Verlustfreie Bewertung des Zinsbuchs nach IDW und neuem RTF-Leitfaden

image_print

Dominik Leichinger, Prüfungsleiter, Referat Bankgeschäftliche Prüfungen 2, Deutsche Bundesbank, Hauptverwaltung in NRW[1]

IDW RS BFA 3

Das IDW hat am 16.10.2017 eine aktualisierte Stellungnahme zu „Einzelfragen der verlustfreien Bewertung von zinsbezogenen Geschäften des Bankbuchs (Zinsbuch)“ (IDW RS BFA 3) veröffentlicht. Demnach sind alle zinsbezogenen Finanzinstrumente des Bankbuchs zu jedem Abschlussstichtag in ihrer Gesamtheit verlustfrei zu bewerten. Dies bedeutet, dass bei der Bewertung nicht der Zinssatz einer einzelnen Position, sondern vielmehr die Zinsmarge als Differenz der Verzinsungsansprüche von Aktiv- und Refinanzierungspositionen maßgeblich für die Bewertung ist. Besteht aus den am Abschlussstichtag noch offenen Zinsansprüchen und Zinsverpflichtungen (inkl. Risiko- und Verwaltungskosten) ein Verpflichtungsüberschuss, ist eine Drohverlustrückstellung gem. § 340a i.V.m. § 249 Abs. 1 HGB zu bilden.

Das i. S. d. BFA 3 zu bewertende Bankbuch ist abzugrenzen von der Gesamtheit der Positionen, die im Rahmen der Steuerung des gesamtbankbezogenen Zinsänderungsrisikos berücksichtigt werden. Demnach umfasst die verlustfreie Bewertung des Bankbuchs u. a. keine Zahlungsströme aus Pensionsverpflichtungen oder Geschäfte, die dem Handelsbuch zugeordnet sind sowie einzelnen Aktivpositionen direkt zugeordnete Refinanzierungen.

Als Bewertungsmethoden existieren mit dem GuV-orientierten sowie dem barwertigen Ansatz zwei – i. S. d. BFA 3 – gleichwertige Verfahren zur verlustfreien Bewertung des Bankbuchs. Ausgangsbasis für die Bewertung bilden grundsätzlich die vertraglich vereinbarten Zahlungsströme. Für Positionen mit unbestimmter Kapital- und/oder Zinsbindung sind angemessene Annahmen, in Übereinstimmung mit den methodischen Vorgehensweisen zur internen Messung von Zinsänderungsrisiken, zu treffen. Gleiches gilt für den Umgang mit in Positionen eingebettete Kündigungsoptionen.

Darüber hinaus sind für Zwecke der Überprüfung eines Rückstellungsbedarfs am Bewertungsstichtag bestehende Aktiv- und Passivüberhänge fiktiv zu schließen.

 SEMINARTIPPS

Verlustfreie Bewertung des Zinsbuchs laut RTF-Leitfaden & IDW-Standard, 27.03.2019, Frankfurt/M.

Prüfung Depot A-Geschäft, 16.05.2019, Köln.

Prüfung Meldewesen: Erweiterung PrüfbV & neuer IDW Prüfungsstandard, 17.10.2019, Köln.

Zinsrisiko-Steuerung 2020 in unsicheren Zeiten, 07.11.2019, Hamburg.

RTF-Leitfaden

Über die Anforderungen des IDW-Rundschreibens BFA 3 werden stille Lasten im Bankbuch für HGB-bilanzierende Institute über die Bildung einer Drohverlustrückstellung transparent. Insofern wirkt sich die Bildung einer solchen Drohverlustrückstellung auch auf das im Rahmen der Risikotragfähigkeitsermittlung zur Verfügung stehende Risikodeckungspotenzial aus. Dies gilt gleichermaßen für die Ableitung des Risikodeckungspotenzials in tradierten Going-Concern Ansätzen (Annex-Institut), wie auch für die normative Perspektive gemäß des überarbeiteten Leitfadens (Bundesbank/BaFin, Aufsichtliche Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte und deren prozessualer Einbindung in die Gesamtbanksteuerung („ICAAP“) – Neuausrichtung, 24.05.2018) zur Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte. Des Weiteren kann der methodische Ansatz zur verlustfreien Bewertung des Bankbuchs in der ökonomischen Perspektive herangezogen werden, um eine barwertnahe Ableitung des Risikodeckungspotenzials vorzunehmen.

Die Risikotragfähigkeitsanalyse zielt darauf ab zu beurteilen, inwieweit ein Institut in der Lage ist, schlagend werdende Risiken aus eigener Kraft abzudecken. Abweichend von der handelsrechtlichen Sichtweise zur verlustfreien Bewertung stellt sich unter Risikotragfähigkeitsgesichtspunkten vielmehr die Frage, ob bei Eintritt des Risikofalls (bezüglich des Zinsänderungsrisikos) eine Drohverlustrückstellung zu bilden wäre. Um diesen „Zweitrundeneffekt“ abzubilden, ist die verlustfreie Bewertung des Bankbuchs unter der Annahme des Risikoeintritts vorzunehmen.

Bezüglich der Messung von Zinsänderungsrisiken fordern die MaRisk 2017 sowohl eine periodenorientierte als auch eine barwertige Betrachtungsweise (BTR 2.3 Tz. 6). In diesem Zusammenhang erfolgt auch im Leitfaden zur Beurteilung von Risikotragfähigkeitskonzepten der Hinweis, dass die Bewertungsmethodik der verlustfreien Bewertung des Bankbuchs – unter Wahrung der Konsistenz zur Ableitung des Risikodeckungspotenzials – als Vereinfachung zur barwertigen Zinsänderungsrisikomessung herangezogen werden kann.

PRAXISTIPPS

  • Regelmäßige Analyse, inwieweit bei Eintritt des RTF-Risikoszenarios die Notwendigkeit zur Bildung einer Drohverlustrückstellung – i. S. d. BFA 3 – bestünde.
  • Konsistente Methodik bei der Modellierung variabler Produkte – sowohl für Zwecke der internen Risikomessung als auch zur verlustfreien Bewertung des Bankbuchs.
  • Nutzung der verlustfreien Bewertung des Bankbuchs als vereinfachte barwertige Betrachtungsweise zur schrittweisen Verknüpfung von normativer und ökonomischer Perspektive.

 

  1. Die in diesem Aufsatz vertretenen Auffassungen geben die persönliche Meinung des Autors wieder und sind nicht notwendigerweise Positionen der Deutschen Bundesbank oder einer anderen Bankenaufsichtsbehörde.
0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.