auf die neuen „PaaR-Prüfungen“ (Prüfung aufsichtlich angemessener Risikovorsorge) seitens der Aufsicht: Die Praxis zeigt, dass im Rahmen von 44-Prüfungen eine Erweiterung der bisher prozessorientierten Prüfungsansätze der MaRisk-Kreditgeschäftsprüfungen um eine zusätzliche einzelengagementbezogene Werthaltigkeitsprüfung erfolgt. Prüfungsgegenstand ist hier eine umfassende Portfolioanalyse mit Stichproben von einzelnen Kreditengagements (Beurteilung der eingesetzten Wertermittlungsparameter, nachhaltige Kapitaldienstfähigkeit, nachhaltig erzielbare Sicherheitenerlöse bei ausfallgefährdeten Engagements).

PRAXISTIPPS

  • Befassen Sie sich ausführlich mit den Neuerungen aus MaRisk und BAIT.
  • Überprüfen Sie ggf. Ihre bereits getroffenen Risikoeinschätzungen; falls erforderlich, passen Sie auch den Prüfungsplan an.
  • Machen Sie sich mit den neuen PaaR-Prüfungsansätzen vertraut.
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