Prüfung der mathematischen Risikomessungs- und -steuerungsverfahren durch die IR

Christoph E. Rakowski, Direktor/Leiter Revision, Deutsche Factoring Bank

Die zunehmende Regulierungsdichte stellt zusätzlich zu den dadurch entstehenden hohen Kosten ein besonders hohes Risiko für kleine und mittelgroße Institute dar.

Da die Regeln gem. SSM alle Finanzinstitute innerhalb der EU betreffen, wurde in der CRD festgelegt, dass Banken stets Risikomess- und -steuerungsverfahren einsetzen müssen, die ihre Geschäftsaktivitäten und die darin enthaltenen Risiken sowie die Größe, Komplexität und den Risikogehalt der Bank und ihre Bedeutung für das gesamte Bankensystem entsprechend berücksichtigen. Nicht zuletzt ist es eine der Aufgaben der Aufsicht innerhalb des SREP-Verfahrens (Säule II = Marktdisziplin) die Angemessenheit der internen Risikomessung und Steuerung zu beurteilen.

 

 

 

SEMINARTIPPS

Prüfung Rating-Prozesse, 04.06.2019, Frankfurt/M.

Prüfungsrisiko uneinheitliche Risikobewertung, 08.10.2019, Frankfurt/M.

IKS-Prüfungen durch die Bundesbank, 06.11.2019, Hamburg.

Prüfung der Internen Revision durch die Bankenaufsicht, 07.–08.11.2019, Hamburg.

 

Die deutsche Aufsicht deklarierte als Ziel, dem Proportionalitätsprinzip Geltung zu verschaffen und eine angemessene Berücksichtigung der individuellen Institutsverhältnisse zu gewährleisten. Ein Problem, insbesondere für die vielen kleinen Institute, ist hierbei jedoch die Tatsache, dass eine mathematisch-statistische Modellierung der aufsichtsrechtlichen Vorgaben bei vielen Instituten aufgrund der fehlenden statistischen Daten nur mit Einsatz kostenintensiver Beratungsgesellschaften darstellbar ist. Dementsprechend findet dort die Herleitung der Maßnahmen oft auf Basis von Expertenschätzungen statt, die jedoch mathematisch nicht hinreichend unterlegt sind.

Die Anforderungen an die Analyse der Belastbarkeit des Verfahrens zur Risikoquantifizierung unterliegen grundsätzlich einer Proportionalität. In den Erläuterungen stellte die Aufsicht ebenfalls klar, dass bei einfachen und transparenten Verfahren, die erkennbar konservativ sind, keine tiefgehende Analyse durchzuführen ist. Demgegenüber müssen vergleichsweise komplexe Verfahren umfassend quantitativ und qualitativ validiert werden.

Ein Modell ist in der Praxis als „komplex“ anzusehen, wenn man nicht eindeutig vorhersagen kann, wie sich die Veränderung eines Parameters auf das Modell auswirkt. Im Gegensatz dazu ist ein sog. „einfaches“ Modell dadurch charakterisiert, dass man die Auswirkungen eindeutig vorhersagen kann, bzw. dass man auf Basis vollständiger Informationen über Komponenten und Wechselwirkungen das Gesamtverhalten des Modells vorhersagen kann. Die Eingruppierung ob ein Modell „einfach“ oder „komplex“ ist, ist gleichwohl zwingend regelmäßig zu prüfen.

Das Problem in der Anwendungspraxis ist jedoch die Voraussetzung, dass die Heuristiken und kognitiven Verzerrungen grundsätzlich berücksichtigt und kontrolliert werden müssen, wenn Expertenschätzungen maßgeblich zur Risikoquantifizierung eingesetzt werden. Auch in diesem Fall sind die Schätzung und ihre Begründung in einer für sachkundige Dritte nachvollziehbaren Form und Detaillierung zu dokumentieren. Hierbei ist jedoch die Erfahrung aus den aufsichtsrechtlichen Prüfungen, dass die Schätzprozesse i. d. R. nicht die Anforderungen an ein transparentes Verfahren erfüllen. Ergo sind auch für Expertenschätzungen die Anforderungen aus AT 4.1 Tz. 9 sinngemäß relevant, da die abgeleiteten Annahmen voraussetzen, dass das Institut plausibel darlegen kann, inwiefern die zugrunde liegenden Daten die tatsächlichen Verhältnisse des Instituts angemessen widerspiegeln.

Deshalb ist bei Prüfung des mathematischen Risikomessungs- und -steuerungsmodells durch die Interne Revision sowohl eine Entwicklungs- als auch eine Validierungsstichprobe vorzunehmen, d. h. es ist zwingend eine umfassende Prüfung des mathematischen Modells vorzunehmen. Eine Plausibilisierung der Validierungsergebnisse unabhängig davon, ob es im Risikocontrolling oder durch einen sachkundigen Dritten durchgeführt wurde, ist nicht ausreichend. Diese Anforderung zwingt die Interne Revision zu einer entsprechenden Personalausstattung mit dem Schwerpunkt Risikocontrolling und mathematisch-stochastischer Ausbildung.

 

 

PRAXISTIPPS

  • Ist das Institut jederzeit ohne weitere Maßnahmen in der Lage, die Ziele des Geschäftsmodells kapitalseitig zu verfolgen bzw. zu tragen?
  • Ist die Konsistenz von Geschäfts-, Risikostrategie und Kapitalplanung jederzeit gegeben?
  • Sind adverse Szenarien hinreichend advers, konsistent und berücksichtigen alle Parameter und Ursachen? Gibt es eine nachvollziehbare und hinreichende Beschreibung der Szenarien und ihrer Annahmen sowie eine angemessene Berichterstattung?
  • Wurde der Verzicht der Berücksichtigung des KEPs angemessen gegenüber dem Vorstand und dem Aufsichtsorgan offengelegt?
  • Wurde für den vorzuhaltenden Puffer zwischen Risikodeckungspotenzial und Gesamtbanklimit ein Schwellenwert festgelegt?
  • Wurde das Gesamtbanklimit explizit im Ampelsystem berücksichtigt, um eine Steuerungswirkung zu entfalten?

 

Beitragsnummer: 61014

 

Beitragsnummer: 61014


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