Verlustfreie Bewertung des Zinsbuchs nach IDW und neuem RTF-Leitfaden

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Björn Butte, Partner Financial Services, BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Das Institut der Wirtschaftsprüfer („IdW“) hat Ende 2017 (verabschiedet am 16.10.2017) den Rechnungslegungsstandard über die verlustfreie Bewertung von zinsbezogenen Geschäften des Bankbuchs (IDW RS BFA 3 n.F.) aktualisiert. Erstmals ist die neue Fassung auf Jahresabschlüsse nach dem 31.12.2017, d. h. bei kalendergleichem Geschäftsjahr auf den Jahresabschluss zum 31.12.2018 anzuwenden. In 2018 wurde von Bafin und Bundesbank zudem der Leitfaden über die „Aufsichtliche Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte und deren prozessuale Einbindung in die Gesamtbanksteuerung“ (RTF-Leitfaden) grundlegend überarbeitet. Beide Änderungen geben Anlass die vorhandenen Prozesse zur Bewertung des Zinsbuches zu überprüfen.

IDW BFA 3 n.F. – wesentliche Änderungen

Unverändert ist Zweck des BFA 3, Hinweise zu geben, wann aus dem Zinsgeschäft ggf. ein Verlust droht, der nach handelsrechtlichen Grundsätzen zurückzustellen ist. In vielen Fällen enthält BFA 3 n.F. Klarstellungen zu bereits in der Praxis regelmäßig anwendeten Handhabungen, die nun auch formal in BFA 3 aufgenommen wurden. Hierzu zählen z. B. die Themen Berücksichtigung von Risikokosten, von Hybridkapital oder auch „negative“ Zinsen. Des Weiteren wurden erstmals Hinweise zu den bilanziellen Folgen von Umwidmungen von Geschäften in bzw. aus dem Bankbuch aufgenommen.

Materiell bedeutsam dürfte dagegen die Neuregelung der – nicht mehr in den Saldierungsbereich – einzubeziehenden Zinsderivate sein. BFA 3 regelt in Bezug auf Derivategeschäfte nunmehr explizit, dass diese nur dann in das rechnungslegungsrechtlich relevante Zinsbuch (d. h. den Saldierungsbereich) einbezogen werden dürfen, wenn sich diese auch objektiv für eine Sicherungsbeziehung qualifizieren. Die rein gemeinsame Steuerung dieser Geschäfte im Rahmen der Zinsbuchsteuerung ist dagegen kein hinreichendes Kriterium mehr. Zinsderivaten wird die objektive Eignung als Sicherungsgeschäft dann abgesprochen, wenn Ihre Laufzeit deutlich über der des Bestandsgeschäftes liegt (sog. langlaufende Zinsswaps). Deutlich wird, dass es sich um eine relative und nicht eine absolute Schwelle handelt. Zinsswaps die nach BFA 3 n.F. nicht mehr in das rechnungslegungsrechtliche Zinsbuch integriert werden dürfen, sind zukünftig nach denn allg. Regeln für Derivate – d. h. soweit keine sonstigen Bewertungseinheiten gebildet wurden – einzeln und imparitätisch zu bewerten und im Jahresabschluss abzubilden. Institute tun gut daran, Kriterien aufzustellen und Vorkehrungen zu treffen, um potentiell aus dem Zinsbuch entfallende Geschäfte zu identifizieren und die Auswirkungen zu bewerten. Bei der „Einstufung“ als langlaufend kommt es nicht auf den Zeitpunkt der Ersteinstufung an, sondern diese ist regelmäßig neu zu überprüfen und festzusetzen.

Der neue RTF-Leitfaden

Die bisherige Unterscheidung der RTF-Konzepte in „going concern“ und „gone concern“ wird grundsätzlich aufgegeben. Auch wenn bis auf weiteres der Going Concern-Ansatz alter Prägung noch zulässig sein wird, zeigt der Leitfaden deutlich den künftigen Weg auf: Aufsichtlich präferiertes Verfahren ist die sog. ökonomische Perspektive, die – vorbehaltlich von Detailvorgaben – grundsätzlich auf dem Gone Concern-Konzept aufsetzt. Während der Wert des Zinsbuches sowie dessen ungeplante Wertschwankungen in den in Deutschland von vielen Instituten verfolgten Going Concern-Ansätzen keine bis geringe Bedeutung hatten, dürfte sich das bei einem Wechsel auf die ökonomische Perspektive diametral ändern. Die Risikodeckungsmasse ist – vorbehaltlich von Vereinfachungen – grundsätzlich barwertig zu bestimmen, entsprechend groß werden die Bedeutung und der Einfluss des Werts des Zinsbuches sein. Bei den Risikobeträgen gilt entsprechend, dass dann ein unerwarteter Verlust des Zinsbuches zu berücksichtigen ist.

SEMINARTIPPS

Neuausrichtung Risikotragfähigkeit – Fallstricke & Herausforderungen, 26.03.2019, Frankfurt/M.

Verlustfreie Bewertung des Zinsbuchs laut RTF-Leitfaden & IDW-Standard, 27.03.2019, Frankfurt/M.

Herausforderung: Daten-Verzahnung Controlling, Melde- & Rechnungswesen, 16.10.2019, Köln.

Übergang Going Concern-Ansatz auf neue normative RTF-Perspektive, 22.10.2019, Frankfurt/M.

Folgen der neuen aufsichtlichen Zinsszenarien für Zinsrisikosteuerung, 07.11.2019, Hamburg.

Auf Grund der zeitpunktbezogenen (statischen) Ermittlung der Risikodeckungsmasse ohne Neugeschäft erscheint es schwer zu begründen, wenn für Zwecke der Rechnungslegung bzw. der Risikodeckungsmasse abweichende Marktwerte für das Zinsbuch ermittelt werden. Zumindest werden sich Fragen zur Erläuterung und Überleitung stellen. In Fußnote 8 zu Tz. 40 weist auch der RTF-Leitfaden darauf hin, dass das BFA 3-Verfahren regelmäßig auch für die Risikotragfähigkeit herangezogen werden kann. Zu beachten ist allerdings, dass in die RTF-Rechnung sämtliche zinstragenden Geschäfte einzufließen haben, ungeachtet ob sie in der Grundgesamtheit der für die handelsrechtliche verlustfreie Bewertung berücksichtigungsfähig sind oder nicht.

Die ökonomische Perspektive der RTF-Rechnung wird ergänzt um eine sog. normative Perspektive, die im Wesentlichen eine Kapitalplanung darstellt und von den regulatorischen Kennzahlen und deren Berechnungsmethoden ausgeht. Neben einem Basis(plan)-Szenario ist zumindest ein adverses Szenario abzubilden. Bei der Fortschreibung des regulatorischen Kapitals durch geplante Überschüsse ist – je nach bisheriger Höhe der Reserven/Lasten im Zinsbuch und erwarteter Zinsentwicklung z. B. in den adversen Szenarien – auch das Erfordernis einer Berücksichtigung einer Rückstellung nach BFA 3 zu überprüfen.

PRAXISTIPPS

  • Institute sind gut beraten, die Auswirkungen von normativer und ökonomischer Perspektive frühzeitig zu analysieren und ggf. eine Umstellung des RTF-Konzepts in Erwägung zu ziehen.
  • Institute sollten prüfen, ob und inwieweit interne Bewertungsmethoden für handelsrechtliche Zwecke und die Risikotragfähigkeit vereinheitlicht werden können.
  • Soweit abweichende Modelle nicht vermieden werden können, sollten Institute in der Lage sein ggf. unterschiedliche Werte überzuleiten und zu erklären.

 

Beitragsnummer: 54219

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