Versehentliche werbliche Ansprache ohne Einwilligungserklärung ist vermeidbar

Thomas Breitkreuz, Geschäftsführer, emagixx GmbH

Frage Heidi Bois (Leiterin Vertrieb, FCH Gruppe AG):

Die DSGVO regelt klar: Bis auf wenige Ausnahmen ist die werbliche Ansprache von Kunden ohne das Vorliegen einer unterschriebenen Einwilligungserklärung nicht zulässig! Trotzdem werden immer wieder Fälle bekannt, in denen sich Betroffene beschweren, dass sie von ihrer Bank angeschrieben oder gar angerufen wurden, obwohl sie hierfür keine Zustimmung gegeben haben oder sogar explizit einen Werbeausschluss vorgenommen haben. Können Sie erklären, wie es hierzu kommt?

Antwort Thomas Breitkreuz:

Ich kann natürlich nicht ausschließen, dass sich das eine oder andere Finanzinstitut über die Regelungen der DSGVO hinwegsetzt. Es gibt aber durchaus auch Fälle, wo das Problem in unpräzisen Prozessen zu finden ist, die Ansprache also eher versehentlich erfolgt.

Frage Heidi Bois:

Können Sie uns genauer erläutern, wie es hierzu kommen kann?

Antwort Thomas Breitkeuz:

Wir arbeiten sehr viel mit Sparkassen zusammen. Hier werden die Einwilligungserklärungen in einem elektronischen Dokumentenarchiv abgelegt. Parallel hierzu erfolgt ein Eintrag im operativen System, dass die Erklärung vorliegt. Bereits hierbei kann es zu Fehlern kommen, indem z. B. ein Dokument falsch klassifiziert im Archiv abgelegt wird, oder dass der Eintrag im operativen System erfolgt, ohne dass ein Dokument vorhanden ist. Hier konnten wir bereits beliebige denkbare fehlerhafte Kombinationen feststellen. Zusätzlich besteht natürlich auch die Möglichkeit, dass ein Kunde zeitversetzt einen Werbeauschluss beantragt. Auch diese Information muss wieder ins operative System eingepflegt werden und auch hierbei kann es wieder zu Fehlern kommen. Hinzu kommt noch, dass es bestimmte technische Konstellationen gibt, die ebenfalls zu Fehlverschlüsselungen von Datensätzen führen können.

Frage Heidi Bois:

Heißt das, dass die Ansprache von Kunden ohne Einwilligungserklärung technisch nicht vermeidbar ist?

Antwort Thomas Breitkreuz:

Die völlig fehlerfreie Hinterlegung stellt sicher eine große Herausforderung dar. Hier wird es meiner Meinung nach immer wieder zu Fehler kommen, die dazu führen, dass im operativen System Kunden fälschlicherweise eine Einwilligungserklärung zugeordnet wird, die nicht vorhanden ist. Das operative System wird so zu einer eher suboptimalen Quelle für Marketingkampagnen. Diese Situation bedeutet aber nicht gleichzeitig, dass es auch zwingend zu einer versehentlichen Ansprache kommen muss. Wir bieten z. B. Sparkassen die Möglichkeit an, die relevanten Daten zu überprüfen. Hierfür benötigen wir nur einen oder zwei Tage, sodass die Daten auch kurz vor einer Marketingkampagne noch korrigiert werden können.

Frage Heidi Bois:

Ist dies für die Sparkassen ein aufwendiges Verfahren?

Antwort Thomas Breitkreuz:

Nein. Der Abgleich zwischen den Einträgen im operativen System und dem Dokumentenarchiv sowie die Untersuchung bzgl. Werbeausschluss erfolgt softwaregestützt automatisch. Wir bereiten die Ergebnisse außerdem so auf, dass ein Großteil der Fälle maschinell bereinigt werden kann. Für einzelne komplexere Sachverhalte ist allerdings die Expertise der Sparkassenmitarbeiter gefragt. Wenn eine Bereinigung zeitnah nicht mehr möglich ist, haben Sparkassen auch die Möglichkeit, unklare Fälle von werblichen Maßnahmen solange auszuschließen, bis der Status der betroffenen Kunden geklärt ist.

Frage Heidi Bois:

Würden Sie sagen, dass das versehentliche Anschreiben von Kunden ohne Einwilligungserklärung aus ihrer Sicht deshalb nicht entschuldbar ist?

Thomas Breitkreuz:

Entschuldbar ist es sicherlich, wir sind alle nur Menschen. Aus technischer Sicht gibt es aber heutzutage Lösungen, die weder viel kosten noch wertvolle Ressourcen binden und so zu einer deutlichen Verbesserung der Situation beitragen können.

Heidi Bois:

Herr Breitkreuz, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

 

Beitragsnummer: 75592

 



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