Streiten erwünscht?!

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Karina Besold, Ausbilderfunktion bei einer Landesbank zudem freiberufliche Mediation, Coaching und Beratung

Vielleicht ist es Ihnen auch schon einmal passiert: Eine banale Situation im Büro mit vermeintlich klarer Auftragslage, die aber schlagartig und unerwartet in frostige Kälte oder einen Vollbrand der Emotionen umschlägt. Zurück bleiben unerledigte Aufgaben, verwirrte Teamkollegen und die grübelnde Frage: Wie konnte das passieren?

Unter die Lupe genommen

Das Rezept zum Streiten besteht aus mindestens zwei Personen sowie einem Anlass, an dem diese sich entzweien können. Streitauslöser können zum Teil vermeintlich banale Gründe wie „Bürofenster auf oder zu“ sein. Ein kleines Strohfeuer, welches unerwartet in einen Vollbrand ausartet. Die Folge sind deutliche Auswirkungen auf Arbeitsproduktivität, Teamzusammenhalt, Gesundheitsstand und letztlich den Unternehmenserfolg. Denn eins ist klar: Wenn zwischen zwei Einheiten (Menschen) ein Minus steht, kann im Ergebnis zwangsläufig nur weniger rauskommen.

Noch bevor eine Kommunikation die Bodenhaftung und jeglichen sachlichen Bezug verliert, nährt sich unter der Oberfläche bereits ein emotionaler Schwelbrand. Das brennbare Material wird gespeist aus unerfüllten Bedürfnissen der Konfliktbeteiligten.

SEMINARTIPPS

Frustrierte Mitarbeiter: Führungskompetenz bzgl. Früherkennung und Umgang, 29.11.2018, Frankfurt/M.

Der Samurai Manager, 06.–09. Juni 2018, Stollhof, Österreich.

Zu unserem Beispiel: In einer Bürogemeinschaft arbeiten zwei Frauen zusammen. Aufgrund ihrer Kinder bekommt die eine Kollegin (A) an Weihnachten immer frei. Projektsitzungen, die am späten Nachmittag stattfinden, muss die kinderlose Kollegin (B) übernehmen. Die morgendliche Abstimmung der Kundentermine wird zeitlich nach hinten geschoben, da das Kind noch in den Kindergarten muss. Der Chef wirbt um Verständnis – schließlich sollen doch alle gute Rahmenbedingungen haben. Kollegin (B) nickt zustimmend und seufzt zugleich innerlich: „Schade, den Sprachkurs am Mittwochnachmittag werde ich nie absolvieren können. Aber ich möchte auch kein Spielverderber bei den anderen Kollegen sein und als verständnislos gelten“. So reihen sich viele kleine Dinge aneinander. Als dann bei einer Teamrunde nach langer Diskussion festgelegt wurde, dass das Fenster geöffnet bleibt und die fröstelnde Frau (B) sich wärmere Sachen anziehen soll, platzt die Kollegin (B) unerwartet. Auf ein Gespräch lässt sie sich nicht ein und redet mit Frau (A) kein Wort mehr. Frau (A) ist verletzt und fühlt sich abgelehnt. Die Aufträge werden nicht mehr fristgereicht bearbeitet und Kundenbeschwerden treffen ein. Die anderen Kollegen formieren sich zu Parteiungen.

Nun braucht es Zeit und eine saubere Klärung, um die Team- und Arbeitsfähigkeit wieder herzustellen. In diesem abgewandelten Fall bin ich als Mediatorin zum Einsatz gekommen. Das Wort „Mediation“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Vermittler“. Es handelt sich hierbei um ein Konfliktlösungsverfahren, das ein unparteiischer Mediator durchführt. „Medium paci se offere“ meint so viel wie „sich für den Frieden anbieten“. Wie der konkrete Fall ausgegangen ist? Kollegin (A) und (B) haben in dem moderierten Gespräch alle – auch unerwartete – Punkte auf den Tisch gebracht und eine gute Lösung gefunden.

BUCHTIPPS

Erfolgsfaktor Humankapital bei der Fusion von Banken, 2018

BankPersonaler-Handbuch, 2016

Auf den Punkt

In diesem Fall ist ein Konflikt ausgebrochen und hat Schaden hinterlassen. Hier muss gehandelt werden! Die Führungskraft ist gefragt und auch die Begleitung eines unbeteiligten Mediators ist angeraten.

Schaden und Kosten: Führt Streit immer zum Minusgeschäft? Nein! Eine saubere Konfliktkultur kann Kreativität und Lösungsfindungen massiv fördern. Ein Team erhält sich durch eine gesunde Streitkultur seine Wettbewerbsfähigkeit und auch die Chance auf eine solide Vertrauensbasis.

Streitkultur, Konfliktprävention und Konfliktschlichtung sind elementare Themen einer guten Führungs- und Personalkultur. Warten Sie nicht bis zum ersten außer Kontrolle geratenen Streit. Gehen Sie das Thema proaktiv an. Werden Sie Vorbild und behalten Sie das Heft des Handelns in der Hand. Ein Exkurs (Seminar, Training, Lektüre etc.) wird sich bezahlt machen!

PRAXISTIPPS

  • Konfliktprävention betreiben: Soweit im Ermessenspielraum der Führungskraft; einen guten Rahmen, klare Arbeitsbedingungen und offene Teamkultur schaffen. Durch transparente und klare Aufgaben sowie eindeutige Rollenverteilungen und Zuständigkeiten für Ordnung im Team sorgen. Bilden Sie sich zu diesem Thema und bieten Sie Ihrem Team einen Input dazu an
  • Konfliktkultur: Definieren Sie den Umgang mit Konflikten. Jegliche Reaktion oder Nichtreaktion auf Konflikte wird zur Vorbildfunktion für nachfolgende Streitigkeiten. Agieren Sie bevor Sie reagieren!
  • Konfliktschlichtung: Handeln Sie überlegt und schnell. Stellen Sie sich dabei diese Fragen: Bin ich ein neutraler Schlichter? Weiß ich genug über den Umgang mit Konflikten? Bin ich anerkannt als unparteiischer Vermittler? Was ist meine Rolle? Wie schreite ich ggf. als Führungskraft ein? (Steh ich selbst in Gefahr zum Konfliktbeteiligten zu werden?). Es lohnt sich unter Umständen einen neutralen und professionellen Mediator zu engagieren, wenn der Konflikt sehr eskaliert ist und große Auswirkungen hat.
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