Quo Vadis Bargeld?

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Wann haben Sie das letzte Mal eine Beratung zum Thema Bargeld durchgeführt? Markus Thiedtke, Senior Spezialberater Zahlungsverkehr, Deutsche Bank Hamburg So zwei bis drei Mal pro Jahr findet sich in der Deutschen Presse eine Artikelwelle zum Thema Nutzung von Bargeld. Die Ausgangslage ist meist ein Zitat oder Ereignis, der Tenor ist immer derselbe. Die Deutschen lieben ihr Bargeld. Im Februar erschien nun zum 4. Mal die Studie „Zahlungsverhalten Deutschland“ der Deutschen Bundesbank (seit 2008). Trotz unübersehbarer Tendenzen zur Digitalisierung und der Anpassung von Rahmenbedingungen, wie der Produktionstop der 500 Euro-Note oder der Diskussion über Höchstbeträge beim Barzahlen, kann man nicht von einer Kehrtwende sprechen. Es folgen dann die üblichen Beispiele, welche Länder bei Kartenzahlungen vorne stehen und wie weit Skandinavien in Sachen Bargeldlosigkeit wirklich ist. Doch wie reagieren wir als Bankberater darauf? Wann haben Sie Ihre Kunden zum Thema Bargeldnutzung das letzte Mal beraten und warum sind die Lager in Deutschland eigentlich so gespalten? Lange Zeit gab es in Deutschland nur zwei verbreitete Zahlarten im Handel. 1. Bargeld und 2. den Euroscheck. Aus letzterem entwickelte sich ein Medium, das bis heute in aller Munde ist: Die EC-Karte. Noch immer nutzen auch viele Bankberater noch diesen Begriff für die Girocard, die institutsspezifisch oft noch den Namen Musterbank-Card erhält. Neben eben dieser Girocard haben Kreditkarten und ein Potpourri an Einkaufskarten der Händler, Sparcards und Servicecards Einzug gehalten. Dazu noch Begriffe wie Maestro und V-Pay, und nicht nur der Verbraucher steht im Wald. Sie können Ihre Karte dann an jedem Automaten mit dem Cirrus-Symbol nutzen. Alles klar? Dazu entwickelten sich im Laufe der Zeit diverse Online-Bezahlverfahren, und mit Barzahlen.de dann die logische deutsche Konsequenz für verunsicherte Verbraucher, die ihr Bargeld doch so lieben. Hier kommt jedem Bankberater eine Aufgabe zu. Sorgen Sie für spezifische Transparenz bei Ihrem Kunden und seien Sie sein Navigator, auch sprachlich. Erklären Sie Ihrem Kunden die Symbole und Einsatzmöglichkeiten seiner Karte, er wird es Ihnen danken und Sie öffnen damit Türen.

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Wohin geht die Reise? Wir sind alle keine Propheten, doch die oben genannte Studie der Bundesbank ist ein guter Einstieg in die Diskussion. Die Fakten des Marktes, nennen wir es Trend, sind klar erkennbar und sollten das Einmaleins für einen Bankberater, auch im Service, sein. Das Filialsterben der Banken führt zu einer erschwerten Bargeldhandhabung für die Kunden. Abhebungen am Automaten, Cash-Back im Handel sind gut für Privatkunden, lösen jedoch nicht das Einzahlen durch die vielen kleinen Einzelhändler. Die Kosten für Bargeldver- und Entsorgung steigen und die Akzeptanz von Karten wird (auch dank gesunkener Kosten, unter anderem durch EU-Regulierung) weiter steigen. So können zum Beispiel Kunden der Deutschen Bank mit ihrem NFC-fähigen Android Smartphone die Kreditkarte zu Hause lassen und kontaktlos mittels Handy zahlen. Bis 25 € sogar ohne PIN. Die Regierungen lieben elektronische Transaktionen und nehmen gelegentlich Einfluss. So können in Italien nur noch Bartransaktionen bis 2999,99 € abgewickelt werden, und die Abschaffung der 500er Note geht ebenfalls in diese Richtung. Während Bartransaktionen für Banken mit Kosten verbunden sind, füllen Kartenzahlungen die Provisionserträge auf. Hier sind zum Beispiel die stark gestiegene Anzahl an Geldautomatensprengungen in den letzten zwei Jahren zu nennen. Der Trend, gerade bei jungen Menschen, das Smartphone zum Zahlen zu benutzen, hält an. Ob nun NFC-Technik wie bei der Deutschen Bank oder wie beim weit verbreiteten Alipay in China mit QR-Code zum Einsatz kommt, ist dem Verbraucher am Ende egal. Wichtig ist eine einfache, sichere Anwendung mit einer breiten Akzeptanz. Den Rest wird der Markt regeln und jeder wichtige Player wird beobachtet. Der Markeintritt von Apple Pay in Deutschland wird vom Markt als Signal empfunden, doch es gibt weiterhin nur Gerüchte. Der mobile Trend wird nicht aufzuhalten sein und digitale Identitäten erweitern Nutzen und Spektrum von mobile payment. Die neue Identitätsplattform VERIMI soll Kunden das digitale Leben vereinfachen. Mit nur einem zentralen Account können sich Nutzer seit Anfang April 2018 einfach, schnell und sicher bei Online-Diensten verschiedenster Branchen sowie in Zukunft auch bei behördlichen Online-Diensten registrieren, einloggen und ausweisen. Damit gehören die ständige Eingabe der Daten bei Neu-Registrierungen sowie die Suche nach dem richtigen Passwort endlich der Vergangenheit an. PRAXISTIPPS
  • Nehmen Sie mit jedem Geschäfts- und Firmenkunden das Thema Meinung zum Bargeld auf und entwickeln Sie eine gemeinsame Strategie. Die kontaktlose Girocard wird aufgrund der Transaktionsgeschwindigkeit schneller sein als Bargeld an der Kasse und die Einführung läuft. Dennoch, eine Bäckerei ist kein Bekleidungsgeschäft. Geben Sie Hintergrundinformationen, sprechen über Trends und Altersunterschiede. Wann fahren Sie nach Hause zurück, wenn Sie Ihr Portemonnaie zu Hause liegen lassen oder Ihr Handy?
  • Im Alltagsgeschäft mit den Privatkunden nutzen Sie eine adressatengerechte Sprache und geben klare Empfehlungen für die Nutzung (Girocard, Kreditkarte, paydirekt) im Alltag. Schalten Sie Apps und Onlinezugänge für die Kunden frei, um höchstmögliche Transparenz und Sicherheit zu schaffen.
  • Vor allem, bleiben Sie am Ball. Kennen Sie sich aus. Denn, wenn ein Bankberater keinen Rat für die Nöte im Alltag hat, was traue ich ihm dann noch zu?

Weblinks

  • „Bargeld in der digitalen Welt“ - Rede von Hans-Walter Peters zum Bargeldsymposium der Deutschen Bundesbank https://bankenverband.de/newsroom/reden_und_interviews/peters-bargeld-in-der-digitalen-welt/
  • https://paymentandbanking.com/ Blog und News aus der Branche, gegründet von André M. Bajorat
  • Zahlungsverhalten in Deutschland 2017 - Vierte Studie über die Verwendung von Bargeld und unbaren Zahlungsinstrumenten - https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Veroeffentlichungen/Studien/zahlungsverhalten_in_deutschland_2017.html
  • www.verimi.de - Meine Identität - Meine Daten - Meine Kontrolle
 
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