Wie zahlen wir morgen?

Welche Anbieter tummeln sich am Point of Sale (PoS) und am Checkout im eCommerce? Was wünschen sich die Verbraucher?

Markus Thiedtke, Senior Spezialberater Zahlungsverkehr, Deutsche Bank Hamburg

Im Film Minority Report steigt der Hauptdarsteller in ein öffentliches Verkehrsmittel, schaut einmal gezielt in eine Kamera und hat einen Fahrschein gekauft. Ähnliche Ideen finden sich in vielen Filmen mit Zukunftsbezug. Doch wie wollen wir in der Welt von Morgen zahlen und wie weit sind wir auf dem Weg dahin?

Als Privater Nutzer

Die Entwicklung weltweit zeigt, dass es aus Verbrauchersicht nicht das eine Verfahren gibt, was alle nutzen (müssen). In Asien hat sich aus der Plattform des Internetgiganten Alibaba heraus eine Zahlform mittels QR-Code durchgesetzt. Diese Variante kann sowohl beim eCommerce, als auch an der Ladenkasse am Point of Sale eingesetzt werden. Auch Händler in Deutschland bieten oft dieses Verfahren an, sofern viele chinesische Kunden zur Zielgruppe gehören. Ganz anders zahlen die Kunden in Deutschland, im Rest von Europa und den USA. Hier sind eher Verfahren auf Basis von Karten oder einem Token beliebt. Das zahlen per QR-Code ist tendenziell eher eine Nische. Das zeigt, dass regionale Entwicklungen bestimmend sind. Ob sich das eine oder andere später weltweit durchsetzen wird, kann man nicht vorhersehen. Am Ende ist für den privaten Nutzer vor allem wichtig, dass das Verfahren einfach und sicher ist. Auch eine Wahlmöglichkeit ist zumindest in den USA und Europa wichtig (Welche Karte darf es denn heute sein?).

SEMINARTIPPS

Prozessmanagement 2.0 – Zukunftssicherheit & Ordnungsmäßigkeit, 04.04.2019, Köln.

Digitalisierung im Konten-/Zahlungsverkehr: Praxis & Prüfung, 08.04.2019, Frankfurt/M.

Praxisprobleme Kontoführung & Zahlungsverkehr, 26.06.2019, Köln.

Prüfung Neue-Produkte-Prozess (NPP) & Produktkatalog, 03.12.2019, Frankfurt/M.

Als Unternehmen/Inhaber eines Webshops/Portals

Der Blick auf Verkäuferseite wiederum ist ein völlig anderer. Davon ausgehend, dass alle Zahlsysteme eine übersichtliche Plattform für die Abrechnung bieten, sind drei Faktoren ausschlaggebend.

  1. Akzeptanz durch die Kunden (Verbreitung)
  2. Aufwand für die Implementierung (Anschaffung/Einrichtung)
  3. Kosten je Transaktion

Die Erprobung/Einführung weiterer Zahlarten wird immer von diesen drei Faktoren bestimmt und genau hier setzen die Anbieter an.

BUCHTIPP

Kontoführung & Zahlungsverkehr, 5. Aufl. 2017

 

 

Als Bank

Lange war in Deutschland die EC-Karte das Mittel für alles. Das Modell hat reibungslos funktioniert und war eine gute Einnahmequelle. Inzwischen sind die Erträge reguliert und der Wettbewerb hat viele neue Player am Markt etabliert. Es geht um nichts anderes als die Zukunft der Banken für das Zahlen am POS und eCommerce. Ein neues funktionierendes, profitables Geschäftsmodell für die Zeit nach Karten muss her – idealweise ein globales, zumindest aber ein europäisches. Ansätze sind da, jetzt kommt es auf die Umsetzung an. Die Margen werden kleiner, aber die Kosten auch. Vor allem müssen wir den Mut haben es selbst zu tun, bevor andere disruptive Kräfte es tun.

Weitergedacht

Auf Deutschland bezogen sieht die Situation am POS wie folgt aus:

Neben Bargeld finden die meisten Transaktionen am POS mittels Karte statt. Zunehmend kontaktlos. Zahlungen mittels Smartphones sind derzeit selten und die Banken setzen hier auf NFC-Technik, um letzten Endes eine Kartenzahlung via Handy auszuführen. Auch das am 11.12.2018 in Deutschland eingeführte Apple Pay (z. B. Deutsche Bank, Amex, Comdirect) funktioniert so. Eine Reihe von Nischenanbietern und hauseigene Lösungen ergänzen das Angebot. Die Einführung der Echtzeitüberweisung am Point of Sale wird in verschiedenen Modellen durchdacht und könnte für viele Händler zu einer deutlichen Senkung der Kosten für Zahlungen am POS führen. Sofern also keine neue Infrastruktur eingeführt werden muss, sind dafür viele Händler sicher offen.

Im eCommerce wird inzwischen ein Großteil der Zahlungen über Online-Payments (PayPal, paydirekt und weitere) ausgeführt. Auch Kreditkarten spielen eine wesentliche Rolle. Kann oder wird es hier künftig Verschiebungen geben? Gerade hier scheint die Echtzeitüberweisung eine wirklich gute Chance für Banken zu sein, Terrain wieder gut zu machen – allerdings handelt es sich dabei eher um margenschwächeres Geschäft. Dennoch kommen die Banken dadurch wieder an wertvolle Informationen. Durch die gewonnenen Daten können die Kundenschnittstellen besser besetzt werden und die Kundennähe steigt.

Fazit

Es sind weiter viele Szenarien zum zukünftigen Zahlen denkbar. Am Ende entscheidet der Kunde, was er einsetzt. Daher müssen alle neuen Zahlverfahren entweder Mehrwerte bieten oder nahezu überall akzeptiert sein. Die Nutzung von Bargeld wird weiter zurückgehen. Ob Bargeld irgendwann ganz verschwindet, ist offen – aktuell ist das nicht in Sicht.

PRAXISTIPPS

  • Beobachten und lesen Sie Informationen des Marktes. Kaum ein Banking-Thema verändert sich so stark, ohne dass man es im Alltag mitbekommt.
  • Probieren Sie alles aus, kontaktlos, mit Handy und Smartwatch, scheuen Sie nicht sich auch wieder abzumelden.
  • Diskutieren Sie Ihre Erfahrungen mit Kollegen, Kunden, Händlern und bilden Sie sich Ihre Meinung.

Weblinks

 

Beitragsnummer: 56611



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